Medien im Wandel der Zeit

  • Claus Relotius hat die Stories geliefert, die Chefredaktion und der Zeitgeist geradezu verlangt haben - ...und da kann es nicht verwundern, dass die "besten" Presseerzeugnisse die sind, die einerseits mehrheitsfähige und andererseits den common sense stimulierende Bestätigungen der gängigen Vorstellungen liefern, bzw. Vorurteile und Weltanschauungen untermauernde Geschichten erzählen...Die Anfälligkeit bzw. Bereitwilligkeit, der gezielten Unwahrheit auf den Leim zu gehen, hat ein Ausmaß erreicht, das den Medien insgesamt irreparablen Schaden zugefügt hat


    Der Schaden wäre noch größer gewesen, wenn der Spiegel sich nicht selbst so viel Asche auf's Haupt streuen würde. Der begründete Verdacht, der vorsätzlichen Meinungsmache ist aber nicht mehr auszuräumen und eigentlich muss man sich wundern, dass das nicht schon viel früher aufgefallen ist. Früher hat man sowas eher mit Erfolg vertuscht und ich schätze mal, dass es den anderen Redaktionen ziemlich sauer aufstößt, dass der Spiegel sich so aufheulend auf den Rücken wirft, denn bei dem Krach kann man es nicht mehr totschweigen und auch nicht mehr vernebeln, dass es überall so ist.

  • ...
    Für mich ist das eine Kampagne, um sich selber zu bewerben und da schießt man weit über das Ziel hinaus. M. E.


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Der Eigennutz ist erkennbar. Und übertrieben finde ich das in der kompakten Form, die nun vorgeführt wird, inzwischen auch. Andererseits ist es genau das, was gefordert wird. Wären es die FOX-News, die ihre eigene Brut mal zu Lüften vor die Tür setzen und bei sich selbst aufräumen, würden wir vermutlich erstaunt den Kopf schütteln bis wir ohnmächtig werden und beifällig klatschen, wenn wir wieder bei Bewusstsein sind. Doch von dort werden solche Selbstreinigungsrituale gar nicht erwartet. Aber beim Spiegel wird der Maßstab gleich wieder etwas enger geschnürt. Das ist auch ein Teil der Wahrheit. Dass sich einige leitende Redakteure als schlechte Kontrolleure erwiesen haben, wird deren Karriere sicherlich auch nicht gut tun. Schließlich gibt es keinen Mangel an Kandidaten, sondern einen schrumpfenden Markt für ihre Hintern.

  • . ... Schließlich gibt es keinen Mangel an Kandidaten, sondern einen schrumpfenden Markt für ihre Hintern.


    Jetzt träumen wir einmal, dass diese Aussage auch für die Finanzbranche Geltung hätte und wachen ganz schnell wieder auf. :heureka:


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • In regelmäßigen Abständen wird es ein großes Badabum geben- schon Addis Tagebücher vergessen.


    In einer Zeit, in der niemand mehr irgendetwas für Qualität ausgeben will und schon gar nicht für Nachrichten, der wird sich mit dem weiteren Verfall der 4 Gewalt anfreunden müssen.Am Ende werden wir dann von den Honks im Netz und den Qualitätsmedien ala Bild, Daily Mail und Sun in Kenntnis gesetzt.


    Es ist wie mit unseren Paket-Sklaven, neidisch schaue ich nach Dänemark, die ein Problem aller Beteiligten erkennen, Gesetze erlassen, die Infrastruktur danach ausrichten und das Problem lösen.


    Aber vielleicht schreibt ja demnächst Nr. 5 die investigativen Artikel, der wird jedenfalls Trump und Putin besser kennen als die sich selbst.

  • In zwanzig Jahren sind 80% der Jobs bei Banken und Versicherungen usw. Geschichte. Das könnte sogar positive Folgen haben.
    Wollen wir hoffen, dass es bei der Bericherstattung in diversifizierten Medien aller Art nicht analog läuft.
    Denn das kann nur zu negativen Konsequenzen führen.

  • Der Huffington Post werde ich bestimmt keine Träne nachweinen.


    Selbt unser Wiesbadener Tagblatt ist der Mainstreampresse gefolgt und lobt die Flutung Deutschlands und die Asylindustrie.


    Die "Asylindustrie" ist ein Kampfbegriff der neurechten Bewegung. Unter dem Gesichtspunkt, dass das Asylrecht mit den Asylpaketen I und II nur noch einen Schein seines ursprünglichen Hintergrundes abbildet, ist der Begriff eigentlich nur noch geeignet, gegen alles, was irgendwie grün, rot, fremd, schwarz aussieht, Stimmung zu provozieren.
    Auch gibt es keine "Flutung" Deutschlands.
    Derlei Begriffe im Großzusammenhang mit Flucht, Migration und Vertreibung wollen eine Bedeutung einbläuen, die es für Deutschland nicht gibt. Die meisten der weltweit auf der Flucht befindlichen Menschen sind Binnenflüchtlinge, Jordanien, Uganda und der Libanon haben bezogen auf Fläche und Bevölkerung mit Abstand die meisten Menschen aufgenommen.
    Aber die Verschiebung innerhalb sprachlicher Muster und Gewöhnung funktioniert leider zu gut. Hier wird durch ständige Wiederholung eine Realität gezeichnet, die sich am Vergleich mit der relativen globalen Verteilung nicht halten lässt.
    Da gibt es einerseits diejenigen, die diesen Sermon unaufgefordert nachplappern und andere, die das forcieren.
    Zurück bleibt eine vergiftete Gesellschaft.

  • Auch. Aber eher ein gewisser Hang zur Sauberkeit. Soll das unwidersprochen einfach so dastehen?


    Natürlich nicht, es bleibt mit dem Widerspruch nur die Dokumentation, etwas Unheilbares vergeblich geheilt haben zu wollen.

  • Die "Asylindustrie" ist ein Kampfbegriff der neurechten Bewegung. […]

    Das ist leider wahr, führt jedoch vom threadauslösenden Thema ein wenig weg… man könnte die Medien insofern am Berührungspunkt zweier gesellschaftlicher Entwicklungen verorten: Einerseits will der Mediennutzer "seine" Weltanschauung durch die von ihm bevorzugt genutzten Medien verkündet sehen, zugleich laufen den besonneneren Medienerzeugnissen die Leser weg.
    Wenn die Mediennutzung je nach Alter der Nutzer sich zunehmend auf die Häppchenware fokussiert, kann die Anfälligkeit gegenüber Parolen, Aufrufen und Schlagworten nicht sehr verwundern.

  • Bitte die Kritik an den Auslöser weiterreichen.

    Gern doch. Das Thema lautet bekanntlich "Medien im Wandel der Zeit" - Nun stehen die Medien vor dem Problem, dass sich die Medienrezeption den Medienmachern ihre Existenzgrundlage entzieht, weswegen Verleger, Herausgeber, Journalisten und Intendanten nach Kräften mühen, sich dem Publikumsgeschmack stärker anzudienen - wie sollen Medien aber ihren Nutzern verständlich machen, dass eine Kultur der Wertschätzung dem gesellschaftlichen Nutzen diene, wenn jene im Alltag nicht gepflegt wird? Gesellschaft formt sich danach, wessen Verhaltensweisen die Bevölkerungsmehrheit aus freiem Willen nacheifert.
    Blicken wir also auf die Influencer und die Opinion Leader - und auch jene sind bekanntlich im Wandel der Zeit grundlegend durch wechselnde Personen bzw. Leitbilder ersetzt worden - in den 50er Jahren konnte ein (seinerzeit als skandalös empfundener) Schriftsteller spotten, dass der Spießbürger seinerzeit "Esszimmer und Maßanzug" zu seinen höheren Idealen zähle - vor vielleicht einem Jahrzehnt setzten sich die Gerichtsshows und das Dschungelcamp dann als "Schulfernsehen" für den in der Öffentlichkeit gepflegten Umgangston durch.