Deutsche Wirtschaftsethik?

  • Guten Morgen in die Runde :)


    In der Hoffnung, nicht wieder seitenweise ein mir unbekanntes Pingpong-Spiel verfolgen zu müssen:


    Wie steht Ihr zur deutschen Wirtschaftsethik - sofern es eine solche ünberhaupt gibt?


    Deutschland ist eine Exportnation und dadurch extrem abhängig. Momentan Haupexportpartner sind China, Russland, die Schwellenländern, erst dann europäische Partner - ausgerechnet am "armen Rand", wie z.B. Griechenland. Diee Abhängigkeit führt meiner Meinung nach zu allerlei seltsamen "Verrenkungen", da es ja auch noch das Bekenntnis zu Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten gibt.


    Russland, China und etliche Schwellenländer nehmen es mit eben dieen (Werte-)Grundlagen unserer Gesellschaft nicht allzu genau. Trotzdem machen wir mit ihnen Geschäfte und werden reich dabei.


    Thema Griechenland: Wir verwehren ihnen Hilfe wie wir sie in einer ähnlichen wirtschaftlichen Situation von den USA bekommen haben - damals durchaus auch auf Kosten der einhemimischen Wirtschaft der USA. Obwohl erst unsere Europoiltik und das Gewähren fauler Kredite Griechenland überhaupt erst in diese Lage gebracht haben. Und nun zwingt der rigide Sparkurs Griechenland mehr oder minder dazu, ohne Wachstum zu bleiben, da die Förderung dieses Wachstums eine andere griechische Wirtschaftspolitik erfordern würde, die (erstmal9 Geld kosten würde.


    Eine echte Währungsunion sähe anders, vom jetzigen Modell profitiert recht allein wieder nur Deutschalnd. Solidarität gegenüber Resteuropa: Pustekuchen.


    Jetzt brauchen wir Hilfe und die anderen haben keine Lust. Das ist jetzt aber verwerflich.


    Irgendwie ist das Bild, das Deutschalnd hier abgibt, nicht sonderlich positiv.


    Wie seht Ihr das? Ist Deutschalnd ein Staat, in dem Gewinn(maximierung) über allem steht? Noch VOR den Menschenrechten? Gefällt mir irgendwie nicht, diese Vorstellung ....


  • Deutschland ist eine Exportnation und dadurch extrem abhängig. Momentan Haupexportpartner sind China, Russland, die Schwellenländern, erst dann europäische Partner - ausgerechnet am "armen Rand", wie z.B. Griechenland. Diee Abhängigkeit führt meiner Meinung nach zu allerlei seltsamen "Verrenkungen", da es ja auch noch das Bekenntnis zu Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechten gibt.


    Russland, China und etliche Schwellenländer nehmen es mit eben dieen (Werte-)Grundlagen unserer Gesellschaft nicht allzu genau. Trotzdem machen wir mit ihnen Geschäfte und werden reich dabei.


    Wer ist "wir" und wer gehört dazu?
    Mit ist es neu, dass ich durch solche Geschäfte reich geworden wäre.



    Ganz klar liefert gibt Deutschland besser gesagt seine Politik hier ein miserables Bild.
    Die deutsche Politik kennt keine Moral,
    handelt ethisch verwerflich und nur im Interesse reicher Kapitalkerise.


    Ich habe aber diese Scheißpolitik nie gewählt und lehne jegliche Verantwortung für diese ab.


    Diese deutsche Dreckspolitik geht wegen einem Prozentpunkt mehr Rendite, welche die reichen Säcke einstauben können, über Leichen, zerstört die Umwelt und den Volkszusmmenhalt,. Europapolitik kann mit solch einer Politik auch nur scheitern.


    Das alles ist nichts neues, hat aber bis dato den eutschen Michel kaum interesseirt.
    Solange er/sie billig einkaufen kann, der Benzinpreis unten bliebt und sich sein Flieger auf Malle nicht verspätet ist der/die deutsche Wohlstandstrottel/in zufrieden und scheißt auf eine wie auch immer geartete Ethik. Die Herren Bischöfe klemmen sich berufsbedingt die Eier ab, nicht nur sexuell sondern auch verbal,wenn es darum geht die Politik als das zu kritiseren was sie ist: verwerflich und menschenverachtend.


    Die Grünen sind zu artigen Vasallen einer solch verwerflich und menschenverachtend agierenden Politik geworden, haben ihre Ideale verraten und geben damit ein unrühmliches Beispiel dafür ab,
    wie aus jugendlicher Weltverbesseren dekadent angepasste Mitläufer werden können. Das alles so
    langwelig und angepasst, dass selbst den üblichen Karrieristen aus dem bürgerlich-konservativen Lager, die sich in jungen Jahren schon dem Bonzetum entgegenschleimten, der Ekel kommen muss.


    Es gibt da aber kein "wir", denn eine solch miese dem Kapital angepasste Politik ist nur dann möglich,
    wenn das "wir" nachhaltig zerstört worden ist. Ein strarkes bzw. selbetbewusstes Volk würde sich nie
    von solchen Schwachmaten fehlregieren und ausbeuten lassen, würde seine Interessen vertreten und jedem, er sie verrät ordentlich Kontra geben.


    Es geht viel unseliges zusammen: Politik, Wirtschaft und viele Verbraucher haben keine Ethik
    und die Gesellschaft verliert ihre Würde bzw. hat diese verloren.

    2 Mal editiert, zuletzt von Kleinlok ()

  • meine erste frage war: und wo sollte eine antwort, auf welche frage eigentlich?, oder eine diskussion nun ansetzen? die zweite: soll ich mich überhaupt hier beteiligen?


    im eingangstext ist zunächst einmal der sachliche auftakt zum thema falsch dargestellt. das ist unnötig, denn ein blick in die richtige richtung zeigt, wie es tatsächlich ist. du legst den focus auf warenabsatz, also export, und in dem segment sind die größten deutschen handelspartner nicht china oder schwellenländer. es sind die usa und eine reihe EU-Länder. china nimmt den fünften rang ein. china ist dagegen der größte import-partner. schwellenländer wären nicht einmal in der addition unter den ersten.
    sowas ist unnötig und vermeidbar, wenn das vorher als eigener beitrag zum beitrag gecheckt worden wäre. sorry.
    https://www.google.de/search?q…ei=PqjrVuOwLoLE6ASns5GYCw


    viele der einzelpunkte, wie währungsunion/euro, überschusswirtschaft, bankenrettung, griechenland, flüchtlinge, waffenhandel, wem gehört die welt, politik und parteien, globale machtpolitik ...etc etc... waren hier bereits themen umfassender freds mit lesenswerten beiträgen vieler foristen, die sich dem eingekehrten schlichten allerlei inzwischen weitgehend entziehen. politische grundlagen und globale interessen etc. wurden in langen themenfreds diskutiert und hinterfragt. es war meist schwierig.


    wie ist ein neuer fred nun anzugehen?
    alles auf widerholung?
    oder rühren wir einen leichten, universellen themeneintopf auf bunte-leser-niveau an?
    neu mit ein paar allgemeinen sätzen, aber bloß nicht mit zuviel sachlichem tiefgang und thematischem focus angerührt? und der auftakt ist ein topf voller wasser, ein paar allgemeine worte über mögliche zutaten und ein "macht mal"? wie soll das gehen?

    8 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()



  • Auch Dir einen schönen guten Morgen. Jetzt steht das WE vor der Tür, das Wetter ist schön und Du kommst uns mit Ethik. :wink5:



    Zum Glück ist Dein Thema kein rein philosophisches, sonst hätte ich wahrscheinlich nicht geantwortet, aber Wirtschaftsethik könnte ich vielleicht doch irgendwie verwursten - mal sehen...



    Man könnte mit Entsolidarisierung anfangen, denn die gängige Doktrin erhebt ja den Wettbewerb zum höchsten Ziel, nein, zum einzig sinnvollen Ziel des Glücks und des Wohlstands und der "Freiheit". Natürlich bedingt das irgendwie, dass unter Wettbewerbsdruck so ein dummes Zeug wie Gefühle oder Menschenrechte keinen wirklichen Sinn mehr machen, denn es muss ja vordringlich darum gehen im Wettbewerb zu bestehen beziehungsweise zu überleben.


    Wettbewerb produziert immer Gewinner und Verlierer und macht die einen zu Erfolgreichen und die anderen zu Unproduktiven. Wie viel Wettbewerb sollten wir uns also zumuten oder anders ausgedrückt - wo sollte man Wettbewerb zulassen und wo nicht. An dieser Stelle bekomme ich sogar die philosophische Kurve nach Kant. Sollten ökonomische Modelle und Leitlinien nur dann zugelassen werden, wenn allgemeiner Konsens ist, dass diese Regeln immer auch gegen sich selbst akzeptabel sind. Dann könnte das ökonomische Menschenbild, worin immer davon ausgegangen wird dass jeder jeden übers Ohr hauen will, keine Grundlage der Ökonomie sein.



    Bevor ich mich zu sehr auf das Glatteis der Philosophie begebe höre ich lieber auf, aber nicht ohne darauf hinzuweisen dass es keine deutsche Wirtschaftsethik gibt oder geben kann. In Deutschland hat sich nur der ökonomische Mainstream, beziehungsweise ein einziges Modell der Wirtschaftswissenschaften durchgesetzt und eben nicht nur hier sondern in der ganzen westlichen Welt.

  • ...
    wie ist ein neuer fred nun anzugehen?
    alles auf widerholung?
    oder rühren wir einen leichten, universellen themeneintopf auf bunte-leser-niveau an?
    ...


    Ich schätze wir wiederholen uns hier sowieso ständig und manchmal ist das sogar ganz gut weil man ja sowieso das meiste wieder vergisst. Sogar die intelligentesten und geschliffensten Beiträge aus dem letzten Jahr würden mir ad hoc überhaupt nicht mehr einfallen. Also hör auf unser Nesthäkchen so zu verschrecken. :biggrin: :wink5:

  • ich kann auch nicht erkennen, dass es "die" deutsche wirtschaftsethik gäbe. wie sähe denn diese universelle, für alle gültige und auf alle anwendbare wirtschaftsethik aus?
    und gilt die dann auch in anderen teilen der welt, wird als solche wahrgenommen und anerkannt?
    ein kleines beispiel: einer meiner geschäftspartner produzierte zusammen mit einer manufaktur in indien taschen.
    der war so ethisch und voller schlechtem gewissen, weil er sich hatte eingestehen müssen, dass er seine produkte nicht verkauft bekommt, wenn die zu deutschen preisen in deutschen handwerksbetrieben hergestellt würden, und er sich deshalb schweren herzens entschlossen hatte, den weg ins ausland zu gehen.
    vorweg: er ist damit auf die nase gefallen, weil ethik in verschiedenen teilen der welt einen völlig unterschiedlichen stellenwert hat und je nach lage interpretiert wird.
    der hatte ordentlich für die erbrachten leistungen bezahlt, hat keinen termindruck gemacht, ausser einer einzuhaltenden, aber großzügig bemessenen lieferfrist, hat vor ort die leute ausgebildet und die grundstoffe gekauft, seinen eigenen gewinn begrenzt und auf umweltstandards geachtet... kurz, das paradies für alle, die sich mit sowas befassen.
    anstatt das zu wertschätzen wurde seine "schwäche" ausgenutzt.
    geliefert wurde schrott aus minderwertigem material, zu spät und schlecht verpackt, so dass große teile der ware unverkäuflich waren. bezahlt hatte er den löwenanteil der rechnung im voraus, damit die dort nicht auslegen mussten. das geld war weg.
    nach der lieferung hat es sich mit verschiedenen stellen in verbindung gesetzt, um die möglichkeit von regress auszuloten. er musste sich erklären lassen, dass er nur einer von vielen ist, denen ähnliches widerfährt. er stand also vor der wahl, die daumenschrauben, auf die er bewusst verzichtet hatte, herauszuholen und weiter zu machen, oder dieses geschäft einfach aufzugeben. andere hätten sich den gepflogenheiten angepasst und wären härter geworden, er wollte das nicht und hat die sache eingestellt.

    11 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: h

  • ich kann auch nicht erkennen, dass es "die" deutsche wirtschaftsetik gäbe. wie sähe denn diese universelle, für alle gültige und auf alle anwendbare wirtschaftsethik aus?
    und gilt wie ist es in anderen teilen der welt?
    ein kleines beispiel: einer meiner geschäftapartner produzierte ...


    Ich stimme Dir zu, dass es eine deutsche Wirtschaftsethik nicht geben kann, aber Dein Beispiel ist ein persönliches, handelt also vom Geschäftsgebaren eines Einzelnen und seiner persönlichen Ethik. Eine allgemeine Wirtschaftsethik, kann ich mir auf der Ebene vorstellen wo vom Homo-Ökonomikus geredet wird.

  • Ich schätze wir wiederholen uns hier sowieso ständig und manchmal ist das sogar ganz gut weil man ja sowieso das meiste wieder vergisst. Sogar die intelligentesten und geschliffensten Beiträge aus dem letzten Jahr würden mir ad hoc überhaupt nicht mehr einfallen. Also hör auf unser Nesthäkchen so zu verschrecken. :biggrin: :wink5:


    ich hätte eben gerne ein wenig mehr eigenbeitrag und themenfokussierung gelesen.
    aber vllt. lerne ich es ja noch, meine ansprüche angemessen herunterzuschrauben und anzupassen... :wink5:

  • Ich stimme Dir zu, dass es eine deutsche Wirtschaftsethik nicht geben kann, aber Dein Beispiel ist ein persönliches, handelt also vom Geschäftsgebaren eines Einzelnen und seiner persönlichen Ethik. Eine allgemeine Wirtschaftsethik, kann ich mir auf der Ebene vorstellen wo vom Homo-Ökonomikus geredet wird.


    das ganze ist die summe der einzelfälle. die ethik (ungewertet) als ganzes zu unterstellen macht ein paar big-player zum nabel der welt - was sie, zugegeben, in der draufsicht auch zu sein scheinen - negiert aber die vielzahl an einzelfällen, die mit ganz anderen umständen zu kämpfen haben, die nicht von der spitze der pyramide aus gesteuert werden, und schon garnicht durch die standardvorgabe einer "deutschen ethik", sondern durch menschliche verhaltensweisen, die sehr individuell und regional unterschiedlich sind, aber durch die normative kraft des faktischen zu einer angeratenen handlungsmaxime führen können, die sich in der summe der einzelfälle als generelles, bewusstes handlungsmuster zu zeigen scheint, tatsächlich aber nur eine reaktion auf gegebenheiten darstellt, die aus der sicht des einzelnen nicht zu ändern sind, es sei denn, es wird sich der gesamten situation entzogen. ich hoffe es ist mir gelungen, das verständlich auszudrücken... :biggrin:

    5 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Deutsche Wirtschaftsethik. Hm. Okay. Wirtschaftliches Handeln soll also ethisch sein. Welche ethischen Grundsätze legt man denn diesem Handeln zugrunde? Na ja, ich weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Ich würde sagen, dass ethisches wirtschaftliches Handeln wohl zuallererst bei jedem Einzelnen anfängt. Bei dem, was er konsumiert. In jedem Haushalt dürften sich irgendwelche Dinge finden, die in China oder in den anderen von Diogena genannten Ländern hergestellt wurden und ich kenne kaum eine einzige Frau, die Geschäfte wie H & M und ähnliche Ausbeuter meidet. Auch dürfte kaum jemand wissen, welch unethische Geschäfte Banken und Sparkassen mit dem dort angelegten Geld veranstalten. In der Regel interessiert es auch niemanden. Mit dem Finger auf dem Staat zu zeigen - kann man machen, keine Frage. Aber vielleicht sollte sich jeder erst einmal an die eigene Nase fassen.


    Aber um es gleich zu sagen, es ist sauschwer, private Wirtschaftsethik umzusetzen.

    Einmal editiert, zuletzt von zizou ()

  • ... durch die normative kraft des faktischen zu einer angeratenen handlungsmaxime führen können, die sich in der summe der einzelfälle als generelles, bewusstes handlungsmuster zu zeigen scheint, tatsächlich aber nur eine reaktion auf gegebenheiten darstellt, die aus der sicht des einzelnen nicht zu ändern sind, es sei den, es wird sich der gesamten situation entzogen. ich hoffe es ist mir gelungen, das verständlich auszudrücken... :biggrin:


    Ich habe noch nie erlebt, dass Du Dich unverständlich ausdrückst. :biggrin:


    Die normative Kraft des Faktischen im Kapitalismus ist ja sozusagen alternativlos, darum müssen wir als "Filosofen" natürlich die praktische Ebene verlassen und uns fragen wo wir diese Ebene des Wettbewerbs zulassen wollen und wo nicht, sonst kommen wir nie zu einer netten Wirtschaftsethik wo man die Filosofie auch praktisch anwenden könnte, auch wenn das für einen Philosophen wahrscheinlich eher zweitrangig ist.


    Aber das ist eher mein Ansatz dazu gewesen. Da wo Diogena hin will würde es ja so aussehen dass man nur Geschäfte mit dem Ausland macht, wo das gesamte Umfeld so ist wie bei uns, also Rechtsstaat, Menschenrechte, Umweltstandards, Frauenrechte, etc. Immer vorrausgesetzt dass wir ja die Guten sind. In dem Fall könnten wir den Außenhandel aber praktisch einstellen. Auch eine Möglichkeit, wenn man sich das leisten kann, aber wenig realistisch.

  • es wäre aber nützlich, das etwas griffiger angezeigt zu bekommen. was soll ich mir den kopf darüber zerbrechen, was mit einem themenstart gemeint sein könnte?
    blutdiamanten? schieferöl? fracking? t-shirts von KIK? socken bei aldi? wm in katar im fersehen schauen? sandvorspülungen? wegwerfwindeln? anspruchsdenken der verbraucher? arbeitsplätze?...............................
    irgendwelche orientierungslichtein wären schon nützlich, um zu wissen, wohin die reise eigentlich gehen soll.


    denn: streng genommen ist das gesamte wirtschaftssystem zutiefst unethisch, wir alle leben zu lasten der zukunft nächster generationen. und nun? diese erkenntnis haben wir hier bereits öffzig mal im zentrum von diskussionen erlebt.

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Auch Dir einen schönen guten Morgen. Jetzt steht das WE vor der Tür, das Wetter ist schön und Du kommst uns mit Ethik. :wink5:Zum Glück ist Dein Thema kein rein philosophisches, sonst hätte ich wahrscheinlich nicht geantwortet, aber Wirtschaftsethik könnte ich vielleicht doch irgendwie verwursten - mal sehen........


    Gut das Du das in aller Deutlichkeit so erwähnst, meinethalben habe ich bis auf Monty Python's Philosopher's song http://www.songtexte.com/songt…ophers-song-5bd98760.html in dieser Richtung da verbal auch nicht so richtig was auf der Pfanne.


    Da ich nun aus dem Aussehandel komme denke ich kann man das nie als allgemein gültigen Standard messen.
    Hast Du einen internationalen Grossspieler die mit den dementsprechenden Counterparts, meist sogar Regierungen die sich Vertragen müssen ist das runtergebrochen ein wirkliches take it or leave it Ding. Inkl. der diversen "Crocodile funds" die für die Herren im Safarianzug und Ihren Montblanc in der Brusttasche, ja genau, der der da hinten in der Ecke, der nie was sagt und nur still vor sich hin lächelt....
    Wenn man sich darauf nicht einlässt, ok. Und dann andere, moralisch vertretbarerer Geschäftsfelder beackern kann, um so besser.


    Ich bin nach meinen Erlebnissen ( oft sogar positive weil viele Mittelständler versuchen vor Ort Druck zu machen ) so weit das das in erster Linie, wenn über Haupt, ein politisches Eingreifen vorraus gehen muss. Und da ist die Frage noch in wie weit und vor allen nach welcher Zeit so etwas Früchte trragen kann.


    Denn, und da machen wir uns mal nix vor ( obwohl natürlich jemand wie KL sofort die globale Dreckspolitk als Public Enemy No. 1 verantwortlich machen würde ) als allererstes muss man Standards vor Ort in den jeweiligen Gesellschaften inplantieren.


    Denn diese Schweinereien, diese Ausbeutungen, diese Sklaverei passiert nicht zur vorderhand weil ein fieses, globales Drecksunternehmen den armen Firmenbesitzer mit viel Kohle gefügig macht, sondern weil dort ein korruptes, durch ethnische, religiöse oder sonstige, teils Jahrhundert alte verwurzelte Gnadenlosigkeit ein System erschaffen hat wo der Einzelne nichts Wert ist. Wo Brutalität, wo Zwang, Unterdrückung you name it gesellschaftlich völlig normal sind. Und nur so können Katastrophen wie in Bangladesh, Indien etc. zur Vorderhand erst passieren.

    Einmal editiert, zuletzt von Bicyclerepairmen ()

  • Deutsche Wirtschaftsethik. Hm. Okay. Wirtschaftliches Handeln soll also ethisch sein. Welche ethischen Grundsätze legt man denn diesem Handeln zugrunde? Na ja, ich weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Ich würde sagen, dass ethisches wirtschaftliches Handeln wohl zuallererst bei jedem Einzelnen anfängt. Bei dem, was er konsumiert. In jedem Haushalt dürften sich irgendwelche Dinge finden, die in China oder in den anderen von Diogena genannten Ländern hergestellt wurden und ich kenne kaum eine einzige Frau, die Geschäfte wie H & M und ähnliche Ausbeuter meidet. Auch dürfte kaum jemand wissen, welch unethische Geschäfte Banken und Sparkassen mit dem dort angelegten Geld veranstalten. In der Regel interessiert es auch niemanden. Mit dem Finger auf dem Staat zu zeigen - kann man machen, keine Frage. Aber vielleicht sollte sich jeder erst einmal an die eigene Nase fassen.


    Aber um es gleich zu sagen, es ist sauschwer, private Wirtschaftsethik umzusetzen.


    So lange sich die Politik einen feuchten Kehricht darum schert, welche Produktionsbedingungen und sozialen Verhältnisse in den als Handelspartner umworbenen Ländern herrschen, so lange in Krisengebiete Waffen und dual-use Güter geliefert werden, so lange intransparente und einzig große Konzerne bevorteilende Handelsverträge zusammengekungelt werden, Transparenzregeln bei der Kennzeichnung von Waren verhindert oder unterbunden werden, suche ich die Hauptschuld eher nicht beim Verbraucher.


    Zumal der weitgehende Kaufverzicht z.B. im Bekleidungsbereich ein sehr zweischneidiges Schwert ist, entzieht man damit nämlich den Näherinnen in Asien ihre einzige Verdienstquelle. Man boykottiert also die Armen, damit sie noch ärmer werden.


    Das zu ändern ist definitiv die Aufgabe von Wirtschafts- und Außenpolitik durch Abkommen, die nicht in erster Linie auf vergrößerte Absatzchancen setzt, sondern auf faire Bedingungen. Die Prioritäten sind falsch gesetzt, und zwar schon immer.

    Einmal editiert, zuletzt von Diogenes2100 ()

  • ...
    Denn diese Schweinereien, diese Ausbeutungen, diese Sklaverei passiert nicht zur vorderhand weil ein fieses, globales Drecksunternehmen den armen Firmenbesitzer mit viel Kohle gefügig macht, sondern weil dort ein korruptes, durch ethnische, religiöse oder sonstige, teils Jahrhundert alte verwurzelte Gnadenlosigkeit ein System erschaffen hat wo der Einzelne nichts Wert ist. Wo Brutalität, wo Zwang, Unterdrückung you name it gesellschaftlich völlig normal sind. Und nur so können Katastrophen wie in Bangladesh, Indien etc. zur Vorderhand erst passieren.


    Es gibt ja viel mehr Lieder über Philosophie als ich gedacht habe. :lol:


    https://www.youtube.com/watch?v=w0shWISKpNA


    Die Konsequenz aus Deinem letzten Absatz wäre dann aber doch tatsächlich mit Indien und Bangladesh keine Geschäfte mehr zu machen, bis das System sich dort geändert hat. Jetzt heißt es aber doch im Allgemeinen dass es gut ist dort Geschäfte zu machen, damit sich die Verhältnisse überhaupt ändern können, was mal klappt oder auch nicht, meistens eher nicht. Einen Ausweg gibt es nicht, aber im Außenhandel kann die Ethik wahrscheinlich nicht gefunden werden, auch nicht in Substis Statistiken.


    Ich bin im Rahmen der Ethik eher dafür, die Ökonomen an die Kette zu legen und zwar so, dass sie sich wenn sie sich über Mindestlohn, Hartz IV, Sparmaßnahmen oder überhaupt zum Sozialstaat äußern, immer eine soziale Marktwirtschaft zugrundelegen müssen.

  • Ich habe noch nie erlebt, dass Du Dich unverständlich ausdrückst. :biggrin:


    :biggrin:


    Die normative Kraft des Faktischen im Kapitalismus ist ja sozusagen alternativlos, ...


    (...) nur Geschäfte (...) macht, wo das gesamte Umfeld so ist wie bei uns, also Rechtsstaat, Menschenrechte, Umweltstandards, Frauenrechte, etc. Immer vorrausgesetzt dass wir ja die Guten sind. In dem Fall könnten wir den (Außen)handel aber praktisch einstellen. Auch eine Möglichkeit, wenn man sich das leisten kann, aber wenig realistisch.


    ich habe die aussage mal etwas weiter gefasst. im grunde ist das ein hegemonialer anspruch. ethikimperealismus. oktroyirung unserer angeblich ausgereiften und verbindlichen gesellschaftlichen normen auf andere kulturen.
    wer mit handel zu tun hat, oder mit geschäftlichen verhandlungen, herbeiführen von abschlüssen, gewinnen von aufträgen, kurz: alles was den schornstein am rauchen hält, weiss, dass unsere eigenen ansprüche kaum einen stellenwert haben, wenn andere gepflogenheiten und andere standards gelten.
    ohne das zu konkret werden zu lassen, kann ich aus eigener erfahrung und aus erzählungen glaubwürdiger gesprächspartner feststellen, dass korruption, das bezahlen dafür, dass es überhaupt gespräche gibt, verträge zustande kommen, notwendige genehmigungen erteilt werden, eine weltweit verbreitete gepflogenheit darstellt.
    und die unterschiede bestehen nicht in der sache als solche, sondern eher in der art, wie dies vollzogen wird. nicht überall darf bestechung in direkter form erkennbar erfolgen, denn das ist eher die plumpe art von alleinherrschern in irgendwelchen unterentwickelten staaten, wo das darbringen von "geschenken" zum guten ton und als zeichen von respekt gehört.
    je feiner die eigene darstellung des gesellschaftlichen standes und der zivilisiertheit der gepflogenheiten gepflegt wird, desto raffinierter werden die vorgezeichneten wege, wie die art, sich "erkenntlich zu zeigen", zu verlaufen hat.
    auch in deutschland gibt es viel mehr korruption, als die meisten ahnen. nur wird die korruption hier stark verklausuliert, darf/soll als solche nicht bezeichnet und kenntlich gemacht, oder zu offensichtlich werden.
    in der politik wird mit versorgungsposten gearbeitet, spätere absicherung auf ggf. sogar extra zu diesem zweck geschaffenen posten. bei den ärzten und den verbandsorganen gibt es golfreisen nach dubai oder eine fachliche weiterbildung auf aruba...., betriebsräte werden zu werksbesichtigungen in brasilien, mit exzessivem konsum aller arten der lokalen folklore, unter betreuung durch persönliche hostessen umgarnt.... vorstände von interessenvertretungen oder aufsichtsräte werden zu luxusreisen nach monte carlo, zum großen preis der formel eins, oder zum sitz der hauptverwaltung eines multi in den usa (oder anderswo), mit integrierter umfassender rundreise zu den sehenswürdigkeiten des landes auf 1st-class-niveau, eingeladen ...


    das alles ist im grunde nichts anderes, sieht nur anders aus und lässt sich besser kommunizieren, als ein koffer oder umschlag voller scheine, eine mit goldenen wasserhähnen ausgestattete villa an der cote azur, oder eine neue gulfstream für der präsidenten eines afrikanischen staates etc...
    diese beispiele sind unspezifisch ausgedacht. reale entsprechungen gibt es aber mehr als genug.
    in D kann sogar einer ohne jede ahnung vom geschäft, nach geleisteter dienstbarkeit, frühstücksdirektor mit millionengehalt auf extra dafür geschaffenem posten bei der bahn werden.
    das kling ethisch einfach besser als vergütung in annerkennung der unermüdlich wegebahnenden lobbyarbeit im kanzleramt.

    14 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: l

  • ich habe die aussage mal etwas weiter gefasst. im grunde ist das ein hegemonialer anspruch. ethikimperealismus. oktroyirung unserer angeblichen gesellschaftlichen normen auf andere kulturen.
    wer mit handel zu tun hat, oder mit geschäftlichen verhandlungen, herbeiführen von abschlüssen, gewinnen von aufträgen, kurz: alles was den schornstein am rauchen hält, weiss, dass unsere eigenen ansprüche kaum einen stellenwert haben, wenn andere gepflogenheiten und andere standards gelten. ...


    Korruption hat ja ganz klar etwas mit Ethik zu tun. Es ist aber auch bei uns so, dass das irgendwie schon akzeptabel ist. Natürlich nie offiziell - um Gottes Willen, so etwas tut man doch nicht... Aber im Grunde geht es immer nur darum nicht erwischt zu werden. Irgendwie hat jeder seinen Preis. Wenn man es bei uns aber auch macht, wenn auch verschleiert, mit welchem Recht darf man dann unsere irgendwie verlogenen Maßstäbe im Ausland anlegen ? Natürlich gar nicht. Ich glaube auch nicht dass solcherlei Regeln des Erwerbs irgendwie philosophisch betrachtet werden müssen, sondern nur folkloristisch.


    Wo ist eigentlich Diogena ? Die sollte unsere ganzen Abschweifungen mal wieder auf Linie bringen. Dann hat sie fürs WE zu tun. :biggrin:

  • Ist schon komisch....wenn bei uns irgendwelche Heileweltfanatiker immer schreien "wir müssen dies, wir müssen das"...und niemanden interessiert das....


    Wobei wir wieder einmal bei dem Thema wären.....jeder ist sich selbst der nächste....und Gott für uns alle...:peace2:


    Jaja, Ethik und Moral in dieser gottlosen Welt.....brauch man nicht weiter drüber nachzudenken.....