Game of Thrones in Saudi Arabien?

  • Im Moment findet in Saudi Arabien gerade eine Revolution statt. Mohammed bin Salman hat nach Korruptionsvorwürfen etliche Familienmitglieder verhaften lassen, einer ist sogar bei einem mysteriösen Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen.
    Bin Salman hatte vor kurzem auch das Vorhaben verkündet Saudi Arabien zu modernisieren und zu liberalisieren.
    Die Religionspolizei wurde entmachtet, Frauen wurde das Auto fahren erlaubt und er möchte sich vom Erdöl langsam wegorientieren (naja er muss wohl eher).
    Zudem gilt er auch als ziemlicher Abenteurer und hat kräftig an der Eskalationsschraube mit dem Iran gedreht und den Krieg im Jemen veranlasst.


    Wie viel Modernisierung verträgt ein Gottesstaat?
    http://www.zeit.de/politik/aus…salman-massenverhaftungen


    Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed
    Morgen ein König

    http://www.spiegel.de/politik/…us-dem-weg-a-1176677.html


    Saudi-Arabiens zweitmächtigster Mann will einen liberalen Islam - Experten sagen, was dahintersteckt
    http://www.huffingtonpost.de/2…ral-grund_n_18377630.html


    Man darf gespannt sein.
    Wenn sie es endlich unterlassen, diesen brunzdämlichen Salafismus zu unterstützen und zu exportieren, dann kann ich die Ereignisse nur begrüssen.


  • ...


    Man darf gespannt sein.
    Wenn sie es endlich unterlassen, diesen brunzdämlichen Salafismus zu unterstützen und zu exportieren, dann kann ich die Ereignisse nur begrüssen.


    Das kann das Haus Saud nicht! Die Macht der saudischen Könige beruht aus dem Pakt mit den Wahabiten - die Religiösen bestätigen bzw. legitimieren den Herrschaftsanspruch des Hauses Saud ("von Gottes/Allahs Gnaden" könnte man sagen), im Gegenzug ist der Wahabismus praktisch Staatsreligion und dessen Verbreitung wird aktiv unterstützt. Man mag sich zwar gegenseitig nicht besonders, aber man benötigt einander.
    Es wird ein paar gesellschaftliche Reförmchen hier und da geben - alleine um das inzwischen katastrophale Image im Ausland aufzupolieren - , die Hauptanstrengungen werden aber auf dem wirtschaftlichen und militärischen Bereich liegen.

  • Das kann das Haus Saud nicht! Die Macht der saudischen Könige beruht aus dem Pakt mit den Wahabiten - die Religiösen bestätigen bzw. legitimieren den Herrschaftsanspruch des Hauses Saud ("von Gottes/Allahs Gnaden" könnte man sagen), im Gegenzug ist der Wahabismus praktisch Staatsreligion und dessen Verbreitung wird aktiv unterstützt. Man mag sich zwar gegenseitig nicht besonders, aber man benötigt einander.
    Es wird ein paar gesellschaftliche Reförmchen hier und da geben - alleine um das inzwischen katastrophale Image im Ausland aufzupolieren - , die Hauptanstrengungen werden aber auf dem wirtschaftlichen und militärischen Bereich liegen.


    Da wirst du vermutlich recht haben. Allerdings sehe ich die große Chance in der wirtschaftlichen Öffnung, die SA anstreben muss, wenn sie in den nächsten Jahrzehnten nicht völlig versinken wollen.
    Liberalisierung der Wirtschaft bedeutet immer auch Liberalisierung der Gesellschaft, wobei das Ausmaß natürlich unterschiedlich ist.
    Die einzige Möglichkeit den Wahhabismus/Salafismus/IS in den Griff zu bekommen ist jedenfalls, Saudi-Arabien (und die Golfstaaten) davon abzubringen diesen zu finanzieren.
    Die sind die Wurzel des Ãœbels.

  • Da wirst du vermutlich recht haben. Allerdings sehe ich die große Chance in der wirtschaftlichen Öffnung, die SA anstreben muss, wenn sie in den nächsten Jahrzehnten nicht völlig versinken wollen.
    Liberalisierung der Wirtschaft bedeutet immer auch Liberalisierung der Gesellschaft, wobei das Ausmaß natürlich unterschiedlich ist.


    Dem von Dir verlinkten ZEIT-Artikel zufolge leben die Saudis immer noch in einem archaischen Kastensystem, das einer schnellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Öffnung nicht standhalten dürfte. Das saudische Volk lebt (vergleichsweise) im Luxus ohne ernsthaft arbeiten zu müssen (oder zu dürfen). Derjenige der ihnen erklärt, dass die fetten Jahre vorbei sind, wird um sein Leben fürchten müssen und wenn es dann tatsächlich eine Revolution gibt, dann von seiten religiöser Eiferer, die das Blaue vom Himmel versprechen.


    Die einzige Möglichkeit den Wahhabismus/Salafismus/IS in den Griff zu bekommen ist jedenfalls, Saudi-Arabien (und die Golfstaaten) davon abzubringen diesen zu finanzieren.
    Die sind die Wurzel des Ãœbels.


    Wie Alpin schon schrieb, sind diese Gruppen überlebensnotwendig für das Königshaus. Durch die Finanzierung werden sie zu Hause ruhig gestellt und die Schlimmsten von ihnen lassen sie im Ausland ihr Unwesen treiben.

  • Dem von Dir verlinkten ZEIT-Artikel zufolge leben die Saudis immer noch in einem archaischen Kastensystem, das einer schnellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Öffnung nicht standhalten dürfte. Das saudische Volk lebt (vergleichsweise) im Luxus ohne ernsthaft arbeiten zu müssen (oder zu dürfen). Derjenige der ihnen erklärt, dass die fetten Jahre vorbei sind, wird um sein Leben fürchten müssen und wenn es dann tatsächlich eine Revolution gibt, dann von seiten religiöser Eiferer, die das Blaue vom Himmel versprechen.


    Ja, aber Saudi-Arabien muss sich modernisieren, weil sie einfach extrem abhängig vom Öl sind.
    Wenn sie es nicht tun, werden sie zugrunde gehen.

  • .......................werden sie zugrunde gehen.


    Die arabische Halbinsel und die ihr vorgelagerten Inseln sind seit dem Neolithikum bewohnt, in Bahrain ist die Geschichte der Bewohner bis ins 6. Jahrtausend vor Chr. nachweisbar. Da wird niemand "zugrunde gehen" aber die Verhältnisse werden sich notgedrungen radikal ändern. Wenn der Westen sich nicht so massiv in die Politik der GCC einmischen würde, man die Differenzen zum Iran nicht derart überbetonen würde, wäre es eine friedliche, auf Entwicklung orientierte Region.

  • Die arabische Halbinsel und die ihr vorgelagerten Inseln sind seit dem Neolithikum bewohnt, in Bahrain ist die Geschichte der Bewohner bis ins 6. Jahrtausend vor Chr. nachweisbar. Da wird niemand "zugrunde gehen" aber die Verhältnisse werden sich notgedrungen radikal ändern. Wenn der Westen sich nicht so massiv in die Politik der GCC einmischen würde, man die Differenzen zum Iran nicht derart überbetonen würde, wäre es eine friedliche, auf Entwicklung orientierte Region.


    Was verstehst du unter zugrunde gehen? Ich rede davon, das massive materielle Not ausbrechen wird und Armut so wie soziale Unruhen grassieren werden, da die GCC ohne Öl ziemlich nackt da stehen.
    Und das hat nicht alles etwas mit dem Westen zu tun.
    Die wahhabitische Ideologie ist ein ebenso großes Entwicklungshemmnis und die ist nicht auf dem Mist des Westens gewachsen.
    Die Golfstaaten nutzen sie aber als Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument.

    Einmal editiert, zuletzt von A0583 ()

  • .............dass massive materielle Not ausbrechen wird und Armut sowie soziale Unruhen grassieren werden, da die GCC ohne Öl ziemlich nackt da stehen..................................................


    Die GCC haben längst ihre Wirtschaften umfassend diversifiziert. Wenn in einer Krise es Opfer der Entwicklungen geben sollte, dann trifft es vor allem die Vielzahl der Fremdarbeiter, die keine materielle Basis erarbeiten konnten und deren man sich einfach entledigt, indem man sie zurücksendet oder einfach deren Kontrakte nicht verlängert werden. Und der Islam besteht eben nicht nur in der wahhabitischen Ideologie. Er ist über Jahrhunderte Motor der wissenschaftlichen Entwicklung gewesen.

  • Die GCC haben längst ihre Wirtschaften umfassend diversifiziert.


    Nein, sonst wäre ja jetzt nicht dieses Reformprojekt nötig.



    Und der Islam besteht eben nicht nur in der wahhabitischen Ideologie.


    Das hat auch niemand hier geschrieben. Ich schrieb von den Golfstaaten und deren Herrschaftsideologie.

  • Nein, sonst wäre ja jetzt nicht dieses Reformprojekt nötig....................


    Reformen sind von Zeit zu Zeit immer nötig, selbst bei uns in Deutschland. Die Halbierung des Ölpreises hat natürlich Saudi Arabien auch getroffen. Auch ist es an der Zeit, dass die oft sehr gut ausgebildeten Saudis auch mal selbst arbeiten müssen, wenn der Staat stabil funktionieren soll. Und außerhalb Saudi Arabiens ist der Wahhabismus keineswegs in den GCC Herrschaftsideologie, denn Qatar, UAE, Oman, Kuwait sind ziemlich liberal bezüglich der Religion, Probleme gibt es in Bahrain aufgrund der shiitischen Gruppierungen. Und der Yemen ist ein massiver Problemherd aufgrund einer verarmten Bevölkerung und jahrzehnte langer Mißwirtschaft, ist auch nicht Mitglied der GCC.

  • Ich bin immer wieder über Deine Fähigkeit zum Spagat erstaunt. Deine Gunst für die reaktionären totalitären und in ihrem Protz und Prunk selbstgefälligem Monarchen der Wüste will so gar nicht zu Deinen Ausführungen im Oktoberrevolutionsfred passen. Diese und andere Diskrepanzen sind es, die mich regelmäßig stutzen und an der Aufrichtigkeit des Anliegens zweifeln lassen. Wofür steht ein grauer Kater denn nun wirklich?

  • Neulich, am Rande der Wüste...

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

  • Ich bin immer wieder über Deine Fähigkeit zum Spagat erstaunt. Deine Gunst für die reaktionären totalitären und in ihrem Protz und Prunk selbstgefälligem Monarchen der Wüste will so gar nicht zu Deinen Ausführungen im Oktoberrevolutionsfred passen. Diese und andere Diskrepanzen sind es, die mich regelmäßig stutzen und an der Aufrichtigkeit des Anliegens zweifeln lassen. Wofür steht ein grauer Kater denn nun wirklich?


    Ich denke das ist der Spagat den wir alle machen (machen müssen?).Wir scheitern regelmäßig an unserer eigenen Moral, Toleranz, Ethik und gutem Willen.
    Wir scheitern schon regelmäßig am propagierten nicht einmischen und der Verteidigung von Freiheitsrechten.Wir scheitern an der Toleranz gegenüber anderen Kulturen bei gleichzeitiger Inanspruchnahme der Menschenrechte.Wir sind Heuchler und können auch gar nichts anderes sein, da wir den gordischen Knoten unserer gegensprüchlichen Ansprüche nicht auflösen können.
    Wir differenzieren nach unserem Gusto, nach unseren positiven und negativen Erfahrungen und werfen dabei die Werte über Board, die in Bezug auf eine bestimmte Sache und Situation nur hinderlich sind.


    So sind wir leider Konrad.Aber vielleicht macht Nr. 5 alles besser, wer weiß:smilewinkgrin:.

  • Weiss nicht.........
    Es gibt glücklicherweise hin und wieder, ... gelegentlich ..., bei dem einen oder anderen....
    ... auch Mal Konsistenz von Proklamationen und Handlung. :wink5:

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 ()

  • Weiss nicht.........
    Es gibt glücklicherweise hin und wieder, ... gelegentlich ..., bei dem einen oder anderen....
    ... auch Mal Konsistenz von Proklamationen und Handlung. :wink5:


    Das kommt auch mal vor und in Bezug auf eine klar umrissene Sache ist das auch gut möglich.Die Schwierigkeiten fangen dann an, wenn man z.B. bestimmte Länder kritisiert hinsichtlich ihrer Politik oder gesellschaftlichen Ausprägung und der nächste Forist um die Ecke kommt und argumentiert aber bei "...." prengeln wir das nicht an.


    Und das liegt nicht daran, dass wir die Zustände in "..." nicht auch kritisieren, sondern weil wir klare Prioritäten (Interessen) setzen, die natürlich nicht gerecht sind (siehe meinen ersten Post).Wir als Individuum haben auch Interessen und Vorlieben, die natürlich/mitunter auch über unseren regionalen Einflußbereich hinausgehen und somit Relevanz für uns haben.


    Wir haben nur meistens nicht die Eier klar zu sagen, dass man bei Land xyz auf Freiheitsrechte, Minderheitenrechte, Pressefreiheit, Religionsfreiheit etc. für die jeweilige Bevölkerung eher verzichtet weil einem z.B. Sicherheit (Krieg) wichtiger ist und der Rest durch langfristige friedliche Beziehung vielleicht von selbst kommt.Unter Umständen ist einem das aber auch egal.Und das variert je nach Land.Das hängt auch von vielen Faktoren ab.Hat man z.B. unter Umständen persönliche Beziehungen zum Land oder Leuten.Hat man unter Umständen geschäftliche Beziehung zu diesem Land.Oder gefällt einem die Kultur unter Umständen überhaupt nicht.


    Wir werden gezwungen solche Entscheidungen zu treffen (und wir treffen solche Entscheidungen bewußt und unbewußt), ansonsten laufen wir nur im Kreis.
    Darum verstricken wir uns ja auch ständig in Heuchelei in unseren Diskussion- wir wollen halt gute Menschen sein.Daran ist auch nichts verwerfliches.

  • ......................... Deine Gunst für die reaktionären totalitären und in ihrem Protz und Prunk selbstgefälligem Monarchen der Wüste ........................................?


    Es gibt keine Gunst für die reaktionären Herrscher der GCC, insbesondere nicht für die Al Saud. Aber ich habe alle Staaten der arabischen Halbinsel bereist, teilweise dort gearbeitet und im Yemen habe ich sogar drei Jahre gelebt. Somit kenne ich die Bedingungen dort sehr gut ohne alles gut zu beurteilen, wie es dort läuft. Die Invasion der Saudis im Yemen ist zu verurteilen, dennoch sind sie dort nur Stellvertreter der US-Politik, ebenso wie in Bezug auf den Iran.


    Andererseits hat Sheik Mohammad al Maktoum es mal konkret ausgedrückt: "Wir möchten so leben, wie wir es für richtig halten, wie es unserer Tradition entspricht!" Dem ist nichts hinzuzufügen, denn es ist ein anerkanntes Prinzip des Völkerrechts, dass man sich in die Inneren Angelegenheiten eines Staates nicht einmischt. Die Araber haben ein Recht, ihre Gesellschaft selbst zu gestalten. Wem diese Lebensformen nicht passen, der muss nicht in diese Länder reisen oder dort leben wollen. Auch die demokratischen Formen dort mögen nicht denen der westlichen Demokratie entsprechen, doch Mitwirkung der Bevölkerungen sind dennoch gegeben.

  • Um mal das Argument zu unterstützen, dass Saudi-Arabien einer der wichtigsten Faktoren hinter dem Boom des islamischen Extremismus ist:


    Zitat

    “In Southeast Asia, almost all observers whom I have spoken with believe that there is another crucial cause [behind the ‘cancer’ of Islamic extremism] – exported money and ideology from the Middle East, chiefly Saudi Arabia. A Singaporean official told me, ‘Travel around Asia and you will see so many new mosques and madrassas built in the last 30 years that have had funding from the Gulf. They are modern, clean, air-conditioned, well-equipped – and Wahhabi [Saudi Arabia’s puritanical version of Islam].’ Recently, it was reported that Saudi Arabia plans to contribute almost $1 billion to build 560 mosques in Bangladesh. The Saudi government has denied this, but sources in Bangladesh tell me there’s some truth to the report.â€
    As The Week explained two years ago, Saudi Arabia has spent billions of dollars “investing heavily in building mosques, madrasas, schools, and Sunni cultural centers across the Muslim world. Indian intelligence says that in India alone, from 2011 to 2013, some 25,000 Saudi clerics arrived bearing more than $250 million to build mosques and universities and hold seminars.â€
    The Week made it quite clear that these “institutions and clerics preach the specifically Saudi version of Sunni Islam, the extreme fundamentalist strain known as Wahhabism or Salafism.â€
    This isn’t just some unfriendly version of Islam that may or may not be linked to terror attacks aimed at Western countries – this is the same standard of Islam ISIS and al-Qaeda adhere to.


    http://www.realnews24.com/what…-purging-in-saudi-arabia/

  • Die Invasion der Saudis im Yemen ist zu verurteilen, dennoch sind sie dort nur Stellvertreter der US-Politik, ebenso wie in Bezug auf den Iran.


    Du tust immer so als wären die Staaten dort keine eigenmächtigen Akteure, sondern würden nur auf Geheiß der USA handeln.
    Auch ohne die USA wären Saudi-Arabien und der Iran keine Freunde.

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    Die Araber haben ein Recht, ihre Gesellschaft selbst zu gestalten. Wem diese Lebensformen nicht passen, der muss nicht in diese Länder reisen oder dort leben wollen. Auch die demokratischen Formen dort mögen nicht denen der westlichen Demokratie entsprechen, doch Mitwirkung der Bevölkerungen sind dennoch gegeben.


    Du glaubst also, dass Frauen in Saudi-Arabien, denen dieser wahabitische Wahnsinn nicht passt, einfach weggehen könnten?