Das "Bedingungslose Grundeinkommen"

  • Kommt das "Bedingungslose Grundeinkommen"?
    Wann und wie wird es kommen - und was dann?


    Als Einstieg ein Stück aus SPON.


    Zitat


    Sozialstaat der Zukunft
    Was ein bedingungsloses Grundeinkommen bringt


    Jobverluste durch Digitalisierung, ungerechtes Hartz IV: Viele bezweifeln, dass der Sozialstaat die großen Probleme noch lösen kann - und fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen. Kann es diesem Anspruch gerecht werden?


    Hinsichtlich der Vor- und Nachteile gibt es naturgemäß verschiedene Ansichten und Erwartungen.
    Eine Initiative, https://www.mein-grundeinkommen.de/, die ich seit geraumer Zeit unterstütze, befasst sich mit dem Thema auf der Ebene der praktischen wissenschaftlichen Untersuchung durch die Durchführung von realen Feldversuchen. Es werden Grundeinkommen - in Höhe von 1000€/Monat, für ein Jahr - verlost und die Auswirkungen auf die Menschen untersucht, auch um dem Vorurteil entgegen zu wirken, dass das BGE die Faulheit fördert und die Menschen träge macht.


    Das BGE - bis vor nicht allzu langer Zeit eine Forderung von "Spinnern" und Phantasten, nun bereits offen in der Diskussion, von namhaften Stimmen gefordert und als Forderung für die Wappnung der Gesellschaft hinsichtlich der Veränderungen der Arbeit von vielen unterstützt.


    Ist das BGE realistisch?
    Wie wird es sich auswirken?
    Wie wird es finanziert werden?
    Und wie sollte es gestaltet werden?

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Für bezeichnend halte ich in der gegenwärtigen Diskussion die Standpunkte einiger Gewerkschaften und deren Institutionen.
    Die haben sich gegen das BGE aufgestellt. Ein Schelm, der sich dabei etwas denkt.
    Da frage ich mich, ob es dabei tatsächlich um die Befürchtung geht, dass die Menschen ohne die "Strukturierung" der Lebens durch eine abhängige Beschäftigung aus dem Tritt geraten würden?


    Womöglich geht es dabei aber auch um etwas völlig anderes.
    Ich kann den Anlass zur Sorge durchaus nachvollziehen. Denn die Existenz von Gewerkschaften resultiert und basiert zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf den systemimmanenten Nachteilen der anhängigen Beschäftigung.
    Es ist nachvollziehbar, dass eine Organisation, die ihre eigene Daseinsberechtigung über die Interessenvertretung der abhängig Beschäftigten definiert, daraus ihre Mitglieder rekrutiert und ihre eigene Finanzierung speist, mit gewissem Unbehagen über die Implikationen nachdenkt, die sich durch den Wegfall der existenziellen Bedrohungslage, Drangsalierung von und durch prekäre Beschäftigung und Jobcenter, und damit das Entfallen des Drucks der Konsequenz einer Arbeitslosigkeit, ergeben könnten...

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()


  • Das BGE - bis vor nicht allzu langer Zeit eine Forderung von "Spinnern" und Phantasten ...


    Irgendwie bin ich immer mittendrin, wenn es um Spinner und Fantasten geht (oder ging), sei es beim bedingungslosen Grundeinkommen, meinem Glauben an die Weiterentwicklung von KI oder auch der Elektromobilität bzw. von selbstfahrenden Autos oder wenn es um die Zukunft von Kryoptowährungen geht. Alles wird nicht, darf nicht und kann auf gar keinen Fall - alles völlig politopisch. :)
    Glücklicherweise stelle ich des Öfteren nach einiger Zeit fest, dass einige meiner Einschätzungen doch nicht immer ganz so abwegig waren, wie mir mein Umfeld immer wieder einreden wollte und will.


    Bezüglich des BGE bleibe ich dabei: früher oder später wird es kommen müssen! Es wird zu dramatischen Änderungen der Arbeitswelt kommen, deren negative Folgen nur durch diese oder ähnliche Maßnahmen wenigstens teilweise abgefedert werden können.


    Ich hatte vor einiger Zeit auf Englich einen Artikel über die sich verändernde Arbeitswelt</a> und die damit verbundenen Chancen geschrieben, dessen letzter Abschnitt dem BGE gewidmet ist. Eine der Ideen, ein BGE zu finanzieren, die ich darin aufgreife, ist die Erhebung einer 'Maschinensteuer' auf von menschliche Arbeitskräfte ersetzenden Robotern verrictete Arbeit.

  • Hatten wir das Thema hier nicht schon mal ausführlich? Naja, egal.


    Bevor man sich über das Thema austauscht, wäre es doch erst einmal erforderlich, sich über den Begriff selbst zu verständigen. So wie ich das sehe, redet und schreibt man jetzt davon, "jedem" (?? - allen, altersgestaffelt, Einwohner, Staatsbürger -??) gegenleistungslos einen bestimmten Betrag zu überweisen (irgendwas um 1100, 1200 pro Monat). Jedenfalls deuten alle Veröffentlichungen im Rahmen der erneuten Pressekampagne darauf hin (SPON, SZ....). Zusätzliche Leistungen sollen gestrichen werden (Vereinfachung!?) und das alles solle ein Leben in Würde und Freiheit garantieren. Was man den Menschen natürlich noch begreiflich machen müsse (SZ - http://www.sueddeutsche.de/kul…einkommen-redet-1.3946149 ). Kommt das so ungefähr hin?

    Einmal editiert, zuletzt von Dieter59 () aus folgendem Grund: Link eingefügt

  • Ich frage mich, was dann mit den Jobs passiert, in denen die Menschen dieselbe Menge an Geld verdienen? Ich habe einen Freund, der arbeitet als Lagerist und verdient 1300 netto. Warum sollte der dann noch arbeiten gehen? Der arbeitet sich dort den Rücken krumm und wird mies behandelt.
    Wenn er 1200 einfach so bekommt, warum sollte er dann noch arbeiten?

  • Vermutlich geht er dann mit mehr Durchsetzungsvermögen an die Einstellungsgespräche heran. Dazuverdienst ist ja nicht verboten, sondern sogar erwünscht.
    Nur kann dann nicht jeder Ausbeuter mit Hilfe des Jobcenters die Leute für mieses Gehalt miese Jobs machen lassen, die dann das Jobcenter auf das Minimum aufstockt. So ist es ja heute und in der Reinigungsbranche ist das sogar die Grundlage des Geschäftsmodells. Das heißt, dass die meisten Arbeitsverhältnisse in diesen Betrieben nur durch Subventionen auf den Mindestlohn kommen. Das hätte dann ein Ende. Das BGE würde die Ausgangslage grundsätzlich verändern - und zwar zugunsten der AN.

  • Das ganze wird ein harter Kampf werden. Ich befürchte, dass wir erst in eine Phase der Massenarbeitslosigkeit hineinrutschen werden, bevor sich da wirklich etwas bewegt. Nicht nur die Gewerkschaften, auch große Teile der Politik, speziell im Bereich Arbeit und Soziales würden massiv an Bedeutung verlieren, und wer gibt schon gern Macht und Einfluss auf.


  • Ich frage mich, was dann mit den Jobs passiert, in denen die Menschen dieselbe Menge an Geld verdienen?


    Die werden vermehrt von Maschinen übernommen. Die Menschen, die sie verlieren, haben dann aber viel mehr Zeit als jetzt noch, sich in den Phasen der Arbeitslosigkeit* in Ruhe, ohne Druck vom Arbeitsamt, weiterzubilden, bis sie irgendwann Tätigkeiten durchführen können, die besser bezahlt sind. Phasen ohne Arbeit werden in Lebensläufen als völlig normal gelten. Positiv ist auch, dass Eltern mehr Zeit für Erziehung und Bildung ihrer Kinder haben werden, da sieht es heutzutage teilweise sehr düster aus.


    Wie Diogenes richtig schreibt, wird jedoch im Land des Arbeitsethos (selbst nutzlose Arbeit als Selbstzweck gilt immer noch als erstrebenswerter als einfach sein Leben zu genießen) noch ein langer Weg zurückzulegen sein, bis obige Visionen wahr werden könnten.


    Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf meine bald beginnende, mindestens einjährige (Erwerbs)Arbeits freie Zeit.



    * Ich bin mir gar nicht sicher, ob man in Phasen ohne Arbeit dann nocht von Arbeitslosigkeit sprechen wird oder vielmahr in Phasen mit Arbeit von relativer Freizeitlosigkeit. :-)

  • Die werden vermehrt von Maschinen übernommen. Die Menschen, die sie verlieren, haben dann aber viel mehr Zeit als jetzt noch, sich in den Phasen der Arbeitslosigkeit* in Ruhe, ohne Druck vom Arbeitsamt, weiterzubilden, bis sie irgendwann Tätigkeiten durchführen können, die besser bezahlt sind.


    Schwierig, denke ich, wenn auch nicht unmöglich. Er ist Ausländer (Senegalese mit französischer Staatsbürgerschaft und deutscher Ex-Frau). Aber in der Firma arbeiten viele verkrachte Existenzen, Migranten und andere Menschen die hier Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben.
    Viele Menschen mit Sprachdefiziten, mit Vorstrafenregistern, so lang wie eine Klorolle oder mit Lebensläufen, mit ziemlich vielen Brüchen, obwohl gebildet (mein Freund dort war früher Fallschirmjäger, ein anderer dort war mal Journalist).
    Und die Logistikbranche ist hart umkämpft. Da gibt es keine Lohnerhöhungen, weder nach 5, noch nach 10 Jahren.
    Da wird die Fortbildung zu einer Frage von (Re-)Integration, Resozialisierung. Die grundsätzliche Frage ist, was macht man mit den Benachteiligten in unserer Gesellschaft, deren größtes Problem nicht in Weiterbildung, sondern grundsätzlicheren Dingen besteht?
    Die meisten Angestellten in dieser Firma, würden bei einem bedingungslosen Grundgehalt von 1200 Euro morgen kündigen. Denn sie verdienen kaum mehr, für Drecksarbeit.

    2 Mal editiert, zuletzt von A0583 ()

  • Ich glaube auch zu dem bereits Gesagten, es wird sich zeigen, wie wertvoll uns der so oft beschworene soziale Frieden bleiben wird. Ich bin ebenso der Ansicht, wir werden ein Basiseinkommen ohne Wenn und Aber haben müssen, aber auch sollen.
    War nicht schon die Rede von einer Digitalsteuer? Als Komponente zur Maschinensteuer?


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Ich befürchte, dass wir erst in eine Phase der Massenarbeitslosigkeit hineinrutschen werden, bevor sich da wirklich etwas bewegt.


    Die nächste richtige Phase der Massenarbeitslosigkeit wird das Bankensystem weitgehend einstampfen und die Globalisierung auf Normalmaß zurückstutzen, u.a.. Ganz sicher aber kein BGE hervorbringen.


    Ein BGE in der postulierten Form ist sicher erstrebenswert. Fast wie im Kommunismus - jeder nach seinen Bedürfnissen hieß es dazu wohl mal. Nur wird das ja schon im angedachten Ansatz nicht erreicht. 1100 Euro ohne weitere Leistungen? Das reicht, um in Freiheit und Würde zu leben? Interessanter Ansatz, wo diesen Betrag in Summe schon heute etliche H4- Empfänger in einer deutschen Großstadt erreichen bzw. überschreiten. Ohne krank zu sein, ohne sonstigen höheren Bedarf zu haben. Das wird sicher ein tolles Leben in Freiheit und Würde. Der finanzielle Ansatz - und damit meine ich Ziel und Quelle - ist jedenfalls schon mal extrem diskussionswürdig.


    Was mich an der Sache noch stört, ist der generelle Denkansatz dahinter. Wir benutzen doch noch Geld als universelles Tauschmittel, oder? Sonst bräuchten wir es ja nicht als BGE verteilen. Wir produzieren doch auch noch Waren und Dienstleistungen und das recht arbeitsteilig und spezialisiert? Es mag die Zeit kommen, in der KI Maschinen entwickelt und baut. Oder selbstfahrende Autos auch einen querenden LKW oder Fußgänger erkennen. Aber noch ist diese Zeit nicht absehbar und scheint doch in einer eher ferneren Zukunft zu liegen. In dieser Zukunft braucht es dann allerdings weder Geld noch BGE. Bis es soweit ist, müssen Menschen früh aufstehen und sich um diese Güter und Dienstleistungen kümmern. Ohne wenn und aber. Das mögen weniger sein als bisher, vielleicht. Oder sie machen einfach etwas anderes als bisher, die Studien sind sich ja keinesfalls einig. Was haben wir dann erreicht? Doch immer noch mindestens zwei Gruppen. Die einen, die erwirtschaften und die anderen, die auf deren Kosten und zu deren Lasten leben. Das haben wir heute auch schon, aber es gibt ja keinen Grund, es auf die Spitze zu treiben. Wird die Empfängerseite tatsächlich mit dem zufrieden sein - unabhängig von der BGE- Höhe und deren letztlicher Kaufkraft - was sie bekommt? Wohl eher nicht, oder? Außerdem hat sie viel Zeit. Und die wird wohl darauf verwendet werden, das System persönlich zu optimieren. Menschlich verständlich, aber eben an der solidarischen Finanzierung der Gesellschaft völlig vorbei. Meiner Meinung nach das Grundproblem des BGE. Auch darüber wäre zu sprechen.


  • War nicht schon die Rede von einer Digitalsteuer? Als Komponente zur Maschinensteuer?


    Christiane, wer bezahlt denn diese Steuern am Ende des Tages? Die fallen nicht aus den Wolken und es wird kein Sparschwein einer Kapitalistentochter dafür geschlachtet. Man spricht da ja nicht von ein paar mickrigen Milliarden, die selbst in der Grundvariante notwendig wären. Die zu erwartende Produktivitätsentwicklung deckt das auch nicht im geringsten ab. Bezahlen wird das der Endverbraucher über den Preis, vom gerade erhaltenem BGE- Geld. Die erweiterte Form von rechte Tasche - linke Tasche.

  • Die nächste richtige Phase der Massenarbeitslosigkeit wird das Bankensystem weitgehend einstampfen und die Globalisierung auf Normalmaß zurückstutzen, u.a.. Ganz sicher aber kein BGE hervorbringen.


    Wie soll das gehen? Globale Mobilität und Internet zurückschrauben? Das geht bestimmt. In einem totalitären Staat. Egal ob links oder rechts. Hauptsache keine Technisierung, die die Globalisierung bedingt. Mehr Nordkorea wagen.



    Ein BGE in der postulierten Form ist sicher erstrebenswert. Fast wie im Kommunismus - jeder nach seinen Bedürfnissen hieß es dazu wohl mal. Nur wird das ja schon im angedachten Ansatz nicht erreicht. 1100 Euro ohne weitere Leistungen? Das reicht, um in Freiheit und Würde zu leben? Interessanter Ansatz, wo diesen Betrag in Summe schon heute etliche H4- Empfänger in einer deutschen Großstadt erreichen bzw. überschreiten. Ohne krank zu sein, ohne sonstigen höheren Bedarf zu haben. Das wird sicher ein tolles Leben in Freiheit und Würde. Der finanzielle Ansatz - und damit meine ich Ziel und Quelle - ist jedenfalls schon mal extrem diskussionswürdig.


    Das halte ich für Quatsch. Welcher einzelne Hartz4 Empfänger erreicht 1100 Euro im Monat (ohne Familie, ohne Mehrbedarf?) Belege bitte. Und wo soll es das massenhaft geben? Das ist Quark. Typisches Gerede unter sozialdarwinistischen "Schmarotzer-Befürchtern". Menschen, die glauben, das diejenigen die wenig verdienen oder arbeits- oder obdachlos sind, mehrheitlich faul sind, sind weltfremd. Von der Realität entfernt. Quark. Es gibt dafür vielfältige Gründe.



    Die einen, die erwirtschaften und die anderen, die auf deren Kosten und zu deren Lasten leben. Das haben wir heute auch schon, aber es gibt ja keinen Grund, es auf die Spitze zu treiben.


    Das stimmt. Aber du als Beamter, bist niemand, der etwas erwirtschaftet. Du lebst davon, was andere erwirtschaften und leistet uns einen Dienst.
    Ironisch finde ich, dass du dich darüber beschwerst. Und so tust, als würden alle anderen, die nichts erwirtschaften, das auf Kosten des Gemeinwesens tun (übrigens ist es ein preussischer Mythos, das früh aufstehen und Produktivität zusammenhängen, von den Preussen erschaffen, aber einer ihrer Irrtümer).



    Wird die Empfängerseite tatsächlich mit dem zufrieden sein - unabhängig von der BGE- Höhe und deren letztlicher Kaufkraft - was sie bekommt? Wohl eher nicht, oder? Außerdem hat sie viel Zeit. Und die wird wohl darauf verwendet werden, das System persönlich zu optimieren. Menschlich verständlich, aber eben an der solidarischen Finanzierung der Gesellschaft völlig vorbei. Meiner Meinung nach das Grundproblem des BGE. Auch darüber wäre zu sprechen.


    "Werden sie zufrieden sein", das klingt als ob die Arbeitslosen oder Benachteiligten Gierschlünder sind, die nicht mit dem Geld zufrieden sind, dass sie bekommen. Einfach weil sie faul und gierig sind, daher arbeiten sie auch nicht. Fast wie die gute alte Parole. Auch, das sie das System dann optimieren würden, klingt so. Mag sein, dass es solche Menschen gibt. Verallgemeinert ist das aber Quark. Nicht am Puls der Realität.

    2 Mal editiert, zuletzt von A0583 ()


  • Es mag die Zeit kommen, in der KI Maschinen entwickelt und baut. Oder selbstfahrende Autos auch einen querenden LKW oder Fußgänger erkennen. Aber noch ist diese Zeit nicht absehbar und scheint doch in einer eher ferneren Zukunft zu liegen.


    Glaub' ich nicht. Software schreibt z. B. schon Software ... Solche technologischen Entwicklungen gleichen meist Exponentialfunktionen, die flach starten, also eine gewisse Anlaufszeit benötigen, aber dann immer schneller ansteigen ... Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch für Elektroautos und - vielleicht etwas zeitversetzt - selbstfahrende Autos zutreffen wird.


    Ich hätte noch eine Finanzierungsidee für das BGE: Wäre es denkbar mit dem BGE auch die Rente zu ersetzen? Für Menschen, die eine niedrige Rente erhalten, wäre das ein Gewinn, viele andere würden jedoch signifikant weniger Rente erhalten, egal wie viel sie vorher verdient hätten (ich meine damit z. B. auch Spitzenmanager und Politiker ...): Gleiche Rente für alle ... Wer gut verdient, könnte früh genug anfangen zu sparen, wenn er später mehr haben will. Ich könnte damit leben ...
    Natürlich könnte man auch die Arbeitsagenturen auflösen (ein ordentlich gemachtes Jobportal im Internet wäre auch jetzt schon völlig ausreichend) und dadurch viel Verwaltungsaufwand und Geld sparen.

  • ... Die grundsätzliche Frage ist, was macht man mit den Benachteiligten in unserer Gesellschaft, deren größtes Problem nicht in Weiterbildung, sondern grundsätzlicheren Dingen besteht?
    Die meisten Angestellten in dieser Firma, würden bei einem bedingungslosen Grundgehalt von 1200 Euro morgen kündigen. Denn sie verdienen kaum mehr, für Drecksarbeit.


    Es wird sie immer geben, diejenigen, die Probleme haben. Das ist unabhängig von der Art des Umfeldes, in dem sie hinterher leben müssen. Heute heißt deren BGE Hartz oder Aufstockung. Klar wird es einige geben, die dann die Füße hoch legen. Doch eine andere Gruppe aus diesem Teich wird das als die Chance begreifen, die sie brauchten, um sich anders zu orientieren und dann womöglich Kreativität und Engagement entwickeln und frei setzen zu können, die bis dahin im Zwang erstickt wurden, und so eigenen Schub entwickeln, der auch andere mitreissen kann. Ich denke, dass der Effekt unter dem Strich positiv sein dürfte.


    Es ist andererseits bemerkensewert, wenn man sich die Diskussionen in anderen Zusammenhängen vor Augen führt. Wie oft wird von "Eigenverantwortung" lamentiert? Vor allem dann, wenn die Leute sich beispielsweise um die Abwendung der Altersarmut gefälligst selbst kümmern sollen. Gerne gebracht von "Leistungsträgern"...
    Es ist immer wieder erstaunlich, dass diese vielzitierte Eigenverantwortung der Menschen im Fall der Drangsalierungen und Wegnahme von Erungenschaften eine Rolle spielt und als Mantra vorgetragen wird, aber wenn es um die Realität solcher Umstände geht, in denen die Eigenverantwortung tatsächlich zum Tragen positiver Früchte führen könnte, und meiner Einschätzung nach bei den meisten auch würde, keine Rolle spielen soll, sondern sogar negiert wird.


    Besonders die gewerkschaftlichen Standpunkte enttäuschen mich in diesem Punkt immer wieder. Die können sich selbst verwaltende Menschen, die ihren Tag, völlig ohne ein Gerüst aus regelmäßigen, aufoktroyierten Arbeitszeiten, selbst gestalten, offenbar überhaupt nicht vorstellen. Da ich seit über dreissig Jahren völlig in eigener Regie meine Arbeit und meine Selbstausbeutung organisiere und strukturiere, komme ich mit so einer Einstellung nur unter größeren Schwierigkeiten zurecht. Dabei muss die Arbeit ja nicht einmal regelmäßig sein, um als "gut" zu gelten. Selbst mieseste Schicht- oder Gelegenheitsarbeit gilt als "gut" (im Sinne von "besser" als nicht zu arbeiten), so lange sie nur in Abhängigkeit und unter Regeln und Zwang, die andere aufoktroyieren, erbracht wird. Das ist doch krank und unstrukturiert gedacht...

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Hatten wir das Thema hier nicht schon mal ausführlich? Naja, egal.



    Ich erinnerte mich und suchte, aber es war wohl Teil einer anderen Diskussion, aber welcher?
    Wenn jemand das lose Ende des Fadens findet, nur her damit. Dann kann dort nachgelesen werden, wie der Stand der Diskussion vor einigen Jahren dazu war. Heute ist die Diskussion aktuell und neu, denn es ist nicht nur ein abwegig scheinendes Konstrukt, das in einem anderen Thema eine Erwähnung fand, sondern wird offen diskutiert und geht durch die Presse. Ein Fortschritt, auch wenn es noch viele dicke Bretter zu bohren gibt. Wenn ich mich richtig erinnere, stand das damals im Zusammenhang mit dem Namen Götz Werner.

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: T


  • Ich hätte noch eine Finanzierungsidee für das BGE: Wäre es denkbar mit dem BGE auch die Rente zu ersetzen? Für Menschen, die eine niedrige Rente erhalten, wäre das ein Gewinn, viele andere würden jedoch signifikant weniger Rente erhalten, egal wie viel sie vorher verdient hätten (ich meine damit z. B. auch Spitzenmanager und Politiker ...): Gleiche Rente für alle ... Wer gut verdient, könnte früh genug anfangen zu sparen, wenn er später mehr haben will. Ich könnte damit leben ...


    Ich auch. Es ist auch sinnvoll, die vielen Töpfe und ihre Verwaltungen zu vereinfachen. Das gesparte Geld kann in die Umlage. Immerhin, die Kosten für die Verwaltungen von redundanten Systemen, die letztlich sogar immer dysfunktionaler zu werden drohen, sind beträchtlich. Und Altersarmut wäre damit auch zumindest abgemildert. Wer heute Mitte Dreissig ist und in die Zukunft blickt, sieht vor sich diese Notwendigkeit. Entweder arm im Alter oder frühzeitig Risikokapitalanlagen. Bei Nullzins ist die reine Geldanlage in "Papiere" Unfug, die Verwaltungskosten - auch dort - fressen die Renditen, das angesparte wächst nicht, sondern schrumpft durch die "Anlage" - was bleibt sind Kapitalanlagen mit Risiko. Das geht so lange gut, wie die Dinge sich gut entwickel, aber wehe, man muss an die aufgebauten Reserven und Buchvermögen, wenn der Markt gerade zusammen gebrochen ist, was ja regelmäßig passiert, als Teil des Prozesses. Gar nicht zu reden von dem Platzen der nächsten Blasen, die kommen werden. Ein Staat kann das ausgleichen, "der Markt" ruft dann genau nach diesem stabilen Staat...

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: U

  • Ich hätte noch eine Finanzierungsidee für das BGE: Wäre es denkbar mit dem BGE auch die Rente zu ersetzen?


    War das nicht eh schon Bestandteil des derzeit propagierten Systems BGE? Einer der Grundgedanken war ja gerade, alle entsprechenden Leistungen mit einem BGE obsolet zu machen. Auch die Rente.

  • ...


    Wie oft wird von "Eigenverantwortung" lamentiert? ...



    Eigenverantwortung... Ich denke die Allermeisten die für das BGE sind verlieren vor lauter Glück völlig aus den Augen, dass sie für die Befreiung davon jede Arbeit annehmen zu müssen etwas bezahlen werden, was man meistens gar nicht so vermisst außer man braucht es. Den vorhandenen Sozialstaat. Das ist ja auch der Grund, warum das vielen Unternehmern so gut gefällt. Der Staat wäre von der lästigen Pflicht befreit sich zu kümmern. Es wäre mit einem Schlag alles privatisiert. Eigenverantwortung... Kümmert Euch um Eure Krankheiten selbst oder versichert Euch privat wenn Ihr Euch das leisten könnt. Kümmert Euch sowieso um Wohnung und Essen und was man so braucht, aber zahlt was verlangt wird oder wohnt wo es wenig kostet mit dem Krempel den ihr bezahlen könnt. Seid Ihr behindert ? Seid Ihr alt und braucht Hilfe ? Seid ihr schwer krank und braucht teure Medikamente, Pflege, Hilfsmittel ? Nicht das Problem des Staates, sondern Eures - Eigenverantwortung. Ihr habt Euch hoffentlich privat gegen solche Schicksalsschläge versichert. Habt für das Alter gespart, denn eine Rente gibt es nicht mehr. Nein ? Dann seht halt zu... Schließlich muss ein BGE finanziert werden und man kann nicht alles haben. Also ist es logisch, dass der Sozialstaat das erste ist, was dabei geopfert wird. Klar ist es schön den Zwang los zu sein, eine Arbeit finden zu müssen, klar ist es gut dass uns niemand mehr mit Jobsuche drangsaliert. Endlich wurden all die Beamten entlassen, die in den überflüssigen Verwaltungen des Sozialstaates saßen und statt üppiger Pensionen bekommen sie jetzt das BGE, wie alle anderen Empfänger auch. Hö hö das wird uns freuen. Endlich Eigenverantwortung für den öffentlichen Dienst, den niemand mehr braucht. Alles gehört irgendwelchen Unternehmen, Konzernen, Gesellschaften. Die Straßen, die Krankenhäuser, die Schulen, die Pflegeheime und was auch immer es so gab und damit hat endlich auch alles hat (s)einen Preis. Die Marktradikalen hätten endgültig was sie schon immer wollten. Und ob das BGE wirklich tausend Euronen beträgt ? Ich bitte Euch... :lol: Fangen wir mal bei sechshundert an zu verhandeln... :erol: :zwink:

  • ...


    Die erweiterte Form von rechte Tasche - linke Tasche.


    Ganz richtig. Das ist das dem ganzen - gegenwärtigen, weltweit herrschenden - System zugrunde liegende Prinzip. Es handelt sich um ein Kreislaufsystem.
    Wenn du das erst einmal als gegebene Grundlage akzeptiert hast, stellt sich nur noch die Frage, in welchen Taschen wie viel und wofür hängen bleibt.