Schadstoffbelastung: Wie soll es weitergehen mit Mobilität, Landwirtschaft und Co?

  • Dio hatte es für den Fall individuelle motorisierte Mobilität im Automobilthread angesprochen. Die Forderungen (oder Notwendigkeiten?) zur Abschaffung mancher Bequemlichkeit mehren sich. Das betrifft nicht nur den genannten MIV, sondern auch Flug- oder Schiffsreisen, Wohnungsgrößen, Urbanisierung, Nahrungsmittelherstellung und viele andere Lebensbereiche mehr.


    Die postulierten Veränderungen rufen Widerstände hervor. Vor allem, weil sie in Summe eine Verschlechterung der Lebensqualität bedeuten. Verschlechterungen, gerade wenn sie einen selbst betreffen, kommen ja beim Souverän gar nicht gut an. Insbesondere, wenn sie sich in kurzer Zeit vollziehen sollen oder wenn erkennbar keine brauchbare Alternative vorhanden ist.


    Kann so etwas wirklich umgesetzt werden oder wird man daran scheitern und warten müssen, bis die Realität zuschlägt und zu Veränderungen zwingt?

  • So lange Lobbyisten aus den verschiedensten Wirtschaftsbereichen offen und gewichtig in Gremien mitwirken, die Gesetze einschließlich relevanter Grenzwerte reif für die parlamentarische Beschlussfassung entwickeln und auf der anderen Seite sollen Organisationen wie der Umwelthilfe, welche die für die Bürger noch verbleibenden juristischen Margen nutzen, die Mittel entzogen werden (Kandidat für das Unwort 2019: Klageindustrie), wird sich nichts ändern.

  • Man hat dem lästigen Kind den neuen Namen "neue Empfindlichkeit" gegeben, ich nenne es Wahrung eines Restes von Rechtsstaatlichkeit für den Bürger, nachdem sich die Industrieverbände mit vollen Händen bei der Gestaltung von Gesetzen zu ihren Gunsten bedient haben.

  • Ach ja, die böse Umwelt… und die neue Empfindlichkeit des aufgeklärten Bürgers. Irgendwer wird schon zu verklagen sein, schließlich sterben auch nach Rauch- und Fahrverboten weiterhin die Menschen.

    Zitat

    Allein die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft seien für rund 50.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich.

    Das sind bei der Gesamtbevölkerung gerademal 0,0625%...näää, was schlimm...

    Das rottet das deutsche Volk aus....

    Na dann müssen wir ja mal so langsam tatkräftig an unserer Unsterblichkeit arbeiten und am besten alles verbieten, was unserer Gesundheit und Fortbestand nur im entferntesten schaden könnte....

  • […] Das rottet das deutsche Volk aus....

    Diese Angst grassiert doch seit Markteinführung der Antibabypille - und die böse Landwirtschaft war schließlich in Deutschlands düsterster Zeit ein geradezu kultisch verehrter Berufsstand, da muss man später Geborener doch sogleich gesundheitlichen Schaden nehmen.

    Bekanntlich ist das Leben insgesamt lebensgefährlich, und wie die Angst vor Feinstaub und anderen Schadstoffen, deren gesetzlich festgelegte Grenzwerte immer niedriger angesetzt werden, eine nette Beschäftigungstherapie für den sich sorgenden Bürger gefördert wird, erfreuen sich Risiko- und Extremsportarten ebenfalls wachsender Beliebtheit.

  • Na ganz einfach, wir sollten uns einfach was einfallen lassen.


    Dass es so nicht weiter gehen kann, braucht man wohl nicht mehr zu erwähnen. Wir leben auf großem Fuß und verbrennen die Ressourcen unserer Nachfolger. Die werden sich in 100? Jahren mal köstlich über uns amüsieren, weil wir uns über die 100 Jahre vor uns amüsiert haben, als diese ihre Gewohnheiten ändern mußten.


    Klar ist das für aktive Protagonisten in jeder Zeit schwierig. So auch für uns und wen man dann noch erkennt, dass interessengesteuerte Zweige sich einen Shic scheren, weil die Kasse ja stimmen muß, dann ist das Bild auch wieder ein rundes.


    Nö, nichts bleibt wie es ist. Alles ist in Veränderung. Ob Vernunft, Notwendigkeit und/oder Zwang immer gerecht sind, ist nicht immer erkennbar. Was aber erkennbar ist, sind dumme Entscheidungen die nur dem Mammon geschuldet sind. Diese sind es dann auch, die Potenzial für Spannung zwischen den Interessen der verschiedenen Menschen und Konzernen bieten.


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • @ Wieben #6


    Wenn dieses Grundrecht wirklich uneingeschränkt gelten würde, müsste der Mensch im Bett in den Hochalpen liegen bleiben. Und auch dort kann es ihn erwischen.


    Will sagen, und das ist auch die Kernfeststellung: Wir leben in einer Zeit, in der es als schick gilt, Maximalforderungen an die Tür zu nageln, die Folgen nicht tragen zu wollen und ansonsten keinen Plan zu haben. Und dabei auch noch die Demokratie zu schädigen. Oder wie anders ist es zu erklären, wenn ein 240-Mann- Abmahnverein außergerichtlich und geheim mit einer Landesregierung Deals aushandelt? Ich will keinen Industriebetrieb vor der Tür. Der sollte aber schon fußläufig zu erreichen sein. Ich will mehr ÖPNV. Bezahlen will ich den aber nicht. Ich will keinen MIV, will aber, dass die Freiwillige Feuerwehr auch weiterhin um 23:00 Uhr meine brennende Bude löscht. … Gemeinhin nennt man dergleichen Treiben Populismus.


    Das kann und wird nach meiner Meinung nicht funktionieren.

  • Es ist klug, zunächst einmal Maximalforderungen zu stellen, um Mitstreiter zu finden. So funktioniert der politische Diskurs, ...


    ... und das Wirken von 240 Leuten der Umwelthilfe den vieltausendköpfigen Wirtschaftslobbies entgegen zu setzen, ist schon ein wenig mehr als schräg.

  • Es ist klug, zunächst einmal Maximalforderungen zu stellen, um Mitstreiter zu finden. So funktioniert der politische Diskurs, ...

    Das mag in der Politik ja üblich sein. Sonderlich erfolgreich ist es nicht, es führt ja nicht nur zum BER und anderen Schwachsinnsveranstaltungen. Es führt vor allem zu Politikverdrossenheit. Was denkt denn Otto, wenn er früh in der Zeitung liest: "Wir müssen das Klima retten, ab 2025 nur noch ÖPNV!" Und er dann vor die Tür geht und sich überlegt, dass die Fahrt in die Kreisstadt einen Urlaubstag kostet, die Arbeitsstelle nicht in 15 min, sondern in 1h + erreichbar ist, Lebensmittel einkaufen zur Erlebnistour wird, etc pp. Richtig!

  • Jedes wachsende System ohne Nachfuhr von Ressourcen unterliegt mit zunehmendem Wachstum dem Risiko, dass einer der Wachstumsfaktoren unvorhersehbar wegbricht und das gesamte System mitreißt. Wenn dieser Zustand eintritt, werden Politik und Gesellschaft nicht mehr in der Lage sein, geordnete Maßnahmen zu treffen, um einem chaotischen Zusammenbruch der Gesellschaft zu verhindern.


    Nur zur Vorbeugung von Politikverdrossenheit das "weiter so" ohne kritischen Umgang mit realistischen Zukunftsperspektiven zu propagieren, deutet die Anfänge der Bankrotterklärung der aktuellen Politik an.


    Die ultimative und damit letzte Party der Konsumgesellschaft wird mit einem gewaltigen Kater enden, …


    … und der wird erst der Anfang dessen sein, bei dem die individuelle Freiheit nur noch eine verlorene historische Episode bedeutet.

  • Jedes wachsende System ohne Nachfuhr von Ressourcen unterliegt mit zunehmendem Wachstum dem Risiko, dass einer der Wachstumsfaktoren unvorhersehbar wegbricht und das gesamte System mitreißt. Wenn dieser Zustand eintritt, werden Politik und Gesellschaft nicht mehr in der Lage sein, geordnete Maßnahmen zu treffen, um einem chaotischen Zusammenbruch der Gesellschaft zu verhindern.


    Dazu braucht es an sich nur einen großen Sonnensturm, der übrigens lange überfällig ist. Dann hat es sich mit dem schicken Leben und mit der Gesellschaft auch. Wir haben uns im Namen des Guten und Gerechten in Abhängigkeiten ohne jegliche Rückfallebene begeben, die im Fall der Fälle sehr vielen Menschen das Leben kosten und den "Rest" um hundert Jahre zurückwerfen wird. In Berlin hat schon ein einstündiger stadtteilweiter Stromausfall gereicht, um Chaos auszulösen.


    Wir haben ja auch Ressourcen, die durchaus nachwachsen. Wasserstoff wächst quasi auf dem Feld. Und hat bei der Verarbeitung den Charme, dass CO2 abgeschieden werden kann. Müll ist Rohstoff. Natürlich nur, wenn er nicht in Afrika unter freiem Himmel abgebrannt wird.


    Zitat

    Nur zur Vorbeugung von Politikverdrossenheit das "weiter so" ohne kritischen Umgang mit realistischen Zukunftsperspektiven zu propagieren, deutet die Anfänge der Bankrotterklärung der aktuellen Politik an.


    Was denn für realistische Zukunftsperspektiven? Ich habe nur selten welche gelesen und keine davon stand in einem Parteiprogramm. Was dann in der Realpolitik ankam, spottete jeder Beschreibung. Das ist keinem denkenden Menschen zu vermitteln. Die eine speichert Strom im Netz, die anderen fordern von Otto, 70 km zur Arbeit zu fahren, gefälligst mit dem ÖPNV - obwohl keiner da ist. Andere vernichten vor 3 Jahren zugelassene und geprüfte Kfz.


    Was gemacht wird, muss bestimmt, aber angepasst sein. Was hindert uns daran, nachhaltig hergestellten Wasserstoff erst mal dem Erdgas zuzusetzen?? Da müssen halt ein paar Düsen ausgetauscht werden. Haben wir schon mal gemacht. Kostet nicht die Welt und auch beim Wechsel der Erdgasqualität ist nichts untergegangen. Funktioniert diese nachhaltige Produktion, kann man sich an die Kfz machen. Warum sollten alle drei Jahre neue Abgasanlagen eingebaut werden, wenn man dann gleich auf CNG umrüsten kann?? Aber das hat in DE ja schon bei LPG nicht geklappt. Während der Umbau in PL für 800 Euro zu haben war und es in jedem dritten Dorf LPG gab, haben wir hier drüber geredet, ob das jetzt gut sei.

    Zitat

    … und der wird erst der Anfang dessen sein, bei dem die individuelle Freiheit nur noch eine verlorene historische Episode bedeutet.

    Das haben wir doch in Teilen längst erreicht.

  • Es ist klug, zunächst einmal Maximalforderungen zu stellen, um Mitstreiter zu finden. So funktioniert der politische Diskurs, ...


    ... und das Wirken von 240 Leuten der Umwelthilfe den vieltausendköpfigen Wirtschaftslobbies entgegen zu setzen, ist schon ein wenig mehr als schräg.

    Macht sich aber bis dato irgendwie ein wenig lächerlich aus, bzw. als unglaubwürdiges Feigenblatt. Fragt sich nur von wem für wen ?

    Und da brauche ich jetzt nicht unbedingt Dieter Nuhr mit seinen 4 Adventskerzen vorkramen.

    Siehe Hamburg. In nicht mal 2 KM Entfernung von den mit Stolz initierten, ersten Dieseldurchfahrverbotsstraßen haben wir den Hamburger Hafen wo tagtäglich Abertausende von Verbrennungsmotoren rattern ( also neben den berüchtigten Schiffsdieseln ) und on top werden noch von den gleichen Entscheidungsträgern jedes Jahr zum allgemeinen Volks und Touristikentertainment alle möglichen Kreuzfahrtschiffe dieser Welt ( Cruise Days ) nach Hamburg eingeladen....Widersprüchlicher geht's kaum.

    Klasse ist dann auch noch das man über die letzten Jahre als großes Neubauprojekt ( was wohl kaum den Normalo/Durchschnitts Hamburger tangiert ) die "Hafencity" mit viel politischem Saft und Kraft aufbläst bei der man aber genau diese Probleme ( Umweltbelastung durch den Hafen ) feinstens unter den Teppich kehrt.

  • Das sind bei der Gesamtbevölkerung gerademal 0,0625%...näää, was schlimm....

    Tja, wo setzen wir denn die Grenze an?


    Als Asbest 1995 verboten wurde, hat man einen kompletten Industriezweig ab Gewinnung, über Verarbeitung bis hin zur Nutzung kalt gestellt. Und die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch Asbest war nie auf dem Stand von 50.000 pro Jahr. Noch heute gehen jährlich 8000 vorzeitige Todesfälle auf das Konto dieses Naturwerkstoffes.


    Klar, zu Asbest gab und gibt es unbedenklichere Alternativen - die gibt es aber im Bereich Mobilität ebenfalls. Es wird nur etwas unbequemer für alle - und das wollen wir ja nicht, also Scheiß auf die Asthmakranken, auf Kinder, Alte und vorzeitige Todesfälle. Das goldene Kalb Verbrennungsmotor und die Autoindustrie sind halt wichtiger.

  • Klar, zu Asbest gab und gibt es unbedenklichere Alternativen - die gibt es aber im Bereich Mobilität ebenfalls. Es wird nur etwas unbequemer für alle - und das wollen wir ja nicht, also Scheiß auf die Asthmakranken, auf Kinder, Alte und vorzeitige Todesfälle. Das goldene Kalb Verbrennungsmotor und die Autoindustrie sind halt wichtiger.

    Asbest in Relation zur Verbreitung, Produktion und anhängender Zulieferindustrie des Verbrennungsmotors sind aber nicht so ohne weiteres vergleichbar.


    EIn Verbot ist natürlich schnell bei der Hand, nur ist es eine Mammutaufgabe Lösungen zu finden die Hundertausende/Millionen von AN die hier betroffen sind in Lohn und Brot zu halten. Und da habe ich bei der derzeitigen Konstellation im Politikbereich schwerste Zweifel ob hier jemand zu finden ist der diese Aufgabe gewachsen ist. Dagegen sind die Probleme unserer Volkswirtschaft die im hier und jetzt nichtmal bewältigt werden können ein Babyfurz.

  • Klar, nur ist das ja erstmal nicht nur die orginäre "Automobilindustrie" sondern der ganze Rattenschwanz an Zulieferern, KFZ Handel und Reparatur die davon betroffen sind plus sämtliche andere Sparten die Verbrennungsmotoren ausserhalb dieser Branche herstellen.....

  • Es wird nur etwas unbequemer für alle - und das wollen wir ja nicht, ...

    Es wird eben nicht nur etwas unbequemer für alle. Es ist, um mal im Mobilitätsbereich zu bleiben, eben nicht so, dass es reicht, mal den Fahrplan zu studieren und eine Fahrkarte zu kaufen. Dies sei schließlich jedem zuzumuten. So jedenfalls schrieb die TU Dresden schon um 2000 in einem "wissenschaftlichen" Positionspapier. ÖPNV frisst Geld und Lebenszeit, jedenfalls außerhalb von Großstädten und Ballungsräumen. Beides summiert sich zu erheblichen Größenordnungen und bedeutet einen erheblichen Verlust individueller Freiheiten. Ich hatte die Rechnung für mich (alte) Arbeitsstelle hier schon mal aufgemacht. Da werden aus 15 km Arbeitsweg in max. 20 min plötzlich 1:20 h. Einfache Strecke. Im günstigsten Fall. Das sind 2 h verlorene Lebenszeit arbeitstäglich. Mal ganz davon abgesehen, dass ich zu mindestens einer Anfangs- und Endzeit einer Schicht eh nicht zur Arbeitsstelle käme. Das macht schon mal 400 h im Jahr und damit das Arbeitszeitvolumen von rund 2 Monaten. "Etwas unbequemer"? Das trifft es wohl nicht ganz...