Gewerkschaften verschreiben sich immer mehr den Arbeitgebern

  • Die Gewerkschaften sind schon seit vielen Jahren weitgehend korrumpiert. Das trifft nicht gleichzeitig auch auf die Ebenen der Geschäftsstellen und Betriebsräte zu, aber in den HVen und bei den Aufsichtsräten, den großkopferten Vorständen zu. Wer aus der Nähe zu Protagonisten den schleichenden Schulterschluss mit den AG erlebt hat, wird das bestätigen können. Da kommt es nicht selten auch schnell zum Duzen und Wirzen und zum "gleichen Boot"-Duktus.


    Der Auftrag, der originäre, durch diejenigen erteilt, die den Großteil der Einkommen der Funktionäre und Angestellten der Gewerkschaften durch die erarbeiteten Beiträge finanzieren, die Tätigkeit für die AN also, wird gerne als großes Feigenblatt genutzt, aber die eigenen Zugehörigkeiten definieren viele, die sich an die Spitze haben hochwählen lassen, später über ihren eigenen gesellschaftlichen Staus, den Dünkel, den Hauch der Wichtigkeit, Treffen auf Leitungsebene mit Politik und Wirtschaft, Presse etc. Auto, Haus, Einrichtung, Kleidung, Wahl der Restaurants, etc., das alles sagt viel mehr über die Speerspitzen aus, als deren Sonntagsreden.


    Die Kluft zwischen Basis und Vorständen könnte kaum größer sein. Auch wenn der demonstrative Schulterschluss von Zeit zu Zeit zum medienwirksamen Marketing gehört und anderes suggerieren soll, Arbeiterführer, pardon, Arbeitnehmerführer sind die alle nicht mehr, die meisten sind Sachverwalter und Frühstücksdirektoren, Funktionäre, die alimentiert werden und für Ruhe sorgen, hin und wieder ein Häppchen erbetteln und das als Erfolg verkaufen.


    So lange die Basis nicht aufmuckt, könnten die "Gewerkschaftsführer" sich auf Konzernrechnung auch in Davos zum Skifahren treffen, um die Weltlage der internationalen Arbeitnehmer beim Kaffee zum Après-Ski zu besprechen, oder mit dem Hubschrauber durch den Grand Canyon fliegen und anschließend Yellowstone besuchen, nachdem sie sich auf Einladung der Union bei Alibi-Terminen die Arbeitsbedingungen in einer Casinoküche in Las Vagas angesehen und der örtlichen Müllabfuhr eine angemessene Priorisierung der Sicherheitsaspekte am Arbeitsplatz bescheinigt haben. Das lässt sich alle prima miteinander vereinbaren. Kein Problem.


    PS: Ist hier natürlich hier völlig OT und sollte woanders hin verschoben werden - ich frage mich nur, wohin das am besten passen würde...?:thinking-020:

    17 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: Absätze

  • Ich denke, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber nicht als Antagonisten verstanden werden dürfen. Grundsätzlich wirken Arbeitnehmervertretungen mit den Arbeitgebern an Entscheidungsfindungen mit. Hierbei möchte ich auch die Betriebsräte und ähnliche Institutionen neben den Gewerkschaften einschließen.
    Dadurch sichert die Soziale Marktwirtschaft ein funktionierendes System, das vergleichsweise ausgeglichen ist. Wirft man den Blick etwa nach Frankreich, sollte klar werden, dass eine feindliche Haltung beider Akteure regelrecht fortschrittsfeindlich, schwerfällig und destruktiv wirkt.
    Von zentraler Bedeutung ist weiterhin, dass der Staat angemessene Rahmenbedingungen schafft, so dass die Partner tatsächlich auf Augenhöhe miteinander arbeiten und verhandeln können (schließlich bin ich nicht so naiv, zu glauben, Machtstellungen würden nicht auch zum Missbrauch einladen).
    Den Gewerkschaften den Schulterschluss mit den Arbeitgebern vorzuwerfen, ist m.E. zu kurzsichtig. Hierbei wird nicht berücksichtigt, dass ausufernde Arbeitnehmerinteressen den Unternehmen schaden und langfristig zu Verlust von Arbeitsplätzen und Annehmlichkeiten (Urlaubsgeld, Arbeitszeit, Gewinnbeteiligungen u.ä.) führt.

  • Die Bewertungen dieser Sachverhalte sind eben eine Frage des Blickwinkels und der Interessenlage des Bewertenden.

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()