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Thema: Steuern - der Staat wird immer gieriger.

  1. #1
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    Standard Steuern - der Staat wird immer gieriger.

    Diesmal ohne viel eigenen Text, aber die Auszüge aus dem Welt-Artikel http://www.welt.de/finanzen/ratgeber...m-beliebt.html dürften deutlich genug machen, worum es geht:

    "Der Fiskus will immer öfter bei Preisgeldern im Sport, beim Pokern oder bei Fernsehshows mitkassieren. Selbst bei renommierten Wissenschaftspreisen langt das Finanzamt neuerdings zu. Das Finanzgericht Hamburg verdonnerte jetzt einen Professor dazu, die 10.000 Euro, die er als Gewinner eines Lehrpreises verliehen bekam, als Einkommen zu versteuern (Az.: 3 K 126/13).
    ...
    Mit der neueren Rechtsprechung von Finanzgerichten weht ein schärferer Wind. "Wer etwas gewinnt, sollte besser prüfen, ob es sich um einen steuerfreien Gewinn oder um eine steuerpflichtige Entlohnung für seine Leistung handelt", erklärt Christina Georgiadis, Sprecherin der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH). Der Grat zur Steuerhinterziehung ist schmal geworden."

    Und in meinen Augen besonders bösartig: "Selbst vor Amateursportlern wie Gewichthebern macht der lange Arm des Fiskus nicht mehr halt. Normalerweise galt bisher: Sind die Sportler bei Turnieren nicht als Profis unterwegs, sondern betreiben sie ihren Sport aus Leidenschaft, dürfen sie gewonnene Preisgelder steuerfrei mitnehmen. Doch auch hier gibt es scheinbar keine Regel mehr ohne Ausnahme: Das Finanzamt fordert von einem erfolgreichen Amateurgewichtheber plötzlich Steuern nach weil dieser jahrelang jeweils einige Tausend Euro bekam – mal als Siegprämie von seinem Verein, mal als Aufwendungen für die Bundesliga."

    Dieses nachträgliche Besteuern halte ich für besonders unfair. Als Amateur opfert man Wochenenden, übernachtet in Hotels, hat Fahrt- und Verpflegungskosten, wenn man für einen Verein der Bundesliga oder 2. Bundesliga antritt. Ich kenne das von früher vom Judo oder Schach. Da ist es völlig normal vom Verein eine kleine Entschädigung zu erhalten oder aber auch mal ein Preisgeld zu gewinnen. Das stelle ich mir ganz toll vor, wenn nach Jahren dann plötzlich das Finanzamt kommt, sich irgendeine Summe herbeirechnet, die nur die Gewinne, aber keinerlei Kosten enthält und man dann alles auf einmal versteuern muss.
    Ähnlich geht es Pokerspielern, die Gewinne nachträglich versteuern sollen, obwohl Pokergewinne lange als steuerfrei galten. "Toll", wenn das Preisgeld dann schon ausgegeben wurde. Das kann im Extremfall existenzbedrohend sein - aber egal, Hauptsache die Leute werden ausgequetscht. Dass die dann später u. U. als Sozialfall den Staat teurer zu stehen kommen, interessiert nicht.

    "Dass mit dem Finanzamt keineswegs zu spaßen ist, bekam Sascha Sirtl, Gewinner des "Big Brother"-Spektakels von 2005, zu spüren. Als er den Container nach 365 Tagen TV-Gefängnis als umjubelter Sieger verließ und eine Million Euro dafür bekam, galt "Big Brother" noch als Spielshow.
    Jahre später stand plötzlich das Finanzamt auf der Matte und verlangte eine Steuernachzahlung von 500.000 Euro. Sirtl stand praktisch vor dem Ruin."

    Absurd!

    Da die Finanzämter auf Geheiß der Politik immer rabiater gegen die Bürger vorgehen, sollte man den Politikern ihrerseits ganz genau auf die Finger schauen: Wo werden Steuergelder verschwendet und wer ist dafür verantwortlich? Warum werden Drohnen bestellt, die dann nie fliegen dürfen? Weshalb überschreiten die Kosten öffentlicher Bauvorhaben (Flughafen Berlin, Elbphilharmonie...) die Vorgaben regelmäßig um ein Vielfaches? Warum müssen Banken gerettet werden, wenn gleichzeitig der Bürger "geschröpft" wird? Warum reisen die Politiker so häufig statt Video-Chat-Möglichkeiten zu nutzen oder warum zahlt der Bürger Steuern für us-amerikanische Überwachungszentren auf deutschem Boden...?
    Geändert von jaki01 (29.09.2014 um 16:41 Uhr)

  2. #2
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    1. ich bin dafür, jeglichen Geld- oder sonstigen Vermögenszufluss grundsätzlich als Einkommen zu werten und diesen der normalen Einkommenssteuer zu unterwerfen, egal ob es sich um Gewinne, Entschädigungen oder Erbschaften handelt. Die derzeitigen Regeln im Steuerrecht sind auch deshalb so kompliziert, weil es für viel zu viele Einnahmen Ausnahmen oder Sonderregeln gibt.
    Im Fall der Amateursportler muss dieser eben seine Reise- und Unterkunftskosten steuermindernd geltend machen.
    2. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
    Wenn Jesus zu Zeiten des Radikalenerlasses gewirkt hätte, hatte er nicht mal Postbote werden können - dieser linksradikale Sozialromantiker

  3. Folgende 4 Benutzer sagen Danke zu Diogenes2100 für den nützlichen Beitrag:

    Karl S. Ruher (30.09.2014), PrometheusXL (29.09.2014), Schopenhauer (29.09.2014), wudi (29.09.2014)

  4. #3
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    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    1. ich bin dafür, jeglichen Geld- oder sonstigen Vermögenszufluss grundsätzlich als Einkommen zu werten und diesen der normalen Einkommenssteuer zu unterwerfen, egal ob es sich um Gewinne, Entschädigungen oder Erbschaften handelt. Die derzeitigen Regeln im Steuerrecht sind auch deshalb so kompliziert, weil es für viel zu viele Einnahmen Ausnahmen oder Sonderregeln gibt.
    Du weißt, dass ich gegen Besteuerung von Profiten bin, die man durch Eingehen eigenen Verlustrisikos erzielt. Denn es ärgert mich, wenn jemand völlig ohne eigenes Risiko die Hand aufhält, wenn ich gewinne, aber mich im Falle von Verlusten im Regen stehen lässt. Stell dir vor, all die Pokerspieler, die unterm Strich nichts gewinnen, wollten ihre Verluste geltend machen... das geht dann natürlich nicht...

    Was ich eher für sinnvoll halten würde, wäre es, jedwede Absetzmöglichkeit aus der Steuererklärung zu streichen. Das ist es doch, was das Ganze so kompliziert macht, der eine setzt den Fahrtweg zur Arbeit ab, der andere das Arbeitszimmer. Erstens führt das zu mehr Bürokratie, zweitens zu Ungerechtigkeit, da jemand, der bereits reich ist, normalerweise auch viel mehr absetzen kann.

    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    Im Fall der Amateursportler muss dieser eben seine Reise- und Unterkunftskosten steuermindernd geltend machen.
    Das halte ich für unglaublich bürokratisch: ich mache als Amateursportler das Ganze in der Regel, weil es Spaß macht und nicht, um Quittungen fürs Finanzamt zu sammeln. Ich finde, es reicht völlig aus, wenn ganz normale Erwerbsarbeit besteuert wird. Der Staat muss nicht überall, bei jedem Kleinkram mitprofitieren, der soll lieber mal auf die Ausgabenseite schauen. Es bringt nichts, in eine durchlöcherte Tasche immer mehr Geld reinzustopfen.

    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    2. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
    Das zieht bei einigen Beispielen schlicht nicht. Wenn zum Zeitpunkt der Durchführung der unsäglichen "Big-Brother-Show" auf den Gewinn keine Steuern fällig waren, dann müsste der Gewinner nicht nur "wissend" sondern geradezu ein Hellseher gewesen sein, um ahnen zu können, dass das Finanzamt Jahre später auf die Idee kommen würde, ihn zu ruinieren. Die gleiche Frechheit bei den Pokerspielern...

  5. Folgender Benutzer sagt Danke zu jaki01 für den nützlichen Beitrag:

    Dieter59 (18.05.2017)

  6. #4
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    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Du weißt, dass ich gegen Besteuerung von Profiten bin, die man durch Eingehen eigenen Verlustrisikos erzielt. Denn es ärgert mich, wenn jemand völlig ohne eigenes Risiko die Hand aufhält, wenn ich gewinne, aber mich im Falle von Verlusten im Regen stehen lässt. Stell dir vor, all die Pokerspieler, die unterm Strich nichts gewinnen, wollten ihre Verluste geltend machen... das geht dann natürlich nicht...
    (...)
    ich halte deinen ansatz für irreführend.
    jegliche unternehmerische tätigkeit trägt das verlustrisiko in sich und müssteebenfalls, deiner logik zufolge, den gewinnen eines professionellen spielers gleichgesetzt werden und unversteuert bleiben.
    dass sich vieles verbessern ließe stelle ich nicht in frage, aber wenn eine unternehmung - welcher art auch immer - mit gewinnerzielungsabsicht durchgeführt wird, ist der eintretende gewinn zu versteuerndes einkommen, ggf. entstehende verluste wären folgerichtig absetzbare aufwendungen, die ggf. auch vortragsfähig sein sollten.
    das wäre eine saubere lösung, die nicht vorhersehbar unbillig bevorzugt.

  7. Folgende 3 Benutzer sagen Danke zu PrometheusXL für den nützlichen Beitrag:

    Karl S. Ruher (30.09.2014), Schopenhauer (29.09.2014), wudi (29.09.2014)

  8. #5
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    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Du weißt, dass ich gegen Besteuerung von Profiten bin, die man durch Eingehen eigenen Verlustrisikos erzielt. Denn es ärgert mich, wenn jemand völlig ohne eigenes Risiko die Hand aufhält, wenn ich gewinne, aber mich im Falle von Verlusten im Regen stehen lässt. Stell dir vor, all die Pokerspieler, die unterm Strich nichts gewinnen, wollten ihre Verluste geltend machen... das geht dann natürlich nicht...
    Du weißt, dass nahezu jeder Unternehmensgründer dieses Risiko eingeht?

    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Was ich eher für sinnvoll halten würde, wäre es, jedwede Absetzmöglichkeit aus der Steuererklärung zu streichen. Das ist es doch, was das Ganze so kompliziert macht, der eine setzt den Fahrtweg zur Arbeit ab, der andere das Arbeitszimmer. Erstens führt das zu mehr Bürokratie, zweitens zu Ungerechtigkeit, da jemand, der bereits reich ist, normalerweise auch viel mehr absetzen kann.
    Das ist alles richtig, ich wäre auch für ein komplett anderes Steuersystem rein auf Verbrauchsgrundlage, aber im derzeitigen System ist mein Vorschlag am besten geeignet, Steuergerechtigkeit herzustellen. Wer erbt hat einen Zufluss, wer im Poker gewinnt ebenfalls, Zinsen oder sonstige Kapitalerträge - alles Einkommen. Verluste aus Zockerei geltend machen sollte weiterhin nicht möglich sein, das ist eben Glücksspiel.

    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Das halte ich für unglaublich bürokratisch: ich mache als Amateursportler das Ganze in der Regel, weil es Spaß macht und nicht, um Quittungen fürs Finanzamt zu sammeln. Ich finde, es reicht völlig aus, wenn ganz normale Erwerbsarbeit besteuert wird. Der Staat muss nicht überall, bei jedem Kleinkram mitprofitieren, der soll lieber mal auf die Ausgabenseite schauen. Es bringt nichts, in eine durchlöcherte Tasche immer mehr Geld reinzustopfen.
    Die Ausgabenseite? Die sagt mir, dass dieser Staat es in den letzten 20 Jahren versäumt hat, etwa 500 Milliarden in unsere Infrastruktur zu investieren.

    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Das zieht bei einigen Beispielen schlicht nicht. Wenn zum Zeitpunkt der Durchführung der unsäglichen "Big-Brother-Show" auf den Gewinn keine Steuern fällig waren, dann müsste der Gewinner nicht nur "wissend" sondern geradezu ein Hellseher gewesen sein, um ahnen zu können, dass das Finanzamt Jahre später auf die Idee kommen würde, ihn zu ruinieren. Die gleiche Frechheit bei den Pokerspielern...
    Sehe ich nicht so. Die "Gewinner" hofften, dass auf ihre Gewinne keine Steuern fällig werden und gaben diese Einnahmen deshalb schlicht nicht in ihrer Steuererklärung an. Hätten sie dies getan, hätten die Finanzämter diese Zuflüsse im jeweiligen Jahr bescheiden können. Und zwar positiv wie auch negativ. Dieses Risiko wollten die Gewinner gar nicht erst eingehen, und jetzt kommen die Krokodilstränen.
    Wenn Jesus zu Zeiten des Radikalenerlasses gewirkt hätte, hatte er nicht mal Postbote werden können - dieser linksradikale Sozialromantiker

  9. #6
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    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    ... aber wenn eine unternehmung - welcher art auch immer - mit gewinnerzielungsabsicht durchgeführt wird, ist der eintretende gewinn zu versteuerndes einkommen, ggf. entstehende verluste wären folgerichtig absetzbare aufwendungen, die ggf. auch vortragsfähig sein sollten. ...
    Puh, aber das würde der Staat niemals machen, denn den paar strahlenden Gewinnern steht ein nicht minder großes Heer an Verlierern gegenüber, wobei beide, Gewinner und Verlierer, zusätzlich Reise-, Übernachtungs- und sonstige Lebenshaltungskosten vorbringen würden.

    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    Du weißt, dass nahezu jeder Unternehmensgründer dieses Risiko eingeht?
    Ja, ich halte es auch für ein sehr hartes Brot, in Deutschland Kleinunternehmer zu sein. Ich denke, es ist kein Zufall, dass es hier, im Gegensatz zu den USA (auch dort muss ja nicht alles schlecht sein...) nur so wenige erfolgreiche "Startups" gibt. Solange jemand "klein" ist, wäre ich in der Tat für sehr großzügige Steuerregelungen zu seinen Gunsten.

    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    Verluste aus Zockerei geltend machen sollte weiterhin nicht möglich sein, das ist eben Glücksspiel.
    Genau, Börse, Wetten, Poker... sind letztlich Glücksspiel. Auf Lottogewinne fallen keine Steuern an, weil es ein Glücksspiel ist... Ich würde vom Staat gar nicht verlangen, mir Verluste zu erstatten, die mir beim Glücksspiel widerfahren, ich will aber im Gegenzug auch nicht, dass er auf meine Gewinne zugreift.
    Pokergewinne sind nur deshalb inzwischen steuerpflichtig, weil Poker eben nicht mehr als Glücksspiel bewertet wird...

    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    Die Ausgabenseite? Die sagt mir, dass dieser Staat es in den letzten 20 Jahren versäumt hat, etwa 500 Milliarden in unsere Infrastruktur zu investieren.
    Das heißt aber nicht, dass es dafür zu wenig Steuereinnahmen gegeben haben muss. Die Frage ist, wofür das eingenommene Geld verwendet wurde. Ich habe bereits einige Beispiele für eklatante Steuerverschwendung genannt.

    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    Sehe ich nicht so. Die "Gewinner" hofften, dass auf ihre Gewinne keine Steuern fällig werden und gaben diese Einnahmen deshalb schlicht nicht in ihrer Steuererklärung an. Hätten sie dies getan, hätten die Finanzämter diese Zuflüsse im jeweiligen Jahr bescheiden können. Und zwar positiv wie auch negativ. Dieses Risiko wollten die Gewinner gar nicht erst eingehen, und jetzt kommen die Krokodilstränen.
    Ich denke, dass sie das nicht hofften, sondern einfach aufgrund jahrelanger Praxis mit gutem Recht annehmen konnten. Ich sehe eher den Staat in der Pflicht, rechtzeitig mitzuteilen, wenn etwas steuerpflichtig wird, wenn es das vorher nicht war und das auf zukünftige Gewinne zu beziehen. Sonst ist Willkür Tür und Tor geöffnet. Gerade beim Pokern hängt die Entscheidung, ob Gewinne steuerpflichtig sind, davon ab, ob Pokern als Glücksspiel gilt oder nicht. Vorher tat es das, deshalb musste niemand Steuern zahlen, der gewann. Dann wurde Poker vom Glücks- in ein Geschicklichkeitsspiel umbewertet, um es besteuern zu können. Eine solche Entscheidung hätte m.E. allenfalls Auswirkungen auf zukünftige Gewinne haben dürfen.

  10. #7
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    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Ich denke, dass sie das nicht hofften, sondern einfach aufgrund jahrelanger Praxis mit gutem Recht annehmen konnten. Ich sehe eher den Staat in der Pflicht, rechtzeitig mitzuteilen, wenn etwas steuerpflichtig wird, wenn es das vorher nicht war und das auf zukünftige Gewinne zu beziehen. Sonst ist Willkür Tür und Tor geöffnet. Gerade beim Pokern hängt die Entscheidung, ob Gewinne steuerpflichtig sind, davon ab, ob Pokern als Glücksspiel gilt oder nicht. Vorher tat es das, deshalb musste niemand Steuern zahlen, der gewann. Dann wurde Poker vom Glücks- in ein Geschicklichkeitsspiel umbewertet, um es besteuern zu können. Eine solche Entscheidung hätte m.E. allenfalls Auswirkungen auf zukünftige Gewinne haben dürfen.
    Würde es als Glücksspiel eingestuft, hätte dies aber ganz andere Folgen. Und die wären weitaus unangenehmer.

    § 284 Unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels


    (1) Wer ohne behördliche Erlaubnis öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet oder hält oder die Einrichtungen hierzu bereitstellt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.


    (2) Als öffentlich veranstaltet gelten auch Glücksspiele in Vereinen oder geschlossenen Gesellschaften, in denen Glücksspiele gewohnheitsmäßig veranstaltet werden.


    (3) Wer in den Fällen des Absatzes 1


    1. gewerbsmäßig oder
    2. als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat,
    wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.


    (4) Wer für ein öffentliches Glücksspiel (Absätze 1 und 2) wirbt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

    § 285
    Beteiligung am unerlaubten Glücksspiel


    Wer sich an einem öffentlichen Glücksspiel (§ 284) beteiligt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft.
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  11. #8
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    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Puh, aber das würde der Staat niemals machen, denn den paar strahlenden Gewinnern steht ein nicht minder großes Heer an Verlierern gegenüber, wobei beide, Gewinner und Verlierer, zusätzlich Reise-, Übernachtungs- und sonstige Lebenshaltungskosten vorbringen würden.

    (...)

    nun, das wäre ja herauszufinden. es sollte somit zunächst einmal eine entsprechende urteilsfindung angestrebt werden.
    wenn der finanzgerichtshof das gewerbsmäßige spielen mit anmeldung als gleichzubehandeln zu jeder analogen anderen gewerbeausübung mit allen steuerlichen konsequenzen klassifizierte, wäre dieser drops gelutscht.
    bislang habe ich allerdings von niemandem gelesen, der das bis zur letzten instanz durchgeklagt hat, oder ist mir das entgangen?

  12. #9
    Politopia-Urgestein
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    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    nun, das wäre ja herauszufinden. es sollte somit zunächst einmal eine entsprechende urteilsfindung angestrebt werden.
    Erinnerst du dich möglicherweise, wie es mit dem vorigen Glücksspielstaatsvertrag war? Der Staat wollte ein Monopol für den staatlichen Wettanbieter Oddset durchsetzen - angeblich, um die Spieler besser vor Spielsucht schützen zu können (wobei gleichzeitig der Takt der Spielautomaten in den Spielhallen verkürzt wurde, auf dass die Zocker pro Zeit maximal viel verlieren würden). Das ging dann vor das Bundesverfassungsgericht, welches entschied, ein Oddset-Monopol wäre zwar prinzipiell denkbar, aber nur, wenn der Staat dann auf Werbung für Oddset verzichten würde (denn das stünde ja nicht im Einklang mit dem lobenswerten Ziel, Spielsucht einzudämmen). Auf dieses Urteil hin wurde die Idee augenblicklich wieder begraben. Um Spielsucht ging es nämlich nie, sondern einzig und allein um Mehreinnahmen, wobei es jedoch an Mut mangelte, das von Anfang an ehrlich zu sagen.
    Diese "Annekdote" zeigt, dass es m.E. dem Staat nicht um eine möglichst faire Regelung geht, sondern um maximalen Profit. Nichtsdestotrotz würde es mich natürlich sehr freuen, wenn tatsächlich ein betroffener Pokerspieler vor Gericht damit Erfolg hätte, im Falle der Besteuerung seiner Gewinne, im Gegenzug Startgeld, Reisekosten etc. von der Steuer absetzen zu könnten.

    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    Würde es als Glücksspiel eingestuft, hätte dies aber ganz andere Folgen. Und die wären weitaus unangenehmer.
    Also ich weiß nicht... zugegeben, Jurist bin ich nicht gerade, aber Poker galt doch lange Zeit als Glücksspiel... Wenn dann irgendwo in Las Vegas ein Pokerturnier stattfand, hätte ich den "behördlichen Einfluss" mal sehen wollen. Aber illegal waren (und sind) solche Turniere trotzdem nicht. Oder wie sieht das mit privaten Wettanbietern, z.B. bwin, aus? Ok, die versucht der Staat mit dem aktuell umkämpften neuen Glücksspielstaatsvertrag zu regulieren. Was ist, wenn jemand bei Pinnacle wettet, die erst gar keine Lizenz in Deutschland beantragt haben, aber online verfügbar sind?
    Aus Sicht der Finanzämter mag Einiges für eine Besteuerung von Pokergewinnen sprechen - zumindest die Art und Weise jedoch, wie das abgelaufen ist, halte ich für, na ja, ich will kein Öl ins Feuer gießen und benutze deshalb das Wort "fragwürdig".

  13. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu jaki01 für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (30.09.2014), Hägar (01.10.2016)

  14. #10
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    Die SPD will sich jetzt mal wieder "heldenhaft" in den Kampf gegen Schwarzgeld und Steuerhinterziehung einschalten. Ihr Vorschlag lautet, Vermögen, deren Herkunft nicht (mehr) eindeutig nachweisbar ist, einfach konfiszieren zu können:
    http://www.heise.de/tp/artikel/48/48375/1.html

    Ich fürchte, das wird auf relativ viel Zustimmung treffen (man muss ja bekanntlich mit allen verfügbaren Mitteln gegen Steuerhinterzieher vorgehen). Die "Begründungsmechanismen" verlaufen ähnlich wie im Falle der immer lückenloseren Überwachung privater Kommunikation (Terrorismusbekämpfung). Meiner Meinung nach ist das aber überhaupt nicht akzeptabel, da einfach so die Beweislast umgedreht werden soll: Der Staat soll die Straftat nicht mehr nachweisen müssen, sondern der Bürger hat zu belegen, dass er keine begangen hat! Was ist dann z. B. mit dem Sparer, der Jahrzehntelang jeden Monat etwas Bargeld zurückgelegt und nicht (warum auch?) Buch darüber geführt hat? Besitzt er nun konfiszierbares Vermögen nicht nachweisbarer Herkunft?
    Wie bei allen Maßnahmen, die gegen Bürgerrechte und Freiheit gerichtet sind, ist auch hier die SPD mal wieder ganz vorne mit dabei!

    Teilweise dazu passend und ebenfalls bedenklich finde ich das Verhalten der norwegischen DNB Bank, die das Konto der Norges Bitcoinforening schloss:
    https://bitcoinblog.de/2016/09/27/te...ert-bankkonto/

  15. Folgende 3 Benutzer sagen Danke zu jaki01 für den nützlichen Beitrag:

    Dieter59 (18.05.2017), grauer kater (01.10.2016), Hägar (01.10.2016)

  16. #11
    Individuum Avatar von Diogenes2100
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    Thema gieriger Staat:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...a-1147997.html

    Demnach liegt der deutsche Durchschnittsverdienst eines Vollzeitbeschäftigten bei 49.915 Euro pro Jahr. Alleinstehende ohne Kinder müssen davon 9589 Euro an den Fiskus abtreten - was 19,2 Prozent entspricht. Bei einem Ehepaar ohne Kinder liegt die Steuerbelastung bei gleichem Einkommen dagegen nur bei 11,1 Prozent. Kommen Freibeträge für zwei Kinder dazu, sinkt der durchschnittliche Steuersatz sogar auf 1,4 Prozent - und da ist der viel gescholtene Solidaritätszuschlag schon eingerechnet.
    Das wird einigen gar nicht passen.

    Die einfachste Lösung zur Entlastung unterer und mittlerer Einkommen wären gestaffelte Beiträge zu den Sozialversicherungen, sozusagen ein Stufentarif.
    z.B.
    10% pauschal für Einkommen bis 25.000
    15% ab 25.000-50.000
    20% ab 50.000-100.000
    25% für alles was drüber liegt, inkl. Wegfall der Beitragsbemessungsgrenzen.
    Geändert von Diogenes2100 (17.05.2017 um 10:22 Uhr)
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  17. #12
    Politopia-Methusalem Avatar von grauer kater
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    Zitat Zitat von Diogenes2100 Beitrag anzeigen
    Thema gieriger Staat:

    .............................................
    Über das Geld der Anderen ist immer gut diskutieren, ganz nach dem St.Florian Prinzip! Wenn man über Steuern und Abgaben spricht, sollte man schon die Gesamtbelastung betrachten und nicht nur die Einkommenssteuer! Danach sieht die Sache ganz anders aus. Mehrwertsteuer, Energiesteuern und die Mieten und Pachten sowie die notwendigen Versicherungen lassen das real verfügbare Einkommen der arbeitenden Menschen und Rentner schnell zusammemschmelzen.

  18. Folgender Benutzer sagt Danke zu grauer kater für den nützlichen Beitrag:

    Dieter59 (17.05.2017)

  19. #13
    Individuum Avatar von Diogenes2100
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    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    Über das Geld der Anderen ist immer gut diskutieren, ganz nach dem St.Florian Prinzip! Wenn man über Steuern und Abgaben spricht, sollte man schon die Gesamtbelastung betrachten und nicht nur die Einkommenssteuer! Danach sieht die Sache ganz anders aus. Mehrwertsteuer, Energiesteuern und die Mieten und Pachten sowie die notwendigen Versicherungen lassen das real verfügbare Einkommen der arbeitenden Menschen und Rentner schnell zusammemschmelzen.
    Das ist richtig, aber der Punkt, weshalb gerade bei unteren und mittleren Einkommen die Belastung sehr hoch ist, sind die Sozialabgaben. Würden alle, ohne Beitragsbemessungsgrenze in diese einzahlen, könnten im Gegenzug Steuern gesenkt werden - und zwar mindestens um die Beträge, zu denen Steuern als Zuschüsse in KV und Rentenversicherung gezahlt werden.

    Das derzeitige System ist in mehreren Punkten unsozial.
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  20. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu Diogenes2100 für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (20.05.2017), grauer kater (17.05.2017)

  21. #14
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    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    Über das Geld der Anderen ist immer gut diskutieren, ganz nach dem St.Florian Prinzip! Wenn man über Steuern und Abgaben spricht, sollte man schon die Gesamtbelastung betrachten und nicht nur die Einkommenssteuer!
    Hat halt nichts mehr mit steuern und staat zu tun.


    Danach sieht die Sache ganz anders aus. Mehrwertsteuer, Energiesteuern und die Mieten und Pachten sowie die notwendigen Versicherungen lassen das real verfügbare Einkommen der arbeitenden Menschen und Rentner schnell zusammemschmelzen.
    Ja, es gibt ausgaben und einnahmen. Das war in der DDR anders. Da gab es nur ausgaben und alle waren so glücklich, dass sie die mauer gebaut haben. Gegen die flüchtlinge aus dem westen. Man wusste halt nur nicht, wohin mit dem vielen geld.

  22. #15
    Politopia-Methusalem Avatar von grauer kater
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    Zitat Zitat von Valerio Beitrag anzeigen
    Hat halt nichts mehr mit steuern und staat zu tun.......................
    Womit dann, Du ökonomischer Bauchklatscher?????

  23. Folgender Benutzer sagt Danke zu grauer kater für den nützlichen Beitrag:

    wudi (18.05.2017)

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