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Thema: Wie wäre es mit Steuererhöhungen jetzt?

  1. #1
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    Standard Wie wäre es mit Steuererhöhungen jetzt?

    Einen Überschuss von 18,5 Milliarden Euro hat der Staat im ersten Halbjahr 2016 erzielt. Und schon gehen die Überlegungen los, was mit diesem Geld gemacht werden soll. Tatsächlich klingen 18,5 Milliarden auch ziemlich viel – allerdings bezogen auf einen Gesamthaushalt von 1.300 Milliarden im Jahr (Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen), sind das aufs Jahr gesehen nur ca. 3% Überschuss.
    Steuersenkungen fordern die einen, Investitionen die anderen. Beide sind schlechte Ratgeber.
    Steuersenkungen geben dem Bürger zwar was zurück, und feuern damit vielleicht den Konsum an, aber Steuersenkungen sind ein langfristig wirkendes Instrument. Ändern sich die Rahmenbedingungen nur wenig, entsteht ein finanzielles Defizit, und die Steuern müssen wieder angehoben werden.

    Investitionen klingen gut – könnte man doch damit in die Zukunft investieren!
    Doch ganz gleich ob der Staat den Bürgern das Geld zurückgibt, oder ob er es in die Wirtschaft investiert – die Frage muss erlaubt sein, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für solche Investitionen ist.

    Denn – derzeit läuft die Konjunktur in Deutschland. Sowohl der Export als auch die Binnennachfrage sind hoch. Von Unternehmen wird viel investiert. Warum also noch Öl ins Feuer gießen – und vielleicht dafür sorgen, dass die Konjunktur überhitzt? Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Eckdaten stimmen. Wenn der Staat jetzt in seine Bürger oder in Zukunftsprojekte investiert, wird in Zeiten guter Konjunktur Pulver verschossen, was wir für die Zukunft noch brauchen werden.

    Ein Blick auf die Schattenseite des Staatshaushaltes macht es offenbar. Deutschland hat noch immer mehr als 2,1 Billionen Schulden! Das sind knapp 70% der BIP – und damit deutlich mehr, als die Maastricht-Kriterien eigentlich erlauben.
    Würde Deutschland seinen bescheidenen Einnahmeüberschuss in die Tilgung der Schulden investieren – es würde mehr als 50 Jahre dauern, bis Deutschland schuldenfrei wäre.

    Wie gering der scheinbar so große Überschuss Deutschlands ist, zeigt folgende banale Rechnung: Würden die Zinsen auf die deutschen Schulden im Schnitt nur um 1,8% steigen, wäre der Überschuss dahin!
    Auch ein kleiner Konjunktureinbruch reicht aus, um die schönen Überschüsse in eine Unterdeckung zu verwandeln. Und wenn gar erneut eine Bankenkrise oder ähnliches auf uns zukommt, oder es einen erhöhten Bedarf für Investitionen beispielsweise ins Militär oder auch nur in die innere Sicherheit gibt – der scheinbar große Überschuss wäre dahin. Wenn der Brexit kommt, kann die Konjunktur schnell einbrechen, und eventuell muss Deutschland dann auch einen erhöhten Beitrag nach Brüssel überweisen.

    Deshalb: der Schuldenabbau ist derzeit das Mittel, das gewählt werden sollte! Das sichert langfristig, dass bei Bedarf in schwierigeren Zeiten eine investive Politik getätigt werden kann.

    Übrigens: All die vielen sinnvollen Projekte wie Investitionen in den Straßenbau oder eine gerechtere Steuerkurve im Steuerrecht sollten unabhängig von den sprudelnden Einnahmen dennoch politisch angestrebt werden – zur Not auch mit Steuererhöhungen, insbesondere bei Reichen und Superreichen – denn derzeit gibt die Konjunktur genau dies her – wenn jetzt nicht Steuern moderat erhöht werden können, wann dann? Steuersenkungen sollten wir uns dann gönnen, wenn der Konsum ein Problem darstellt, und nicht wenn er sprudelt.

  2. #2
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    Steuererhöhungen jetzt wäre wohl das I-Tüpfelchen. Es würde einen Aufstand geben ("Wir schaffen das!).

  3. Folgender Benutzer sagt Danke zu A0048 für den nützlichen Beitrag:

    Atue (29.08.2016)

  4. #3
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    Da gibt es eigentlich eine weitere Frage:
    Warum haben wir eigentlich diesen irrwitzigen Schuldenberg? Bankenrettung?

    Ich hätte die alle pleite gehen lassen.... Selbstbereinigung des Marktes.

    Selbstverständlich hätte es dann auch diejenigen getroffen, die so einen unerschütterlichen Glauben in den Staat und Sparguthaben in irrwitzigen Höhen angehäuft haben....Pech gehabt....

    Andere hätten die Pleiten verschmerzen können, wesentlich ärmer wären sie auch nicht geworden.

    Und wo steht das, daß man in schlechterer Konjunkturlage die Steuern wieder anheben muss, wenn man sie jetzt senkt?

    Dann muss der Staat eben sparen....ein Blick in die jährliche Ausgabe des Steuerzahlerbundes sollte genügend Aufschluß darüber geben, wo das Geld völlig unnütz mit vollen Händen verballert wird.

    Wenn ich mir meine Abrechnungen so anschaue und feststelle, das ich als Junggeselle ab 2500 Euro Einkommen über 850 Euro Abgaben löhne, ist das eine Sauerei und ermutigt mich bestimmt nicht dazu, mehr zu arbeiten.

    Sozusagen bremst der Staat mit seiner Abgabenpolitik den Arbeitnehmer, mehr zu arbeiten und hält ihn somit auf einem gewissen Einkommensniveau.....fast so, als wäre es erwünscht, die Unterschicht dort zu belassen wo sie im Moment ist.....
    Geändert von techniker1 (29.08.2016 um 00:04 Uhr)
    Schlagfertig ist jede Antwort, die so klug ist, dass der Leser wünscht, er hätte sie gegeben.

    Allemagne? C'est un grand Bordel néolibéralement conservateur Merkel'scher l'empreinte

    Les McCann / Invitations to Opening
    WHITE NOISE / An Electric Storm
    Simple Minds

    Ignore: Jegliches Sperr-Geschrei und
    philosophisch angehauchtes Geschwätz

    AMERIKA......oder..... Alles was die Welt nicht braucht....oder....Spiel nicht mit den Schmuddelkindern....

  5. Folgende 4 Benutzer sagen Danke zu techniker1 für den nützlichen Beitrag:

    A0048 (29.08.2016), Atue (29.08.2016), grauer kater (29.08.2016), jaki01 (29.08.2016)

  6. #4
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    Zitat Zitat von Atue Beitrag anzeigen
    .................Ein Blick auf die Schattenseite des Staatshaushaltes macht es offenbar. Deutschland hat noch immer mehr als 2,1 Billionen Schulden! Das sind knapp 70% der BIP – und damit deutlich mehr, als die Maastricht-Kriterien eigentlich erlauben.......................................
    Erstens sind es objektiv wesentlich mehr als 2,1 Billionen Schulden, eher 4 bis 5 Billionen, weil Schattenhaushalte und Pensionsverpfichtungen gar nicht einberechnet sind und zweitens ist es nicht unbedingt sinnvoll oder gar möglich, einen schuldenfreien Staatsetat anzustreben, wenn, wie in Deutschland durch über Jahre nicht getätigte produktive Investitionen die internationale Wettbewerbsfähigkeit stetig sinkt. Steuersenkungen sind insgesamt nicht das Erfordernis, sondern Steuergerechtigkeit und vor allem der Abbau der kalten Progression sowie eine realistischere Freistellung des Existenzminimums familienbezogen. Desweiteren wäre die Besteuerung der internationalen Konzerne zu gewährleisten. Hier gehen jährlich rund 100 Milliarden Euro dem Fiskus verloren. Darüberhinaus wäre es erforderlich, Politiker und Beamte/Staatsangestellte für ihre Handlungsweisen materiell verantwortlich zu machen, was auch zu einem verfügbarem Mehrvolumen des Etats von rund 40 bis 50 Milliarden Euro/a führen würde.

  7. Folgende 6 Benutzer sagen Danke zu grauer kater für den nützlichen Beitrag:

    Atue (29.08.2016), BudSpencer (01.08.2017), jaki01 (29.08.2016), SPr (29.08.2016), techniker1 (29.08.2016), wudi (29.08.2016)

  8. #5
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    Zitat Zitat von Atue Beitrag anzeigen
    ...
    Ein Blick auf die Schattenseite des Staatshaushaltes macht es offenbar. Deutschland hat noch immer mehr als 2,1 Billionen Schulden! Das sind knapp 70% der BIP – und damit deutlich mehr, als die Maastricht-Kriterien eigentlich erlauben.
    Würde Deutschland seinen bescheidenen Einnahmeüberschuss in die Tilgung der Schulden investieren – es würde mehr als 50 Jahre dauern, bis Deutschland schuldenfrei wäre.
    ..
    .
    Mein Gott, ist das denn wirklich so schwer zu verstehen? Die Schulden der Einen sind das Vermögen der Anderen und ein Staat ist keine schwäbische Hausfrau! Wenn ein Staat seine Schulden tilgt, dann vernichtet er gleichzeitig immer auch Vermögen, und zwar das seiner Bürger, denn der Staat leiht sich das Geld bei einheimischen Banken! Außerdem installiert er eine weitere Bankenkrise, denn die Banken leben von den Zinsen, die von den Staaten für die Kredite gezahlt werden, und wollen deshalb gar keine Rückzahlung! Ja, die Kredite sind sehr weit überwiegend noch aus Zeiten, in denen selbst Deutschland noch Zinsen für Kredite zahlen musste!

    Die in deinem letzten Absatz angesprochenen Investitionen wären weitaus sinnvoller, werden aber nicht getätigt werden, weil es politisch gewollt ist, dass wir von der Substanz leben. Ist die Substanz aufgebraucht, wie es jetzt bei vielen Brücken der Fall ist, gibt das einen Aufschwung für "die Wirtschaft" her. Die Jammerei vom fehlenden Geld für die Instandhaltung der Infrastruktur soll lediglich dazu dienen, die angeblich absolut unumgänglichen aber unbezahlbaren Erneuerungen von privaten Unternehmen in Eigenregie gegen die Zusage von Nutzungsgebühren durchzudrücken. Siehe so einige Autobahn-Teilstücke, an denen private Unternehmen politisch garantiert zwei bis drei Jahrzehnte durch üppige Nutzungsgebühren goldenen Nasen verdienen werden.

  9. Folgender Benutzer sagt Danke zu SPr für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (29.08.2016)

  10. #6
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    Zitat Zitat von Atue Beitrag anzeigen
    […] Sowohl der Export als auch die Binnennachfrage sind hoch. Von Unternehmen wird viel investiert. […]
    Das Investitionsvolumen ist eher seit Jahren auf Talfahrt… und die geschönten Zahlen, mit denen uns beständig eingeredet wird, wie schön die Konjunktur "brumme", locken doch weder Konsumenten noch Investoren hinter'm Ofen hervor.
    Zitat Zitat von Atue Beitrag anzeigen
    […] Ein Blick auf die Schattenseite des Staatshaushaltes macht es offenbar. Deutschland hat noch immer mehr als 2,1 Billionen Schulden! Das sind knapp 70% der BIP […]
    Und das bei einem noch nie dagewesenen Trend zu Niedrig- oder gar Negativzinsen… wer sollte unter solchen Rahmenbedingungen überhaupt auf die Idee kommen, Schulden abzubauen?
    Zitat Zitat von Atue Beitrag anzeigen
    […] Schuldenabbau ist derzeit das Mittel, das gewählt werden sollte! […]
    Davon reden Poliitker (insbesondere der C-Parteien) seit der Amtszeit Helmut Schmidts. Und wo landet das Geld am Ende, wenn es "gespart" worden ist?

  11. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu I'm a Substitute für den nützlichen Beitrag:

    Atue (29.08.2016), grauer kater (29.08.2016)

  12. #7
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    Zitat Zitat von techniker1 Beitrag anzeigen
    […] Warum haben wir eigentlich diesen irrwitzigen Schuldenberg? Bankenrettung? Ich hätte die alle pleite gehen lassen. Selbstbereinigung des Marktes. […]
    Die ganzen "Rettungspakete" und "-schirme", die da kurzfristig zur Verfügung gestellt wurden, haben die Staatsverschuldung eigentlich nicht überproportional steigen lassen… seltsam, nicht wahr? Was der Staat damit bezweckt hat, war u.a. seine eigene Kreditwürdigkeit (sein Rating) im Bestzustand zu halten.

    Übrigens: Wenn eine Bank liquidiert wird, dann leiden meist weniger die Verantwortlichen, sondern deren Kunden. Dir mag's gleichgültig sein, aber wenn das Bankwesen kriselt, dann sind volkswirtschaftliche Nachbeben zu erwarten, die folglich niemandem nützen. Und dem Kleinsparer wird sein Guthabenpolster ohnehin gerade weggezogen.

  13. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu I'm a Substitute für den nützlichen Beitrag:

    Atue (29.08.2016), grauer kater (29.08.2016)

  14. #8
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    Zitat Zitat von Kojo no Tsuki Beitrag anzeigen
    Steuererhöhungen jetzt wäre wohl das I-Tüpfelchen. Es würde einen Aufstand geben ("Wir schaffen das!).
    Das käme darauf an.....mein Vorschlag war ja nicht, die Steuererhöhungen bei denen zu machen, die derzeit auch wenig von der gut laufenden Konjunktur spüren.....

  15. #9
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    Zitat Zitat von techniker1 Beitrag anzeigen
    Da gibt es eigentlich eine weitere Frage:

    Und wo steht das, daß man in schlechterer Konjunkturlage die Steuern wieder anheben muss, wenn man sie jetzt senkt?
    Im Handbuch: Erfahrungen aus der Praxis der letzten 50 Jahre.....

    Was hat man den Griechen ins Gesetzbuch diktiert? ....

  16. #10
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    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    Erstens sind es objektiv wesentlich mehr als 2,1 Billionen Schulden, eher 4 bis 5 Billionen, weil Schattenhaushalte und Pensionsverpfichtungen gar nicht einberechnet sind und zweitens ist es nicht unbedingt sinnvoll oder gar möglich, einen schuldenfreien Staatsetat anzustreben, wenn, wie in Deutschland durch über Jahre nicht getätigte produktive Investitionen die internationale Wettbewerbsfähigkeit stetig sinkt. Steuersenkungen sind insgesamt nicht das Erfordernis, sondern Steuergerechtigkeit und vor allem der Abbau der kalten Progression sowie eine realistischere Freistellung des Existenzminimums familienbezogen. Desweiteren wäre die Besteuerung der internationalen Konzerne zu gewährleisten. Hier gehen jährlich rund 100 Milliarden Euro dem Fiskus verloren. Darüberhinaus wäre es erforderlich, Politiker und Beamte/Staatsangestellte für ihre Handlungsweisen materiell verantwortlich zu machen, was auch zu einem verfügbarem Mehrvolumen des Etats von rund 40 bis 50 Milliarden Euro/a führen würde.
    Warum sollte es nicht erstrebenswert sein, wenigstens mal wieder das Kriterium von Maastricht zu erfüllen? Warum sollte es schlecht sein, wenn man einen Überschuss als Staat hat? Es gibt einige wenige Staaten, die das haben - mir wäre nicht bekannt, dass es denen so arg schlecht geht.....

    Bei den übrigen Projekten gebe ich ihnen durchaus recht - denke nur, dass diese nicht über den minimalen Überschuss finanziert werden sollten, sondern eben durch Einsparungen, effektivere Mittelverwendung, oder auch durch Steuererhöhung bei denen, die vom Wachstum derzeit gut profitieren.

  17. Folgender Benutzer sagt Danke zu Atue für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (01.08.2017)

  18. #11
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    Zitat Zitat von I'm a Substitute Beitrag anzeigen
    Das Investitionsvolumen ist eher seit Jahren auf Talfahrt… und die geschönten Zahlen, mit denen uns beständig eingeredet wird, wie schön die Konjunktur "brumme", locken doch weder Konsumenten noch Investoren hinter'm Ofen hervor.
    Der erste Bericht zu den Investitionsvolumen überzeugt mich wenig. Im EU-Vergleich investiert Deutschland noch immer viel. Die Branchensicht ist ein wenig verzerrt, weil die Veränderung der Bedeutung der einzelnen Branchen in der Statistik nicht berücksichtigt ist. Und die fehlende Investition der öffentlichen Hand ist in Zeiten sprudelnder Einnahmen eher zu begrüßen - die öffentliche Hand sollte investieren, wenn die Wirtschaft ohne solche Investitionen droht zu stagnieren, und nicht, wenn die Auftragsbücher voll sind.

    Dass sowohl der private Konsum als auch die Investitionen durchaus angesprungen sind, kann man schon auch aus dem zweiten Artikel lesen - dass die Deutschen Weltmeister im Skeptizismus sind, ist hingegen auch eine Wahrheit.

    Und das bei einem noch nie dagewesenen Trend zu Niedrig- oder gar Negativzinsen… wer sollte unter solchen Rahmenbedingungen überhaupt auf die Idee kommen, Schulden abzubauen? Davon reden Poliitker (insbesondere der C-Parteien) seit der Amtszeit Helmut Schmidts. Und wo landet das Geld am Ende, wenn es "gespart" worden ist?
    Es kam nicht so arg häufig vor, dass der Staat in den Jahren nicht erst seit Helmut Schmidt in der Lage gewesen wäre, Schulden abzubauen......

  19. #12
    Politopia-Haudegen
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    Zitat Zitat von Acaloth Beitrag anzeigen
    Ich denke mehr und mehr das man die Rechtfertigung von Steuern mal überdenken muss.
    Mir ist nämlich in der Debatte mit sehr vielen Leuten mehr und mehr der Eindruck gekommen, dass zwei aus meiner Sicht sehr zweifelhafte Ansichten vertreten werden:

    1. Privatvermögen ist quasi einfach eine Art Rücklage des Staates, also das ist irgendwie nur da weils der Staat halt gnadenhalber zulässt. Das diese Vermögen schlicht wem anders gehören und man da nicht einfach reingreifen darf nur weil man grade lustig ist scheinen immer weniger Leute kapieren zu wollen.
    Das ist ein zweifelhaftes Staatsverständnis - der Staat als Schmarotzer der Bürger. Sehr kurz gedacht!

    Ohne Staat ist Privatbesitz nur auf Basis des Rechts des Stärkeren, oder aufgrund der Tatsache denkbar, dass kein Konkurrent um die entsprechende Ressource da ist. Das Recht des Stärkeren haben wir seit einiger Zeit ansatzweise überwunden - die Spitze sei erlaubt: Es irritiert, dass noch immer Menschen hier sind, die dies nicht akzeptieren wollen.
    Konkurrenten um relativ knappe Ressourcen haben wir in den meisten Gegenden der Welt viele.

    Also braucht es Regelungen - und es braucht Instrumente wie diese Regelungen durchgesetzt werden. Will man das ganze Rechtssicher, ist man beim Staat. Will man es auf der Basis der Menschenrechte, ist man schon sehr dicht an der Demokratie.

    Ein Staat aber muss finanziert werden.
    WAS der Staat alles leisten soll - also über die Garantie von Privatbesitz hinaus - legt die Gesellschaft fest, die diesen Staat ausmacht. In Deutschland hat die Gesellschaft sich nach den herrschenden Spielregeln auf einen Staat geeinigt, der ungefähr einen Finanzbedarf von 1,2 Billionen Euro im Jahr hat. DAMIT der Staat also seine Aufgaben erledigen kann, braucht er dieses Geld.

    Sicher - man kann jede einzelne Ausgabe des Staates kritisch hinterfragen - und vielleicht auch ein paar Milliarden einsparen. Nur - anerkennen muss man auch, dass wir als Bürger des Staates über die Jahre hinweg schon auch ziemlich viele Aufgaben von diesem Staat erwarten. Gerecht soll er sein, und sozial. Für Arbeitsplätze soll er Raum schaffen - aber auch dafür sorgen, dass die Umwelt nicht zu kurz kommt - usw. usf....

    Die Kernfrage ist aber nun - ganz unabhängig davon, wieviel Geld der Staat konkret braucht - von wem soll er es nach welchem Kriterium nehmen?


    2. Das Steuern gewissen Zwecken dienen sollten, dieser Zweck muss wieder mehr in den Vordergrund. Es ist nicht einzusehen warum Steuern erhöht werden nur damit das Geld dann im grossen Topf landet wo man halt rausnimmt wies einem gerade passt. Es muss mehr Transparenz her wo das Geld hin geht und warum es wo hin geht und das das auch tatsächlich von den Leuten gewünscht ist.
    Momentan ist es viel zu einfach ohne Zielrichtung einfach Steuern einzuziehen und dann halt irgendwie zu verteilen wie die Regierung gerade lustig ist.

    Wir haben momentan mit den Steuern das grosse Problem das der Staat was das angeht ziemlich ausser Kontrolle geraten ist. Die Staaten können Schulden aufnehmen wie es ihnen gerade passt ohne das eine wirkliche Obergrenze da wäre, die Steuern sind auf Rekordniveau gleichzeitig haperts an der Finanzierung absoluter Grundaufgaben des Staates (Verteidigung, innere Sicherheit, Justiz etc.) und keiner traut sich ran weils politisch nicht zu überleben wäre. Mit neuen oder noch höheren Steuern ist keinem mehr geholfen, der Staat muss einfach effizienter mit den Steuern umgehen und auch wissen das er gerade im sozialen Bereich nicht alle Wünsche erfüllen kann.
    Nein - Steuern haben nur einen Zweck - den der Staatsfinanzierung. Abgaben sind Zweckgebunden, oder auch Gebühren. Steuern hingegen dienen den Einnahmen des Staates. Im Grundsatz müssen so hohe Steuern erhoben werden, dass die Staatsausgaben darüber zu finanzieren sind. Bei Steuern wird bewußt auf konkrete Zwecke verzichtet - weil Regierungen im Tagesgeschäft immer auch einen gewissen Freiraum brauchen, um handeln zu können.

    Wir haben nicht das Problem, dass die Staaten zu viel Schulden aufnehmen können - wir haben das Problem, dass die Bürger dies nicht rechtzeitig bemerken und einbremsen.

    Deshalb fordere ich auch immer wieder, dass Staatsschulden abgeschafft gehören. Stattdessen pflege ich das Konzept der Bürgerschulden.

    Konkret bedeutet dies, dass alle Schulden des Staates auf seine Bürger umgelegt werden - und zwar anteilig entsprechend dem Vermögen, was der einzelne Bürger besitzt. Das Vermögen ist der richtige Indikator, denn die Aussage ist richtig, dass das Vermögen eines Bürgers genau deshalb so hoch oder niedrig ist wie es ist, weil der Staat die entsprechenden Rahmenbedingungen so vorgegeben hat wie sie sind - und deshalb war es dem einzelnen Bürger möglich, so viel Vermögen zu erwirtschaften wie er hat.

    Wenn alle Staatsschulden auf die Bürger umgelegt sind, sollte der Staat keine (dauerhaften) neuen Schulden aufnehmen dürfen (kurzfristige Kredite mit Laufzeiten unter einem Jahr sind aus technischen Gründen sinnvoll). Wenn ein Staat neue Schulden gemacht hat, werden diese wieder auf die Bürger umgelegt. Passiert dies zwei Jahre in Folge, sollte es zwingend Neuwahlen geben - denn so können die Bürger ihr Gefallen oder auch Mißfallen an der Finanzpolitik des Staates ausdrücken.

    Dieses Regulativ fehlt heute - wenn der Staat Schulden aufmacht, merkt es der Bürger zunächst nicht im eigenen Geldbeutel - sondern erst schleichend - eventuell auch mit Jahren Verzögerung. Dies sollte verboten werden.

    Ich halte wenig davon zu spekulieren, ob der Staat zuviel oder zuwenig ausgibt. Muss man es zahlen, ist es scheinbar immer zu viel. Will man Leistungen, ist es immer zu wenig.
    Gerade in einer Demokratie mit ihren Möglichkeiten zur Wahl und mit dem Schutz der Interessen von Minderheiten ist das Grundgerüst staatlicher Ausgaben durchaus demokratisch legitimiert. Ich muss als Einzelner nicht immer alles gut heißen - aber im Großen kann ich davon ausgehen, dass es immer eine Mehrheit gab für die grobe Finanzpolitik - soweit sie für den Bürger sichtbar war.

    Das Problem sind also weder zu hohe noch zu niedrige Staatsausgaben - sondern vor allem, dass die Staatsausgaben nur bedingt auf den Geldbeutel der Bürger rückwirken. Das Konstrukt der Staatsschulden verschleiert die Wahrnehmung - das sollte korrigiert werden.

  20. #13
    Sofa-Stratege Avatar von BudSpencer
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    Zitat Zitat von Atue Beitrag anzeigen
    ...

    Werter BudSpencer - ich bin mir äußerst sicher, wenn du mal für dich selbst und deine Familie nachrechnest, wie viel Steuern und Abgaben du bisher in deinem Leben bezahlt hast - du wirst überrascht sein, dass du ziemlich sicher auch mit der kleinen Erbschaft deiner Frau nicht zu denen gehörst, die bei meinem Vorschlag nachzahlen müssen.

    Im Gegenteil - mit großer Sicherheit wärst du bereits viel früher in den Genuß eines angemessenen Vermögens gekommen, wenn man sogar direkt immer genau und nur das Vermögen besteuert hätte.


    Regelmäßig wird das eigene Vermögen überschätzt - und die eigene Steuer- und Abgabenlast gegenüber dem Staat unterschätzt. ...
    Wenn das hier der aktuelle Steuerthread ist, antworte ich Dir darauf hier, weil es in dem Anderen halt nicht passt.

    Zunächst mal: Die Vermögensteuer ist als soziale Steuer gedacht. Sie soll dem Abbau GROSSER Vermögen dienen, genauso wie die Erbschaftsteuer. Sie ist außer bei Geldvermögen nur mit unverhältnismäßig großem Verwaltungsaufwand zu veranlagen und es kann dabei nicht gerecht zugehen.

    Das was Du vorschlägst ist keine Vermögensteuer in diesem Sinne, sondern etwas anderes. Die Walze soll sich von mir aus darum kümmern ob das rechnerisch aufgeht, aber was Du auch nicht hast ist eine Übergangslösung.

    Es ist halt so, dass ich für mein Alter bestmöglich vorgesorgt habe. Ich wohne mietfrei, ich vermiete selbst Wohnraum. Ich könnte so sogar ohne Rente oder Staatsknete überleben, so lange mir jemand Miete zahlt. Ich will das auch meinen Kindern vererben.

    Jetzt kommst Du und steuerst mir das weg. Um mich zu entschädigen, wäre Dein Grundeinkommen von 1.000 Euronen das Mindeste und ich wäre abhängig davon dass es lange Zeit funktioniert, auch für meine Kinder. Nun willst Du dieses Grundeinkommen aber jedem zahlen, egal was er geleistet oder sich aufgebaut hat. Glaubst Du, das würde ich als gerecht ansehen, nachdem ich dafür 30 Jahre Verzicht geübt habe ?

  21. Folgender Benutzer sagt Danke zu BudSpencer für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (01.08.2017)

  22. #14
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    Zitat Zitat von Kojo no Tsuki Beitrag anzeigen
    Steuererhöhungen jetzt wäre wohl das I-Tüpfelchen. Es würde einen Aufstand geben ("Wir schaffen das!).
    Wer sollte den den Aufstand veranstalten , denkst du die satte Mittelschicht die im Herbst wieder Merkel wählen wird ?
    Und Steuererhöhung kommen nie vor Wahlen, die kommen immer danach und meist so das es keiner merkt. Bis dahin werden die Abgaben (Kita/Hortgebühren oder Fahrpreise für den ÖPNV, Mieten nicht vergessen) erhöht , das kann die Regierung besser auf die Kommunen schieben.

  23. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu Ein Sachse für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (01.08.2017), gun0815 (01.08.2017)

  24. #15
    Politopia-Urgestein Avatar von grauer kater
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    Zitat Zitat von Atue Beitrag anzeigen
    Warum sollte es nicht erstrebenswert sein, wenigstens mal wieder das Kriterium von Maastricht zu erfüllen? Warum sollte es schlecht sein, wenn man einen Überschuss als Staat hat? Es gibt einige wenige Staaten, die das haben - mir wäre nicht bekannt, dass es denen so arg schlecht geht.....

    Bei den übrigen Projekten gebe ich ihnen durchaus recht - denke nur, dass diese nicht über den minimalen Überschuss finanziert werden sollten, sondern eben durch Einsparungen, effektivere Mittelverwendung, oder auch durch Steuererhöhung bei denen, die vom Wachstum derzeit gut profitieren.
    Wenn der Staat gesunde Etatüberschüsse erzielt, ist das durchaus gut. Nur wenn eine "Schwarze Null" produziert wird, indem man notwendige Investitionen nicht durchführt, die Leistungen des Staates stetig absenkt, die Sozial-und Rentensysteme plündert, die Kommunen am Hungertuch nagen lässt und die Kultur auf Sparflamme einstellt, Bildung nur noch für Wohlhabende zugänglich werden lässt, sich aber stetig die Diäten erhöht und Privilegien ausbaut, so ist ein solcher Staat nicht für den Bürger vertrauenswürdig. Deutschland hat über 5 Billionen Euro reale Staatsschulden und ein Investitionsdefizit von rund einer weiteren Billion Euro. Und technologisch sowie im Wertschöpfungsbereich bleiben wir jedes Jahr weiter zurück, wie die Krise der Autoindustrie zeigt, nachdem wir in anderen Schlüsselindustrien längst nicht mehr das Weltniveau bestimmen.
    Merkel muss abgewählt werden und wir müssen eine völlig andere Politik praktizieren, um wieder auf soliden Beinen zu stehen.

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