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Thema: Was ist Moral?

  1. #976
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    Ebenso kann man meine Einstellung auch als eine Facette ethischen Verhaltens akzeptieren oder verwerfen. Dann sollte solche Verwerfbarkeit aber an einem ethischen anerkannten Maßstab gemessen werden.

    Ein Rheinländer wird gefragt, wo es schön ist. Er antwortet: "Et is schön, wo et schön is." Die rheinländische Interpretation von Definition?

    Hier wird gefragt, was Moral ist ...

    Mich stört die Methodik.
    De Leve Gott wull, dat wi in de Nacht eten.
    Sünst harr he nich dat Lücht in Köhlschapp mookt.

  2. #977
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    Zitat Zitat von Wieben Klas Beitrag anzeigen
    Hier wird gefragt, was Moral ist ...

    Mich stört die Methodik.
    Eine Diskussion ist ein dynamischer Prozess, nicht statisch - so wurde die Fragestellung, was Moral sei um jene, wie sie entstand, ergänzt. Das sollte nicht weiter tragisch sein. Beide Fragen sind eng miteinander verknüpft. Durch genetische Prädispositionen müssen Verhaltensweise nicht bis in letzte Detail vorherbestimmt und ausgearbeitet sein. Für 'Spiritualität' verantwortliche Gene entscheiden selbstverständlich nicht darüber, ob jemand Muslim wird oder Christ. Sie stellen jedoch die Anlage dazu dar, dass jemand prinzipiell zu 'spirituellem' Denken im weitesten Sinne neigt. Gene, welche die Anlage zu 'moralischem Handeln' darstellen, bedeuten kein detailiert ausgearbeitetes philosophisches Konzept darüber was 'böse' sei und was 'gut'.

    Ich selbst bin jedoch der Überzeugung, dass durch evolutive Auswahlprozesse gesteuerte Entwicklung der Gene Grundlage für alle noch so komplizierten heutigen Religionskonstrukte und philiosophischen Ansätze darüber, was Moral nun sei, ist. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass letztlich alle uns möglichen Verhaltensweisen Produkte der Evolution sind und damit im Kern genetischen Ursprungs - natürlich ohne dass dadurch jedes Detail ihrer jeweiligen Ausprägung festgelegt wäre.


    Vielleicht zitiere ich noch einmal meine eigenen Gedanken, um nicht für dasselbe neue Worte suchen zu müssen (das stand so weit vorne im Thread, dass du es möglicherweise nicht gelesen hast):

    "Es geht immer um von Genen getriggerte Affinitäten zu bestimmten Verhaltensweisen. Es gibt beipielsweise (selbstverständlich) kein Gen, dass jemanden zum Muslim, Christen oder Atheisten macht. Aber es gibt Gene, welche die Affinität zu 'spirituellem' Denken im Allgemeinen erhöhen. Eine Person mit den entsprechenden Allelen neigt z. B. eher dazu, sich der im entsprechenden sozialen Umfeld vorherrschenden Religion anzuschließen als ein genetisch bedingt weniger 'spirituelles' Individuum. Diese Sicht bekräftigende Studien habe ich im weiter oben verlinkten Artikel aufgeführt.
    Mit moralischem Verhalten ist das nicht anders. Natürlich spielen Umweltfaktoren, ebenso aber auch - individuell verschiedene - genetische Veranlagungen eine Rolle. Eine Babystudie habe ich bereits erwähnt.

    Vielleicht interessant:

    - Gibt es ein "Moral-Gen"?

    - Selbst Putzerfische achten auf ihren Ruf.

    Ähnlich wie bei allen komplexen Eigenschaften, wird es letztlich auch im Falle 'moralischen Verhaltens' auf ein Zusammenspiel zahlreicher beteiligter Gene und Umwelfaktoren hinauslaufen"


    Wenn dir diese Sichtweise nicht schmeckt, ist das kein Problem - ein bisschen mehr Lockerheit würde dieser Diskussion m. E. gut tun.
    Geändert von jaki01 (11.07.2018 um 15:40 Uhr)

  3. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu jaki01 für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (11.07.2018), PrometheusXL (11.07.2018)

  4. #978
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Die Wissenschaft ist sich auch nicht in allem einig, aber es scheinen sich doch diejenigen Sichtweisen immer weiter durchzusetzen, die genau das bestätigen, Jaki, was Du schreibst.

    Die Gene sorgen für eine Voreinstellung des Sozialverhaltens.
    Sie sind Grundlage der Befähigung, das Verhalten dem Bedarf im Leben anzupassen,

    Es gibt interessante Parallelen im Tierreich, zu Verhaltensformen des Menschen.
    Helfe ich dir, hilfst du mir
    Zudem schafft Sachser die Mär von den "selbstlosen Tieren" aus der Welt und schreibt über die Gemeinen Vampiren, eine südamerikanische Fledermausart. Bei ihnen kriegen Vampirkumpel, die kein Blut erbeutet haben (ihr Grundnahrungsmittel!), etwas ab. Voraussetzung ist jedoch, dass sie den Bedürftigen freundschaftlich gesinnt sind und im Gegenzug ebenfalls in der Not Blut bekommen. Der US-Evolutionsbiologe Robert Trivers bezeichnete das als "reziproken Altruismus": Helfe ich dir, hilfst du mir.
    http://www.spiegel.de/kultur/literat...a-1216250.html
    Auch Menschen machen Hilfeleistungen von Gegenleistungen abhängig, das ist gewissermaßen unser Alltag. Auch das existiert in entsprechend vielschichtigen Varianten und Unterschieden, die sicherlich mit der individuellen Erziehung korrelieren. Allerdings kann in tierischem Verhalten auch der KI in verschiedenen vereinfachten Abwandlungen gefunden werden: als Reziprozität des Handelns. Zum gegenseitigen Vorteil.
    Und im Ausschlussverfahren gälte dann, wenn jemand anderen schlechtes tut, darf nicht auf Belohnung für das asoziale Verhalten gehofft werden. Das ist auch eine Form der praktischen Anwendung einer Variante von "Moral". Und man kann sicherlich bei Tieren keine tiefgehenden bewussten Reflexionen über das Verhalten und die Moral unterstellen. Das sind reine Reaktionen, die aufgrund einer genetischen Programmierung erfolgen, aber dem sozialen Zusammenhalt der Gruppe, im Speziellen sogar von ausgesuchten Exemplaren einer Untergruppe, dienen.
    Geändert von PrometheusXL (11.07.2018 um 10:21 Uhr)
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  5. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu PrometheusXL für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (11.07.2018), jaki01 (11.07.2018)

  6. #979
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    "Ihr" meint mit "KI" den "kategorischen Imperativ", oder?
    Sieht so aus als müsste ich mal damit beginnen, in dieser Hinsicht meinen Horizont zu erweitern, so oft wie der hier erwähnt wird! ... Ich lese gerade "Er gebietet allen endlichen vernunftbegabten Wesen ..., ihre Handlungen darauf zu prüfen, ob ..." Für den Menschen ist er folglich von keinerlei Bedeutung. :-)

  7. #980
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Ja, wenn vom KI im Zusammenhang mit Kant die Rede ist, ist der Kategorische Imperativ gemeint.
    Im Grunde kann dessen Inhalt umgangssprachlich ziemlich simpel zusammen gefasst werden: "Was du nicht willst das man dir tu', das füg auch keinem anderen zu."
    Kant drückt das selbstredend viel gewählter und umfassender aus...
    Aber ich bin ja auch eher als unprätentiös bekannt...
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  8. #981
    Politopia-Methusalem Avatar von ArgoNaut
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    Zitat Zitat von Wieben Klas Beitrag anzeigen
    Immer mehr Thesen, die sich gern durch Konjunktive verraten, …

    … nicht weniger, aber auch nicht mehr als wohlbegründete Annahmen.
    So ist das nun mal am Beginn der Forschung, und erforscht wird eben die Genesis von allem. Bedenke, seit welcher Zeit die Genetik erst erforscht wird. Und die Kreationistn und Trump-Anhänger sind heut noch nicht so weit

    Zwischen These und Theorie, der auf Grund empirischer Bestätigung allgemein anerkannten Lehrmeinung, bestehen noch Lücken.
    immerhin kann als gesichert gelten, dass uns Erkenntnisse nicht anfliegen, sondern der Drang zum Forschen ebenfalls im Primaten-Körper verankert ist, und ziemlich sicher nicht nur da.

    Dennoch, den KI außen vor lassend, welche von diesen Thesen kann ich für mein alltägliches Handeln so nutzen, dass sie wahrscheinlich den Maßstäben dessen genügt, was Moral genannt wird, ohne davon eine allgemein anerkannte praktisch brauchbare Definition in Händen zu haben?
    These 1: Wie Du mir, so ich Ihnen. 2. Du brauchst keine Thesen, es ist alles in Dir drin.

    Zitat Zitat von Wieben Klas Beitrag anzeigen
    Nach wie vor stehe ich hier und kann nicht anders, als das, was ich für ethisch nicht falsch halte, zur Grundlage meiner Handlungen zu machen. Prüfstein meiner Handlungen sind verstandesbasierte und sich selbst überprüfender Handlungsempfehlungen, …

    … und ich empfinde mich dabei nicht als "schlecht".
    Ich sagte es schon mal: Es klingt nach Arbeit. Tatsächlich klingt es sogar obendrein irgendwie nach Rechtfertigung.

    Praktische "Moral" für Fußgänger eben. Als unethisch vorwerfbar?
    Wer sagt das?
    Geändert von ArgoNaut (11.07.2018 um 13:50 Uhr)
    Gelassenheit ist die Grundvoraussetzung für Höflichkeit

    (Moritz Freiherr Knigge)


    Everyone is entitled to their own opinion but not their own facts

    (Daniel Patrick Moynihan)

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