Close
Login to Your Account
Politopia - Das Europa-Forum - Powered by vBulletin
Seite 1 von 13 12311 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 15 von 187

Thema: Medien - Medienkritik - Medienkompetenz

  1. #1
    Politopia-Haudegen Avatar von lynxxx
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    3.900
    Danke
    2.654
    Thanked 3.013 Times in 1.591 Posts

    Standard Medien - Medienkritik - Medienkompetenz

    Tja, wo kann man so ein Thema platzieren?

    Da hier auch die TV-Tipps lagern, platziere ich mal diesen Thread hierher. Vielleicht könnten die Mods zudem die Bezeichnung des Subforums erweitern in Film. Fernsehen und Musik.

    Oder verschieben.

    Dieses hatte ich schon mal vor Jahren als Ausgangspunkt für Diskussionen gepostet:

    "
    Islam auf Sendung

    ARD und ZDF berichten einseitig und negativ über den islamischen Glauben. Aus Gewohnheit, aber auch unter Zwang, meint der Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez


    Sie haben untersucht, wie der Islam in Sendungen von ARD und ZDF dargestellt wird. Was haben Sie herausgefunden?

    Der Islam kommt deutlich schlechter weg als andere Weltreligionen. Die Darstellung ist sehr einseitig auf Konfliktthemen wie Terrorismus, Extremismus, Integrationsprobleme oder internationale Auseinandersetzungen fokussiert. Die Anlässe, aus denen berichtet wird, sind durchweg negativ. Das kann sich auf das Bild auswirken, das die Zuschauer vom Islam haben.

    Aber es ist nun mal die Pflicht der Medien, über Konflikte zu berichten.

    Das wird von den Medien gern als Argument vorgebracht. Doch was eine Nachricht wert ist, wird von ihnen ja in großem Maße selbst bestimmt.

    Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten werden wegen ihrer vermeintlichen Objektivität geschätzt. Hat Sie das Ergebnis Ihrer Untersuchung überrascht?

    Was politische Magazine oder Talkshows angeht, nicht. Dass aber auch Kulturmagazine die negative Agenda reproduzieren, ist überraschend. Da finden im Wesentlichen dieselben Themen statt, lediglich personalisiert und zugespitzt. Dabei könnte gerade die Kulturberichterstattung ganz andere Themen aufbringen.

    Glauben Sie, dass ARD und ZDF mit Absicht manipulieren?

    Nein, das sind Gewöhnungserscheinungen. Teilweise stehen Journalisten aber auch unter dem Zwang, eine von anderen Medien publizierte negative Nachricht nachzuziehen. Das könnte nur auf der Ebene der Programmmacher und der Intendanten geändert werden. Dazu kommt, dass im Nahen Osten häufig ein kleines Häufchen von drei Korrespondenten für 25 oder 30 Länder zuständig ist. Die sind einfach überlastet.

    Was könnte man besser machen?

    Positiv stachen vor allem Dokumentationen und Reportagen heraus. Wenn Journalisten aus den Redaktionsstuben herauskommen, sich vom Nachrichtenticker lösen und selbst ins Feld gehen, bekommen sie einen ganz anderen thematischen Zugang zum Islam.

    Zum Beispiel?

    ..."

    weiter lesen:
    http://www.zeit.de/2007/26/FiS-Islam



    zudem:

    "Schiffer, Sabine: Die Darstellung des Islams in der Presse. Sprache, Bilder, Suggestionen. Eine Auswahl von Techniken und Beispielen. Bibliotheca Academica. Reihe Orientalistik, Würzburg 2005.

    Rezension von Kristina Stock, Orientalisches Institut, Universität Leipzig, 2006:

    Sabine Schiffers breit angelegte Untersuchung über die Darstellung des Islams in der deutschen Presse zeigt, „wie Fakten lügen können und dass auch renommierte Medien den antiislamischen Rassismus salonfähig machen“ (S. 226). Damit reiht sie sich nicht nur in die wenigen medienkritischen Arbeiten zu eben diesem Thema [1] ein, nein sie stellt vielmehr ein wichtiges Zwischenergebnis bisheriger Forschungen dar, geht über diese aber noch hinaus, weil die ermittelten Resultate sowohl in Bezug auf die Islamdarstellung relevant sind als auch allgemeine pressemediale Strategien und deren potentielle Wirkung auf die Rezipienten aufzeigen. Gleichzeitig präsentiert Sabine Schiffer zahlreiche Ansatzpunkte für weiterführende Analysen, um nicht selbst zu voreiligen Pauschalisierungen zu gelangen (z.B. S. 75, 102, 137f., 223). Ihr erklärtes Ziel ist „die Begründung einer linguistisch und erkenntnistheoretisch fundierten Theorie, die es ermöglicht, Fehldarstellungen und ihre potentielle Wirkung zu ermitteln“ (S. 32).

    Die äußerst umfangreiche Bibliografie zeigt die stark interdisziplinär ausgerichtete und akribisch recherchierte wissenschaftliche Grundlage der Untersuchung, die selbst eine heuristische Vorgehensweise anstrebt, um „intuitives Wahrnehmen zu verbalisieren“ (S. 68). Dabei verzichtet sie nicht auf eine sorgfältig ausgeführte Grundlagenforschung, die zwar Längen und Wiederholungen bei der Darstellung mit sich bringt, angesichts des wissenschaftlichen Anspruchs der Arbeit jedoch unvermeidbar ist. Die übersichtliche, stark gegliederte Darstellung präsentiert nach jedem größeren Kapitel Zwischenergebnisse, Zusammenfassungen und Schlussfolgerungen. Der aktuelle Forschungsstand wird immer wieder kritisch hinterfragt. Verwendung finden Erkenntnisse aus der Kognitionsforschung, Medienwissenschaft, Psychologie, Linguistik, Arabistik und Islamwissenschaft.

    Zunächst untersucht Sabine Schiffer allgemeine Einstellungen zu Islam und Muslimen (S. 13ff.) sowie die Rolle der verschiedenen Medien hauptsächlich als „Spiegel und Konstrukteur von Realität“ (S.18-32). Als besonders wirkungsvolle Manipulationsstrategien werden das Zeigen und Ausblenden von Realität sowie die Pars-pro-toto-Wahrnehmung und Stereotypenbildung herausgestellt. In einem Exkurs geht es darum, welche Folgen verkürzt wiedergegebene islamische Glaubensgrundsätze und die Verallgemeinerung ausgewählter Fakten aus der islamischen Welt haben können. Da einmal erworbenes Wissen die Wahrnehmung beeinflusse, ließen sich einmal gefasste Einstellungen immer wieder reproduzieren. Wie Sabine Schiffer mutmaßt, kann nur immer währende Skepsis diesen Teufelskreis durchbrechen. (S. 33-54)
    ..."

    "...
    Ebenso ernst zu nehmen ist Sabine Schiffers abschließender Appell, vergleichende Untersuchungen der Entwicklungslinien des antisemitischen und des islamfeindlichen Diskurses anzustellen, weil – wie die Geschichte gezeigt habe – „Sprache und Bilder zu Unrecht in ihrem Potential unterschätzt werden. Die derzeit aktuelle Integrationsdiskussion, die vor allem in Bezug auf muslimische Mitbürger/innen geführt wird, droht im gleichen Verstellungsvorwurf zu enden wie dies den jüdischen Mitbürgern zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschah.“ (S. 223) Einen ersten bemerkenswerten Schritt zur Entlarvung manipulativer Mechanismen bei der Zeichnung neuer Feindbilder hat Sabine Schiffer mit ihrer Untersuchung bereits getan.
    ..."
    weiter lesen:
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin...nen/2006-4-166



    Weitere Inhalte des Buches und weitere Untersuchung durch Silvia Horsch:


    "...
    Medien bedienen sich der Zeichensysteme Sprache und Bilder. Und Zeichen haben etwas mit Zeigen zu tun. So wie ich mit dem Finger auf etwas zeigen kann, kann ich es auch mit Worten tun. Ich kann auf das Stehpult hier neben uns mit dem Finger deuten oder sagen: „Sehen Sie sich einmal das Stehpult an!“ Ich kann auch sagen „Denken Sie jetzt bitte nicht an das Stehpult!“ Egal wie ich mich zu einem Gegenstand oder Sachverhalt äußere, das Erwähnen desselben allein genügt schon, um darauf zu zeigen und somit Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Dabei wirke ich durch die Nennung eines bestimmten Themas oder Aspekts auf die Wahrnehmung meiner Zuhörer/Leser ein. Ich lenke ihre Aufmerksamkeit auf diesen Ausschnitt und lenke gleichzeitig – und zumeist unbewusst – von anderen Dingen ab, auf die ich ebenso hätte zeigen können. Ich kann sie nicht nur in den Hintergrund treten lassen, sondern ganz und gar ausblenden, wie das folgende Beispiel zeigen wird:

    Wir stellen uns vor, über unsere Veranstaltung heute Abend würde morgen in den Berliner Zeitungen berichtet und da stünde dann: „ Beim Vortrag ,Islam in den Medien’ im Rahmen der Berliner Islamwoche waren 87 Frauen anwesend.“ Das stimmt. Das ist Fakt, nicht gelogen – ich hoffe, ich habe mich nicht verzählt. Was würde aber das Lesepublikum aus diesem Satz schließen, wenn keine weitere Information über die Veranstaltung zu lesen wäre? Nun, da wir immer und automatisch den berichteten Teil als repräsentativ für das Ganze halten, würden die Leser daraus schließen, dass außer den 87 Frauen niemand anwesend war. Immer bieten sich uns nur Ausschnitte aus einem großen Ganzen und immer halten wir diese für das große Ganze entsprechend der soeben beschriebenen pars-pro-toto-Relation.
    ..."

    "...
    Fakt und Fazit

    Wie aus der Aufzählung reiner Fakten falsche Schlüsse gezogen werden können, sollte hier unter anderem deutlich gemacht werden. Damit können wir uns auch nicht mehr auf das Berichten von Fakten als ausreichendes Mittel gegen Diskriminierung und dem Schüren von Rassismus berufen. Bei der Darstellung des Islams handelt es sich um einen diskriminatorischen Diskurs ähnlich dem über die Juden im 19. und frühen 20. Jahrhundert – und dies nicht nur in Bezug auf die verwendeten Metaphern. Effektives Handeln gegen eine konfrontative Entwicklung setzt Erkenntnis der ungünstigen Wechselwirkung voraus, um konstruktive Lösungen erarbeiten zu können und dafür benötigen wir Menschen, die bereit sind, den anderen jeweils in seinen – wie auch immer zustande gekommenen – Nöten, Bedenken, Wünschen und Ideen ernst- und anzunehmen und uns nicht von bisherigen Fehlentwicklungen entmutigen zu lassen. Dies gilt für alle, denn die hier beschriebenen Mechanismen wirken in umgekehrter Richtung leider auch. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe, dass wir alle in diesem Sinne weiter arbeiten werden.
    ..."

    Hier komplett lesen:
    http://www.al-sakina.de/inhalt/artik...ien.html#fazit


    Was meint ihr, sind inzwischen die Berichterstattungen in den sog. "Leitmedien" differenzierter geworden, oder undifferenzierter?

    Welche Medien meint ihr berichten am differenziertesten?

    Welche Medien konsumiert ihr persönlich am ehesten, wenn ihr euch z.B. über den Nahen Osten informieren wollt?

    Oder über den Islam?

    Happy diskutiering...
    Code:
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    best of my Posts und mehr...
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    Z.B. sehr wichtig für nationalistisch denkende Menschen, um zu begreifen, wie und aus welchem Grund ihr Denkmuster entstand. Dazu, wie war eigentlich das Verhältnis von Nichtmuslimen und Muslimen im Osmanischen Reich, jenseits von stereotypen Betrachtungen u.a. von Nationalisten?
    lynxx-blog - Artikelserie: Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime im Osmanischen Reich:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2011/...slime-und.html

  2. Folgender Benutzer sagt Danke zu lynxxx für den nützlichen Beitrag:

    A0067 (11.10.2009)

  3. #2
    Politopia-Urgestein
    Registriert seit
    02.03.2009
    Beiträge
    17.897
    Danke
    10.968
    Thanked 6.331 Times in 4.331 Posts

    Beitrag

    Medien und Islam, da würde das hier sehr gut rein passen denke ich.

    http://www.youtube.com/watch?v=QL65dcC_UNM

  4. #3
    Politopia-Haudegen Avatar von lynxxx
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    3.900
    Danke
    2.654
    Thanked 3.013 Times in 1.591 Posts

    Standard

    Wer neben den obigen ZEIT-Interview mehr wissen möchte, siehe sich gerne folgendes an.

    "Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 26-27/2007)

    Das Islambild von ARD und ZDF

    Kai Hafez / Carola Richter
    Inhalt

    Einleitung

    Zwischen Islamverdrossenheit und neuer Ausgewogenheit

    Das Islambild bei ARD und ZDF - noch kein Vorbildcharakter



    Einleitung

    Das Islambild deutscher Medien ist seit mehr als einem Jahrzehnt Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen.[1] Der Islam hat sich dabei als eine Thematik erwiesen, über die erheblich negativer und konfliktorientierter berichtet wird als über viele andere Themen. Ausgelöst durch die Islamische Revolution in Iran in den Jahren 1978/79, den Aufstieg des politischen Fundamentalismus und massiv verstärkt durch die Attentate des 11. September 2001 hat sich in vielen deutschen Medien eine Berichterstattungskultur etabliert, die die komplexe Lebensrealität von weltweit etwa 1,2 Milliarden Muslimen - der zweitgrößten Religionsgemeinschaft der Welt - in hohem Maße mit Gewalt- und Konfliktthemen wie dem internationalen Terrorismus in Verbindung bringt. Da die meisten Deutschen wenig direkten Kontakt zu Muslimen oder zur islamischen Welt pflegen, wird ihr Islambild nachhaltig von den Massenmedien geprägt. Die demoskopische Lage des letzten Jahrzehnts zeigt denn auch einen Trend auf, wonach ein Großteil der deutschen Bürger Angst vor dem Islam hat. Dies wiederum begünstigt ein konfliktorientiertes Gesellschaftsklima, in dem der Islam vor allem als ein Quell steter Probleme und Gefahren in der Außen- und Innenpolitik betrachtet wird.[2] Für die Aufrechterhaltung des Gesellschaftsfriedens ist also die Reflexion und Diskussion des Islambildes der Medien eine wichtige Voraussetzung.

    ...

    Die folgende Untersuchung ist eine Analyse der Thematisierungsanlässe des Islams in einschlägigen Magazinsendungen und Talkshows sowie Dokumentationen und Reportagen von ARD (Das Erste) und ZDF. Untersucht wurde, in welchem thematischen Zusammenhang der Islam in solchen Sendungen in Erscheinung trat. Das Verfahren ist neutraler als die häufig verwendete Stereotypenanalyse, die sich nur auf vorurteilsbeladene Textbestandteile konzentriert. Um Verzerrungen zu vermeiden, die durch kurz- oder mittelfristige Großereignisse oder durch eine Konzentration auf einzelne Sendungen auftreten können, wurde eine große Anzahl von Sendungen über einen längeren Zeitraum (1. Juli 2005 bis 31. Dezember 2006) untersucht.

    ..."
    weiter:

    http://www.bpb.de/publikationen/BSF0...D_und_ZDF.html

    :wink:
    Code:
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    best of my Posts und mehr...
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    Z.B. sehr wichtig für nationalistisch denkende Menschen, um zu begreifen, wie und aus welchem Grund ihr Denkmuster entstand. Dazu, wie war eigentlich das Verhältnis von Nichtmuslimen und Muslimen im Osmanischen Reich, jenseits von stereotypen Betrachtungen u.a. von Nationalisten?
    lynxx-blog - Artikelserie: Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime im Osmanischen Reich:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2011/...slime-und.html

  5. #4
    Politopia-Haudegen Avatar von lynxxx
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    3.900
    Danke
    2.654
    Thanked 3.013 Times in 1.591 Posts

    Standard

    Benehmt euch. Ihr seid hier nicht zu Hause

    Seit den Terroranschlägen von 2001 schlagen die Medien gegenüber Migranten schärfere Töne an. Alte Vorurteile und neue Zerrbilder haben Konjunktur. Beobachtungen aus der Mitte der deutschen Gesellschaft.

    Über die in der Bundesrepublik lebenden Ausländer berichten deutsche Massenmedien ähnlich wie über das Ausland – nämlich nur im Ausnahmefall, der möglichst spektakulär sein und katastrophische Züge tragen sollte. Meist werden Zuwanderer mit Chaos und Kriminalität in Verbindung gebracht: (Mafia-)Morden, (Banden-)Raub und (Asyl-)Betrug. Das angelsächsische Bonmot »Only bad news is good news« abwandelnd, kann man für deutsche Medien feststellen: Nur böse Ausländer sind gute Ausländer!

    Menschen, die zuwandern, werden von Journalisten nach zwei Kriterien beurteilt: einerseits nach ihrem Nutzen für die Deutschen und ihren »Wirtschaftsstandort«, andererseits nach ihrer ethnischen Abstammung. Migration erscheint als Bedrohung oder Bereicherung der Einheimischen, jedoch selten als Normalität in einer globalisierten Welt. Während das Kapital in Sekundenbruchteilen alle Grenzen überwindet, bleibt Zuwanderung besonders aus ärmeren Ländern unerwünscht – außer bei hoch qualifizierten Experten oder jungen Familien, die als demografische Lückenbüßer fungieren. Artikelüberschriften wie Wegen Überalterung und Facharbeitermangels: Deutschland braucht mehr Ausländer(Süddeutsche Zeitung vom 26.6.2007) oder Migranten gegen den Arbeitskräftemangel(Die Welt vom 26.6.2007) lassen erkennen: Die Medien nehmen kaum Anstoß daran, wenn Zuwanderer nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit beurteilt werden, im Gegenteil. Sie unterstützen überwiegend die restriktive Migrationspolitik des am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Zuwanderungs(begrenzungs)gesetzes.

    »Ethnisierung« ist ein sozialer Ausgrenzungsmechanismus, der Minderheiten schafft, diese (fast immer) negativ etikettiert und damit die Privilegien einer herrschenden Mehrheit zementiert. Je unerbittlicher im Zuge der Globalisierung das Thema Konkurrenz ins Zentrum zwischenstaatlicher und zwischenmenschlicher Beziehungen rückt, desto leichter lassen sich kulturelle Differenzen politisch aufladen. Die Medien treiben diesen Ausgrenzungsprozess voran, indem sie als Motoren und Multiplikatoren der Ethnisierung wirken.

    »Ausländerkriminalität« und rassistische Stereotype

    Das fängt schon bei der Wortwahl an. »Wanderungswellen«, »Migrationsströme« und »Asylantenfluten« machen Angst. Ob der Fernsehmoderator von »Asylanten« oder »Flüchtlingen« spricht, ist ein wichtiger Unterschied. Und wenn in der Kriminalitätsberichterstattung einer Lokalzeitung nichtdeutsche Täternamen ausgeschrieben werden, verfestigt sich der Eindruck, die »Ausländerkriminalität« sei im Wachsen begriffen. Da muss die Schlagzeile gar nicht Türken überfielen Tankstelle lauten, um rassistische Stereotype in den Köpfen zu verstärken.
    ..."
    weiter:
    http://www.zeit.de/2007/45/Migranten-in-Medien?page=all
    Code:
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    best of my Posts und mehr...
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    Z.B. sehr wichtig für nationalistisch denkende Menschen, um zu begreifen, wie und aus welchem Grund ihr Denkmuster entstand. Dazu, wie war eigentlich das Verhältnis von Nichtmuslimen und Muslimen im Osmanischen Reich, jenseits von stereotypen Betrachtungen u.a. von Nationalisten?
    lynxx-blog - Artikelserie: Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime im Osmanischen Reich:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2011/...slime-und.html

  6. #5
    User gelöscht, Account deaktiviert
    Registriert seit
    11.03.2009
    Beiträge
    28.319
    Danke
    41.216
    Thanked 9.001 Times in 6.335 Posts

    Standard

    Zitat Zitat von lynxxx Beitrag anzeigen
    Benehmt euch. Ihr seid hier nicht zu Hause

    Seit den Terroranschlägen von 2001 schlagen die Medien gegenüber Migranten schärfere Töne an. Alte Vorurteile und neue Zerrbilder haben Konjunktur. Beobachtungen aus der Mitte der deutschen Gesellschaft.

    Über die in der Bundesrepublik lebenden Ausländer berichten deutsche Massenmedien ähnlich wie über das Ausland – nämlich nur im Ausnahmefall, der möglichst spektakulär sein und katastrophische Züge tragen sollte. Meist werden Zuwanderer mit Chaos und Kriminalität in Verbindung gebracht: (Mafia-)Morden, (Banden-)Raub und (Asyl-)Betrug. Das angelsächsische Bonmot »Only bad news is good news« abwandelnd, kann man für deutsche Medien feststellen: Nur böse Ausländer sind gute Ausländer!

    Menschen, die zuwandern, werden von Journalisten nach zwei Kriterien beurteilt: einerseits nach ihrem Nutzen für die Deutschen und ihren »Wirtschaftsstandort«, andererseits nach ihrer ethnischen Abstammung. Migration erscheint als Bedrohung oder Bereicherung der Einheimischen, jedoch selten als Normalität in einer globalisierten Welt. Während das Kapital in Sekundenbruchteilen alle Grenzen überwindet, bleibt Zuwanderung besonders aus ärmeren Ländern unerwünscht – außer bei hoch qualifizierten Experten oder jungen Familien, die als demografische Lückenbüßer fungieren. Artikelüberschriften wie Wegen Überalterung und Facharbeitermangels: Deutschland braucht mehr Ausländer(Süddeutsche Zeitung vom 26.6.2007) oder Migranten gegen den Arbeitskräftemangel(Die Welt vom 26.6.2007) lassen erkennen: Die Medien nehmen kaum Anstoß daran, wenn Zuwanderer nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit beurteilt werden, im Gegenteil. Sie unterstützen überwiegend die restriktive Migrationspolitik des am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Zuwanderungs(begrenzungs)gesetzes.

    »Ethnisierung« ist ein sozialer Ausgrenzungsmechanismus, der Minderheiten schafft, diese (fast immer) negativ etikettiert und damit die Privilegien einer herrschenden Mehrheit zementiert. Je unerbittlicher im Zuge der Globalisierung das Thema Konkurrenz ins Zentrum zwischenstaatlicher und zwischenmenschlicher Beziehungen rückt, desto leichter lassen sich kulturelle Differenzen politisch aufladen. Die Medien treiben diesen Ausgrenzungsprozess voran, indem sie als Motoren und Multiplikatoren der Ethnisierung wirken.

    »Ausländerkriminalität« und rassistische Stereotype

    Das fängt schon bei der Wortwahl an. »Wanderungswellen«, »Migrationsströme« und »Asylantenfluten« machen Angst. Ob der Fernsehmoderator von »Asylanten« oder »Flüchtlingen« spricht, ist ein wichtiger Unterschied. Und wenn in der Kriminalitätsberichterstattung einer Lokalzeitung nichtdeutsche Täternamen ausgeschrieben werden, verfestigt sich der Eindruck, die »Ausländerkriminalität« sei im Wachsen begriffen. Da muss die Schlagzeile gar nicht Türken überfielen Tankstelle lauten, um rassistische Stereotype in den Köpfen zu verstärken.
    ..."
    weiter:
    http://www.zeit.de/2007/45/Migranten-in-Medien?page=all
    Es ist wichtig, dass Probleme aufgezeigt werden. Dafür würde ich nicht die Presse oder Personen kritisieren.

    Die Probleme existieren!

    In Holland stammen die meisten Immigranten und ihre Nachkommen zum Beispiel aus Marokko.

    Die Probleme mit bestimmten Gruppen innerhalb der dortigen Einwanderungsgesellschaft ist endlich selbst den Marokkanern zu viel geworden. Sie haben ihre Landsleute aufgerufen, dagegen tätig zu werden, was sehr zu begrüßen ist.

    Übersetzung eines Auszugs aus dem Holländischen:

    Es ist höchste Zeit, dass sich die marokkanische Gemeinschaft aktiv an der Verhinderung und Bekämpfung der organisierten Kriminalität unter der marokkanisch-niederländischen Jugend beteiligt. Die Aktionsgruppe "Stop marokkanischen Jugend-Kriminalität" ist eine Plattform für alle niederländischen Menschen marokkanischer Abstammung, die glauben, dass genug genug ist und dass die marokkanisch-niederländische Gemeinde ihre Verantwortung übernehmen muss.

    http://extra.volkskrant.nl/opinie/ar...erlandse_jeugd!

  7. #6
    Politopia-Urgestein
    Registriert seit
    27.02.2009
    Beiträge
    10.014
    Danke
    3.819
    Thanked 9.322 Times in 4.028 Posts

    Standard

    Zitat Zitat von Kojo no Tsuki Beitrag anzeigen
    Es ist wichtig, dass Probleme aufgezeigt werden. Dafür würde ich nicht die Presse oder Personen kritisieren.

    Die Probleme existieren!

    In Holland stammen die meisten Immigranten und ihre Nachkommen zum Beispiel aus Marokko.

    Die Probleme mit bestimmten Gruppen innerhalb der dortigen Einwanderungsgesellschaft ist endlich selbst den Marokkanern zu viel geworden. Sie haben ihre Landsleute aufgerufen, dagegen tätig zu werden, was sehr zu begrüßen ist.

    Übersetzung eines Auszugs aus dem Holländischen:

    Es ist höchste Zeit, dass sich die marokkanische Gemeinschaft aktiv an der Verhinderung und Bekämpfung der organisierten Kriminalität unter der marokkanisch-niederländischen Jugend beteiligt. Die Aktionsgruppe "Stop marokkanischen Jugend-Kriminalität" ist eine Plattform für alle niederländischen Menschen marokkanischer Abstammung, die glauben, dass genug genug ist und dass die marokkanisch-niederländische Gemeinde ihre Verantwortung übernehmen muss.

    http://extra.volkskrant.nl/opinie/ar...erlandse_jeugd!
    Ob das wirklich abschließend ist und auf den Text eingeht den Lynxxx gepostet hat? Ich zitiere nochmal:

    Benehmt euch. Ihr seid hier nicht zu Hause

    Seit den Terroranschlägen von 2001 schlagen die Medien gegenüber Migranten schärfere Töne an. Alte Vorurteile und neue Zerrbilder haben Konjunktur. Beobachtungen aus der Mitte der deutschen Gesellschaft.

    Über die in der Bundesrepublik lebenden Ausländer berichten deutsche Massenmedien ähnlich wie über das Ausland – nämlich nur im Ausnahmefall, der möglichst spektakulär sein und katastrophische Züge tragen sollte. Meist werden Zuwanderer mit Chaos und Kriminalität in Verbindung gebracht: (Mafia-)Morden, (Banden-)Raub und (Asyl-)Betrug. Das angelsächsische Bonmot »Only bad news is good news« abwandelnd, kann man für deutsche Medien feststellen: Nur böse Ausländer sind gute Ausländer!
    "ihr seid hier nicht zuhause"
    "spektakuläre Berichterstattung vor allem nur negatives"

    Ist das wirklich Probleme ansprechen oder vielmehr doch etwas ausschlachten ohne wirklich das Thema aufzugreifen?

  8. #7
    Politopia-Haudegen Avatar von lynxxx
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    3.900
    Danke
    2.654
    Thanked 3.013 Times in 1.591 Posts

    Standard

    Kojo, hast du die Artikel gelesen?
    (Ich frage deshalb nochmal nach, weil ich die Argumentationen nicht wiederholen möchte.)

    Es ist in obigen Links keine willkürliche Einschätzung gegeben worden, sondern wissenschaftlich und empirisch untersucht worden.

    Natürlich gibt es Probleme, und natürlich müssen diese ohne Scheuklappen benannt werden. Die Frage ist nur wie.
    Und da zeigen sich Mißstände, die ebenso benannt werden müssen.
    Erst recht ist zu begrüßen, dass dieses nicht nur ad hoc subjektiv geschieht, z.b. von Politikern oder Verbänden, sondern von wissenschaftlichen Untersuchungen.

    Diese Medienkritik betrifft im Übrigen nicht nur das Thema Islam, sondern kann man auch auf andere Themen ausdehnen, wie z.b. Kriminalität, wo es ebenso ein Auseinanderklaffen in der öffentlichen Meinung gibt, und der Realität. (z.B. sinkende Zahlen von Schwerstkriminalität bei steigenden Zahlen des subjektiven Empfindens)

    Also insgesamt muss der Sensationsjournalismus an seine Verantwortung zur Bildung der öffentlichen Meinung stärker erinnert werden, denn wenn wir die Umfragen zur Ausländerfeindlichkeit oder der Islamfeindlichkeit uns ansehen, dann sehen wir ursächlich die Medien als Mitverantwortliche dafür, nicht der türkische Gemüsehändler um die Ecke (die es in Ostdeutschland z.B. kaum gibt).

    Also, bitte lies nochmals nach, und falls du etwas bestimmtes kritisieren möchtest, was du natürlich gerne tun kannst , dann zitiere einfach den entsprechenden Absatz der Artikel, damit wir dann schauen können, ob du mit deiner Kritik an diesem Absatz richtig liegst, oder ob wir einen Konsens erreichen könnten.

    :wink:
    Code:
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    best of my Posts und mehr...
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    Z.B. sehr wichtig für nationalistisch denkende Menschen, um zu begreifen, wie und aus welchem Grund ihr Denkmuster entstand. Dazu, wie war eigentlich das Verhältnis von Nichtmuslimen und Muslimen im Osmanischen Reich, jenseits von stereotypen Betrachtungen u.a. von Nationalisten?
    lynxx-blog - Artikelserie: Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime im Osmanischen Reich:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2011/...slime-und.html

  9. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu lynxxx für den nützlichen Beitrag:

    Firtina (12.10.2009)

  10. #8
    Useraccount gelöscht
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    17.621
    Danke
    20.329
    Thanked 16.073 Times in 7.859 Posts

    Standard

    Hier mal was Anderes zum Thema, zumal in einem benachbarten Thread gerade mal wieder so erbittert gezankt und das Rad neu erfunden wurde:

    Diskriminierung in der Medienberichterstattung


    Neues Jahrbuch des Deutschen Presserats erschienen

    Mit dem Thema Diskriminierung in der Medienberichterstattung setzen sich im diesjährigen Jahrbuch des Deutschen Presserats zwei Experten auseinander: Jost Springensguth, langjähriger Chefredakteur der Kölnischen Rundschau, sowie Prof. Georg Ruhrmann, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Jena.

    Springensguth geht in seinem Beitrag auf die Gratwanderung der Redaktionen zwischen den presseethischen Anforderungen einerseits und dem Leserinteresse andererseits ein. Zu den Erfahrungen mit den Reaktionen von Lesern gehöre das häufig entgegengebrachte Unverständnis darüber, dass ein Bezug auf die Herkunft eines Täters entfalle oder eine Anonymisierung in Einzelfällen leichterer Kriminalität stattfinde. Ruhrmann beleuchtet das Thema Diskriminierung aus empirischer/wissenschaftlicher Sicht und stellt u. a. die Frage nach der Wirkung der Berichterstattung über Migranten auf das deutsche Publikum. (...)
    Klingt meines Erachtens interessant! Gelesen habe ich es noch nicht. Erschienen ist das Buch im September 2009, und wer sich ggf. dafür erwärmen kann:
    Hier Näheres samt Bestelladresse.



    ps Amazon hat die Fachbücher aus der UVK-Reihe oft auch im Angebot, da kann es mit der Lieferung erfahrungsgemäß aber etwas länger dauern.
    Geändert von A0067 (20.12.2009 um 23:26 Uhr)

  11. Folgender Benutzer sagt Danke zu A0067 für den nützlichen Beitrag:

    lynxxx (21.12.2009)

  12. #9
    Politopia-Haudegen Avatar von lynxxx
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    3.900
    Danke
    2.654
    Thanked 3.013 Times in 1.591 Posts

    Standard

    Mensch, was war ich im Oktober noch geduldig mit Kojo, und dachte, ich rede mit einem Menschen, statt mit einem Newsbot...

    Was für eine Zeitverschwendung...
    Code:
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    best of my Posts und mehr...
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    Z.B. sehr wichtig für nationalistisch denkende Menschen, um zu begreifen, wie und aus welchem Grund ihr Denkmuster entstand. Dazu, wie war eigentlich das Verhältnis von Nichtmuslimen und Muslimen im Osmanischen Reich, jenseits von stereotypen Betrachtungen u.a. von Nationalisten?
    lynxx-blog - Artikelserie: Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime im Osmanischen Reich:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2011/...slime-und.html

  13. #10
    Useraccount gelöscht
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    17.621
    Danke
    20.329
    Thanked 16.073 Times in 7.859 Posts

    Blinzeln

    Zitat Zitat von Anouk Beitrag anzeigen
    Klingt meines Erachtens interessant! Gelesen habe ich es noch nicht. Erschienen ist das Buch im September 2009 (...)
    Eine "Warnung" zu obigem Lesetipp: Inzwischen habe ich festgestellt, dass die Beiträge zum Thema Diskriminierung i.d. Medienberichterstattung ganze zehn von mehr als 200 Seiten ausmachen. Wer das Buch also nicht aus beruflichen o.ä. Gründen sowieso anschaffen würde, ist mit der Bibliotheksausleihe wesentlich besser bedient!

  14. Folgender Benutzer sagt Danke zu A0067 für den nützlichen Beitrag:

    lynxxx (22.12.2009)

  15. #11
    Politopia-Haudegen Avatar von lynxxx
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    3.900
    Danke
    2.654
    Thanked 3.013 Times in 1.591 Posts

    Standard

    "Medien, Minderheiten, Meinungsmacher

    von Ulrike Gasser

    Zum fünften Mal wurde das »M100 Sanssouci Colloquium« am 14. und 15. September in Potsdam abgehalten. Die Konferenz versammelt jährlich einflussreiche Meinungsmacher Europas. Veranstaltet wird dieses »Medien-Davos« von der brandenburgischen Landeshauptstadt, dem Verein »Potsdam Media International« und dem Londoner »Institute for Strategic Dialogue«. Ihr Ziel ist, ein Dialogforum für die europäische Medienbranche zu schaffen. Auf der Agenda in diesem Jahr: »Muslim Media and Muslims in the Media«.

    Zum Auftakt der Konferenz wurden die Ergebnisse einer Pilotstudie des Institute for Strategic Dialogue präsentiert, die das Mediennutzungsverhalten von Muslimen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien untersuchte. Diese hat ergeben, dass die Ausgewogenheit der Berichterstattung über den Islam von Befragten bezweifelt wird und dass das Misstrauen von Muslimen gegenüber den Mainstream-Medien stark gewachsen ist.

    Skepsis und Misstrauen

    ...
    Shada Islam: Meiner Meinung nach müssen wir uns dringend von den vorhandenen Klischees und Stereotypen distanzieren, wenn wir wirklich konstruktiv über Minderheiten und Muslime im Besonderen sprechen wollen. Jedes mal, wenn ich den Fernseher anmache oder die Zeitung aufschlage, sehe ich immer die gleiche Symbolik: Hardliner, Frauen in Burkas oder Tschadoren, Männer, die sich für einen Kampf zwischen dem Islam und dem Westen aussprechen.

    Diese Bilder spiegeln aber nicht die vorhandene Vielfalt von Muslimen in Europa und der Welt wieder. Mit einer solchen Darstellung erhalten wir nur das Vorurteil aufrecht, dass Muslime anders sind als wir und dass man das immer und überall an einfachen Merkmalen, wie dem Kopftuch, erkennen kann. Und genau diese Bilder sind es, die verändert werden müssen. Nicht weil diese Bilder »Schlechtes« zeigen, sondern weil sie nur einen kleinen Teil der Muslime zeigen. Sie sind nicht das Bild der Mehrheit von Muslimen in der Welt, die zur Schule oder Universität gehen, in die Arbeit, mit dem Bus fahren, leben, sterben und lieben ...

    ...

    Shada Islam: Wir Journalisten müssen aber nach der Wahrheit suchen. ... Was mich wirklich ärgert, ist, dass wir immer den extremen Muslimen eine Plattform geben. Es gibt doch in jeder Religion Extremisten! Die moderaten, normalen Stimmen des Islam hört man viel zu selten.
    ...

    Mehr Muslime in die Medien

    Andere wiederum bezeichneten das als eine falsche »Ethnifizierung« von Fachpersonal und forderten im Gegenzug die muslimischen Verbände Europas zu mehr Präsenz in den Medien auf. Der Direktor von Deutsche Welle TV, Christoph Lanz, differenzierte gegenüber zenith diese Gedanken:

    zenith: Herr Lanz, ein Kernthema der Konferenz ist die Präsenz von Muslimen in der europäischen Medienlandschaft. Welche neuen Erkenntnisse haben Sie im »Sanssouci Colloquium« gewonnen?

    Christoph Lanz: Ich glaube, ich habe von der Studie des Institut für Strategic Dialogue gelernt, dass nach wie vor sehr häufig Stereotype in der Berichterstattung bedient werden. Wenn es um Muslime geht, laufen offensichtlich ganz schnell Assoziationsketten und die können mitunter schon einmal beim Terroristen enden. Darüber hinaus scheint es - aber das gilt auch für andere Gruppen mit Migrationshintergrund - dass die Präsenz von Muslimen in der Medienbranche verhältnismäßig unausgeprägt ist. Die meisten Sorgen bereitet mir allerdings, dass es offensichtlich einen erheblichen Vertrauensverlust in den Medien gibt ...

    ...

    Ungeachtet dessen gab sich das »Colloquium« am Ende seiner zwei Tage Dauer einen glanzvollen Abschluss: Der Medien-Preis des »M100 Sanssouci Colloquiums« ging dieses Jahr an Hans-Dietrich Genscher. Nach einer Laudatio durch den polnischen Botschafters in Berlin Marek Prawda und einer Hauptrede, gehalten mit Elan und Optimismus von André Azoulay, Berater König Mohammeds VI. von Marrokko, formulierte der ehemalige deutsche Außenminister mit deutlichen Worten seinen Dank – und zugleich einen Appell: Neue Aufgaben stünden den Europäern bevor, die mit »aktiver Toleranz« gegenüber Anderen anzugehen seien. Ein amerikanisches »Yes, we can« würde besser funktionieren als ein europäisches »Mal sehen«, so der Preisträger.
    ...
    "
    weiter:
    http://www.zenithonline.de/politik/i...ash=127edb5a77
    unten auf der Seite geht es dann noch weiter.

    Ich bin nicht der Meinung (wie es im Text steht, wenn ihr auf "weiter" klicken würdet), dass wenn mehr Muslime in den Medien sind, dass dann auch die Fachkompetenz gesteigert würde. Ich höre ja manchmal Aussagen zum Islam von einigen Muslimen, die prominent sind, wie Fatih Akin, oder Erol Sander, oder Nazan Eckes, usw. also von wahrscheinlich eher "Kulturmuslimen" die ja wohl die Mehrzahl der TV-Leute sein würden. Und da kommen teilweise ebensolche Klischees oder Halbwissen vor, wie bei Deutschen, die mal ein halbes Buch oder eine Spiegelgeschichte gelesen haben. Richtig ist IMHO hingegen, dass durch solche Mitarbeiter eine wohl objektivere Berichterstattung leichter fiele.

    Besser, als durch eingestellte Muslime "Fachkompetenz" steigern zu wollen wäre es, bei (größeren) Berichten diese mal einem wirklichen (z.B. auch externen) Fachmann durchlesen zu lassen. Notfalls gibt es bestimmt in den Unis z.B. bei den Islamwissenschaftlern in den Fachschaften freiwillige Studenten höheren Semesters, die diese praktischen Medienerfahrungen und Kontakte gerne machen würden, im Austausch mit ihrem Fachwissen, vor allem ihrer vielleicht inzwischen erworbenen Sensibilität für typische Klischee-Fallen für die Medien.

    Medien sind Katalysatoren und Potenzierer, will man etwas erreichen, muss man hier ansetzen. Inkl. dem Netz.
    Geändert von lynxxx (06.01.2010 um 03:09 Uhr)
    Code:
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    best of my Posts und mehr...
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    Z.B. sehr wichtig für nationalistisch denkende Menschen, um zu begreifen, wie und aus welchem Grund ihr Denkmuster entstand. Dazu, wie war eigentlich das Verhältnis von Nichtmuslimen und Muslimen im Osmanischen Reich, jenseits von stereotypen Betrachtungen u.a. von Nationalisten?
    lynxx-blog - Artikelserie: Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime im Osmanischen Reich:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2011/...slime-und.html

  16. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu lynxxx für den nützlichen Beitrag:

    Adran (27.02.2010)

  17. #12
    Politopia-Haudegen Avatar von lynxxx
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    3.900
    Danke
    2.654
    Thanked 3.013 Times in 1.591 Posts

    Standard

    Schaue gerade Arte, und muss dabei immer wieder besonders an etliche User denken, die in den letzten Monaten unserem Forum beigetreten sind, und die mir "verloren im Nachrichtendschungel" erscheinen.

    (Nicht nur beim Thema Islam im weitesten Sinne, sondern dieses Phänomen betrifft auch diverse Verschwörungstheorien, Klischees, unzulässige Vereinfachungen über andere Begebenheiten, von Amerika, Juden, Israel, über Neokons, deutsche Innenpolitik, Finanzpolitik, Afghanistan oder geostrategische Weltpolitik...)

    „Verloren im Nachrichtendschungel”, ein Film von Ted Anspach - ARTE

    Es geht bei diesem Themenabend auf Arte um die digitale Revolution des Internets und die Auswirkungen auf den Qualitätsjournalismus und welche Chancen und auch Gefahren darin liegen, z.B. massive gezielte Falschinformationen diverser Gruppen, von Islamophoben, bis hin zu Islamisten mit ihren abstoßenden Juden-Verschwörungstheorien, und vielen anderen Gruppen, die ein Leser ohne ausreichende Vorkenntnisse z.B. auch aus der Offlinewelt kaum oder schwer noch selektieren oder durchblicken kann.

    "Der Siegeszug des Internets und die explosionsartige Verbreitung von Online-Nachrichten stellt eine demokratische Revolution dar und schenkt den Menschen neue Freiheiten. Doch birgt das Internet gerade wegen seiner vielen Möglichkeiten auch Gefahren. Denn auf Tausenden von Webseiten und Blogs werden zahllose mehr oder weniger gut recherchierte Informationen, Gerede und Gerüchte verbreitet. In diesem allgemeinen Informationsdurcheinander erlangt die Meinung eines Ideologen oder Aktivisten nicht selten den gleichen Stellenwert wie die eines Experten, eines anerkannten Wissenschaftlers oder Forschers."

    Journalismus auf Abwegen? - ARTE


    Noch 7 Tage lang online auf deren Mediathek einsehbar. Heute nacht war die letzte Wiederholung.

    (Spiegel Online ist zudem thematisiert. Auch z.B. die Mitwirkung der Kommentare auf Zeitungsseiten oder Blogs...)

    ARTE+7 Home - ARTE+7

    Ich weiß nicht, welche Fachjournalisten sich besonders gut mit Autotechnik auskennen, und unabhängig und seriös über Autos berichten.
    Ich weiß hingegen von einigen Fachjournalisten mit Schwerpunkt Naher Osten, oder Auslandskorrespondenten, bei denen ich kaum über Falschinformationen, also faktische lexikalische Fehler gestolpert bin, die Grundvorraussetzung, um erstmal überhaupt eine Grundlage zu einer fundierten Analyse oder eigenen Interpretation der Ereignisse zu legen. Ebenso fielen mir etliche ins Auge die über den Nahen Osten berichten oder urteilen, die sollten doch lieber Lokalredakteure bleiben, und haben offensichtlich weder die Sprachkenntnisse lokale Medien vor Ort, also im Nahen Osten zu lesen (abgesehen von engl. Ausgaben dortiger Medien, die meist einen sehr eingeschränkten Blick auf Aktuelles bieten), auch verschiedene Medien/Zeitungen unterschiedlicher Couleur, oder die Zeit haben Bücher die sich auf diese Medien stützen zu konsultieren, noch sonstigen Durchblick.

    Hoffe, es wird in den Schulen vermehrt auf Medienkompetenz-Vermittlung gesetzt, sonst haben wir bald noch mehr beratungsresistente Internetjunkies, die nicht erkennen, dass sie "verloren sind im Nachrichtendschungel"...
    Geändert von lynxxx (27.02.2010 um 02:29 Uhr)
    Code:
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    best of my Posts und mehr...
    http://lynxx-blog.blogspot.com
    Z.B. sehr wichtig für nationalistisch denkende Menschen, um zu begreifen, wie und aus welchem Grund ihr Denkmuster entstand. Dazu, wie war eigentlich das Verhältnis von Nichtmuslimen und Muslimen im Osmanischen Reich, jenseits von stereotypen Betrachtungen u.a. von Nationalisten?
    lynxx-blog - Artikelserie: Verhältnis der Muslime und Nichtmuslime im Osmanischen Reich:
    http://lynxx-blog.blogspot.com/2011/...slime-und.html

  18. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu lynxxx für den nützlichen Beitrag:

    A0067 (28.02.2010)

  19. #13
    Politopia-Haudegen
    Registriert seit
    04.01.2010
    Beiträge
    4.695
    Danke
    2.803
    Thanked 377 Times in 268 Posts

    Standard was ich mich gerade dazu frage

    Zitat Zitat von Fırtına Beitrag anzeigen
    Ob das wirklich abschließend ist und auf den Text eingeht den Lynxxx gepostet hat? Ich zitiere nochmal:



    "ihr seid hier nicht zuhause"
    "spektakuläre Berichterstattung vor allem nur negatives"

    Ist das wirklich Probleme ansprechen oder vielmehr doch etwas ausschlachten ohne wirklich das Thema aufzugreifen?
    was bedeutet dieser Satz?
    Benehmt Euch, Ihr seid hier nicht Zuhause?
    Ist das ein Integrationssatz?:banghead:

    Zu meinen Gästen sage ich immer, fühlt Euch bei mir wie Zuhause und es klappt. Was läuft falsch?
    Die größte Offenbarung ist die Stille.

    Laotse

  20. #14
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
    Registriert seit
    11.02.2010
    Ort
    Zweites Multiversum von links
    Beiträge
    19.804
    Danke
    13.313
    Thanked 18.258 Times in 8.995 Posts

    Standard

    dieser scheint mir der richtige thread zu sein, um den aktuellen machtkampf beim "spiegel" näher zu beleuchten.

    die taz fasst es gut und knapp zusammen: Kommentar „Spiegel“-Redaktion: Unbedingt abwehrbereit - taz.de

    im kern geht es um eine aussage des spiegel-chefredakteurs büchner in der causa nicolaus blohme, der als neuer stellvertretender chefredakteur bestellt werden soll, wogegen sich die ressortleiter aber komplett geschlossen ablehnend ausgesprochen haben.
    die aussage lautet sinngemäß: nicolaus blohme sei als profi ohne weiteres dazu in der lage, vom bild-stil auf den spiegel-stil umzusteuern.

    was ist denn von so einem statement zu halten?
    gilt heute die politische und fachliche positionierung eines journalist als komplett austauschbar?
    Geändert von PrometheusXL (27.08.2013 um 13:07 Uhr) Grund: form
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  21. Folgender Benutzer sagt Danke zu PrometheusXL für den nützlichen Beitrag:

    A0067 (27.08.2013)

  22. #15
    Useraccount gelöscht
    Registriert seit
    30.03.2009
    Beiträge
    17.621
    Danke
    20.329
    Thanked 16.073 Times in 7.859 Posts

    Standard

    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    (...)
    im kern geht es um eine aussage des spiegel-chefredakteurs büchner in der causa nicolaus blohme, der als neuer stellvertretender chefredakteur bestellt werden soll, wogegen sich die ressortleiter aber komplett geschlossen ablehnend ausgesprochen haben.
    die aussage lautet sinngemäß: nicolaus blohme sei als profi ohne weiteres dazu in der lage, vom bild-stil auf den spiegel-stil umzusteuern.

    was ist den von so einem statement zu halten?
    gilt heute die politische und fachliche positionierung eines journalist als komplett austauschbar?
    Ach jee .. tja, das war angesichts der Strukturen beim Spiegel 'etwas' ungeschickt von Büchner. An sich ist Blome ungeachtet seines Vorlebens bei 'Bild' durchaus zuzutrauen, dass er's journalistisch hinbekäme - immerhin hat er auch für Blätter wie den 'Tagesspiegel', die 'Welt' und als Brüssel-Korrespondent für diverse Regionalzeitungen gearbeitet; das qualifiziert ihn auch für andere Aufgaben. Und ja, als professioneller Journalist sollte man durchaus in der Lage sein, sich halbwegs flexibel auf die Tonalität seiner Brötchengeber einzustellen.

    Aber, und das ist der entscheidende Haken, den Büchner wohl unterschätzt hat: der "Spiegel" ist noch immer eine eigene Liga, (s)ein eigener Club: und jede Personalentscheidung auf Führungsebene gilt mehr als bei anderen Blättern zugleich als politische Statement. Man(n) muss schon sehr neutral denken, um Blome angesichts seiner Bild-Karriere als geeigneten Stellvertreter zu sehen und zu meinen, man könne die Personalie problemlos durchdrücken. Zumal die Mitbestimmungsrechte durch die Mitarbeiter KG dort traditionell hochgehalten werden und sich im Kern nicht erschließt, welche Funktion ein neuer (immerhin dritter!) Stellvertretender Chefredakteur ausüben soll.

    http://www.welt.de/kultur/medien/art...-Blome-ab.html

    An den Zuständigkeiten der beiden anderen Stellvertreter soll sich angeblich wenig bis nichts ändern, was nahelegt, dass Blome als Büchners Wunschkandidat mit dem klangvollen Titel geködert wurde. By the way - die Ernennung zum Unterhäuptling passiert nicht ganz selten und trägt auch woanders zu interessanten neuartigen Hierarchiegebilden bei. Das erklärt meiner Meinung nach auch den Aufstand der Ressortleiter, zumal Brinkbäumer und Doerry als Stellvertreter seit Mascolos und v. Blumencrons Abgang einen guten Job machen. Jedenfalls habe ich erstaunt festgestellt, dass man den Spiegel gelegentlich wieder lesen kann. Nicht immer, aber wieder öfters.

    Wäre schade, wenn Büchner scheitert, noch bevor er sein Amt antritt - aber: abwarten und Tee trinken ..

  23. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu A0067 für den nützlichen Beitrag:

    Karl S. Ruher (29.08.2013), PrometheusXL (27.08.2013)

Seite 1 von 13 12311 ... LetzteLetzte

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Über uns
Politopia.de - Das Diskussionsforum. Du interessierst dich für Politik oder ein anderes Themengebiet, wünschst dir gepflegte Umgangsformen aber eine durchaus harte inhaltliche Diskussion? Dann bist du hier bei uns genau richtig und unter Freunden.