Close
Login to Your Account
Politopia - Das Europa-Forum - Powered by vBulletin
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Ruanda - ein Vorbild für Afrika?

  1. #1
    Pallbearer
    Registriert seit
    12.04.2010
    Beiträge
    20.095
    Danke
    14.164
    Thanked 20.063 Times in 9.244 Posts

    Standard Ruanda - ein Vorbild für Afrika?

    Ruanda hat sich seit dem Völkermord 1994 ziemlich gemausert, hier mal einige Eckdaten und Informationen:

    Der Staatspräsident Paul Kagame hat nach dem Genozid tiefgreifende Reformen erlassen, die Ruanda eine starke wirtschaftliche Entwicklung beschert haben.

    Das Land hat heute ein gut ausgebautes Straßensystem, in der Hauptstadt Kigali sind überall Bauarbeiten im Gange, und freie drahtlose Internetverbindungen sind in den Restaurants und Cafés eine Selbstverständlichkeit. Einer der größten Devisenbringer des Landes ist der Tourismus, weil die Regierung früh den Wert von Wildtier-Tourismus erkannt hat und Reisen zu den Berggorillas geschickt vermarktet. 800 Dollar kostet ein zweistündiger Besuch bei den großen Primaten, und die Wartelisten sind lang.

    Ruanda hat eine Einschulungsrate von nahezu 100 Prozent und ein Krankenversicherungssystem, das mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelt wurde und heute 91 Prozent der 13 Millionen Einwohner abdeckt. Das ist einmalig in Afrika. Die durchschnittliche Geburtenrate je Frau ist von 5,6 auf 4,5 Kinder gesunken - dank mehr Aufklärung, der kostenlosen Verteilung von Verhütungsmitteln und nicht zuletzt der allgemeinen Entwicklung des Landes auch über den flächendeckenden Internetzugang.

    Die Zahl der Ruander, die in völliger Armut leben, sank von 44 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2011 auf 39 Prozent im Jahr 2014, während das durchschnittliche Wirtschaftswachstum von 2001 bis 2015 bei satten 8 Prozent lag. Diese Erfolgsgeschichte wird vor allem dem Präsidenten des Landes, Paul Kagame, zugeschrieben. Der hatte einst als Rebellenführer den Völkermord beendet und regiert seither mit harter Hand.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaf...-14592400.html

    Vor Jahrzehnten investierte Volkswagen in China, als kaum jemand an China glaubte. Jetzt eröffnet der größte Autobauer der Welt eine Fabrik in Ruanda. Er hofft auf die moderne afrikanische Jugend.
    http://www.manager-magazin.de/untern...a-1188990.html

    Kagame regiert mit harter Hand. Eine freie Presse gibt es ebensowenig wie eine echte Opposition.
    Diskriminierung oder Anstiftung zu Hass zwischen den Volksgruppen, ist unter harten Strafen verboten.
    Ruanda ist in Sachen Gleichberechtigung sogar weltweit ein Vorreiter. Es gibt mehr weibliche Vertreter in der Regierung, als in Schweden. Das Parlament hat einen Frauenanteil von 61,3% (Stand 2018).
    Nach dem Völkermord und der völligen Zerstörung der Wirtschaft des Landes, schickte Kagame Delegationen in verschiedene Länder, die sich von Entwicklungsländern, zu Industrienationen entwickelt hatten - und kopierte deren Reformen. Z.B. Singapur und China.

    Paul Kagame sieht in Singapur sein Vorbild. All die Erfolge, die sich Singapur zugutehält – die fehlende Korruption, effiziente Bürokratie und Wirtschaft, Schutz der Umwelt –, gehören auch zu den Zielen der Regierung Ruandas. Der Präsident schuf eine Leistungsgesellschaft, eine funktionierende Verwaltung und damit eine höhere Lebensqualität. Er reist immer wieder durch die Provinzen und hört sich die Anliegen der Bewohner an. Jeder Bürgermeister ist dem Präsidenten persönlich verpflichtet, Probleme in seinem Bezirk innerhalb eines Jahres zu lösen. Die Bürger werden über ihre Rechte und Gesetze informiert, welche staatlichen Dienstleistungen ihnen zustehen und wo sie sie bekommen können. Kigali gilt als die sauberste Stadt Afrikas. Ruanda wird straff regiert, aber seine Führung ist dank einer verantwortungsvollen Politik, die das Gemeinwohl in den Vordergrund stellt, wichtiger Reformen, kluger Verwendung ausländischen Kapitals und der Entwicklungshilfe ein Ansporn für den Kontinent. Es ist ein autoritäres System, das soziale Reformen in Gang gesetzt und den Lebensstandard der Massen substantiell verbessert hat. Es ist eines der wenigen Länder Afrikas, wo Homosexualität als Privatangelegenheit angesehen wird.

    [...]


    Ruanda investiert verstärkt in Wasserkraft, Geothermik und Methangas-Kraftwerke. Das erste Fotovoltaik-Kraftwerk in Ostafrika mit einer Nennleistung von 8,5 Megawatt (MW) wurde von Scatec Solar aus Norwegen gebaut. Es wurde 2015 in Betrieb genommen und hat die installierte Kraftwerkskapazität von Ruanda um sechs Prozent gesteigert. Die ruandische Regierung hat das Ziel, die Kraftwerkskapazität bis 2017 zu verfünffachen, um die Hälfte der Bevölkerung mit Strom zu versorgen. Außerdem soll die Abhängigkeit von Dieselkraftstoff gemindert werden. Die Berliner Oneshore Energy GmbH und Baywa r.e. haben in Ruanda eine PV-Diesel-Hybrid-Pilotanlage installiert, die eine der führenden Teefabriken des Landes mit umweltfreundlichem Solarstrom versorgt.

    Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat ein Handy, rund ein Viertel aller Ruander surft im Internet. Eine führende Position strebt Ruanda auch in der Film- und Fernsehbranche an. Derzeit wird in Kigali ein zentralafrikanisches Hollywood aufgebaut. Die Volkswagen AG hat im Dezember 2016 den Bau einer lokalen Produktionsstätte angekündigt.

    2010 hatte Rwandair Express noch keine eigenen Flugzeuge und bediente nur Ziele im Inland. 2017 heißt die ruandische Fluggesellschaft „Rwandair“ und fliegt mit 13 eigenen Flugzeugen (darunter zwei Airbus A 330 und sechs Boeing 737). Berater aus Singapur und Südkorea beraten die Gesellschaft in strategischen Fragen. Die Wartung der Maschinen hat der Partner Ethiopian Airlines übernommen. Neben dem afrikanischen Netz werden Bombay und London angeflogen. 2018 sind regelmäßige Verbindungen nach China und in die USA geplant.
    http://rwandadiasporagermany.com/rua...r-als-vorbild/

    Wie seht ihr das? Ist Ruanda ein Vorbild für Afrika? Sind "aufgeklärte Despotien" der Weg für Entwicklungsländer in eine freie und demokratische Gesellschaft?
    Wie wird sich Afrikas Entwicklung in Zukunft gestalten?
    Nichts wahrhaft Wertvolles erwächst aus Ehrgeiz oder bloßem Pflichtgefühl, sondern vielmehr aus Liebe und Treue zu Menschen und Dingen. (Albert Einstein)


  2. Folgender Benutzer sagt Danke zu Uncas für den nützlichen Beitrag:

    techniker1 (11.06.2018)

  3. #2
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
    Registriert seit
    11.02.2010
    Ort
    Zweites Multiversum von links
    Beiträge
    19.808
    Danke
    13.310
    Thanked 18.258 Times in 8.995 Posts

    Standard

    Beim "Guten Diktator" läuft mir ein Schauer der Abscheu über den Rücken...
    Aber ... wenn es tatsächlich mal einen gibt...
    Es wird sich zeigen, wie weit das trägt.

    Ich kann mir allerdings den Übergang in eine freiere Kultur nur sehr schwer vorstellen.
    Was dann passiert, wenn Generationen entmündigt werden und sich nur nach dem richten, was von oben vorgekaut wird, die eigenen Impulse und Ambitionen sich nicht weiter als zur Gartenpforte trauen, wenn immer erwartet wird, dass der "Gute Diktator", oder sein Pendent, schon die nötigen Ansagen machen wird, nach denen sich gerichtet werden kann, das haben wir ja selbst hier vor der Haustür. Ob das ein gutes Ende nimmt, steht bestenfalls auf "fraglich"
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  4. #3
    Pallbearer
    Registriert seit
    12.04.2010
    Beiträge
    20.095
    Danke
    14.164
    Thanked 20.063 Times in 9.244 Posts

    Standard

    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    Beim "Guten Diktator" läuft mir ein Schauer der Abscheu über den Rücken...
    Mir auch. Ich glaube nicht, das es gute Diktatoren oder Alleinherrscher gibt. Diktaturen oder autokratische Systeme sind allgemein ineffizienter als Demokratien, weil deren Herrscher sich nicht auf den Prüfstand stellen lassen müssen und nicht effizient sein "müssen". Die müssen gar nichts. Und dementsprechend machen sie oft auch gar nichts (ausser sich bereichern).
    Selbiges gilt für Monarchien etc.
    Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, wie Ruanda nach dem Genozid anders hätte funktionieren können. Da gab es jede Menge böses Blut. Das konnte man vermutlich nur mit einem eisernen Griff unter Kontrolle halten.
    Nichts wahrhaft Wertvolles erwächst aus Ehrgeiz oder bloßem Pflichtgefühl, sondern vielmehr aus Liebe und Treue zu Menschen und Dingen. (Albert Einstein)


Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Über uns
Politopia.de - Das Diskussionsforum. Du interessierst dich für Politik oder ein anderes Themengebiet, wünschst dir gepflegte Umgangsformen aber eine durchaus harte inhaltliche Diskussion? Dann bist du hier bei uns genau richtig und unter Freunden.