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Thema: Ist Arbeit tugendhaft?

  1. #1
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    Standard Ist Arbeit tugendhaft?

    In einer Zeit des Wertewandels, der Umwälzung der Arbeitswelt und des Nachdenkens über das Bedingungslose Grundeinkommen ist die Frage im Titel durchaus berechtigt, wenn nicht sogar zwingend.

    Die Frage lautet mit voller Absicht nicht: "Ist Faulheit tugendhaft?"

    Die Antwort wird dazu beitragen, den eigenen Lebensentwurf zukunftsorientiert zu gestalten und kann sogar in einem schon fortgeschrittenen Leben Impulse liefern, einen Lebensplan zu revidieren.
    De Leve Gott wull, dat wi in de Nacht eten.
    Sünst harr he nich dat Lücht in Köhlschapp mookt.

  2. #2
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    Arbeit ist zunächst einmal völlig wertneutral (ein Mittel zum Zweck). Auf das Ergebnis kommt es an. Erreiche ich durch Arbeit, dass es mir, anderen Menschen, der Umwelt, ..., ... danach besser geht als vorher, dann war die Arbeit sinnvoll. Schade ich durch Arbeit mehr als ich nutze (Herstellung von Waffen, Raubbau an der Natur, lautes Getöse + Aufwirbelung von Keimen durch Laubbläser, ..., ...), dann wäre es eindeutig besser gewesen, nicht zu arbeiten als zu arbeiten.

    Ich sehe es als Problem an, dass viele Menschen Arbeit als Wert an sich betrachten ("Hauptsache er arbeitet, statt nichts zu tun!") statt als Mittel zum Zweck.
    Einen längeren Artikel darüber habe ich hier verfasst.

  3. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu jaki01 für den nützlichen Beitrag:

    Kleinlok (08.07.2018), PrometheusXL (04.07.2018)

  4. #3
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    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen
    Arbeit ist zunächst einmal völlig wertneutral (ein Mittel zum Zweck) […]
    Zunächst einmal beruht der Leistungsethik der Neuzeit (etwa also mit der Reformationszeit einsetzend) auf der Erkenntnis, dass der Mensch es in der eigenen Hand hat, sein Leben bzw. seine Lebenszufriedenheit zu gestalten bzw. zu bessern.
    In der antiken Philosophie mögen ja Modelle oder Strömungen wie der Stoizismus die gottergebene Hinnahme propagiert haben, in der Epoche Calvins bzw. Luthers hatte die Tätigkeit längst einen bedeutenderen Stellenwert für's gesellschaftliche Miteinander errungen - und man sollte bei Betrachtung derartiger Themen nicht vergessen, dass die Freizeit erst im Zeitalter der Industrialisierung als ebenfalls bedeutungsvoll wahrgenommen wurde und wahrgenommen werden konnte.

    Zudem wäre zu unterscheiden, dass der Wert von Arbeiten einerseits an ihrem gesellschaftlichen Nutzen und andererseits an der Freude, die sie dem, der sie ausübt, bereitet, zu bemessen wäre. Insofern wäre die Tätigkeit in der (freiwilligen) Feuerwehr sehr wohl als tugendhaft anzusehen; jedoch ist die hobbymäßige Stickarbeit, die jemand als persönliches Geschenk f+r eine nahestehende Person anfertigt, um jener eine Freude zu bereiten, nicht minder nützlich - bloß eben auf einer persönlichen Ebene.
    Wie sieht es aber mit entfremdender Arbeit aus? Obwohl nach allgemeiner Auffassung die dem gerichtlich verurteilten Straftäter angeordnete Tätigkeit des Tütenklebens ja gleichfalls einer Wiedergutmachung an der Öffentlichkeit gilt, und vergleichbare Arbeiten (etwa in einer Tischlerei) immerhin ein sinnvolles Handwerk darstellen, und den Delinquenten an die nützliche Werktätigkeit im arbeitstäglichen Rhythmus gewöhnen sollen, wäre demnach noch nicht tugendhaft, wohl aber ein Schritt auf dem Weg dorthin.

  5. #4
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Man sollte in erster Linie vom Status quo ausgehen und sich dessen bewusst sein, was ist und was (voraussichtlich) sein wird. Rüchwärtsorientiertes Suchen nach Erkenntnissen bei den Antwortsuchenden der Vergangenheit kann reizvoll sein, beantwortet aber in seltensten Fällen die Fragen, die sich heute stellen, weil die Antworten der Vergangenheit auf Fragen der Vergangenheit abstellten, die heute nur noch eingeschränkte Relevanz aufweisen. Es ist klug und zielführend, sich dessen bewusst zu sein.
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  6. #5
    Erfahrener Politopianer Avatar von Seifert
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    Zitat Zitat von Wieben Klas Beitrag anzeigen
    Die Frage lautet mit voller Absicht nicht: "Ist Faulheit tugendhaft?"
    .
    Faulheit ist die Triebfeder jeglicher Innovation.
    Druck,Motorfahrzeug,Computer etc.sind letztlich auf (sinnvoll eingesetzte)Faulheit zurückzuführen.Ohne den Antrieb immer grösserer Bequemlichkeit würden wir vermutlich noch Rohfleisch zu Fuss verzehren.

  7. Folgende 3 Benutzer sagen Danke zu Seifert für den nützlichen Beitrag:

    Diogenes2100 (05.07.2018), grauer kater (05.07.2018), PrometheusXL (05.07.2018)

  8. #6
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Das ist des Pudels Kern. Sehr treffend.
    Wenn es nicht erforderlich ist, arbeitet kein Lebewesen freiwillig.
    Arbeit aus Notwendigkeit und Arbeit zur Erleichterung des Lebens, das hängt unmittelbar zusammen.
    Die Zwänge zur Arbeit sind von Menschen "erfunden" worden, die andere für sich und ihre eigenen Ziele, zur Erleichterung und Verbesserung des eigenen Lebens arbeiten lassen wollten - auch, um Menschen zu kontrollieren. Kontrolle ist ein nicht unwesentlicher Zweck und Aspekt der abhängigen Beschäftigung. Aus reinem Eigennutz der Beschäftigenden.

    Und genau diese Sorte Menschen fürchtet sich davor, dass die abhängige Beschäftigung obsolet wird. Nicht aus prinzipiellen, gesellschaftstheoretischen Erwägungen, sondern wegen der drohenden Zerrüttung der künstlichen Abhängigkeitsstrukturen, denen sie ihren Wohlstand und ihre Macht verdanken.
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  9. Folgender Benutzer sagt Danke zu PrometheusXL für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (05.07.2018)

  10. #7
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    "Faulheit als Innovationsfaktor" ist inhaltlich ok, liefert aber unnötig Munition für diejenigen, die gegen Modelle wie "BGE" aus welchem Grund auch immer feuern.

    Die "Faulheit" ist in der belebten Natur ein ökonomisches Prinzip. Sie trägt dazu bei, mit minimalem Aufwand die maximale Verbreitung von Genen zu erreichen.

    Für Polemiker: Rationalisierung als Ausdruck der Faulheit von Unternehmen …

    Noch ein Stichwort: Zwänge in der Arbeitswelt als Ergebnis von der zu erzielenden Sache unabhängigen Realisierung persönlicher Machtbedürfnisse: "Ich Chef, Du Arsch!"
    De Leve Gott wull, dat wi in de Nacht eten.
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  11. Folgender Benutzer sagt Danke zu Wieben Klas für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (05.07.2018)

  12. #8
    Erfahrener Politopianer Avatar von Seifert
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    Zitat Zitat von Wieben Klas Beitrag anzeigen
    "Faulheit als Innovationsfaktor" ist inhaltlich ok, liefert aber unnötig Munition für diejenigen, die gegen Modelle wie "BGE" aus welchem Grund auch immer feuern.
    Der innovativ-faule Mensch wird nahezu immer jemanden begeistern können,mit ihm mitzumachen.Sei es,dass die Idee ihn fasziniert,sei es,dass ihn Geld oder sonstige Vorteile reizen.Und dieser Mitmacher wiederum wird Nachahmer finden, denen dessen Tun(und "Einkünfte") reizvoll erscheinen -und irgendwie kopiert werden wollen. Und dann: artet es in Arbeit aus

  13. Folgender Benutzer sagt Danke zu Seifert für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (06.07.2018)

  14. #9
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    Zitat Zitat von Seifert Beitrag anzeigen
    Der innovativ-faule Mensch wird nahezu immer jemanden begeistern können,mit ihm mitzumachen.Sei es,dass die Idee ihn fasziniert,sei es,dass ihn Geld oder sonstige Vorteile reizen.Und dieser Mitmacher wiederum wird Nachahmer finden, denen dessen Tun(und "Einkünfte") reizvoll erscheinen -und irgendwie kopiert werden wollen. Und dann: artet es in Arbeit aus
    Bleibt nur zu hoffen, dass dies keine Utopie einer humanen Leistungsgesellschaft bleibt.
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  15. Folgender Benutzer sagt Danke zu Wieben Klas für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (06.07.2018)

  16. #10
    Politopia-Methusalem
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    Zitat Zitat von I'm a Substitute Beitrag anzeigen
    Zunächst einmal beruht der Leistungsethik der Neuzeit (etwa also mit der Reformationszeit einsetzend) auf der Erkenntnis, dass der Mensch es in der eigenen Hand hat, sein Leben bzw. seine Lebenszufriedenheit zu gestalten bzw. zu bessern.
    Bleibt die Frage, ob es sich um eine gesichterte Erkenntnis handelt, dass der 'moderne Mensch' glücklicher sei als Menschen früherer Epochen ... Ich denke darüber hinaus, dass die meisten glücklichen Menschen das trotz und nicht wegen ihrer Arbeit sind, viele ihrer Arbeit wegen unzufrieden sind, und nur ein kleiner Prozentsatz eine Arbeit ausübt, die zugleich als glücksbringende Berufung empfunden wird.

  17. #11
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    Zitat Zitat von jaki01 Beitrag anzeigen

    […]

    Ich denke darüber hinaus, dass die meisten glücklichen Menschen das trotz und nicht wegen ihrer Arbeit sind, viele ihrer Arbeit wegen unzufrieden sind, und nur ein kleiner Prozentsatz eine Arbeit ausübt, die zugleich als glücksbringende Berufung empfunden wird.
    Das beschreibt die aktuelle Arbeitswelt, und das BGE kann einer der leistungsfähigsten Hebel sein, dies grundlegend zu ändern.
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  18. Folgender Benutzer sagt Danke zu Wieben Klas für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (06.07.2018)

  19. #12
    Individuum Avatar von Diogenes2100
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    Zitat Zitat von I'm a Substitute Beitrag anzeigen
    Zunächst einmal beruht der Leistungsethik der Neuzeit (etwa also mit der Reformationszeit einsetzend) auf der Erkenntnis, dass der Mensch es in der eigenen Hand hat, sein Leben bzw. seine Lebenszufriedenheit zu gestalten bzw. zu bessern....
    Ja, der Quatsch mit der Möhre vor der Nase, die man nur zu greifen braucht um satt zu werden. Vom Tellerwäscher zum Millionär, der Mythos der mehr Verlierer als Gewinner produziert. Der ganze ideologische Müll, angefangen bei der Gottgefälligkeit der Arbeit seit Calvin bis zum angeblichen Trickle-Down-Effekt, lauter Lügen um dem einen Prozent den Rücken freizuhalten vor den Begierden der Mitte und den Nöten der Unterschicht.
    Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.


    André Gide

  20. Folgender Benutzer sagt Danke zu Diogenes2100 für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (06.07.2018)

  21. #13
    Politopia-Urgestein Avatar von Verbalwalze
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    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    Die Zwänge zur Arbeit sind von Menschen "erfunden" worden, die andere für sich und ihre eigenen Ziele, zur Erleichterung und Verbesserung des eigenen Lebens arbeiten lassen wollten - auch, um Menschen zu kontrollieren. Kontrolle ist ein nicht unwesentlicher Zweck und Aspekt der abhängigen Beschäftigung. Aus reinem Eigennutz der Beschäftigenden.
    Sorry, aber das ist absoluter Blödsinn.
    Gedankenexperiment: Versuche es mal ohne "Arbeit".
    Manche werden echt knülle, vom Herumphilosophieren.

    Gruß
    Verbalwalze
    Recht ist es, auch vom Feind zu lernen.

    P.S.
    Tipp: Lies Deine Antwort noch einmal durch und prüfe deren Gehalt, bevor Du postest.

  22. #14
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Warum von dir auf andere schließen.
    Urvölker haben eine völlig andere, noch unverfälschte Lebensweise.
    Sie tun, was getan werden muss, um des Überleben zu sichern.
    Sie kennen und haben keine arbeitsteiligen Hierarchien, sondern arbeiten als gleichberechtigte - Gleiche unter Gleichen - in Gruppen. Erst die Gliederung der Arbeit schafft Abhängigkeiten, Ungleichheiten und Hierarchien. Und genau darum geht es.
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  23. Folgender Benutzer sagt Danke zu PrometheusXL für den nützlichen Beitrag:

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  24. #15
    Politopia-Methusalem Avatar von ArgoNaut
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    Dieses Modell taugt aber nur für Kleingruppen. In größeren Gruppen, in denen nicht mehr jeder alles machen kann, entstehen zwangsläufig Hierarchien und Abhängigkeiten.
    Gelassenheit ist die Grundvoraussetzung für Höflichkeit

    (Moritz Freiherr Knigge)


    Everyone is entitled to their own opinion but not their own facts

    (Daniel Patrick Moynihan)

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