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Thema: Ist das Kunst, oder kann es weg?

  1. #1
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Standard Ist das Kunst, oder kann es weg?

    "Es scheint, als seien wir gerade gebanksyed worden"...
    ...

    Als der Auktionator von
    Sotheby's einem telefonisch zugeschalteten Bieter den Zuschlag für das berühmte Banksy-Werk "Girl with Balloon" erteilte, setzte sich ein im Bilderrahmen verborgener Schredder in Gang und schnitt das Bild vor den Augen der Anwesenden in Streifen.Quelle


    Gehört die Geplante Obsoleszenz zum Objekt und muss bezahlt werden?

    Kunst wird zur Farce - und der Künstler dreht der Avantgarde, den Kunstsachverständigen und allen, die sich dafür halten, eine Nase.

    Lustig, oder?
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  2. #2
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    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    […] Kunst wird zur Farce - und der Künstler dreht der Avantgarde, den Kunstsachverständigen und allen, die sich dafür halten, eine Nase. […]
    Falsch gedacht - nicht die Kunst wird zur Farce, sondern der Kunstbetrieb - und wenn der anonym sich hinter dem Künstlernamen "Bansky" versteckende Provokateur, der ja eigentlich street-art-Künstler ist, mit dieser inszenierten Vergänglichkeit von Kunstwerken über die spekulative Geldanlage in Kunst lustigmacht, bringt ihm dies nur um so mehr Ruhm ein.
    Das medienwirksam geshredderte Bild jedenfalls ist reproduzierbar, und als indoor-Wandschmuck ohnehin von gleichem Wert wie jedes x-beliebige gedruckte Poster. Interessanter ist also die juristische Frage, ob der zwischen Sotheby's und dem jetzt einen leeren Rahmen heimtragenden Käufer der Kaufvertrag zum während der Auktion gebotenen Preis (plus Aufgeld) rechtens ist.
    Andererseits galt des Käufers Gebot ja ohnehin nicht dem materiellen Wert des Bildes, sondern der mit dem Kauf verbundenen Erwartung der künftigen Wertsteigerung. Mit dieser "Performance" des sich bei Verkauf in Streifen zerschneidenden Bildes drüfte der präaparierte Rahmen seinerseits zun Wertgegenstand mit einer (bislang) einmaligen Story dahinter mutiert sein. Umabhängig davon, wie jetzt der Rechtsstreit zwischen dem Käufer und Sotheby's ausgehen wird, dürfte des Käufers bereits heißlaufen, weil die ersten Kaufangebote für die Überreste des nicht mehr mehr in seiner ursprünglichen Gestalt zu exponierenden "Werkes" eintreffen. Auch die internationalen Museen für zeitgenössische Kunst werden darum bitten, es als Leihgabe in ihr Haus zu bekommen.

  3. #3
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Es ist eben wie mit der ranzigen Butter, wer mag kann in jeden Haufen alles hinein interpretieren, Mann kann es aber auch entspannt und/oder dadaesk angehen und sich einfach an der Komik der Inszenierung und der Demaskierung der Unsinnigkeit erfreuen - und es einfach dabei belassen, ohne der Demaskierung erneut eine vorgeblich wissende Maske der intimen Insiderrhetorik aufzusetzen...
    Geändert von PrometheusXL (06.10.2018 um 18:46 Uhr) Grund: r
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
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  4. #4
    Politopia-Haudegen Avatar von Meinungsbaum
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    Es wird ein Auftakt sein, um Ähnliches nachzumachen. Die Trickkiste ist groß. Die spinnen (sag ich mal als Kunstbanause)!

    Frdl. Grüße
    Christiane

    PS: Bei Instrumenten würde bei mir allerdings der Spaß an der Freud geschmälert (wenn ich so in mich hineinhöre).

  5. Folgender Benutzer sagt Danke zu Meinungsbaum für den nützlichen Beitrag:

    PrometheusXL (06.10.2018)

  6. #5
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    Zitat Zitat von Meinungsbaum Beitrag anzeigen
    Es wird ein Auftakt sein, um Ähnliches nachzumachen. […]
    Es haben auch zuvor schon Künstler die Vergänglichkeit von Kunstwerken thematisiert - es gab schon jemanden, der mit Schimmel und Mikroorganismen gearbeitet hat (die er als seine Gehilfen titulierte), deren Arbeit am Werk eben darin bestand, dass es zu keinem Zeitpunkt jemals "fertig" oder "vollendet" sein würde. Andere Künstler dokumentieren ihre Arbeit per Video und zünden am Ende an, was sie soeben als Maler oder Bildhauer geschaffen haben… der im Bilderrahmen verborgene Shredder muss zwar relativ klein und batteriebetrieben sein, auch verfügte er wohl über eine Zeitschaltuhr oder Funkfernsteuerung, sonst wäre das Timing, das Bild unmittelbar nach seiner Versteigerung irreversibel zu zerstören, nicht zu gewährleisten gewesen.

    Da der auf dem Kunstmarkt offenbar mittlerweile begehrte Name Bansky für street-art steht, intendiert er ohnehin, dass sein Werk in den öffentlichen Raum gehört - und nicht in Privatsammlung, an die Zimmerwand oder ins Museum… andererseits muss das Werk ja schon eine Weile lang existieren, dem Spiegel-Artikel nach gilt es als bekannt und ist ja auch bereits fotografiert worden, und das rahmenlos… der vom Art Newspaper interviewte Sotheby's Sachverständige scheint ja eingeweiht gewesen zu sein, sonst hätte den Vorfall nicht als für diesen Künstler typischen Streich abgetan… wenn der Auktionskatalog darauf hinweist, dass das Bild "im Rahmen des Künstlers" verkauft werde, ist diese Zerstörung Teil des Kunstwerks.
    Es stellt sich eher die Frage, wer - und für wie lange - Vorbesitzer des Bildes gewesen ist, und wer der mysteriöse telefonische Bieter gewesen sein mag, der auch den Zuschlag erhalten hat.
    Geändert von I'm a Substitute (06.10.2018 um 22:52 Uhr) Grund: Katalogbild nachgeliefert

  7. #6
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    "Das kann weg" gehörte offenbar als elementarer Bestandteil zum Objekt.

    Bleibt die Frage, muss der Erwerber auch tatsächlich für die Reste bezahlen, weil ja die Performance unmittelbar nach dem Erwerb als Geplante Obsoleszenz ablief?

    Das Problem dürfte juristisch dergestalt sein, das der Käufer nicht vollständig über Art und Gute des Objekts aufgeklärt wurde, könnte also in einer berechtigten Reklamation münden. Ob der Kaufpreis also entrichtet werden muss, ist eine spannende Frage. Auch die Frage nach der Vergütung des Auktionshauses ist daran geknüpft.
    Das könnte für den Künstler noch ernsthaft problematisch werden. Möglicherweise ist er vollständig haftbar, denn er hat das jahrelang geplant, es liegt also unzweifelhaft Vorsatz vor, wie er selbst bestätigt hat. Ob er über die Implikationen hinreichen ausführlich nachgedacht hat?

    Wenn es für ihn schlecht läuft, muss er die kompletten Kosten aller Beteiligten ersetzen. Das kann sich enorm summieren. Wenn ich nur die Auktionscourtage und die Anwaltskosten berücksichtige, kommt vermutlich mehr als eine viertel Million zusammen... Das nenne ich mal einen Streich ohne Limits...
    Selbst wenn sogar der Telefonbieter ein Fake und das Gebot Teil der Performance war, bleiben die Aufwendungen und die entgangene Courtage. Und Sotheby's langt bekanntlich ordentlich zu und wird sich schadlos halten wollen.

    Die Performance hatte und hat ihre Reize, aber, wie bei vielen Street-Art-Künstlern, kommt die Ernüchterung dann, wenn man erwischt wurde und die entstandenen Kosten mit Sozialstunden bis zur Rente und darüber hinaus abarbeiten muss ...

    Bekenntnis auf Instagram
    Banksy hat Schredder-Streich jahrelang geplant


    Das Banksy-Werk "Girl with Balloon" wurde für einen Millionenbetrag versteigert - und zerschredderte sich plötzlich selbst. Der Künstler zeigte nun in einem Video, wie er einen Aktenvernichter in den Rahmen einbaute.
    Aber das letzte Wort ist in der Sache ja ohnehin noch nicht gesprochen. Womöglich gibt es noch einen völlig anderen Spin, denn die Kunstkäuferwelt und deren Hohepriester (die "Kunstexperten") sind ja alle berauscht von sich selbst und ihren Expertisen, und nun gibt es schon Stimmen, die raunen, dass das Werk nun sogar noch erheblich an Wert gewonnen haben dürfte, was Sotheby's anscheinend gleich in einen anderen Modus schalten ließ, und nun Nachverhandlungen über den Wert des Objekts mit dem Käufer führen lässt, weil dann ja auch höhere Courtageanteile fällig wären.
    Die sind alle Gaga, ist das einzige, was nun noch einmal bestätigt wurde - ob gewollt oder nicht...
    Geändert von PrometheusXL (07.10.2018 um 08:41 Uhr)
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  8. Folgender Benutzer sagt Danke zu PrometheusXL für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (09.10.2018)

  9. #7
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    Zum Wesen eines Parvenus unter sogenannten Kunstkennern gehört Leidensfähigkeit und Immunität gegen das belächelt Werden. Der "Geshredderte" wir sich zum Bestandteil eines Gesamtkunstwerks erklären.

    Kunst-, Wein- und sonstiges eingebildetes Kennertum leben von der Illusion der eingebildeten Wahrnehmung ähnlich der "self fulfilling prophecy".

    "Werbeaussage im Katalog eines Weinversandhändlers: "... und verabschiedet sich mit einem Säureschwänzchen."

    Wein schmeckt mir oder nicht, und da bedarf es keiner häufig verakademisierten Weinbeurteilung, um mich zu einem Kauf von Wein zu verleiten, bei dem ich mir nachher einreden muss, dass er mir schmeckt, nur um mich mir selbst gegenüber nicht als Banause zu outen, …

    … schließlich sind es die bezahlten Autoren von Wein- und sonstigen Schwänzchen, die die dicke Ahnung haben.

    Wie beim Wein geht es bei mir auch um Kunst, Architektur, Literatur, …

    … wer ehrlich zu sich selbst ist, muss sich auch beim Lesen von Kafka einen gewissen Schmerz zugestehen.

    Genuss von Kunst ist etwas ganz Persönliches. Wenn es weh tut, mit den Genießen einfach aufhören, …

    … unabhängig von der Meinung von "Kennern".
    De Leve Gott wull, dat wi in de Nacht eten.
    Sünst harr he nich dat Lücht in Köhlschapp mookt.

  10. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu Wieben Klas für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (09.10.2018), PrometheusXL (07.10.2018)

  11. #8
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    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    […] Die Performance hatte und hat ihre Reize, aber, wie bei vielen Street-Art-Künstlern, kommt die Ernüchterung dann, wenn man erwischt wurde und die entstandenen Kosten mit Sozialstunden bis zur Rente und darüber hinaus abarbeiten muss […]
    Nun würde die Begleichung jenes Sümmchens durch Banksy selbst oder einen mit dessen Bildern um so reicher gewordenen Förderer oder Mäzen kein Problem darstellen - es ist übrigens nicht einmal ausgeschlossen, da die Aktion geplant war, dass der anonyme Vorbesitzer des Bildes, das er 2006 vom Künstler direkt erworben haben soll, mit dem anonymen Bieter identisch ist… weswegen sollte es dann zum juristisch ausgefochtenen Rechtsstreit kommen? Und Sotheby's hat mit diesem einen derartigen Publicitygewinn erfahren, dass man großzügigerweise auf die Zahlung des am Gebot bemessenen Aufgeldes wird verzichten können.
    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    […] die Kunstkäuferwelt und deren Hohepriester (die "Kunstexperten") sind ja alle berauscht von sich selbst und ihren Expertisen […]
    Noch stärker berauscht von sich selbst scheint hingegen der über jene Gesellschaft den Kopf schüttelnde Laie zu sein, der Kunst ohnehin nur aus der SPIEGEL-Berichterstattung kennt.

    Den bei Sotheby's in Aktion vorgeführten Bilderrahmen indes sollte man in Serie bauen, es gibt schließlich Leute, die ihre Wohnung öfters mal neu dekorieren wollen - und da der bildliche Zimmerschmuck mit dem Lebensalter sowieso mehrmals ausgetauscht wird, wäre die vom Bilderrahmen vorgegebene Aufforderung, es sei Zeit, ein anderes Bildmotiv zu zeigen, doch eine nette Lebenshilfe - gerade für Leute, bei denen immer noch die alten BRAVO-Poster etwas Farbe in die Bude bringen.

  12. #9
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Ich habe kein Problem damit, wenn ich von selbstgerechten Anscheinsexperten als Banause bezeichnet werde. Ich kann mich, ohne dass mir ein Zacken aus der Krone meiner Urteilsfähigkeit fällt, kopfschüttelnd durch die Welt der vermeintlichen und vorgeblichen Einhörner bewegen, ohne auch nur einmal ins Zweifeln über meine Bewertung des Nonsens zu kommen, denn das Absurde führt sich üblicherweise unweigerlich selbst über Kurz oder Lang vor und an der Nase durch die Manege des virtuellen eigenen kulturellen Hochamts.

    Das kann auch gut im Spiegelbild der bewundernden Akklamateure und Claqueure abgelesen werden. Diese Selbstbezüglichkeiten im arroganten Pseudoelitären der sich zur Expertise berufen fühlenden sind am ehesten noch belustigend.

    Ich denke, dass der eine oder andere Künstler und Protagonist sich darüber auch im Klaren ist, und solche Aktionen der Beleuchtung der Realität des Absurden dienen sollen - durchaus intendiert im Sinne der Ausspruchs: der Kaiser ist doch nackt!
    Geändert von PrometheusXL (07.10.2018 um 11:34 Uhr)
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  13. Folgender Benutzer sagt Danke zu PrometheusXL für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (09.10.2018)

  14. #10
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    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    […] Ich kann […], ohne auch nur einmal ins Zweifeln über meine Bewertung des Nonsens zu kommen […]
    Die Fähigkeit, zu zweifeln, ist halt in unserer Gesellschaft recht schwach entwickelt, und dabei ist sie eine der grundlegenden Voraussetzungen dafür, sich philosophischen Fragen zu nähern, auch solchen, die Künstler zumeist intuitiv in ihrem Werke streifen…
    Der Threadtitel weist ja schon darauf hin, dass Deiner Meinung nach jedes Kunstwerk, das zu schaffen sein Künstler die nötige Zeit aufgebracht hat, mit demselben Recht, von jenem, der's nicht betrachten mag, der Abfallgrube zugeführt werden dürfe. Und da selbst die Formulierung im allgemeinen Sprachgebrauch dermaßen verankert ist, dass sie auch schon als Buchtitel Verwendung gefunden hat, ist der Volkstümlichkeit von Kunstbetrachtung und ästhetischer Wertschätzung Tür und Tor geöffnet. Und da die Abfallwirtschaft ein Wachstumsmarkt ist, ist in den Augen mancher alles Müll.

  15. #11
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    Wenn jemand beginnt, sogar missionarisch zu argumentieren, diese oder jene Art von Kunst sei akzeptabel oder nicht, dann ist es dessen persönliches Kunstwerk von Meinungsäußerung, die im Rahmen unserer Gesellschaftsordnung geschützt ist.

    Wenn dies jedoch von politischen Amtsträgern oder politisch motivierten Organisationen initiiert und in die öffentliche Meinungsbildung hineingedrückt wird, dann ist eine rote Linie überschritten und gleichzeitig deutlicher Indikator, dass ein Angriff auf die Grundlagen unserer Freiheiten im Gange ist.

    Diese Betrachtung gilt auch für die allgemein anerkannten Wissenschaften und für ihre allgemein anerkannten Methoden.

    Mal etwas zum stillen Nachdenken: "Welche politischen Amtsträger und politisch motivierten Organisationen leugnen den menschengemachten Klimawandel?"
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  16. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu Wieben Klas für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (09.10.2018), PrometheusXL (09.10.2018)

  17. #12
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Zitat Zitat von I'm a Substitute Beitrag anzeigen
    Die Fähigkeit, zu zweifeln, ist halt in unserer Gesellschaft recht schwach entwickelt, und dabei ist sie eine der grundlegenden Voraussetzungen dafür, sich philosophischen Fragen zu nähern, auch solchen, die Künstler zumeist intuitiv in ihrem Werke streifen…
    Die Fähigkeit zum Zweifeln sollte nicht die Befähigung zur Urteilsfindung in einem hinreichend beleuchteten Themenfeld einschränken. Die hohe Kunst ist nicht das Feststellen des Offensichtlichen, sondern das Erkennen, die Trennschärfe und die Bewertung von Zusammenhängen, und dazu gehört das Verständnis der zugrunde liegenden Sachverhalte, was Urteilsvermögen und das Verständnis der Inhalte der zu bewertenden Aussagen voraus setzt.

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    ArgoNaut (09.10.2018), Wieben Klas (07.10.2018)

  19. #13
    Politopia-Methusalem Avatar von ArgoNaut
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    Zitat Zitat von I'm a Substitute Beitrag anzeigen
    es ist übrigens nicht einmal ausgeschlossen, da die Aktion geplant war, dass der anonyme Vorbesitzer des Bildes, das er 2006 vom Künstler direkt erworben haben soll, mit dem anonymen Bieter identisch ist…
    ...und angeblich war auch Sotheby eingeweiht.

    Noch stärker berauscht von sich selbst scheint hingegen der über jene Gesellschaft den Kopf schüttelnde Laie zu sein, der Kunst ohnehin nur aus der SPIEGEL-Berichterstattung kennt.
    oder der von sich selbst berauschte Laie, der auch in einem Dunghaufen ein Kunstwerk zu sehen bereit ist, wenn es nur in elitärer Expertensprache "erklärt" wird...

    Den bei Sotheby's in Aktion vorgeführten Bilderrahmen indes sollte man in Serie bauen, es gibt schließlich Leute, die ihre Wohnung öfters mal neu dekorieren wollen - und da der bildliche Zimmerschmuck mit dem Lebensalter sowieso mehrmals ausgetauscht wird, wäre die vom Bilderrahmen vorgegebene Aufforderung, es sei Zeit, ein anderes Bildmotiv zu zeigen, doch eine nette Lebenshilfe - gerade für Leute, bei denen immer noch die alten BRAVO-Poster etwas Farbe in die Bude bringen.
    Wer einen Dunghaufen als Kunst anzuerkennen bereit ist, sollte sich jeder Herablassung gegenüber anderer Leute Dekorationsgewohnheiten enthalten.

    Zitat Zitat von I'm a Substitute Beitrag anzeigen
    Die Fähigkeit, zu zweifeln, ist halt in unserer Gesellschaft recht schwach entwickelt, und dabei ist sie eine der grundlegenden Voraussetzungen dafür, sich philosophischen Fragen zu nähern, auch solchen, die Künstler zumeist intuitiv in ihrem Werke streifen…
    Das stimmt, die Fähigkeit zu zweifeln, ist recht schwach entwickelt.

    Der Threadtitel weist ja schon darauf hin, dass Deiner Meinung nach jedes Kunstwerk, das zu schaffen sein Künstler die nötige Zeit aufgebracht hat, mit demselben Recht, von jenem, der's nicht betrachten mag, der Abfallgrube zugeführt werden dürfe. Und da selbst die Formulierung im allgemeinen Sprachgebrauch dermaßen verankert ist, dass sie auch schon als Buchtitel Verwendung gefunden hat, ist der Volkstümlichkeit von Kunstbetrachtung und ästhetischer Wertschätzung Tür und Tor geöffnet. Und da die Abfallwirtschaft ein Wachstumsmarkt ist, ist in den Augen mancher alles Müll.
    So ist es. Nicht alles, was einer, der zu Recht oder Unrecht als Künstler bezeichnet wird oder sich selbst als solcher sieht, in einer dafür nötigen Zeit irgend etwas erstellt, hat damit Kunst geschaffen. Die wahre Kunst liegt darin, es genügend Leuten als Kunst zu verkaufen, wenn es nicht auf Anhieb als eine solche erkannt wird. Man kann jedes Kritzikratzi, wenn man über die nötigen Sprachfähigkeiten und die nötigen psychologischen Kenntnisse oder Einfühlungsfähigkeiten verfügt, glaubhaft zu Kunst erklären.
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  21. #14
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  23. #15
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    (OT: Was ist denn das für ein Satz, den ich da im letzten Absatz von # 13 geschrieben habe? Da bin ich irgendwie grammatikalisch vom Wege abgekommen. Tut mir sorry.)
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