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Thema: Öffentliche Meinung und politische Kultur des postmodernen Bürgers

  1. #1
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    Standard Öffentliche Meinung und politische Kultur des postmodernen Bürgers

    In #491 des Gesürächs über den Ölpreis schrieb unser Forumskollege:
    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    In ordentlichen Rechtsstaaten hat die Mafia keine Chance, doch wo gibt es die auf der Erde. Und wer den Bürger schröpft, bis da Blut kommt, muss sich als Politiker nicht wundern, dass das Ansehen dieser Kaste auf unterstem Niveau rangiert, obwohl sich viele der Typen für "die Elite der Nation" halten, bestenfalls aber intellektuelles Mittelmaß verkörpern.
    Das brachte mich auf die Idee, dass ein Thread über die Erwartungen des Bürgers an seine parlamentarische Vertretung und über das diesem Amte doch inadequate Ansehen, das Politiker und Staatsorgane in der öffentlichen Wahrnehmen "genießen", sinnvoll sei.
    Wenn ein Bürger die Erwartung hegte, dass sein Wahlkreisabgeordneter die geistige Elite der Bevölkerung des Staates verkörpere, dann entspricht seine Vorstellung vom Staat doch mehr einer Aristokratie - während in den Demokratien den Neuzeit doch gerade die bürgerliche Fähigkeit, sich nach den Regeln der Vernunft und nach Kenntnisnahme und Berücksichtigung der verschiedensten Positionen, Argumente, Wünsche, Bedürfnsse und Bedenken der unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen selbst zu verwalten, zentraler Punkt jeglicher Verfassung ist.
    Dass de facto parlamentarische Debatten mit rhetorischen Mitteln emotional aufgeladene Machtkämpfe parteidoktrinärer Rivalen darstellen, hängt offenbar mit einer weit älteren Weisheit zusammen, nämlich derjenigen, nach der das Volk nach Brot und Spielen giert.

  2. #2
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Standard

    Und das Anliegen des Freds ist ... welches?
    Ein Sammelfred für alle Unmutsäußerungen und gegenläufigen Anspruchsformulierungen?

    Adäquat (adaequare) kommt übrigens als Wortsinnstamm von der Äquivalenz (proportional, angemessen, gleichmachen) und bedeutet im allgemeinen Sinne „angemessen“, „sich deckend“, „passend“, „übereinstimmend“.
    Das Gegenteil des Begriffs ist „inadäquat“ (nicht deckend, unpassend).
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  3. #3
    Don Cordhoot Avatar von Wieben Klas
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    Die einen brechen hochwissenschaftliche Diskurse über das Spaghettimonster von Zaun, andere entlarven unermüdlich die erdrückenden Indizien für die Existenz Bielefelds als fake news …

    … und dann die moderne politische Meinung des kultivierten öffentlichen Postbürgers.

    Da fragt sich doch der wache Bürger: "Ist das Kunst, oder kann es weg?"
    De Leve Gott wull, dat wi in de Nacht eten.
    Sünst harr he nich dat Lücht in Köhlschapp mookt.

  4. #4
    Politopia-Methusalem Avatar von ArgoNaut
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    Da möchte ich widersprechen.

    Es ist auch für mich immer wieder unerklärlich, wieviel Hass sich über nahezu alle Politiker ergießt, nur weil sie nicht Einsteins Hirn haben, sondern ganz normale Bürger aus der Mitte der Gesellschaft sind und gewählt wurden. Und da sie das sind, kann man durchaus von demokratischer Selbstverwaltung sprechen. Meines Erachtens speist sich der Hass aus der Vorstellung, dass Politiker nicht arbeiten und dennoch "satt verdienen", was natürlich mehr über den so neidischen wie ahnungslosen Bürger sagt als über Politiker.

    Wer die Einkommensverhältnisse in den Chefetagen schon mittelständischer Betriebe kennt, kann auch nicht im Ernst das Einkommen von Abgeordneten oder gar - behüte! - Ministern als unanständig hoch beklagen, es ist nur hoch im Vergleich zu Lehrern oder Schreinern und wird ausgeglichen durch ständige Verfügbarkeit, hämischer Kritik und dito Unsicherheit, ob´s dem Bürger auch weiterhin genehm ist, das heißt, ob man seinen Job überhaupt behält.

    Widersprechen möchte ich nur dem Satz
    Wenn ein Bürger die Erwartung hegte, dass sein Wahlkreisabgeordneter die geistige Elite der Bevölkerung des Staates verkörpere, dann entspricht seine Vorstellung vom Staat doch mehr einer Aristokratie
    was bedeuten würde, dass die Aristokratie als geistige Elite anzusehen sei.
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    (Moritz Freiherr Knigge)


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  5. Folgender Benutzer sagt Danke zu ArgoNaut für den nützlichen Beitrag:

    Wieben Klas (10.10.2018)

  6. #5
    Politopia-Urgestein Avatar von grauer kater
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    Zitat Zitat von ArgoNaut Beitrag anzeigen
    ..................Es ist auch für mich immer wieder unerklärlich, wieviel Hass sich über nahezu alle Politiker ergießt, nur weil sie nicht Einsteins Hirn haben, sondern ganz normale Bürger aus der Mitte der Gesellschaft sind und gewählt wurden..................................... .
    Von Hass kann man wohl kaum sprechen, eher von Verachtung und Mißbilligung ihres Verhaltens. Der Qualität von "Einsteins Hirn" dürften sowieso nur einzelne Menschen entsprechen, mit deren Anzahl man wohl kaum den Bundestag füllen könnte. Zudem war Einstein als Mensch auch nicht unbedingt vorbildhaft, trotz seiner Intelligenz. Die Unbeliebtheit von Politikern resultiert somit nicht daraus, dass sie keine intellektuellen Überflieger sind, sondern einzig aus der Tatsache, dass sie in vielen Fällen nach ihrer Wahl vergessen, wofür sie gewählt worden sind, was ihr Mandat beinhaltet und welche Gewissensentscheidungen erwartet werden, die der Menschlichkeit und humanistischen Grundwerten entsprechen. Zudem repräsentiert der Bundestag keineswegs die normale Mitte der Gesellschaft, denn einige Berufe sind weit überrepräsentiert. Und zur Höhe der Diäten und Vergütungen wäre nichts zu sagen, wenn Politiker ihre Pflichten erfüllen würden, wobei einige Privilegien durchaus zur Diskussion stehen sollten.

  7. #6
    Politopia-Methusalem Avatar von ArgoNaut
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    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    Von Hass kann man wohl kaum sprechen, eher von Verachtung und Mißbilligung ihres Verhaltens.
    Du gehst also ernsthaft davon aus, dass die, die ihre Kübel über der Gesamtheit der Politiker, vllt mit Ausnahme der AfD´ler, ausleeren, überhaupt wissen, was sie konkret an Politikern kritisieren könnten? Es ist wahrlich leicht, auf alles und jeden zu schimpfen, aber Ahnung haben gerade die Dauermeckerer selten.
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  8. #7
    Politopia-Urgestein Avatar von grauer kater
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    Zitat Zitat von ArgoNaut Beitrag anzeigen
    Du gehst also ernsthaft davon aus, dass die, die ihre Kübel über der Gesamtheit der Politiker, .....
    Ich gehe davon aus, dass, wenn ich Kritik übe, auch weiss, was ich kritisiere. Und um einen Menschen zu hassen, dazu muss dieser schon etwas entscheidendes getan haben, was Hass rechtfertigt. Aber Verachtung ist angebracht, wenn Politiker ihrem Mandat nicht entsprechen, wenn leichtfertig gegen das Grundgesetz verstoßen wird, wenn man sich aus der Verantwortung stielt, wie Merkel bei ihrem Besuch bei Netanyahu, indem sie die Zerstörung von Khan al Ahmar auf eindeutig palästinensischen Gebiet durch Israel als innerisraelische Angelegenheit betrachtet und damit sich sogar gegen UN-Beschlüsse stellt, oder kein Wort über die Morde der IDF in Gaza findet..........Dazu drei.vier Jahre lavieren in der Abgasaffaire anstatt als Staat zu handeln, keine Aktivitäten gegen Mietwucher zu ergreifen, die Bildungspolitik während 12/13 Jahren auf niederstes Niveau zu bringen, die Energiepolitik einzig als Abzocke für den Bürger zu gestalten und vieles andere mehr ist der Politik vorzuwerfen und wohl Grund genug für die Bürger, diese Kaste nicht mehr zu mögen. Traurig ist nur die Inkonsequenz der Bürger, indem sie immer die gleichen Nonperformer dann wieder wählen.

  9. #8
    Politopia-Methusalem Avatar von ArgoNaut
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    Kritik üben heißt, konkret zu sagen, was man falsch findet. Das tun die Hater aber nicht, sie pöbeln und hassen neiderfüllt herum und verhelfen obendrein der AfD dazu, ernsthaft Erfolge auf dem Weg in das nächste Naziregime zu ernten. Die Wahlerfolge der AfD zeigen doch, wie wenig Anstand, Vernunft und Durchblick gerade die Leute haben, die pauschal "die Politiker" bepöbeln.
    Gegen Kritik hab ich nix, aber gegen Pöbeleien.

    Und Kater, könntest du versuchen, ein EINZIGESMAL Israel und die Palästinenser aus dem Spiel zu lassen? Is ja fuschbaa.
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  10. #9
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    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    Von Hass kann man wohl kaum sprechen, eher von Verachtung und Mißbilligung ihres Verhaltens. […]
    Die bei Pegida-"Demonstrationen" als Banner oder Transparent sichtbar hochgehaltenen Galgen beispielsweise, oder auch die "Kommentare", die Politiker auf ihren social-media-Präsenzen mehrheitlich zu erhalten pflegen, deuten schon eher auf Hass hin - erstaunlicherweise zeigt sich diese latente Radikalisierung in den unterschiedlichsten Lebensbereichen, wie es auch Ernst-Dieter Lantermann in seiner Buchveröffentlichung darstellt. Was da gesellschaftlich brodelt vergrößert die Probleme nur, die da einer politischen Lösung harren.

  11. #10
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    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    […] um einen Menschen zu hassen, dazu muss dieser schon etwas entscheidendes getan haben, was Hass rechtfertigt. […]
    Nichts ist schneller gefunden als eine "Rechtfertigung", wenn Hass sich erst einmal ein Zielobjekt vorgenommen hat.

  12. Folgender Benutzer sagt Danke zu I'm a Substitute für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (10.10.2018)

  13. #11
    Politopia-Urgestein Avatar von grauer kater
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    Zitat Zitat von ArgoNaut Beitrag anzeigen
    .............................Und Kater, könntest du versuchen, ein EINZIGESMAL Israel und die Palästinenser aus dem Spiel zu lassen? Is ja fuschbaa.
    Am Verhalten deutscher Politik gegenüber diesem Staat zeigt sich, ob man aus der Geschichte wirklich etwas gelernt hat und ob Völkerrecht und Menschenrechte globale Gültigkeit besitzen. Die Verlogenheit der Anti-Antisemitismus Debatte derzeit in Deutschland wird da besonders deutlich.

    Und ich könnte gleich den Yemen dazunehmen. Deutschlands grundgesetzwidrige Waffenlieferungen in Spannungsgebiete helfen diesen Stellvertreter- und Bürgerkrieg zu verlängern und zehntausenden Menschen, vor allem Kindern, Leben und Zukunft zu stehlen.

  14. #12
    Politopia-Urgestein
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    Zitat Zitat von grauer kater Beitrag anzeigen
    […] ich könnte gleich den Yemen dazunehmen. […]
    Dann schau bitte erst einmal nach, in welchem Forumsteil ich diesem Thread angelegt habe: Deutschland - Land und Leute. Und genau hier gehört er hin, dieser Thread, weil in ihm die öffentliche Meinung der Bevölkerungsmehrheit und der lautstark politikverdrossenen Gruppierungen hierzulande zum Gespräch Anlass geben.

    Selbst wenn die Bereitschaft bzw. Tendenz weiter Bevölkerungsteile zur Radikalisierung bzw. zum Fanatismus weltweit stark ausgeprägt sein mag.

  15. Folgender Benutzer sagt Danke zu I'm a Substitute für den nützlichen Beitrag:

    ArgoNaut (10.10.2018)

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