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Thema: Ist Demokratie per se dem Tode geweiht?

  1. #1
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    Standard Ist Demokratie per se dem Tode geweiht?

    Wir sind es ja gewohnt, den Begriff "Demokratie" wie eine Art Heiligtum zu hätscheln, weil man uns das seit Jahrzehnten so beigebracht hat.
    Aber, mal im Ernst: Welche Gründe gibt es, Demokratie als politisches System für ein dauerhaft überlebensfähiges Modell zu halten? Was spricht dagegen?

  2. #2
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    *Schepper, klirr* Oh sorry, habe meine Kristallkugel gerade zerdeppert... the answer is blowin in the wind...

  3. #3
    Firecreek
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    Zitat Zitat von Spiegelfechter Beitrag anzeigen
    Wir sind es ja gewohnt, den Begriff "Demokratie" wie eine Art Heiligtum zu hätscheln, weil man uns das seit Jahrzehnten so beigebracht hat.
    Aber, mal im Ernst: Welche Gründe gibt es, Demokratie als politisches System für ein dauerhaft überlebensfähiges Modell zu halten? Was spricht dagegen?
    Ich versuch's mal mit Rousseau (Contrat Social). Seine Argumentation geht so:
    Die Regierung untersteht dem Allgemeinwillen und zwar unabhängig davon, wie sie organisiert ist, ob Monarchie, Republik oder direkte Demokratie (1762 hieß das: nicht Gott steht über dem König, sondern der öffentliche Diskurs, in dem der Allgemeinwille ermittelt wird). Diktaturen fallen als Regierungsform aus, da sie keinen Diskurs führen und daher den Allgemeinwillen nicht ermitteln, sondern ein Einzelinteresse absolut setzen (deshalb mangelt es dem Absolutismus auch an Legitimation).
    Daher schlußfolgert Rousseau, daß die Demokratie die geigneteste Regierungsform ist, um den Allgemeinwillen zu ermitteln (Kant wird später sagen, daß das Volk der Souverän ist, also über der Regierung steht).
    Zwei Probleme sieht Rousseau: 1. Große Nationalstaaten können nur durch eine repräsentative Demokratie organisiert werden (im Unterschied zur Polis, in der der freie Bürger seine Stimme direkt abgeben konnte. Man beachte: Rousseau war Schweizer, und die Schweizer praktizieren bis heute noch so etwas wie eine direkte Demokratie: Volksbefragungen, turnusmäßiger Wechsel des Regierungschefs/chefin etc.).
    2. Die Repräsentanten können gekauft werden, um entsprechend einer Interessenvereinigung abzustimmen. Lobbyismus und Korruption lassen sich kaum sauber voneinander trennen.
    Daher schlußfolgert Rousseau, daß die Demokratie die beste Regierungsform wäre, sofern alle Menschen Engel wären.
    Rousseau war wahrscheinlich der erste Kulturpessimist.

  4. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu Firecreek für den nützlichen Beitrag:

    koboldblau (06.05.2010), Spiegelfechter (06.05.2010)

  5. #4
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    Schwierige und zugleich sehr interessante Frage.

    In einer Demokratie "regiert" die Mehrheit, was automatisch bedeutet, dass Minderheiten in dem Grade das Nachsehen haben, in dem sie nicht in die Entscheidungen der Mehrheiten einbezogen sind. Das Risiko "unterdrückter" oder nicht berücksichtigter Minderheitsinteressen ist also sehr hoch. Je nach "Gesinnung" bzw. Form der Sozialisierung/Werte/Kultur/Moral/Ethik der jeweiligen Gesellschaft.

    Manchmal denke ich, dass ich vielleicht lieber unter einem menschenfreundlichen und wohlgesonnenem Monarchen mit einer Persönlichkeit wie z.B. Ghandi, Bhumipol oder Nelson Mandela leben würde, als in einer Demokratie mit egoistischen Menschen, die nur $$ in den Augen haben.

    TM, Volksabstimmung in D sehr ängstlich gegenüberstehend
    STELL DIR VOR ES IST DEMO UND JEDER GEHT HIN

    Wären Menschen Banken . . . . . .

  6. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu That's me für den nützlichen Beitrag:

    Spiegelfechter (06.05.2010)

  7. #5
    shut down Avatar von koboldblau
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    Standard Die Empirie ?

    Zitat Zitat von Spiegelfechter Beitrag anzeigen
    Was spricht dagegen?
    Dass sie auch weiland im alten Athen nur etwa 80 Jahre vorgehalten hat, um dann der Tyrannei zu weichen.
    __________________________________________________ _____________________
    Sobald man mir eine Dummheit nachgewiesen hat, setze ich schnell eine andere an ihre Stelle.

    Voltaire

  8. Folgender Benutzer sagt Danke zu koboldblau für den nützlichen Beitrag:

    Spiegelfechter (06.05.2010)

  9. #6
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    Zitat Zitat von Firecreek Beitrag anzeigen
    Daher schlußfolgert Rousseau, daß die Demokratie die beste Regierungsform wäre, sofern alle Menschen Engel wären.
    Und?
    Sind die Menschen Engel?
    Ist Rousseaus Schlussfolgerung logisch und schlüssig?

  10. #7
    shut down Avatar von koboldblau
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    Standard Wie, was ? Wieso der erste...

    Zitat Zitat von Firecreek Beitrag anzeigen
    Rousseau war wahrscheinlich der erste Kulturpessimist.
    Du kennst doch die Lästerschriften der Altvorderen über die antike Athener Misswirtschaft ??
    __________________________________________________ _____________________
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    Voltaire

  11. #8
    An allem schuld Avatar von PrometheusXL
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    Standard noch interessanter...

    Zitat Zitat von That's me Beitrag anzeigen
    Schwierige und zugleich sehr interessante Frage.

    In einer Demokratie "regiert" die Mehrheit, was automatisch bedeutet, dass Minderheiten in dem Grade das Nachsehen haben, in dem sie nicht in die Entscheidungen der Mehrheiten einbezogen sind. Das Risiko "unterdrückter" oder nicht berücksichtigter Minderheitsinteressen ist also sehr hoch. Je nach "Gesinnung" bzw. Form der Sozialisierung/Werte/Kultur/Moral/Ethik der jeweiligen Gesellschaft.

    Manchmal denke ich, dass ich vielleicht lieber unter einem menschenfreundlichen und wohlgesonnenem Monarchen mit einer Persönlichkeit wie z.B. Ghandi, Bhumipol oder Nelson Mandela leben würde, als in einer Demokratie mit egoistischen Menschen, die nur $$ in den Augen haben.

    TM, Volksabstimmung in D sehr ängstlich gegenüberstehend

    ... wird es, wenn die "relative mehrheit" faktisch zur dominanz einer minderheit führt...
    "Kluge lernen aus allem und von jedem, der Durchschnitt aus Erfahrungen und die Dummen brauchen nichts zu lernen, denn die wissen bereits alles, vor allem besser."
    (sinngemäß nach Sokrates, 470 - 399 v. Chr.)

  12. #9
    Eigenbrötler Avatar von schlabund
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    Standard

    Zitat Zitat von That's me Beitrag anzeigen
    Schwierige und zugleich sehr interessante Frage.

    In einer Demokratie "regiert" die Mehrheit, was automatisch bedeutet, dass Minderheiten in dem Grade das Nachsehen haben, in dem sie nicht in die Entscheidungen der Mehrheiten einbezogen sind..................


    Hm, wieso hab ich den Eindruck, dass es in den meisten westlichen "Demokratien" umgekehrt ist............


    greetz
    Wenn Gott von meinen Plänen wüßte, er käme vor lachen nicht mehr in den Schlaf.

    Kinks

    Ich bin eigentlich ein netter Kerl, wenn ich Freunde hätte, könnten die das bestätigen....

    www.nachdenkseiten.de

  13. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu schlabund für den nützlichen Beitrag:

    PrometheusXL (06.05.2010)

  14. #10
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    Der Begriff "Demokratie" ist in Ländern, die sich demokratisch nennen, ein Tabu.

  15. #11
    shut down Avatar von koboldblau
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    Zitat Zitat von Spiegelfechter Beitrag anzeigen
    Der Begriff "Demokratie" ist in Ländern, die sich demokratisch nennen, ein Tabu.
    Sagst Du das, oder
    ist es erwiesen , oder
    ist es ein Zitat ?
    __________________________________________________ _____________________
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    Voltaire

  16. Folgender Benutzer sagt Danke zu koboldblau für den nützlichen Beitrag:

    Spiegelfechter (06.05.2010)

  17. #12
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    Zitat Zitat von schlabund Beitrag anzeigen
    Hm, wieso hab ich den Eindruck, dass es in den meisten westlichen "Demokratien" umgekehrt ist............greetz
    Vielleicht deshalb, weil eine uninformierte, sich von den Medien und Worten verblenden lassende Mehrheit eine verlogene machtbesessene Minderheit mit $$ in den Augen als ihre vermeintliche Interessensvertreter wählt?

    TM, rätselnd
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  18. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu That's me für den nützlichen Beitrag:

    schlabund (06.05.2010)

  19. #13
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    "Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit."
    Rede der Vorsitzenden der CDU Deutschlands, Dr Angela Merkel, MdB, anlässlich der Festveranstaltung "60 Jahre CDU" am 16. Juni 2005, Berlin
    http://www.cdu.de/doc/pdf/05_06_16_R..._Jahre_CDU.pdf

  20. Folgende 3 Benutzer sagen Danke zu A0542 für den nützlichen Beitrag:

    PrometheusXL (06.05.2010), That's me (06.05.2010)

  21. #14
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    Zitat Zitat von PrometheusXL Beitrag anzeigen
    ... wird es, wenn die "relative mehrheit" faktisch zur dominanz einer minderheit führt...
    Und man sich dann nicht einmal "gewaltsam" dagegen wehren darf und kann ;-)

    TM, unsicher, ob sie richtig interpretierte
    STELL DIR VOR ES IST DEMO UND JEDER GEHT HIN

    Wären Menschen Banken . . . . . .

  22. Folgender Benutzer sagt Danke zu That's me für den nützlichen Beitrag:

    PrometheusXL (06.05.2010)

  23. #15
    Firecreek
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    Zitat Zitat von That's me Beitrag anzeigen
    Schwierige und zugleich sehr interessante Frage.

    In einer Demokratie "regiert" die Mehrheit, was automatisch bedeutet, dass Minderheiten in dem Grade das Nachsehen haben, in dem sie nicht in die Entscheidungen der Mehrheiten einbezogen sind. Das Risiko "unterdrückter" oder nicht berücksichtigter Minderheitsinteressen ist also sehr hoch. Je nach "Gesinnung" bzw. Form der Sozialisierung/Werte/Kultur/Moral/Ethik der jeweiligen Gesellschaft.

    Manchmal denke ich, dass ich vielleicht lieber unter einem menschenfreundlichen und wohlgesonnenem Monarchen mit einer Persönlichkeit wie z.B. Ghandi, Bhumipol oder Nelson Mandela leben würde, als in einer Demokratie mit egoistischen Menschen, die nur $$ in den Augen haben.

    TM, Volksabstimmung in D sehr ängstlich gegenüberstehend
    Eine Anmerkung: der Allgemeinwille ist aus der Sicht Rousseaus nicht mit dem Mehrheitswillen identisch. Vielmehr ist er der Vernunft, dem vernünftigen Argument, verpflichtet. Die Mehrheit kann sich täuschen. Bsp. Bürgerbefragung zur Reduzierung von CO2 (insofern CO2 das Klima unnatürlich erwärmt, ist es vernünftig den CO2 Ausstoß zu reduzieren): "Würden Sie darauf verzichten, samstags mit ihrem PKW in die Innenstadt zum Einkaufen zu fahren?" Wahrscheinlich würden 70% der Befragten mit nein antworten - entgegen der Vernunft. Arbeitsplätze stehen nach allgemeinem Verständnis nämlich über dem Klimaschutz, obgleich ein jedes Kind weiß, daß die Lebensfähigkeit des Planeten die Bedingung menschlicher Existenz schlechthin ist und daher vernünftigerweise (Allgemeinwille) erhalten werden muß.

  24. Folgende 3 Benutzer sagen Danke zu Firecreek für den nützlichen Beitrag:

    schlabund (06.05.2010), That's me (06.05.2010)

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