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Thema: Syrien

  1. #3211
    Politopia-Haudegen Avatar von Alpin
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    Zitat Zitat von Verbalwalze Beitrag anzeigen
    Der Westen bzw. die USA haben Assad den Arsch vor dem IS gerettet, bevor Russland gekommen ist. Darüber mag natürlich keiner der Beteiligten reden, aber so isses.
    Jetzt wo der IS als Puffer raus ist, wird es natürlich etwas eng. Aber Angriffe auf wenige vorhersagbare Ziele sind in keinster Weise geeignet, Assads Machtposition zu gefährden. Das sind Alibi- und wahrscheinlich sogar Frusthandlungen.
    Denn in Syrien geht gar nichts, weil praktisch alle beteiligten Fraktionen satt in der roten Zone sind. Deswegen und das ist hier ja auch schon gesagt worden, sollte man sich raushalten, da gibt es gar nichts zu gewinnen.
    Blödsinn, tut mir leid, aber das ist kompletter Quatsch. Der IS klopfte bereits an die Pforte von Damaskus als sich die Russen entschlossen selbst einzugreifen. Es waren die Russen im Verbund mit Iran, welche Assad den IS und andere, aus dem Ausland finanzierte Rebellen, vom Hals hielten und schlußendlich hinter den Euphrat zurück trieben.

    Ich bin verantwortlich für das, was ich sage, und nicht für das,
    was du verstehst.

    "Der Zynismus ist meine Rüstung, der Sarkasmus mein Schwert und die Ironie mein Schild."




  2. Folgende 3 Benutzer sagen Danke zu Alpin für den nützlichen Beitrag:

    Dieter59 (15.04.2018), grauer kater (15.04.2018), gun0815 (15.04.2018)

  3. #3212
    Kontrollfreak Avatar von Zippo
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    Zitat Zitat von Alpin Beitrag anzeigen
    Der Kampf um Duma war entschieden, die salafistischen Rebellen waren auf engstem Raum eingeschlossen und chancenlos - sitting ducks wie der Amerikaner sagt. Wenn ich einzelne Wiederstandsnester ausräuchern will reicht Tränengas völlig aus (vielleicht war es das auch). Tödliches Giftgas wäre mir auf diesem engen Raum viel zu gefährlich.
    Hier vom Sofa aus kann man so einiges behaupten was den Ablauf des Gefechts angeht. Aufgrund der miserablen Informationslage in Syrien stehen wir halt vor der Wahl zwischen verschiedenen verkündeten "Wahrheiten".

    Nur: Anders als in vielen anderen Kriegen gibt es schlichtweg keine neutralen, internationalen Journalisten vor Ort. Assad hat sie alle unmittelbar nach Ausbruch des Bürgerkrieges rausgekickt, womit er das mediale Spielfeld VT-Leuten, Sofaexperten und sonstigen geltungsgeilen Leuten überlassen hat. Was bleibt sind irgendwelche Bilder mit Kindern, die mit Atemnot im Krankenhaus liegen, irgendwelche Satellitenbild-Faktenfinder, die glauben belegen zu können, dass per Helikopter mindestens zwei große Fässer abgeworfen wurden und mindestens 34 Menschen getötet wurden. Andererseits sollen die behandelnden Ärzte behauptet haben, es gäbe keinerlei Anzeichen für eine C-Waffenvergiftung, die Leichen sollen vor den Fotos möglichst dramatisch arrangiert worden sein und die russische Presse schwankt zwischen Zweifeln an dem Einsatz chemischer Waffen und einem chemischen False-Flag-Angriff der Briten.

    Alles in allem: Wir wissen nichts. Mein persönliches Misstrauen gebührt aber im Zweifel immer denjenigen, die eine freie Berichterstattung verhindern.
    Zitat Zitat von Alpin Beitrag anzeigen
    Was wir gesehen haben war eine Show of Force und ein Waffentest unter realen Bedingungen, sowohl was westliche Marschflugkörper als auch die russische Luftabwehr angeht.
    Noch nicht mal das. Nur ein symbolischer Akt mit alten Waffen gegen längst geräumte und evakuierte Anlagen.


  4. Folgender Benutzer sagt Danke zu Zippo für den nützlichen Beitrag:

    Uncas (15.04.2018)

  5. #3213
    Politopia-Methusalem Avatar von ArgoNaut
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    Zitat Zitat von Zippo
    Alles in allem: Wir wissen nichts. Mein persönliches Misstrauen gebührt aber im Zweifel immer denjenigen, die eine freie Berichterstattung verhindern.
    Genau so ist es. Und trotzdem: Zweifel, Misstrauen, Fehlinformationen kommen oft von allen Seiten.
    Gelassenheit ist die Grundvoraussetzung für Höflichkeit

    (Moritz Freiherr Knigge)


    Everyone is entitled to their own opinion but not their own facts

    (Daniel Patrick Moynihan)

  6. #3214
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    Sehr guter Beitrag zum Thema:

    The ‘anti-imperialism’ of idiots

    More than half a million Syrians have been killed since 2011. The vast majority of civilian deaths have been through the use of conventional weapons and 94 per cent of these victims were killed by the Syrian-Russian-Iranian alliance. There is no outrage or concern feigned for this war, which followed the regime’s brutal crackdown on peaceful, pro-democracy demonstrators. There’s no outrage when barrel bombs, chemical weapons and napalm are dropped on democratically self-organized communities or target hospitals and rescue workers. Civilians are expendable; the military capabilities of a genocidal, fascist regime are not. In fact the slogan ‘Hands off Syria’ really means ‘Hands off Assad’ and support is often given for Russia’s military intervention. This was evident yesterday at a demonstration organized by Stop the War UK where a number of regime and Russian flags were shamefully on display.
    This left exhibits deeply authoritarian tendencies, one that places states themselves at the centre of political analysis. Solidarity is therefore extended to states (seen as the main actor in a struggle for liberation) rather than oppressed or underprivileged groups in any given society, no matter that state’s tyranny. Blind to the social war occurring within Syria itself, the Syrian people (where they exist) are viewed as mere pawns in a geo-political chess game. They repeat the mantra ‘Assad is the legitimate ruler of a sovereign country’. Assad – who inherited a dictatorship from his father and has never held, let alone won, a free and fair election. Assad – whose ‘Syrian Arab Army’ can only regain the territory it lost with the backing of a hotchpotch of foreign mercenaries and supported by foreign bombs, and who are fighting, by and large, Syrian-born rebels and civilians. How many would consider their own elected government legitimate if it began carrying out mass rape campaigns against dissidents? It’s only the complete dehumanization of Syrians that makes such a position even possible. It’s a racism that sees Syrians as incapable of achieving, let alone deserving, anything better than one of the most brutal dictatorships of our time.
    For this authoritarian left, support is extended to the Assad regime in the name of ‘anti-imperialism’. Assad is seen as part of the ‘axis of resistance’ against both US Empire and Zionism. It matters little that the Assad regime itself supported the first Gulf war, or participated in the US illegal rendition programme where suspected terrorists were tortured in Syria on the CIA’s behalf. The fact that this regime probably holds the dubious distinction of slaughtering more Palestinians than the Israeli state is constantly overlooked, as is the fact that it’s more intent on using its armed forces to suppress internal dissent than to liberate the Israeli-occupied Golan.
    This ‘anti-imperialism’ of idiots is one which equates imperialism with the actions of the US alone.
    Instead they adopted the ‘War on Terror’ discourse, once the preserve of neo-cons, now promulgated by the regime, that all opposition to Assad are jihadi terrorists. They turned a blind eye to Assad filling his gulag with thousands of secular, peaceful, pro-democracy demonstrators for death by torture, whilst releasing militant-Islamists from prison. Similarly, the continuing protests held in liberated areas in opposition to extremist and authoritarian groups such as Daesh, Nusra and Ahrar Al Sham have been ignored. Syrians are not seen as possessing the sophistication to hold a diverse range of views. Civil society activists (including many amazing women), citizen journalists, humanitarian workers are irrelevant. The entire opposition is reduced to its most authoritarian elements or seen as mere conduits for foreign interests.
    https://leilashami.wordpress.com/201...ism-of-idiots/

    100% zutreffend.
    Ich hätte es nicht besser sagen können.
    Geändert von Uncas (15.04.2018 um 12:40 Uhr)
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  7. #3215
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    Zitat Zitat von Alpin Beitrag anzeigen
    Blödsinn, tut mir leid, aber das ist kompletter Quatsch. Der IS klopfte bereits an die Pforte von Damaskus als sich die Russen entschlossen selbst einzugreifen. Es waren die Russen im Verbund mit Iran, welche Assad den IS und andere, aus dem Ausland finanzierte Rebellen, vom Hals hielten und schlußendlich hinter den Euphrat zurück trieben.

    Der Titel des Videos ist ein wenig irreführend, da John Kerry in ihm nicht vom IS spricht.
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  8. #3216
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    Zitat Zitat von BudSpencer Beitrag anzeigen
    Darauf können wir uns sofort einigen.

    Über Deine ständigen Hinweise Assad hätte den Krieg ganz alleine angefangen, was ja auch die Walze vehement behauptet um den Schaden den die Amis angerichtet haben auf den Irak zu beschränken, habe ich eine Weile nachgedacht und mir auch das eine oder andere angeschaut oder gelesen. Meiner Meinung nach ist das zu einfach. Es blendet die ganze Vorgeschichte aus, angefangen bei Mossadegh mit Briten und CIA und das ist unzulässig. Mossadegh-Schah-Chomeini-Gaddafi-Al-Qaida-Saddam-irakisch/persischer Krieg-Vernichtung des Irak-marodierende Horden in einem vernichteten Land, die auch grenzüberschreitend agieren. Gefolgt von den sunnitisch-islamistischen Einheiten des IS und einer ganzen Menge Subeinheiten, Erdi und seine Ambitionen, die Saudis, der Iran, Sunniten, Schiiten und Alawiten, arabischer Frühling und dann erst kommt die Demonstration wo Assad die Demonstranten getötet hat. Das hat alles eine verstörende Kausalität, einen dramatisch zusammenhängenden Ablauf. Ich betrachte die Katastrophe in Syrien nicht als gesondert stehend und nur Assad als Schuldigen. Das ist im Gesamtbild einfach falsch. Das kann man auch sagen ohne seine Morde zu relativieren. Aber sonst - ja, raus da und keine provokanten millitärischen Abenteuer.
    Ja gut, wenn du den Bogen so weit schlagen willst, dann ist alles irgendwie verknüpft.
    Der jetzige Bürgerkrieg in Syrien fing jedoch mit Assads Massakern an seiner Bevölkerung an. 92% der zivilen Todesopfer in Syrien sind auf Assads Armee zurückzuführen. Man muss kein Genie sein um zu erkennen, wer mit Abstand am meisten Blut vergossen hat und das nur zum Machterhalt eines illegitimen Regimes, das vom Großteil seiner Bevölkerung abgelehnt wird. Glaubst nach solchen Massakern ist die Beliebtheit irgendwie gewachsen? Auch nur ein bisschen?
    Aber schlagen wir den Bogen etwas weiter, von mir aus.
    Weisst du, wo es noch einen Zusammenhang gibt?
    Zwischen der Herrschaft der nahöstlichen Diktaturen und dem Erstarken des Islamismus. Ich weiss, es ist ein beliebter Mythos der "anti-imperialistischen" (die aber den Imperialismus der anderen Seite bejubeln) Assad- und Putinfreundlichen Achse, das der Westen das alles erfunden und in die Welt gesetzt hat. Vorher waren die Bürger dort glücklich und friedlich, bis die USA kamen und den islamistischen Terror erfunden haben.
    In Wahrheit ist es aber so, dass der Islamismus, der als antikoloniale Bewegung begonnen hatte, zu einer Gegenbewegung gegen fast sämtliche, nahöstliche Diktatoren herangewachsen ist.
    Die Entfremdung Assads von seinem Volk, die Durchsetzung seiner Macht durch Mord und Terror hat dafür gesorgt, dass seine Armee beim ersten Zeichen einer Krise beinahe zu Staub zerfiel. Das Islamisten eine glaubwürdige und erstrebenswerte Opposition für große Teile der Bevölkerung darstellen, war eine weitere Folge davon.
    Assad würde alleine gegen sein Volk nicht überleben.
    Dasselbe ist damals im Iran passiert. Oder in Tunesien, wo Habib Bourguiba eine elitenorientierte Politik durchgedrückt hatte, die das Volk entfremdet hat. Wo Ben Ali, sein kleptokratisches Regime nur noch mit aller Macht durchsetzen konnte, bis er gestürzt wurde, weil er überhaupt keine Freunde mehr hatte.
    Selbiges in Libyen oder Ägypten. Jahrzehntelang hat man versucht, dass Problem wegzufoltern, wegzumorden und wegzusperren.
    Das hat zum arabischen Frühling geführt. Das hat dazu geführt, dass die Islamisten immer stärker wurden. Es hat dazu geführt, dass Sie im Iran die Macht haben, dass Libyen und Tunesien die stärksten Kontingente ausländischer Kämpfer bei den Taliban und bei Al-Quaida stellten und das in ägyptischen Folterknästen die islamistischen Gallionsfiguren immer radikaler wurden.
    Aus Ägypten stammt das Gedankengut für so ziemlich alle islamistischen Terrororganisationen, die heute das Geschehen beherrschen. Muslimbrüder, Hamas, Al-Quaida, Nusra, ISIS etc.
    Würdest du sagen, dass Mubaraks Konzept zur Bekämpfung des islamistischen Terrors besonders erfolgreich war, angesichts dieser Tatsachen? Sie haben ja sogar die Rädelsführer teils außergerichtlich hingerichtet (Hassan al-Banna). Hat das etwas gebracht? Nein, es hat die Spirale nur beschleunigt.
    Wer hat in Syrien denn den Boden dafür bereitet, dass aus einem Strohfeuer ein Flächenbrand werden konnte? Wer hat den Acker bestellt, auf dem der islamistische Terror wie Pilze aus dem Boden sprießen konnte? Die Assads. Und andernorts die Husseins, die Mubaraks. Und so weiter.
    Mit denselben erfolglosen Methoden, mit denen alle anderen Diktaturen in der Region gescheitert sind. Und das Scheitern wird weitergehen, weil der Großteil des Volkes ihn und seinen Clan immer noch hasst.
    Wenn Assad nicht tiefgreifend Reformen zulässt und den 75% seiner Bevölkerung, die ihn nicht haben wollen Konzessionen macht, ist der nächste gewaltsame Konflikt vorprogrammiert. Und das ist das alleinige Versagen des Assad-Clans, wenn es soweit kommt. Das ist ja nun auch schon die zweite Runde. Und nun soll es die Lösung sein, so weiterzumachen, wie es schon einmal nicht geklappt hat?
    Kann ich nicht ganz nachvollziehen.
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  9. Folgende 3 Benutzer sagen Danke zu Uncas für den nützlichen Beitrag:

    BudSpencer (17.04.2018), PrometheusXL (16.04.2018), Zippo (16.04.2018)

  10. #3217
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    Zitat Zitat von Uncas Beitrag anzeigen
    Assad würde alleine gegen sein Volk nicht überleben.
    Aber die Diktatoren waren eben die meiste Zeit nicht alleine, sondern konnten sich auf den Support ehemaliger Kolonialherren, kalter Krieger und Öl-Gierschlunden aus aller Welt stützen. In dieser Kausalitätskette wäre es vielleicht ohne diese Gier der Großmächte (zu denen auch UdSSR/Russland gehört) nicht zu einer derartigen Radikalisierung der oppositionellen Kräfte gekommen. Es hätte bereits vor Jahrzehnten Revolten und Aufstände und vielleicht sogar einen Demokratisierungsprozess gegeben, stattdessen haben wir heute ein riesiges Pulverfass.

    In dieser Hinsicht ist auch das derzeitige Engagement der Russen in Syrien bloß ein weiteres Kapitel des Irrwegs. Besonders erstaunlich finde ich dabei die Kritiklosigkeit der Putinsympathisanten, wo sie doch über die strategische Blödheit der USA der letzten Jahrzehnte in Nahost so toll informiert sind. Im Grunde macht Putin doch bloß den selben Fehler wie George W. Bush und wird sich auf Dauer im selben Endlosgefecht wiederfinden, den die USA in Irak und Afghanistan erleben.


  11. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu Zippo für den nützlichen Beitrag:

    BudSpencer (17.04.2018), PrometheusXL (16.04.2018)

  12. #3218
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    Zitat Zitat von Zippo Beitrag anzeigen
    Aber die Diktatoren waren eben die meiste Zeit nicht alleine, sondern konnten sich auf den Support ehemaliger Kolonialherren, kalter Krieger und Öl-Gierschlunden aus aller Welt stützen.
    Was das Narrativ der Islamisten noch bestärkt hat, nämlich das all diese Diktaturen Handlanger des Westens oder des Ostens sind. Russlands Eingriff, dürfte das Bild noch weiter bestärkt haben.

    Zitat Zitat von Zippo Beitrag anzeigen
    In dieser Kausalitätskette wäre es vielleicht ohne diese Gier der Großmächte (zu denen auch UdSSR/Russland gehört) nicht zu einer derartigen Radikalisierung der oppositionellen Kräfte gekommen. Es hätte bereits vor Jahrzehnten Revolten und Aufstände und vielleicht sogar einen Demokratisierungsprozess gegeben, stattdessen haben wir heute ein riesiges Pulverfass.
    Exakt genau so ist es. Und die momentane Strategie scheint ernsthaft zu sein, den Deckel einfach noch fester draufzuhalten als bisher. Ich prognostiziere mal, dass das dominoartige Zusammenbrechen der Staaten in der Region weitergehen wird und entweder der IS sich woanders neu formiert oder es eine neue Gruppierung geben wird, die noch mehr Erfolg haben wird als alle vorherigen.
    Das immer härtere Durchgreifen hat ja ironischerweise dazu geführt, das diese Gruppierungen immer stärker werden.
    Je mehr Leute Sisi in Ägypten umbringen lässt, desto mehr fassen sie Fuß im Sinai etc.

    Zitat Zitat von Zippo Beitrag anzeigen
    In dieser Hinsicht ist auch das derzeitige Engagement der Russen in Syrien bloß ein weiteres Kapitel des Irrwegs. Besonders erstaunlich finde ich dabei die Kritiklosigkeit der Putinsympathisanten, wo sie doch über die strategische Blödheit der USA der letzten Jahrzehnte in Nahost so toll informiert sind. Im Grunde macht Putin doch bloß den selben Fehler wie George W. Bush und wird sich auf Dauer im selben Endlosgefecht wiederfinden, den die USA in Irak und Afghanistan erleben.
    Ganz meine Rede. Die Kritiklosigkeit, ja sogar die Unterstützung all dessen, macht mich angesichts der dem innewohnenden offensichtliche Doppelmoral der "Antiimperialisten" ein bisschen sprachlos.
    Nichts wahrhaft Wertvolles erwächst aus Ehrgeiz oder bloßem Pflichtgefühl, sondern vielmehr aus Liebe und Treue zu Menschen und Dingen. (Albert Einstein)


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    PrometheusXL (16.04.2018)

  14. #3219
    Märzkämpfer Avatar von grimmstone
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    Zitat Zitat von Uncas Beitrag anzeigen


    .
    Assad würde alleine gegen sein Volk nicht überleben.
    Das ist natürlich Blödsinn.
    Syrien war/ist ein säkularer Staat.
    Und das unter feudalistischen Vorzeichen(!). Etwas anderes ist dort noch nicht möglich.

    Assad, und seine Vorgänger, haben diesen Staat nach europäischen Muster aufgebaut. Die Ausbildung der Intelligenz erfolgte u. a. auch in der DDR.
    Deshalb gibt/gab es dort eine gute Landwirtschaft und Industrie.
    Die Menschen lebten gut.

    Natürlich gab es eine Bewegung hin zur Demokratie. Diese Bewegung wurde von der IS ausgenutzt.
    Der sogenannte arabische Frühling, eine Inszenierung der USA, führte zum Bürgerkrieg.
    Alle arabischen Staaten, außer Saudi-Arabien und Syrien erlagen zunächst.
    Irak wurde von den USA angegriffen......

    Das Ergebnis dieser Nichtbeachtung gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten ergab diesen Rest-Krieg in Syrien.
    Dieser ist nun vorbei.
    Trump, May, Macron usw. haben einen Krieg verloren.
    Ich nenne bewusst diese Namen, weil diese Kriegsverbrecher sind, denn die Bevölkerung dieser Länder wollen keinen Krieg.
    Es gibt wohl nur wenige Tiere, die uns für Menschen halten.
    Alfred Brehm

  15. #3220
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    Zitat Zitat von grimmstone Beitrag anzeigen
    Der sogenannte arabische Frühling, eine Inszenierung der USA, führte zum Bürgerkrieg.
    Das ist genau das was ich meine. Wie kommst du darauf? Ich war 2007 zum Studium in Ägypten. Dort war an jeder Ecke zu spüren, dass es bald knallt. Die Regierung hatte Unterstützungswerte die absolut im Keller waren. Praktisch niemand wollte diese Regierung mehr. Angst war das einzige, was die Menschen hat spuren lassen.
    Aufgrund von Jahrzehnten von Folter, Mord, Misswirtschaft.
    Selbiges gilt/galt für die meisten anderen arabischen Staaten. Auch Assad.
    Die Amis mussten da überhaupt nichts beisteuern. Das war ein Selbstläufer.
    Daher haben die Muslimbrüder auch 5 Wahlen hintereinander, mit absoluter Mehrheit gewonnen. Das wäre in Syrien nicht anders. Warum sollten die Amis etwas inszenieren, das ihre erklärten Gegner an die Macht spült? Das macht keinen Sinn.
    Nichts wahrhaft Wertvolles erwächst aus Ehrgeiz oder bloßem Pflichtgefühl, sondern vielmehr aus Liebe und Treue zu Menschen und Dingen. (Albert Einstein)


  16. #3221
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    Zitat Zitat von grimmstone Beitrag anzeigen
    Das ist natürlich Blödsinn.
    Syrien war/ist ein säkularer Staat.
    Und das unter feudalistischen Vorzeichen(!). Etwas anderes ist dort noch nicht möglich.
    Es gab mal eine Zeit, da hatten die Baath-Partei und andere arabische Nationalisten Mehrheiten in ihren Ländern. Ägypten, Syrien, Jordanien, Irak. Diese Zeiten sind nun schon etwas länger vorbei und der Assad-Clan hat sich zuletzt immer weiter vom Großteil der Bevölkerung entfremdet und sich fast nur noch um die Belange seiner Bevölkerungsgruppe und seines erweiterten Clans gekümmert. Der Rest wurde weggefoltert oder weggesperrt und das schon seit den 80er Jahren. Das bahnt sich alles schon lange an.

    Zitat Zitat von grimmstone Beitrag anzeigen
    Assad, und seine Vorgänger, haben diesen Staat nach europäischen Muster aufgebaut. Die Ausbildung der Intelligenz erfolgte u. a. auch in der DDR.
    Deshalb gibt/gab es dort eine gute Landwirtschaft und Industrie.
    Die Menschen lebten gut.
    Wenn sie Assad und dem Regime die Treue hielten. Ansonsten verschwanden sie in Folterknästen. Schon in den 80ern gab es militärische Aufstände gegen die Assads. Etwa 75% der Syrer sind Sunniten und die Mehrheit davon lehnt Assad ab.
    Die Proteste fingen gar nicht mit dem Ruf nach einem Regierungswechsel an, sondern waren wie in Tunesien ein Ausdruck der Unzufriedenheit über den wirtschaftlichen Zustand, den Ausnahmezustand, der für 50 Jahre schon anhielt, Misswirtschaft, Korruption, eine seit 2006 anhaltende Dürreperiode, auf die Assad keine Antwort hatte bzw. bei deren Management versagte, etc.

    Asad beging entscheidende Fehler in der Agrarpolitik. Er subventionierte Hartweizen oder Baumwolle, deren Anbau viel Wasser benötigt, und förderte ungeeignete Techniken der Bewässerung. Die Trockenheit vertrieb 1,5 Millionen Menschen aus ihren Dörfern. Viele zogen an die Ränder der grossen Städte.
    Klick

    Erst als Assad mit Scharfschützen in die Menge schiessen ließ eskalierte es. Und schnell stellte sich heraus, dass sein Rückhalt ausserhalb seiner Kernländereien gleich null ist. Dort stehen die Alawiten wie eine Mauer hinter ihm, weil sie wissen was passieren wird, wenn die Sunniten übernehmen: Rache.
    Aber es kann nicht die Rede davon sein, das da irgendwelche Unruhe von aussen eingepflanzt wurde. Das ist in den arabischen Diktaturen absolut hausgemacht, denn die haben auf ganzer Linie versagt und sind daher zusammengebrochen.

    Zitat Zitat von grimmstone Beitrag anzeigen
    Das Ergebnis dieser Nichtbeachtung gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten ergab diesen Rest-Krieg in Syrien.
    Dieser ist nun vorbei.
    Trump, May, Macron usw. haben einen Krieg verloren.
    Ich nenne bewusst diese Namen, weil diese Kriegsverbrecher sind, denn die Bevölkerung dieser Länder wollen keinen Krieg.
    Nein. Aber ausser der erweiterte Clan von Assad, wollen Sie auch nicht von Assad regiert werden, denn der bringt sie um (190.000 tote Zivilisten gehen auf Assad zurück, politische Gefangene, die täglich getötet werden, nicht mitgezählt).
    Den westlichen Führern kaufe ich nicht ab, dass sie den Syrern helfen wollen.
    Putin ist da wenigstens ehrlich. Er macht keinen Hehl daraus, dass es ihm scheissegal ist was da passiert.
    Geändert von Uncas (16.04.2018 um 18:11 Uhr)
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  17. #3222
    Politopia-Urgestein Avatar von Verbalwalze
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    Zitat Zitat von grimmstone Beitrag anzeigen
    Das ist natürlich Blödsinn.
    Syrien war/ist ein säkularer Staat.
    Und das unter feudalistischen Vorzeichen(!). Etwas anderes ist dort noch nicht möglich.

    Assad, und seine Vorgänger, haben diesen Staat nach europäischen Muster aufgebaut. Die Ausbildung der Intelligenz erfolgte u. a. auch in der DDR.
    Deshalb gibt/gab es dort eine gute Landwirtschaft und Industrie.
    Die Menschen lebten gut.
    Echt jetzt?
    Nach DDR-Vorbild und wie lange hat die allein gegen ihr Volk überlebt?
    Immerhin hat Syrien da länger durchgehalten, dafür hat Assad aber auch auf das Volk schießen lassen und war dann doch nicht mehr allein, als es brenzlig wurde. Da kamen noch einige Volksschießfreunde dazu.

    Gruß
    Verbalwalze
    Recht ist es, auch vom Feind zu lernen.

    P.S.
    Tipp: Lies Deine Antwort noch einmal durch und prüfe deren Gehalt, bevor Du postest.

  18. #3223
    Administrator Avatar von Erol Taş
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    Man muss den Russen dankbar sein, dass sie zusammen mit dem Iran dem Treiben der USA und ihrer sogenannten Bündnispartner Parolie bieten. Man kann von Putin halten was man will, aber man kann den Russen nicht vorwerfen, dass sie gegen die Einheit des syrischen Staates wären - im Gegensatz zu den Kriegstreibern, die meinen einen souveränen Staat aus fadenscheinigen Gründen bombardieren zu müssen.
    "Bir gün bu memleketin yanağına öpücük, başucuna da bir not bırakıp gideceğim:
    'Öyle güzel uyuyordun ki uyandırmaya kıyamadım.' "

    - Aziz Nesin (1915-1995)

  19. Folgender Benutzer sagt Danke zu Erol Taş für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (17.04.2018)

  20. #3224
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    Zitat Zitat von BudSpencer Beitrag anzeigen
    Darauf können wir uns sofort einigen.

    Über Deine ständigen Hinweise Assad hätte den Krieg ganz alleine angefangen, was ja auch die Walze vehement behauptet um den Schaden den die Amis angerichtet haben auf den Irak zu beschränken, habe ich eine Weile nachgedacht und mir auch das eine oder andere angeschaut oder gelesen.

    Zitat Zitat von BudSpencer
    Meiner Meinung nach ist das zu einfach. Es blendet die ganze Vorgeschichte aus, angefangen bei Mossadegh mit Briten und CIA und das ist unzulässig. Mossadegh-Schah-Chomeini-Gaddafi-Al-Qaida-Saddam-irakisch/persischer Krieg
    Komplette Streichwerte. Da gibt es keine Kausalkette.
    Und Assad hat den Krieg begonnen, er hat einen Volksbewegung mit Waffen niederschlagen lassen ...
    Und nerv nicht mit Mossadegh, das war ein Antidemokrat.
    Welche Verbindung soll irgendwas von dem zu Syrien haben?

    Zitat Zitat von BudSpencer
    -Vernichtung des Irak-marodierende Horden in einem vernichteten Land, die auch grenzüberschreitend agieren.
    ... und dann ist der IS in den laufenden Konflikt mit eingestiegen, wie noch einige andere.

    Das ist die Diktatorennummer ich regiere, oder es gibt Bürgerkrieg und Chaos und dafür garantiere ich, denn ich gehe nicht freiwillig und ihr müsst mich mit einem Loch im Schädel aus dem Präsidentenpalast raustragen, aber vorher verwüste ich noch das ganze Land.
    Also überlegt Euch das.

    Das Grundproblem ist aber, dass das ganz schnell eine Rauferei ausschließlich unter Ärschen ist und man da schon gegen jemanden sein kann, aber nicht wirklich für jemanden. Naja, vielleicht gerade mal so für die Kurden.
    Aber dafür wirft man sich nicht in ein Blutknäuel.

    Gruß
    Verbalwalze
    Recht ist es, auch vom Feind zu lernen.

    P.S.
    Tipp: Lies Deine Antwort noch einmal durch und prüfe deren Gehalt, bevor Du postest.

  21. #3225
    Administrator Avatar von Erol Taş
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    The Syria Strike Proves We Still Haven’t Learned from Iraq

    The Syrian conflict is a noxious cauldron of fanatics and schemers and hidden alliances. We know that there are players who wish to see the United States intervene in the conflict regardless of what the evidence suggests. We know that there are players who themselves wish to intervene in the conflict, regardless of what the evidence suggests.


    ...

    Source
    Übersetzung der Überschrift der VanityFair: Der Angriff auf Syrien zeigt, dass wir nichts vom Irakkrieg gelernt haben

    Die Sache ist einfach, die USA verdienen Geld an diesem Krieg, genauer gesagt die Waffenlobby. Außerdem möchte man mit den Waffensystem angeben - interessanterweise haben die Russen in die Suppe der USA gespuckt - also die Raketen vom Himmel geholt.

    Die USA/FRA/GB sollten ihre Strategie nicht auf Konfrontation mit den Russen setzen - Dialog und Einbeziehung der syrischen Regierung muss die Devise lauten. Zumal die Syrer bereit sind gegenüber allen erhobenen Vorwürfen dagegenhalten und auch Dialogbereit sind.
    "Bir gün bu memleketin yanağına öpücük, başucuna da bir not bırakıp gideceğim:
    'Öyle güzel uyuyordun ki uyandırmaya kıyamadım.' "

    - Aziz Nesin (1915-1995)

  22. Folgender Benutzer sagt Danke zu Erol Taş für den nützlichen Beitrag:

    grauer kater (17.04.2018)

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