Der totale Blackout

  • heute: Filmriss mit Folgen



    Was Steve Perkins veranstaltete, war mehr als ein normaler Blackout. Für 520 Millionen Dollar kaufte der US-Amerikaner fast 70 Prozent des gesamten Öl-Markts auf. Am nächsten Morgen konnte er sich an nichts erinnern.


    :biggrin:


    Ein einsamer Händler sitzt mitten in der Nacht in den USA vor seinem Terminal und bewegt zeitweise 69 Prozent des gesamten Ölmarktes. Am nächsten Morgen will er davon nichts mehr wissen – denn all das ist während eines alkoholisierten Blackouts passiert. Wie ein einzelner Trader den ganzen Öl-Weltmarkt beeinflussen kann, zeigt diese skurrile Geschichte aus den USA, die offenbar 2009 passiert ist und jetzt von der Finanzaufsichtsbehörde FSA veröffentlicht wurde.


    Das US-amerikanische Magazin „Oilprice.com“ berichtet, dass Steve Perkins wohl keinen blassen Schimmer davon gehabt habe, dass er in der Nacht zuvor Terminkontrakte auf Rohöl (Futures) im Wert von 520 Millionen Dollar gehandelt hatte. Der Markt habe dagegen deutlich auf sein Handeln reagiert: Der Preis für ein Fass Öl sprang über Nacht um 1,50 Dollar. Solche Kursbewegungen passieren am Ölmarkt sonst nur bei größeren weltpolitischen Ereignissen wie Naturkatastrophen oder dem Ausbruch eines Krieges.
    ...
    Nur eine durchzechte Nacht?: Betrunkener Börsenhändler kaufte den halben Ölmarkt - weiter lesen auf FOCUS Online Nachrichten


  • denk bitte mal einen moment nach.... für 520 millionen dollar 70% des ölmarktes?
    würde ja bedeuten, dass der gesamte ölmarkt (=handelsvolumen) nur ein volumen von 743mio dollar hätte, was etwa 570 mio euronen wären....


    das ist typisch focus - eine alte geschichte, und die auch noch in eine ziemlich schlecht recherchierte rahmenstory verpackt.
    PVM ist ein big player, der alleine täglich kontrakte in vielfacher größenordnung abwickelt.
    da sind 570 mio euronen nur ein ganz kleiner bruchteil....


    wenn das damals tatsächlich ein händlerfehler war (es gibt zu dem vorfall auch ganz andere meinungen), ist es für die firma sicherlich ärgerlich, aber nichts im vergleich zu dem, was täglich in dieser art spakulationsfirmen und in den "instituten" an ups und downs läuft.
    da sind zehn millionen euronen tagesverlust im großen spiel nur - achtung, jetzt kommt das böse wort - peanuts...;)


    hier aus einem bericht aus dem jahr 2009 ein zitat:
    "Es wird nur spekuliert, nicht geliefert
    Auf reine Spekulationsgewinne setzen auch Ölbroker-Firmen wie PVM Futures. Firmensitz ist das Steuerparadies Bermudas. Das tägliche PVM-Handelsvolumen umfasst Terminkontrakte für bis zu 100 Millionen Barrel Öl. Das ist ein Vielfaches der täglichen Fördermenge Saudi Arabiens."
    quelle


    bei 100 dollar je barrel sind das ....? richtig, ganz viele nullen vor dem komma.....kontrakte über werte in höhe von rund 10mrd dollar....täglich. ergo kann das mit den angegebene prozentualen größenordnungen nur einer unwissenden fehlinterpretation des autoren geschuldet sein....


    die sz hatte übrigens schon 2009 über diese kleine "panne" berichtet
    http://www.sueddeutsche.de/gel…r-gegen-den-markt-1.85045

    7 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: form...

  • denk bitte mal einen moment nach.... für 520 millionen dollar 70% des ölmarktes?
    würde ja bedeuten,
    (...)


    die üblichen 10% Anzahlung pro Öl-Kontrakt.......... denke ich mir so...... natürlich mit Nachschusspflicht

  • die üblichen 10% Anzahlung pro Öl-Kontrakt.......... denke ich mir so...... natürlich mit Nachschusspflicht


    es bleibt dabei... die story ist ... uralt und auch noch schlecht vom focus recherchiert, denn es gibt hinter der oberflächlichen geschichte tatsächlich eine viel größere - und diese inkludiert größte zweifel an der coverstory über den alkoholkranken broker.
    das trinken ist eher nicht die ursache des problems, denn für einen echten trinker ist vielmehr das fehlen der zufuhr, das fallen des spiegels, leistungshemmend....
    das ist ja das fatale, die schwelle bis zur aktionsunfähigkeit steigt mit den jahren der "übung".
    zumal alkohol und drogen in der branche (der professionellen zocker (master of the universe)) eher der normalfall, als die ausnahme sind.
    wohingegen ein notwendiges bauernopfer nach einem geplatzten zock (der abgang dürfte versüßt worden sein, schon um die diskretion, unabhängig vom damals aktuellen vorfall, zu sichern) um ein vielfaches bequemer abgewickelt werden kann, wenn "objektives" individuelles fehlverhalten - also einzeltätertum auf der basis menschlichen versagens - "nachgewiesen" werden kann....
    wie bereits bemerkt, gibt es erhebliche zweifel an der geschichte, doch die erbringung des nachweises eines beabsichtigten manipulationsversuchs ist kaum möglich - so ein "blackout" ist ja bekanntlich ein ganz erprobtes verfahren..... ;)

    4 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: form...

  • Terminkontrakte auf Rohöl (Futures) im Wert von 520 Millionen Dollar gehandelt hatte. Der Markt habe dagegen deutlich auf sein Handeln reagiert: Der Preis für ein Fass Öl sprang über Nacht um 1,50 Dollar. Solche Kursbewegungen passieren am Ölmarkt sonst nur bei größeren weltpolitischen Ereignissen wie Naturkatastrophen oder dem Ausbruch eines Krieges.


    Was? 1,50 USD Kursbewegung passieren bei größeren Ereignissen? Was ist das denn wieder für ein Quatsch! Und das im Future Markt? Selten, aber wirklich jetzt, selten nein noch nie so einen Mist in Sachen Öl-Future gelesen.

  • denk bitte mal einen moment nach.... für 520 millionen dollar 70% des ölmarktes?
    würde ja bedeuten, dass der gesamte ölmarkt (=handelsvolumen) nur ein volumen von 743mio dollar hätte, was etwa 570 mio euronen wären....


    Ich vermute mal, daß die 520 Mill das Handelsvolumen in den paar Stunden waren, als er betrunken so ein göttliches Gefühl bekam und einfach mal ein paar Zahlen von hier nach da schob. Klar, daß er sich am nächsten Tag nicht erinnern konnte. Kennen wir doch vom Doktor Faustus. Einmal Gott sein durch die Erlaubnis des Teufels und sich am nächsten Tag an nichts erinnern - bis auf das Gefühl: wie geil ist das denn?
    Was hat eigentlich Mrs. Perkins dazu gesagt? Aber Gretchen wurde ja auch nicht wirklich gehört.
    Andererseits: Sentimentalität und knallhartes Geschäft bilden in den USA eine Einheit wie in Deutschland Spießbürgertum und Großmannsucht.


    Ganz abstrakt betrachtet: wenn solche Geschichten wahr sind, dann erscheint die Weltgeschichte als eine Abfolge von Ereignissen, die wohl größtenteils im Suff entstanden sind. Calvins Rache oder so.

  • Ich vermute mal, daß die 520 Mill das Handelsvolumen in den paar Stunden waren, als er betrunken so ein göttliches Gefühl bekam und einfach mal ein paar Zahlen von hier nach da schob. Klar, daß er sich am nächsten Tag nicht erinnern konnte. Kennen wir doch vom Doktor Faustus. Einmal Gott sein durch die Erlaubnis des Teufels und sich am nächsten Tag an nichts erinnern - bis auf das Gefühl: wie geil ist das denn?
    Was hat eigentlich Mrs. Perkins dazu gesagt? Aber Gretchen wurde ja auch nicht wirklich gehört.
    Andererseits: Sentimentalität und knallhartes Geschäft bilden in den USA eine Einheit wie in Deutschland Spießbürgertum und Großmannsucht.


    Ganz abstrakt betrachtet: wenn solche Geschichten wahr sind, dann erscheint die Weltgeschichte als eine Abfolge von Ereignissen, die wohl größtenteils im Suff entstanden sind. Calvins Rache oder so.


    ich halte diese coverstory für äußerst unwahrscheinlich, da liegen andere vermutungen m.e. viel näher.....:)

  • ich halte diese coverstory für äußerst unwahrscheinlich, da liegen andere vermutungen m.e. viel näher.....:)


    absolut richtig und du hast ja diesbezüglich gute Artikel eingestellt. Das von dem Händler an dem Tag gehandelte Volumen ist Peanuts zu dem täglichen Handelsvolumen alleine seines Arbeitgebers PVM Futures.

  • ich halte diese coverstory für äußerst unwahrscheinlich, da liegen andere vermutungen m.e. viel näher.....:)


    Ich bin ja in Geschäften nicht so firm, wie du weißt. Deshalb kläre mich mal auf (ganz ernsthaft :)). Ich habe wirklich keine Ahnung, was hinter einer plötzlichen Ölpreissteigerung stecken könnte, wenn nicht eine plötzliche militärische Intervention oder ein gefräßiger Weltmarkt (Chinesen) oder eben einer von den Monopolisten, zu denen Perkis (von dem ich nie zuvor gehört habe) offensichtlich zählt.

  • Ich vermute mal, daß die 520 Mill das Handelsvolumen in den paar Stunden waren, als er betrunken so ein göttliches Gefühl bekam und einfach mal ein paar Zahlen


    Er hat für 500 Mio Kundengelder Öl Futures Brent in London gekauft und 10 Mio in den Sand gesetzt. Innerhalb einer Stunde stieg der Kurs um ca. 2 USD und in den darauffolgenden Tagen fiel er um irgendwo 7 USD. Was mich wundert ist, dass Focus heute einen Artikel reinstellt, sauschlecht recherchiert, obwohl das ganze aus 2009 ist. Aber Marktbeherrschend war das ganze nicht.

  • Ich bin ja in Geschäften nicht so firm, wie du weißt. Deshalb kläre mich mal auf (ganz ernsthaft :)). Ich habe wirklich keine Ahnung, was hinter einer plötzlichen Ölpreissteigerung stecken könnte, wenn nicht eine plötzliche militärische Intervention oder ein gefräßiger Weltmarkt (Chinesen) oder eben einer von den Monopolisten, zu denen Perkis (von dem ich nie zuvor gehört habe) offensichtlich zählt.


    ist doch garnicht so schwer, womit ich übrigens nicht meine, genau zu wissen, was passiert ist, sondern nur, dass so ein trader/broker mit seinen aktivitäten selten ohne rückendeckung aktiv ist.
    da steht zwar in der zeitung, dass es - wie so oft wenn es schief geht - der berühmte einzeltäter war, aber die limits (maximale bewegungen und kapitaleinsätze, klumpenrisiken usw.) werden für gewöhnlich so streng überwacht, dass ein einzelner garnicht (wenn es nicht der cheffe himself ist) ohne deckung in der größenordnung aktiv sein kann.


    ich vermute, und andere scheinen das ähnlich gesehen zu haben, dass dort versucht wurde den kurs ein wenig zu "optimieren" - da geht es schließlich um richtig viel geld...
    und als das zu unbequemen nachfragen führte, kam die geschichte vom alkoholkranken einzeltäter, der, einem blackout sei dank, keinerlei sachdienliche hinweise mehr liefern kann....


    die details sind für die betrachtung im ganzen weniger wichtig als das muster.
    denn im detail bleibt ja alles im blackout-dunkel...;)

    4 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: form...

  • ist doch garnicht so schwer, womit ich übrigens nicht meine, genau zu wissen, was passiert ist, sondern nur, dass so ein trader/broker mit seinen aktivitäten selten ohne rückendeckung aktiv ist.
    da steht zwar in der zeitung, dass es - wie so oft wenn es schief geht - der berühmte einzeltäter war, aber die limits (maximale bewegungen und kapitaleinsätze, klumpenrisiken usw.) werden für gewöhnlich so streng überwacht, dass ein einzelner garnicht (wenn es nicht der cheffe himself ist) ohne deckung in der größenordnung aktiv sein kann.


    ich vermute, und andere scheinen das ähnlich gesehen zu haben, dass dort versucht wurde den kurs ein wenig zu "optimieren" - da geht es schließlich um richtig viel geld...
    und als das zu unbequemen nachfragen führte, kam die geschichte von alkoholkranken einzeltäter, der, einem blackout sei dank, keinerlei sachdienliche hinweise mehr liefern kann....


    die details sind für die betrachtung im ganzen weniger wichtig als das muster.
    denn im detail bleibt ja alles im blackout-dunkel...;)


    Kurz, die Typen waren nicht besoffen, sondern haben nur versucht Reibach zu machen, was dann aber so in die Hose ging, als ob sie besoffen gewesen wären?

  • Kurz, die Typen waren nicht besoffen, sondern haben nur versucht Reibach zu machen, was dann aber so in die Hose ging, als ob sie besoffen gewesen wären?


    :cornut: - so in etwa dürfte das gewesen sein....;)

  • Kurz, die Typen waren nicht besoffen, sondern haben nur versucht Reibach zu machen, was dann aber so in die Hose ging, als ob sie besoffen gewesen wären?


    Besoffen und unter Drogen ist keine Seltenheit in der Branche. :thumbsup:

  • Ich würde mal sagen, dass es keinen Markt gibt, an dem so manipuliert wird wie im Rohölmarkt. Da steigt der Normalo nicht durch.

  • Ich würde mal sagen, dass es keinen Markt gibt, an dem so manipuliert wird wie im Rohölmarkt. Da steigt der Normalo nicht durch.


    Deshalb bedarf es ja auch der Philosophie. Die Betrunkenen auf sich allein gestellt, schaffen es womöglich, der Spezies die Lebensgrundlage zu entziehen. Und irgendwann sind die Anpassungspotentiale auch erschöpft.

  • Deshalb bedarf es ja auch der Philosophie. Die Betrunkenen auf sich allein gestellt, schaffen es womöglich, der Spezies die Lebensgrundlage zu entziehen. Und irgendwann sind die Anpassungspotentiale auch erschöpft.


    ich bin etwas anderer ansicht.
    meines unbedeutenden erachtens nach bedarf es bündelweise ausgestellter haftbefehle und kistenweise verfügbarer handschellen...:cornut:


    über das sein an sich und ihr dasein im speziellen können die deliquenten dann im laufe einer mehrjährigen kontemplation eingehend philosophieren.....;)

  • ich bin etwas anderer ansicht.
    meines unbedeutenden erachtens nach bedarf es bündelweise ausgestellter haftbefehle und kistenweise verfügbarer handschellen...:cornut:


    über das sein an sich und ihr dasein im speziellen können die deliquenten dann im laufe einer mehrjährigen kontemplation eingehend philosophieren.....;)


    Du sprichst über das Danach, also über Maßnahmen, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist.
    Ich spreche von Prävention, damit das Kind erst gar nicht in den Brunnen fällt.


    Also wenn Drogen, dann unter Aufsicht der Philosophen, sagte schon Platon. :)