Konflikt in Mali

  • Seit Freitag ist ein Konflikt in den Fokus geraten, der allerdings schon länger schwelt, der Bürgerkrieg in Mali. Jetzt engagiert sich Frankreich, die Verbündeten, darunter auch Deutschland, bieten logistische Unterstützung an. Auch der UN-Sicherheitsrat ist involviert. Es geht um einen Aufstand islamistischer Kämpfer gegen einen gewählten (?) Präsidenten. Wieder mal ein Krieg gegen den Terror? Wo verlaufen die Fronten, was sind die Ziele der Kriegsparteien? Wer weiß Näheres?

  • Interessantes Thema, ich hoffe wir kriegen ein paar Infos zusammen.
    Soweit ich es mit bekommen habe (und das ist leider nicht viel) geht es auch bei diesem Konflikt um ein Problem, das in Afrika wohl häufiger auftritt. Die Gegend ist von Sippenstrukturen geprägt, was der Durchsetzung des Nationalstaatgedankens oft entgegen steht.
    Im nomadisch geprägten Nordmali hat letztes Jahr eine Allianz aus malischen Tuareg und von außerhalb kommenden Dschihadisten die Macht übernommen.


    Konflikte: Was in Mali auf dem Spiel steht | ZEIT ONLINE

  • Interessantes Thema, ich hoffe wir kriegen ein paar Infos zusammen.
    Soweit ich es mit bekommen habe (und das ist leider nicht viel) geht es auch bei diesem Konflikt um ein Problem, das in Afrika wohl häufiger auftritt. Die Gegend ist von Sippenstrukturen geprägt, was der Durchsetzung des Nationalstaatgedankens oft entgegen steht.
    Im nomadisch geprägten Nordmali hat letztes Jahr eine Allianz aus malischen Tuareg und von außerhalb kommenden Dschihadisten die Macht übernommen.


    Konflikte: Was in Mali auf dem Spiel steht | ZEIT ONLINE


    Was mich dabei interessiert, warum ist Frankreich involviert? Hat Mali mal zum französischen Kolonialreich gehört? Ich war immer der Meinung, das wäre mal belgische Kolonie gewesen? Sind diese Tuareg nicht Flüchtlinge aus Libyen gewesen?

  • Was mich dabei interessiert, warum ist Frankreich involviert? Hat Mali mal zum französischen Kolonialreich gehört? Ich war immer der Meinung, das wäre mal belgische Kolonie gewesen? Sind diese Tuareg nicht Flüchtlinge aus Libyen gewesen?


    Nein, Frankreich. Im Ressourcenhandel sind die Franzosen auch noch gut vertreten. Der schon länger anhaltende Konflikt führt dabei zu erheblichen Schwierigkeiten. So wurden auch schon mehrere Franzosen entführt.


    Bsp.: http://www.leparisien.fr/inter…is-21-11-2012-2341759.php

    Einmal editiert, zuletzt von Liquidacao ()

  • Soweit ich weiß war Mali (bzw. der Vorgänger) französische Kolonie.
    Die Tuareg sind (auch nach ihrem Selbstverständnis) nur schwer einer Nation zu zu ordnen, aber es sind wohl auch viele aus Libyen dabei.

  • Soweit ich weiß war Mali (bzw. der Vorgänger) französische Kolonie.
    Die Tuareg sind (auch nach ihrem Selbstverständnis) nur schwer einer Nation zu zu ordnen, aber es sind wohl auch viele aus Libyen dabei.


    Die Tuareg sind eine Ethnie, die in ganz Nordafrika beheimatet ist und im wesentlichen nomadisch in Stammesstrukturen lebt! Die kolonial bedingten Grenzziehungen werden nur ungern akzeptiert und die klimatisch bedingten Veränderungen in der Sahara tragen dazu bei, dass die Lebensbasis der Tuareg sich zunehmend prekärer gestaltet! Das Hauptproblem Nordafrikas, unzureichende Entwicklung, trifft die Tuareg besonders!

  • Inzwischen scheinen sie ja doch zu intervenieren. Zusammen mit Truppen aus Afrikanischen Ländern.


    Hollande braucht, wie Sarkozy im Fall Libyen, Ablenkung der Massen von den internen Problemen, mittels der Terrorhysterie kann er dazu die Ãœberwachung der Bevölkerung erheblich verstärken und letztendlich kann der Militäreinsatz auch als Begründung herangezogen werden, warum die Franzosen demnächst den Gürtel noch enger schnallen müssen!

  • Soweit ich weiß war Mali (bzw. der Vorgänger) französische Kolonie.
    Die Tuareg sind (auch nach ihrem Selbstverständnis) nur schwer einer Nation zu zu ordnen, aber es sind wohl auch viele aus Libyen dabei.


    Die Tuareg wollen bzw. wollten vor allem mehr demokratische Partizipation ihrerseits soweit ich weiss.
    Was sie nicht bedachten ist das sie sich die islamisten ins Boot holen und die sie schlagen würden, Sprecher der Tuareg sprachen sich mehrfach gegen die Islamisten aus wurden ihnen dann aber irgendwann nicht mehr Herr.

  • Hollande braucht, wie Sarkozy im Fall Libyen, Ablenkung der Massen von den internen Problemen, mittels der Terrorhysterie kann er dazu die Ãœberwachung der Bevölkerung erheblich verstärken und letztendlich kann der Militäreinsatz auch als Begründung herangezogen werden, warum die Franzosen demnächst den Gürtel noch enger schnallen müssen!


    So ungefähr. Warum sollte Frankreich anders handeln als die USA? "Liebe Bürger, schaut welche Probleme wir in Mali haben."

  • Hollande braucht, wie Sarkozy im Fall Libyen, Ablenkung der Massen von den internen Problemen, mittels der Terrorhysterie kann er dazu die Ãœberwachung der Bevölkerung erheblich verstärken und letztendlich kann der Militäreinsatz auch als Begründung herangezogen werden, warum die Franzosen demnächst den Gürtel noch enger schnallen müssen!


    Na ja, Kater, die allgegenwärtige Phobie der "Ablenkung" könntest du mal in der Schublade lassen. Niemand ist abgelenkt, wenn's an seinen Geldbeutel geht.

  • Ich finds gut wenn Hollande die Islamisten dort einseift.


    Soweit ich weiss gingen die ersten Angriffe gegen andere Muslime, Sufi-Gräber wurden zerstört etc.
    Den von der Religion besoffenen waren die normalen Gläubigen mal wieder nicht gläubig genug schon gar nicht die islamischen Mystiker und spirituellen Sufis.


    Zu sehen gibt es das hier:


    Ansar Dine fighters destroy Timbuktu shrines - Africa - Al Jazeera English


    Wie dem auch sei, soweit ich weiss handelt es sich um Al Qaida aus dem Maghreb, die ganz offensichtlich in Afrika offensiver vorgehen, nachdem sie in Nah-Ost zum Grossteil gescheitert sind, im Sudan und in Nigeria sollen sie auch aktiv sein, versuchen wohl instabile, verwundbare Staaten zu ihren Gunsten zu kippen. Sie haben sich in Mali mit den Touareg verbündet, ohne die dort nicht viel läuft und ohne die auch Al Qaida dort relativ hilflos wäre, da die Touareg die Wüste im Griff haben kann man wohl sagen.
    Teile der Touareg haben sich glaube ich gegen sie gewandt, Teile mit ihnen verbündet, so richtig blickt da glaube ich niemand durch.
    Hollande möchte sich sicherlich ein bisschen Profil verschaffen mit dieser Aktion, aber ich kann daran nichts aussetzen wenn es die Islamisten daran hindert weiterhin Weltkulturerbe zu zerstören, friedliche Muslime zu drangsalieren und ihre Idiotie weiter auszubreiten.

  • Könnte man vielleicht zu diesem Thread eine Umfrage starten, "Bundeswehr, ja oder nein, Kampfeinsätze"?
    Würde mich echt interessieren.
    Ich bin mir selbst nicht schlüssig.

  • Die Reaktionen der im Bundestag vertretenen Parteien auf die Ãœberlegung, die Franzosen im Einsatz zu unterstützen waren unterschiedlich:
    Die CDU befürwortet den Einsatz ebenso wie die SPD aus Gründen der Bündnisverpflichtungen (bei der SPD könnte noch eine Rolle spielen, daß ein befreundeter Sozialist den Einsatz angeordnet hat). Von der FDP ist mir keine gesonderte Stellungnahme bekannt, aber wir wissen ja, daß Guido nicht besonders bündnisfreudig ist. Die Grünen üben sich wie stets in zurückhaltender skeptischer Befürwortung, die Linke kritisiert Frankreich für den militärischen Einsatz, da Frankreich nur seine wirtschaftlichen Interessen, insbesondere den Uranabbau in Mali, im Sinn habe, lehnt eine deutsche Beteiligung demnach ab.
    Mal sehen, wie lange Merkel braucht, um sich zu positionieren.

  • Könnte man vielleicht zu diesem Thread eine Umfrage starten, "Bundeswehr, ja oder nein, Kampfeinsätze"?
    Würde mich echt interessieren.
    Ich bin mir selbst nicht schlüssig.


    Mit Kampfeinsätzen wirst du wohl keine Mehrheit finden. Logistische Unterstützung etc. pp ist wahrscheinlich mehrheitsfähig, sofern der Bündnisfall festgestellt ist.

  • Die Tuareg wollen bzw. wollten vor allem mehr demokratische Partizipation ihrerseits soweit ich weiss.
    Was sie nicht bedachten ist das sie sich die islamisten ins Boot holen und die sie schlagen würden, Sprecher der Tuareg sprachen sich mehrfach gegen die Islamisten aus wurden ihnen dann aber irgendwann nicht mehr Herr.



    Die paar Tuareg-Rebellen, die es gab und mit Waffengewalt einen selbständigen Staat namens Azawad ausrufen wollten (die Mehrheit der Tuareg wollen mit ihnen nichts zu tun haben), sind inzwischen, von meist aus dem Ausland eingesickerten, islamistischen Kämpfern total überrumpelt worden und bedeutungslos. Hier kämpfen Hardcore-Islamisten für die Errichtung eines Schariastaates über ganz Mali. Die Bevölkerung Malis, überwiegend gemäßigte Muslime, die zudem der Sufi-Tradition angehören, lehnen die Islamisten ab.


    Die Bundeswehr sollte dem Vebündeten Frankreich zumindest mit logistischer Hilfe zur Seite springen. Es wäre auch mal interesant zu erörtern, wer die Islamisten im Norden mit Geld und Ausrüstung unterstützt. Die Hauptverdächtigten dürften auf der arabischen Halbinsel zu suchen sein.

  • Mit Kampfeinsätzen wirst du wohl keine Mehrheit finden. Logistische Unterstützung etc. pp ist wahrscheinlich mehrheitsfähig, sofern der Bündnisfall festgestellt ist.


    Na klar findet man keine Mehrheit....Deutschland gefällt sich zu sehr darin sich die Finger nicht schmutzig zu machen was in zunehmendem Maße Deutschlands aussenpolitisches Gewicht verringert...


    Wenn die Deutschen weiterhin nur die Logistik machen wird man sie in zunehmendem Maße noch weniger in sicherheitspolitische Ãœberlegungen einbinden weil sie eh immer nur zögern und Rückzieher machen....

  • Die Tuareg wollen bzw. wollten vor allem mehr demokratische Partizipation ihrerseits soweit ich weiss.
    Was sie nicht bedachten ist das sie sich die islamisten ins Boot holen und die sie schlagen würden, Sprecher der Tuareg sprachen sich mehrfach gegen die Islamisten aus wurden ihnen dann aber irgendwann nicht mehr Herr.


    Es ist verstaendlich, dass sie sich gegen Islamisten aussprachen, sind doch die Tuareg fuer ihre liberalen religioesen Auffassungen bekannt. Daher ja auch ihrName: Tawariq/der von Gott verstossene.


    Bei ihnen geht manches genau anders herum als im normalen Islam und das kann z.B. fuer Anhaenger der strengeren Doktrin verwerflich sein.
    Die Probleme sind so unvermeidbar und waren vorhersehbar.

    Einmal editiert, zuletzt von Sakkara ()


  • Hier sind wir uns ausnahmsweise einmal einig.
    Was mich allerdings wundert ist, daß du Huntington ablehnst, der dadurch einmal mehr bestätigt wird.