Leiharbeit - Für und Wider

  • Nachdem in verschiedenen Strängen Leiharbeit immer wieder thematisiert wird, sollte man doch dieses Thema mal direkt besprechen. Anne Will hat einen schönen und informativen Beitrag dazu im Fernsehen gebracht. Politiker haben über Leiharbeit diskutiert. Für manche Teilnehmer im Forum scheint die Leiharbeit ein Reizthema geworden zu sein, fast so schlimm wie sexueller Mißbrauch von Kindern. Deswegen möchte doch mal zur Diskussion stellen, wann und unter welchen Bedingungen Leiharbeit hinnehmbar oder auch abzulehnen ist. Und welche Möglichkeiten z.B. für die Betriebsräte bestehen, ihren Einsatz zu kanalisieren.

  • Leiharbeit ist unter folgenden Mindestvoraussetzungen für mich akzeptabel:


    1. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, allemal wären für eine kurze Einarbeitungszeit Abschläge denkbar.
    2. Als Möglichkeit für Firmen, kurzfristige Kapazitätsengpässe zu überbrücken, keinesfalls als Mittel der Lohndrückerei, was im Endeffekt bedeutet, dass gesetzliche Lösungen zur verpflichtenden Ãœbernahme in die Stammbelegschaft geschaffen werden müssen. Ein Unterlaufen dieser Regeln muss empfindliche Geldbußen nach sich ziehen.

  • Leiharbeit ist unter folgenden Mindestvoraussetzungen für mich akzeptabel:


    1. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, allemal wären für eine kurze Einarbeitungszeit Abschläge denkbar.
    2. Als Möglichkeit für Firmen, kurzfristige Kapazitätsengpässe zu überbrücken, keinesfalls als Mittel der Lohndrückerei, was im Endeffekt bedeutet, dass gesetzliche Lösungen zur verpflichtenden Ãœbernahme in die Stammbelegschaft geschaffen werden müssen. Ein Unterlaufen dieser Regeln muss empfindliche Geldbußen nach sich ziehen.


    Dem ersten Punkt kann man uneingeschränkt zustimmen. Was deinen zweiten Punkt betrifft, da siehst du in meinen Augen die Motivation falsch. Lohndrückerei ist angesichts der Verrechnungssätze, die der Entleiher bezahlt, völlig unsinnig. Er spart hier nichts. Ich sehe als Hauptmotivation die Umgehung des Kündigungsschutzes. Denn Leiharbeiter sind nicht eigene Angestellte und können ohne Probleme mit Wochenfrist abbestellt werden, was bei betriebsbedingten Kündigungen aufgrund der sehr unbestimmten Regeln zur Sozialauswahl jahrelange Prozesse und damit ein unkalkulierbares Kostenrisiko nach sich ziehen kann. Im übrigen sollte ein Staat nicht, wie es dir offenbar vorschwebt, Krieg gegen die eigene Wirtschaft führen. Er wird verlieren.

  • Ich finde vor allem Stellen sollen nicht über lange Zeiträume mit Leiharbeitern besetzt werden. Ist nicht der eigentliche Sinn der Sache.
    Lohn? Bei uns dem Lohngefüge des jeweiligen Betriebes angepasst. In vielen Betrieben darf ein Leiharbeiter nicht mehr verdienen als die fest Angestellten. Problem, die schwankenden Einkünfte machen für einen Leiharbeiter Kalkulationen unmöglich.
    Eine gewisse Zeit als Leiharbeiter zu arbeiten bringt allerdings auch Vorteile, diese Leute sind flexibel und verfügen oft über eine breite Erfahrung. Ein ehemaliger Arbeitgeber nahm solche Leute gerne als Feste entgegen. Dort war Vielseitigkeit gefragt.

  • Ich finde vor allem Stellen sollen nicht über lange Zeiträume mit Leiharbeitern besetzt werden. Ist nicht der eigentliche Sinn der Sache.
    Lohn? Bei uns dem Lohngefüge des jeweiligen Betriebes angepasst. In vielen Betrieben darf ein Leiharbeiter nicht mehr verdienen als die fest Angestellten. Problem, die schwankenden Einkünfte machen für einen Leiharbeiter Kalkulationen unmöglich.
    Eine gewisse Zeit als Leiharbeiter zu arbeiten bringt allerdings auch Vorteile, diese Leute sind flexibel und verfügen oft über eine breite Erfahrung. Ein ehemaliger Arbeitgeber nahm solche Leute gerne als Feste entgegen. Dort war Vielseitigkeit gefragt.


    Eben. Sinn und Zweck der Leiharbeit ist die Abdeckung von Auftragsspitzen, Krankheitsausfällen und evtl. die Bearbeitung von Reklamationen, die die Stammbelegschaft von der Ausführung von Aufträgen abhalten würde. Im Moment ist sie aber pervertiert. Konzerne gründen eigene Leiharbeitsfirmen und leihen diese Leute an ihre eigenen Konzernunternehmen aus. Dem kann man dadurch begegnen, daß solche Scheinleiharbeitsfirmen die Tarifverträge, die für die jeweilege Stammbelegschaft gelten, übernehmen müssen. Dann wäre schon mal das Problem der Löhne gelöst. Auch der Umgehungsversuch des Kündigungsschutzrechts könnte so konterkariert werden.

  • Dem ersten Punkt kann man uneingeschränkt zustimmen.


    Aber ohne diesen Punkt würden die Zeitarbeitsfirmen pleite gehen. Die Differenz zwischen dem eigentlichen und dem ausgezahlten Stundenlohn ist schließlich ihre Gewinnspanne.


    Was deinen zweiten Punkt betrifft, da siehst du in meinen Augen die Motivation falsch. Lohndrückerei ist angesichts der Verrechnungssätze, die der Entleiher bezahlt, völlig unsinnig. Er spart hier nichts. Ich sehe als Hauptmotivation die Umgehung des Kündigungsschutzes.


    Sehe ich genauso, weshalb ich allgemein für eine Lockerung des Kündigungsschutzes in Verbindung mit einem generellen Mindestlohn plädiere. Wenn Unternehmen selbst risikofrei und unkompliziert neue Arbeitskräfte einstellen und entlassen dürften, hälfe das zumindest lohntechnisch auch den Arbeitnehmern. Das wäre zudem volkswirtschaftlich effizienter, weil es keine Zwischenverdiener gäbe, die das Geld aus dem Wirtschaftskreislauf nähmen ohne eine relevante Leistung zu erbringen.


    Im Grunde genommen würde ich die Zeitarbeitsfirma als zeitliche Brückeninstitution sehen, die es nur so lange geben wird, bis sich die beschäftigungsverhältnislichen Bedingungen der Realität angepasst haben. In 10 Jahren wird es sie hoffentlich nicht mehr geben.

  • 1. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, allemal wären für eine kurze Einarbeitungszeit Abschläge denkbar.


    Wie sieht es denn mit "Leiharbeiter bekommen mehr Lohn, da ihre Jobs unsicherer sind, sie größere Finanzielle und Psychische Belastungen (heute hier, morgen dort,...) haben? Siehe zum Beispiel Leih-Krankenhaus-Ärzte.


    Zitat

    2. Als Möglichkeit für Firmen, kurzfristige Kapazitätsengpässe zu überbrücken, keinesfalls als Mittel der Lohndrückerei, was im Endeffekt bedeutet, dass gesetzliche Lösungen zur verpflichtenden Ãœbernahme in die Stammbelegschaft geschaffen werden müssen. Ein Unterlaufen dieser Regeln muss empfindliche Geldbußen nach sich ziehen.


    Für mich sehe ich Leiharbeit als Chance für einen Job, für den ich zwar fachlich kompetent bin, jedoch keine abgeschlossene Ausbildung vorweisen kann. Ich verdiene zwar weniger als meine Kollegen hier, aber immer noch mehr als andere Informatiker mit abgeschlossener Berufsausbildung. Um direkt beim Arbeitgeber einzusteigen hätte ich mit meinem Lebenslauf keine Chance, so habe ich die Chance mich zu beweisen und/oder quasi unverzichtbar zu machen (was aber natürlich nicht bei jeder Tätigkeit möglich ist).


    Worauf sollte man also die in 1. geforderte "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit beziehen:
    Auf das Unternehmen? Was wenn man der einzige im Unternehmen ist, der diese Tätigkeit ausübt?
    Auf die Branche? Ist das nicht unfair anderen gegenüber die die gleiche Tätigkeit in einer anderen Branche ausüben? (Ich arbeite als Informatiker in der Luftfahrtbranche)
    Auf die Tätigkeit? Wer bringt das den Gewerkschaften und denen die bisher bei einer gut zahlenden Branche arbeiten bei?



    Fazit: Leiharbeit bietet beiden Seiten Chancen (Ich habe zwischen Zivildienst und Studium auch als Leiharbeiter gearbeitet) aber auch Risiken (2012 winkten die Verleiher ab, sobald ich ihnen sagte, dass ich vermutlich nur 1-3 Monate zur Verfügung stehe, das war ihnen dann zu kurz/riskant).

  • Konzerne gründen eigene Leiharbeitsfirmen und leihen diese Leute an ihre eigenen Konzernunternehmen aus. Dem kann man dadurch begegnen, daß solche Scheinleiharbeitsfirmen die Tarifverträge, die für die jeweilege Stammbelegschaft gelten, übernehmen müssen. Dann wäre schon mal das Problem der Löhne gelöst. Auch der Umgehungsversuch des Kündigungsschutzrechts könnte so konterkariert werden.


    Nicht nur Konzerne! Schlimmer noch finde ich das bei staatlichen Einrichtungen.

  • Aber ohne diesen Punkt würden die Zeitarbeitsfirmen pleite gehen. Die Differenz zwischen dem eigentlichen und dem ausgezahlten Stundenlohn ist schließlich ihre Gewinnspanne.


    Und genau das ist Missbrauch von Leiharbeitern. Sinn ist es nicht auf dem Arbeitsmarkt billige Kräfte zu bekommen. Zollagent hat schon beschrieben. Sie sollen vorübergehende Lücken stopfen, Urlaub, Krankheit, befristete Verträge, Grossaufträge.

  • Der sollte zuminst gleich sein mit anderen Neuen die zum Unternehmen gehören. Dann auch die übliche Steigerung nach der Einarbeitung.

  • Und genau das ist Missbrauch von Leiharbeitern. Sinn ist es nicht auf dem Arbeitsmarkt billige Kräfte zu bekommen. Zollagent hat schon beschrieben. Sie sollen vorübergehende Lücken stopfen, Urlaub, Krankheit, befristete Verträge, Grossaufträge.


    Wenn der Leiharbeiter aber 10€ die Stunde verdient, und der Verleiher auch 10€ für die Stunde bekommt, geht der Verleiher natürlich Pleite, da er je nach Form der Leiharbeit zusätzliche Kosten hat:


    - Werbung, Büro, Mitarbeiter,...
    - Lohnnebenkosten, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,...

  • Aber ohne diesen Punkt würden die Zeitarbeitsfirmen pleite gehen. Die Differenz zwischen dem eigentlichen und dem ausgezahlten Stundenlohn ist schließlich ihre Gewinnspanne.


    Zollagent: Du mußt unterscheiden zwischen dem Lohn, der den Leiharbeitern ausgezahlt wird und den Verrechnungssätzen, die an den Verleiher gezahlt wird. Es ist ja keine Frage, daß die Entlohnung von Leiharbeitern der entsprechen muß, die von der Stammbelegschaft die gleichen Tärtigkeiten verrichten. Ich hatte dazu ja sogar mal ins Spiel gebracht, daß der Entleiher für die Entleihdauer für die Lohnzahlung verantwortlich ist und der Verleihfirma nur eine Prämie für das Entleihen zahlt.


    Sehe ich genauso, weshalb ich allgemein für eine Lockerung des Kündigungsschutzes in Verbindung mit einem generellen Mindestlohn plädiere. Wenn Unternehmen selbst risikofrei und unkompliziert neue Arbeitskräfte einstellen und entlassen dürften, hälfe das zumindest lohntechnisch auch den Arbeitnehmern. Das wäre zudem volkswirtschaftlich effizienter, weil es keine Zwischenverdiener gäbe, die das Geld aus dem Wirtschaftskreislauf nähmen ohne eine relevante Leistung zu erbringen.


    Zollagent: In Deutschland sehe ich das eher als eine Frage der Mentalität. Ein Arbeitsverhältnis zu beenden, bzw. es gekündigt zu bekommen, ist immer noch eine Strafe bzw. ein Ansehensverlust. Deshalb auch das Gezerre, auch völlig unsinnige Arbeitsverhältnisse noch aufrechterhalten zu wollen, koste es (den Arbeitgeber), was es wolle.


    Im Grunde genommen würde ich die Zeitarbeitsfirma als zeitliche Brückeninstitution sehen, die es nur so lange geben wird, bis sich die beschäftigungsverhältnislichen Bedingungen der Realität angepasst haben. In 10 Jahren wird es sie hoffentlich nicht mehr geben.


    Zollagent: Diesen Optimismus teile ich nicht. Wenn schlechte Manieren (in diesem Fall der Mißbrauch von Zeitarbeit) mal eingerissen sind, läßt man nicht mehr gerne davon.

  • Und genau das ist Missbrauch von Leiharbeitern. Sinn ist es nicht auf dem Arbeitsmarkt billige Kräfte zu bekommen. Zollagent hat schon beschrieben. Sie sollen vorübergehende Lücken stopfen, Urlaub, Krankheit, befristete Verträge, Grossaufträge.


    Optimal wäre es natürlich wenn die Agentur für Arbeit die Vermittlung verstärkt in die Hand nähme und ein Portal einrichten würde, wo sich Arbeitssuchende anbieten könnten. Die Unternehmen schauen da dann einfach rein, suchen sich passende Leute aus und melden sich. Das wäre für die Unternehmen genauso praktisch wie es derzeit mit den Zeitarbeitsfirmen läuft, wo sie von heute auf morgen Arbeitskräfte bestellen können. Und für die Arbeitnehmer hätte es den Vorteil, dass sie sich nicht vertraglich an ein Unternehmen binden müssten, unabhängig davon, ob es gerade einen Arbeitseinsatz gibt oder nicht.


    Natürlich wäre es eine Abkehr von Stellenangeboten zu Gunsten von Stellengesuchen und würde die Arbeitnehmer stärker in die Pflicht nehmen. Aber wenn am Ende mehr Selbstbestimmung und mehr Kohle rausspringt wäre das doch okay.

  • Wenn der Leiharbeiter aber 10€ die Stunde verdient, und der Verleiher auch 10€ für die Stunde bekommt, geht der Verleiher natürlich Pleite, da er je nach Form der Leiharbeit zusätzliche Kosten hat:


    - Werbung, Büro, Mitarbeiter,...
    - Lohnnebenkosten, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,...


    Logisch, dann muss er halt die Stunde mit 10 Euro plus X verrechnen.
    Nochmals, Sinn und Zweck der Leiharbeit darf nicht sein billige Arbeitskräfte zu liefern.

    Richtig eingesetzt gibt es nichts was gegen Leiharbeit spricht.

    2 Mal editiert, zuletzt von wudi ()

  • Wie sieht es denn mit "Leiharbeiter bekommen mehr Lohn, da ihre Jobs unsicherer sind, sie größere Finanzielle und Psychische Belastungen (heute hier, morgen dort,...) haben? Siehe zum Beispiel Leih-Krankenhaus-Ärzte.


    Zollagent: Ich sehe keine unsichere Beschäftigung. Die ist genau so mit dem Verlustrisiko behaftet wie die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft. Ãœbrigens würdest du Leiharbeitern die Motivation nehmen, vom Entleiher fest eingestellt zu werden, wäre das doch mit Lohneinbußen verbunden.




    Zollagent: Die Entlohnung muß sich, schon um den Betriebsfrieden zu wahren, immer auf die Lohnstruktur im Betrieb beziehen.

    Einmal editiert, zuletzt von Zollagent ()

  • Sinn und Zweck der Leiharbeit darf nicht sein billige Arbeitskräfte zu liefern.

    Stimmt, für billige Arbeitskräfte gibt es ja schon Outsourcing und die Möglichkeit Standorte ins Ausland zu verlegen.

  • Wenn der Leiharbeiter aber 10€ die Stunde verdient, und der Verleiher auch 10€ für die Stunde bekommt, geht der Verleiher natürlich Pleite, da er je nach Form der Leiharbeit zusätzliche Kosten hat:


    - Werbung, Büro, Mitarbeiter,...
    - Lohnnebenkosten, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,...


    Es gibt hier zwei Größen. Der Lohn, den der Leiharbeiter von seinem Leiharbeitsfirma bekommt und den Verrechnungssatz, den der Verleiher an den Entleiher in Rechnung stellt. Der Faktor ist grob etwa 2.5. Vom Verrechnungssatz wird (oder zumindest soll) der Lohn an den Leiharbeiter gezahlt und die Geschäftsausgaben des Verleihers abgedeckt.

  • Optimal wäre es natürlich wenn die Agentur für Arbeit die Vermittlung verstärkt in die Hand nähme und ein Portal einrichten würde, wo sich Arbeitssuchende anbieten könnten. Die Unternehmen schauen da dann einfach rein, suchen sich passende Leute aus und melden sich.


    Zollagent: So was gibt es schon. Schau mal auf die Seite der Arbeitsagentur. Es betrifft allerdings Stellenangebote/-gesuche für Festanstellungen.


    Das wäre für die Unternehmen genauso praktisch wie es derzeit mit den Zeitarbeitsfirmen läuft, wo sie von heute auf morgen Arbeitskräfte bestellen können. Und für die Arbeitnehmer hätte es den Vorteil, dass sie sich nicht vertraglich an ein Unternehmen binden müssten, unabhängig davon, ob es gerade einen Arbeitseinsatz gibt oder nicht.


    Natürlich wäre es eine Abkehr von Stellenangeboten zu Gunsten von Stellengesuchen und würde die Arbeitnehmer stärker in die Pflicht nehmen. Aber wenn am Ende mehr Selbstbestimmung und mehr Kohle rausspringt wäre das doch okay.


    Zollagent: Das würde aus der Arbeitsagentur ein gigantische Zeitarbeitsunternehmen mit allen damit verbundenen Pflichten machen. Sie ist eh schon ein Bürokratiemoloch. Dir schwebt hier so eine Art virtueller Tagelöhnermarkt vor. Ob das mit unseren rechtlichen Vorgaben zu vereinbaren ist, das bezweifle ich.

  • Die Entlohnung muß sich, schon um den Betriebsfrieden zu wahren, immer auf die Lohnstruktur im Betrieb beziehen.


    Dann kannst du "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" aber nicht "uneingeschränkt" zustimmen.


    Auch verstehe ich dann nicht, wieso du/ihr Lohnverhandlungen bei Bewerbungen gutheißt. Dann hätte doch Kleinlok recht: Der AG könnte dann vorab sagen was du und deine zukünftigen Kollegen verdienen, und gut ist.

  • Zollagent: Du mußt unterscheiden zwischen dem Lohn, der den Leiharbeitern ausgezahlt wird und den Verrechnungssätzen, die an den Verleiher gezahlt wird.


    Inklusive Lohnnebenkosten, Krankheitsfälle, Rücklagen für Vertragsstrafen oder die Basislohnzahlung an nicht eingesetzte Arbeitskrägte und die eigenen Betriebskosten gibt es keinen allzu großen Spielraum für Zeitarbeitfirmen. Denn zu teuer dürfen sie auch nicht werden, sonst wird ihr Modell unattraktiv.


    Zollagent: In Deutschland sehe ich das eher als eine Frage der Mentalität. Ein Arbeitsverhältnis zu beenden, bzw. es gekündigt zu bekommen, ist immer noch eine Strafe bzw. ein Ansehensverlust. Deshalb auch das Gezerre, auch völlig unsinnige Arbeitsverhältnisse noch aufrechterhalten zu wollen, koste es (den Arbeitgeber), was es wolle.


    Auf der anderen Seite stehen etliche junge Trainees, Praktikanten, und verkappte Selbstständige die darüber nur müde lächeln dürften. Die fetten Jahre sind vorbei.

    Zollagent: So was gibt es schon. Schau mal auf die Seite der Arbeitsagentur. Es betrifft allerdings Stellenangebote/-gesuche für Festanstellungen.


    Eben. Warum weitet man es nicht auf kurzfristige Arbeitseinsätze aus? Und warum muss sich der Arbeitgeber durch die ganze Bürokratie telefonieren? Es wäre doch einfacher, wenn jeder Arbeitssuchende einen eigenen Account bei der BfA hätte, den der Arbeitgeber direkt anschreiben könnte. Dieser Blödsinn mit den Referenznummern dient doch einzig der statistischen Erfassung.


    Zollagent: Das würde aus der Arbeitsagentur ein gigantische Zeitarbeitsunternehmen mit allen damit verbundenen Pflichten machen. Sie ist eh schon ein Bürokratiemoloch. Dir schwebt hier so eine Art virtueller Tagelöhnermarkt vor. Ob das mit unseren rechtlichen Vorgaben zu vereinbaren ist, das bezweifle ich.


    Es wäre fairer und effizienter als der jetzige Zustand. Es gäbe einen großen Pool und nicht mehr tausende kleine Püülchen von Zeitarbeitsfirmen über private Onlinejobbörsen bis zur BfA die offen gegeneinander arbeiten. Es fängt schon damit an, dass Zeitarbeitsfirmen bis zur entgültigen Arbeitsvertragsunterschrift den Namen der Einsatzfirma verschweigen damit bloß niemand auf die Idee kommt, sich im Alleingang dort vorzustellen. Das ist ähnlich unsinnig wie eine Maklercourtage für jemanden den man gar nicht beauftragt hat.


    Arbeitsvermittlung ist m.E. (abgesehen von der elitären Ebene) eigentlich keine Leistung, die Raum für einen profitorientierten Konkurrenzkampf bietet. Sie sollte möglichst auf die eigentlichen Beteiligten reduziert werden: Arbeitssuchender und Arbeitgeber. Alle anderen verdienen nur mit auf Kosten beider Parteien. Mit einer veränderten Rechtslage und Struktur wären wir diese Klötze am Bein los.

    Einmal editiert, zuletzt von Zippo ()