Braucht man man?

  • Braucht man man?


    Es mag dringendere Probleme in der Welt geben, aber dennoch möchte ich hier die Existenzberechtigung des Indefinitpronomens "man" in Frage stellen. Es dient nämlich m.E. meist dem Zweck der Verschleierung oder des Redens um den heißen Brei, also dem Durchmogeln in einer Diskussion. Wir können es als Ersatz für "ich" oder "wir" verwenden um die eigene Meinung zu posten ohne festnagelbar zu werden. Oder aber als Ersatz für "du" oder "ihr" um einen Angriff indirekter aussehen zu lassen. Außerdem lässt sich ein "man" immer bestens einbauen um Unwissen zu verschleiern wenn der Schreiber selbst gar nicht so genau weiß wen er meint. Einige (aus dem Zusammenhang gerissene) Beispiele dazu:

    ....ich denke nach 200 Jahren kann man Ersitzung annehmen....


    Wenn man sich von dieser verfehlten Ideologie verabschieden würde, wäre der Weg zu einem umfassenden und nachhaltigen Frieden offen!


    Das kann man so nicht pauschal behaupten. (...) Man darf das nicht mit den Auslegungen z.B. der Taliban oder anderen radikalen Gläubigen in einen Topf werfen.


    Man kann es auch anders interpretieren.


    So lange es jüdische Siedlungen gibt kann man durchaus von Landraub reden.


    Für weitere Beispiele, einfach einen beliebigen Thread aufsuchen. Im Schnitt gibt es ca. 4-5 mans pro Seite. Selbstverständlich auch in meinen Beiträgen. ;)


    Aber brauchen wir wirklich ein Distanzierungsman um frei von der Leber weg zu schreiben oder behindert es eher eine offene Diskussion? :thinking-020:

  • klar braucht mann man - und zwar in vielerlei hinsicht!
    die einen mehr als die anderen, was dabei hilft, die einen von den anderen zu unterscheiden.....;)

  • Im Englischen nutzt man ja das du (you) oder das einer (one) als man.
    Wie sieht es denn in anderen Sprachen aus?

  • klar braucht mann man - und zwar in vielerlei hinsicht!
    die einen mehr als die anderen, was dabei hilft, die einen von den anderen zu unterscheiden.....;)


    Da gibt es aber noch viel mehr Konstrukte die "wir" ("er und ich", oder "du und ich", oder "du, er und ich"?) bräuchten um uns ("er und ich", oder "du und ich", oder "du, er und ich"?) voneinander zu unterscheiden:
    inklusives und exklusives Wir – Wikipedia
    Wobei das in dem Streit nach katers an Bonbox gerichtetes "wir mochten Dich eigentlich gerne lesen" ( http://www.politopia.de/privat…rlebnisse.html#post565681 ) wohl auch nichts verbessert hätte.


    Ich sehe es so, dass es in der Sprache vieles gibt, das redundant ist. In hundert Jahren wird man dann vielleicht auch nicht mehr "man" sagen (sondern stattdessen z.B. "Menschen", "Deutsche",.... verwenden).


    Ich sehe jedoch keinen Schaden darin für etwas ein Wort zu haben, das man als negativ (schwammig) empfindet. "Man" muss es ja nicht verwenden. Und selbst wenn man es aus der Sprache entfernt, wird es immer etwas geben, durch das es ersetzt wird (Neger->Schwarzer->Farbiger->.....)


  • Aber brauchen wir wirklich ein Distanzierungsman um frei von der Leber weg zu schreiben oder behindert es eher eine offene Diskussion? :thinking-020:


    Wenn man(!) eine eigene Meinung vertritt oder Theorie darlegt, sollte man(!) "ich" oder "wir" gegenüber dem "man" bevorzugen, damit auch wirklich klar ist, wer die Verantwortung für die getane Aussage übernimmt. Auch wenn es darum geht, Fehler einzugestehen, ist das "ich" die ehrlichere Variante. Für allgemeine Aussagen, Bedienungsanleitungen, Kochrezepte, etc. kann die Verwendung von "man" aber durchaus sinnvoll sein.


    Lustig finde ich häufig 'Analysen' von Fußballspielern nach Spielen ("Da steht man(!) [statt ich] frei vorm Tor und vergibt, und im Gegenzug fällt das 0:1!") oder Politikern ("Man ist Mensch und man macht Fehler.", Wulff).

    Einmal editiert, zuletzt von jaki01 ()

  • Wenn man(!) eine eigene Meinung vertritt oder Theorie darlegt, sollte man(!) "ich" oder "wir" gegenüber dem "man" bevorzugen, damit auch wirklich klar ist, wer die Verantwortung für die getane Aussage übernimmt.


    "Wir" ist eben nicht klar (siehe Beitrag #7).


    Wie würde man denn in einer Zukunft ohne man folgendes sagen:


    Das tut man nicht = ?
    Man nehme Dr. Oetker (den Doktortitel ab) = ?
    Man sieht nur mit dem Herzen gut = ?


  • "Wir" ist eben nicht klar (siehe Beitrag #7).


    Wenn ich für mich spreche, bevorzuge ich das "ich".


    Wenn aber eine Forschergruppe ihre Ergebnisse präsentiert, ist "wir" sicher angemessen.



    Wie würde man denn in einer Zukunft ohne man folgendes sagen:
    ...


    Wie ich bereits schrieb, halte ich den Gebrauch von "man" in Kochrezepten, etc. für sinnvoll.


  • Ich sehe jedoch keinen Schaden darin für etwas ein Wort zu haben, das man als negativ (schwammig) empfindet. "Man" muss es ja nicht verwenden. Und selbst wenn man es aus der Sprache entfernt, wird es immer etwas geben, durch das es ersetzt wird (Neger->Schwarzer->Farbiger->.....)


    Diese Manie ist ja eher ein Stil- und kein Vokabelproblem. Im Gegensatz zu den auch nicht einwandfrei definierten Personalpronomen im Plural ist "man" deutlich schwammiger. Es ist weder eindeutig festzustellen ob "man" eine Einzelperson oder eine Gruppe ist, noch ob Schreiber und/oder Adressat (mit-)gemeint sind oder nicht. Es ist ein Universalersatz für alle Personalpronomen, was besonders bei kontroversen Themen hinderlich ist, weil es die Positionen vernebelt.


    Zumindest würde es das, wenn das "man" tatsächlich als undefiniertes Pronomen wahrgenommen werden würde. Das ist aber meistens gar nicht die Intention des Schreibers. Er weiß genau wen er meint und die Leser sollen es auch wissen oder zumindest ahnen. In dieser Verwendung dient es nur der höflichen Distanzierung um den Spielraum für unhöfliche Bemerkungen oder sehr gewagte Thesen zu erweitern ohne sich ein lautes Echo einfangen zu müssen.


    Wie dem auch sei, ich werde in der nächsten Zeit versuchen, entmant zurecht zu kommen. Das wird schwieriger als gedacht, merke ich bereits beim Verfassen dieses Beitrags. ;)

  • Im Englischen nutzt man ja das du (you) oder das einer (one) als man.
    Wie sieht es denn in anderen Sprachen aus?


    Das englische "you" gefällt mir besser als "man", weil es direkter klingt.


    Wenn ich mich recht entsinne gibt es im Französischen mit "on" ein Pendant zu "man", weiß aber nicht ob sie es genauso inflationär verwenden wie wir.

    Lustig finde ich häufig 'Analysen' von Fußballspielern nach Spielen ("Da steht man(!) [statt ich] frei vorm Tor und vergibt, und im Gegenzug fällt das 0:1!") oder Politikern ("Man ist Mensch und man macht Fehler.", Wulff).


    Und natürlich der Baron Guttenberg zu seiner Dissertation:"Man hat Fehler gemacht". Da bleibt fraglich ob er sich selbst, seinen Ghostwriter, seinen Doktorvater oder den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages meinte. :lol:

    Einmal editiert, zuletzt von Zippo ()

  • Irgendwann habe ich einmal gelernt, niemals einen Satz mit "Es" zu beginnen sowie auf das Wort "man" zu verzichten. Stattdesssen sollte "man" sich bekennen und "ich"/"wir" schreiben.

  • Kochrezepte fangen seit ca. 30-40 Jahren nicht mehr mit "Man nehme ..." an. Diese Eingangsformulierung stammt aus einer Zeit des Rheinischen Sauerbratens (Wilhelminische Küche) und reichte bis in die Ära des Toasts Hawai.


    Am liebsten wird das unpersönliche Personalpronomen anstelle eines Passivs gebraucht (= man gebraucht das unpersöliche Personalpronomen am liebsten anstelle eines Passivs), gilt im allgemeinen aber als der schlechtere Stil. Gern wird es auch gebraucht, um den Wahrheitsanspruch einer Aussage zu bekräftigen. "Man sagt" heißt eben nicht nur "ich behaupte" oder "eine bestimmte Gruppe von Menschen ist der Ansicht", sondern verweist auf etwas Objektives, Allgemeines, Unbestreitbares.
    Durch ein "Man sagt" wird in der Regel ein höchst subjektives Urteil mit dem Anspruch der Objektivität ausgestattet, um das urteilende Subjekt unangreifbar zu machen. Im "man" entsubjektiviert sich urteilende Subjekt, macht sich das "Ich denke" zur Sache, gewissermaßen zu einem "Es", das denkt.

  • (...)
    Gern wird es auch gebraucht, um den Wahrheitsanspruch einer Aussage zu bekräftigen. "Man sagt" heißt eben nicht nur "ich behaupte" oder "eine bestimmte Gruppe von Menschen ist der Ansicht", sondern verweist auf etwas Objektives, Allgemeines, Unbestreitbares.
    Durch ein "Man sagt" wird in der Regel ein höchst subjektives Urteil mit dem Anspruch der Objektivität ausgestattet, um das urteilende Subjekt unangreifbar zu machen. Im "man" entsubjektiviert sich urteilende Subjekt, macht sich das "Ich denke" zur Sache, gewissermaßen zu einem "Es", das denkt.


    die bewährte "some people say"-masche....
    gerne auch von hetzern und propagandisten verwendet - oder von FOX-NEWS und ähnlichen....

  • Es mag dringendere Probleme in der Welt geben, aber dennoch möchte ich hier die Existenzberechtigung des Indefinitpronomens "man" in Frage stellen. (..)


    Zippo, das ist ziemlich retro, weil von FeministInnen bereits als Problem erkannt, als Du wahrscheinlich gerade erst begonnen hattest, Deine ersten vollständigen Zwei-Wort-Sätze zu bilden. Der geschlechtergerechte Sprachgebrauch sieht jedenfalls eine Hyperneutralisierung vor: "mensch" statt "man" und/oder "frau". :cornut:


    Außerdem ist zu bedenken, was mit solchen Umstürzen ausgelöst würde. Auf Man-Delentzündungen kann ich gut verzichten, auf Spider-Man, He-Man, die Isle of Man oder Man go Chutney aber nur ungern. Auch die Bewohner von Man itoba (immerhin mehr als eine Million) wären sicherlich sauer, wenn sie sprachlich kastriert würden, ganz zu schweigen von den notorisch unterbewerteten Mehdorns, genauer: Man-Agern, die ohne diese wichtigen drei Buchstaben nur noch als alte Säcke rüberkommen würden. Das wäre fraglos diskriminierend.


    Andererseits würde ihnen das weitere Aufstiegsmöglichkeiten zu Best Agern, Silver Agern, Golden Agern oder auch Mid-Agern eröffnen .. :thinking-020:


    Darüber muss man ich wohl noch mal nachdenken. :joker:

    Einmal editiert, zuletzt von A0067 ()