Begriffe

  • Philosophie, nicht nur die Sprachphilosophie, hat es vorwiegend mit Begriffen zu tun. Bestehende Begriffe werden immer wieder neu interpretiert, neue Begriffe werden geschaffen und manche Begriffe werden auch als unphilosophisch zurückgewiesen. Ob etwas eine Theorie ist oder nicht, hängt vor allem davon ab, wie konsistent die Begriffe sind, auf denen die Argumentation aufbaut.


    Hier im Forum treffe ich hin und wieder auf Begriffe, die ich zuvor nie gehört habe, so z. B. der Begriff Philozionismus, dem ich hier erstmalig begegnete.
    Oder ich lese einen Begriff in einem Zusammenhang, in dem ich ihn nie vermutet hätte, z. B. das Adjektiv links zur Beschreibung von Goebbels politischer Position.
    Manchmal lese ich auch einfach nur so Begriffe, wie gerade jetzt den Begriff Gesinnungsgenosse. Dann frage ich mich nicht nur, was der Begriff heißt, sondern auch was derjenige, der ihn gebraucht, wohl zum Ausdruck bringen möchte.
    Oder: warum hat der Begriff Genosse immer noch so etwas Anrüchiges?
    Und warum klingt Liebe Freundinnen und Freunde inzwischen auch nicht weniger dubios?


    Hier ist also der thread, in dem wir uns über Begriffe und deren unterchiedlichen Gebrauch verständigen können. Sozusagen ein Entlastungthread für die Sachthreads. Wenn der Begriff geklärt ist, kann man ja wieder in die Sachdiskussion einsteigen.

  • Manche dieser Fragen stelle ich mir auch. Vor allem aber, wie gerade Du dazu kommst, diesen Thread zu eröffnen?!


    Bist Du doch gar nicht der Freund von offenen und ehrlichen Ãœbereinkünften.

  • Die Interpretation von Begriffen hängt wahrscheinlich mit dem Lebensumfeld dessen ab, der den Begriff benutzt. "Liebe Freundinnen und Freunde" kennen wir aus der Politik, er wird gerne von Sozialdemokraten benutzt, die den Begriff "Genossen" nicht mehr gern hören und noch weniger gern benutzen.
    Anrüchig ist er durch seinen Gebrauch in der weiland DDR, denke ich.

  • Ein "neumodischer" Begriff, der neuerdings oft verwendet wird, ist


    "auf hohem Niveau".


    Was hat man früher dazu gesagt?

  • Gesinnungsgenossen gibt es also nur links, während es ab Mitte Parteifreunde heißt?
    Irgendwie klingt Gesinnungsgenosse verbindlicher, als Parteifreund. Beinahe wird mit dem Begriff etwas Intimes zum Ausdruck gebacht und zugleich kritisiert. Denn Verbindlichkeit hat so gar nichts mit dem liberalen anything goes zu tun, heute dies, morgen das.


    Ich präge mal einen neuen Begriff: Verfassungsgenossen als anderer Begriff für Staatsbürger. Die verbindlichkeit des Rechtsstaats würde damit besser zum Ausdruck gebracht, denn eine innere Haltung knüpft ein festeres Band als das Institutionensystem Staat.

  • Parteifreund, ein Musterbeispiel für eine ambivalente Titulierung.


    Hinter der stereotyp jovialen Lächelfresse kaltes Metall samt Kabelage eines Cyborg:


    Barschel, Koch und dieser, dieser, ...


    ... dieser Buffjäh.

    Einmal editiert, zuletzt von Wieben Klas ()

  • haben wir schon längst.


    Ihr könnt froh sein, dass ich nicht immer offen und ehrlich bin. Ich kann eine sehr grobe Ausdrucksweise an den Tag legen. :biggrin:


    Keine Sorge, ich reiss mich zusammen.


    Ich finde den Thread übrigens gut.

  • Warum sprechen wir hier ausgerechnet über das Wort "Genossen"? Ich meine, das kommt im Forum nur selten vor, oder?

  • Warum sprechen wir hier ausgerechnet über das Wort "Genossen"? Ich meine, das kommt im Forum nur selten vor, oder?


    Ich nehme an, weil es mein Ausdruck ist ...


    Die Ãœbermacht ist links;)

  • In welchem Zusammenhang hast Du kürzlich von "Genossen" gesprochen?



    Ich habe bestimmt mal geschrieben: "Du und Deine Gesinnungsgenossen ...." Wo, kann ich nicht mehr sagen. Auf alle Fälle war es im Zusammenhang mit sozialistischer/kommunistischer Einstellung, nachdem jemand mir gegenüber frech geworden war.

  • Hier im Forum treffe ich hin und wieder auf […] einen Begriff in einem Zusammenhang, in dem ich ihn nie vermutet hätte […]

    Bereits Ernst Jandl hatte doch einst seinem Erstaunen über die von Manchem angenommene Verwechslungssicherheit von "rechts" und "links" Ausdruck verliehen… als mögliche Lichtung unklarer Begriffsdefinitionen und/oder Anwendungen hier oder in den stärker umkämpften Threads (oft auch falsch) benutzten Termini wären das Deutsche Wörterbuch Konrad Dudens oder - bei antiquiert anmutenden Wörtern - dasjenige Jacob und Wilhelm Grimms zu Rate zu ziehen. Für Fachtermini suche man sich einen passenden Thesaurus oder ein Fachlexikon.
    Philosophie basiert auf Begriffsklärung und Logik - beschränkt sich aber nicht darauf.

  • Gesinnungsgenossen gibt es also nur links, während es ab Mitte Parteifreunde heißt?
    Irgendwie klingt Gesinnungsgenosse verbindlicher, als Parteifreund. Beinahe wird mit dem Begriff etwas Intimes zum Ausdruck gebacht und zugleich kritisiert. Denn Verbindlichkeit hat so gar nichts mit dem liberalen anything goes zu tun, heute dies, morgen das.


    Ich präge mal einen neuen Begriff: Verfassungsgenossen als anderer Begriff für Staatsbürger. Die verbindlichkeit des Rechtsstaats würde damit besser zum Ausdruck gebracht, denn eine innere Haltung knüpft ein festeres Band als das Institutionensystem Staat.

    Du hast vergessen "Ironie off" zu schreiben.
    Diese Art von Verbindlichkeit, um die Du herumsäuselst, möchte ich mir nicht vorstellen.

  • Warum sprechen wir hier ausgerechnet über das Wort "Genossen"? Ich meine, das kommt im Forum nur selten vor, oder?


    von mir nicht, ich unterscheide in


    # Spezialgenossen (SPD)
    # Christgenossen (CDU)
    # Christ-Sozial Genossen (CSU)
    # Liberalgenossen (Röslers/Brüderles FDP)
    # Freigenossen ("Schnarres"/Hirsch's alte FDP)


    # Parteigenossen (SED)
    # Volksgenossen (NPD)

  • Die Interpretation von Begriffen hängt wahrscheinlich mit dem Lebensumfeld dessen ab, der den Begriff benutzt. "Liebe Freundinnen und Freunde" kennen wir aus der Politik, er wird gerne von Sozialdemokraten benutzt, die den Begriff "Genossen" nicht mehr gern hören und noch weniger gern benutzen.
    Anrüchig ist er durch seinen Gebrauch in der weiland DDR, denke ich.


    genau, das Lebensumfeld macht den Unterschied!


    "Liebe Freundinnen und Freunde" kennen wir aus der Politik, er wird gerne von Christdemokraten benutzt, die den Begriff "Liebe Spender und Verwandte" nicht mehr gern hören.


    Anrüchig ist er durch seinen Gebrauch in der CSU , denke ich.


  • "Liebe Freundinnen und Freunde" kennen wir aus der Politik, er wird gerne von Christdemokraten benutzt, die den Begriff "Liebe Spender und Verwandte" nicht mehr gern hören.


    Anrüchig ist er durch seinen Gebrauch in der CSU , denke ich.

    Stimmt, ja, der Seehofer benutzt es auch. Könnte es sein, dass es einfach in jeder Partei benutzt wird, in Ermangelung einer gleichermaßen freundlichen wie unideologischen Anrede?


    Im Alltag von Herrn und Frau Jedermann/IN kommt es selten vor, es ist völlig veraltet - ich würde z. B. nie "Parteigenossen" sagen, egal von welchen Parteien die Rede ist.

  • Hier im Forum treffe ich hin und wieder auf Begriffe, die ich zuvor nie gehört habe, so z. B. der Begriff Philozionismus, dem ich hier erstmalig begegnete.


    Was soll es da zu diskutieren geben, die Begriff versteht doch jeder. Eine geistige Unterstützung/Solidarisierung mit dem Zionismus und da es vom Kater kommt ist es wohl im Sinne des Wortschöpfers "bäh". Das kannst Du nun akzeptieren oder nicht.


    Zitat von Firecreek

    Oder ich lese einen Begriff in einem Zusammenhang, in dem ich ihn nie vermutet hätte, z. B. das Adjektiv links zur Beschreibung von Goebbels politischer Position.


    Es soll ja mal vorkommen, dass sich jemand irrt und ggf. soll es auch Personen geben, die lügen. Damit wären wir meiner Meinung nach ganz besonders bei Goebbels und dann kann auch jemand absichtlich oder unabsichtlich auf Lügen hereinfallen.


    Zitat von Firecreek

    Manchmal lese ich auch einfach nur so Begriffe, wie gerade jetzt den Begriff Gesinnungsgenosse. Dann frage ich mich nicht nur, was der Begriff heißt, sondern auch was derjenige, der ihn gebraucht, wohl zum Ausdruck bringen möchte.
    Oder: warum hat der Begriff Genosse immer noch so etwas Anrüchiges?


    Historisch ein wenig verseucht, aber darum muss man sich nicht unbedingt kümmern. Seltsam ist nur, wenn man einerseits hysterische Anfälle im Angesicht von historisch gefärbten Begriffen bekommt, sind dann aber bei anderen wundert.


    Zitat von Firecreek

    Und warum klingt Liebe Freundinnen und Freunde inzwischen auch nicht weniger dubios?


    Das war schon immer dubios in der geschlechtsexpliziten Langform ebenso wie in der generischen Kurzform. Salbungsvoll von einem Politiker ausgesprochen, bedeutet es: ranwanzen. Zu diesem Thema ein Filmtipp. "Ist ja irre - Rom" "Freunde, Römer, Bürger" oder so ähnlich.


    Gruß
    Verbalwalze

  • was mich manchmal nervt ist das wort "kontraproduktiv" ... ist fast für sich schon ne art totschlagargument, dauerbegriff für alles.