Türkischer Name ist ein Nachteil bei Bewerbungen

  • Laut einer gestern veröffentlichten Studie muß ein Bewerber um einen Ausbildungsplatz, der einen türkischen Namen trägt, eineinhalb mal so viele Bewerbungen schreiben wie sein deutscher Konkurrent, um zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.
    Insbesondere kleine Unternehmen mit bis zu sechs Mitarbeitern fallen durch eine sogenannte Nettodiskriminierung auf. Größere Unternehmen scheinen demgegenüber eine professionellere Personalpolitik zu betreiben.
    Sollte diese Tendenz anhalten, befürchten die Verfasser der Studie schon bald einen den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdenden Fachkräftemangel.
    Anzumerken ist, daß die Testbewerbungen nur von männlichen Bewerbern verschickt wurden, weil eben nicht die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern, sondern zwischen deutschen Bewerbern und Bewerbern mit Migrationshintergrund untersucht werden sollte.


    http://www.tagesspiegel.de/wir…-bewerbungen/9670856.html


    Allerdings geht die Studie nicht von absichtsvoller Diskriminierung aus, sondern sieht die Hauptursache für die Benachteiligung von Bewerbern mit türkischen Namen in "unterbewußten Assoziationen", also in einem sich selbst nicht bewußt werdenden Vorurteilsdenken des gesellschaftlichen Zeitgeists:
    "Wir haben es in den meisten Fällen wahrscheinlich damit zu tun, dass die Ungleichbehandlung eine Folge von Stereotypen, Zuschreibungen und zum Teil auch von manifesten Vorurteilen ist, die sich festgesetzt haben und die im Hintergrund wirken."


    http://www.dw.de/mit-ausl%C3%A…eniger-chancen/a-17520748

  • Interessant wäre doch mindestens eine Vergleichsgruppe gewesen:
    Wie sieht es mit anderen ausländischen Namen aus?
    Wie sieht es mit einem "von" im Namen aus?
    Wie sieht es mit anonymisierten Bewerbungen (ohne Name, Alter, Geschlecht,...) aus?



    Weitere Fragen die sich mir stellen sind z.B.:
    Wie viele Bewerber mit Ausländischem/Inländischem Namen bewarben sich jeweils als Konkurrenten um die Stelle?
    Wie groß war der Anteil der betrügerischen Bewerbungen die im Rahmen der Studie an Unternehmen/Personalleiter mit türkischen Namen gesendet wurden?
    Was waren die "Ausreden" der Personalleiter? Evtl. Fand sich


    Ich stehe selbst gerade in den Startlöchern für Bewerbungen und werde (meiner Meinung nach) unrelevante Daten wieder nicht angeben und dies im Anschreiben kurz begründen.




    Memo an mich:
    Die Studie unter http://www.svr-migration.de/co…g-am-Ausbildungsmarkt.pdf lesen und schauen ob da die Fragen zum Teil beantwortet werden.

  • Interessant wäre doch mindestens eine Vergleichsgruppe gewesen:
    Wie sieht es mit anderen ausländischen Namen aus?


    Soweit ich die Studie verstanden habe, richtete sie sich allgemein auf Bewerber mit Migrationshintergrund. Offenbar waren es aber insbesondere türkische Namen, die benachteiligt waren.
    Tabelle 8 aus deinem Link gibt die Ãœbersicht in Deutschland-
    Tabelle 9 eine Ãœbersicht Europas. In der Tabelle werden auch die Herkunftsländer der Migranten genannt.

  • Schlimm, dass Türken nun im Unterbewusstsein von Rassisten gelandet sind. Laut aussprechen (und wieder zurück ins Bewusstsein rufen) kann man es ja nicht. Sarrazin war Bestseller in diesem Land, worüber wundert man sich?

  • Schlimm, dass Türken nun im Unterbewusstsein von Rassisten gelandet sind. Laut aussprechen (und wieder zurück ins Bewusstsein rufen) kann man es ja nicht. Sarrazin war Bestseller in diesem Land, worüber wundert man sich?


    Das Problem mit dem Unterbewußtsein ist ja, daß man da so schlecht dran kommt. Was sich einmal festgesetzt hat, bricht immer wieder hervor. Sei es bei Sportveranstaltungen, wenn das Publikum gegen bestimmte Sportler pöbelt, sei es bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen. Die gute Nachricht ist allerdings, daß es für diese Form der Benachteiligung keinen gesellschaftlichen Konsens gibt, sonst gäbe es ja diese Studien nicht.

  • Das Problem mit dem Unterbewußtsein ist ja, daß man da so schlecht dran kommt. Was sich einmal festgesetzt hat, bricht immer wieder hervor. Sei es bei Sportveranstaltungen, wenn das Publikum gegen bestimmte Sportler pöbelt, sei es bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen. Die gute Nachricht ist allerdings, daß es für diese Form der Benachteiligung keinen gesellschaftlichen Konsens gibt, sonst gäbe es ja diese Studien nicht.


    Das Unterbewusstsein verarbeitet nur seine Eindrücke, welches es vom Bewusstsein erhalten hat. Viele unterdrückte Gefühle, Gedanken und Sichtweisen werden im Unterbewusstsein sortiert, strukturiert und gelöst. Ob der gesellschaftliche Konsens auch in das Unterbewusstsein reichen kann, weiß ich nicht. Ich habe da jedoch meine Zweifel.

  • Ob der gesellschaftliche Konsens auch in das Unterbewusstsein reichen kann, weiß ich nicht. Ich habe da jedoch meine Zweifel.


    Eher nicht. Aber ohne den gesellschaftlichen Konsens gegen die Benachteiligung von bestimmten Gruppen von Bürgern wäre der Rassismus noch ungezügelter.