Unendlichkeiten - Cantor und das Potenzmengenaxiom

  • Cantor zeigte mit seinem Potenzmengenaxiom, dass die Menge aller möglichen Teilmengen einer Menge immer mehr Elemente hat als die ursprüngliche Menge, auch wenn diese bereits unendlich ist. Die Potenzmenge der natürlichen Zahlen hat also eine höhere Mächtigkeit als die Menge der natürlichen Zahlen. Ihre transfinite Kardinalzahl bezeichnet Cantor mit "Aleph 1". Da er von jeder Potenzmenge wiederum eine weitere Potenzmenge bilden kann, gleicht das einem Dammbruch. Immer lässt sich eine noch mächtigere Unendlichkeit finden oder eine noch größere transfinite Kardinalzahl anschreiben: "Aleph 2", "Aleph 3", "Aleph 4" usw.


    Quelle


    Die Unendlichkeit hat meine Vorstellungskraft schon immer überfordert. Wie soll ich denn jetzt mit der unendlichen Menge der Unendlichkeiten klar kommen? :oha:


  • Die Unendlichkeit hat meine Vorstellungskraft schon immer überfordert. Wie soll ich denn jetzt mit der unendlichen Menge der Unendlichkeiten klar kommen? :oha:


    Halte es doch einfach mit Gödel:


    Zitat

    Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig.

    Quelle


    Stell Dir vor TomBac, selbst in der so formalen Mathematik haben wir es mit dem Problem nicht nur unbeweisbarer Basissätze, sondern auch noch unbeweisbarer abgeleiteter Sätze zu tun. Wie kann es vor diesem Hintergrund nur sein, dass Menschen im 21 Jhd. noch glauben können, dass gar verbal ausgearbeitete und formulierte Denksysteme (selbst wenn sie sich noch so sehr der Mathematik bedienen) vollständig und sogar beweisbar seien!?


  • Die Unendlichkeit hat meine Vorstellungskraft schon immer überfordert. Wie soll ich denn jetzt mit der unendlichen Menge der Unendlichkeiten klar kommen? :oha:


    Und ich habe geradezu Angst vor dieser unendlichen Unendlichkeit, am end ist es die Hölle und wir wissen es nicht mal.


    Schau doch mal in der Bibliothek und dort speziell in der Bunte-Sammlung mal nach, mal schauen was da steht. :p


    Zitat

    In der Zwischenzeit haben die Nachfahren einen regelrechten transfiniten Zahlenzoo entwickelt, der Cantors Mengenlehre pulverisiert. Da gibt es "unerreichbare Kardinalzahlen", ¿unnennbare Kardinalzahlen¿, ¿superkompakte Zahlen¿ und das "absolut Unendliche¿, ausgedrückt durch den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets: Omega, die größte vorstellbare Unendlichkeit in der Mathematik.


    Anders gesagt: Die ¿Unendlichkeits-Junkies¿ der modernen Mengenlehre haben Cantors Ãœberdosis noch einmal erhöht.


    Am meisten haben mir die unnennbaren Kardinalzahlen angetan:confused::grinbig: ... warum nenn ich sie überhaupt


    Zitat

    Und der Mathematiker setzt noch eins drauf: gibt es vor Cantor nur eine Unendlichkeit im abstrakten Reich der Zahlen, existieren in seiner Mengenlehre plötzlich mehrere Unendlichkeiten, die verschieden groß sind. Cantor baut mit seiner Mengenlehre einen hierarchischen Turm aus Unendlichkeiten. Auf jeder Stufe, die er im Treppenhaus seines Turms hochsteigt, werden die Unendlichkeiten größer oder mächtiger, wie die Mathematiker sagen.


    Bei so viel "Türmen" wundert mich eigentlich Dass Cantor "nur" an einer bipolaren Depression und nicht an einer haluzinatorischen Schizophrenie litt.


    Zitat

    Doch all dies geschieht, nachdem Georg Cantor die Mengenlehre entwickelt hat. Nach einem intellektuellen Aufschwung in das abstrakte Reich der Zahlen, in dem es durch Cantor plötzlich mehr als eine Unendlichkeit gibt. Formallogisch beweisbar, aber unvorstellbar und selbst für viele Mathematikerkollegen philosophisch zermürbend - bis heute. ...


    Schon die Griechen machen mit dem Unendlichen in der Mathematik Bekanntschaft. Allerdings geht man damit bis zum Auftritt Georg Cantors im 19. Jahrhundert anders um.


    Die Unendlichkeit ist nur als Idee zugelassen, nicht als etwas, das tatsächlich in der Welt existiert. Euklid beweist, dass die Menge der Primzahlen unendlich ist, aber erst Cantor behandelt sie mathematisch so, als würden alle ihre Elemente vollständig in der Welt vorliegen. Wie in einer real existierenden Kartei. Und genau darüber lässt sich bis heute trefflich streiten.


    Das liebe ich an den Griechen, pragmatisch!

  • Wie kann es vor diesem Hintergrund nur sein, dass Menschen im 21 Jhd. noch glauben können, dass gar verbal ausgearbeitete und formulierte Denksysteme (selbst wenn sie sich noch so sehr der Mathematik bedienen) vollständig und sogar beweisbar seien!?


    Wir könnten auch direkt fragen ob es Zahlen in der Natur überhaupt gibt...

  • Wie kann es vor diesem Hintergrund nur sein, dass Menschen im 21 Jhd. noch glauben können, dass gar verbal ausgearbeitete und formulierte Denksysteme (selbst wenn sie sich noch so sehr der Mathematik bedienen) vollständig und sogar beweisbar seien!?


    Oh, das ist ganz einfach: Man ziehe den Kopf aus dem......... Buch...... ich meine man hebe den Kopf vom Buch und schaue sich abgesehen von philosophischen Ergüssen mit feinster Druckerschwärze auf gutes Buchpapier gebracht mal ein wenig in der realen Welt um.


    Vorteil: Einige Dinge sind abseits vom Neonlicht der Unibibliotheken einfacher als gedacht.


    Nachteil: Es ist schwieriger, sich beim Sonnenlicht der realen Welt wie ein erleuchteter Intellektueller vorzukommen.


    Nicht jeder kann das. :)


    Letztens hatte ich zum x-ten Mal eine Matrix-Diskussion, ob alles real ist, ob wir nur in einer Gedankenwelt leben etc.. Ich habe dem Kerl eine schweres Sofakissen über die Rübe gezogen und gewarnt, dass es beim nächsten mal eine Baseballkeule sein wird, falls er nochmal an der Newton'schen Mechanik zweifelt, weil sie ihm nicht "real" genug vorkommt.


    Nicht gerade ein intellektueller Ansatz, aber sehr wirkungsvoll! :biggrin:


    EDIT: Oh, sorry, Wolf hier! Falscher Account!

  • Zerd, man könnte das Spiel auch noch weiterführen, oder noch einen draufsetzen: Ich habe mal in der Bunte gelesen (Hi Ela :) ), dass es mal einen klugen Mann gab, der Quine hieß. Ich glaube, es handelt sich dabei um diesem amerikanischen Schauspieler :) , aber das ist eine andere Geschichte... Und dieser Quine hat wohl den Gödelschen-"Dolchstoß" auf Ebene der Erfahrungswissenschaften weitergeführt.


    Ela, sieh es positiv :) : Am Ende ist die Unendlichkeit der Himmel und nicht die Hölle: Alles Gute, alles Schöne, alles Leckere findet sich in Aleph_1, Aleph_2 und Aleph_Aleph. Warum man den Bedarf verpürt, nach den Unnennbaren zu forschen, bleibt wohl ein Geheimnis der Mathematiker-Kaste (im positivsten Sinn des Wortes... simdi aramizda bir matematikci cikar, ayip olur...).
    Forschen in diesen Gebieten der Wissenschaften ist wohl immer eine Grenzerfahrung - habe ich mir sagen lassen. Eine ähnliche Krankheit hatte auch wohl der Nobelpreisträger John Nash (-> A Baeutiful Mind).
    Der pragmatische Ansatz ist mir auch sympatisch - erleichtert er doch das Leben und man muss nicht mit Mengen mit der Mächtigkeit von Aleph_Aleph_Aleph_... und Unnennbarem hantieren.


    Die Frage, ob es Zahlen gibt, omar, ist eine Frage nach dem 'Was ist existent'? Wenn du Lust und Muße hast, dann liest dir dies durch.


    So, Sotiria, damit du nicht den verbalen Baseball-Schläger rausholst, werde ich natürlich sagen, dass die Newtonsche Mechanik, die Welt so darstellt, wie sie ist; es nicht das Problem der Theorezität gibt; in den letzten 50 Jahren diesbezüglich nicht geforscht wurde und wenn geforscht worden ist, dass alle zu dem selben Ergebnis gekommen sind: Newtonsche Mechanik ist real! :) Ach, übrigens: Matrix 1. Episode fand ich gut, aber die anderen beiden überhaupt nicht. Man sollte den Hollywood-Leuten verbieten, weitere Episoden von einem erolgreichen Film zu drehen...

  • Mag ja sein, dass Pragmatismus das Leben erleichtert; genauso wie Systeme das Denken erleichtern. Aber diese Erleichterung hat seinen Preis, nämlich die Schranken, die dem Denken und Leben dadurch auferlegt werden. Diese Scheuklappen verengen das Blickfeld und fixieren es auf einen bestimmten Zweck oder ein bestimmtes Ziel, dass dann eben scheinbar "leichter" erreicht werden kann. Das ist soweit so gut, wenn man davon ausgeht, dass man den richtigen Zweck (so es einen solchen End-Zweck überhaupt gibt) bereits gefunden hat und kennt. Zweifellos verbergen sich aber in dem von den Scheuklappen abgedeckten Bereich zahllose weitere Ziele und Zwecke. Ich nehme an, dass es abzählbar unendlich viele sein werden.


    Wenn wir nun einen flüchtigen Blick auf die Geschichte der Menschen in den diversen geographischen Regionen dieser Welt werfen, erscheint es einerseits denkbar, dass die Systeme und auch das Verständnis von Pragmatismus sich ständig weiterentwickelt haben, das von den Scheuklappen freigegebene Blickfeld sich somit immer verändert oder sogar erweitert hat. Wenn man nun andrerseits die These vertritt, dass sich im Laufe dieses Prozesses auch das Leben und das Denken auf eine gewisse wünschenswerte Art und Weise verändert hat, dann könnte man doch sagen, dass das Richtige Gute Wünschenswerte Erleichternde sich bislang immer außerhalb unseres aktuellen Blickfelds befand und sich darum vielleicht auch heute hinter unseren aktuellen Scheuklappen verbirgt.


    Wie dem auch sei; wenn wir es nicht wagen, die Schranken unseres eigenen Denkens und Handelns auch nur temporär beiseite zu legen, oder gar gar nicht erst zulassen wollen, dass andere Menschen andere Schranken und damit ein anderes Blickfeld priorisieren oder zumindest erkunden wollen, dann werden wir es nie erfahren.


    In diesem Sinne soll es bitte die psychisch angeknacksten Mathematiker genauso geben wie unsere fleissigen Wissenschaftler, die Gläubigen und Religiösen, Ihre Verwandten die Philosophen, Demokraten Marxisten Nationalisten Anarchisten, Feministen Machos und Normalos, Hippies und Juppies, und was man sich sonst noch so an Denk- und Lebensart vorzustellen vermag. Und vor allem nicht zu vergessen die, die sich auf keines von all dem festlegen wollen und alles gerne mal ausprobieren. Die einzige Bedingung sollte einfach sein, dass sich keiner von denen die Dominanz seiner Denke mit dem Baseballschläger und verwandten Argumenten zu sichern versucht.

  • Ela, sieh es positiv :) : Am Ende ist die Unendlichkeit der Himmel und nicht die Hölle: Alles Gute, alles Schöne, alles Leckere findet sich in Aleph_1, Aleph_2 und Aleph_Aleph..


    Hi TomBac,
    Das ist Eldorado, was Du da gerade beschreibst. Ja und die ganzen Aleph_s wachsen dort lustig an den Bäumen, neben Erdbeeren und gebratenen Hähnchen:biggrin:

  • Mag ja sein, dass Pragmatismus das Leben erleichtert; genauso wie Systeme das Denken erleichtern. Aber diese Erleichterung hat seinen Preis, nämlich die Schranken, die dem Denken und Leben dadurch auferlegt werden. Diese Scheuklappen verengen das Blickfeld und fixieren es auf einen bestimmten Zweck oder ein bestimmtes Ziel, dass dann eben scheinbar "leichter" erreicht werden kann. Das ist soweit so gut, wenn man davon ausgeht, dass man den richtigen Zweck (so es einen solchen End-Zweck überhaupt gibt) bereits gefunden hat und kennt. Zweifellos verbergen sich aber in dem von den Scheuklappen abgedeckten Bereich zahllose weitere Ziele und Zwecke. Ich nehme an, dass es abzählbar unendlich viele sein werden.



    In der Allgemeinheit kaum angreifbar. Man könnte sich allenfalls fragen, ob das von Scheuklappen Verdeckte überhaupt existent sei, wenn es nicht oder noch nicht von Menschen gedacht, entdeckt, erfunden oder entwickelt worden ist.

    Zitat

    Wenn wir nun einen flüchtigen Blick auf die Geschichte der Menschen in den diversen geographischen Regionen dieser Welt werfen, erscheint es einerseits denkbar, dass die Systeme und auch das Verständnis von Pragmatismus sich ständig weiterentwickelt haben, das von den Scheuklappen freigegebene Blickfeld sich somit immer verändert oder sogar erweitert hat.



    In manchen Regionen hat sich gar nichts verändert. Es gibt sogar Regionen, die während langer Jahrhunderte stagniert sind oder sich zurückentwickelt haben. Nichts entwickelt sich einfach so ständig weiter.

    Zitat

    Wenn man nun andrerseits die These vertritt, dass sich im Laufe dieses Prozesses auch das Leben und das Denken auf eine gewisse wünschenswerte Art und Weise verändert hat, dann könnte man doch sagen, dass das Richtige Gute Wünschenswerte Erleichternde sich bislang immer außerhalb unseres aktuellen Blickfelds befand und sich darum vielleicht auch heute hinter unseren aktuellen Scheuklappen verbirgt.



    Der Hamlet des Forums sieht wohl gute Gründe dafür, einen solchen Absatz zu formulieren. Die Scheuklappen aber sind als solche nicht ein wirkliches Problem, denn die einen sehen das, was die anderen nicht sehen oder nicht sehen wollen. Kurzum, jeder Mensch hat seine spezifischen Scheuklappen und Epiphanien. Unangenehm wird es und entwicklungshemmend, wenn allen die gleichen Sichtblenden von einem sakralpolitischen Staat aufgesetzt werden.

    Zitat

    Wie dem auch sei; wenn wir es nicht wagen, die Schranken unseres eigenen Denkens und Handelns auch nur temporär beiseite zu legen, oder gar gar nicht erst zulassen wollen, dass andere Menschen andere Schranken und damit ein anderes Blickfeld priorisieren oder zumindest erkunden wollen, dann werden wir es nie erfahren.



    Volle Zustimmung!

    Zitat

    In diesem Sinne soll es bitte die psychisch angeknacksten Mathematiker genauso geben wie unsere fleissigen Wissenschaftler, die Gläubigen und Religiösen, Ihre Verwandten die Philosophen, Demokraten Marxisten Nationalisten Anarchisten, Feministen Machos und Normalos, Hippies und Juppies, und was man sich sonst noch so an Denk- und Lebensart vorzustellen vermag. Und vor allem nicht zu vergessen die, die sich auf keines von all dem festlegen wollen und alles gerne mal ausprobieren. Die einzige Bedingung sollte einfach sein, dass sich keiner von denen die Dominanz seiner Denke mit dem Baseballschläger und verwandten Argumenten zu sichern versucht.



    Die einzige Bedingung sollte innere Kohärenz und Widerspruchsfreiheit sein sowie die prinzipielle Möglichkeit, eine Theorie bzw. ein Denksystem Falsifizierungsversuchen zu unterwerfen. Was sich dem nicht stellt und sich dagegen immunisiert, scheidet von vorneherein aus, wenn es darum geht, ernstgenommen zu werden.
    Ansonsten volle Zustimmung!

  • Zerd, volle Zustimmung, nur an einer Stelle, ein Einwurf:


    [Blockierte Grafik: http://www.nightflight78.de/ksv_nordhorn_siedo_einwurf.jpg]


    Das Ablegen der eigenen Schranken entsteht in der Regel nur aus Not. Oder anders formuliert: Das eigene Paradigma wird nur dann aufgegeben, wenn es ein anderes Paradigma gibt, das vor dem Hintergrund des Erreichens der eigenen (vielleicht neuen) Ziele als erfolgsversprechend(er) angesehen wird. Hier stimme ich mit Stilicho überein.
    Aber verlangt man von einem Normalsterblichen nicht zu viel, wenn man ihn zum Ablegen der "eigenen Schranken" einlädt (bewußt so formuliert). Ich meine, selbst bei den "gebildetsten" Menschen gelingt dies selten, wie soll es denn bei Normalsterblichen gehen (bewußt so ironisch formuliert) (siehe Wissenschaftsbetrieb). Damit haben wir direkt auch die Ãœberleitung zu unserem Kritischen Rationalisten ( :) ): Ist innere Kohärenz und Widerspruchsfreiheit nicht zu viel verlangt, Stilicho, ich meine so im Alltagsleben? Da reicht es in der Regel aus, wenn ein Argumet plausibel ist. Außerdem müßtest du mir mal zeigen, wie du einen empirischen Widerspruch lokalisieren willst... :) (bewußt bewußt formuliert).

  • Hi TomBac,
    Das ist Eldorado, was Du da gerade beschreibst. Ja und die ganzen Aleph_s wachsen dort lustig an den Bäumen, neben Erdbeeren und gebratenen Hähnchen:biggrin:


    Du hast mich mit deinen Assoziationen auf eine Idee gebracht: Wie stell(t)en sich Künstler Unendlichkeit vor? Ich habe im Internet gesucht, habe sogar Cooliris angeworfen... falls du also wissen möchtest, wie die Unendlichkeit aussieht:


    Hier und hier ist es konkretisiert.


    Aber viel habe ich nicht finden können...

  • Das Ablegen der eigenen Schranken entsteht in der Regel nur aus Not. Oder anders formuliert: Das eigene Paradigma wird nur dann aufgegeben, wenn es ein anderes Paradigma gibt, das vor dem Hintergrund des Erreichens der eigenen (vielleicht neuen) Ziele als erfolgsversprechend(er) angesehen wird. Hier stimme ich mit Stilicho überein.


    Aus der "Not" würde ich so nicht unterstreichen, aus einem "Bedarf" könnten wir vielleicht sagen. Aber ansonsten ist das natürlich selbstverständlich; ich versuche in meinem Beitrag ja auch das "Erfolgversprechende" am Ablegen der Schranken und der Zuwendung zu neuen Paradigmen zu verdeutlichen.


    Zitat


    Aber verlangt man von einem Normalsterblichen nicht zu viel, wenn man ihn zum Ablegen der "eigenen Schranken" einlädt (bewußt so formuliert). Ich meine, selbst bei den "gebildetsten" Menschen gelingt dies selten, wie soll es denn bei Normalsterblichen gehen (bewußt so ironisch formuliert) (siehe Wissenschaftsbetrieb).

    Das ist ein sehr pragmatischer Einwand, siehe dazu zunächst mal meinen Beitrag.


    Ich finde, die vorhandenen ausgeübten Fähigkeiten eines Menschen beschränken ihn, machen ihn zu einem Akkord-Arbeiter an den eigenen Gewohnheiten. Sein ungenutztes Potential aber mag ihn zu beflügeln. Hier verhält sich vielleicht wie zwischen den Unendlichkeiten der natürlichen Zahlen und der reellen Zahlen; während die eigenen Fähigkeiten nur abzählbar unendlich viele Optionen bieten, ist das Potential unermesslich, unbekannt und unentdeckt.


    Es sollte natürlich klar sein, dass wir hier von tendenziellen Präferenzen reden und nicht von stringenten Haltungen bis zur allerletzten Konsequenz. Extreme Einstellungen und Ansichten entwickeln immer eine Eigendynamik, die durch Abkopplung von ihrem Ausgangspunkt zur Degeneration führen.

  • Unendliche Weiten. Wir befinden uns auf dem Traumschiff.


    Mathematische Unendlichkeit ist in der Wirklichkeit an Gesetze/Grenzen gebunden.
    Unendliche Geschwindigkeit ist mathematisch zwar berechenbar, aber in der Praxis bei ca. 300000 km/s.
    Diese kann man zwar durch eine Raumkrümmung überbrücken so das man theoretisch schneller als das Licht ist, aber die tatsächliche Geschindigkeit liegt trotzdem unter ihr, bzw. ist gleich Null.


    Astronomisch gesehen ist die Grenze dort wo es keine Materie mehr gibt. Das Univerum ist also nicht unendlich. Es endet beim letzten Atom das vom Urknall hinausgeschleudert wurde.
    Doch was kommt danach? Nichts? Oder ist es der Anfang von etwas neuem. Oder doch nur das andere Ende zu einer anderen Zeit.
    Wäre es was Neues, dann würde das heissen das unser Universum ein Teil in einem Multiversum ist. Womit wir wieder bei Aleph_Aleph_Aleph_....wären.
    Die andere Möglichkeit gefällt mir persönlich besser, obwol sie einem Mathematiker doch etwas beschränkt wirken wird.
    Hierzu vielleicht dieses Bildchen.
    [Blockierte Grafik: http://de.sevenload.com/im/1sjfLbt/450x349]


    Soll heissen, das wir auf der Suche nach der Unendlichen Wahrheit am Ende wieder dort stehen werden wo wir angefangen haben. Nur die Zeit wird eine andere sein.

  • Ihr redet doch ständig über "unendlich" usw. !!!


    Ist das Universum nicht UNENDLICH GROSS ?


    Das Universum kennt doch keine Grenzen oder doch ?

  • Soll heissen, das wir auf der Suche nach der Unendlichen Wahrheit am Ende wieder dort stehen werden wo wir angefangen haben. Nur die Zeit wird eine andere sein.


    So kann man es natürlich auch sehen, Nietzsche spricht ja auch von der ewigen Wiederkehr des Gleichen und meint wohl etwas ähnliches damit. Selbst das Ärgernis von der "anderen Zeit" lässt sich umschiffen, indem wir einfach auf einer Metaebene den konkreten Zeitpunkt als einen diskreten Punkt auf dem unendlichen Zeitstrahl betrachten und in diesem Sinne wäre auch die Zeit die gleiche. Wenn wir bei den Zahlen bleiben, 15 und 4 sind ja im grunde nicht gleich, aber auf der Ebene der Zahlen sind es beide Zahlen, natürliche Zahlen sogar und in diesem Sinne eben doch wieder gleich. So lässt sich jedes beliebige Paar denkbarer Einheiten so lange abstrahieren, bis wir schliesslich auf einer Ebene landen, in der sie gleich sind.


    Natürlich ist auch der umgekehrte Weg möglich, dass man nämlich vermeintlich Gleiches so lange weiter differenziert, bis sie zuletzt eben ab einer bestimmten Ebene nicht mehr gleich sind. Auch hier lässt sich das Spiel so lange weiter treiben, bis es im Universum keine zwei gleiche Einheiten mehr gibt. An anderer Stelle hatten wir hier schon einmal festgestellt, dass 4 nicht zwangsläufig 4 ist. Auf welchem Abstraktionslevel wir uns gerade bewegen ist nichts anderes als eine persönliche Präferenz, die in unseren Augen zielführend ist. Auf Gruppen bezogen, die untereinander kommunizieren müssen, handelt es sich bei dem Abstraktionslevel um eine Art agreement, die so etwas wie den "gesunden Menschenverstand" definiert.


    Aber wenn dem so ist, dann gibt es eben kein absolut richtig oder falsch, sondern immer nur Präferenzen, Perspektiven, Wahrheits- und Wirklichtkeitslevel.

  • @Zerd


    Du wirst es kaum glauben, aber ich stimme Dir da im Grunde zu. Und es mag Dich überraschen, nachdem ich in meinem alten Job oft Dinge angepackt habe, die keiner gewagt hat, ist dies bei meinem neuen Arbeitgeber sogar zu meinem neuen Beruf geworden. Weder scheue ich mich davor, Scheuklappen abzulegen noch visionär zu denken.


    Nur mein Problem ist, dass viele, bei dem Versuch Visionär zu sein, Träumer oder noch besser Traumtänzer werden. Und das nervt! Beziehungsweise es nervt besonders DANN, wenn die Traumtänzereien auch noch als intellektuelle Ãœberlegenheit verkauft werden.


    Ein konkretes Beispiel:


    Der (leider auch noch berühmte) "Philosoph" oder selbsterklärte "Naturphilosoph" Hoimar van Dittfurth schrieb unheimlich viele Bücher, in denen er unheimlich viel philosophierte, Scheuklappen ablegte und Grenzen überschritt......


    Aus Wiki:

    Zitat


    Sehr erfolgreich war Hoimar von Ditfurth als populärwissenschaftlicher Autor und Fernsehmoderator (WDR, SFB, SR, ZDF). Er überschritt dabei mutig (aber wissenschaftlich stets wohlbegründet) die interdisziplinären Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften (hier besonders zur Theologie und Philosophie). Ein bedeutender Teil seines Lebenswerkes war sein Eintreten gegen Aberglauben, Pseudowissenschaften, Kreationismus und Anthropozentrismus. Einem großen Publikum wurde er durch die von ihm 1971 konzipierte ZDF-Sendereihe Querschnitte bekannt, die er gemeinsam mit Volker Arzt bis 1983 leitete.


    ....und selbst mit nur einem Grundstudium in Physik und in Chemie (damals hatte ich ja noch Zeit dafür) konnte man glatt ins Buch beißen bei so viel Unsinn, der da verzapft wurde. Man fragte sich oft, warum er nicht einfach jemanden gefragt hat, der sich damit auskennt. Er schrieb selber einmal sinngemäß in einem Buch (und das war sein bester Satz!), dass er eine fundierte naturwissenschaftliche Ausbildung immer vermisst hatte.


    Gleiches gilt für den Star unter den Islam-Konvertiten "Maurice Bucaille", der zufällig seine Berufsgruppe mit van Dittfurth teilt. Und irgendwie überrascht mich das nicht einmal sonderlich.


    Ich habe absolut nichts gegen Visionäre. Es ist das übliche was ich nicht mag: Bilgi sahibi olmadan fikir sahibi olmak! Und dem einen oder anderen Traumtänzer tut ein schweres Sofakissen oft gar nicht schlecht! Zumindest dann, wenn er sich gegenüber der Newton'schen Mechanik als "überlegen" fühlt (Geist besiegt Materie-Geschwafel und ähnlicher Scheiß!). Wie auch einem "iman dolu gögüsüm"-Vertreter vielleicht mal die Bekanntschaft mit dem Impulserhaltungssatz nicht schlecht täte.

  • Bin "sofort bei dir", Zerd. Aber eine Frage beschäftigt mich in diesem Kontext. Wenn die Konsequenzen des Relativismus Vielfalt in der Perspektiven, Wahrheiten und Wirklichkeiten sind, dann stellt sich doch die Frage, wie eine Koexistenz im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens geschaffen werden kann. Muss es nicht eine Menge M von Aussagen geben, die für alle Lebensformen gültig ist, und somit als wahr akzeptiert wird? Um den Bezug zur "Unendlichkeit" herzustellen: Die Menge M ist natürlich nicht unendlich, sondern besteht aus abzählbaren, endlich vielen Elementen. Sogar ihre Potenzmenge ist nicht unendlich. :)

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  • Nur mein Problem ist, dass viele, bei dem Versuch Visionär zu sein, Träumer oder noch besser Traumtänzer werden. Und das nervt! Beziehungsweise es nervt besonders DANN, wenn die Traumtänzereien auch noch als intellektuelle Ãœberlegenheit verkauft werden.



    Das saß!
    Traumtänzereien sind aber nicht per se schlecht und zu vermeiden. Die bildenden und anderen Künste sind ohne sie undenkbar.
    Man muß nur wissen, wenn man träumt und wenn nicht, dh. die Vernunft darf ihre überwachende und kontrollierende Funktion nicht verlieren.
    Denn:
    "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer." Francisco Goya


  • Denn:
    "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer." Francisco Goya


    Aber:
    "Tavsan korktugu icin kacmaz, kactigi icin korkar." Nazim Hikmet


    Frei übersetzt: Der Hase flüchtet nicht unbedingt, weil er sich fürchtet, sondern vor allem fürchtet er sich, weil er flüchtet.


    Das wiederum soll bedeuten, dass die Furcht vor dem Ungeheuer in der Regel nur weitaus grausamere Ungeheuer gebiert.


    Ausserdem ist es Goya zu verzeihen, wenn er vor 200 Jahren von "der" Vernunft spricht statt von "einer" Vernunft. Wenn aber heute ein Stilicho oder ein Wolf von der einzigen und absoluten Vernunft reden, der gefälligst alle zuzustimmen haben, dann ist das nur noch ein banales durchschaubares Stilmittel und im Grunde überhaupt nicht mehr zeitgemäss.


    Zu dem von Dir so lobend hervorgehobenen Zitat aus Wolfs Beitrag kann ich nur sagen, dass Zeiten, in denen Leute, die sich einfach nur ihre eigenen mit dem Mainstream nicht völlig übereinstimmenden Gedanken machten, als Visionär oder Traumtänzer exponiert und disqualifiziert, als gefährlich erachtet und darum mit dem Scheiterhaufen oder dem Baseballschläger bedroht wurden, immer schon dunkle Zeiten waren. Ich glaube durchaus, dass wir uns derzeit wieder in einem recht schattigen Abschnitt der historischen Entwicklung befinden und kann darum mit solch plumpen Vorwürfen recht gut leben.


    Aber in jedem Menschen steckt ungeahntes Potential: selbst ihr könntet irgendwann einmal anfangen, euch sachlich mit den Themen und Inhalten und Aussagen auseinanderzusetzen, statt euch immer nur an meiner Person abzuarbeiten.


  • Aber in jedem Menschen steckt ungeahntes Potential: selbst ihr könntet irgendwann einmal anfangen, euch sachlich mit den Themen und Inhalten und Aussagen auseinanderzusetzen, statt euch immer nur an meiner Person abzuarbeiten.


    Vergiss das mal ganz schnell. Ich habe PC mit Stilichos Beiträgen aus dem PF konfrontiert, die haben den da sofort rausgeschmißen. Schlimmste Volksverhetzung. Man soll sich an Berna wenden, die müsste die Links noch haben.


    Diese Leute verfolgen eine Strategie und Wolf hat ihn nicht von ungefähr nach hier gelotst.


    Deine Beiträge sind sehr tiefsinnig und fordern wirklich den Geist heraus. Das selbige gilt für Tom, den ich schon seit langem bewundere. Er müsste bei "Hazar..." bescheid wissen.


    Schönen Tag