Entlassen wegen Spendenaktion

  • Zwei Mitarbeiter der Firma Schwan-Stabilo wurden gekündigt, weil sie eine zur Entsorgung freigegebene Küche verkaufen und den Erlös spenden wollten (was dem Image der Firma dienlich sein sollte).
    Darüber, ob die Aktion genehmigt war, differieren die Aussagen.


    Erstaunlich ist, dass zwei verschiedene Kammern des Nürnberger Arbeitsgerichts verschieden urteilten. Ein Mitarbeiter (ein Betriebsrat) muss gemäß des ersten Urteils wieder eingestellt werden, die andere Kammer befand die Kündigung des zweiten Mitarbeiters (Datenschutzbeauftragter) für rechtens.


    Abgesehen von den unterschiedlichen Urteilen, bleibt die Frage, ob es nicht in erster Linie darum ging, alte und damit teure (und eventuell unangenehme - Betriebsrat, Datenschutzbeauftragter) Mitarbeiter loszuwerden.


    Was ein Image-Gewinn hätte werden können, führt nun aufgrund der Veröffentlichung der Vorfälle direkt ins PR-Desaster, so dass die Frage erlaubt sein dürfte, wer der Firma mehr geschadet hat, die entlassenen Mitarbeiter oder die für ihre Entlassung verantwortlichen "Führungskräfte"?


    http://www.spiegel.de/karriere…eter-kueche-a-980348.html


  • Abgesehen von den unterschiedlichen Urteilen, bleibt die Frage, ob es nicht in erster Linie darum ging, alte und damit teure (und eventuell unangenehme - Betriebsrat, Datenschutzbeauftragter) Mitarbeiter loszuwerden.


    Möglich ist alles. Rein juristisch betrachtet ist zwar einleuchtend, dass man ohne Genehmigung des Eigentümers nichts verkaufen darf, was einem nicht gehört, aber die Entlassungen in diesem Fall sind doch sehr hart. Mal angenommen es steckte keine böse Absicht dahinter, ist es doch schon recht seltsam. Auf der einen Seite agiert das Unternehmen wie ein Kleinbetrieb, wo die Angestellten noch selbst mit anpacken beim Firmenmobiliar und keine externe Firma beauftragt wird. Auf der anderen Seite wirken sie wie ein anonymer Großkonzernmoloch wo keine vernünftige Kommunikation zwischen den Angestellten und den Chefs möglich ist. Eine seltsame Mischung.

  • Mal wieder ein Unternehmen auf dessen Produkte ich in Zukunft dankend verzichten werde.

  • Mal wieder ein Unternehmen auf dessen Produkte ich in Zukunft dankend verzichten werde.

    Lol! Und Du meinst, Dein Verzicht auf einen Bleistift (hergestellt im Tschechien) oder einen Textmarker innerhalb von vielleicht fünf Jahren kratzt so'n Unternehmen? Schau' Dir lieber an, mit welchen Artikeln dieser heimliche Konzern wirklich sein Geld verdient… wer hätte das gedacht? Man kann sich nämlich auch die Frage stellen, warum die beiden wohltätigen Spender ihr Vorgehen nicht in Schriftform mit der Firmenleitung abgeklärt haben. Irgendwie ist der gegen Ende des Spiegel-Artikels im Raum stehende Vorwurf des Verdachts auf Unterschlagung nicht von der Hand zu weisen.

  • Man kann sich nämlich auch die Frage stellen, warum die beiden wohltätigen Spender ihr Vorgehen nicht in Schriftform mit der Firmenleitung abgeklärt haben.


    Wer macht denn sowas? Wenn der Chef erfahrene Mitarbeiter damit beauftragt sich neben der eigentlichen Arbeit um eine Möbelentsorgung zu kümmern, zeugt das doch eigentlich von einem recht persönlichen, freundschaftlichen Umgang. Ich würde es gar als Vertrauensbeweis verstehen, der u.a. aus 25 Jahren Betriebszugehörigkeit resultiert. Dass die Vorgesetzten ihrerseits diesen Auftrag in Schriftform vergeben hätten ist jedenfalls für mich nicht vorstellbar.


    Und das Vertrauen wurde ja nun nicht ernsthaft untergraben. Die alte Küche sollte weg und darum haben sie sich gekümmert. Und dass es dann auch noch ausgerechnet einen Betriebsrat und den Datenschutzbeauftragten traf hat einen bitteren Beigeschmack. So geht man nicht mit langjährigen Angestellten um, es sei denn es gibt noch irgendwelche anderen Gründe. Welche das sind, wissen wir nicht.

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  • Und das Vertrauen wurde ja nun nicht ernsthaft untergraben. Die alte Küche sollte weg und darum haben sie sich gekümmert.

    Mich macht da eine seltsame Formulierung innerhalb des Spiegel-Beitrags stutzig - bei der nicht beanstandeten Versteigerung des Kücheninventars an Betriebsangehörige wurde der Erlös gespendet und alles war gut - beim jetzt zur Kündigung zweier Mitarbeiter geführt habenden Verkauf der Kantinenküche stand, lt. der Unternehmenssprecherin, "eine Spende im Zusammenhang mit der Entsorgung der Küche niemals zur Debatte".

    So geht man nicht mit langjährigen Angestellten um, es sei denn es gibt noch irgendwelche anderen Gründe. Welche das sind, wissen wir nicht.

    In dem anderen Bericht ("Nordbayern.de") ist erst die Rede davon, die Küchengeräte und Möbel gegen Spende zu verschenken - de facto sollen die Teile jedoch verkauft worden sein. Und jetzt stellt sich durchaus die Frage, ob wenigstens der komplette Verkaufserlös denn auch als Spende weitergereicht worden ist. Besonders misstrauisch macht mich ein unscheinbarer Satz im Spiegel-Artikel: Interessenten waren schnell gefunden: Zwei Restaurants aus der Umgebung wollten Teile der Küche kaufen. Der Erlös, insgesamt 2000 Euro, sollte an den Sozialfonds der Gemeinde Heroldsberg gehen. Welch Zufall, dass der Erlös für die zweite Küche exakt denselben Betrag ausmachte, wie die vorherige Wohltätigkeitsversteigerung! Was kostet sonst eigentlich der Erwerb einer gastronomischen Küchenausstattung? Gegen Quittung oder unter der Hand? Was ist da wirklich gelaufen?

  • Welch Zufall, dass der Erlös für die zweite Küche exakt denselben Betrag ausmachte, wie die vorherige Wohltätigkeitsversteigerung! Was kostet sonst eigentlich der Erwerb einer gastronomischen Küchenausstattung? Gegen Quittung oder unter der Hand? Was ist da wirklich gelaufen?


    Stimmt, das ist wirklich merkwürdig und deutet nicht auf eine Spende, sondern einen Verkauf hin.


    Und eine rechtmäßige Quittung müsste von Stabilo ausgestellt worden sein, aber die wussten gar nichts davon. Das lässt mutmaßen, dass es gar keine Quittung gibt und der Preis billig genug war, dass die beiden Restaurants auf eine steuerliche Absetzbarkeit verzichten. Das hat natürlich auch steuerliche Relevanz bei Stabilo, für die es hinsichtlich einer geplanten Abschreibung einen Unterschied macht ob es gespendet oder verkauft wurde. Wobei der Betrag aber eigentlich vergleichsweise nichtig ist.


    Das reicht aber m.E. nicht aus um den beiden Angestellten der Selbstbereicherung zu bezichtigen und selbst wenn wäre es Aufgabe der Staatsanwaltschaft, die von Stabiloseite nicht eingeschaltet wurde. Sind da die Kündigungen nicht auch irgendwie eine dubiose Reaktion?

  • Sind da die Kündigungen nicht auch irgendwie eine dubiose Reaktion?

    In Hinblick auf die langjährige Betriebszugehörigkeit beider gekündigten Mitarbeiter durchaus; sollte es da länger das Vorhaben gegeben haben, einen Vorwand zu finden, sich von beiden Mitarbeitern zu trennen, wäre jene nicht minder dubios anmutende Textpassage im Spiegel:

    Zitat

    Ãœber die zweite Spendenaktion kommunizierten Wolfgang L. und Herbert R. lediglich mündlich mit den Chefs […] Sie hatten den Eindruck, die Vorgesetzten seien einverstanden. Doch das war offenbar nicht der Fall

    ein vager Hinweis. Schließlich waren beide mit der Entsorgung des Kücheninventars beauftragt und man hatte ihnen ja relativ freie Hand gelassen. Also ich wüsste jetzt gern, wieviel Geld wirklich für die Küchengeräte bezahlt wurde, wovon 2.000 Euro dann gespendet wurden.