Medien im Wandel der Zeit


  • hier geht es im kern um die grundsatzentscheidung, was dominiert, der online-bereich oder die stamm-(print)-redaktion. die print-redakteure wollen nicht mit den online-leuten redaktionell unter eine haube, sie sehen sich als eine andere kategorie journalisten. es geht um eine weichenstellung für die zukunft...
    das dürfte nicht nur beim spiegel die frage sein....


    das thema soll aber nicht darauf fokussiert bleiben, was beim spiegel derzeit die gemüter erhitzt, denn durch die eigentümerstruktur und die mitspracherechte der belegschaft ist der spiegel ein sonderfall.


    ganz allgemein verändern sich die gewohnheiten und nutzungsoptionen der konsumenten - wie auch für die her- und bereitsteller von informationen. das fordert ein umdenken in den medien und auch entsprechende reaktionen. das thema wurde als teilbereich schon in mehreren anderen threads diskutiert, aber keiner schien mir zum gewählten aufhänger zu passen.


    das eingangsthema ist also nur eine etappe, die beispielsweise zur der frage führt:
    sind die 'herkömmlichen' print-medien eine akut vom aussterbenden bedrohte art?

    13 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: frageformulierung



  • Beim Spiegel geht es allerdings auch um die politische Ausrichtung. Die Personalien Büchner und Blome sprechen schon für eine einschneidende Änderung. Wer die Medienlandschaft und besonders den Spiegel über Jahrzehnte aufmerksam beobachtet hat, dem wird nicht entgangen sein, daß das Blatt (+ SpOn) schon länger nicht mehr als das "Sturmgeschütz der Demokratie" bezeichnet werden kann. Eher ein Blatt unter vielen, mainstreamadaptiert.

  • Beim Spiegel geht es allerdings auch um die politische Ausrichtung. Die Personalien Büchner und Blome sprechen schon für eine einschneidende Änderung. Wer die Medienlandschaft und besonders den Spiegel über Jahrzehnte aufmerksam beobachtet hat, dem wird nicht entgangen sein, daß das Blatt (+ SpOn) schon länger nicht mehr als das "Sturmgeschütz der Demokratie" bezeichnet werden kann. Eher ein Blatt unter vielen, mainstreamadaptiert.


    sehr richtig - und genau aus diesem grund dient mir das als beispiel. ich sehe diese entwicklung allerdings als teil des ganzen und nenne es boulevardisierung. das scheint ein generelles phänomen der zeit zu sein, denn das zieht sich ja durch den gesamten medienbereich.


    die häppchenorientierte nachrichtendarbringung, reduziert auf allgemeine und überall verfügbare news-schnippsel, die dann quer durch die redaktionen kopiert und umgeschrieben werden, einfache botschaften, kaum tiefgang, selten richtige recherche.... und das ist nun auch in der (einstigen) spitze der qualitätspyramide voll angekommen.
    das alles ist teil des problems. die mosaikteile zusammen zu tragen, zu hinterfragen und die frage nach dem "wohin?" zu stellen, ist eine grundintention dieses threads.

    6 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Man sollte die ganze Geschichte ab hier mal sehr aufmerksam lesen:


    Zitat

    Alle Ressortleiterstellen sollen neu ausgeschrieben werden, und die Ressortchefs sollen für die Mitarbeit am gedruckten Magazin und am Online-Auftritt verantwortlich sein. Bislang hatte es geheißen, dass die Redaktion des „Spiegel“ und von „Spiegel Online“ nicht fusioniert werden. Mit dem neuen Zuschnitt der Ressortleiterposten sieht das mit einem Mal schon etwas anders aus. (...)


    Die Ressortleiterposten, das wird im weiteren auch erwähnt, sind ohnedies auf zwei Jahre befristet; die Verträge werden aber verlängert, wenn jemand seinen Job gut macht. Nun haben sich einige Ressortchefs gegen Büchner auf die Hinterbeine gestellt - und als Backlash, boing!, wird offenbar schweres Geschütz aufgefahren, indem alle Verträge in Frage gestellt werden. Kann man auch als Einschüchterungs- und Disziplinierungsstrategie interpretieren.


    Btw, dass Doerry nicht mehr an der Blattmache beteiligt ist, halte ich für 'ne glatte Fehlentscheidung. Der hatte offensichtlich ein Händchen dafür.


    (..)


    ganz allgemein verändern sich die gewohnheiten und nutzungsoptionen der konsumenten - wie auch für die her- und bereitsteller von informationen. das fordert ein umdenken in den medien und auch entsprechende reaktionen. das thema wurde als teilbereich schon in mehreren anderen threads diskutiert, aber keiner schien mir zum gewählten aufhänger zu passen.


    das eingangsthema ist also nur eine etappe, die beispielsweise zur der frage führt:
    sind die 'herkömmlichen' print-medien eine akut vom aussterbenden bedrohte art?


    Um auf die grundsätzliche Frage einzugehen: ja, ich fürchte, das ist so. Es sei denn, es gelingt den Blättern, sich mit hochwertigen und teilweise exklusiv im Printmedium publizierten Inhalten von der jeweiligen Online-Redaktion abzusetzen. Dann sind etliche Leser sicherlich auch bereit, für das Printmagazin tiefer in die Tasche zu greifen. Für ein periodisch erscheinendes Magazin, wohlgemerkt, also Zeitschriften - bei Tageszeitungen sehe ich das auf Dauer noch wesentlich kritischer.


    Umkehrbar ist die digitale Entwicklung auf gar keinen Fall, halte ich auch überhaupt nicht für wünschenswert. Aber einer der Gründe für die allgemein immer weiter zurückgehende journalistische Qualität steckt m.E. in der vielerorts und nicht nur beim "Spiegel" vorangetriebenen Fusionierung von Print- und Online-Redaktionen. Auch beim "Spiegel" dürften die Redakteure dadurch endgültig zu jederzeit crossmedial arbeitenden, eierlegenden Wollmilchsäuen mutieren, die neben normaler Infobeschaffung, Recherchieren und Schreiben 'nebenbei' fotografieren, filmen, die Schnipsel mundgerecht aufbereiten und, bitte schön, bedarfsweise in Echtzeit twittern, um die von sehr viel größerem Aktualitätsdruck geprägten Ansprüche des gefräßigen Onlinemediums zu befriedigen.


    Das liegt zwar schon lange im Trend, geht aber eindeutig zu Lasten der journalistischen Qualität. Der Mensch an sich ist nun mal nicht für unbegrenztes Multitasking gebaut, noch nicht mal die zur konstanten Selbstausbeutung neigende Gattung der Schreiberlinge.


    Nun gibt's zwar für vieles auch Nachrichtenagenturen, da braucht dann der Inhalt nur kurz redigiert, mit eigenem Content "angefüttert" und auf die Seite gestellt zu werden, aber: um eine - oder sogar die - führende Position im Online-Journalismus zu verteidigen und nicht auf das Niveau von Huffington Post & Co. abzugleiten, reichen keine Agenturmeldungen. Das ist die Crux, der Produktionsdruck bei Onlinern. Und dass Print-Leute unter solchen Umständen in aller Regel wenig Lust verspüren, fusioniert zu werden, kann ich verflixt gut begreifen. Online-Redaktionen hingegen sind immer glücklich, wenn sie aufgewertet und ausgebaut werden - auch ein alter Hut .. :wink5:


    Ob und inwiefern Verlage künftig noch aufs Zeitungsgeschäft setzen, ist einfach 'ne Grundsatzfrage.
    Der Axel Springer Verlag hat es für sich längst entschieden: http://www.welt.de/wirtschaft/…-die-Haelfte-digital.html


    Und ich halte es für möglich, dass Büchner & Co. das im Rahmen ihrer Möglichkeiten abzukupfern versuchen. Was Döpfner vormacht, machen alle anderen Verlagshäuser, egal welche, früher oder später nach. Dass sie nebenbei die Printsparte beerdigen, schert sie nicht, solange die Zahlen stimmen.

    2 Mal editiert, zuletzt von A0067 () aus folgendem Grund: tf.

  • ich glaube nicht dass print-medien vom aussterben bedroht sind. und hier am beispiel von spiegel und spon, ich denke in zukunft so 40-60 jahren wird man da nicht mehr unterscheiden. das wird bei allen so ablaufen. es wird keinen qualitativen und inhaltlichen, aber vor allem strukturellen unterschied mehr zwischen der print-ausgabe und der online-ausgabe einer zeitung, magazin etc. geben. egal ob zeit, bild, faz oder spiegel. dasa wird alles oder weniger ein und dieselbe "große redaktion" sein.
    es wird zwar abteilungen geben, die sich nur auf die print-ausgaben konzentrieren. nen heft, zeitung in der hand haben ist eben was anderes. aber da wird es nur um otimierte anpassung gehen.
    genauso wird es abteilung geben die nur sich um die digitalen angebote kümmert, aber auch hier wird es nur um optimierung gehen. mit nem "pc" und so kann man eben noch anderes sachen machen, wie videos etc.


    aber ich denk so wirds sein. so wie heute dass die online-ausgaben immer so ne art "billig-version" sind ohne tiefgang und das print-heft/ding das zugpferd wird es keinesfalls bleiben. das sehe ich sicher so.
    man wird nur unterabteilungen haben die sich um die besonderheiten kümmern von den verschiedenen angeboten. bei print, und bei online, digital.

  • ... Ob und inwiefern Verlage künftig noch aufs Zeitungsgeschäft setzen, ist einfach 'ne Grundsatzfrage.
    Der Axel Springer Verlag hat es für sich längst entschieden: http://www.welt.de/wirtschaft/…-die-Haelfte-digital.html


    Und ich halte es für möglich, dass Büchner & Co. das im Rahmen ihrer Möglichkeiten abzukupfern versuchen. Was Döpfner vormacht, machen alle anderen Verlagshäuser, egal welche, früher oder später nach. ...


    naja, axel-springer springt hier halt auf den zug auf und kann das auch dank seiner möglichkeiten an kapital. die können sich hier gleich nen gutes stück vom kuchen abschneiden. bei digital, online. das beruht aber nur darauf wir sind die 1. und wir könnens. und das beruht nur darauf wir könnens uns leisten hier mal schnell und komplett uns einzurichten auf die aktuellen gegebenheiten.
    aber das wird net so bleiben. das internet, auch wenns banal kling, ist noch jung. die ganze digitale welt ist noch jung. die ganze ökonomie drum herum und mittendrin.
    das wird sich ändern und sich normalisieren. sie haben jetzt den vorteil bei axel-springer dass sich sich dank "man-power" schnell auf diesen sektor einstellen konnten. das wird aber immer weniger ein vorteil sein im weiteren verlauf der zeit.

  • Nun es wird wohl darauf hinauslaufen wie bei dem * Mannheimer Morgen * der das schon seit 7 Jahren Praktiziert , für jeden Artikel bezahlt man 50cent oder man bestellt gleich ein Monats Abo , mit Print und Online in einem Paket .


    * Die Welt * macht das ein bisschen anders , online hat man pro Monat 20 x einen freien Zugang zu Artikeln dann ist Schluß , die selbe Nummer , ein Abo oder es gibt nichts mehr außer die Online Headline ohne Zugang zum Artikel .


    Aber das Thema hatte ich schon als Thread eingestellt . * Die Zeitung im Online Zeitalter *-- * http://www.politopia.de/thread…alter?p=720315#post720315 *


    Da ging es nicht nur um die hiesige D Presse sondern um die ganze Presse im WWW Online Geschäft .


    Und zum Spiegel : Autz - BILD Blome und W. Büchner ( ex dpa Chef) waren und sind die Totengräber des Traditionellen Spiegels , bzw versuchen den Spiegel auf zu weichen und einträglich auf dem Online Markt zu vertickern .
    Häppchenweise dem sogenannten gut verdienenden Wohlstand und Bildungsbürger . Denn das ist ihr Klientel .


    Dabei blieben schon etliche gut Rechercherinde und Kritisch schreibende Journalisten auf der Strecke , die diesen Verlags / Konzern Kurs nicht mehr mit machen wollten bzw zum gehen aufgefordert wurden .




    BB

    4 Mal editiert, zuletzt von BON BOX ()

  • zum thema passender tv-tipp: [B]journalismus von morgen,[/B] arte, heute 21.30 h.


    der vorbericht dazu:

    Zitat


    Bleibt alles anders


    Auf den Spuren des "Journalismus von morgen" haben drei Filmemacher Blattmacher, Chefredakteure und Blogger auf der ganzen Welt getroffen. Ihnen gelingt ein spannendes Kaleidoskop aus Nahaufnahmen.


    (...)Gut zwei Jahre lang sind die beiden seit Februar 2011 mit dem Filmemacher Pierre-Olivier François als Regisseur von Paris aus durch die Welt gereist, nach Berlin zum Springer-Konzern, zur New York Times, zum Guardian nach London, nach Indien zur Rajasthan Patrika und haben Abstecher in die amerikanische und französische Provinz gemacht, Blattmacher, Chefredakteure, Blogger befragt.
    alles lesen

  • Dieser Thread ist wohl am besten geeignet, um die bei Spon zunächst in harmlos-schönfärberischem Ton daherkommende Mediennachricht des Tages ins Scheinwerferlicht zu rücken:


    -- snip --


    Pakt mit Verlagen: Google investiert 150 Millionen Euro in Journalismus in Europa


    Google will sein angespanntes Verhältnis zu den Verlagen in Europa verbessern - und lässt sich das einiges kosten. Der Internetriese will digitalen Journalismus in den kommenden drei Jahren mit 150 Millionen Euro fördern.


    -- snap --


    Schick, nicht? Details folgen im Lauftext und hinterlassen den Leser so ratlos und verstört wie eine im O-Ton abgedruckte Pressemitteilung (vermutlich war es auch eine, die dpa flink in den Orbit geblasen hat, worauf irgendein Mensch bei Spon das zügig anpassen und auf die Seite hieven durfte..). Aber macht Euch selbst ein Bild:


    http://www.spiegel.de/netzwelt…ionen-euro-a-1030960.html


    Weswegen ich ausnahmsweise dringlich empfehle, die Leserkommentare zu inhalieren. Die gehen nämlich angemessen kritisch an die Sache heran. Es gibt sie noch, die denkenden Medienkonsumenten..


    Acht Stunden später, nämlich heute Abend, schob Spon dann ein Erklärstück nach. Demnach hat Google 2013 in Frankreich ein ähnliches Modell getestet.


    Zitat

    Das Geld für die französischen Kollegen nannte die "Zeit" damals abfällig "Krumen für Frankreich" und kommentierte, die Verlage "liefern sich dem Netzkonzern aus":[INDENT]
    Aber haben Frankreichs Verleger Besseres verdient? Auf den säkularen Ãœbergang vom Papier ins Netz haben sie bisher nur defensiv reagiert; viel mehr als Geld von Google zu fordern, war ihnen nicht eingefallen. Die Abmachung feiern sie nun als Erfolg und sehen offenbar mehr die Millionen als die damit verbundene Eingliederung in die Konzernstrategie.

    [/INDENT]


    Die "FAZ" sah die finanzielle Unterstützung in Frankreich damals ebenfalls kritisch: Das neue Abkommen sei ein "Pyrrhussieg der Presse" und beinhalte "mehr Gefahren als Lösungen". Jetzt sagt Mathias Müller von Blumencron, der seit Oktober 2013 für die digitalen "FAZ"-Produkte zuständig sind: "Die französischen Verleger sind nicht unzufrieden damit, wie es bisher gelaufen ist."



    Nun sitzen "Zeit" und "FAZ" als einzige deutsche Medien mit im Google-Boot. Bemerkenswerter Sinneswandel, aber klar: er wird ihnen vergoldet. Ansonsten an europäischen Medien aus insgesamt sechs EU-Staaten inklusive Deutschland dabei:



    • "Financial Times" und "The Guardian" aus Großbritannien
    • "NRC Media" aus den Niederlanden
    • "Les Echos" aus Frankreich
    • "El País" aus Spanien
    • "La Stampa" aus Italien


    Und was soll das alles? Google sagt, sie wollen die Entwicklung neuer Produkte, die Aus- und Weiterbildung von Journalisten (sic!) und die Förderung von Innovationen unterstützen. In Europa.


    Klingt natürlich zu nett, um wahr zu sein, aber tun wir mal so, als gäbe es nette und vorwiegend altruistische Kraken, die nicht nur das eigene Geschäftsziel im Sinn haben. Wie ist es denn in Frankreich gelaufen?


    Dort, so Spon, "bekam die Wirtschaftszeitung "Les Echos" zwei Millionen Euro aus dem Fonds zum Aufbau einer Plattform für offizielle Mitteilungen von Behörden oder Unternehmen. Bei der Tageszeitung "Le Figaro" wurde die Entwicklung eines Systems zum Auswerten von Kundendaten mit 1,74 Millionen Euro unterstützt. Und "Le Parisien" entwarf mit Hilfe von rund einer Million Euro ein Bezahlangebot für Lokalnachrichten aus Paris und der Region. Beim Rundfunksender Europe 1 wurde der Aufbau eines neuen Videoangebots finanziert."


    http://www.spiegel.de/netzwelt…energebnis-a-1031009.html


    Aha. Also noch einmal auf Deutsch: die französischen Verlage ließen sich ihre originären Aufgaben von Google sponsern. Gut zu wissen. Auch für den Umgang mit Medien wie FAZ und "Zeit", die bis auf weiteres auch im redaktionellen Teil als wandelnde Litfaßsäulen für die Krake aus dem Silicon Valley daherkommen dürften.
    Nur, dass Ihr Bescheid wisst und Euch nicht wundert ..


    Die Entwicklung bei anderen Verlagen bleibt abzuwarten. :wink5:

    Einmal editiert, zuletzt von A0067 ()

  • Der kleine Ãœberblick hilft auf jeden Fall dabei zu wissen, welchen Mist man tunlichst nicht mehr lesen sollte....


    Und ja, ich lese bei Spon grundsätzlich immer die Leserkommentare zu den einzelnen Artikeln....


    Man kann dort so schön aussieben, wieviel geistiger Dünnschiss in den Köpfen so mancher Bundesbürger steckt....

  • hand aufs herz, wer hat noch ausgeprägtes vertrauen in die berichterstattung der presse und der medien? das misstrauen muss nicht in der verwendung absurder übertreibungen im stile von mantramäßigen wiederholungen plakativer begriffe wie etwa "lügenpresse" münden.
    kritik an der einförmigkeit und gefühlten gleichschaltung der wesentlichen publikationsorgane allerdings mit dem inzwischen gebräuchlich gewordenen gegenvorwurf der unsachlichkeit, unter verwendung genau der gleichen vokabel - jaja, alles nur lügenpressen, am besten gleich auf die fresse - zu kontern, ist auch kaum als diskursfördernd und seriös zu bezeichnen und verstärkt den eindruck meiner beobachtung nach eher noch. den eindruck des schleichenden verfalls der eigenen ansprüche an den eigenen berufsstand und die verlagshäuser etc.
    diese zweifel scheinen sich inzwischen auch bei den tragenden säulen der presse und medien - den journalisten selbst - auszubreiten, zumindest bei denjenigen, die noch mit selbstkritischer würdigung an die bewertung heran gehen.


    heute ein stück von georg diez zum thema



    die zunft scheint sich zu spalten, in die parteiischen hofberichterstatter, meist in exponierter stellung agierend, und diejenigen, die unter journalismus noch das verstehen, was sie einst in ihrer ausbildung darüber gelernt haben.

    9 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: zitat gekürzt

  • hand aufs herz, wer hat noch ausgeprägtes vertrauen in die berichterstattung der presse und der medien? (...) diese zweifel scheinen sich inzwischen auch bei den tragenden säulen der presse und medien - den journalisten selbst - auszubreiten, zumindest bei denjenigen, die noch mit selbstkritischer würdigung an die bewertung heran gehen.


    heute ein stück von georg diez zum thema


    http://www.spiegel.de/kultur/g…042001.html#ref=meinunghp


    Das Stück wollte ich gestern im Griechenland-Thread verlinken, aber hier passt es besser hin.


    Zitat von PrometheusXL

    die zunft scheint sich zu spalten, in die parteiischen hofberichterstatter, meist in exponierter stellung agierend, und diejenigen, die unter journalismus noch das verstehen, was sie einst in ihrer ausbildung darüber gelernt haben.


    Das war schon immer so. Diesen Spalt gab es schon immer, nur tritt er bei Griechenland so offen zutage wie selten. Man könnte jetzt einiges über Ausbildung und sehr verschiedene Standards sagen, über unterschiedliche Formen des Selbstverständnisses, Mentalitäten etc., aber das wäre zu akademisch.
    Für meine Begriffe sind viele Kommentatoren und TV-Moderatoren mit dem sperrigen Thema überfordert und greifen deshalb, ob im Zeitdruck oder aus anderen Gründen, z.B. zu viel Nähe und Vertrauen zu einzelnen hochrangigen Informanten, die dann ungebremst ihre Sichtweisen penetrieren, auf "bequeme", sprich: offiziell verbreitete Erklärungsmuster zurück, ohne den Faktencheck zu machen.


    Echte Erklärstücke kamen m.E. zu kurz. Aber man muss auch bedenken, dass viele Medienkonsumenten überhaupt nicht interessiert sind daran; sie wollen sich ihre eigenen vorgefassten Urteile bestätigen lassen, und wenn die nicht bedient werden, geht im allgemeinen gern mal das Lügenpresse!- und GEZ-Boykott!-Geschrei los.
    Ausnahme in letzter Zeit (so weit ich mir den Talkshow-Zirkus antun mochte): Anne Will, die gut präpariert wirkte, sich das Zepter nicht aus der Hand nehmen ließ, immer wieder nachhakte und, oh Wunder, eine zumindest näherungsweise paritätisch besetzte Runde aus Grexit-Befürwortern und Gegnern aufzubieten hatte. Ansonsten ging's in den meisten Talkshows anscheinend meist nur darum, die griechischen Vertreter mit erschlagender Mehrheit niederzumachen.
    Der Populismus feiert zurzeit jedenfalls fröhliche Urständ. Parallel dazu sind Schäubles Beliebtheitswerte in Umfragen auf nie gekannte Höhen geschnellt. Und ich wette, etliche Leute haben noch immer nicht verstanden, dass die Griechen am Sonntag nicht über einen EU-Austritt, sondern über den Euro abstimmen. Aber das führt jetzt vom Thema weg.

    3 Mal editiert, zuletzt von A0067 () aus folgendem Grund: korr.

  • mathias bröckers - auch einer von den aus der riege der "seriösen journalisten" verstoßenen, der sich früher zeitweilig auch der veröffentlichung im kopp-verlag bediente, um überhaupt eine plattform nach der publikation seines buches zum 11.september 2001 zu haben - spricht hier ausführlich über den gegenwärtigen journalismus und dessen berichterstattung über das weltgeschehen.


    seine eigene website ist entsprechend kontrovers und konzentriert sich auf inhalte und aspekte der berichterstattung, die in den hauptmedien selten oder nich zur sprache kommen.


    im zusammenhang mit 9/11 fällt nicht nur mathias bröckers das eine oder andere auf, allerdings war er einer der ersten, die sich wunderte, wie die maschinerie seinerzeit bereits funktionierte https://www.youtube.com/watch?v=jGdKQX_etdc

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()


  • Aber man muss auch bedenken, dass viele Medienkonsumenten überhaupt nicht interessiert sind daran; sie wollen sich ihre eigenen vorgefassten Urteile bestätigen lassen, ...


    Ja, richtig. Das ist so ähnlich, wie mit den Wählern (und Nichtwählern!), die - teilweise völlig zu Recht - über Parteien und Politiker schimpfen, aber genau diesen Personen letztlich durch ihr eigenes (Nicht)Wahlverhalten an die Macht verholfen haben und immer wieder verhelfen. Demokratie ist (eigentlich) eine große Errungenschaft ..., die ihre Vorteile aber nur ausspielen kann, wenn sie von einer politisch interessierten, gebildeten Bevölkerung getragen wird. Ist die Bevölkerung lethargisch, desinteressiert, unpolitisch, zum Teil auch einfach ungebildet und, sorry, schlicht dumm(!), dann werden Zusammenhänge nur ansatzweise oder gar nicht verstanden, dann verliert die Demokratie, und es "gewinnen" Systeme wie das chinesische, wo von oben entschieden wird, was gut für das Land ist und was nicht ...
    Sorry, war vielleicht etwas themenfremd, aber der Anknüpfungspunkt zu deinem Text besteht darin, dass derjenige, der kritisiert (der Medienkonsument, der Wähler), teilweise auch selbst für die (Nicht)Qualität dessen verantwortlich ist, was ihm geboten wird.



    ... und wenn die nicht bedient werden, geht im allgemeinen gern mal das Lügenpresse!- und GEZ-Boykott!-Geschrei los.


    Ja, richtig, aber ich wollte erwähnen, dass ich meine Kritik am Zwangsgebührensystem der ÖR völlig "geschreifrei" äußere. :wink5:

    Einmal editiert, zuletzt von jaki01 ()

  • mathias bröckers (...) spricht hier ausführlich über den gegenwärtigen journalismus und dessen berichterstattung über das weltgeschehen.
    (...)





    um mal deutlich zu machen, wie das runterschreiben von nestbeschmutzenden journalisten, die der zunft gehörig auf die füße treten, funktioniert, hier zwei rezensionen des buches von böckers /schreyer: "wir sind die guten"


    zum einen die eher wohlwwollende sicht des "freitag":https://www.freitag.de/autoren…linker/wir-sind-die-guten
    und als kontrast der verriss von "faz.net":http://www.faz.net/aktuell/pol…eiben-haben-13354358.html

  • seit einigen Jahren eine andere "Zunft" etabliert, die der linken political correctness, die anderen verbieten will, bestimmte Zeitungen zu lesen.


    Dies ist eine davon:


    http://pushforward.blogsport.de/aufruf/


    Man beachte bitte die Unterstützer_innen.

    Die Süddeutsche Zeitung brachte mich darauf, eine Zeitung, die sonst nicht zu den Zeitungen gehört, die ich täglich lese.


    >Linke Kampagne gegen rechte Zeitungen


    Bund der Vertreibenden


    Keine NPD-Postillen mehr am Kiosk: Eine linke Kampagne will rechte Zeitungen verbannen. Doch der Versuch, für ein politisch gesäubertes Medienangebot zu sorgen, ist umstritten.


    Rechts. Es gibt wenige Wörter, die im Deutschen so kontaminiert sind wie dieses. Rechts, das ist alles, was übel war, ist und nie wieder sein darf. Unterschiede werden selten gemacht, und wer nicht mittut im permanenten Kampf gegen das politisch Böse, muss sich meist schneller als er Meinungsfreiheit sagen kann, anhören, dass er vermutlich selbst gewisse dunkle Sympathien hegt. [...]<


    http://www.sueddeutsche.de/med…er-vertreibenden-1.974726


  • Rechts. Es gibt wenige Wörter, die im Deutschen so kontaminiert sind wie dieses. Rechts, das ist alles, was übel war, ist und nie wieder sein darf. Unterschiede werden selten gemacht, und wer nicht mittut im permanenten Kampf gegen das politisch Böse, muss sich meist schneller als er Meinungsfreiheit sagen kann, anhören, dass er vermutlich selbst gewisse dunkle Sympathien hegt.


    Tröste dich, wenn ich kritisiere, wie (schlecht) hier zum Teil Flüchtlinge untergebracht und behandelt werden, wenn ich gegen Massentierhaltung und für Bio-Produkte argumentiere, wenn ich gegen Atomkraft bin, deutsche Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien verurteile und mich für den Schutz der Ozeane und Regenwälder einsetze, wenn ich also meine Meinung äußere - dann bekomme ich aber so was von schnell die "Gutmenschenkeule" übergebraten, und zwar meist von denen, die sich so oft darüber beklagen, der "linke Mainstream" würde ihnen jegliche Meinungsäußerung verbieten ...
    Wie so häufig hat auch diese Medaille zwei Seiten.

  • […] sind die 'herkömmlichen' print-medien eine akut vom aussterbenden bedrohte art?

    Zumindest tendiert der Zeitungsmarkt seit geraumer Zeit dazu, zu schrumpfen. Auflagenzahlen gehen zurück, Werbeeinnahmen sich demzufolge ebenfalls rückläufig… gerade lese ich, dass es jetzt auch das Gelnhäuser Tageblatt nach 184 Jahren erwischt - und die Zeitung ist im Rahmen des Konzentrationsprozesses ja längst in Händen eines Verlages, der eine ganze Reihe regionaler Presseerzeugnisse aus dem Rhein-Main-Gebiet aufgekauft hat, und der stolz verkündet verkündet, das Tageblatt sei die auflagenstärkste Tageszeitung der ehemaligen Kreisstadt…

    […] Keine NPD-Postillen mehr am Kiosk […]

    In meiner Nachbarschaft haben einige Kioskbetreiber sogar die BILD-Zeitung aus ihrem Sortiment verbannt und weisen in der Ladentür bisweilen extra darauf hin. Ein wirklicher Verlust in Hinblick auf die Möglichkeit, sich zu informieren, ist damit nicht einhergegangen…

  • In meiner Nachbarschaft haben einige Kioskbetreiber sogar die BILD-Zeitung aus ihrem Sortiment verbannt und weisen in der Ladentür bisweilen extra darauf hin. Ein wirklicher Verlust in Hinblick auf die Möglichkeit, sich zu informieren, ist damit nicht einhergegangen…


    Na, ich weiß nicht. Das ist ja Zensur.


    Wird sie jetzt wie Pornohefte unterm Ladentisch gehandelt?

  • […] ich weiß nicht. Das ist ja Zensur.

    Nä. Eigentlich fällt's unter die Freiheit unternehmerischer Entscheidung, welche Waren/Produktgruppen er in seinem Sortiment führt - und welcherlei Kundschaft er vielleicht seinem Laden fernhalten will…

    […] Wird sie jetzt wie Pornohefte unterm Ladentisch gehandelt?

    Du bist nicht auf aktuellem Stand - der Markt für Pornohefte (Printmedien) ist doch recht klein geworden… an manchen Tankstellen sind entsprechende Erzeugnisse (in Klarsichtfolie verschweißt) im obersten Regal unter den Zeitschriften zu finden - in Kiosken eher nicht.