Medien im Wandel der Zeit

  • hand aufs herz, wer hat noch ausgeprägtes vertrauen in die berichterstattung der presse und der medien? […]

    Das doch recht populär gewordene Schlagwort von der "Lügenpresse" gibt beredt Auskunft darüber, wie's um des Bürgers Vertrauen in die Berichterstattung bestellt ist… und selbst das Flaggschiff der täglichen Nachrichtenübersicht in der Tagesschau, deren Premiumsendung nicht mehr die 20-Uhr-Nachrichten darstellen, sondern die ausführlicheren "Tagesthemen" zwischen Prime-time und Spätprogramm unterliegt personellen und modischen Änderungen. Ob das Format damit an Glaubwürdigkeit gewinnt, bliebe abzuwarten.

  • Dem vorigen Beitrag wäre nachzusenden, dass sowohl die"Tagesthemen" (ARD) als auch das "heute-journal" (ZDF) dem jeweils 40. Jahrestag ihrer Erstausstrahlung entgegenstreben. Zum Jubiläum gibt's sicher ein paar Videoschnipsel, die frühere Sendungen, d.h. Nachrichten und die jeweilige Berichterstattung in Erinnerung rufen, was Gelegenheit böte, diesen Thread wiederzubeleben.

  • […] ich lese bei Spon grundsätzlich immer die Leserkommentare zu den einzelnen Artikeln. Man kann dort so schön aussieben, wieviel geistiger Dünnschiss in den Köpfen so mancher Bundesbürger steckt...

    Insofern bietet die Ergänzung des Pressewesens um Online-Angebote immerhin die Möglichkeit, das, was sonst in Papierform als Leserbrief die Redaktionen erreichte und (aus Platzmangel) nicht abgedruckt wurde, quasi ungefiltert kennenzulernen.
    Andererseits erfolgen die Leserzuschriften, weil das Computer gleich verfügbar ist, und das Absenden einer Reaktion nichts extra kostet, noch wesentlich spontaner als zuvor die Leserbriefschreiberei… in gewisser Weise können die Medienmacher so auch einen stärker zutreffenden Eindruck von der mehrheitlichen Weltanschauung der mit ihrem Blatt erreichten Leser gewinnen.
    Und während früher sich Zeitungen um die spektakulärsten Meldungen rissen, ist's heutzutage die Auffüllung des Weltgeschehens mit Meldungen aus dem Privatleben von Promis, die offenbar das Leserinteresse weckt.


    Auch die Präsentation ganz normaler Bürger erfreut sich leserseitiger Beliebtheit. So "berichtet" heute das Hamburger Abendblatt von zwei Architekturstudentinnen, was Gelegenheit gibt, die Hafencity Universität und die Schwierigkeit, preisgünstigen Wohnraum in Hamburg zu finden, zu erwähnen, ein wenig Schleichwerbung für "Stilbruch" und den Verkauf aufgearbeiteten Sperrmülls durch die Stadtreinigung einzuflechten, und Bildmaterial einer recht minimalistisch eingerichteten 2-Zimmer-WG zu zeigen, nicht ohne abschließend den Traum einer später zu beziehenden größeren, zentral gelegenen Altbauwohnung in Eimsbüttel, in der Schanze oder in Altona aufleuchten zu lassen.

  • Im Thread über den Stand der Koalitionsgespräche zwischen CDU und SPD antwortete User "Grauer Kater" auf einen meiner Beiträge mit den Worten:

    Diese politischen Lachnummern könnten die Medien sowieso einstellen, reine Geldverschwendung. Dafür wissenschaftliche Sendungen ins Programm aufgenommen, würde den Bürgern mehr nutzen.

    Insofern passt eine Erwiderung darauf eher in diesen Thread, schließlich haben sich im Laufe der Zeit nicht nur die Medien selbst gewandelt, sondern vor allem die Mediennutzung… und den Einschaltquoten nach zu urteilen scheint der informationsmüde Bürger von heute doch eher Castingshows, das Dschungelcamp und ähnliche Serienformate zu bevorzugen.
    Politiker, die ihre ohnehin bekannten Positionen in Talkrunden bekanntgeben und dabei trash-TV-taugliches Benehmen an den Tag legen, scheinen allerdings ebenfalls ein Dauerbrenner zu sein.

  • Heute steht im kostenpflichtigen Bereich von SPON ein lesenswertes Stück über die Krise des Journalismus und die Glaubwürdigkeit der Medien.
    Das Bemerkenswerte ist dabei, dass - bei aller Ausführlichkeit und Differenzierung der Betrachtung - eines besonders deutlich wird: das Ausmaß des Blinden Flecks der Autorin - und ich möchte extrapolieren, des gesamten Berufsstandes, was selbstredend auch Raum für Ausnahmen lässt.


    Es ist Erstaunlich. Am Ende komme ich zu dem Schluss, dass die Autorin entweder nicht wirklich verstanden hat, worum es geht, oder aber von der sprichwörtlichen Wagenburgmentalität vereinnahmt wurde, die dazu führt, dass am Ende der Eindruck entsteht, es gäbe eigentlich gar keine Krise des Journalismus, sondern es handelt sich in Wirklichkeit um eine Krise der Medienkonsumenten.
    Anstatt eine selbstreflexive Betrachtung und Analyse zu betreiben, werden die Leser analysiert und plakative Gegensätze aufgebaut, an deren Ende - verkürzt gefasst - steht: im Gegensatz dazu bin ich doch Gold.


    Die Bezahlschranke in Höhe von 39 ct für dieses Stück ist in Wirklichkeit keine.
    Wer anklickt bekommt virtuell 39 ct in Rechnung gestellt. Ich habe allerdings noch nie eine Rechnung präsentiert bekommen, obwohl ich bereits mehrfach kostenpflichtige Angebote von SPON gelesen habe - ganz ohne irgendwelche Tricks.
    Hier geht es zum Beitrag.


    Nachtrag: interessant sind die Kommentare der Leser, die auch ohne Bezahlschranke einsehbar sind:
    http://www.spiegel.de/kultur/g…-ueber-uns-a-1195170.html

    3 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • ....Wer anklickt bekommt virtuell 39 ct in Rechnung gestellt. Ich habe allerdings noch nie eine Rechnung präsentiert bekommen, obwohl ich bereits mehrfach kostenpflichtige Angebote von SPON gelesen habe - ganz ohne irgendwelche Tricks....


    Die kommt erst, wenn der Gesamtbetrag 5€ übersteigt.

  • Ja, so steht es da, aber ich starte immer wieder bei 39 ct., wie es scheint, ist das System nicht richtig ausgereift.

  • […] die Krise des Journalismus […]

    […] hängt - zeittypisch - mit dem allumfassenden Wandel der Lese- und Konsumgewohnheiten der Verbraucher zusammen. Wo der Leser schwerpunktmäßig unterhalten werden will, ansonsten aber erwartet, Info-Bröckchen im Twitter-Format und gratis serviert zu bekommen, erübrigt sich journalistische Arbeit. Für die Medienmacher rechnet sich der größere Aufwand nicht, und mit schwindenden Leserzahlen geht den Verlagshäusern und ihren Produkten zudem ihre Bedeutung als Werbeträger verloren.


    Wer den Wandel der Medien im Laufe kleinerer oder größerer Zeiträume anschaulich nachzuvollziehen wünscht, dem bleibt wohl kaum eine Reise nach Aachen erspart, wo das Internationale Zeitungsmuseum beheimatet ist. (Die Gründungsabsichten eines Vereins in Hamburg haben sich mit der Zeit zerschlagen) In Washington D.C. residiert sein amerikanisches Pendant, das Newseum. Und ihren jeweiligen Zeitgeschmack dokumentieren Plakate, Handzettel u.ä. kurzlebige Druckerzeugnisse mit äußerster Genauigkeit, weswegen derartige Ephemera in einigen Bibliotheken ebenfalls archiviert und bisweilen ausgestellt werden.

  • Im Zeitalter der Multimedialität und der social media verschwimmen die Grenzen: Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten twittern und deren Satire-Redaktion bekennt sich dazu (oder brüstet sich damit), Umfrageergebnisse zu fälschen bzw. zur Verfälschung dieser aufzurufen… gab's eine solche Siegesgewissheit nicht schon einmal? Der billige Lacher als Symbolbild für die mit zum Nulltarif gekauften Stimmen gefoppte AfD wähnt sich als moralischer und politischer Sieger - und vergeben ist die Chance, nun erkennen zu müssen oder zu dürfen, wie die Stimmungslage innerhalb der bei Umfragen aktiven Nutzer derartiger Teilnahmemöglichkeiten bei inoffiziellen Umfragen tatsächlich aussieht…

  • ... Für den Endverbraucher wird sich wohl nicht viel ändern, ...


    aber vor allem doch deshalb: "... Die grösste Gefahr für die Wahrheit ist nämlich nicht die Lüge, sondern der Bullshit. Und die grösste Gefahr für die Demokratie ist nicht der Hass der radikalen Verlierer, sondern das Schweigen der vielen, die sich vom Paternalismus der Medienelite bevormundet fühlen."
    http://folio.nzz.ch/2018/juni/die-gedanken-sind-nicht-frei


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Oha, da hast du dir aber jemand ausgesucht ....


    Norbert Bolz


    Zitat

    „Soziale Gerechtigkeit“ sei die Maske des Neids.
    „Teamfähigkeit“ sei die Maske des Hasses auf die Erfolgreichen.
    „Dialog der Kulturen“ sei die Maske der geistigen Kapitulation vor fremden Kulturen.


    Ist der eher bei der AfD oder beim äußerst rechten Flügel der FDP einzuordnen?


    Denn, dass der dem wissenschaftlichen Beirat des Wirtschaftsrates der CDU angehört ist nicht wirklich kongruent.


    Nachtrag: Dass der einen Lehrauftrag an der TU in Berlin hat erklärt einiges, besonders wenn man sich einige der im Medienbereich tätigen, sich für elitär haltenden Wichser genauer betrachtet.

    2 Mal editiert, zuletzt von Diogenes2100 ()

  • Ändert nichts daran, dass die Aussage - die kommt von jemand anderes, ist schon ziemlich alt, müsste mal nachsehen, wo das geklaut wurde - richtig ist.
    Sinngemäß passt das schon. Die offensichtlichsten Lügen könnten ja eigentlich recht einfach entlarvt werden, wenn die Wahrheiten nicht so ungeniert relativiert und tief in allerlei Scheixxe (Bullshit) verbuddelt würden, dass die Leute das alles inzwischen einfach so schlucken, weil es schlicht zuviel ist, um alles zu hinterfragen und zu verifizieren.

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: in

  • Ändert nichts daran, dass die Aussage - die kommt von jemand anderes, ist schon ziemlich alt, müsste mal nachsehen, wo das geklaut wurde - richtig ist.
    Sinngemäß passt das schon. Die offensichtlichsten Lügen könnten ja eigentlich recht einfach entlarvt werden, wenn die Wahrheiten nicht so ungeniert relativiert und tief allerlei Scheixxe verbuddelt würden, dass die Leute das alles inzwischen einfach so schlucken, weil es schlicht zuviel ist, um alles zu hinterfragen und zu verifizieren.


    Ich habe weniger ein Problem mit diesem einen Satz, egal ob geklaut oder selbst geschöpft, sondern mit dem Rest seines Pamphlets.

  • Tausche doch einfach die Namen aus.
    Setze Putin an Stelle von AfD, Trump, Brexit usw. alles, was dir in diesem Text nicht passt, und du hast eine fundierte, die Realitäten abbildende Aussage, die dir bestens konvenieren müsste, weil es doch genau das ist, was unter anderem Du über den politischen Gegner und die Systematik der "Wahrheitsgestaltung" in anderen Zusammenhängen selbst schreibst...:erol:

  • Du wirst lachen, aber mir ist der gleiche Gedanke in Bezug auf unsere Russland-Diskussionen ebenfalls gekommen. Denn auch Du, Uncas und die Walze agieren auf einer Schiene, die abweichende Meinungen mehr oder weniger verdammt.


    Besonders bei unserem Wälzchen finde ich Parallelen zu Blome:


    Ab 4:50 wird es interessant:



    Blome steht auch auf dem Standpunkt, dass Kriege, die von Demokratien begonnen werden anders zu bewerten sind als wenn z.B. Russland einen startet.

    2 Mal editiert, zuletzt von Diogenes2100 ()

  • Du wirst lachen, aber mir ist der gleiche Gedanke in Bezug auf unsere Russland-Diskussionen ebenfalls gekommen. Denn auch Du, Uncas und die Walze agieren auf einer Schiene, die abweichende Meinungen mehr oder weniger verdammt.



    Und mit dieser Aussage stellst Du in Bullshit-Manier den Sachverhalt komplett auf den Kopf.
    Denn die Einäugigkeit ist ein an Dich gerichteter Vorwurf, weil du mit dem Verweis auf andere Machenschaften - die zu verurteilen sind - die Machenschaften der Russen relativierst und entschuldest. Was natürlich aberwitzig ist, denn zweimal Unrecht wird nicht zu Recht. Im Gegensatz zu Uncas, der die Amis seit Jahren kritisiert, ist deine Kritik an gleichem Gebaren der Russen eher in homöopathischer Dosierung ausgeprägt, weil sich der Don und seine Oligarchen ja angeblich stets "nur verteidigen", und auch gar keine Gauner sind, natürlich nicht, wer könnte sowas nur behaupten. Und dann auch noch die böswillige Unterstellung, dass sie andere überfallen...;)

    Und die Leidtragenden, die Ãœberfallenen, Drangsalierten, Bedrohten, ... die müssen eben damit leben. Die werden in deinen Erläuterungen bestenfalls zum Spielball, tragen eben ein Schicksal, das sie hinzunehmen haben, wenn höherwertige strategische Interessen der Russen es so wollen. Streben nach Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie scheint bei dir in diesen Zusammenhänge eher als lästiges Gedöns daher zu kommen; aber wenn die Amerikaner sich daneben benehmen, dann wird das alles plötzlich wieder wichtig, zum zentralen Thema, zum Kardinalproblem. Völkerrecht, jaja...


    Das wirkt alles einseitig, selektiv und daher ziemlich pharisäerhaft - und nicht sonderlich Vertrauen erweckend vorgetragen. Weder Uncas, noch ich haben jemals den Imperealismus der USA so verteidigt, wie du das imperialistische Gehabe der Russen.


    Und so werten sich dann die nachgeschobenen Erläuterungen drum herum fast wie von alleine...

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Und mit dieser Aussage stellst Du in Bullshit-Manier den Sachverhalt komplett auf den Kopf.
    Denn die Einäugigkeit ist ein an Dich gerichteter Vorwurf, weil du mit dem Verweis auf andere Machenschaften - die zu verurteilen sind - die Machenschaften der Russen relativierst und entschuldest. ...


    Kennst du den Unterschied zwischen Verständnis und Entschuldigung?


    Der Relativierungsvorwurf ist nichts weiter als die Krönung jeglichen Bullshits, eine argumentative Bankrotterklärung.


    Putin ist ein Riesenarsch, Bush, Obama und Trump, Assad und zig weitere ebenfalls. Kann man gut heißen, was diese Kriegsverbrecher anrichten? Nein, keinesfalls. Kann man Verständnis, im Sinne von "verstehen, warum die das tun" für die Handlungen aufbringen? Ja, natürlich. Würde ich so handeln, wenn ich an ihrer Stelle wäre? NEIN, NEIN und nochmals nein.


    Ihr stoppt einfach an der Stelle mit dem "Verstehen", bleibt in eurem ideologisch argumentativen Käfig und fangt an um euch zu schlagen, wenn jemand anderer Meinung ist.

  • aber vor allem doch deshalb: "... Die grösste Gefahr für die Wahrheit ist nämlich nicht die Lüge, sondern der Bullshit. Und die grösste Gefahr für die Demokratie ist nicht der Hass der radikalen Verlierer, sondern das Schweigen der vielen, die sich vom Paternalismus der Medienelite bevormundet fühlen."
    http://folio.nzz.ch/2018/juni/die-gedanken-sind-nicht-frei


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Wie hat ausgerechnet Julian Reichelt mal auf einer Podiumsdiskussion erkannt: "Wir in den Medien haben Reichweite mit Zustimmung verwechselt." Dieser Zustand hält in den Medien und in der Politik bis heute an.