Gibt es einen Fachkräftemangel? Oder einen Mangel an Ausbildungsbereitschaft?

  • Und noch eins , viele Italienische exklusive Firmen wie Prada - Versace - D&G - usw usf , lassen heute alle nur noch in Asien sprich China produzieren .


    Na wenn das mal nicht langfristig der Schuß ins Knie ist , den die Italienischen Textil Facharbeiter gehen entweder weg oder in Rente . Youngster werden überhaupt nicht mehr am Textil - Stoffe - Zuschneiden - Design usw ausgebildet .
    Das ist die Cux .


    BB


    Tja, in Deutschland (und anderen europäischen Staaten) gilt die Ausbildung zum doofen Konsumtrottel als erste Bügerpflicht. Dass aber auch Trottel Geld zum Konsum brauchen und dass das in aller Regel nicht vom Himmel fällt, scheint den Lehrmeistern der Konsumtrottelei entgangen.


    Wenn dann irgendwann die Sklaven der Moderne in Ãœbersee und anderswo in den Streik tretenünde dafür hätten sie mehr als genug), werden wir dumm aus der Wäsche schauen wenn wir dann feststellen, dass sich eine Hose nicht von alleine näht und ein Armaturenbrett sich nicht von alleine einbaut.

  • (...) werden wir dumm aus der Wäsche schauen wenn wir dann feststellen, dass sich (...) ein Armaturenbrett sich nicht von alleine einbaut.


    die qualifizierte montage-arbeit ist längst der systematisch strukturierten anlerntätigkeit gewichen.
    die fertigungsstraßen bedürfen keiner facharbeiter. die anlagen müssen von einem entsprechend qualifizierten wartungstrupp am laufen gehalten werden und die systemsteuerung wird von der IT erledigt. die montage eines armaturenbrettes wird den zunehmend eingesetzten zeitarbeitssklaven an einem vormittag in einem praxiskurs gezeigt, danach sind die erforderlichen qualifikationen für den arbeitsschritt erworben. so läuft das heute.

    5 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Vielleicht muss man die Fragestellung mal aus einem anderen Aspekt betrachten. Welche innovativen, die Menschheit voranbringenden Entwicklungen in Wissenschaft, Technik und Technologie gehen denn noch derzeit von Deutschland aus??? Bei vielen Schlüsseltechnologien haben wir die Führung abgegeben. Naturwissenschaften führen ein Nischendasein an den Universitäten, technische Disziplinen ebenso, Spitzenforschung findet nur in Ausnahmefällen statt, die Realisierung der Ergebnisse übernehmen ausländische Unternehmen, weil die Politik in Deutschland völlig unzureichende Rahmenbedingungen schafft, die nur die alten Zweige der Wirtschaft noch am Leben erhalten. Bestes Bespiel ist die verpfuschte Energiewende! Wozu braucht man also noch teure dt. Fachkräfte in Festanstellung, wozu soll man als Unternehmen ausbilden und die Versäumnisse eines antiquierten Schul- und Bildungssystems aufarbeiten, sich mit wenig motivierten Lehrlingen herumärgern, die keinen Biss haben, lernen zu wollen?
    Es gibt genügend Fachkräfte auf dem internationalen Markt und bei Automation reicht es meist sogar, sie bloß anlernen zu müssen.

  • [quote='PrometheusXL','http://politopia.de.w018f524.kasserver.com/forum/index.php?thread/&postID=788578#post788578']das entscheidende ist die motivation.
    jeder mensch ist motiviert. die frage ist nicht ob, sondern wofür sich ein mensch interessiert.
    die aufgabe für führungspersonen - also eltern, lehrer, vorgesetzte etc. - besteht darin, die vorhandene motivation zu erkennen und zu kanalisieren. wer gegen die bestehende motivation mit gewalt (druck) agiert, baut damit nichts auf, sondern (zer)stört das vorhandene potenzial.
    vermutlich hat sich noch niemand mit dem jungen mann ernsthaft über dessen wahre talente, interessen und motive unterhalten,
    ...[
    /QUOTE]


    Ein Talent wurde im Eingangsbeitrag ja bereits erwähnt, aber vermutlich noch nie als Talent gesehen: die Kommunikations- und Diskussionsstärke. Gerade in der heutigen Welt ist das ein sehr wichtiges Talent, mit dem man sehr viel anfangen kann. Wenn die in den Alter durchaus normalen unrealistischen Vorstellungen von Arbeit und Leben sich angepasst haben, kann das seine größte berufliche Stärke werden. Zumal sich die Welt auch im Bereich der Prioritätensetzung verändert. Für viele junge Leute gibt es Wichtigeres, als Karriere um jeden Preis zu machen. Arbeit ist da, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen; im Zweifel hat Freizeit (= auch Familienzeit) einen höheren Stellenwert als eine bessere Bezahlung oder irgendein hochtrabender denglischer Titel.

  • [QUOTE=SPr;788866........................ Arbeit ist da, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen; im Zweifel hat Freizeit (= auch Familienzeit) einen höheren Stellenwert als eine bessere Bezahlung oder irgendein hochtrabender denglischer Titel.[/QUOTE]


    Motivation beginnt im Kleinkindalter und vor allem in einer bildungsaffinen Umwelt, die die Freude am Lernen fördert. Wenn in einer Gesellschaft die Mehrzahl der Kinder in bildungsfernen Milieu geboren werden und aufwachsen, das staatliche Bildungswesen auch noch zusätzlich versagt, kann diese Gesellschaft nicht mehr mit den Erfordernissen der Entwicklung Schritt halten. Eine technologische und wissenschaftliche Spitzenposition wird damit zunehmend utopisch. Wenn dann auch noch dümmliche Politik dazu kommt, wie wir sie seit Schröders Kanzlerschaft erleben, müssen wir uns nicht wundern, dass auch Deutschland im Wettbewerb an Boden verliert, obwohl der Nimbus "Deutscher Wertarbeit" noch manche Abstürze kaschiert.

  • Wenn dann auch noch dümmliche Politik dazu kommt, wie wir sie seit Schröders Kanzlerschaft erleben, […]

    Die Ära "dümmlicher Politik" setzte lange vor Schröder ein - mehrheitsfähig war Politik, welcher dies Attribut zugeschrieben werden konnte, eigentlich seit jeher.

  • Die Ära "dümmlicher Politik" setzte lange vor Schröder ein - mehrheitsfähig war Politik, welcher dies Attribut zugeschrieben werden konnte, eigentlich seit jeher.


    Allerdings muss ich Dir da zustimmen, doch mit Schröder setzte eine Phase der Steigerung der Dümmlichkeit ein, die man so nicht vermutet hätte, zumal sie nach ihm noch weiter gesteigert werden konnte, so dass wir uns nun im Kalten Krieg II wiederfinden.

  • die qualifizierte montage-arbeit ist längst der systematisch strukturierten anlerntätigkeit gewichen.
    die fertigungsstraßen bedürfen keiner facharbeiter. die anlagen müssen von einem entsprechend qualifizierten wartungstrupp am laufen gehalten werden und die systemsteuerung wird von der IT erledigt. die montage eines armaturenbrettes wird den zunehmend eingesetzten zeitarbeitssklaven an einem vormittag in einem praxiskurs gezeigt, danach sind die erforderlichen qualifikationen für den arbeitsschritt erworben. so läuft das heute.


    Ich widerspreche dir da nicht. Die deutsche Arbeitswelt in der Produktion zeigt damit eine Polarisation, in der sie sich in schlecht bezahlte Doofi-Jobs und besser bezahlte intelligentere Arbeiten splittet, wo die letzteren die Produktion (mitsamt der Doofi-Jobs) planen und steuern.


    Ich behaupte mal, dass eine solche Politik nicht unbedingt positiv zur Entwicklung der Gesellschaft, deren gesamten Intelligenzniveau und deren Zusammenhalt beiträgt. Sie setzt in erster Line auf eine höhere Profitabilität, an der bestenfalls die Verbraucher durch sinkende oder stagnierende Preise teilhaben können, es steht aber dem Mehr an billigen Konsum ein ebenfalls deutliches Plus an wachsenden sozialen und gesellschaftlichen Problemen gegenüber.


    Die Arbeitswelt wird steriler, kälter und zunehemd quantitativ wie qualitativ entmenschlicht.
    Wo früher noch eine Horde Abeiter schwitzte und fluchte werkeln Roboter und Maschinen, von wenigen IT- Spezialisten und Mechatronikern überwacht. Bahnhöfe sind entpersonalsierten Haltepunkten gewichen, wo es Auskünfte und Fahrkarten am Automaten gibt (wenn der funktioniert) und meist kein Schwein sich stört, wenn das sterile Ambiente von ein paar Sprayern aufgehübscht, die Uhr von besoffenen Vandalen außer Funktion und der Papierkorb in Brand gesteckt wird. Zur sozialen Wärme trägt das letzere dann auch nicht bei.


    Der Faktor Mensch taucht im Tunnelblick all dieser m.E. kranken Betriebswirtschaft auf der Ausgabenseite nur noch als Kostenfaktor auf, den es am besten zu eliminieren gilt oder aber zumindest in seiner Kostenintensität zu drücken geht.


    Perverserweise sollen die selber somit in den Erwerbsmöglichkeiten gedrückten Menschen den Kostendrückern die von Maschinen vollproduzierte Hütte leer kaufen, was nicht nur ökologisch oft ein satter Schmarren, sondern volkswirtschaftlich in dieser Einseitigkeit auf Dauer nicht funktionieren kann.


    Die soziale Schieflage innerhalb der EU sehe ich als ein Symptom dafür: Die neoliberale Ausrichutng der Wirtschaft wie Politik hat sinnvolle Kreisläufe in der geldbasierten Wirtschaft unterbunden bzw. ad absurdum geführt, die Veramung breiter Bevölkerungsteile sowie die massive Verschuldung einzelner EU Staaten sehe als eine Folge dieser Fehlpolitik. Diese Politik schaut nie auf das Gesamte und wenn, dann nur um wieder aus einem Gesamtblick wieder selektives privates Kapital zu schlagen. Genau dieses Defizit wäre m.E. auch für den Facharbeitermangel mitverantwortlich, sollten wir einen solchen wirklich haben.

    4 Mal editiert, zuletzt von Kleinlok ()

  • die qualifizierte montage-arbeit ist längst der systematisch strukturierten anlerntätigkeit gewichen.
    die fertigungsstraßen bedürfen keiner facharbeiter. die anlagen müssen von einem entsprechend qualifizierten wartungstrupp am laufen gehalten werden und ....



    Ein Bild welches nicht nur im Handwerklichen zu sehen ist. Nehme doch mal die "Sachbearbeitung". ( Beziehe mich da auf unsere Branche - Export )
    Anstatt wie früher auf ein A-Z System zu setzen welches Aufträge von einer Person/Team etc. für den Kunden bis zum Schluss begleitet und dadurch jederzeit a jour ist wird seit längeren das anglosächsische bevorzugt. Das bedeutet, 5-6 Personen arbeiten (oft in Teilzeit) häppchenweise irgendetwas ab, übergegen dann diesen Pippifax weiter bis am Schluss der Kette die 1/2 vergessen, verschlampt, durch Krankheit gar nicht aufgenommen etc. pp.
    Klarer Vorteil: Man braucht keine Erfahrung, keine Kompetenz, evtl. Einsicht in die Materie, d.H. der AN ist billiger und leichter austauschbar.
    Kleiner Nachteil: Die Kunden sind genervt, die Aufträge gehen trotz der tollsten ISO öfters in die Hose, das Niveau sinkt. Aber wer braucht heute schon zufriedene Kunden.....

    Einmal editiert, zuletzt von Bicyclerepairmen ()