Technische Intelligenz = Künstliche Intelligenz?

  • Und wieder wirfst Du wortreich ein paar Brocken zusammen und leitest daraus einen "Beleg" ab, der mir unterstellt ich würde etwas tun, was ich nicht tue, um damit zu belegen, dass du es besser weisst, weil du all diese Belege bringen konntest, die mich überhaupt nicht interessieren.


    Und du diskutierst gerne hochtrabend im Kreis herum.
    Und ich sage, ich betrachte die Dinge vom Ende her.
    Und Logik, mein lieber, die hat natürlich in der praktischen Anwendung etwas mit Empirie zu tun. Sie basiert sogar ganz wesentlich darauf. Was also sonst? Da würde ich an deiner Stelle nicht so trommeln. Ausnahmen, die die Regel bestätigen, bestätigen im übrigen auch die Logik - nämlich die der Ausnahme. Denk noch mal darüber nach.


    Ich unterstelle nicht. Auch wenn du das unterstellst.


    Du betrachtest die Dinge vom Ende her.....und was genau ist das Ende der Intelligenz? Deine Betrachtungsweise, weil man die dort findet?


    Logik hat in der praktischen Anwendung also was mit Empirie zu tun....genau: Wenn ich ganz oft sage, dass die Medien die Lügenpresse sind, dann ist das so. Empirisch nachweisbar - also logisch? Wenn ich ganz oft sage, dass es den Klimawandel nicht gibt - empirisch finde ich dann viele Artikel dazu - also logisch?


    Empirie ist nur ein Hilfsmittel, weil man leider nicht alles mit Mitteln der Logik beweisen kann. Also benutzt man die Krücke der Empirie - insbesondere gerne in den Sozialwissenschaften. Logisch? Ja - aber auch empirisch belegbar.
    Ausnahmen, die die Regel bestätigen, gibt es in der Mathematik, Physik, Naturwissenschaft... eher nicht. (Sozialwissenschaftler agieren mangels besserer Methoden ab und an so....)
    In aller Regel (!) geht es um Beobachtungen/Wahrnehmungen. Und hier sollte bei der ersten Ausnahme immer die Alarmglocke schrillen - weil die Ausnahme zeigt, dass das bisher verwendete Modell der Wirklichkeit offensichtlich an eine Grenze gekommen ist, und durch ein besseres universelleres Modell ersetzt werden muss.


    So funktioniert die Wissenschaft in etwa seit spätestens 1700.


    Es gibt parallele Ansätze - beispielsweise den von Goethe - die etwas anders an die Aufgabenstellungen herangehen. Die betrachten ein Objekt nicht durch zerschnippeln und Analyse - und auch nicht vom Ende her - sondern aus sich selbst heraus.


    Technische Intelligenz ohne Definition ist weder ein Ende noch eine Ausnahme - sondern nur eine leere Worthülse.


    Ich hab drüber nachgedacht - und dir damit was voraus. Jetzt solltest du auch mal nachdenken.


  • Es gibt demnach nichts intelligenteres als einen Prozessor ? :cool:


    Nur wenn man den Begriff "Rechenaufgabe" sehr eng fasst. Aber z. B. die Motorik eines Menschen, das Zusammenspiel von Sinnesorganen, Muskeln und den sie steuernden Nervenzellen, ist letztlich auch nur eine sehr komplexe 'Rechenaufgabe', wobei hier das Gehirn den Computer noch eindeutig schlägt (und wobei dieser sich damit herausreden könnte, wie er wohl Muskeln steuern können sollte, obwohl er gar keine besitzt ...).


    Letztlich ist das, was wir als Intelligenz definieren (egal wie unterschiedlich unsere jeweiligen individuellen Definitionen auch sein mögen) eben auch nichts anderes als das Ergebnis von Rechenprozessen unseres Gehirns.

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    Letztlich ist das, was wir als Intelligenz definieren (egal wie unterschiedlich unsere jeweiligen individuellen Definitionen auch sein mögen) eben auch nichts anderes als das Ergebnis von Rechenprozessen unseres Gehirns.


    Also gibt es keinen freien Willen?


  • Wie würdest du diesen Prozess einschätzen - ist das "zielgerichtetes Handeln"?


    Eigentlich ist es eher ein Wechselspiel von Umweltreiz und Reaktion, das zum Erlernen neuer Bewegungen führt, also nichts wirklich Zielgerichtetes. Allerdings lernt auch ein Baby durch Ausprobieren eher spielerisch als wirklich zielgerichtet. Auch menschliche Neugier entwickelt sich letztlich durch Reaktionen auf Umweltreize (die das Baby in immer wieder neue Situationen bringen, die es wieder neuen Umweltreizen aussetzen, die erneute Reaktionen auslösen usw.), ohne dass dafür ein eigenes Neugierzentrum nötig wäre. Die bei den jeweiligen Reaktionen auf bestimmte Umweltreize agierenden Nervenzellen verknüpfen sich miteinander, so dass für bestimmte Aufgaben verantwortliche Zellcluster entstehen.



    ... was aber da bleibt ist das Thema, dass das Programm im Prinzip nur seine "Synapsen" optimal eingestellt hat, und aus der Kenntnis der Erfahrung tausender Partien noch bessere Lösungen gefunden hat, als das schon sehr gute Ausgangs"programm".


    ... so ähnlich wie sich auch unsere eigenen Neuronen, in Adaption an die jeweiligen Erfordernisse, auf immer wieder neue Art und Weise miteinander verknüpfen können.



    Lässt du den Part schon als Intelligenz durchgehen - oder ist das dann doch eher noch eine gut eingestellte GO-Maschine?


    Wenn man gut Go spielen zu können als winziges Teilgebiet der Intelligenz betrachten will, dann ist das Go-Porgramm in Bezug auf dieses Teilgebiet intelligent. :)
    Was die meisten Fähigkeiten betrifft, die wir gemeinhin mit 'Intelligenz' in Verbindung bringen, bin ich - so wie du - der Meinung, dass KI (natürlich) noch weit von dem entfernt ist, was ein menschliches Gehirn zu leisten imstande ist. Unterschiedlich dürften allerdings unsere Zukunftsprognosen ausfallen - ich vermute, dass KI ein Level erreichen wird, auf dem es (bei aller Schwammigkeit der Versuche, Intelligenz zu definieren) unstrittig ist, dass ihre Intelligenz der unseren ebenbürtig und vielleicht sogar überlegen sein wird. Unser 'Biobrain' könnte allerdings in bestimmten Teilbreichen die Oberhand behalten (so ähnlich wie es auch heute noch trotz absoluter Dominanz der Schachprogramme über menschliche Großmeister immer noch bestimmte Stellungstypen gibt, die der Mensch besser beherrscht als die Maschine; Beispiel).


  • Also gibt es keinen freien Willen?


    Ich zitiere erst einmal was ich vorher schrieb:
    "Aliens (oder auch 'nur' Hirnforscher Gerhard Roth "Die subjektiv empfundene Freiheit einer Entscheidung ist eine Illusion") würden schlicht bezweifeln, dass Menschen einen wirklich 'freien Willen' haben (den hätten natürlich nur die Aliens selbst).
    Was aber ist an einer theoretisch voraussagbaren, aufgrund biochemischer Reaktionen zwangsläufig gefallenen Entscheidung so viel besser bzw. 'freier' als an dem Ergebnis eines rechnenden Algorithmus?"


    Ich glaube also, dass unser Wille das Ergebnis biochemischer Reaktionen ist. Ich finde das aber überhaupt gar nicht schlimm! :) Sind denn komplexe biochemisch-physikalische Reaktionen, aus denen eine Entscheidung oder ein Wunsch resultieren, nicht faszinierend?
    Wäre eine Entscheidung eines nicht näher definierten menschlichen 'Geistes', einer 'Seele' oder was auch immer (was ist denn deiner Meiung nach eigentlich für unseren Willen verantwortlich, wenn nicht biochemische Reaktionen?) denn irgendwie 'höherwertiger' als eine 'nur' aufgrund biochemischer Reaktionen bzw. Rechenprozessen getroffene?

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    Wäre eine Entscheidung eines nicht näher definierten menschlichen 'Geistes', einer 'Seele' oder was auch immer (was ist denn deiner Meiung nach eigentlich für unseren Willen verantwortlich, wenn nicht biochemische Reaktionen?) denn irgendwie 'höherwertiger' als eine 'nur' aufgrund biochemischer Reaktionen bzw. Rechenprozessen getroffene?


    Ja, wäre in meinen Augen ganz klar höherwertiger. Ich finde es absolut schlimm von biochemischen Reaktionen gesteuert zu sein. Ein Gedanke, der mir so überhaupt nicht gefällt. :s


    Nicht dass ich nicht über Gedanken reden könnte, die mir überhaupt nicht gefallen. :D Das ist ja das schöne an Intelligenz, dass ich diese Gedanken haben, den Faden spinnen kann. Dabei bin ich sogar überhaupt keinen Regeln unterworfen, es sei denn ich unterwerfe mich ihnen bewusst oder mein "Geist" ist bereits so vernagelt dass ich (nur so zum Beispiel) nur noch in den Regeln des Go denken könnte. Wie phantasielos... Wie unendlich langweilig...


    Nunja, natürlich ist mir bewusst, dass vieles für Deine Betrachtungsweise spricht und der gegenwärtige Stand der Wissenschaft uns zu biologischen Robotern macht, die eine Halbwertzeit von knapp hundert Jahren haben können. Erschütternd, traurig und so furchtbar sinnlos. Wenn man ganz genau wüsste, dass das stimmt, dann wäre das ein sehr guter Grund Amok zu laufen. :p ;)

  • Nimm es hin wie ein Mann. Du bist nichts anderes als eine biologische Zeitkapsel, die für die Nachkommenschaft - Weitergabe der Gene - zu sorgen hat, diese ins Leben (Umlauf) bringt, sich dabei soweit bei Kräften hält, dass Du die Schutzfunktion erfüllen kannst, und danach bist Du im evolutionären Sinn eigentlich nur noch biologischer Ballast, der sich in der Summe (einer von Vielen) auftürmt, weil vergessen wurde, eine Selbstabschaltvorrichtung zu implementieren, um, nachdem Du Deinen Job erledigt hast, die sinnlose Vergeudung von Ressourcen so gering wie möglich zu halten.
    Und weil es immer mehr von diesem analogen Ballast gibt, muss sich das Gehirn nun schneller weiter entwickeln. Wenn es sein muss, dann eben mit technischen Extensions, damit nun zügig Lösungen gefunden werden, um mit der sich abzeichnenden Misere fertig werden zu können.


    Und um das nächste Ziel ins Auge zu fassen: notgedrungen eine Massenemigration, die zunächst als planetenweites Ziel akzeptiert wird, um mit den letzten verfügbaren Kapazitäten und Ressourcen ein Generationenschiff zusammenzufrickeln und sich auf den Weg in die Ungewissheit zu machen, wie die ersten Eidechsen, die auf Bananenblättern und anderem Schwemmgut irgendwann auf den Galapagosinseln angespült wurden.


    Das ist die Bestimmung. Vergrößere Dein Territorium, das biologische Verbreitungsgebiet.
    Leider hat der heutige Mensch, als eine der frühen Ausbaustufen, das Konzept der Lebensraumerhaltung noch nicht von Grund auf in seine Programmierung aufgenommen. Das erforderliche Update werden dann spätere Versionen und Ausbaustufen aufweisen. Die müssen aber erst genetisch erbrütet werden, daher sind auch so viele Permutationen erforderlich. Time is running out, also muss es durch Masse ausgeglichen werden... Die Gesetze der vielen Versuche und resultierenden Wahrscheinlichkeiten... NanoNano!

    4 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: Wort

  • Nimm es hin wie ein Mann. Du bist nichts anderes als eine biologische Zeitkapsel, die für die Nachkommenschaft - Weitergabe der Gene - zu sorgen hat, diese in Leben bringt, sich dabei soweit bei Kräften hält, dass Du die Schutzfunktion erfüllen kannst, und danach bist Du im evolutionären Sinn eigentlich nur noch biologischer Ballast, ...


    Das mit dem Expansionsdrang kann ich ja gerne mittragen Herr Konrad, denn ich war auch schon immer ein Terraner... :sifone:


    Aber der biologische Ballast mit Ablaufdatum... Ich wüsste jetzt nicht, was uns davon abhalten sollte die Erde vom größten Teil dieser überflüssig ,Ressourcen verbrauchenden, Kohlenstoffeinheiten zu befreien. Das Raumschiff Erde ist halt begrenzt und bis wir zu den Sternen vorstoßen können muss es irgendwie reichen. :p


  • Ja, wäre in meinen Augen ganz klar höherwertiger. Ich finde es absolut schlimm von biochemischen Reaktionen gesteuert zu sein. Ein Gedanke, der mir so überhaupt nicht gefällt. :s


    Was wäre denn dann diese Seele oder der Geist? Etwas völlig von der Materie Losgelöstes? Kannst du dir das irgendwie vorstellen? Was ist so schlimm an biochemischen Reaktionen? Die laufen immerwährend in deinem Gehirn ab (und zwar ganz besonders intensiv, wenn du mir später antworten wirst), da kannst du gar nix dagegen machen. Du bist schlicht Biochemie. :)



    Nunja, natürlich ist mir bewusst, dass vieles für Deine Betrachtungsweise spricht und der gegenwärtige Stand der Wissenschaft uns zu biologischen Robotern macht, die eine Halbwertzeit von knapp hundert Jahren haben können.


    Von welcher Spezies redest du gerade? Wenn Homo sapiens eine Halbwertszeit von knapp hundert Jahren hätte, dann hieße das, dass im Durchschnitt von 100 Neugeborenen 50 nach hundert Jahren noch leben würden ...


    Vielleicht interessiert dich ja einer meiner Artikel darüber, warum wir nicht älter als im Durchschnitt vielleicht ca. 75 Jahre werden?



    Erschütternd, traurig und so furchtbar sinnlos. Wenn man ganz genau wüsste, dass das stimmt, dann wäre das ein sehr guter Grund Amok zu laufen. :p ;)


    Wenn man wüsste, dass unser Denken und Fühlen auf biochemischen Prozessen basiert? Was wäre denn besser daran, wenn es auf irgendetwas völlig Unbekanntem baiserte?

    Einmal editiert, zuletzt von jaki01 ()

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    Ich glaube also, dass unser Wille das Ergebnis biochemischer Reaktionen ist. Ich finde das aber überhaupt gar nicht schlimm! :) Sind denn komplexe biochemisch-physikalische Reaktionen, aus denen eine Entscheidung oder ein Wunsch resultieren, nicht faszinierend?
    Wäre eine Entscheidung eines nicht näher definierten menschlichen 'Geistes', einer 'Seele' oder was auch immer (was ist denn deiner Meiung nach eigentlich für unseren Willen verantwortlich, wenn nicht biochemische Reaktionen?) denn irgendwie 'höherwertiger' als eine 'nur' aufgrund biochemischer Reaktionen bzw. Rechenprozessen getroffene?


    Das ist nicht der Punkt, weshalb ich nachgefragt habe. Mir ging es um den Aspekt:


    Zitat

    Letztlich ist das, was wir als Intelligenz definieren ... auch nichts anderes als das Ergebnis von Rechenprozessen unseres Gehirns.


    Das klingt zumindest danach, dass man mit einer "Weltformel" zumindest theoretisch vorausrechnen könnte, wie das Ergebnis aussieht.


    Es geht mir in der Beschreibung der KI schon auch gerade um den Aspekt, ob der Mensch eine Reiz-Reaktions-Maschine biologischer Art ist, oder ob es den freien Willen gibt. Ich habe bisher noch keinen wirklich guten Aufsatz gelesen, der diese Punkte ohne Widerspruch beide zulässt.


    Zunächst bin ich noch nicht gewillt, den "freien Willen" beim Menschen aufzugeben. Wenn es aber "nur" um Rechenprozesse geht, wie wir sie durchaus ja von Prozessoren kennen - dann ist da für mich noch kein Platz für "freien Willen".


    Es ist gerade auch dieser ethische Aspekt, den ich so spannend finde - denn wenn man den freien Willen in Abrede stellt, kann ein Verbrecher vor Gericht ja argumentieren: "Ich konnte nicht anders, meine Tat war das Ergebnis meiner Reiz-Reaktionsmaschinerie"
    Klar kann der Richter dann auch argumentieren: "Ich kann auch nicht anders, deshalb schicke ich dich als Rechenergebnis meiner Reiz-Reaktionsmaschine für 2 Jahre in den Knast....."
    Aber irgendwie werde ich bei einer solchen Betrachtungsweise das Gefühl nicht los, das Dinge wie Eigenverantwortung, Verantwortung, proaktive Gestaltung des eigenen Lebens und ähnliches nicht richtig adressiert sind.


    Und wo genau ist dann der Ãœbergang vom reinen Rechenprozess hin zum freien Willen, der maßgeblich beim Ergebnis mitwirkt?


    It's magic....finde ich als Antwort wenig befriedigend - genau wie eben die Idee, dass man nur genug Rechnerkapazität zusammenschalten muss, dann wird schon Intelligenz (im Sinne von: mehr als nur gerechnet - wobei ich ja klar dazu stehe, dass Rechner unglaubliches vollbringen können.....) entstehen.

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    Und um das nächste Ziel ins Auge zu fassen: notgedrungen eine Massenemigration, die zunächst als planetenweites Ziel akzeptiert wird, um mit den letzten verfügbaren Kapazitäten und Ressourcen ein Generationenschiff zusammenzufrickeln und sich auf den Weg in die Ungewissheit zu machen, wie die ersten Eidechsen, die auf Bananenblättern und anderem Schwemmgut irgendwann auf den Galapagosinseln angespült wurden.


    Das ist die Bestimmung. Vergrößere Dein Territorium, das biologische Verbreitungsgebiet....


    Immerhin gibt es dazu auch andere wissenschaftliche Ansätze - durchaus auch welche, die schon längere Zeit in der Forschung sind. So beispielsweise das Konzept der Meme (Richard Dawkins - "Das egoistische Gen") wird immer wieder mal aufgegriffen, so beispielsweise auch hier.


    Solche Konzepte machen nur Sinn, wenn man sich von der Idee der reinen Genbewahrer und Genverbreiter löst und andere Replikatoren als Gene in Erwägung zieht.

  • Ich würde das eher als hypothetisches Addon bezeichnen, weniger als einen "anderen" wissenschaftlichen Ansatz.


  • Zunächst bin ich noch nicht gewillt, den "freien Willen" beim Menschen aufzugeben. Wenn es aber "nur" um Rechenprozesse geht, wie wir sie durchaus ja von Prozessoren kennen - dann ist da für mich noch kein Platz für "freien Willen".


    Wodurch kommt denn deiner Meinung nach so etwas wie ein 'freier Wille' zustande, wenn er nicht letztlich doch das Ergebnis von Rechenoperationen ist, die durch ihnen zugrundeliegende biochemische Reaktionen ermöglicht werden?


    Noch eine Frage: Warum kann ein Wille nur frei sein, wenn er nicht Infolge biochemischer Prozesse entsteht? Du könntest doch sagen, genauso wie der Mensch mit dem Auge sieht, entscheidet er mit dem Gehirn (ist die Entscheidung weniger wert, wenn sie von einem Gehirn errechnet wird als wenn ein undefinierbarer 'Geist' sie getroffen hat?). Das Gehirn ist ja ein Teil von dir, genauso wie es eine Seele wäre.


    Wir werden hier nicht klären können, ob der Menschen einen freien Willen besitzt. Interessant vielleicht noch ein Artikel, in dem ein Philiosoph das Dilemma auflösen will, indem er von "Determiniert und trotzdem frei" spricht (was mich aber auch nicht wirklich überzeugt).

  • Der Begriff "anderer wissenschaftlicher Ansatz" trifft es in der Tat nicht korrekt.



    Aber dennoch, ich halte diese Ãœberlegungen, vor dem Hintergrund, dass unser Gehirn unsere substanzielle Unterscheidung im evolutionären Kontext von den Vorgängerversionen darstellt, für absolut folgerichtig, im Speziellen, dass der externe "Input" und kommunikative Austausch eine wesentlich Komponente der evolutionären Weiterentwicklung darstellt und neue Schübe auslöst.
    Das Grundprinzip der Evolution ist die Wechselwirkung zwischen Umwelt und Organismus, daraus ergibt sich der genetische Ausleseprozess. Ist eine Entwicklung vorteilhaft, setzt sie sich über die Zeit gegen Vorläufer-Entwicklungsstufen durch. Konsequent weiter gedacht, setzt sich das natürlich auch in der Evolution des Geistes und der Wechselwirkung mit dem Gencode fort.

    2 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: u


  • Solche Konzepte machen nur Sinn, wenn man sich von der Idee der reinen Genbewahrer und Genverbreiter löst und andere Replikatoren als Gene in Erwägung zieht.


    Da bin ich mir nicht sicher. Das Gehirn ist ja nicht so groß geworden, um immer besser Schach spielen zu können. Ãœber diese und andere abstraktes Denkvermögen voraussetzende Fähigekeiten zu verfügen, sehe ich als 'Nebenwirkung' eines aus anderen Gründen groß gewordenen Gehirns. Die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns half unseren Genen sehr wohl dabei, sich erfolgreich zu verbreiten. Ganz nebenbei führte sie zu guten Schachspielern und Musikern. Warum gerade Schach und Musik? Einfach deshalb, weil solche Gehirne besonders erfolgreich waren, die sich mit einfach allem Neuen beschäftigten, ohne vorher genau wissen zu können, was davon zum Erfolg benötigt werden würde und was Beiwerk bliebe (so ähnlich wie die Grundlagenforschung: wer sie betreibt, wird neben viel Unnützem immer auch erfolgreich Neues entdecken.) Schach und Musik sind sozusagen unnütze Nebenprodukte unterm Strich erfolgreicher Grundlagenforschung.


    Die Meme-Idee ist durchaus interessant (abgesehen davon, dass der Autor das Imitationsvermögen vieler Tiere m. E. deutlich unterschätzt - sogar Tintenfische lernen durch Beobachtung von Artgenossen.)

  • Wodurch kommt denn deiner Meinung nach so etwas wie ein 'freier Wille' zustande, wenn er nicht letztlich doch das Ergebnis von Rechenoperationen ist, die durch ihnen zugrundeliegende biochemische Reaktionen ermöglicht werden?


    Keine Ahnung. Unter anderem auch deshalb wird in der KI-Forschung nach Konzepten gesucht, wie man so etwas wie den freien Willen abbilden kann. In der Physik war die Frage nach dem freien Willen auch lange eine Diskussion - insbesondere im Kontext mit der Frage, ob man nur die Weltformel finden muss, um alles vorhersagen zu können. Dort gehen einige inzwischen davon aus, dass die derzeit bekannte Physik kein Widerspruch zum freien Willen darstellt.


    Zitat

    Warum kann ein Wille nur frei sein, wenn er nicht Infolge biochemischer Prozesse entsteht?


    So hart sehe ich das gar nicht. Eher in dem Sinne, dass wir derzeit das Konzept hinter dem freien Willen noch nicht verstanden haben. Wenn wir wüssten, ob es das als geschickte Verdrahtung des Gehirns quasi implizit mitgibt, könnte man das mittelfristig auch nachbauen.


    Simulieren kann man so etwas wie den freien Willen in jedem Fall - da würden schon zufällige zusätzliche Einflussnahmen auf Entscheidungsprozesse reichen. Aber - Simulation ist halt was anderes als freier Wille.


    Zitat


    Wir werden hier nicht klären können, ob der Menschen einen freien Willen besitzt. Interessant vielleicht noch ein Artikel, in dem ein Philiosoph das Dilemma auflösen will, indem er von "Determiniert und trotzdem frei" spricht (was mich aber auch nicht wirklich überzeugt).



    Ich schließe es auch nicht per se aus, dass es sein könnte, dass es keinen freien Willen gibt.
    Ich halte diese Frage auch derzeit für nicht entscheidbar - was ich sympathisch finde.


    In Themen wie der Rechtssprechung gehen wir aber von so etwas wie dem freien Willen aus.
    Dem entsprechend wäre der freie Wille auch ein Bestandteil des Konzepts Intelligenz.
    Für eine KI würde das bedeuten, dass wir nach dem Konzept freien Willen suchen müssen, wenn wir eine KI vergleichbar zur menschlichen Intelligenz sehen wollen.
    Spannend wäre damit auch die Frage: Kann etwas (hinreichend) intelligent sein, ohne einen freien Willen zu haben?

  • Schach und Musik sind sozusagen unnütze Nebenprodukte unterm Strich erfolgreicher Grundlagenforschung.


    Also Intelligenz als unnützes Nebenprodukt.....:encouragement:


    Der Smiley steht da nur, weil ich die Aussage an und für sich für spaßig halte - gleichwohl halte ich sie für möglich!


    Zitat


    Die Meme-Idee ist durchaus interessant (abgesehen davon, dass der Autor das Imitationsvermögen vieler Tiere m. E. deutlich unterschätzt - sogar Tintenfische lernen durch Beobachtung von Artgenossen.)


    Das Buch ist auch schon ein wenig in die Jahre gekommen.....ich glaube nicht, dass er es heute noch ganz genauso erneut schreiben würde.....in immer neuen Auflagen wurden ja auch immer wieder mal ein paar Anpassungen gemacht...


  • Also Intelligenz als unnützes Nebenprodukt.....:encouragement:


    Also die Intelligenz selbst halte ich nicht für unnütz, nur den Nebeneffekt hoher Intelligenz, sie eben auch fürs Schachspielen nutzen zu können ... Lies noch einmal genau: wenn trotzdem dabei herauskommt, ich würde die Intelligenz selbst für unnütz halten, muss ich an meinen Formulierungen arbeiten!



    (Ob in der heutigen Zeit ein gemessen am Durchschnitt geringer IQ einen Evolutionsnachteil darstellt, bezweifle ich tatsächlich - dann müsste ja eine Korrelation zwischen geringerer Intelligenz und weniger Nachkommen bestehen ... Ich bin aber sicher, dass Intelligenz während der Evolution des Menschen früher ein entscheidender Vorteil war.)

  • Kommen wir nun zu den eher praktischen Bereichen des täglichen Lebens.
    Maschinelle Gespielen und Innen...
    Uberraschung: Es gibt bereits Studien.
    Ãœber deren Gebrauch und Auswirkung, für wen diese welche Vorteile haben...


    Nun, meine Prognose: hier wird sich die KI vermutlich nicht durchsetzen können, es heißt schließlich nicht ohne Grund, das dumm gut ... ihr wisst schon.


    Wenn das aber stimmt, müssten die Autoren dieser richtungsweisenden Geschichte es eigentlich so richtig krachen lassen können.



    Es mag schlichte Gemüter in Erstaunen versetzen: aber manchmal wünscht Mann sich einfach nur Intelligenz - egal ob Mensch oder Maschine.:nixda::welcome: