Videotheken sterben.... was als nächstes?

  • Schulbücher müssen (in Teilen) in manchen Bundeländern nicht selbst beschafft werden? :yikes:


    Und nein, die Präsentation ist nicht mit Thalia zu vergleichen, aber immerhin hat man das Gefühl, dass die Mitarbeiter tatsächlich auch die Bücher gelesen haben, die sie empfehlen. :)

  • Schulbücher müssen (in Teilen) in manchen Bundeländern nicht selbst beschafft werden?

    Da das Schulwesen Ländersache ist, ist das von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt.

    […] die Präsentation ist nicht mit Thalia zu vergleichen, aber immerhin hat man das Gefühl, dass die Mitarbeiter tatsächlich auch die Bücher gelesen haben, die sie empfehlen.

    Selbstverständlich ist das Verkaufspersonal geschult - und die gängigen Titel wird von Personal auch jemand gelesen haben. Wie es um die Beratungsqualität des Buchhandelspersonals bestellt ist, lässt sich am besten prüfen, wenn man nach weiterführender oder Sekundärliteratur zu einer seltener nachgefragten Persönlichkeit ("Ich suche nach einer Biographie René Daumals." oder "Ach, da fällt mir ein, dass ich ein kommentiertes Werkverzeichnis Verboeckhovens bräuchte") oder einem entlegeneren Thema ("Haben Sie einen Bildband Ray Gaedkes?" oder "Ich suche eine Einführung in die Vitolphilie. Was könnten Sie empfehlen?) fragt. Natürlich sollte man, wenn man so eine Frage stellt, auch imstande sein, echtes Interesse an einem solchen Buch, auch wenn's nicht aufzutreiben ist, zu besitzen.


  • In diesem Thread geht's also nicht hauptsächlich um die persönlichen Präferenzen beim Erwerb von Home-Video-Datenträgern,


    Dann lies bitte nochmal meinen ersten Post in diesem Strang, dann siehst du, worauf genau ich mich bezogen habe.

  • Dann lies bitte nochmal meinen ersten Post in diesem Strang, dann siehst du, worauf genau ich mich bezogen habe.



    Keine Sorge, ich hatte dich durchaus verstanden und da es ja nicht an Subi ging, brauchen wir seine "Zurechtweisungen" nicht. :wink5:

  • Keine Sorge, ich hatte dich durchaus verstanden […]

    Phänomenal! - Dennoch hattest Du in Deinem konstruktiven Vorläuferbeitrag darauf hingewiesen, dass Videotheken für Dich eine angenehme Bezugsquelle für Filme gewesen sind, die zuvor eben nicht im Kino zu sehen waren. Und in der Tat sind Videotheken diesbezüglich wichtige Einrichtungen im städtischen Umfeld gewesen, in denen teils über das Filmangebot, teils über's persönliche Gespräch mit der Belegschaft Informationen zu beschaffen waren. Wenn die Zahl der Videotheken also bereits rückläufig ist, bleibt bald wirklich nur noch das Internet, um sich zu informieren - wie verlässlich ist aber das Informationsangebot, das im Internet von der Suchmaschine in den oberen Trefferrängen angezeigt wird?

  • […] Jetzt ist die Ära der Videotheken vorbei. Das Netz hat gewonnen und die Betreiber der Scheibenverleiher müssen sich umstellen. […]

    Unter den Einzelhandelsgeschäften sind ja viele spezialisierten Fachgeschäfte von der Bildfläche verschwunden; wie selten trifft man noch auf ein Fotofachgeschäft? (Der Geschäftsführer der legendären Marke Leica behauptet im Interview dennoch, dass das Smartphone die separate Kamera nicht völlig verdrängen wird - professionelle Fotografen brauchen besseres Equipment, Hobbyfotografen gibt's auch noch genügend).

  • Veränderungen sind normal! In den letzten 100 Jahren sind diese Veränderungen schneller eingetreten - aber dennoch sind diese Normal!


    Schwarz-Weiß-Denken ist aber auch falsch. Es wird sicher auch noch in 50 Jahren so etwas wie Videotheken geben - nur nicht mehr so viele. Vielleicht sind es nur noch eine handvoll Spezialläden, in denen Sammler Videos austauschen - dass sie gänzlich verschwinden ist aber unwahrscheinlich.


    Wir haben aktuell deutliche gesellschaftliche Veränderungen - mit dramatischen Auswirkungen bei Einzelnen und bei Unternehmen. Nokia ist weitgehend unbedeutend geworden, Sharing-Modelle nehmen ganz praktisch in vielen Lebensbereichen zu, und im eigenen Haushalt sammelt man nicht mehr Bücher und CDs, sondern sharet entsprechende Dienste......


    Das eigene Auto verliert in Großstädten und bei jungen Menschen massiv an Bedeutung - Mobilität hingegen gewinnt an Bedeutung.


    Ein leistungsfähiger Internetzugang ermöglicht die Ablöse von Büchern, CDs und vielem vielem mehr - auch beispielsweise von Vorlesungen. Na und?


    Heute werden mehr Bilder als je zuvor gemacht - trotzdem haben die meisten Bildentwickler inzwischen pleite angemeldet, oder ihr Geschäftsfeld verändert. Andere haben sich genau auf diese Nische konzentriert und dort auch deutlich investiert - und die verdienen ganz gut daran.


    Es gibt bei Veränderungen immer Unternehmen und Menschen die gewinnen - und andere, die verlieren.


    Gesellschaftlich ist relevant, wie viele Verlierer dabei sind, und wie viele durch die verändernden Prozesse zu Gewinnern aufsteigen können.


    Ich finde, es wäre an der Zeit, bei all diesen Veränderungen auch mal politisch darüber nachzudenken, was dies sinnvollerweise für unsere sozialen Sicherungssysteme bedeutet! DAS wird derzeit versäumt!

  • […] Es wird sicher auch noch in 50 Jahren so etwas wie Videotheken geben - nur nicht mehr so viele. […]

    Unwahrscheinlich - aus gleich mehreren Gründen: Erstens ist kaum anzunehmen, dass die (heute üblichen oder bereits vom Markt verschwundenen) Abspielgeräte für Videomedien in diesem Zeithorizont noch funktionstüchtig sein werden - zweitens ist eben dieser beschleunigten Systemwechsel (vom Super-8-Schmalfilm zur VHS-Cassette, dann zur DVD, zur Blu-Ray und derzeit zu den "Streamingdiensten") beinahe ein Garant dafür, dass Geräte, die eine Konvertierung des älteren Mediums auf das dann jeweils aktuelle erlauben, ebenfalls nur recht kurze Zeit "marktgängig" sein werden - irgendwann kommt's auch zu Kompabilitätsproblemen… beispielsweise wird in absehbarer Zeit die dann "zeitgemäße" Gerätegeneration des Homeentertainment wohl sicher keine Scartbuchse mehr aufweisen, weil ja jede Datenübertragung per Bluetooth/W-LAN oder ähnliche kabellose Standards "möglich" sein wird; drittens bedeutet ein Nischenmarkt, dass die potentiell anzusprechenden Kunden nicht unbedingt ortsansässig sein werden - dann funktioniert also der Video-Liebhabereien-Distributeur also nicht mehr als ortsfestes Geschäft, zumal die Ladenmieten erfordern, dass das Geschäft einigen Gewinn abwirft, so dass bestenfalls als Online-Portal so etwas für einige Zeit aufrechtzuerhalten sein würde… wobei die mögliche Nachfrage nach weniger marktgängigen Filmen auch dadurch geschmälert wird, als diese Filme dann ja kaum jemand (noch) kennen wird, weswegen sie weder in den Angeboten der Fernsehsender, der DVD-oder-Nachfolgemedienproduzenten vorhanden sein werden noch über die Streamingdienste empfangen werden können… auch im Bereich der Unterhaltungsmedien und des Entertainment erleben wir also zunehmend, was ich in einem Thread unter'm Stichwort eines posthistorischen Zeitalters angesprochen habe. Wo Aktualität alles überschattet grassiert vor allem das Vergessen. Die Kenntnis dessen, was war oder was abseits der offiziellen Lehrmeinung oder der Charts oder des Massenmarktes wenigstens möglich gewesen wäre, fällt völlig aus dem Raster dessen, was im kollektiven Gedächtnis bewahrt wird. Der von Dir bereits angesprochene Buchmarkt ist dafür ein hinreichend deutliches Beispiel:

    […] Ein leistungsfähiger Internetzugang ermöglicht die Ablöse von Büchern, CDs und vielem vielem mehr - auch beispielsweise von Vorlesungen. Na und? […]

    Ja, auch bei Büchern überwiegt die Zahl der vergriffenen Titel längst die der aktuellen Produktion; und jene aktuelle Produktion bedient ebenfalls nur noch die aktuellen Lesebedürfnisse des Massenmarktes - jedoch längst nicht mehr die dem Medium Schrifttum immanenten kulturellen Werte der Literatur als "Denkmal aller Dinge" (Aischylos)…

    […] Ich finde, es wäre an der Zeit, bei all diesen Veränderungen auch mal politisch darüber nachzudenken, was dies sinnvollerweise für unsere sozialen Sicherungssysteme bedeutet! DAS wird derzeit versäumt!

    Ja, wie sieht denn die soziale Sicherung des Ladenbesiitzers aus, der seinen Laden schließen muss?

  • Ich finde es etwas witzig (wo doch Alle so fortschrittlich sind), gerade über diese Videotheken rumzuheulen.


    Was haben denn die Hersteller von Tonbändern gemacht, nachdem CDs aufkamen?

  • Ich finde es etwas witzig (wo doch Alle so fortschrittlich sind), gerade über diese Videotheken rumzuheulen.


    Was haben denn die Hersteller von Tonbändern gemacht, nachdem CDs aufkamen?



    CDs............

  • [...] Was haben denn die Hersteller von Tonbändern gemacht, nachdem CDs aufkamen?

    Die CD hat in ihrer Anfangszeit eher dem Schallplattenverkauf zugesetzt; der große Konkurrent für's Tonband (Spulengeräte) war die Anfang der 60er Jahre eingeführte Compact-Cassette - und die ist durch's .mp3-Dateiformat vom Markt verdrängt worden. In diesem Falle war's das Fraunhofer-Institut, das da einem einstmals florierenden Markt den Todesstoß versetzt hat.

  • Veränderungen sind normal! In den letzten 100 Jahren sind diese Veränderungen schneller eingetreten - aber dennoch sind diese Normal! […]

    Genauer betrachtet ist's die Langsamkeit, in der Kulturtechniken einander ablösen, die dafür sorgt, dass Erfindungen sich durchsetzen und ihr Gebrauch generationenübergreifend vertraut ist… der Buchdruck beispielsweise ist jetzt keine 600 Jahre alt - und hat im Laufe der Zeit ganze Kulturepochen ermöglicht oder zumindest stark beeinflusst; das Automobil ist vor knapp mehr als 130 Jahren erfunden worden und hat unsere Raumerfahrung massiv verändert, unsere Städte - und unsere Reisebedürfnisse. Die Videocassette mag vor wenig mehr als 40 Jahren erfunden worden sein und ist nach kaum 30 Jahren reger Nutzung obsolet geworden… der heutige Nutzer eines Smartphones wird sich keinen Gedanken um die Vorläufergeräte der Mobiltelefonie machen - ihm sind Touchscreen und der alltägliche Gebrauch dieses Gadget selbstverständlich. Aber wie kurz wird diese Gerätegeneration gebräuchlich sein?

    […] Wir haben aktuell deutliche gesellschaftliche Veränderungen - mit dramatischen Auswirkungen bei Einzelnen und bei Unternehmen. […]

    Eben: Wenn nur der Reiz des Neuen Konsumanreiz bietet, wenn in nicht zu ferner Zeit also kein Produkt mehr lange genug verkäuflich ist, um in die Gewinnzone zu kommen, wie wird's dann um Produktion und Handel stehen?

    […] Heute werden mehr Bilder als je zuvor gemacht […]

    Und wer schaut diese vielen Bilder überhaupt noch an?

    Einmal editiert, zuletzt von I'm a Substitute () aus folgendem Grund: kleine Ergänzung u. Berichtigung

  • Ich finde es etwas witzig (wo doch Alle so fortschrittlich sind), gerade über diese Videotheken rumzuheulen. […]

    Als gunnie Ende Juli letzten Jahres diesen Thread startete, wird er das Verschwinden der Videotheken aus dem vertrauten Straßenbild wohl deswegen als Paradigma eines Epochenwandels gewählt haben, weil Videotheken nachweislich ein relativ junges Phänomen sind, die so gegen 1980 schlagartig in quasi jeder Stadt anzutreffen waren. Wie sich in diesem Buch nachlesen ließe, gilt George William Atkinson (1935-2005) als Urvater der Videotheken, also des Filmkopieverleihs an Privat… das Buch selbst genießt in Fachkreisen (Filmhistoriker/Volkskundler) beste Reputation als Pionierleistung der Aufzeichnung dieses Rezeptionswandels des Mediums Film. Man muss also keineswegs dem Klischeebild eines Videorecordernutzers entsprechen, um wahrzunehmen, dass Videotheken (wie auch Automatenspielhallen) manche städtischen Straßenzüge irgendwann dominiert haben und heute "plötzlich verschwunden" sind. Die Zahl, in der Videotheken in den 80er und 90er Jahren verbreitet gewesen sind, deutet darauf hin, dass sie rege genutzt wurden, schließlich sind zahlreiche Entleihungen nötig, um - gemessen am Platzbedarf - auch Gewinn damit zu erwirtschaften. Und wenn unsere Zeitgenossen also mehr als zwanzig Jahre lang Filmaufzeichnungen kostenpflichtig entliehen haben, um sich den Kinobesuch zu sparen oder das Filmerlebnis aufzufrischen oder einfach, um von den Ausstrahlungsterminen der Fernsehsender unabhängig zu sein, und die Nachfrage nach Filmen so stark weggebrochen ist, dass es kaum noch Videotheken gibt, dann ist dies Phänomen (der filmrezipierenden Freizeitgestaltung) ein potenzielles Diskussionsthema.

  • Unwahrscheinlich - aus gleich mehreren Gründen: Erstens ist kaum anzunehmen, dass die (heute üblichen oder bereits vom Markt verschwundenen) Abspielgeräte für Videomedien in diesem Zeithorizont noch funktionstüchtig sein werden - zweitens ist eben dieser beschleunigten Systemwechsel (vom Super-8-Schmalfilm zur VHS-Cassette, dann zur DVD, zur Blu-Ray und derzeit zu den "Streamingdiensten") beinahe ein Garant dafür, dass Geräte, die eine Konvertierung des älteren Mediums auf das dann jeweils aktuelle erlauben, ebenfalls nur recht kurze Zeit "marktgängig" sein werden - irgendwann kommt's auch zu Kompabilitätsproblemen… beispielsweise wird in absehbarer Zeit die dann "zeitgemäße" Gerätegeneration des Homeentertainment wohl sicher keine Scartbuchse mehr aufweisen, weil ja jede Datenübertragung per Bluetooth/W-LAN oder ähnliche kabellose Standards "möglich" sein wird; drittens bedeutet ein Nischenmarkt, dass die potentiell anzusprechenden Kunden nicht unbedingt ortsansässig sein werden - dann funktioniert also der Video-Liebhabereien-Distributeur also nicht mehr als ortsfestes Geschäft, zumal die Ladenmieten erfordern, dass das Geschäft einigen Gewinn abwirft, so dass bestenfalls als Online-Portal so etwas für einige Zeit aufrechtzuerhalten sein würde… wobei die mögliche Nachfrage nach weniger marktgängigen Filmen auch dadurch geschmälert wird, als diese Filme dann ja kaum jemand (noch) kennen wird, weswegen sie weder in den Angeboten der Fernsehsender, der DVD-oder-Nachfolgemedienproduzenten vorhanden sein werden noch über die Streamingdienste empfangen werden können… auch im Bereich der Unterhaltungsmedien und des Entertainment erleben wir also zunehmend, was ich in einem Thread unter'm Stichwort eines posthistorischen Zeitalters angesprochen habe. Wo Aktualität alles überschattet grassiert vor allem das Vergessen. Die Kenntnis dessen, was war oder was abseits der offiziellen Lehrmeinung oder der Charts oder des Massenmarktes wenigstens möglich gewesen wäre, fällt völlig aus dem Raster dessen, was im kollektiven Gedächtnis bewahrt wird. Der von Dir bereits angesprochene Buchmarkt ist dafür ein hinreichend deutliches Beispiel:


    Die Videotheken, die ich heute noch kenne, haben einen massiven Wandel bereits durchgemacht. Anfangs wurden VHS, VIDEO 2000 und Betamax parallel angeboten - heute geht es vor allem um DVDs und noch mehr um Blu-Ray. Während in einem mir bekannten Laden zeitweilig bis zu 10 Personen beschäftigt waren, habe ich heute vor Ort noch einen kleinen Nischenladen, der mit einem Roboter auskommt. Da kommt der Ladenbesitzer nur einmal im Monat vorbei, um alte DVDs rauszunehmen, und neue reinzubringen. Der Rest läuft ohne Personal. 7*24h. In einem Ort mit 12.000 Einwohnern.
    So ein Angebot wird sich noch eine Weile halten können - gerade auch in Deutschland, weil wir hier in einigen Gegenden mit Streaming aufgrund schwacher Internetleitungen durchaus unsere Probleme haben.


    Noch ein paar Jahre weiter werden es dann Liebhaber sein, die alte DVDs sammeln.....möglichst Originalpressungen....und auch da wird ein Restmarkt mit noch weniger Läden bleiben. Ganz verschwinden - könnte sein, ich denke aber, das kann auch noch lange dauern.




    Zitat

    Ja, auch bei Büchern überwiegt die Zahl der vergriffenen Titel längst die der aktuellen Produktion; und jene aktuelle Produktion bedient ebenfalls nur noch die aktuellen Lesebedürfnisse des Massenmarktes - jedoch längst nicht mehr die dem Medium Schrifttum immanenten kulturellen Werte der Literatur als "Denkmal aller Dinge" (Aischylos)…


    Gerade bei Büchern gibt es mehrere Trends. Der Massenmarkt ist sicher ein Trend. e-books sind auch ein Trend. Und im letzteren Markt gibt es auch schon eine ganz erfolgreiche Szene, die ihre eigenen Bücher vermarktet - ohne den Umweg über Verlage u.ä. zu machen. Auch Nachwuchsförderung gibt es hier - Autoren fangen mal an, und andere Leser rezensieren munter und machen Verbesserungsvorschläge. Viele neue Geschäftsmodelle!


    Und: Weil heute Bücher dank extrem leistungsfähiger Drucker in sehr hoher Qualität in kleinen und kleinsten Auflagen für wenig Geld produziert werden können (und zwar ganu dann, wenn man eines braucht, weil man es verkauft hat)


    Bei Büchern kann und darf man aber auch die berechtigte Frage stellen, ob es beim Buch um das Papier, den Druck oder dann nicht doch eher um den Inhalt geht!


    Ich kann auch wenig schlimmes daran erkennen, wenn sich die Schreiber an den Massenmarkt wenden. Denn wenn viele etwas lesen wollen, ist das sicher nicht verwerflich. Was nützt mir tolle Literatur, wenn keiner die liest? Schon mal Ulysses probiert?


    Anders als vor 50 Jahren ist es dafür heute viel einfacher, auch mal ein gutes Buch aus Brasilien oder Ägypten in einer modernen Ãœbersetzung zu bekommen. Und mehr noch: An die Originaltexte in der jeweiligen Landessprache kommt man auch ohne Probleme ran!


    Im Fernsehmarkt ist das durchaus auch ähnlich! Klar - in den Einheitssendern bekommt man Einheitsbrei serviert. Aber neben diesen gibt es ja auch noch Arte, Phönix, und auf dem privaten Sektor schlage ich dann auch mal eine Lanze für Servus. Und die Streaming-Angebote produzieren zusätzliches Material - und längst ist nicht alles nur seichte Massenware!


    Mein großes Kino im Nachbarort hat sein Geschäftsfeld erweitert - neben Filmen werden hier zukünftig auch Live Opern aus renommierten Opernhäusern übertragen. Vorstellungen, an die ich sonst nicht ran käme! Ich kann nicht jedes Wochenende mal einfach nach Mailand, London oder New York......


    Mein geliebtes Minikino hier in der Provinz hält sich dank moderner Technik auch ganz gut - mit Nischenfilmen zieht es ein anderes Publikum an, als das Massenkino in der Nachbarsstadt.


    Kino, Bücher, Fernsehen - alles schon Medien, die immer wieder mal tot gesagt wurden. Und sie gibt es immer noch.
    Nicht mehr so viele, auch deutlich anders als früher - spezialisierter. Einige sind verschwunden - vor allem die, die sich keine Nische gesucht haben. Warum denen nachtrauern? Ich vermisse nichts.



    Zitat

    Ja, wie sieht denn die soziale Sicherung des Ladenbesiitzers aus, der seinen Laden schließen muss?


    Erst mal die Frage, warum der Ladenbesitzer seinen Laden schließen muss?
    Weil er zu lange an VHS festgehalten hat?
    Andere haben sich auf spezielle Formate gestürzt, oder sind in die Spielebranche gewechselt, oder haben auf Automaten umgestellt. Ein Unternehmen was pleite geht hat irgendetwas falsch gemacht!


    Der Ladenbesitzer hat natürlich auch dann einen Anspruch auf soziale Sicherung. Auch heute schon.
    Ich würde mir aber wünschen, dass man die Risiken gesellschaftlich insofern anders absichert, dass ich hierfür das Instrument eines bedingungslosen Grundeinkommens für richtig halte. Mir sind viele Argumente Pro und Contra bekannt - aus meiner Sicht überwiegen die Pros. Mit einem BGE wäre auch der Ladenbesitzer und auch seine Angestellten sozial erst mal abgesichert.


    Zitat

    Genauer betrachtet ist's die Langsamkeit, in der Kulturtechniken einander ablösen, die dafür sorgt, dass Erfindungen sich durchsetzen und ihr Gebrauch generationenübergreifend vertraut ist… der Buchdruck beispielsweise ist jetzt keine 600 Jahre alt - und hat im Laufe der Zeit ganze Kulturepochen ermöglicht oder zumindest stark beeinflusst; das Automobil ist vor knapp mehr als 130 Jahren erfunden worden und hat unsere Raumerfahrung massiv verändert, unsere Städte - und unsere Reisebedürfnisse. Die Videocassette mag vor wenig mehr als 40 Jahren erfunden worden sein und ist nach kaum 30 Jahren reger Nutzung obsolet geworden… der heutige Nutzer eines Smartphones wird sich keinen Gedanken um die Vorläufergeräte der Mobiltelefonie machen - ihm sind Touchscreen und der alltägliche Gebrauch dieses Gadget selbstverständlich. Aber wie kurz wird diese Gerätegeneration gebräuchlich sein?


    Kann ich so verstehen - bewerte es für mich aber differenzierter. Für mich sind digitale Techniken nicht in jeder Ausprägung einzeln eine jeweils neue Technologie - ich würde eher so herangehen, dass wir derzeit in einer Zeit massiver Umbrüche leben, in der sich sehr vieles von klassischen analogen Techniken hin zu digitalen Techniken wandelt. Diese Phase hat ca. 1980 begonnen - auf ein paar Jahre früher oder später kommt es nicht an - und die Phase wird sicher noch bis 2080 anhalten. In diesen 100 Jahren (stürmische Zeiten, in denen wir leben dürfen!) werden sukzessive alle Bereiche des Lebens durcheinander gewirbelt, und es entstehen neue Verhältnisse - die wir heute allenfalls in Ansätzen erahnen können. Das geht auch hin zu Themen wie sich zukünftig Gesellschaften organisieren, und auch wie sie zu Entscheidungen kommen.


    Wenn dann irgendwann das Leben mal weitestgehend digitalisiert ist, wird es wieder relativ stabil werden. Ob das Fernsehen eine Auflösung von HD, oder Ultra-HD hat, ist nicht wirklich bedeutsam. Wesentlich relevanter ist, dass immer mehr Bereiche des Lebens digitalisiert werden, und sich dem entsprechend Lebensverhältnisse, Lebensentwürfe, Möglichkeiten für den Einzelnen und vieles mehr verändern.


    1800 konnte ich Wissen vor allem an Universitäten abrufen.
    1900 gab es schon viele Büchereien - Bücher und Wissen wurde allgemein verfügbar.
    1980 gab es schon eine Fernuniversität - ich musste also nicht erst zu einer Uni fahren, um Wissen erlernen zu können.
    2016 haben wir unglaublich viele Vorlesungen allein schon auf Youtube - oftmals sogar mehrere zum gleichen Thema! Diese kann man FREI anschauen, und daraus lernen - und der zugehörige Stoff ist auch im Internet als Skript abrufbar, die Bücher dazu gibt es digital......und perspektivisch helfen Ãœbersetzungsengines, das sich nicht nur deutsche Vorlesungen konsumieren kann, sondern genausogut auch englische, französische oder auch chinesische. Und: Das geht ja nicht nur für deutsche potentielle Interessenten, sondern gerade auch für relativ bescheiden lebende Afrikaner!


    Bildung wird weltweit verfügbar! Information wird weltweit verfügbar. All dies ein Weg hin zur Chancengleichheit...


    Zitat

    Eben: Wenn nur der Reiz des Neuen Konsumanreiz bietet, wenn in nicht zu ferner Zeit also kein Produkt mehr lange genug verkäuflich ist, um in die Gewinnzone zu kommen, wie wird's dann um Produktion und Handel stehen?


    Das ist einfach! Es wird Unternehmen und Menschen geben, die eine Idee haben, was sie wie erfolgreich vermarkten können - und die werden das tun, und damit wohlhabend werden.


    Die Idee, dass KEIN Produkt mehr lange genug verkäuflich ist, um in die Gewinnzone zu kommen, ist absurd. Tatsächlich kommen heute viel mehr Produkte auf den Markt als je zuvor - es ist aber auch leichter, schnell Fehler zu erkennen, und Produkte durch neuere Produkte zu ersetzen.
    NEU ist auch ziemlich relativ.....in einem modernen Drogeriemarkt werden je Jahr 50% des Sortiments ausgetauscht - bei 13.000 Artikeln ist das eine erhebliche Zahl. Das ist normal! Dennoch bekommt man dort auch über Jahre hinweg einfach nur ein Duschgel, wenn man das braucht.


    In Zukunft wird das Thema 3-D-Druck und 3-D-Produktion noch an Bedeutung gewinnen. Aber auch das verlagert nur - und ersetzt nicht grundsätzlich irgendetwas.


    Im Umfeld Handel sehen wir heute schon, was die nächste Generation an Handel bringt. Mehr differenziertere Geschäftsmodelle einerseits - weil es für jeden leicht möglich ist, etwas zu vermarkten - andererseits sehen wir neue Player, die im Internethandel und im Multi-Channel-Handel unterwegs sind. Es werden viele Händler verschwinden - aber auch immer wieder neue am Markt erscheinen. Machen wir uns doch nichts vor - Handel ist vor allem ein Verdrängungswettbewerb - insbesondere in gesättigten Märkten! Neue etablieren sich genau dann, wenn sie besser sind, als die bewährten. Das heißt häufig auch, dass sie mit weniger Mitarbeitern mehr leisten können, als bewährte Ketten.


    Ist das nun gut, oder schlecht?


    Bei Restaurants haben wir zwei Trends, die parallel laufen:
    Einerseits gewinnen Fast-Food-Ketten zunehmend Kunden und verbreiten sich rasant.
    Andererseits gewinnen auch parallel Lokale, die sich auf höherwertige Speisen spezialisiert haben, weil es zunehmend mehr Kunden gibt, die vielleicht auch gerne mal was schnell im Fastfood Online bestellen, die aber abends vor allem für hohe Qualität bereit sind, mehr auszugeben.


    Verlierer sind vor allem die, die meinen, dass man ein gutes Restaurant damit optimiert, dass man Convenience-Food einführt.......


    Ein gutes Konzept muss es schon sein, damit der Kunde akzeptiert, dass ihm die Dr. Oetker Fertigpizza an einer bestimmten Lokation anspricht. Solcherlei Konzepte gibt es durchaus! Allerdings nicht für die schlechte Pizzeria...aber eventuell für eine Bowlingbahn......die aber auch verlieren wird, wenn sich in der Nachbarschaft eine weitere Bowlingbahn etabliert, die besseres Essen für einen guten Preis anbietet......


    Der Markt ist so wie er ist! Das Bessere ist der Feind des Guten.


    Ich kann darin nicht so arg viel schlechtes entdecken.


    Zitat

    Und wer schaut diese vielen Bilder überhaupt noch an?


    Eine gute Frage - aber eine, die wenig relevant ist. Mit viel Satire könnte ich antworten: Die NSA......


    Relevant ist, ob jemand noch gut von den vielen gemachten Bildern leben kann....und da kenne ich inzwischen einige erfolgreiche kleine wie große Geschäftsmodelle.


    Vielleicht ist zukünftig ein Geschäftsmodell, dass jemand dir für wenig Geld anbietet, deine 10.000 Bilder zu sichten, und dir einen Vorschlag dafür zu machen, welches 500 Bilder daraus relevant für ein gutes Fotobuch zu einem bestimmten Thema geeignet wären......so mancher wäre sicher heute schon bereit, für die Hochzeit seiner Tochter einen entsprechenden Auftrag an Dritte zu vergeben......


    Ein Unternehmer wird aus den Verhältnissen die er vorfindet immer versuchen, ein Geschäftsmodell zu finden.


    Ein Knecht wird immer passiv warten, bis ihm jemand sagt, was er zu tun und zu lassen hat......


    Mir wäre es lieber, wir würden die Gesellschaft so entwickeln, dass wir weniger Knechte, und mehr Unternehmer bekämen.

  • […] Anfangs wurden VHS, VIDEO 2000 und Betamax parallel angeboten - heute geht es vor allem um DVDs und noch mehr um Blu-Ray. […]

    Abgesehen von der Länge Deiner Antwort geht sie obendrein ziemlich weiträumig daran vorbei, meine geäußerten Einwände zu widerlegen - wenn es eine kurze Zeit gegeben hat, in der unterschiedliche Cassettensysteme im Handel waren und die spätere "Marktführerschaft" des VHS-Standards noch unklar gewesen ist, und deswegen unterschiedliche Cassetten für die Kundschaft bereitgehalten werden mussten, zeigt dies nur, dass jener "gesplitete" Markt bei den Nutzern aller gängigen Systeme angenommen wurde. Zumal der käufliche Erwerb der persönlichen Filmkopie seinerzeit (Mitte der 80er) offenbar kaum eine Bedeutung hatte, weil Kaufkassetten (mit Film) vergleichsweise kostspielig waren.

    […] So ein Angebot wird sich noch eine Weile halten können - gerade auch in Deutschland, weil wir hier in einigen Gegenden mit Streaming aufgrund schwacher Internetleitungen durchaus unsere Probleme haben. […]

    Diese "Automatenvideotheken" waren mit dem Systemwechsel auf DVD sicher eine Ãœberlebensmöglichkeit für Videothekenbetreiber, kostensenkend das Geschäft weiter zu betreiben - den soziokulturellen Unterschied zwischen Filmleihe und "Streaming" hingegen scheinst Du nicht wahrzunehmen - der Film (oder genauer: Eine Kopie davon) war körperlich an seinen Datenträger gebunden, konnte also real erworben werden (als Kaufcassette oder später DVD), während er heute nur noch ein Datenpaket ist, dessen Schnittfassung jederzeit nach Belieben des Rechteinhabers (des Filmverleih oder auch gesetzlicher Änderungen) geändert/ausgetauscht werden kann…

    […] Der Massenmarkt ist sicher ein Trend. e-books sind auch ein Trend. Und im letzteren Markt gibt es auch schon eine ganz erfolgreiche Szene, die ihre eigenen Bücher vermarktet - ohne den Umweg über Verlage u.ä. zu machen. […]

    Der Massenmarkt ist kein "Trend", er ist eine kulturelle Verflachung - und die Autoren verfügbaren "Publikationsmöglichkeiten" von eBooks oder BoDs vergrößern nicht die tatsächliche Angebotsbreite, sondern "erlauben" es Nachwuchsautoren bloß, auf eigene Kosten ihr dann nicht lektoriertes Werk zu veröffentlichen und selbst zu vermarkten.

    […] Schon mal Ulysses probiert?

    James Joyces "Ulyssus" ist kein "Höppchen", das zum "probieren" geeignet wäre; ich habe sowohl die Wolfgang Hildesheimersche als auch die Hans Wollschlägersche Ãœbersetzung gelesen und eine Taschenbuchausgabe des englischsprachigen Originals.

    […] Klar - in den Einheitssendern bekommt man Einheitsbrei serviert. Aber neben diesen gibt es ja auch noch Arte, Phönix, und […] die Streaming-Angebote produzieren zusätzliches Material […]

    Fernsehsender - gerade auch diejenigen, die ein anspruchsvolleres Markenimage pflegen, füllen ihre Programmzeiten zunehmend mit Eigenproduktionen - Videotheken werden eher von Cineasten, Filmliebhabern, Nostalgikern und nach leichter Unterhaltung suchenden Kunden aufgesucht. Die "Special Interests" mal außen vor… und die Filmbranche hat, ähnlich wie der Buchmarkt, längst erkannt, dass die ständige Verfügbarkeit älterer Titel nur den Verkauf der aktuelleren bremst; was bedeutet, dass, wie im Buchhandel die back-catalogues der Verlage spärlicher werden, auch das Angebot an Kauf-DVDs und erst recht der Leih-Ware recht eingeschränkt ist.

    […] Mir wäre es lieber, wir würden die Gesellschaft so entwickeln, dass wir weniger Knechte, und mehr Unternehmer bekämen.

    Wirkliche Unternehmer sind - quer durch alle Branchen - recht selten geworden. Das hängt auch damit zusammen, dass es die der Theorie der Volkswirtschaftslehre entsprechenden Märkte kaum noch gibt…

  • Abgesehen von der Länge Deiner Antwort geht sie obendrein ziemlich weiträumig daran vorbei, meine geäußerten Einwände zu widerlegen - wenn es eine kurze Zeit gegeben hat, in der unterschiedliche Cassettensysteme im Handel waren und die spätere "Marktführerschaft" des VHS-Standards noch unklar gewesen ist, und deswegen unterschiedliche Cassetten für die Kundschaft bereitgehalten werden mussten, zeigt dies nur, dass jener "gesplitete" Markt bei den Nutzern aller gängigen Systeme angenommen wurde. Zumal der käufliche Erwerb der persönlichen Filmkopie seinerzeit (Mitte der 80er) offenbar kaum eine Bedeutung hatte, weil Kaufkassetten (mit Film) vergleichsweise kostspielig waren.


    Ja, wir leben in einer Zeit, in der auch komplexeste Zusammenhänge in 140 Zeichen kommentiert werden müssen. Ich lehne das ab! Sicher kann man meine Beiträge auch mal deutlich verdichten - relevante Punkte aber brauchen auch Raum. Ausgerechnet in einem solchen Beitrag das zu kritisieren ist eine nette Satire!


    Zitat


    Diese "Automatenvideotheken" waren mit dem Systemwechsel auf DVD sicher eine Ãœberlebensmöglichkeit für Videothekenbetreiber, kostensenkend das Geschäft weiter zu betreiben - den soziokulturellen Unterschied zwischen Filmleihe und "Streaming" hingegen scheinst Du nicht wahrzunehmen - der Film (oder genauer: Eine Kopie davon) war körperlich an seinen Datenträger gebunden, konnte also real erworben werden (als Kaufcassette oder später DVD), während er heute nur noch ein Datenpaket ist, dessen Schnittfassung jederzeit nach Belieben des Rechteinhabers (des Filmverleih oder auch gesetzlicher Änderungen) geändert/ausgetauscht werden kann…


    Sicher nehme ich den Unterschied wahr! Meine Aussage ist nur: Auch noch längere Zeit wird es neben der Nutzung von Streaming-Angeboten auch noch das Angebot für klassische Filmleihe geben. Diese wird sich aber auf Automaten und spezielle Angebote reduzieren - und es werden sich Mischformen herausbilden. Verleiher, die auch streamen - das gibt es im Buchmarkt ebenfalls schon.


    Ich bin nicht überzeugt, dass Videotheken in Gänze verschwinden werden - sie werden sich wandeln, werden ebenfalls Streaming-Angebote ins Programm aufnehmen, und werden spezielle Angebote in der Nische für eine kleine Klientel machen. Beispielsweise auch: Das Kaufangebot!



    Zitat


    Der Massenmarkt ist kein "Trend", er ist eine kulturelle Verflachung - und die Autoren verfügbaren "Publikationsmöglichkeiten" von eBooks oder BoDs vergrößern nicht die tatsächliche Angebotsbreite, sondern "erlauben" es Nachwuchsautoren bloß, auf eigene Kosten ihr dann nicht lektoriertes Werk zu veröffentlichen und selbst zu vermarkten.


    Das ist deine Sicht auf die Wirklichkeit - ich halte diese für falsch. Historisch gesehen waren Meisterwerke häufig zu Lebzeiten der Betroffenen wenig geschätzt. Insbesondere bei der Malerei, aber auch der Dichtkunst. Und selbst erfolgreiche Künstler wie Mozart wurden faktisch zu Lebzeiten nur von einer kleinen elitären Minderheit stark geschätzt.


    Der Massenmarkt damals hat Volkslieder und entsprechende wandernde Sänger verehrt, und wurde mit Mozart und Co nur in der Sonntagsmesse behelligt.


    Der Massenmarkt war schon immer Trend - kulturelle Höchstleistungen waren schon immer die Ausnahme. Dies zu verdrehen geht an den Fakten vorbei. Was man aber nicht verkennen darf: Heute ist es auch für den einfachsten Bauer leicht, an kulturelle Höchstleistungen heranzukommen - das war historisch gesehen in vergleichbarer Form nie der Fall! Eine Glanzleistung der Digitalisierung, des Streamings und des Internets! Wer Kultur sehen, hören oder lesen will, der kann dies heute auch. Weltweit.


    Das war nicht nur die letzten Jahrhunderte anders, sondern genau dieses Phänomen, dass heute jeder ohne größere Probleme an entsprechende Qualität herankommt, ist ein NEUES Phänomen - die Demokratisierung der Kultur.


    Die Idee, dass alle, die Massenware gerne lesen, hören oder generell konsumieren Flachpfeifen wären, ist hingegen ziemlich elitär und auch überholt. Es mag sein, dass so mancher Meister nicht zu seinen Lebzeiten schon ausreichend verstanden wird - seine Chancen stehen heute aber besser da als je zuvor!



    Zitat


    James Joyces "Ulyssus" ist kein "Höppchen", das zum "probieren" geeignet wäre; ich habe sowohl die Wolfgang Hildesheimersche als auch die Hans Wollschlägersche Ãœbersetzung gelesen und eine Taschenbuchausgabe des englischsprachigen Originals.


    :-)
    Freut mich!


    Ändert aber wenig daran, dass James Joyce immer nur gesellschaftliche Nischen erreichen wird. Bei aller Wertschätzung meinerseits ist es doch faktisch so, dass einige Massenwareproduzierenden Autoren in der Lage sind, weit mehr zu bewirken, als hoch intellektuelle Vordenker wie James Joyce.


    Was spricht also gegen Masse?


    Zitat

    Fernsehsender - gerade auch diejenigen, die ein anspruchsvolleres Markenimage pflegen, füllen ihre Programmzeiten zunehmend mit Eigenproduktionen - Videotheken werden eher von Cineasten, Filmliebhabern, Nostalgikern und nach leichter Unterhaltung suchenden Kunden aufgesucht. Die "Special Interests" mal außen vor… und die Filmbranche hat, ähnlich wie der Buchmarkt, längst erkannt, dass die ständige Verfügbarkeit älterer Titel nur den Verkauf der aktuelleren bremst; was bedeutet, dass, wie im Buchhandel die back-catalogues der Verlage spärlicher werden, auch das Angebot an Kauf-DVDs und erst recht der Leih-Ware recht eingeschränkt ist.


    Ja und? Das ist der normale Lauf der Dinge! Die Welt wird deswegen nicht schlechter - und nur weil Videotheken ihr Geschäftsmodell ändern müssen, und sich auf Nischen oder neuartige Angebote einlassen müssen, bricht nichts zusammen. Das ist normales Geschäft. Da bleibe ich entspannt.


    Zitat


    Wirkliche Unternehmer sind - quer durch alle Branchen - recht selten geworden. Das hängt auch damit zusammen, dass es die der Theorie der Volkswirtschaftslehre entsprechenden Märkte kaum noch gibt…


    Wirkliche UNTERNEHMER sind nicht selten geworden, sondern waren schon immer die Ausnahme.
    Vergessen sie die Theorie der Volkswirtschaftslehre, wenn sie ihnen solch falsche Sichtweisen impliziert. UNTERNEHMER gibt es immer - auch im sozialistischsten Staat mit hoher Planwirtschaft.


    Die Märkte sind dabei egal - und die Idee, dass heutige Märkte Unternehmerunfreundlich wären, teile ich nicht.
    Tatsächlich ist es eher so, dass es heute in vielerlei Hinsicht leichter ist als je zuvor, als Unternehmer tätig zu werden.
    Erfolgreich zu sein, ist heute aber noch immer die Ausnahme - das war sie aber auch immer!


    Erfolgreiche Unternehmer sind nicht nur die 67 Menschen in der Welt, die genausoviel Eigentum haben, wie mehr als 50% der ärmeren Bevölkerung - erfolgreiche Unternehmer gibt es weltweit überall in allen möglichen Nischen. Mag sein, dass nicht jeder superreich wird - Unternehmer sind oft genug auch Künstler, Wissenschaftler oder auch Dichter. Nciht jeder kann den Erfolg zu Lebzeiten oder überhaupt ernten - aber die Chancen sind heute weltweit besser als je zuvor.


    Insofern teile ich ihren Grundpessimismus nicht! Ich halte diesen statt dessen für ein klares Merkmal, dass sie kein Unternehmer sind!

  • Ja, wir leben in einer Zeit, in der auch komplexeste Zusammenhänge in 140 Zeichen kommentiert werden müssen. […]

    Es spricht nichts gegen ausführlichere Antworten, solange sie wirklich "komplexere Zusammenhänge" auch verdeutlichen; Dein Beitrag #95 vom 20. April bot jedoch lediglich eine Meinungsäußerung - und keinerlei Wirklichkeitsbezug - der jetzige macht's nicht besser… und ist wiederum zu lang, als dass auf jeden Einzelpunkt jetzt in einer Antwort eingegangen werden könnte.

    […] Ich bin nicht überzeugt, dass Videotheken in Gänze verschwinden werden - sie werden sich wandeln, werden ebenfalls Streaming-Angebote ins Programm aufnehmen, und werden spezielle Angebote in der Nische für eine kleine Klientel machen. […]

    Welchen Nutzen sollte es für Videothekenbetreiber oder deren Kundschaft haben, wenn wenn in der Videothek nur ein Nutzungsvertrag zu unterzeichnen ist, Streamingdienste eines (der Videothek) übergeordneten Unternehmens in Anspruch nehmen zu können - wie viele Verträge müssten in der ortsansässigen Niederlassung der Videothekenkette monatlich abgeschlossen werden, damit die Provisionszahlungen Ladenmiete und Personalaufwand tragen?

    Das ist deine Sicht auf die Wirklichkeit - ich halte diese für falsch. Historisch gesehen waren Meisterwerke häufig zu Lebzeiten der Betroffenen wenig geschätzt. […]

    Historisch gesehen ist der verkannte Künstler ein relativ neuzeitliches Phänomen, das etwa um 1800 erst aufkam.

    Der Massenmarkt damals hat Volkslieder und entsprechende wandernde Sänger verehrt, und wurde mit Mozart und Co nur in der Sonntagsmesse behelligt. […]

    Rofl. Deine kulturgeschichtlichen Kenntnisse sind wirklich erstaunlich… übrigens: Zu Lebzeiten Mozarts, dessen eingängige Melodiösität übrigens sowohl den Unterhaltungsbedürfnissen des Adels entsprach als auch dem bisweilen in die Theater eingelassenen bürgerlichen Publikum gefiel, gab's "Volkslieder" praktisch noch gar nicht - die kamen erst auf, als das gehobene Bürgertum sich ein Klavier in die gute Stube stellte bzw. als mit der Industrialisierung Bergwerksbelegschaften Männerchöre bildeten und als - nach 1870 - so langsam Wanderbewegungen aufkamen - die Musik, die bei Bauern an Festtagen gespielt wurde, sind zumeist einfache Tanzweisen, und die Lieder, die bei der Feldarbeit (oder von Soldaten beim Marschieren) gesungen wurden, um "im Takt" zu arbeiten und sich munter zu halten, mögen ja eine mehrere Jahrhundert weiter zurückreichende Tradition aufweisen, aber "Volkslieder" waren diese noch nicht.

    2 Mal editiert, zuletzt von I'm a Substitute () aus folgendem Grund: ein Klavier nachgereicht

  • […] Heute ist es auch für den einfachsten Bauer leicht, an kulturelle Höchstleistungen heranzukommen - das war historisch gesehen in vergleichbarer Form nie der Fall! […]

    Wieder falsch… die Kenntnis kultureller Höchstleistungen fand Verbreitung mit dem Aufkommen von Schulpflicht, Konversationslexikon und - ganz trivial - jenen Sammelbildchen, die ab 1900 ungefähr gratis beim Erwerb von Markenwaren (Liebigs Fleischextrakt, Zigaretten usw.) ausgegeben wurden… parallel dazu entstanden im Bereich des Gesellschaftsspiels/Kartenspiels vergleichbare "Massenmedien" - etwa Reisespiele (mit den berühmtesten Sehenswürdigkeiten oder den Wahrzeichen berühmter Städte) und Quartettspiele, deren frühe Exemplare tatsächlich die großen Dichter, Maler, Bildhauer und Komponisten, die zu verehren seit Generationen zum Bildungskanon gehört, zeigen…

    […] die Demokratisierung der Kultur. […]

    Demokratisiert ist "die Kultur" keineswegs - zwar war lange Zeit der Eintritt in staatliche Museen gratis, auch steht es jedermann frei, sich als Hobbymaler oder Hobbydichter zu betätigen - jedoch zeigt sich ja, dass die Verfügbarkeit des Zugangs zu Kunstwerken (und sei's als Farbreproduktion in Form eines Wandkalenders) nur dazu führt, dass die Bevölkerungsmehrheit ihren Kulturbegriff keineswegs ausgeweitet hat, sondern lieber am vertraut "lieblichen" Anblick van Gogh'scher Sonnenblumen verharrt…

    […] Ändert aber wenig daran, dass James Joyce immer nur gesellschaftliche Nischen erreichen wird. […]

    Was um so mehr erstaunen muss, wenn man bedenkt, dass er doch im Ulyssus den "Welt-Alltag der Geschichte" im Kreise nun keineswegs sonderlich ungewöhnlicher, sondern ganz volksverbundener Menschen festgehalten hat…

    […] Insofern teile ich ihren Grundpessimismus nicht! Ich halte diesen statt dessen für ein klares Merkmal, dass sie kein Unternehmer sind!

    Das macht überhaupt nichts - viel Spaß bei Ihren "Unternehmungen". Ich widme mich lieber weiterhin der Erhaltung von Kulturgütern, soweit dies trotz der grassierenden Achtlosigkeit der Mitwelt überhaupt möglich ist.

  • […] Einige sind verschwunden - vor allem die, die sich keine Nische gesucht haben. Warum denen nachtrauern? Ich vermisse nichts. […]

    Wenn Du nichts vermisst, ist das ja überaus erfreulich für Dich - was aber ist mit denen, die etwas vermissen?

    […] in einem modernen Drogeriemarkt werden je Jahr 50% des Sortiments ausgetauscht - bei 13.000 Artikeln ist das eine erhebliche Zahl. Das ist normal! Dennoch bekommt man dort auch über Jahre hinweg einfach nur ein Duschgel, wenn man das braucht. […]

    Wenn es weiterhin Duschgel in Drogerien zu kaufen gibt, könnte es für den "Nischenkunden", der ein bestimmtes Produkt wünscht, das jedoch ausgelistet wurde, dennoch ein Ärgernis sein, zum Markenwechsel gezwungen zu sein.

    […] Bei Restaurants haben wir zwei Trends, die parallel laufen: Einerseits gewinnen Fast-Food-Ketten zunehmend Kunden und verbreiten sich rasant. Andererseits gewinnen auch parallel Lokale, die sich auf höherwertige Speisen spezialisiert haben, weil es zunehmend mehr Kunden gibt, die vielleicht auch gerne mal was schnell im Fastfood Online bestellen, die aber abends vor allem für hohe Qualität bereit sind, mehr auszugeben. […]

    Wenn Du bislang vor lauter Zukunftsoptimismus übersehen hast, dass die Systemgastronomieketten unter massivem Kundenschwund leiden, und der "Erfolg" jener "höherwertigen" Schaumschläger der sogenannten Molekularküche, der Eventgastronomie und der sonstigen Geschäftskonzepte in jener Branche oftmals kaum länger als die Eröffnungswoche anhält, bist Du ja ein richtiger Branchenexperte!

    […] Der Markt ist so wie er ist! Das Bessere ist der Feind des Guten. Ich kann darin nicht so arg viel schlechtes entdecken. […]

    Nicht nur auf dem Buchmarkt scheint derzeit eher das Schlechtere zum erfolgreichen Verdränger des Guten zu sein.