Videotheken sterben.... was als nächstes?

  • […] 2016 haben wir unglaublich viele Vorlesungen allein schon auf Youtube - oftmals sogar mehrere zum gleichen Thema! Diese kann man FREI anschauen, und daraus lernen - und der zugehörige Stoff ist auch im Internet als Skript abrufbar […] Bildung wird weltweit verfügbar! Information wird weltweit verfügbar. […] Ist das nun gut, oder schlecht? […]

    Sagenhaft - das Anschauen von Youtube-Filmchen soll jetzt ein Studium ersetzen… das ist ja ein Riesenfortschritt für die Bildung - man könnte dann ja auch gleich Schulen endgültig abschaffen; wie das die öffentlichen Haushalte entlastete!


    Ãœbrigens: Mit der Ausbreitung der Streamingdienste, um doch wieder näher zum Threadthema zurückzukehren, wird auch die Nachfrage nach Kauf-DVDs nach und nach verdämmern… und kauft niemand mehr DVDs, dann wird wohl auch der Verkauf von Wiedergabegeräten in absehbarer Zeit kaum noch lohnend sein. Und so verliert der Verbraucher zunehmend die Kontrolle über das, was ihm vom gesamten Filmrepertoire, das je produziert wurde, verfügbar ist. Filme aus der Frühzeit des Kinos sind ja oftmals bereits verlorengegangen, einiges mal rekonstruiert/restauriert/remastered worden sein, mangels Nachfrage verrotten jetzt die Magnetaufzeichnungen - die Frühgeschichte des Fernsehens ist ebenfalls nicht komplett aufgezeichnet und konserviert - tendenziell sieht's jedenfalls ganz so aus, als dass die Liebhaber jener Nischen, deren Ãœberleben Dir so sicher scheint, bald doch keine Bezugsquellen mehr antreffen werden. Selbst wenn noch vereinzelt spezialisierte Anbieter (und sei's bei ebay) zu finden sind.

  • […] Ist das nun gut, oder schlecht? […]

    Ich würde glatt behaupten, dass das seit Jahren zu beobachtende Sterben der Branche der Videotheken für die Betreiber selbiger sicher eher schlecht ist - und für die Kunden ist's ebenso nachteilig. Und soziokulturell lässt sich daran vor allem ablesen, dass entweder das Medium Film bereits an Attraktivität für die Freizeitgestaltung nachgelassen hat - oder die vormalige Masse der Fernsehzuschauer und Videokonsumenten längst gleichgültiger hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird - in Hinblick auf die in den letzten Jahren doch getätigten Ausgaben für's Home-Entertainment (wie kommt's denn zur Marktdominanz von Media/Saturn im Bereich der heimischen Unterhaltungselektronik?) - Mit Staubsaugern oder USB-Sticks machen diese beiden Ketten jedenfalls nur einen relativ kleinen Teil ihres Jahresumsatzes. Auch in den USA hat die Branche bereits heftige Rückschläge erlitten - man mag ja einräumen, dass die dortige Bevölkerung mit gravierenderen Sorgen zu leben hat, als mit dem Schwund des Freizeitangebotes, aber der Schwund jeder Videothek hinterlässt in der jeweiligen Straße zunächst mal eine Lücke, eine Geschäftsidee hat sich als nicht rentabel erwiesen, und Ersatz ist für die Kunden auch nicht unbedingt zu finden.
    Im Hamburg zeigt das Branchenbuch derzeit noch 30 Videotheken - wobei zumindest einer der Einträge ein längst verschwundenes Geschäft nennt: The FIRST shop for only english videos schloss bereits vor mehr als zehn Jahren seine Pforten.E
    Eine witzige, aber wohl auch nicht auf Dauer lukrativ zu betreibende Geschäftsidee ist in Essen zu finden: Der online bestellte Film (oder ggf. Software für 'ne Spielekonsole) wird angeliefert! (Das ließe sich ja gleich mit 'nem Pizzaservice oder anderem "on demand" zu bestellendem Knabberkram kombinieren) - aber diese Lieferservices halten sich auch selten länger als ein paar Jahre. (In Hamburg gab's gar mal für kurze Zeit einen nächtlichen Getränkelieferservice für alle, die ihre eigenen Vorräte für 'ne Party zu knapp kalkuliert hatten)

  • […] Ein Unternehmen was pleite geht hat irgendetwas falsch gemacht! […]

    Natürlich! Dennoch scheint#s eher der Normalfall zu sein, dass Unternehmer scheitern, dass Insolvenz angemeldet wird, dass die geschäftlichen Rahmenbedingungen, das Marktumfeld, die Konjunktur sich laufend ändern - bis das Unternehmen nicht mehr läuft. Und bei den Videotheken ist's ja so, dass trotz immer noch wachsenden Marktes die Zahl der Untenehmen eher schrumpft. Ãœbrigens sinkt die Zahl der Videotheken hier in Deutschland sogar deutlich langsamer als im europäischen Ausland.

  • Ich würde glatt behaupten, dass das seit Jahren zu beobachtende Sterben der Branche der Videotheken für die Betreiber selbiger sicher eher schlecht ist - und für die Kunden ist's ebenso nachteilig. Und soziokulturell lässt sich daran vor allem ablesen, dass entweder das Medium Film bereits an Attraktivität für die Freizeitgestaltung nachgelassen hat - oder die vormalige Masse der Fernsehzuschauer und Videokonsumenten längst gleichgültiger hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird - in Hinblick auf die in den letzten Jahren doch getätigten Ausgaben für's Home-Entertainment (wie kommt's denn zur Marktdominanz von Media/Saturn im Bereich der heimischen Unterhaltungselektronik?) - Mit Staubsaugern oder USB-Sticks machen diese beiden Ketten jedenfalls nur einen relativ kleinen Teil ihres Jahresumsatzes. Auch in den USA hat die Branche bereits heftige Rückschläge erlitten - man mag ja einräumen, dass die dortige Bevölkerung mit gravierenderen Sorgen zu leben hat, als mit dem Schwund des Freizeitangebotes, aber der Schwund jeder Videothek hinterlässt in der jeweiligen Straße zunächst mal eine Lücke, eine Geschäftsidee hat sich als nicht rentabel erwiesen, und Ersatz ist für die Kunden auch nicht unbedingt zu finden.
    Im Hamburg zeigt das Branchenbuch derzeit noch 30 Videotheken - wobei zumindest einer der Einträge ein längst verschwundenes Geschäft nennt: The FIRST shop for only english videos schloss bereits vor mehr als zehn Jahren seine Pforten.E
    Eine witzige, aber wohl auch nicht auf Dauer lukrativ zu betreibende Geschäftsidee ist in Essen zu finden: Der online bestellte Film (oder ggf. Software für 'ne Spielekonsole) wird angeliefert! (Das ließe sich ja gleich mit 'nem Pizzaservice oder anderem "on demand" zu bestellendem Knabberkram kombinieren) - aber diese Lieferservices halten sich auch selten länger als ein paar Jahre. (In Hamburg gab's gar mal für kurze Zeit einen nächtlichen Getränkelieferservice für alle, die ihre eigenen Vorräte für 'ne Party zu knapp kalkuliert hatten)


    Wandlungen in dieser mehr technischen, damit aber auch mithin zur gesellschaftlichen Richtung gab es schon immer und niemals ließen sie sich aufhalten. Ob der Einzelmensch diese meist technischen Errungenschaften mochte oder nicht, sie setzten sich stets durch. Daran wird sich nichts ändern. Bäcker-und ähnliche Kleingeschäfte ebenso wie Videotheken und viele andere werden in zwanzig bis dreißig Jahren (spätestens) der Vergangenheit angehören, glaube ich. Nicht mehr „zeitgemäß“ wird man sagen, die virtuell bequemer erreichbaren Online-Angebote, oftmals auch noch preiswerter, werden die Mehrheiten dafür einnehmen. Menschen haben sich immer schon etwas vorgemacht, wenn sie sich an den einmal tief verwurzelten Gewohnheiten fest geklammert haben. Und immer wurden Sie enttäuscht und haben sich erst dann umgestellt, bis auch das „Neue“ wieder zur vertrauten „Gewohnheit“ wurde.

    Einmal editiert, zuletzt von A3103 ()

  • Zitat

    Welchen Nutzen sollte es für Videothekenbetreiber oder deren Kundschaft haben, wenn wenn in der Videothek nur ein Nutzungsvertrag zu unterzeichnen ist, Streamingdienste eines (der Videothek) übergeordneten Unternehmens in Anspruch nehmen zu können - wie viele Verträge müssten in der ortsansässigen Niederlassung der Videothekenkette monatlich abgeschlossen werden, damit die Provisionszahlungen Ladenmiete und Personalaufwand tragen?


    Von mir aus gebe ich dir gerne recht - wenn es dir so wichtig ist, dass ALLE Videotheken keine Kassetten mehr über den Tresen geben.....
    Meine Kernaussagen sehe ich dennoch bestätigt:


    - Auch wenn in einem Geschäftsfeld 99,9% der Läden wegfällt - es bleiben Sammler und Liebhaber, und es wird 0,1% der Läden übrig bleiben, die dafür ein passendes Geschäftsmodell entwickeln werden - und das auch über lange Zeit hinweg.


    -Ein weiterer Teil der Läden wird das Geschäftsmodell anpassen - beispielsweise dadurch, dass sie selbst in Streamingdienste einsteigen, oder indem sie zusätzlich Spiele vertreiben, und dann beispielsweise über organisierte LAN-Partys und einem dazu passenden Catering ihr Geschäft machen


    - Und dritte werden zwar das Geschäftsmodell vollständig durch ein anderes ersetzen, aber die zugehörigen Unternehmer werden auch dann wieder Fuß fassen.


    - Und ausreichend viele gehen Pleite - weil das Geschäft abwandert, und andere dann das Geschäft beispielsweise über das Internet mit Streaming u.ä. machen.


    Ich kann nicht erkennen, dass du in irgendeinem Beitrag diesen Kernaussagen wirklich widersprochen hast.


    Zitat

    Historisch gesehen ist der verkannte Künstler ein relativ neuzeitliches Phänomen, das etwa um 1800 erst aufkam.


    Historisch gesehen kennen wir die meisten verkannten Künstler nicht, und werden sie nicht mehr kennenlernen können, weil deren Werke längst schon vergessen und vernichtet sind.


    Zitat

    Rofl. Deine kulturgeschichtlichen Kenntnisse sind wirklich erstaunlich… übrigens: Zu Lebzeiten Mozarts, dessen eingängige Melodiösität übrigens sowohl den Unterhaltungsbedürfnissen des Adels entsprach als auch dem bisweilen in die Theater eingelassenen bürgerlichen Publikum gefiel, gab's "Volkslieder" praktisch noch gar nicht - die kamen erst auf, als das gehobene Bürgertum sich ein Klavier in die gute Stube stellte bzw. als mit der Industrialisierung Bergwerksbelegschaften Männerchöre bildeten und als - nach 1870 - so langsam Wanderbewegungen aufkamen - die Musik, die bei Bauern an Festtagen gespielt wurde, sind zumeist einfache Tanzweisen, und die Lieder, die bei der Feldarbeit (oder von Soldaten beim Marschieren) gesungen wurden, um "im Takt" zu arbeiten und sich munter zu halten, mögen ja eine mehrere Jahrhundert weiter zurückreichende Tradition aufweisen, aber "Volkslieder" waren diese noch nicht.


    Dein Begriff des Volksliedes entspricht nicht dem, was üblicherweise verwendet wird. Verwechsle bitte nicht Schlager mit Volkslied, und Volkslied nicht mit Volksmusik.


    Nur weil die ersten Volksliedsammlungen so um die 1800 in Büchern zusammengefasst wurden, bedeutet dies nicht, dass die Volkslieder erst da aufkamen - so wie die Märchensammlungen der Gebrüder Grimm nicht bedeuten, dass es 300 Jahre früher keine Märchen gab.....


    Zitat

    Wieder falsch… die Kenntnis kultureller Höchstleistungen fand Verbreitung mit dem Aufkommen von Schulpflicht, Konversationslexikon und - ganz trivial - jenen Sammelbildchen, die ab 1900 ungefähr gratis beim Erwerb von Markenwaren (Liebigs Fleischextrakt, Zigaretten usw.) ausgegeben wurden… parallel dazu entstanden im Bereich des Gesellschaftsspiels/Kartenspiels vergleichbare "Massenmedien" - etwa Reisespiele (mit den berühmtesten Sehenswürdigkeiten oder den Wahrzeichen berühmter Städte) und Quartettspiele, deren frühe Exemplare tatsächlich die großen Dichter, Maler, Bildhauer und Komponisten, die zu verehren seit Generationen zum Bildungskanon gehört, zeigen…


    Aha. Und die Römer? Die Griechen? Die Perser? Ägypten? Artefakte aus Australien zeigen noch viel ältere kulturelle Höchstleistungen. Ich halte deinen Begriff von Kultur und auch von dem, was eine Höchstleistung ist, und was auch nicht für recht beengt.


    Zitat

    Demokratisiert ist "die Kultur" keineswegs - zwar war lange Zeit der Eintritt in staatliche Museen gratis, auch steht es jedermann frei, sich als Hobbymaler oder Hobbydichter zu betätigen - jedoch zeigt sich ja, dass die Verfügbarkeit des Zugangs zu Kunstwerken (und sei's als Farbreproduktion in Form eines Wandkalenders) nur dazu führt, dass die Bevölkerungsmehrheit ihren Kulturbegriff keineswegs ausgeweitet hat, sondern lieber am vertraut "lieblichen" Anblick van Gogh'scher Sonnenblumen verharrt…


    Unter einer Demokratisierung der Kultur verstehe ich vor allem, dass nicht einige Wenige sagen, was Kultur ist, und was nicht. Joseph Beuys hat hier einige gute Aufsätze dazu verfasst - ein durchaus inzwischen weltweit anerkannter Künstler. Den Kunstbegriff auf deinen individuellen Geschmack zu verkürzen, ist natürlich für dich subjektiv ein legitimes Mittel.


    Zitat

    Was um so mehr erstaunen muss, wenn man bedenkt, dass er doch im Ulyssus den "Welt-Alltag der Geschichte" im Kreise nun keineswegs sonderlich ungewöhnlicher, sondern ganz volksverbundener Menschen festgehalten hat…


    Wenn du das Werk gelesen hast, eventuell sogar in der englischen Fassung, dann sollte es dich nicht erstaunen. Nur weil man von ganz volksverbundenen Menschen schreibt, ist es noch immer nicht leichter zu lesen. Sein Werk ist schwer zu lesen - auch weil es über hunderte Seiten auf Punkt und Komma und viele andere gelernte Hilfsmittel zur Gliederung der Texte verzichtet. Es ist sicher Kunst - aber ohne Anstrengung erschließt sich seine Schönheit nicht!


    Zitat

    Das macht überhaupt nichts - viel Spaß bei Ihren "Unternehmungen". Ich widme mich lieber weiterhin der Erhaltung von Kulturgütern, soweit dies trotz der grassierenden Achtlosigkeit der Mitwelt überhaupt möglich ist.


    Das finde ich gut, und bewundernswert!


    Zitat

    Wenn Du nichts vermisst, ist das ja überaus erfreulich für Dich - was aber ist mit denen, die etwas vermissen?


    Wenn es genügend sind, gibt es einen Markt, dann besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass dieser auch von jemandem gefunden und erschlossen wird.


    Zitat

    Wenn es weiterhin Duschgel in Drogerien zu kaufen gibt, könnte es für den "Nischenkunden", der ein bestimmtes Produkt wünscht, das jedoch ausgelistet wurde, dennoch ein Ärgernis sein, zum Markenwechsel gezwungen zu sein.


    Und? Für ausreichend Geld wird der Betroffene sein Produkt wiederfinden.
    Wenn es ihm wirklich wichtig ist, kann er es sicher auch selbst herstellen. Die Rezepturen sind längst nicht so arg komplex.


    Es ist eine menschliche, aber auch eine sehr egoistische Grundhaltung, die wir als Konsument einnehmen.
    Es gibt auch eine Gegenbewegung - die ist dann altruistisch. Regelmäßig müssen wir diese Grundhaltung einnehmen - auch weil wir es wollen - wenn wir zum Unternehmer werden. Ein Unternehmer leistet grundsätzlich für andere. Ein Konsument fordert für sich ein.


    Es ist eines dieser dualistischen Spannungsfeldern, in denen sich das menschliche Leben abspielt - regelmäßig wechseln wir vom Konsumenten (Egoisten) zum Unternehmer (Altruisten). Das gilt durchaus auch für Angestellte oder Arbeiter - die arbeiten regelmäßig nicht für sich selbst, sondern für andere. Und das Geld bekommen sie dafür von anderen, die ihrerseits dafür für andere gearbeitet haben......


    Das merkwürdige am Menschen ist, dass dieser die Rolle des Altruisten regelmäßig und auch mit einer gewissen Freude einnimmt - um dann später in der Konsumentenhaltung ohne Verständnis für den, der für ihn leistet, egoistisch die eigenen Interessen einzufordern.


    Wenn wir in die Gesellschaft ein wenig mehr das Bewußtsein einbringen, dass wir regelmäßig füreinander etwas leisten müssen, dann sind wir schon deutlich weiter. Wenn wir dann noch anfangen zu begreifen, dass wir ein Einkommen brauchen, um uns diese Altruistische Haltung leisten zu können - dann würden wir die nächste interessante Stufe erreichen können - und so manches Verkaufsgespräch könnte deutlich entspannter verlaufen.


    Zitat

    Nicht nur auf dem Buchmarkt scheint derzeit eher das Schlechtere zum erfolgreichen Verdränger des Guten zu sein.


    Das ist deine Sichtweise, die ich dir nicht nehmen kann. Dabei bist du dir sicher völlig im klaren darüber, dass die Idee dazu, was Gut oder Schlecht auf dem Buchmarkt und auf anderen Märkten ist, eine ziemlich subjektive Sichtweise ist. Gegen die lässt sich halt auch nicht argumentieren - denn solche Bewertungen sind nicht rational, sondern emotional eingefärbt.


    Rational können wir feststellen, dass die Vielfalt an Publikationen und an Publikationsmöglichkeiten genauso zunimmt, wie die Vielfalt in der Mode, der Architektur, der Malerei und vieler anderer Kunstrichtungen. Qualität zu bemängeln ist meist eine subjektive Einschätzung - die wiederum nicht zu kritisieren ist. Objektiv müsste man Qualitätskriterien beschreiben, die man messen kann. Gerade im Bereich der Kunst & Kultur ist das aber nur schwer machbar! Insbesondere, wenn man moderne Kunstbegriffe zugrunde legt.


    Zitat

    Sagenhaft - das Anschauen von Youtube-Filmchen soll jetzt ein Studium ersetzen… das ist ja ein Riesenfortschritt für die Bildung - man könnte dann ja auch gleich Schulen endgültig abschaffen; wie das die öffentlichen Haushalte entlastete!


    Ja, das ist es durchaus! Denn anders als von dir polemisch dargestellt wird ein Studium nicht ersetzt - aber es wird beispielsweise Studenten ermöglicht, eine Vorlesung, die sie von ihrem Prof nicht verstanden haben, durch eine ähnliche Vorlesung eines anderes Profs doch noch zu verstehen.
    Und: Was du völlig unterschätzt ist die Tatsache, dass es in weiten Teilen der Welt für viele Menschen noch sehr schwer ist, an Unterricht heran zu kommen! Oft ist es viel leichter, einen Internetzugang zu haben (das ist in Deutschland erstaunlich schwer.....und in einigen Gegenden Afrikas hingegen relativ leicht.....). Solche Vorlesungen helfen nicht nur dem Studenten in Deutschland, sondern auch Menschen weltweit.


    Das ersetzt kein Studium - kann aber durchaus ein Teil eines Studiums sein. Ein modernes Studium muss nicht an einer Universität stattfinden!


    Zitat

    Ich würde glatt behaupten, dass das seit Jahren zu beobachtende Sterben der Branche der Videotheken für die Betreiber selbiger sicher eher schlecht ist - und für die Kunden ist's ebenso nachteilig.


    DAS war nicht die Frage! Zumal deine Antwort auch unscharf ist - denn es gibt weder DEN BETREIBER noch DEN KUNDEN. Den meisten Kunden ist es ziemlich egal - denn sie sind keine Kunden mehr, sondern Ex-Kunden. Wäre dem nicht so, gäbe es noch mehr Videotheken.


    Wenn sich die Bedürfnisse der Menschen anders entwickeln als die Produkte, die ihnen an alten Verhaltensmustern festhaltende Unternehmer anbieten, dann gibt es unzufriedene Unternehmer, die eigentlich keine sind.


    Wenn sich die gesellschaftlichen Verhältnisse so verändern, dass einige wenige Kunden aufgrund fehlender Unternehmen unzufrieden werden, dann werden diese wenigen Kunden entweder zu Unternehmern, oder sie vergällen in der eigenen Unfähigkeit, sich den Herausforderungen des JETZT zu stellen.


    Schon Platon hat einen bemerkenswerten Aufsatz über die Aufmüpfigkeit der Jugend geschrieben - der heute noch aktuell klingt. Und auch wenn ich Platon sehr schätze - dieser Aufsatz belustigt dann doch! Denn er trotzt vor egoistischem Koinsumverhalten eines älter werdenden Mannes.....der in weiten Teilen seiner Erkenntnis eigentlich sehr altruistisch unterwegs war.


    Ohne Veränderung gibt es kein Leben!
    Wenn es Veränderung gibt, trauern erstaunlich viele Menschen dem hinterher, was sich verändert hat, weil sie meinen, sie hätten Lebensqualität verloren.
    Tatsächlich wollen diese Trauernden aber keine Veränderung - was sie damit einfordern ist das Gegenteil von Leben!


    So gesehen sind diese ewigen Jammerer bereits tot - nur wissen sie es noch nicht.


    Zitat

    Natürlich! Dennoch scheint#s eher der Normalfall zu sein, dass Unternehmer scheitern, dass Insolvenz angemeldet wird, dass die geschäftlichen Rahmenbedingungen, das Marktumfeld, die Konjunktur sich laufend ändern - bis das Unternehmen nicht mehr läuft. Und bei den Videotheken ist's ja so, dass trotz immer noch wachsenden Marktes die Zahl der Untenehmen eher schrumpft. Ãœbrigens sinkt die Zahl der Videotheken hier in Deutschland sogar deutlich langsamer als im europäischen Ausland.


    Es gibt einen wachsenden Markt für vielfältige Möglichkeiten, sich über unterschiedlichste Kanäle filmische Inhalte aller Art und in vielfältigster Weise anschauen zu können.
    Es gibt keinen wachsenden Markt für Videotheken.


    Videotheken bedienen ein sehr schmales und gezieltes Angebot, welches heute nicht mehr benötigt wird - Videotheken sind insofern beschränkt auf Nischenangebote - dort können sie auch noch weiterhin existieren, aber der Bedarf ist deutlich kleiner, als noch vor 20 Jahren.

  • […] Unter einer Demokratisierung der Kultur verstehe ich vor allem, dass nicht einige Wenige sagen, was Kultur ist, und was nicht. […]

    Aha. Es muss also, wer keine Ahnung von der Materie hat, definieren, was Kunst ist… das ist natürlich eine wohlfeile "Verbesserung" …

    […] Sein Werk ist schwer zu lesen - auch weil es über hunderte Seiten auf Punkt und Komma und viele andere gelernte Hilfsmittel zur Gliederung der Texte verzichtet. […]

    James Joyces "Ulyssus" ist - außer im dritten und im letzten Kapitel - verhältnismäßig simple Lektüre. Und da der Verzicht auf Satzzeichen lediglich im "Anna Livia Plurabelle"-Kapitel, dem Monolog Molly Blooms, Anwendung findet, einem also keineswegs hunderte von Seiten langen Abschnitt, muss ich davon ausgehen, dass Du nicht einmal den Klappentext jenes Werkes der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts gelesen hast.

  • Aha. Es muss also, wer keine Ahnung von der Materie hat, definieren, was Kunst ist… das ist natürlich eine wohlfeile "Verbesserung"


    Wer hat in welchem Sinne Ahnung von welcher Materie? Und wie belegt er oder sie das?


    Dein Kunstbegriff beschneidet sich also darauf, dass du definierst, was Kunst ist, und was nicht. Das ist zulässig - und nicht zu kritisieren! Man kann es nicht kritisieren, weil es ein subjektiver Kunstbegriff ist, der nicht einer allgemeinen Definition unterliegt.


    In diesem Sinne hat dein Kunstbegriff aber auch nur für dich wert. Für alle anderen ist dein Kunstbegriff relativ beliebig.
    Du bist intelligent - du solltest das eigentlich bei vernünftiger Betrachtung auch selbst verstehen.


    Zitat

    … James Joyces "Ulyssus" ist - außer im dritten und im letzten Kapitel - verhältnismäßig simple Lektüre. Und da der Verzicht auf Satzzeichen lediglich im "Anna Livia Plurabelle"-Kapitel, dem Monolog Molly Blooms, Anwendung findet, einem also keineswegs hunderte von Seiten langen Abschnitt, muss ich davon ausgehen, dass Du nicht einmal den Klappentext jenes Werkes der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts gelesen hast.


    Wenn du das Bedürfnis verspürst, dass du mich auf der emotionalen Ebene angreifen möchtest, darfst du das gerne tun. Objektiv spielt das keine Rolle.


    Du darfst gerne der Welt erklären, dass aus deiner Sicht dieses tolle Werk super einfach zu lesen ist.....die Faktenlage dazu ist eindeutig! Nur sehr wenige Menschen haben das (aus meiner Sicht unbestritten kulturell wertvolle !) Werk in Gänze gelesen. Frag gerne mal in deinem Bekanntenkreis und dann auch in der Fußgängerzone deiner Wahl nach.


    Es mag noch so sehr ein verdammt gutes Kunstwerk sein - wenn es faktisch nicht gelesen wird (und die, die fordern, dass relevante Inhalte in 140 Zeichen formuliert werden sollten, werden mit diesem Werk nicht zurecht kommen!) ist der Wert dieses Kunstwerkes begrenzt!


    Sachlich: Ich habe Ulysses gelesen - habe mir mit vielen Passagen schwer getan - halte es für ein Meisterwerk - und doch gleichzeitig für eine Art Literatur, die nur Minderheiten lesen wollen und werden. Die Fakten haben mich in meiner Ãœberzeugung bestätigt. Mein letzter Griff zu diesem Werk liegt sicher 20 Jahre zurück - wenn meine Erinnerungen hier nicht mehr alles im Detail richtig wiedergeben, sehen sie mir das ein wenig nach - es geht mir nicht um die Qualität dieses Werkes, die schätze ich! Mir geht es um den allgemeineren Kulturbegriff - und da schätze ich, dass dieses Werk faktisch zwar wertvoll, aber dennoch von wenigen gelesen und verstanden wird. Was nützt der wertvollste Beitrag zur Kultur, wenn niemand sich dafür interessiert?


    Auch in der Kultur gibt es so etwas wie die Kultur der Sieger......(der Beachteten)


    Erstaunlich: In der westlichen Kultur haben wir eine massive Demokratisierung der Kultur in dem Sinne erlebt, dass viele Kulturstile parallel akzeptiert und weiter entwickelt werden. Das beeinflusst auch massiv den Mainstream - und umgekehrt beeinflusst der Mainstream die Kultur weit mehr, als dies historisch je der Fall war.


    Ich kann nicht erkennen, dass die Demokratie der Kunst und Kultur geschadet hätte - das Gegenteil ist der Fall!

  • der größte Zugewinn kultureller Bereicherung für Gesellschaften demokratisch freiheitlicher Rahmenbedingungen war und ist die Vielfältigkeit. Auch ohne ein Expertentum lebendig und hoch-kreativ. Und auch ebenbürtig. Alles andere sind Debatten über subjektiven Geschmack.

  • der größte Zugewinn kultureller Bereicherung für Gesellschaften demokratisch freiheitlicher Rahmenbedingungen war und ist die Vielfältigkeit. Auch ohne ein Expertentum lebendig und hoch-kreativ. Und auch ebenbürtig. Alles andere sind Debatten über subjektiven Geschmack.



    Das unterschreibe ich sofort!

  • […] Historisch gesehen kennen wir die meisten verkannten Künstler nicht, und werden sie nicht mehr kennenlernen können, weil deren Werke längst schon vergessen und vernichtet sind. […]

    Historisch gesehen wissen wir, dass erst mit den Kupferstichen (im Buchdruck) bzw. später mit der Lithographie dem einfachen Volk überhaupt die Bildbetrachtung zugänglich wurde; Bilder, die kannte der Ackerbürger nur vom Kirchgang (und mit der Reformation verschwanden weiträumig zumeist jene Illustrationen von Heiligenlegenden und biblischen Erzählungen selbst aus dem kirchlichen Ambiente, weil's nur als "Ablenkung" empfunden wurde) und vom Jahrmarktsbesuch (Moritatensänger führten ihre "Bühnenshow" vor bzw. neben Bildtafeln auf) - die abendländische Malerei war bis ins 14. Jahrhundert rein sakral, von der italienischen Renaissance sind (etwa als mahnende Raumausmalungen von Rathäusern) politische Allegorien bekannt - dass das höhere Bürgertum sich portraitieren ließ, kam erst im späteren 16. Jahrhundert auf. Und da der Künstler bis weit ins 17. Jahrhundert eher nur Auftragsmaler war, auch waren die Arbeitsmaterialien nicht unbedingt als erschwingliches Handelsgut erhältlich, wird wohl kaum jemand aus Plaisier gemalt haben… Kunst ist niemals ohne Beachtung ihrer zeitlichen Umstände zu betrachten oder gar zu beurteilen.

    […] Videotheken bedienen ein sehr schmales und gezieltes Angebot, welches heute nicht mehr benötigt wird […]

    Wenn eine Branche, die doch erst vor ca. 35 Jahren entstanden ist, "nicht mehr benötigt" wird, stellt sich die Frage, was diese rasche Bedeutungswandlung ausgelöst haben mag - und welche Folgen diese "Veränderung" wohl nach sich ziehen mag. (Insbesondere auch wahrnehmungspsychologisch oder mentalitätsgeschichtlich - was nämlich George Orwell über die latente Umschreibung der Geschichte in seinem Roman "1984" prophezeite geschieht hier auf Konsumebene - und damit gewissermaßen "unmerklich". Und es geschieht ja offenbar quer durch so ziemlich sämtliche Freizeitaktivitäten und Unterhaltungsmedien)

  • […] Nur sehr wenige Menschen haben das (aus meiner Sicht unbestritten kulturell wertvolle !) Werk in Gänze gelesen. Frag gerne mal in deinem Bekanntenkreis und dann auch in der Fußgängerzone deiner Wahl nach. […]

    Mir ist klar, dass selbst Buchhändlerinnen jenes Buch höchstwahrscheinlich kaum auszugsweise kennen; einer der bedeutendsten Kenner James Joyces ist übrigens Fritz Senn - und der hat selbst, an dem Tag, als wir uns kennenlernten, geäußert, dass Joyce für Buchhändler eher unattraktiv sei, weil seine Leser allein mit den beiden späten Werken ("Ulyssus" und "Finnegan's Wake") den Rest ihres Lebens beschäftigt sein würden…

    […] Ich habe Ulysses gelesen - habe mir mit vielen Passagen schwer getan […]

    Hättest Du's gelesen, hättest Du wohl kaum geschrieben, dass über hunderte von Seiten keine Satzzeichen darin verwendet wären… was übrigens eher ein Merkmal der Werke Gertrude Steins ist.

  • […] Dein Begriff des Volksliedes entspricht nicht dem, was üblicherweise verwendet wird. Verwechsle bitte nicht Schlager mit Volkslied, und Volkslied nicht mit Volksmusik. […]

    Nur keine Sorge - was Du übrigens unterm Oberbegriff "Volksmusik" meinst, vom Volkslied separieren zu müssen, gilt unter Musik- und Medienwissenschaftlern übrigens als volkstümliche Musik, eine Spielart der von der Musikindustrie lancierten Anscheinsnostalgie.

    […] Und die Römer? Die Griechen? Die Perser? Ägypten? […]

    Die hatten, soweit ich weiß, keine Videotheken.

    […] Das ist deine Sichtweise, die ich dir nicht nehmen kann. Dabei bist du dir sicher völlig im klaren darüber, dass die Idee dazu, was Gut oder Schlecht auf dem Buchmarkt und auf anderen Märkten ist, eine ziemlich subjektive Sichtweise ist. […]

    Was in der Literatur lesenswert ist, lässt sich schon anhand recht objektiv bewertbarer Kriterien ermessen. Aber kleine Provokationen sind Deiner "Argumentation" offenbar nötig, wie ja auch folgende Aussage deutlich belegt:

    […] die, die fordern, dass relevante Inhalte in 140 Zeichen formuliert werden sollten […]

    Das war Deine eigene "Schlussfolgerung" aufgrund meines Einwandes gegenüber Deinem Beitrag #95, der gemessen an seiner Aussage recht "ausführlich" geriet und innerhalb eines Onlineforum sowohl passive Leser dieses Thread als auch die aktiven Teilnehmer eher davon abhalten würde, sich in die Diskussion einzuschalten…

  • Historisch gesehen wissen wir, dass erst mit den Kupferstichen (im Buchdruck) bzw. später mit der Lithographie dem einfachen Volk überhaupt die Bildbetrachtung zugänglich wurde; Bilder, die kannte der Ackerbürger nur vom Kirchgang (und mit der Reformation verschwanden weiträumig zumeist jene Illustrationen von Heiligenlegenden und biblischen Erzählungen selbst aus dem kirchlichen Ambiente, weil's nur als "Ablenkung" empfunden wurde) und vom Jahrmarktsbesuch (Moritatensänger führten ihre "Bühnenshow" vor bzw. neben Bildtafeln auf) - die abendländische Malerei war bis ins 14. Jahrhundert rein sakral, von der italienischen Renaissance sind (etwa als mahnende Raumausmalungen von Rathäusern) politische Allegorien bekannt - dass das höhere Bürgertum sich portraitieren ließ, kam erst im späteren 16. Jahrhundert auf. Und da der Künstler bis weit ins 17. Jahrhundert eher nur Auftragsmaler war, auch waren die Arbeitsmaterialien nicht unbedingt als erschwingliches Handelsgut erhältlich, wird wohl kaum jemand aus Plaisier gemalt haben… Kunst ist niemals ohne Beachtung ihrer zeitlichen Umstände zu betrachten oder gar zu beurteilen.


    Gut, dass wir da mal in der Schlussfolgerung einig sind. Diese wichtige Erkenntnis habe ich in früheren Beiträgen ihrerseits vermisst.


    [quote9
    Wenn eine Branche, die doch erst vor ca. 35 Jahren entstanden ist, 'nicht mehr benötigt' wird, stellt sich die Frage, was diese rasche Bedeutungswandlung ausgelöst haben mag - und welche Folgen diese 'Veränderung' wohl nach sich ziehen mag. (Insbesondere auch wahrnehmungspsychologisch oder mentalitätsgeschichtlich - was nämlich George Orwell über die latente Umschreibung der Geschichte in seinem Roman '1984' prophezeite geschieht hier auf Konsumebene - und damit gewissermaßen 'unmerklich'. Und es geschieht ja offenbar quer durch so ziemlich sämtliche Freizeitaktivitäten und Unterhaltungsmedien)[/QUOTE]


    Na ja - der Bedeutungswandel kam mit dem technischen Fortschritt - nicht mehr und nicht weniger.


    Was der schnelle Wandel mit sich bringt, ist, dass regelmäßig Menschen davon überfordert sind.
    Wir Menschen sind nicht auf permanente Veränderung trainiert - sie passiert dennoch.


    Orwell nehme ich auch gerne als Meßlatte - allerdings ist 1984 in mancherlei Hinsicht heute schon deutlich überholt - und in anderer Sicht so nie eingetreten, wie es Orwell beschrieben hat. Nun zu folgern, dass wir uns dem Gespenst Orwells nähern, halte ich für gefährlich. Orwell hat einiges prophezeit - seine Vorstellung von der Gesellschaft aber war eine andere als die, die wir heute haben.


    Wir erleben heute zahlreiche Veränderungen auf der Konsumebene - wir erleben sie aber auch im Arbeitsleben. Die Veränderungen durchziehen unsere Freizeitaktivitäten, unsere Unterhaltungsmedien - aber auch unser Arbeitsleben. Was man heute folgern kann: Wenn jemand mit dem Veränderungstempo nicht mithalten kann, muss er sich eine Nische suchen!


    Zeiten mit dramatischen Veränderungsprozessen gab es historisch immer wieder mal - die Nische ist eine gute Anwort darauf! Aber leichter gesagt, als erkannt und getan......

  • Zitat

    Was in der Literatur lesenswert ist, lässt sich schon anhand recht objektiv bewertbarer Kriterien ermessen. Aber kleine Provokationen sind Deiner "Argumentation" offenbar nötig, wie ja auch folgende Aussage deutlich belegt:


    Bitte benenne mal diese objektiv bewertbaren Kriterien!


    Und bitte stelle dem doch mal entgegen, warum der Geschmack vieler Menschen - also die objektiv messbaren Verkaufszahlen - deiner Meinung nach nicht wiedergeben, was lesenswert ist, obwohl doch viele Menschen sich im Konsumverhalten genau so verhalten, dass sie das Lesen, was sie für lesenswert halten......


    Kannst du diese Diskrepanz auflösen?


    Im Ãœbrigen brauche ich deine Provokationen nicht, um mich gerne sachlich auf deine Argumente einzulassen. Teste doch mal, was passiert, wenn du diese Provokationen weglässt - denn inhaltich bringen sie weder mich noch dich weiter.

  • Zitat

    Hättest Du's gelesen, hättest Du wohl kaum geschrieben, dass über hunderte von Seiten keine Satzzeichen darin verwendet wären… was übrigens eher ein Merkmal der Werke Gertrude Steins ist.


    Ich habe es gelesen - allerdings vor ca. 20 Jahren - und in der deutschen Ãœbersetzung. Meine Erinnerung an die Seiten ohne Satzzeichen sind noch sehr prägnant - andere Erinnerungen vielleicht nicht mehr. Offensichtlich waren diese für mich schwer zu lesenden Seiten prägend für meine Erinnerungen.


    Selbst wenn es weniger als hundert Seiten sein sollten - ich bin mir sicher, auch 30 Seiten reichen völlig, um viele Leser davon abzuhalten, das Werk zu Ende zu lesen.....



    Von Gertrude Stein habe ich (glaube ich) noch nicht arg viel gelesen - vielleicht auch noch gar nichts.
    Zuletzt habe ich einige Bestseller aus der Spiegel-Liste gelesen - und einige historische Werke, beispielsweise von Thomas Mann, oder auch Tucholsky. Ich habe die letzten Jahre auch versucht, Grass zu lesen - aber ich komme einfach nicht mit seiner Art des Schreibens zurecht, obwohl ich doch schon einige Anläufe gemacht habe. Böll liegt mir mehr - Brecht auch. Derzeit versuche ich mich auch an einigen inzwischen freien Werken aus der Zeit um 1870, die sich mit der Zeit der Römer und der Griechen beschäftigen - das ist irgendwie auch spannend. Ich erschließe mir sukzessive auch die alten Philosophen - und die Heldenepen der Griechen und der Römer. Und auch einige Werke aus dem arabischen/persischen Raum. Vieles dieser Werke ist aber nicht mal einfach nebenbei zu lesen......ab und an gönne ich mir durchaus auch mal was einfacheres!


    Mag sein, dass ich dir bei Ulysses nicht präzise genug bin - ich gebe offen zu, dass ich es vor 20 Jahren gelesen habe - dass ich es aber durchaus als für mich bereichernd empfunden habe. Trotzdem war und ist mir klar, dass Ulysses kein Millardenpublikum erreichen wird!


    In letzter Zeit habe ich für mich auch einiges rund um Faust und Co investiert - und bleibe bei meiner Ãœberzeugung, dass es wenig Sinn macht, Faust noch in der Schulzeit zu lesen. Zu wenig Lebenserfahrung bringen Schüler von 16-18 mit, als dass sie dieses Werk ausreichend verstehen könnten......


    Steiner beschäftigt mich auch - ich verstehe immer mehr von ihm, empfinde ihn aber auch als schwer zu lesen!


    Ist er nun lesenwert?


    Ich persönlich sage schon ja - würde mir aber wünschen, dass andere Steiner lesbarer in eine einfachere und aktuellere Sprache bringen......


    Ich finde schon, dass der Markt ganz gut wieder gibt, was die Menschen lesen wollen - ob all das auch lesenswert ist.....oder auch mal nur Unterhaltung.....ich finde das nicht schlimm!

  • OT @ Substitute: Warum beklagst Du Dich höchst eingeschnappt darüber, dass Deine Stränge wenig Beachtung finden und kaum Antworten enthalten, wenn Du die Antworter mit Behagen niedermachst und Deine eigene "intellektuelle Ãœberlegenheit" in fast jedem Deiner Kommentare zu demonstrieren trachtest? Noch dazu wünschst Du Dir gebildete User... Und das, wie ich gesehen habe, seit 2011 :)


    Ich hab eben mehr aus Versehen hier hereingeschaut und wundere mich, dass Du überhaupt mehr als eine Antwort von jedem Beteiligten bekommst. Grundgütiger :rolleyes:

  • […] Na ja - der Bedeutungswandel kam mit dem technischen Fortschritt - nicht mehr und nicht weniger. […]

    Was soll diese seltsame Aussage jetzt ausdrücken? Mit der Ausbreitung des Fernsehens, dem Farbfernsehen dem Wachstum der Bildschirme, der Bildaufzeichnungstechnologie fand in der Tat eine Veränderung der filmischen Rezeption statt, die sich nämlich vom Kino ins heimische Wohnzimmer zunehmend verlagerte - das "Outplacement" der Filme auf die Hosts der Streamingdienste stellt hingegen keinen Fortschritt dar, sondern, das das scheinst Du nicht verstehen zu wollen, eine Aufgabe der Zugriffssouveränität durch den Endverbraucher…

    […] Orwell[s] Vorstellung von der Gesellschaft aber war eine andere als die, die wir heute haben. […]

    Selbstverständlich konnte Orwell nicht vorhersehen, welche Gesellschaft wir heute haben würden, er konnte allerdings vorzeichnen, welche gesellschaftlichen Veränderungen aufgrund der damals sich abzeichnenden "Möglichkeiten" wahrscheinlich sein würden - und der Schwerpunkt ist die der Manipulation historischen Bewusstseins, die bei Orwell noch "in Handarbeit" in den Redaktionen der Lexika durchgeführt wird, während sie heute im Internet durch "Content Autoren", Verschwörungstheorien und Videoblogger, teils "ehrenamtlich", teils gegen Bezahlung wahrgenommen wird…

  • […] Warum beklagst Du Dich […] darüber, dass Deine Stränge wenig Beachtung finden […] ? […]

    Ich beklage mich ja gar nicht. Ich bin nur verwundert, wo doch das Thema eigentlich lebhaftere Beteiligung erwarten ließe.

    […] Ich […] wundere mich, dass Du überhaupt mehr als eine Antwort von jedem Beteiligten bekommst. […]

    Es sind längst nicht alle Beteiligten, die antworten - aber es ist interessant, in Deinem Beitrag lesen zu können, wie Du großzügig übersiehst, in welcher Weise "Atue", was Provokationen betrifft, eifrig in Vorleistung getreten ist…

  • Ich beklage mich ja gar nicht. Ich bin nur verwundert, wo doch das Thema eigentlich lebhaftere Beteiligung erwarten ließe.

    Na, es interessiert eben nicht jeden. Ich glaub, dass ich erst höchstens zweimal in einer Videothek war, wenn überhaupt so oft.

    Zitat

    Es sind längst nicht alle Beteiligten, die antworten - aber es ist interessant, in Deinem Beitrag lesen zu können, wie Du großzügig übersiehst, in welcher Weise "Atue", was Provokationen betrifft, eifrig in Vorleistung getreten ist…

    So provokant finde ich ihn gar nicht, er gibt raus genau in Deinem Stil.


    Allerdings hab ich seine länglichen Ausführungen nur jetzt mal quergelesen. Kein Thema für mich.


    Aber macht weiter :)

  • […] Ich glaub, dass ich erst höchstens zweimal in einer Videothek war, wenn überhaupt so oft. […]

    Und ich hätte annehmen mögen, dass ich in meinen Beiträgen deutlich gemacht hätte, dass das Sterben der Videotheken nicht nur deren einstige Stammkunden als Verlust zu verbuchen hätten - ganz zu schweigen davon, dass Gunnies nahtlos anschließende Frage im Threadtitel darauf hindeutet, dass die Lücke, die die Videotheken (im Straßenbild, in der Versorgungslage, in den Möglichkeiten, "kleines Geld" wenigstens in einige Stunden Unterhaltung oder "Ablenkung" eintauschen zu können) bei weitem nicht nur diese Branche betrifft…