Kein einziger DAX-Konzern in den neuen Bundesländern

  • Im Zuge der letzen Soli-Diskussion, die immer so ausgeht, daß die neuen Bundesländer sagen, wenn jetzt der Soli gestoppt wird, wäre die ganze Anschubfinanzierung in den Sand gesetzt, stellte sich die Frage, warum in den neuen Bundesländern noch nicht ein DAX-Unternehmen entstanden ist gut zwei Jahrzente nach der Wiedervereinigung.
    http://www.handelsblatt.com/po…n-laendern/7086924-2.html
    Ist es eine Mentalitätsfrage?
    Warum meiden große Unternehmen die neuen Bundesländer?

  • Warum sollten denn die Erfahrungen der letzten 20 Jahre einfach in die Tonne gekloppt werden?
    Jedes Unternemen, dass sich der Börse ausgeliefert hat, wurde systematisch platt gemacht. Viele Unternehmer aus dem Osten haben davon einfach die Faxen dicke. Ich habe oft das Argument gehört, dass man sich nicht in die Unternehmensstrategie reinreden lassen will. Der Einfluß von Investoren/Aktionären, die ja mit der Firma selbst nichts am Hut haben und lediglich abkassieren wollen, ging immer nur in die Richtung, dass Kosten gesenkt und Einnahmen gesteigert werden sollen, damit dieses Abkassieren auch richtig funktioniert. Dummerweise ohne die Netzwerke, die etablierten westdeutschen DAX Unternehmen zur Verfügung stehen, nutzen zu können.
    Es lief oftmals eben nur darauf hinaus, bei Lohn- und Entwicklungskosten (besonders bei Q-Cells konnte ich das recht hautnah verfolgen) zu sparen.


    Mir persönlich ist es eh recht schleierhaft warum eine Firma das Zepter freiwillig aus der Hand gibt, nur um sich auf einem Markt von irren Zockern zu begeben, die nichts anderes im Sinn haben, als ohne einen Finger krumm zu machen, von der Leistung der Angestellten einer Firma zu profitieren.


    Und jetzt mal im Ernst, schau dir doch mal die riesen DAX Unternehmen an. Vorstände mit Vergütungen, die völlig abgehoben sind und dem Unternehmen mehr schaden als dass es ihnen nützt. Denn ich bin der Meinung, dass der aktuelle VW Skandal eine Konsequenz dieses Systems ist. Ein seriöser Unternehmer hätte es sich 5x überlegt, ob er sein Produkt manipuliert und damit auch die Unternehmen in Verruf bringt, die mit ihm seit Jahren zusammenarbeiten.
    Und das was im Artikel zu den Investitionen steht......ein DAX Konzern hat eine Software entwickelt, die bei einem Abgastest die Werte nach unten manipuliert. Wieviel hat das gekostet? Auf solche "Investitionen" (geht es hier wirklich nur um neue Produkte und innovative Technologien?) kann unser Land und die Partnerunternehmen dieser Firma gut und gern verzichten.


    Welche Vorteile hat eigentlich die Mitgliedschaft im DAX-Club, außer kurzfristig etwas mehr Kohle in der Tasche zu haben?


    mfg

    Einmal editiert, zuletzt von gun0815 ()

  • bereits aufmachung und die herangehensweise des beitrags im handelsblatt sind fragwürdig.
    kein wunder, möchte ich sagen, wenn roland berger im hintergrund souffliert...


    warum sollte denn ein dax-konzern seinen hauptsitz in andere bundesländer wechseln?
    wie viele dax-konzerne wurden denn zum vergleich in den letzten 25 jahren im westen gegründet?
    industrie nach altem muster ist im osten abgewickelt worden und heute wird dem nachgetrauert?
    warum ist regionale kleinteiligkeit etwas schlechtes - alle reden vom mittestand, aber keiner will ihn würdigen?
    kleine betriebe sichern die arbeitsplätze, die große unternehmen durch mechanisierung wegrationalisieren.
    wo steht dieser aspekt in dem stück?



    ich könnte eine ganze reihe weitere fragwürdigkeiten auflisten.
    also stellt sich eher die frage, wer hat das mit welchen intentionen geschrieben?

    3 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Es geht ja um die Standortfrage. Also warum sind die neuen Bundesländer immer noch kein Standort geworden? Liegt es vielleicht am Soli?
    Auch wenn richtig ist, daß sich gerade Konzerne ihren Steuerverpflichtungen gern entziehen, üben sie als Ankerunternehmen doch eine gewisse Zugkraft aus, welche den neuen Ländern besser täte als ein Soli, der irgendwie noch nicht einmal geschätzt, sondern als Normalität begriffen wird.

  • (...)
    Welche Vorteile hat eigentlich die Mitgliedschaft im DAX-Club, außer kurzfristig etwas mehr Kohle in der Tasche zu haben?


    mfg



    gute frage. tatsächlich ist die "mitgliedschaft" im dax nichts, was ein unternehmen selbst beschließen kann. die deutsche börse ag, die den handel im dax abwickelt, ist ein gewinnorientiertes unternehmen. also geht es um deren umsatz und gewinn, den können nur firmen mit wesentlichen umsätzen - mit handelbaren anteilen in beträchtlicher stückzahl - generieren. und nichtmal die unternehmen selbst können das beeinflussen, sondern nur die shareholder, die die freien anteile handeln und damit die handelsmargen für das handling im dax generieren.
    deshalb werden werte die wenig gehandelt werden (z.b. weil nicht viele im markt frei gehandelt werden können) auch wieder aus dem dax geworfen. die landen dann beim kleinen bruder, dem m-dax.


    im grunde ist also diese kategorisierung der dax-zugehörigkeit für den kontext völliger unfug, denn auch einige wirklich große firmen sind keine aktiengesellschaften mit frei valutierenden anteilen, sondern werden als gesellschafteranteile von einigen wenigen anteilseignern gehalten.

    3 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Es geht ja um die Standortfrage. Also warum sind die neuen Bundesländer immer noch kein Standort geworden? Liegt es vielleicht am Soli?
    Auch wenn richtig ist, daß sich gerade Konzerne ihren Steuerverpflichtungen gern entziehen, üben sie als Ankerunternehmen doch eine gewisse Zugkraft aus, welche den neuen Ländern besser täte als ein Soli, der irgendwie noch nicht einmal geschätzt, sondern als Normalität begriffen wird.


    gegenfrage: warum sollte z.b. henkel nach beispielsweise magdeburg umziehen?
    ich hätte gerne einen schlüssigen grund dafür genannt, über den es sich zu diskutieren lohnt.
    wer etwas beklagt, muss doch mindestens einen guten grund nennen können, warum sich der status quo hätte ändern sollen/können/müssen...

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Es geht ja um die Standortfrage. Also warum sind die neuen Bundesländer immer noch kein Standort geworden? Liegt es vielleicht am Soli?
    Auch wenn richtig ist, daß sich gerade Konzerne ihren Steuerverpflichtungen gern entziehen, üben sie als Ankerunternehmen doch eine gewisse Zugkraft aus, welche den neuen Ländern besser täte als ein Soli, der irgendwie noch nicht einmal geschätzt, sondern als Normalität begriffen wird.


    standort für wen?
    es gibt doch firmen im osten. aber die sind allem anschein den autoren nicht gut genug, weil sie meist nur bis 500 mitarbeiter haben. und das ist warum so? denken wir doch mal zurück und fragen nach den abwicklungen und wem die alten industrien und marken heute gehören...
    wir könnten auch über die konzentration in handel, gewerbe und dienstleistung sprechen.
    wer gehört wem, wer hat welchen einfluss und kann wettbewerber deckeln?
    wo sind diese viel interessanteren fragen in dem stück, das mit einer steilen aber falschen grundthese diese missklingende stimmung macht?
    wie schon bemerkt: wo roland berger souffliert ist dieser tenor vorgegeben...

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • […] stellte sich die Frage, warum in den neuen Bundesländern noch nicht ein DAX-Unternehmen entstanden ist […]

    Dass die großen Unternehmen die neuen Bundesländer "meiden" würden, stimmt schon mal nicht - zumal die Ansiedelung von Produktionsstätten ebendort sehr begünstigt wird und die Kommunen sich auch hüten, auch nur die Grunderwerbsteuer bei Investitionen zu fordern… dass in den neuen Bundesländern bislang kein Konzern von der Größenordnung eines DAX-Wertes gegründet wurde, mag damit zusammenhängen, dass die dreißig umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen zumeist schon Jahrzehnte vor der deutschen Teilung (1945) gegründet waren und mit der Deindustrialisierung im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands privaltwirtschaftliches Engagement dort nicht rentabel schien… im einzelnen sind die DAX-Werte: Adidas; das Sportbekleidungs- und Ausrüstungshersteller hat seinen Firmensitz in Herzogenaurach, das liegt im umtriebigen Umland Nürnbergs. Die Allianz-Gruppe ist mitsamt ihren Tochtergesellschaften im Handelsregister München eingetragen. Die BASF ist in Mannheim gegründet worden und fand am gegenüberliegenden Rheinufer den Platz, zu expandieren; weswegen sollte sie dort fortzuziehen? Die Firmenzentrale von Bayer hat ihren Sitz in Leverkusen, Beiersdorf sitzt in Hamburg, die von BMW bekanntlich wiederum in München.
    Das sind die alphabetisch ersten sechs DAX-Unternehmen - die restlichen 24 spare ich mir also für Folgebeiträge auf…

    Einmal editiert, zuletzt von I'm a Substitute () aus folgendem Grund: Beiersdorf nachträglich eingefügt

  • standort für wen?
    es gibt doch firmen im osten. aber die sind allem anschein den autoren nicht gut genug, weil sie meist nur bis 500 mitarbeiter haben. und das ist warum so? denken wir doch mal zurück und fragen nach den abwicklungen und wem die alten industrien und marken heute gehören...
    wir könnten auch über die konzentration in handel, gewerbe und dienstleistung sprechen.
    wer gehört wem, wer hat welchen einfuss und kann wettbewerber deckeln?
    wo sind diese viel interessanteren fragen in dem stück, das mit einer steilen aber falschen grundthese diese missklingende stimmung macht?
    wie schon bemerkt: wo roland berger souffliert ist dieser tenor vorgegeben...


    prom, "die Abwicklungen" sind history.
    Das Handelsblatt habe ich nur rausgekramt, weil es online zur Verfügung stand. Die Nachricht ist von gestern vom WDR. Ich war einfach verwundert: nicht ein einziges DAX-Unternehmen in den neuen Bundesländern? Genausowenig wie es eine Bundesligamannschaft dort gibt.
    Darum die Standortfrage.

  • prom, "die Abwicklungen" sind history.
    Das Handelsblatt habe ich nur rausgekramt, weil es online zur Verfügung stand. Die Nachricht ist von gestern vom WDR. Ich war einfach verwundert: nicht ein einziges DAX-Unternehmen in den neuen Bundesländern? Genausowenig wie es eine Bundesligamannschaft dort gibt.
    Darum die Standortfrage.



    du willst eine diskussion, die erst einmal begründet werden sollte.
    einige antworten habe ich gegeben
    da wäre zunächst einmal die frage, wessen maßstäbe in welchem umfang maßgeblich sind.
    denn die erfolgte abwicklung ist eben nicht geschichte, wie du meinst, sondern das fundament, auf dem die wirtschaft im osten steht.
    kleine firmen scheinen nicht zu zählen und die großen konzerne haben und hatten ihre hauptsitze im westen und von dort aus den osten übernommen, blieben aber mit ihren hauptverwaltungen in dortmund, düsseldorf, münchen usw.
    was ist daran nicht zu verstehen?
    einen neue firma aufzubauen bedarf entsprechenden anlaufs. diejenigen, die es versuchten, sind aufgrund der verschiedensten gründen, die nichts mit dem osten zu tun haben, wieder vom markt, weil es eben nicht so leicht ist, sich durchzusetzen. solarworld, amd, zeiss....


    zudem hatte ich versucht, die nicht wirklich vorhandene relevanz einer dax-listung zu verdeutlichen.
    das scheint dich nicht anzufechten.


    die eigentliche frage ist eine ganz andere. die wird aber nicht gestellt.
    wenn du nach dem, was die australier richtig machen, weil sie nicht auf den händen laufen müssen, obwohl sie doch downunder leben, fragen würdest, wärst du doch auch nicht überrascht, wenn keine echte und ernsthafte diskussion zustande kommen wollte, oder? :wink5:

    3 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • die deutsche börse ag, die den handel im dax abwickelt, ist ein gewinnorientiertes unternehmen. also geht es um deren umsatz und gewinn,...

    ... wie gut dass eine ostdeutsche Managerin im Vorstand der Deutschen Börse sitzt.

  • Es erschließt sich mir nicht, weswegen Du nur den mittleren Teil des Handelsblatt-Artikels verlinkt hast…

    Im übrigen ist Herrn Machnigs Wehklage nur ein Beleg seiner Inkompetenz, weil kleine und rasch auf Marktschwankungen reagierende Unternehmen für die Region in jedem Falle sicherere Basis für eine gewisse Stabilität darstellen als ein Großunternehmen (wie Nokia vor einigen Jahren beispielsweise),

  • Es hat ordentliche Steuervorteile in den neuen Bundesländern gegeben und dennoch hat es keinen Konzern dorthin getrieben? Warum nicht?

  • Es erschließt sich mir nicht, weswegen Du nur den mittleren Teil des Handelsblatt-Artikels verlinkt hast… Im übrigen ist Herrn Machnigs Wehklage nur ein Beleg seiner Inkompetenz, weil kleine und rasch auf Marktschwankungen reagierende Unternehmen für die Region in jedem Falle sicherere Basis für eine gewisse Stabilität darstellen als ein Großunternehmen (wie Nokia vor einigen Jahren beispielsweise),


    Nocheinmal: ich habe gestern in den Nachrichten gehört, daß in den neuen Bündesländern kein einziger Dax-Konzern ist.
    Bei meiner googel Recherche eben sprang als erstes das Handelsblatt auf mit einem Artikel, das dieses Faktum bestätigte. Nur deshalb der link.
    Und ich möchte dieses Faktum diskutieren, weil ich nicht glaube, daß wir es noch mit der Treuhand erklären können.

  • (...) die dreißig umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen (...)


    lass mich das gleich mal korrigieren. es dreht sich nicht um die umsatzstärksten unternehmen hinsichtlich ihres geschäftsumsatzes, sondern es geht um die nominale marktkapitalisierung und den orderumsatz an frei valutierenden aktien. nur das ist hierbei ausschlaggebend.

  • Nocheinmal: ich habe gestern in den Nachrichten gehört, daß in den neuen Bündesländern kein einziger Dax-Konzern ist.
    Bei meiner googel Recherche eben sprang als erstes das Handelsblatt auf mit einem Artikel, das dieses Faktum bestätigte. Nur deshalb der link.
    Und ich möchte dieses Faktum diskutieren, weil ich nicht glaube, daß wir es noch mit der Treuhand erklären können.



    dann liefere doch einen ansatz zur diskussion. du stellst eine irrelevante und falsche prämisse auf und willst die diskutieren.
    du kannst doch nicht erwarten, dass auf den falsch aufgezäumten gaul aufgestiegen wird, wenn du den nicht richtig gesattelt hast.

  • Es hat ordentliche Steuervorteile in den neuen Bundesländern gegeben und dennoch hat es keinen Konzern dorthin getrieben? Warum nicht?


    weil es teurer ist, die gesamte infrastruktur eines konzerns zu entwurzeln und neu einzutopfen, alle abläufe komplett umzustellen und die ganze belegschaft der HV auszutauschen oder zum umziehen zu bewegen.
    das ist ja keine frage der nationalen ehre eines umzugs in eine neue bundeshauptstadt, die der steuerzahler zwangsfinanziert, sondern eine betriebswirtschhaftliche erwägung, die relativ genau durchkalkuliert werden kann. so einfach kann das sein.

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • dann liefere doch einen ansatz zur diskussion. du stellst eine irrelevante und falsche prämisse auf und willst die diskutieren.
    du kannst doch nicht erwarten, dass auf den falsch aufgezäumten gaul aufgestiegen wird, wenn du den nicht richtig gesattelt hast.


    was ist daran falsch, daß es in den neuen Ländern kein Daxunternehmen gibt?
    Und eine Prämisse habe ich bereits aufgestellt: die Treuhand wars nicht.

  • wie viele dax-konzerne wurden denn zum vergleich in den letzten 25 jahren im westen gegründet?

    Diese Frage habe ich mir nach Lektüre des Artikels auch gestellt… aber auch der nächste "Sixpack" von DAX-Unternehmen hat zumindest in der Gründungsphase der Bundesrepublik Deutschland einen Firmensitz ebendort gewählt und im Handelsregister eintragen lassen… die Commerzbank beispielsweise zunächst in Düsseldorf, obwohl die Konzernzentrale sich bald in Frankfurt befand. Continental residiert in Hannover. Die Daimler AG in Stuttgart-Untertürkheim. Die Deutsche Bank wiederum in Frankfurt am Main. Die Deutsche Börse AG residiert trotz verschiedener Handelsplätze im Bankplatz Frankfurt. Die Deutsche Post AG als ehemalige Bundesbehörde hat ihren Sitz in Bonn. Und damit hätten wir schon 40% der DAX-Unternehmen in zwei Postings betrachtet.