Mehr Netto vom Brutto - Alternative zum Mindestlohn?

  • Die gelben Wahlplakate der FDP mit der Aufschrift: "Mehr Netto vom Brutto", habt ihr alle bestimmt schon 'mal gesehen.


    Aus dem linken Spektrum aus wird seit Jahren für die "soziale Gerechtigkeit" ein Mindestlohn, also eine gesetzlich festgelegte Mindestbezahlung der Arbeitnehmer gefordert.
    Die FDP behauptet nun, dass "Mehr Netto vom Brutto" diese soziale Gerechtigkeit herbeiführen werde.


    Was haltet von diesem Vorschlag der FDP?
    Bedarf es eurer Ansicht nach an einem Mindestlohn in der BRD?

  • Der Vorschlag 'Gesetzlicher Mindestlohn' hat doch im Prinzip nichts mit dem Werbeslogan der FDP 'Mehr Netto vom Brutto' zu tun.


    Die FDP spricht mit diesem Slogan den arbeitenden Teil der Bevölkerung an. Die Linke (die SPD auch?!?) hingegen den arbeitslosen Teil.

  • Ich verstehe nicht, inwieweit der Mindestlohn einem Arbietslosen zu Gute kommen kann. Da ein Arbeitsloser, wie der Name schon sagt, nicht arbeitet, hat er auch kein durch seine berufliche Tätigkeit erzieltes Einkommen.


    Bei dem Vorschlag der FDP, die arbeitnehmende Bevölkerung von Steuern zu entlasten und bei dem Vorschlag der linken Parteien, ein Mindestlohn einzuführen, handelt es sich um Vorschläge, die in diesem Fall nur den arbeitnehmenden Bevölkerungsteil ansprechen.
    Im Endeffekt plädieren beide für ein höheres Einkommen der Arbeitnehmer... Das aber mit einigen feinen Unterschieden natürlich, über die hier bitte diskutiert werden soll. :)

  • Die FDP behauptet nun, dass "Mehr Netto vom Brutto" diese soziale Gerechtigkeit herbeiführen werde.
    Was haltet von diesem Vorschlag der FDP?



    Ãœber das, was sozial gerecht ist, kann keine intersubjektive Ãœbereinstimmung erzielt werden. Deshalb ist "Soziale Gerechtigkeit" ein politischer Kampfbegriff ohne wirklichen Inhalt. Es geht der FDP aus eben diesen Gründen auch nicht um "soziale Gerechtigkeit", sondern um Leistungsgerechtigkeit, dh. darum daß den Leistungsträgern mehr übrigbleibt von dem, was sie schaffen. Mit anderen Worten, die Steuer- und Abgabenquote ist zu hoch in Deutschland mit dem Ergebnis, daß Anstrengung und Leistung bestraft werden. Das wirkt demotivierend, führt zu Schwarzarbeit und Steuerflucht, Steuervermeidung und -betrug, und insgesamt zu einem wesentlich niedrigeren Sozialprodukt als bei mäßigen Abgabensätzen erzielbar wäre.

    Zitat

    Bedarf es eurer Ansicht nach an einem Mindestlohn in der BRD?



    So überflüssig wie ein Kropf, wenn der Mindestlohn nämlich unter dem Marktpreis für Arbeit liegt, ist er unnötig, wenn er aber über den Gleichgewichtspreis für Arbeit liegt, sind die Arbeitgeber nicht bereit, zu diesem Preis Arbeit nachzufragen. Die Arbeitslosigkeit steigt und die Schwarzarbeit nimmt zu. Das ist ganz elementares Lehrbuchwissen, jedem Ökonomiestudenten schon im ersten Semester vertraut, hat sich aber offenbar bei den Gewerkschaften, der SPD und den Linken noch nicht herumgesprochen.

    Einmal editiert, zuletzt von Stillicho ()

  • Mehr Netto vom Brutto klingt super!
    Bin dabei!
    Also weniger Lohnsteuer, weniger Krankenkasse-Abgaben, weniger Sozialabgaben, weniger Soli, weniger Rentensteuer...


    Aber komischerweise, egal, was die angestellt haben, mit Praxisgebühr, Zuzahlungen bei Medikamenten und Ärzten noch und nöcher, ALGII, Hartz IV, Aussetzungen von Rentenerhöhungen, und was weiß ich alles, jammern gerade diese Ämter, dass meine Beiträge und diese ganzen Kürzungen noch zu wenig sind, und sie noch mehr brauchen. Mehr, mehr, mehr...


    Wie soll das jetzt gehen, bei weniger Abgaben?
    Bloß dummes Geschwätz.
    Haben sich da letztens ein Jahr lang wegen irgendsoeiner dummen Steuerreform gestritten, und dann haben sie mir mit geschwollener Brust stolz 16 Euro fürs ganze Jahr überwiesen.
    Verarschen kann ich mich auch alleine.

  • "Mehr netto vom brutto" hat nicht so viel mit Mindestlohn zu tun, weil diejenigen, die so wenig wie Mindestlohn bislang verdienen, oder sogar noch 4 Euro weniger wie ein Mindestlohn von 7,5€, sowieso keine Steuern zahlen (können). Im Gegenteil, diejenigen, die im Bereich des Mindestlohnes oder gar drunter sind, müssen nicht selten trotzdem zum Amt und um Unterstützung betteln (der ihnen gesetzlich auch zusteht.), weil sie zum Leben nicht genug verdienen, trotz 40 Std. Woche.


    "Mehr netto" ist nur ein Slogan, der sich gut anhört, der aber bei jeder Partei auf der Agenda steht, denn alle Parteien möchten schon seit Jahren und Jahrzehnten das Steuerrecht reformieren, einfacher gestalten, entschlacken, Abgaben senken, und noch vieles mehr, damit mehr netto vom brutto bleiben kann. Von der gescheiterten "Bierdeckel"-Aktion eines Merz, bis zur Senkung der Steuersätze durch die Rot-Grüne Koalition unter Schröder.


    Also letztlich ein inhaltsleerer Spruch, wie die meisten Wahlslogans.