Deutsche Wirtschaftsethik?

  • ich habe den eindruck, dass du die ganze systematik noch nicht hinreichend tiefgehend durchdacht hast.
    deutsche interessen? wessen denn?
    der deutscher profit? wessen?


    Das weiiß ich. Aber ich bin Deutsche, ich bin politisch interessiert und ich nehme mir heraus, von Deutschalnd als "wir" zu sprechen. Noch fühle ich mich zugehörig. Und noch möchte ich diese Fragen stellen.


    Weißt Du, es mag schon sein, dass es irgendwelche 10 % sind, die hier betroffen sind, zumindest was die Wirtschaft betrifft, aber die Außenpolitik betrifft definitiv auch MICH! Geschachert wir doch in diesem Zusammenhang AUCH um Arbeitsplätze, und zwar deutsche. Und da sind dann nicht nur 10% betroffen, sondern 90% verzichten auf mehr Lohn, auf einen Ausgleich der Inflation, auf andere Ansprüche, um ihren Arbeitsplatz zu halten. Warum? Wenn ALLE sich zusammenschließen, dann hätten die Unternehmen keine Chance. Tun sie aber nicht, weil der Einzelne zu viel Angst um seinen Arbeitsplatz hat n- und wohl kein Vetrauen in die Stärke einer großen Gruppe.


    So einfach kommst Du hier als Einzelner nicht aus der Verantwortung, Prom, denn die Bürger sind WIR - und zwar alle.


    Zur Türkei:


    Das tragen wir neuerdings mit:


    http://www.spiegel.de/politik/…ip-erdogan-a-1082965.html


    Zitat

    An unserem letzten Tag in der Türkei ist meiner Familie und mir nicht nach Weggang zumute, aber wir müssen das Land verlassen. Nach quälenden Monaten der Ungewissheit und der Sorge bleibt uns nichts anderes übrig. Wir fürchten um unsere Sicherheit.
    Die Koffer sind gepackt. Die Möbel sind weg, Bücher, Kleidung, alles. Der Sohn ist aus dem Kindergarten abgemeldet, es war auch für ihn ein schmerzlicher Abschied.Bevor wir zum Flughafen fahren, schreibe ich eine Liste mit Telefonnummern für meine Frau: Kollegen, Diplomaten, Freunde in Istanbul. Für den Fall, dass ich am Flughafen festgehalten werde und meine Familie ohne mich ausreisen muss.
    Die türkische Regierung hat mir seit Jahresanfang die Akkreditierung als Korrespondent nicht erteilt und verweigert mir damit die Arbeitsgrundlage.Als deutscher Journalist, der in der Türkei lebt, braucht man aber eine Aufenthaltsgenehmigung. Und die ist an die Pressekarte gekoppelt.


    [...]


    Und schlimmer noch: Ich erhielt Warnungen. Türkische Staatsanwälte, die der Regierung und ihrer Einflussnahme auf die Justiz kritisch gegenüberstehen, sagten mir: Wenn ich im Land bliebe, sei denkbar, dass ich unter einem Vorwand angeklagt würde. Etwa wegen "Unterstützung einer terroristischen Organisation" oder wegen "Präsidentenbeleidigung". Das sind in der Türkei übliche Beschuldigungen gegen Journalisten, die den Mächtigen zu kritisch sind. Nur richteten sie sich bisher vor allem gegen einheimische Journalisten.


    Für mich ein Unding!

    3 Mal editiert, zuletzt von Diogena ()


  • sorry, allgemeines betroffenheitsblabla führt nirgendwo hin. ich will dir das garnicht unterschieben, nur bin ich schon seit vielen jahren der ansicht, dass aus der jammerecke keinerlei hilfe zur verbesserung zu leisten und/oder zu erwarten ist. über die ungerechtigkeit der welt jammern hilft nichts und niemandem. tue etwas - aber mache es konkret. wie erich k. es formulierte: "es gibt nichts gutes, ausser man tut es."


    sich dagegen in irgendwelchen allgemeinen ergüssen über irgendein subjektiv empfundenes "wir" zu echauffieren und anderen etwas "gewirzt" unter die nase zu reiben, was du mit dir selbst gerade ausmachst, hat keinen praktischen nährwert. aber jeder hat die wahl und kann sich frei entscheiden. den "wir"-schuh ziehe sich an, wer meint die passenden füße dafür zu haben.


    besser wäre es allerdings, jeder handelte innerhalb seiner kreise und möglichkeiten, kennte die grenzen und auch den wirkungsgrad der eigenen möglichkeiten und nutzte diese erkenntnisse zum konkreten handeln.
    ein abstrahierendes "wir"-gejammere hilft niemandem. nur konkretes handeln bewegt etwas, und sei die wirkung noch so klein.


    nur darf sich niemand darüber hinweg täuschen, dass es weder ein "wir", noch ein "uns" im vereinnahmenden sinn gibt. gemeinsames, konzertiertes handeln dagegen gäbe es, doch dazu müssten erstmal bei jedem mitwirkenden die richtgen schalter vom konjunktiv in den indikativ und ins aktive handeln gebracht werden.
    doch wie praktisch, auch hier gibt es das entlastende gremium, das vom ich zum wir die verantwortung vergesellschaftet. ist es nicht interessant, wie sehr sich die mechanismen gleichen und auf gemeinsame nenner einkürzen lassen?


    wenn du meinst, als deutsche für eine entscheidung bei krauss-maffei-wegmann verantwortlich zu sein, dann ist das eben so. nicht mein problem, sondern ganz alleine deins. ich habe mit denen keinerlei berührungspunkte und noch weniger einfluss auf deren handeln.
    nicht einmal deren GF hat wirklichen einfluss, sondern ist den weisungen unterworfen, die die anteilseigner ausgeben. die eigentliche grenzlinie läuft zwischen denen - die etwa ein prozent ausmachen - und dem rest, der sich über seine ohnmacht nur durch selbstbetrug hinwegtäuschen kann.


    wenn du etwas in dieser späten phase der gesellschaftlichen, weltumspannenden entwicklung bewirken willst, dann wird das am ehesten auf den weg gebracht, indem du dir über die tatsächlichen verhältnisse im klaren bist und erkennst, welche möglichkeiten überhaupt noch geblieben sind. und innerhalb dieser geringen auswahl kannst du dir die von dir präferierten optionen suchen. und die können auch darin bestehen, dass du dich in einem forum möglichst hoch über dem konkreten schwebend im empörungs-konjunktiv bewegst, bereits vorhandene freds und deren substanzielle beiträge ignorierst und eine verwässerung über den abstrakt verallgemeinernden wir-bezug betreibst.
    den schleier vor deinen augen kann nur ein mensch lüften.


    ich habe in letzter zeit immer mehr das gefühl, dass das rad jeden tag neu erfunden werden soll, aber eigentlich niemand so recht weiss, was damit angefangen werden kann, wenn es fertig ist - und deshalb, zum alibi, lieber erst noch ein "besseres" rad erfunden wird, und noch eins, und noch eins...., bevor.... und der konjunktiv lauert, wohin das auge sich auch wendet.

    21 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: korr.


  • Mir fehlen die "Macher" unter den Feingeistern, die keine Zeit mit der Ziselierung von Konjunktiven vertun. Konjunktive sind zu unscharf. Sie decken die gesamte Bandbreite zwischen "anpacken" und "och nö, lieber doch nicht" ab, ...


    Ob du mich meinst, weiß ich nicht, aber mein Text über deinem ist voll des Konjunktivs. Meiner Meinung nach aber völlig zu Recht: Beispielsweise kann ich nun einmal Waffenexporte nicht verhindern, weshalb mir nichts anderes übrig bleibt, als zu schreiben, dass ich würde, wenn ich könnte. Spionage durch Geheimdienste kann ich nicht verhindern, höchstens meine eigene Privatsphäre schützen und anderen dabei helfen, es ebenfalls zu tun. Natürlich tue ich das mir Mögliche und sinnvoll Erscheinende. Ich wähle Parteien, die am ehesten, das vertreten, was ich für richtig halte und versuche möglichst umwelt- und "menschenschonend" zu leben. Außerdem unterschreibe ich Petitionen und diskutiere hier, um andere zu überzeugen. Den hiesigen Ortsvereien der Grünen habe ich besucht, um mit ihnen über ein besseres Konzept der Müllentsorgung zu reden. Ich schimpfe nicht nur über den Gebrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft, sondern verzichte in meinem Garten selbst darauf und biete Nisthilfen für nützliche Insekten und Vögel an. Auf weitere Beispiele verzichte ich, weil es mir nicht darum geht, herauszustellen, was ich so alles Tolles leiste, sondern einfach nur darum, zu sagen, dass ich "tue, was ich kann", auch wenn das gemessen an den herrschenden Missständen nur ein ganz minimaler Beitrag ist (und sein kann).


    Andererseits sehe ich mich nicht als "Berufsweltverbesserer", der alle eigenen Bedürfnisse nach Freude, Spaß und Glück selbstlos hintanstellt, um die Menschheit vor dem Untergang zu retten. :) Ich bin sicher kein Beispiel für jemanden, der "ökologisch perfekt" lebt. Ohne Kompromisse geht es (für mich!) nicht. Ja, meine Frau stammt aus Indonesien, und ihre Eltern dort wollen sie auch ab und zu mal sehen ... reisen tue ich auch gerne, verzichte dafür aber auf ein eigenes Auto.


    Aber zurück zum Ursprung: Was sollte ein "Macher" denn deiner Meinung nach so alles "machen"? :wink5:

  • ...
    Aber zurück zum Ursprung: Was sollte ein "Macher" denn deiner Meinung nach so alles "machen"? :wink5:


    Wieben bezog sich, wenn auch nicht mittels Zitatfunktion, auf den Beitrag von Prometheus, so hab ich das jedenfalls verstanden. In dem Sinne hast du eigentlich mit dem Indikativ geantwortet, indem du geschrieben hast, daß du nicht bei einer "Waffenexportfirma" arbeitest weil....Du hast wohl geschrieben, daß du nicht bei einer solchen Firma arbeiten würdest, weil sie sich über Leichen bewegt und dabei ordentlich Reibach macht, eben wie ein Drogendealer, der Konjunktiv ist aber hier nicht gemeint, weil du das ja auch tatsächlich nicht machst.


    Wenn ich nochmal Proms Beitrag lese, der also Wieben zu seinem Kommentar veranlasste, dann fällt doch auf, daß dort der Begriff der Ethik in Verbindung mit Wirtschaft um die Bedeutung von Verantwortung erweitert wird. Und das ist der Kern, der die Unterscheidung von Konjunktiv und Indikativ in den Blick rückt.
    Die Frage ist nicht, ob ich Verantwortung übernehmen würde oder nicht, sondern die Frage muß immer lauten, ob ich sie tatsächlich übernehme oder ob ich das nicht tue.
    Das bezieht sich dann nicht nur auf Wirtschaft, das ist zum Beispiel auf dem Feld der Erziehung oder der Publizistik usw auch sehr bedeutsam. Hier aber geht es um ethisches Handeln auf dem Gebiet der Wirtschaft und Prom hat das m.E. ganz richtig übersetzt in "verantwortungsvolles Handeln" als Grundlage für eine Wirtschaftsethik.
    Verantwortung ist dabei etwas sehr persönliches, aber etwas persönliches, das oft mehrere, vielfach auch massenweise Menschen betrifft. Und darum muß die Frage einer Wirtschaftsethik zunächst an sich selbst gerichtet werden, inwiefern ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen und mein Handeln diesem Zusammenhang anzupassen.
    Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert.

    Einmal editiert, zuletzt von Müllers Esel ()

  • Um die Geschichte mit dem Konjunktiv zu präzisieren:


    "Man müsste eigentlich die Menschen dazu ..." drückt aus, dass jemand nur seinen philanthropisch - bildungsbürgerlichen Senf dazu geben möchte, um sich dann von der machenden Verantwortung entbunden zu fühlen.


    Man müsste? Ich werde!
    eigentlich? ohne Wenn und Aber!
    die Menschen? Ich, und ich will andere motivieren mitzumachen!


    Für Parteimitglieder heißt das dann: "Ich werde den behütenden Mief der Ortsvereinskneipenhinterzimmer verlassen und das auch dort gern zelebrierte "man müsste" in die Tat umsetzen."


    Sigmar Gabriel: "Wir müssen raus ins Leben, dahin, wo es laut ist, dahin, wo es brodelt, dahin, wo es manchmal riecht, gelegentlich auch stinkt. Wir müssen dahin, wo es anstrengend ist, liebe Genossinnen und Genossen, weil nur da das Leben ist!"


    Jau, Siggi, ist schon ok, Siggi. Warst Du tatkräftig dort, wo es brodelt, riecht, wo es anstrengend ist und wo Du das Leben verortest? Kauf' Dir noch ein paar Eimer weiße Salbe und verkleistere damit weiterhin den Blick auf die wirklichen Ursachen der fortschreitenden sozialen Spaltung unserer Gesellschaft.

  • Sorry, war ein Stück OT, musste aber raus.


    Allerdings bremst diese "Müsste - Haltung" die dauerhafte Verankerung von "Corporate Governance" als Grundwert in den Unternehmenszielen viel zu häufig aus: "Gut, das wir drüber gesprochen haben, aber unsere operativen Ziele haben Priorität. Wir werden uns aber bei Bedarf drum kümmern."


    Es gibt aber auch bedeutende Global Players, die dies erfolgreich nach innen und außen umsetzen. Deren Zahl nimmt zu, und das lässt hoffen.

  • Den Deal mit der Tuerkei mag man kritisieren, nicht (nur), weil diese weit weg von europaeischen Werten ist.
    Doch was sind die europaeischen Werte - und legen wir bei allen den gleichen Massstab an oder sehen wir bei einigen, wie beispielsweise der Tuerkei, nur etwas genauer hin als bei anderen?


    ...


    Sehen so die Werte aus, die bei uns gelten?


    Und was "Solidaritaet" betrifft, da wuerde ich ganz gerne den Blick auf Grossbritannien richten. Es gibt viele Interessenkollisionen innerhalb der EU, wohl weil jeder sich halt selbst der Naechste ist.

    Einmal editiert, zuletzt von Erol TaÅŸ () aus folgendem Grund: Bitte keine Links auf unerwünschte Seiten

  • Sorry, war ein Stück OT, musste aber raus.


    Allerdings bremst diese "Müsste - Haltung" die dauerhafte Verankerung von "Corporate Governance" als Grundwert in den Unternehmenszielen viel zu häufig aus: "Gut, das wir drüber gesprochen haben, aber unsere operativen Ziele haben Priorität. Wir werden uns aber bei Bedarf drum kümmern."


    Es gibt aber auch bedeutende Global Players, die dies erfolgreich nach innen und außen umsetzen. Deren Zahl nimmt zu, und das lässt hoffen.


    sobald "wir" den konkreten bedarf ausmachen, werden "wir" "uns" zu gegebener zeit mit angemessener intensität und aller erforderlichen aufmerksamkeit dem problem widmen, das sich gegenwärtig für die zukunft abzuzeichnen scheint...


  • palästina portal in diesem zusammenhang? wirklich?
    lass doch mal lesen, welche die werte, auf die du damit bezug nimmst, im realen kontext und faktisch sind? und nicht aus sicht von diesen lobbyisten in deren ganz eigener sache.


    und dann stellt sich noch die frage, was denn besser daran wäre, wenn "wir" "unsere" werte an den maßstäben messen, die andere aus eigennutz an "uns" anlegen?

    4 Mal editiert, zuletzt von Erol TaÅŸ () aus folgendem Grund: Folgezitat, siehe oben

  • sobald "wir" den konkreten bedarf ausmachen, werden "wir" "uns" zu gegebener zeit mit angemessener intensität und aller erforderlichen aufmerksamkeit dem problem widmen, das sich gegenwärtig für die zukunft abzuzeichnen scheint...


    Ich habe das Glück, nicht bei einem solchen Unternehmen arbeiten zu müssen.

  • Den Deal mit der Tuerkei mag man kritisieren, nicht (nur), weil diese weit weg von europaeischen Werten ist.
    Doch was sind die europaeischen Werte - und legen wir bei allen den gleichen Massstab an oder sehen wir bei einigen, wie beispielsweise der Tuerkei, nur etwas genauer hin als bei anderen?


    ...

    Sehen so die Werte aus, die bei uns gelten?


    Und was "Solidaritaet" betrifft, da wuerde ich ganz gerne den Blick auf Grossbritannien richten. Es gibt viele Interessenkollisionen innerhalb der EU, wohl weil jeder sich halt selbst der Naechste ist.


    Das Pal-Portal steht übrigens auf der Liste unerwünschter Seiten. Nur so nebenbei.

    2 Mal editiert, zuletzt von wudi () aus folgendem Grund: Folgezitat

  • palästina portal in diesem zusammenhang? wirklich?
    lass doch mal lesen, welche die werte, auf die du damit bezug nimmst, im realen kontext und faktisch sind? und nicht aus sicht von diesen lobbyisten in deren ganz eigener sache.


    und dann stellt sich noch die frage, was denn besser daran wäre, wenn "wir" "unsere" werte an den maßstäben messen, die andere aus eigennutz an "uns" anlegen?



    Weshalb nicht an dieser Stelle, wo es zu diesem Thema auch um unsere Werte, die Werte der EU geht, dass sich ein Staat in die EU geschlichen hat, und keiner hat es bemerkt? - Und welche Deals mit diesem Staat getaetig werden?
    Nein, dazu darf man nicht lesen und ich werde schweigen.

  • Sorry, war ein Stück OT, musste aber raus.


    Allerdings bremst diese "Müsste - Haltung" die dauerhafte Verankerung von "Corporate Governance" als Grundwert in den Unternehmenszielen viel zu häufig aus: "Gut, das wir drüber gesprochen haben, aber unsere operativen Ziele haben Priorität. Wir werden uns aber bei Bedarf drum kümmern."


    Es gibt aber auch bedeutende Global Players, die dies erfolgreich nach innen und außen umsetzen. Deren Zahl nimmt zu, und das lässt hoffen.

    In dem Zusammenhang kommt noch ein anderer Faktor hinzu:
    Macht und damit natürlich auch Machtmißbrauch. Da wäre interessant zu wissen, wen du als bedeutende Global Players ausgemacht hast, die Corporate Governance umsetzen. Die einzelne nationale Umsetzung, um mal für D zu sprechen, sehe ich eher als stumpfes Schwert für eine Ethik wirtschaftlichen Handelns. Soll hier nicht der Wirtschaft eher die Möglichkeit gegeben werden, Eigenweihrauch zu produzieren und die Umgebung damit einzunebeln?

  • Weshalb nicht an dieser Stelle, wo es zu diesem Thema auch um unsere Werte, die Werte der EU geht, dass sich ein Staat in die EU geschlichen hat, und keiner hat es bemerkt? - Und welche Deals mit diesem Staat getaetig werden?
    Nein, dazu darf man nicht lesen und ich werde schweigen.




    also willst du der gestellten frage aus dem weg gehen?
    nun gut. das steht dir selbstredend frei.

  • sorry, allgemeines betroffenheitsblabla führt nirgendwo hin. ich will dir das garnicht unterschieben, nur bin ich schon seit vielen jahren der ansicht, dass aus der jammerecke keinerlei hilfe zur verbesserung zu leisten und/oder zu erwarten ist. über die ungerechtigkeit der welt jammern hilft nichts und niemandem. tue etwas - aber mache es konkret. wie erich k. es formulierte: "es gibt nichts gutes, ausser man tut es."


    Du missverstehst mich. Ich jammere nicht, Warum sollte ich?


    Ich wundere mich vielmehr,wie viele Menschen diese Doppelbödigkeit mittragen und die Augen davor verschließen, was sie da tatsächlich "absegnen": Menschenrechtsverstöße, Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit, Verstöße gegen die Genfer Flüchtlingskonvention - alles zusammen die Grundlage unseres freien, gerechten, offenen Europas, das Menschen in Not hilft.


    Aber nur, wenn es keinen Cent kostet?

  • So lange sich die Politik einen feuchten Kehricht darum schert, welche Produktionsbedingungen und sozialen Verhältnisse in den als Handelspartner umworbenen Ländern herrschen, so lange in Krisengebiete Waffen und dual-use Güter geliefert werden, so lange intransparente und einzig große Konzerne bevorteilende Handelsverträge zusammengekungelt werden, Transparenzregeln bei der Kennzeichnung von Waren verhindert oder unterbunden werden, suche ich die Hauptschuld eher nicht beim Verbraucher.


    Zumal der weitgehende Kaufverzicht z.B. im Bekleidungsbereich ein sehr zweischneidiges Schwert ist, entzieht man damit nämlich den Näherinnen in Asien ihre einzige Verdienstquelle. Man boykottiert also die Armen, damit sie noch ärmer werden.


    Das zu ändern ist definitiv die Aufgabe von Wirtschafts- und Außenpolitik durch Abkommen, die nicht in erster Linie auf vergrößerte Absatzchancen setzt, sondern auf faire Bedingungen. Die Prioritäten sind falsch gesetzt, und zwar schon immer.


    Ich schrieb ja nicht umsonst, dass es sauschwer sei, private Wirtschaftsethik umzusetzen. Aber ich sehe dennoch nicht nur die Politik in der Pflicht, sondern jeden Einzelnen. Man könnte auch das Handwerk zum Beispiel nehmen. Anstatt zum Bäcker an der Ecke zu gehen, der vielleicht tatsächlich noch selbst seine Backwaren herstellt, werden Billigbrötchen und -brot bei Lidl, Aldi und Co gekauft. Auch geht man lieber zum "Cut and Go", anstatt zum alteingesessenen Friseur. Fleisch aus Massentierhaltung wird um ein Vielfaches mehr gekauft als Bioware. Auf beiden Seiten stehen Arbeitsplätze bzw. Existenzen auf dem Spiel. Aber entschieden wird so gut wie immer zwischen Quantität und Qualität, zugunsten der billigen Quantität. Von daher spreche ich den Verbraucher nicht von seiner Verantwortung frei.

  • Ich […] sehe dennoch […] jeden Einzelnen [in der Pflicht]. […] Anstatt zum Bäcker an der Ecke zu gehen, der vielleicht tatsächlich noch selbst seine Backwaren herstellt, werden Billigbrötchen und -brot bei Lidl, Aldi und Co gekauft. […]

    Dass das Bäckereigewerbe jetzt wichtigster Wirtschaftsmotor und Beschäftigungsgarant sei, ist mir neu - übrigens ist der Personalbestand von Filialbäckereien und Discountern weitaus höher als bei einer konventionell handwerklich produzierenden Backstube - mal ganz davon zu schweigen, dass auch der "Bäcker um die Ecke" nur vorproduzierte Teiglinge aufwärmt… das Kundenverhalten rührt daher, dass er a) zeitlichen Aufwand und Wege einzusparen wünscht und b) gleichbleibende Qualität zu einem vertretbaren Preis - und das unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem er seinen Einkauf durchführt - wünscht.


    Das Thema Wirtschaftsethik jedoch betrifft vor allem die Unternehmenskultur, und die liegt hauptsächlich in den Händen von Branchenverband, Chef, Inhaber, Geschäftsführer und den jeweiligen Führungskräften darunter eingeflochtener Hierarchieebenen.

  • Das Thema Wirtschaftsethik jedoch betrifft vor allem die Unternehmenskultur, und die liegt hauptsächlich in den Händen von Branchenverband, Chef, Inhaber, Geschäftsführer und den jeweiligen Führungskräften darunter eingeflochtener Hierarchieebenen.


    Mag sein. Nur - und das erklärt übrigens auch immer wieder das Partei und und Verbände übergreifende Geheul wenn man irgendwo die Konsumenmacht ins Spiel bringt - den einzig wirksamen und spürbaren, eventuellen Konsumentboykott.


    Es ist doch schon wieder lustig zu sehen wie hysterisch reagiert wird wenn auch nur der leiseste Ansatz in dieser Richtung geäussert wird, nichtmal bedenken über Qualität, Gesundheit etc. sind doch langläufig überhaupt nicht mehr machbar, es sei denn diese sind Butterweich.


    Mittlerweile kann man den grössten Bockmist absetzen, die Lobbygruppen haben in fast allen Ebenen den Griff fest an den Cojones der jeweiligen Meinungsmacher/politischen Entscheider.


    Und egal wie man die damalige Brent Spar Aktion beurteilt, Sie war so wirksam das man ab diesem Datum die diversen Umweltverbände wie etwa Greenpeace (et al ) korrumpiert, bestochen und Industrieseitig das Geld in den .... geschoben wurde als Gefahr zu laufen sich solcher Bewegung nocheinmal auszusetzen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Bicyclerepairmen ()

  • Dass das Bäckereigewerbe jetzt wichtigster Wirtschaftsmotor und Beschäftigungsgarant sei, ist mir neu - übrigens ist der Personalbestand von Filialbäckereien und Discountern weitaus höher als bei einer konventionell handwerklich produzierenden Backstube


    Und weil der Personalbestand in Discountern weitaus höher ist als in einer traditionellen Bäckerei bedürfen die dortigen Beschäftigten keines Schutzes ihres Arbeitsplatzes und somit ihrer Existenz? Oder wie soll ich Deinen Einwurf verstehen?


    Außerdem habe ich nicht behauptet, das Bäckereigewerbe sei wichtigster Wirtschaftsmotor oder Beschäftigungsgarant. Worum es mir ging, geht doch aus meinem Posting im Kontext zu Diogenes Antwort ganz klar hervor.


    Zitat

    - mal ganz davon zu schweigen, dass auch der "Bäcker um die Ecke" nur vorproduzierte Teiglinge aufwärmt… das Kundenverhalten rührt daher, dass er a) zeitlichen Aufwand und Wege einzusparen wünscht und b) gleichbleibende Qualität zu einem vertretbaren Preis - und das unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem er seinen Einkauf durchführt - wünscht.


    Ersteres stimmt nicht, denn es gibt sehr wohl noch Bäckereien, die ihre Teigmischungen selbst herstellen und alles selbst backen, aber auch darum geht es mir nicht.


    Zitat

    Das Thema Wirtschaftsethik jedoch betrifft vor allem die Unternehmenskultur, und die liegt hauptsächlich in den Händen von Branchenverband, Chef, Inhaber, Geschäftsführer und den jeweiligen Führungskräften darunter eingeflochtener Hierarchieebenen.


    Jaja. Ich weiß. Schuld sind entweder die Eltern und ihre Erziehung oder der Staat oder die Unternehmen. Nur man selbst ist nie schuld an irgendetwas.


    Letztendlich ist das private wirtschaftliche Handeln genauso unethisch wie das unternehmerische oder staatliche. Das ist einfach so, und zwar genau aus denselben Gründen: aus finanziellen und aus Gleichgültigkeit.