Mecklenburg-Vorpommern

  • 2011 gab es doch diesen enormen Sandsturm, der den Verkehr auf der Autobahn behinderte und Unfälle verursachte


    Normalerweise sind Sandstürme nur aus den Wüstenregionen bekannt.


    http://www.svz.de/regionales/m…cht-nimmt-id13186011.html


    Heute las ich in der Zeitung, was der Grund für dieses Phänomen in M-V ist:


    Es fehlen Hecken, die die Erosion des Bodens aufhalten!


    In Schleswig-Holstein haben wir die Knicks, die die Funktion erfüllen.


    http://www.lksh.de/landwirtsch…-naturschutz/knickpflege/


    @GrauerKater, Du bist doch Agrar-Experte. Was sagst Du dazu?


  • Das kann ich Dir sagen, liebe Kojo, es ist das Ergebnis einer ausgeräumten großflächigen Landschaft unter weitgehender Monokultur. Landwirtschaftlicher Blödsinn, wenn man Knicks, Hecken und Waldstreifen beseitigt. Dazu kommt die extreme Austrocknung infolge mikroklimatischer Umbrüche und eine Degradierung des Bodenhumus. Auch die Güllewirtschaft anstelle der Strohhaltung von Tieren beeinflusst die Bodenstrukturen, das Bodenleben, so dass keine biologisch aktive Ackerkrume mehr sich herausbilden kann. Zwölf - bis 16 feldrige Fruchtfolgen, mit Klee, Luzerne, Zwischenfrüchten, ganzjähriger Bodenbedeckung fehlen, man nutzt Glyphosat, baut Mais, Raps und Getreide an, Zuckerrüben und Kartoffeln nur noch vereinzelt, wundert sich dann, dass das Grundwasser verseucht wird und man immer mehr Dünger sowie Pflanzenschutz braucht, um überhaupt noch etwas zu ernten! Kapitalistische Landwirtschaft pur, die Bauern werden arm, die Industrie, insbesondere Chemieindustrie wird reicher und man sägt fleißig am Ast, auf dem wir sitzen!

  • Das kann ich Dir sagen, liebe Kojo, es ist das Ergebnis einer ausgeräumten großflächigen Landschaft unter weitgehender Monokultur. Landwirtschaftlicher Blödsinn, wenn man Knicks, Hecken und Waldstreifen beseitigt. Dazu kommt die extreme Austrocknung infolge mikroklimatischer Umbrüche und eine Degradierung des Bodenhumus. Auch die Güllewirtschaft anstelle der Strohhaltung von Tieren beeinflusst die Bodenstrukturen, das Bodenleben, so dass keine biologisch aktive Ackerkrume mehr sich herausbilden kann. Zwölf - bis 16 feldrige Fruchtfolgen, mit Klee, Luzerne, Zwischenfrüchten, ganzjähriger Bodenbedeckung fehlen, man nutzt Glyphosat, baut Mais, Raps und Getreide an, Zuckerrüben und Kartoffeln nur noch vereinzelt, wundert sich dann, dass das Grundwasser verseucht wird und man immer mehr Dünger sowie Pflanzenschutz braucht, um überhaupt noch etwas zu ernten! Kapitalistische Landwirtschaft pur, die Bauern werden arm, die Industrie, insbesondere Chemieindustrie wird reicher und man sägt fleißig am Ast, auf dem wir sitzen!


    Wieso "kapitalistische Landwirtschaft pur"?


    Ist diese Ausräumung erst nach 1989 entstanden? Ich kann mir das gar nicht vorstellen, weil ich eben Schleswig Holstein mit seinen Knicks gewohnt war?

  • […] Ist diese Ausräumung erst nach 1989 entstanden? Ich kann mir das gar nicht vorstellen, weil ich eben Schleswig Holstein mit seinen Knicks gewohnt war?

    Mecklenburg-Vorpommern hat auch bevor Deutschland geteilt wurde, nicht zu Schleswig-Holstein gehört; und die dort üblichen Knicks sind bekanntlich auf königlich dänischen Erlass angelegt worden. Zwar gab und gibt es auch in Mecklenburg-Vorpommern Wall- oder Feldhecken, eine erste Verordnung, die ihre Anlegung empfahl, ist sogar rund 50 Jahre vor jener für Schleswig-Holstein belegt, aber für den langwierigen Bau der "Ostseeaautobahn" (A20) wurde halt eine recht weiträumige und dem Wind recht schutzlos ausgelieferte Schneise geschlagen, teils um den Streckenunterbau anlegen zu können, teils um Archäologen sichern, kartographieren und katalogisieren zu lassen, was beim Straßenbau so alles gefunden wurde.

  • Mecklenburg-Vorpommern hat auch bevor Deutschland geteilt wurde, nicht zu Schleswig-Holstein gehört; und die dort üblichen Knicks sind bekanntlich auf königlich dänischen Erlass angelegt worden. Zwar gab und gibt es auch in Mecklenburg-Vorpommern Wall- oder Feldhecken, eine erste Verordnung, die ihre Anlegung empfahl, ist sogar rund 50 Jahre vor jener für Schleswig-Holstein belegt, aber für den langwierigen Bau der "Ostseeaautobahn" (A20) wurde halt eine recht weiträumige und dem Wind recht schutzlos ausgelieferte Schneise geschlagen, teils um den Streckenunterbau anlegen zu können, teils um Archäologen sichern, kartographieren und katalogisieren zu lassen, was beim Straßenbau so alles gefunden wurde.


    Natürlich habe ich nicht angenommen, dass Mecklenburg-Vorpommern zu Schleswig-Holstein gehörte. Geografisch auf einer Linie sind sie aber, daher habe ich mich ihnen stets verbunden gefühlt.


    Also haben wir den Dänen die Knicks zu verdanken.


    War bei der Ostseeautobahn keine Wiederaufforstung o.ä. vorgesehen?

  • Wieso "kapitalistische Landwirtschaft pur"? Ist diese Ausräumung erst nach 1989 entstanden? Ich kann mir das gar nicht vorstellen, weil ich eben Schleswig Holstein mit seinen Knicks gewohnt war?


    Schleswig-Holstein hatte immer andere Grundbesitzverhältnisse als Mecklenburg-Vorpommern. Zu DDR Zeiten wurden die Fehler der großflächigen Landwirtschaft im Verlauf der Zeit erkannt und man hatte auch begonnen, die Landschaft zu gestalten, indem man Hecken und Knicks wieder anpflanzte. Zudem waren infolge der Fruchtfolgegestaltung die Böden ganzjährig bedeckt, was die Erosion ganz wesentlich einschränkte. Das alles war mit der Wende dem Diktat der Ökonomie geopfert worden. Mit drei bis vier Kulturen und ohne Zwischenfruchtanbau ist das eben nicht mehr zu machen!

  • ...........................War bei der Ostseeautobahn keine Wiederaufforstung o.ä. vorgesehen?


    Sicher war und ist die Wiederaufforstung vorgesehen, die Frage ist nur, wo die Ersatzpflanzungen getätigt werden. Und Hecken sowie Knicks anzulegen, ist ein teueres Unterfangen, es bedarf der Mitwirkung vieler Eigentümer, die bei weitem sich nicht einig sind, wer eben Fläche bereitzustellen hat. Die staatliche Initiative fehlt ebenfalls, denn das Spardiktat der "Schwarzen Null" hat Vorrang vor wirtschaftlicher Vernunft. Somit wird es bei entsprechenden Wind- und Wetterlagen weiter zu ähnlichen Ereignissen kommen, insbesondere, wenn die Böden durch vorhergehende Trockenperioden der Winderosion keinen Widerstand entgegensetzen können.