Feindbild Islam

  • Ich sehe hier im Forum, aber mehr noch ausserhalb des Forums einige Denkstrukturen, die wir mal auf Richtigkeit betrachten und analysieren könnten.


    "Das Nahost- und Islambild im Westen


    Die westliche Wahrnehmung der nahöstlichen Region
    zeichnet sich wie auch umgekehrt dadurch aus, daß auch sie
    Realitätsfragmente in einer Weise montiert, die ein eher fiktives
    Gesamtbild ergibt. Die durchschnittliche westliche Sichtweise
    betont das Fremdartige, das Trennende beider Kulturkreise. Sie
    stellt häufig die Religion (also den Islam) als das spezifisch
    Nahöstliche dar, und damit einen der Unterschiede. Trotz der
    eigenen erdrückenden Ãœberlegenheit an Wirtschaftskraft,
    militärischer Kampfkraft und ideologischer Ausstrahlung wird
    der Nahe und Mittlere Osten (oft wahrgenommen als »der
    Islam«) als Bedrohung betrachtet - womit die Wahrnehmung des
    Westens aus der nahöstlichen Perspektive schlicht gespiegelt
    wird. Da die westliche Wahrnehmung und ihre Klischees vom
    Nahen und Mittleren Osten schon mehrfach kritisch beschrieben
    und analysiert worden sind, braucht dies hier nicht ausführlich
    getan zu werden. Das folgende Schaubild listet einige der
    Perzeptionsmuster auf, die bei uns gegenüber »dem Islam«
    angewandt werden.


    Ãœbersicht über einige Mechanismen der Feindbildproduktion


    1 . Vergleich unterschiedlicher Realitätsebenen


    Es wird »der Westen« mit »dem Islam« oder »den
    islamischen Staaten« verglichen, oder die
    gesellschaftliche Realität Europas und Nordamerikas mit
    einer religiösen Ideologie; es wird praktisch nie Islam
    und Christentum verglichen, nur selten Europa und der
    Nahe Osten.


    2. Ãœbernahme fundamentalistischer Erklärungsmuster


    Nicht selten werden »der Islam« und seine Gefährlichkeit
    durch Zitate fundamentalistischer Führer »erklärt«. Dabei
    Erklärungsmuster übernehmen viele westliche Autoren fundamentalistische
    Positionen und tragen sie als »islamisch« weiter. Das
    gleiche Verfahren funktioniert auch ohne Zitate: dann
    werden die Positionen von Islamisten als »der wahre
    Islam« unterstellt. Beispiel: Religion und Politik seien im
    Islam nicht zu trennen.


    3. religiöse Interpretation säkularer Politik/Naivität


    Erklärungen nahöstlich-islamischer Akteure werden zum
    Nennwert genommen. Die Benutzung religiöser Formeln
    wird automatisch als Zeichen von Religiosität aufgefaßt,
    die Möglichkeit einer bewußten Instrumentalisierung von
    Religion ignoriert.


    4. Die Unterstellung dessen, was bewiesen werden soll


    Anstatt den Anteil und die Bedeutung religiöser Aspekte
    der Politik im Nahen Osten zu untersuchen, wird von
    vornherein eine religiöse Begründung unterstellt, um
    dann in einem zweiten Schritt den religiösen Charakter
    von Politik festzustellen.

    5. Verwechslung von Islam als Religion und islamischer Kultur und Tradition


    Die Gesellschaften des Nahen und Mittleren Ostens sind oft vom Islam kulturell geprägt. Diese Prägung ist in die
    Alltagskultur übergegangen. Viele scheinbar religiöse
    Äußerungen haben inzwischen mehr mit Tradition, mit
    kultureller Identität, auch mit Konservatismus zu tun als
    mit Religion.


    6. Geschichtslosigkeit


    Ereignisse der Gegenwart brauchen nicht analysiert zu
    werden, da sie ja religiös zu erklären sind - und damit aus
    dem Koran und der Sunnah abgeleitet werden können.
    Die historischen Entstehungsbedingungen heutiger
    Erscheinungen werden durch Verweis auf die islamische
    Frühgeschichte ersetzt.

    7. Verzicht auf Analyse von Interessen


    Aktuelle Probleme oder Konflikte werden ohne Analyse
    sozialer, wirtschaftlicher oder politischer Realitäten und
    Interessen durch »den Islam« erklärt, dabei der Islam auf
    seine Schriften und die Äußerungen seiner Theologen
    verkürzt.

    8. Kulturelle Ãœberheblichkeit


    Aus der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
    Ãœberlegenheit des Westens über die Gesellschaften des
    Nahen Ostens wird die eigene kulturelle und moralische
    Ãœberlegenheit geschlossen.


    9. Das Verwenden unterschiedlicher Maßstäbe


    Was dem Westen erlaubt ist, kann dem Nahen Osten
    durchaus verboten sein: etwa ABC- Waffen, die im
    Westen friedenstiftend, anderswo gefährlich sind.


    10. Psychologisierung


    Was im Westen »Machtpolitik« wäre wird im Nahen
    Osten leicht zu »Verrücktheit«, »Größenwahn«,
    »Irrationalität«. Statt Interessenkonflikte werden
    psychologische Kategorien erörtert.


    Für unseren Zweck reichen diese Wahrnehmungsmuster aber
    nicht aus. Es kommt vielmehr hinzu, daß der Nahe und Mittlere
    Osten soweit er nicht romantisiert oder exotisch verklärt wird -
    als Quelle der Gefahr, der Instabilität und Unsicherheit
    wahrgenommen wird, die Bewohner des Nahen Ostens sind
    Muslime, und sie seien irrational, unberechenbar, ihre Religion
    mittelalterlich, mit Fanatismus verknüpft und ihre Kultur durch
    ihre Andersartigkeit unverständlich. Auch hier müssen wir
    darauf verzichten, die Existenz dieser Karikatur einer
    benachbarten Region und ihrer Bewohner und Kultur durch
    zahlreiche Belege zu untermauern, da dies schon an anderer
    Stelle geschehen ist...."


    aus:
    Jochen Hippler/Andrea Lueg (Hrsg.):
    Feindbild Islam - oder Dialog der Kulturen. Hamburg 2002. (inkl. einiger sehr renommierter Autoren wie Reinhard Schulze, P. Kappert, usw.)
    S. 254 ff.


    weitere Leseprobe aus obigen Buch:
    Der Islam, der Westen und die politische Gewalt in den internationalen Beziehungen


    Welches Argumentationsmuster ist euch schon mal begegnet?
    Oder andere Muster?
    Wie habt ihr reagiert?
    Mit welchen Argumenten habt ihr dagegen argumentiert?
    Hattet ihr Erfolg und der Dialogpartner zeigte Einsicht?
    Oder war es kein Dialog, sondern gegenseitige Monologe?
    Oder seit ihr selber mal in solche oben erwähnten argumentativen Schablonen als Erklärungsmuster gefallen?

  • Ich hab mal die Punkte zitiert, denen ich auch mehr als einmal begegnet bin:



    Es ist superoft der Fall, das der Islam mit der westlichen Welt verglichen wird, jedoch nicht mit den Religionen sondern mit den Staaten, da die Unterscheidung zwischen dem Islam als Religion und einerislamischen Kultur nicht gemacht wird.


    Auch ist der Westen den Moslems gegenüber sehr überheblich, sehen sie als 'Wilde' an, was damit begründet werden kann, dass man in den Medien keine islamischen Professoren oder Gelehrte zu sehen bekommt sondern eher Extremisten und Verrückte, die im Namen Allahs zu jeder kriminellen Handlung bereit sind.


    Ich bin von Natur aus ein Mensch, der keine Ungerechtigkeiten mag. Wenn mir also solche Vorurteile und dummen Bemerkungen begegnen, wehre ich mich mit Argumenten und offenen Fragen, auf die der Gegenüber meist keine Antwort weiß und wenn, dann entwickelt sich daraus eine sachliche Diskussion, bei der jede Seite seine Beweggründe darlegt.


    Ich hab viele Vorurteile aus meinem Bekanntenkreis ausräumen können, sowohl gegenüber Moslems als auch gegenüber Türken. Allerdings wird es weiterhin dumme Bemerkungen geben, so lange es auch Leute gibt, die diese Vorurteile schüren.

  • Lynxxx, kennst du dich mit dem Thema "Feindbild Christentum" bei den mehrheitlich muslimischen Ländern auch aus ?

  • Lynxxx, kennst du dich mit dem Thema "Feindbild Christentum" bei den mehrheitlich muslimischen Ländern auch aus ?


    das können wir gerne in einem seperaten Thread diskutieren, denn dies ist genauso schlimm. Ich fänds gut wenn du den Anstoß dazu geben und den Thread eröffnen würdest.


    So sieht es so aus als ob du das als entschuldigung angibst.

  • Danke für den Thread, lynxxx :)


    Das Thema der Islamkritik ist ein sehr komplexes, welches vielfältige Zwickmühlen zu haben scheint.


    Ich versuche, einen sehr langen Beitrag, der sich lohnt zu lesen, auch wenn die Länge abschrecken könnte, zusammenzufassen.


    Geschrieben wurde er im Zuge der Antifa-Konferenz gegen das Anti-Islamisierungstreffen von Pro Köln, FPÖ, Front National, Vlaams Belang und Co. in Köln.


    Wer es direkt vollständig lesen mag, hier der Link: http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=640&print=ja


    In dem Artikel geht es um den Begriff "Islamophobie", beziehungsweise seine Variante "antimuslimischer Rassimus", und wieso diese keine Begriffe sind, mit denen sich arbeiten läßt, da sie sowohl den Rassimus, auf den sie sich beziehen, unkenntlich machen, wie sie auch versuchen, die Kritik am Islam als Religion und Kultur zu delegitimieren.


    Der Begriff verschleiert, in dem er Rassismus und emanzipatorische Kritik in einen Topf wirft, und eine Unterscheidung der beiden unmöglich machen will.


    Wie viele Ãœbereinstimmungen sich in den inhaltlichen Aussagen auch immer finden mögen, eine Kritik der Kultur bzw. Religion richtet sich gegen das was die Menschen glauben, gegen ihre Ãœberzeugungen und gegen das, was sie diesen Ãœberzeugungen folgend tun. Die Islamkritik kann dabei immer noch alles Mögliche sein: richtig oder falsch, absolut und radikal oder partiell und auf Verständigung ausgerichtet. Aber sie wird durch all das nicht zum Rassismus, weil sie auf einer anderen Ebene ansetzt als die RassistInnen. Diejenigen aber, die den Islam gern gegen jede Kritik immunisieren wollen, benutzen den Begriff »Islamophobie« bzw. »antimuslimischer Rassismus« als Hinweis, die Kritik am Islam sei eine besondere Spielart des Rassismus.


    In der rassitischen motivierten Kritik am Islam wird den Anhängern der Religion diese als eine unveränderliche Wesenheit zugeschrieben.


    Anders ist es bei der emanzipatorischen Religionskritik, in der den Menschen eine Verantwortung für ihre Handlungen und Entscheidungen nicht abgesprochen wird, sie nicht zu Fremden oder Opfern reduziert werden.
    Der Artikel behandelt aus dem Grund eine Auseinandersetzung zur Parallele der feminitsischen Bewegungen, um zu verdeutlichen, dass Eigenverantwortlichkeit essentieller Bestandteil der Emanzipation ist, aber auch ein Dilemma, hervorgerufen durch eben jene Umstände, die eine emanzipatorische Kritik überhaupt unerlässlich machen.


    Die emanzipatorische Kritik am Islam ist unerlässlich, da die regressiven Ausprägungen des Islams keine Wesenheit der Muslimas und Muslime sind, wie es RassistInnen behaupten.


    Der Artikel geht auch darauf ein, warum ein Vergleich der Begriffe Islamophobie und Antisemitismus unstimmig ist, und wiederum eine Verschleierung der Thematik darstellt.


    Für alle, die mit dem Begriff "die Linken" wiedereinmal nichts anfangen können: der Bezug zur linken Bewegung innerhalb Deutschlands bezieht sich auf den Hintergrund, unter welchem der Artikel zustande kam. Die Partei DIE Linke. ist damit nicht gemeint, überhaupt stehen die Argumente in keinem parteilichen Zusammenhang sondern sind eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Debatte.


    .

  • Mike, wie Firtina es schon richtig bemerkte, bringe eine seriöse Studie über dieses Thema, und wir können darüber gerne diskutieren, nur soviel:

    Ich verwehre mich regelmäßig darin, bei den arabischen Staaten gleiche Maßstäbe anzusetzen wie bei uns, weil die westlichen Demokratien nicht mit den Regimenen und Diktaturen in ihrem Handeln verglichen werden können.
    Ein Beispiel zur Verdeutlichung:
    Oft werden hiesige Moscheebauten von einfachen Gemütern damit abgelehnt, indem sie behaupten, dass ja die arab. Staaten auch keine Kirchen errichten würden (Mal abgesehen von der Frage der Notwendigkeit bei eher sinkenden Gemeindezahlen). Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, denn im Umkehrschluss würde es bedeuten, dass wir uns mit unseren weit entwickelten zivilisierten humanen Demokratien am Verhalten von arab. Regimen und Diktaturen orientieren sollen? Unser Niveau auf deren Niveau absenken wollen? Unsere mühsamen Erfahrungen auch durch zwei Weltkriege über Bord wegwerfen sollen? Sollen wir also auch eine inhumane Gesellschaft errichten, Folter und Todesstrafe, Unfreiheit und religiöse Repressalien, Frauenrechte beschneiden, usw. usw.
    Ich denke du verstehst mich nun.

    Gleiches gilt auch für das Aufbau von Feindbildern. Wenn in Algerien oder Jemen, oder, ... Feindbilder entstehen, so ist dieses traurig, aber auch nicht ungewöhnlich, wenn man sich mal deren Bildungssystem anschaut, deren Analphabetenrate, deren Entwicklungsstand, deren korrupte Politiker, deren Demagogen, die teilweise weite mediale Verbreitung erfahren, wovon unsere NPDler nur träumen können, deren journalistische Kompetenzen und mangelhafte Ausbildungen, deren wissenschaftliches Fachwissen in ihren total unbedeutenden Unis, usw.
    Das soll nun nicht arrogant sein, oder etwas entschuldigen, es soll nur darlegen, von welch unterschiedlichen Niveaus wir ausgehen müssen, so als würde Schwergewicht gegen Fliegengewicht boxen, und man dem Fliegengewicht vorwirft, warum er nicht mehr schwere Haken schlägt.

    Ich möchte jedenfalls mich nicht auf das Niveau vieler arab. Gesellschaften begeben, sondern erwarte, dass bei uns von einer relativ gebildeten bürgerlichen Schicht, von gut ausgebildeten Journalisten, von guten Wissenschaftlern, von Politikern, die die Möglichkeit hätten wissenschaftlichen Rat einzuholen, usw. dagegen immuner wären, als es der Fall zu sein scheint.

    Leider sind gerade diejenigen Bücher über die islam. Welt Bestseller, die eher Feindbilder bedienen, die niederen Instinkte des Menschen ansprechen. Insofern hat trotz des ganzen Unterrichts über Antisemitismus es anscheinend nicht den großen durchschlagenden Erfolg, und die Deutschen sind immer noch empfänglich für einfache simple aber falsche Schlussfolgerungen. Das fängt schon in den Medien an, nicht nur BLÖD-Zeitung, sondern auch die öffentlich-rechtlichen befördern, vielleicht auch unbewusst, das Zementieren von Klischees und Feindbildern durch ihre Auswahl von News (Bad News are good news).

    Noch ein letztes Wort zu den Feindbildern im Orient:

    Es gibt sicherlich Feindbilder zum Christentum des Abendlandes im Orient, aber weit stärker als religiöse Feindbilder sind im Orient säkulare Feindbilder, also Feindbilder, die geschaffen werden, indem auf den Kolonialismus und Imperialismus des 19.-20. Jh. verwiesen wird, selbst in Bereiche, in denen das keine Rolle mehr spielt, aber eben gut als stereotype Feindbild-Folie der Massen dienen kann.
    Daneben finden sich auch Feindbilder, die nicht die Religion des Westens zum Ziel hat, sondern im Gegenteil die Gottlosigkeit betont.

    Aber näheres könnten wir in einem separaten Thread behandeln.
    :wink:

  • Hallo Lynxxx,
    zu deinem Beitrag 1., kann ich nur sagen, dass es ähnlich sehe.
    Deshalb finde ich deinen Beitrag grundsätzlich gut.
    Viele Berichte in den deutschen oder englischen Medien sind primitiv oder sehr einfach strukturiert.

    Zu deinem Beitrag 6.
    Ich kenne keine Studie diesbezüglich, vielleicht gibt es auch keine !?
    Da ich auch kein arabisch oder türkisch kann, kann ich auch keine Berichte, Reden von wichtigen Personen bzw. Medienberichte in diesen Sprachen verfolgen und verstehen.

    Einen Vergleich zwischen "westliche, gebildete Demokratien, etc." mit der "islamischen Welt", ich zitiere dich hierbei

    Zitat

    denn im Umkehrschluss würde es bedeuten, dass wir uns mit unseren weit entwickelten zivilisierten humanen Demokratien am Verhalten von arab. Regimen und Diktaturen orientieren sollen?



    zu machen, ist in der Tat nicht einfach. Aber eine andere Wahl haben wir nunmal nicht.

    Und ich frage mich immer mehr, warum wir die Bevölkerung dieser Länder überhaupt in unserem Land lassen, wenn sie so sind wie sie sind ?
    Oder ist diese Frage verboten ?

    Abspaltung dieses Themas in einen neuen Thread, von mir aus gerne.
    Könnte ein freundlicher Mod vielleicht machen ? Schlage den Titel vor:

    Feindbild Christentum und westliche Demokratien

    2 Mal editiert, zuletzt von Mike Hammer () aus folgendem Grund: "keine" nicht "deine"... 6. Zeile geändert

  • Moment, ich erstelle gerade einen Thread mit seriöser Analyse der Feindbilder im Orient.

    Hier geht es weiter:
    Feindbild Westen:
    http://www.politopia.de/forum/…eindbild-westen-1646.html


    Ausserdem habe ich oben vor allem auf arab. Staaten abgezielt, die Türkei spielt hier eine Sonderrolle als Staat zwischen Orient und Okzident mit Elementen aus beiden Sphären. Deshalb ist deren Betrachtung komplizierter.

    Und was die Leute betrifft, die wir nach Deutschland lassen: Das sind doch meistens Einzelschicksale, also Asylanten, die im Heimatland verfolgt werden, oder es zumindest so glaubhaft machen, dass die Behörden es annehmen. Andere werden doch gar nicht reingelassen, erst recht nicht nach den Verschärfungen des Asylrechts in den 90ern.
    Naja, später mehr, nun erstmal den Thread erstellen.

    2 Mal editiert, zuletzt von lynxxx ()


  • Wäre dieser Thread nicht besser unter "Religion" aufgehoben?


    XXXXhttp://www.nrc.nl/internationa…uropean_language_students

    Einmal editiert, zuletzt von Firtina () aus folgendem Grund: Spam entfernt



  • Und was die Leute betrifft, die wir nach Deutschland lassen: Das sind doch meistens Einzelschicksale, also Asylanten, die im Heimatland verfolgt werden, oder es zumindest so glaubhaft machen, dass die Behörden es annehmen. Andere werden doch gar nicht reingelassen, erst recht nicht nach den Verschärfungen des Asylrechts in den 90ern.


    Das ist nicht richtig. In Deutschland und ganz Europe tummeln sich leider jede Menge abgelehnter Asylbewerber, da dass Gesetz Einspruch auf Einspruch zulässt. Dann heißt es, das sie ja schon soundso lange in Deutschland/Europa leben, und die Guten Menschen versuchen alles, um sie im Land zu halten.

  • Das ist nicht richtig. In Deutschland und ganz Europe tummeln sich leider jede Menge abgelehnter Asylbewerber, da dass Gesetz Einspruch auf Einspruch zulässt. Dann heißt es, das sie ja schon soundso lange in Deutschland/Europa leben, und die Guten Menschen versuchen alles, um sie im Land zu halten.


    So ist eben das Rechtssystem. Wenn ein Deutscher das Recht hat einen Einspruch einzulegen dann sollte dieses Recht auch ein Asylant haben.

  • So ist eben das Rechtssystem. Wenn ein Deutscher das Recht hat einen Einspruch einzulegen dann sollte dieses Recht auch ein Asylant haben.



    Es ist an der Zeit, dass unsere Justiz die Gesetze schneller umsetzt.

  • Vor dem Gesetz ist jeder gleich, ob Asylant, Deutscher, Türke oder der Typ vom Hinterhof.


    Zumindest sollten alle vor dem Gesetz gleich sein, aber wir wissen ja alle, das der eine anders ist als der andere !!!:devil:

  • [mod]


    Ich bitte alle User beim Thema zu bleiben.


    Hier geht es um den Islam als Feindbild und nicht um irgendwelche islamistische Propaganda


    [/mod]


  • Entschuldigung, aber woher soll das Feindbild kommen, wenn nicht von solchen Aussagen?

  • Entschuldigung, aber woher soll das Feindbild kommen, wenn nicht von solchen Aussagen?


    Wenn das Feindbild dadurch entsteht, dass man irgendwelchen dubiosen Quellen glauben schenkt, dann muss ich nun wirklich an dem gesunden Menschenverstand derjenigen zweifeln, die dadurch ein Feindbild entstehen lassen.


    Aber ich habe ein paar Dinge angesprochen und ein paar Fragen an dich gerichtet. Es wäre nett wenn du diese ehrlich beantwortest.


    Beiträge wurden in den Al-Andalus-Thread verschoben.

  • Zitat von Moe von den Simpsons: "Aber jetzt mal im Ernst. Er ist Moslem also führt er was im Schilde..."

  • Früher dienten die Juden als Feindbild, heute schon alle Moslems dieser Welt. :think:


    Ohne Feindbild können die westlichen Länder nicht überleben, schade nur, das man normale Moslems in die gleiche Schublade rein steckt, da wo sich die radikalen Islamisten befinden, sehr schade finde ich diese Entwicklung. :think:


    Das es da draussen immer wieder Menschen finden lässt, der den Unterschied zwischen normale Moslems und radikale Islamisten nicht kennt, erstaunlich diese Entwicklung. :think:

  • Feindbild Islam.
    Historische und theologische Gründe einer europäischen Angst – gegenwärtige Herausforderungen


    Thomas Naumann / Universität Siegen


    (...)


    Der Fernsehsender „arte“ führte 1997 eine Befragung durch. In ihr gaben 47 % der Befragten in Deutschland an, „Angst vor dem Islam“ zu haben. Heute, Jahre später und nach den schrecklichen Terroranschlägen auf das World Trade Center und auf das Pentagon am 11. September durch islamistische Terroristen, zudem nach Terrorattacken in Djerba, Marokko, Bali, Istanbul und Madrid, nach den täglichen Bombenattentaten im Irak, dürfte der Prozentsatz derjenigen, die sich durch den
    Islam verunsichert oder unmittelbar bedroht fühlen, noch erheblich höher sein. Das zeigen alle aktuellen Umfragen.
    Achten wir genau auf die Fragestellung. Gefragt wurde nach der „Angst vor dem Islam“. Es ging nicht etwa um die Angst vor dem islamistischen Terrorismus oder vor einem radikalen Fanatismus, der vorgibt, islamisch zu sein. Dies ist bezeichnend, denn die öffentliche Meinung in Deutschland ist noch immer schnell geneigt, den gewaltbereiten Islamismus, der auch in der islamischen Welt eine moderne Erscheinung des letzten Drittel des 20. Jh.s darstellt, gewissermaßen als zwangsläufigen Ausdruck der Weltreligion „Islam“ zu verstehen. Nicht der Missbrauch einer Religion, sondern eine offenbar Angst einflößende Religion selbst mit ihrem Weltdeutungspotential insgesamt steht damit auf dem Prüfstand.
    Fanatismus, Kriege und Gewalttaten im Namen der Religion kennen wir in Europa in unserer christlichen Vergangenheit natürlich auch. Es ist noch nicht so lange her, dass erbitterte Religionskriege im Namen des Christentums geführt wurden, und noch im 1. Weltkrieg zogen Deutschen gegen Franzosen, jeder im Namen des christlichen Gottes, gegeneinander. Heute beurteilen wir solches gern als Missbrauch der christlichen Religion zu machtpolitischen Zwecken, als Widerspruch zur christlichen Botschaft der Nächstenliebe. Im Fall des Islam legen wir unwillkürlich andere Maßstäbe an. Gewalt im Namen Gottes – Fanatismus und Radikalität, Intoleranz gegen Andersgläubige, Unterdrückung der Frauen – das scheint nach europäischem Urteil geradezu zum Wesenskern der islamischen Religion zu gehören.


    (...)


    Versuchen Sie sich einen Moment vorzustellen, was es z.B. für eine muslimische Studentin an unserer Universität bedeutet, wenn ihr mit großer
    Selbstverständlichkeit in Siegen gesagt wird: deine Religion ist die Erfindung eines Lügners und im Kern gewalttätig, sie ist verantwortlich für den Terrorismus und auch sonst für alles, was sich an Demokratiedefiziten, Frauenunterdrückung und Unterentwicklungen heute mit Recht in einigen arabischen Ländern namhaft machen lässt. Dieser Generalverdacht ist es, dem sich Muslime in Deutschland ausgesetzt sehen, dies ist es, was die Begegnung im Augenblick so schwierig macht.


    (...)


    2.3. Mit dem Koran und dem Schwert gegen die Ungläubigen
    Wir kehren noch einmal zur islamischen Expansion des 7. Jh. zurück. Die
    europäischen Zeitgenossen hatten überhaupt keine genaue Kenntnis der Vorgänge, und die europäische Geschichtsschreibung blieb bis ins 20. Jh. von den Stereotypen eines aggressiven Islam bestimmt, dem es einzig darum ging, unter dem religiösen Diktat des „Heiligen Krieges“ den neuen Glauben mit Schwert und Zwang zu verbreiten. Wer nach den Wurzeln dieses Geschichtsbildes fandet, landet alsbald bei dem außerordentlich einflußreichen englischen Historiker Edward Gibbon (1737-
    1794). Gibbon lehrte in Oxford und legte unter Benutzung einiger lateinischer Quellen eine bis heute berühmte Darstellung der Frühgeschichte des Islam vor.8 Gibbon beschreibt darin, wie „Mohammed ... mit dem Schwert in der einen Hand und dem Koran in der anderen auf den Trümmern des Christentums und Roms seinen Thron errichtete.“
    Historisch gesehen ist an dieser Aussage eigentlich fast alles falsch, denn der Islam verbietet den Zwang in religiösen Dingen ausdrücklich, und sowohl Rom als auch das Christentum haben die islamische Expansion überlebt und leben in einer islamischen Mehrheitsgesellschaft bis heute. Aber Gibbons Formel ist ein Wort von elementarer Einprägsamkeit und mythischer Wucht, das die Angst nährt: Der Islam mit dem Schwert und dem Koran der Zertrümmerer des Christentums. Damit hat Edward Gibbon ein Bild entworfen, das immer wieder wiederholt und weitergeschrieben sich wie kein anderes ins europäische Unterbewusstsein gesenkt hat. So ist es kein Wunder, dass diese Vorstellung noch bis in die 80-er Jahre des 20.
    Jh.s die Darstellung der islamischen Expansion in den deutschen Schulbüchern bestimmt hat – islamische Expansion gleich Glaubenszwang.
    Wie kommen die Historiker der frühen Neuzeit zu diesem Bild, kann man fragen?
    Sie konnten sich die Ausbreitung des Islam vermutlich nur nach den Analogien der christlichen Expansion vorstellen. Das 17. Jh. hatte die äußerst gewaltsame christliche Rückeroberung des maurischen Spanien und die Christianisierung Lateinamerikas vor Augen. Es war die christliche Expansionspraxis, die den religiösen Minderheiten nicht selten nur die Wahl zwischen Zwangstaufe, Auswanderung oder Tod ließ.
    Das historisch wahrscheinliche Bild der rasanten muslimischen Expansion im 7 Jh. sieht anders aus. Die Byzantiner hatten einen Teil der orientalischen Kirchen als Häretiker hart unterdrückt, und sie hatten die jüdische Minderheit mit Zwangsbekehrungen zum Christentum bedroht. Dadurch hatten sie unfreiwillig die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung die muslimischen Heere als Befreiung vom byzantinischen Joch dankbar begrüßten, oder zumindest den neuen Machthabern aufgeschlossen gegenüberstanden.9 Die islamische Religion selbst ermöglicht trotz verschiedener Kritikpunkte ein positives Verhältnis zur christlichen und zur jüdischen Religion, denn Muhammad, der selbst sehr viel Umgang mit Christen und Juden hatte, verstand sich selbst in der
    Reihe der jüdischen und christliche Propheten und Offenbarungsträger von
    Abraham bis zu Jesus. Nach dem Koran gelten Juden und Christen nicht als
    Ungläubige, sondern als Besitzer von heiligen, geoffenbarten Schriften: der Tora und des Evangeliums. Dieser Status schließt besondere Schutzrechte mit ein, die Christen und Juden unter muslimischer Oberherrschaft gegen die Zahlung einer besonderen Steuer zwar nicht gleiche Rechte aber Rechtssicherheit und die freie Ausübung ihrer Religion ermöglichten. Christliche Kirchen und jüdische Gemeinden sind daher seit den frühesten Tagen des Islam selbstverständlicher Bestandteil der islamisch beherrschten Welt. Die islamische Expansion, so schreibt Albrecht Noth, Göttinger Orientalist und Spezialist für die islamische Frühgeschichte, in seiner einschlägigen Studie10, ging nach einigen entscheidenden Schlachten deshalb so schnell vonstatten, weil die Araber die Fähigkeit besaßen, mit der mehrheitliche christlichen und jüdischen
    Bevölkerung der eroberten Gebiete variable und flexible Verträge zu schließen, die jenen oft mehr Schutz und weniger Steuern brachten, als sie dies unter byzantinischer Oberherrschaft kannten, und darüber hinaus ihre religiöse Eigenständigkeit bewahrten. Denn die muslimischen Eroberer verzichteten auf die Zerstörung der in Besitz genommenen Länder und schonten, wenn die Machtfrage geklärt war, in der Regel die dort verwurzelten Kulturen. Auf diese Weise übte der Islam eine desto größere Anziehungskraft auf die besiegten Völker aus, unter denen es zu massenhaften Ãœbertritten zum Islam kam. Gewaltsame Bekehrungen zum
    Islam wie die Zwangstaufen im Christentum kennt der Islam nicht, auch wenn es in späteren Jahrhunderten und in manchen Krisenzeiten islamischer Oberherrschaft auch zur Unterdrückung religiöser Minderheiten gekommen ist.


    (...)


    Vollständige Quelle hier nachlesbar: Universität Siegen


    Dieser Text stammt von:

    Zitat

    Prof. Dr. Thomas Naumann


    Fachgebiet: Evangelische Theologie, insbesondere Biblische Exegese und Biblische Theologie [Altes Testament]


    Funktion: Universitätsprofessor