Betriebliche Altersvorsorge - eine Mogelpackung

  • Frau Nahles, die Spezialdemokratin, möchte die betriebliche Altersvorsorge als eine Möglichkeit der privaten Altersvorsorge verbindlicher machen, was auch immer das bedeuten soll.
    http://www.msn.com/de-de/nachr…li=AA5a8i&ocid=spartanntp
    Aber was bedeutet das eigentlich: "Betriebliche Altersvorsorge"?
    Beispielhaft mal dieses Rechenexempel der SOKA-Bau:


    http://www.soka-bau.de/soka-ba…nte_rechenbeispiel_ag.pdf


    Bevor ich das vergesse: Ein Rechenbeispiel für Arbeitnehmer habe ich noch nicht gefunden. Das wird daran liegen, dass der hier vorgeschlagene Weg einen Nettokaufkraftverlust des Arbeitnehmers verbirgt, der besser nicht der Ersparnis des Arbeitgebers hinsichtlich der sogenannten "Lohnnebenkosten" gegenübergestellt wird. Das würde die Teilfinanzierung dieser Mogelpackung doch zu offensichtlich machen.
    Nun zeigt die Tabelle aber auch so sehr schön, dass je grösser der Betrieb und je höher der AN-Anteil (werbeschön "Entgeltumwandlung" genannt), umso grösser die Lohnkosteneinsparung beim Arbeitgeber ausfällt. So fällt bei einem Betrieb mit 50 Mitarbeitern und einem Entgeltumwandlungsbetrag von 100€ ein ganzer Bruttomonatslohn weg.
    Wie von Zauberhand.
    Einfach weg.
    50 Beschäftigte arbeiten, 49 werden bezahlt.


    Der zweite Teil der Finanzierung wird aus den Beiträgen zur Sozialversicherung gespeist, was nichts weniger bedeutet, als dass die Lohnkostenersparnis des Arbeitgebers zum einen vom Arbeitnehmer und zum anderen von der Allgemeinheit getragen wird. Und weil das alles noch nicht reicht, wird in den Vorsorgebeitrag noch ein AG-Anteil eingestrickt, der wie eine Belastung aussieht, unterm Strich jedoch gar keine ist, dafür aber Steuern spart.
    Toll was!
    Friendly supported by german special democrats.


    Und die wundern sich, dass die kaum einer mehr wählt.


    Ãœbrigens sehen die Berechnungsbeispiele vergleichbarer Produkte von Versicherungskonzernen und Banken nicht anders aus. Allerorten Verlade und Mogelei. Die müssen die Bürger echt für völlig verblödet halten. Sind die das vielleicht sogar?

    3 Mal editiert, zuletzt von Müllers Esel ()

  • Und in diesem Zusammenhang ist die Vermögenssteuerregelung bzgl. Erhalt von Arbeitsplätzen, aber auch die Wahltrommelei bzgl. Parität der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu betrachten. Bald kein Arbeitsplatz mehr, der nicht vorab von allen finanziert wird/wurde.


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Lass uns noch ein wenig bei der betrieblichen Altersvorsorge verharren. Das Ding ist so dreist, da bleibt einem bei Licht betrachtet die Spucke weg. Das ist ja nun so, dass die verringerten Bruttobeträge zur Berechnung der Soz.-Vers.-Beiträge ein Minus bei den Sozialversicherungsträgern bedeutet. Zudem hat der AG noch einen Steuervorteil, der sich auch einnahmemindernd auf das Staatssäckel auswirkt.
    Mittelfristig wird sich der Staat die fehlenden Mittel woanders herholen müssen.
    Weiterhin weist bspw die Continentale Lebensversicherungs-AG darauf hin, dass die Ersparnisse bei den Sozialversicherungsbeiträgen die Leistungen aus der gesetzlichen Sozialversicherung reduzieren, ohne das dies mal genauer erläutert würde. Denn zur Finanzierung der Entgeltumwandlung wird nicht nur der RV-Beitrag geschröpft, es geht dabei auch an die anderen Sozialversicherungen (PV, AV, KV).
    Was aber hat die Arbeitslosenversicherung mit der Rente zu tun? Das kann nur auf Leistungskürzungen hinauslaufen.
    Weiterhin ist die Verwendung der Beiträge unklar. Frau Nahles (siehe Link im Eingangsbeitrag) scheint den Zugriff für Finanzjongleure wieder vereinfachen zu wollen. Das ist ein direkter Griff der Finanzindustrie in das Portemonnaie der Arbeitnehmer.
    Immerhin wissen die und werden das auch wohl nie vergessen, wo die Werte entstehen. Und genau in diese Ader muss die Nadel immer wieder hinein.

    2 Mal editiert, zuletzt von Müllers Esel ()

  • Lass uns noch ein wenig bei der betrieblichen Altersvorsorge verharren...


    Gut. Dann sollten wir aber fairerweise warten, bis ca. Oktober d. J. Näheres bekannt wird. Die betriebliche Altersvorsorge bleibt nach wie vor freiwillig, wenn ich das richtig gelesen habe. Der Arbeitnehmer muss ablehnen. Wenn er das nicht tut, ist er dabei. Um so wichtiger die Vorabinformationen. Ferner (wg. des Zusammenhangs der Sozialversicherungen) versucht Frau Nahles (bzgl. rechte Tasche – linke Tasche) die Selbständigen mit ins Boot der Rentenversicherung zu holen.
    Dass das Ding so dreist ist, wie Du sagst, ist doch, dass viele Zugeständnisse dem Arbeitgeber gegenüber gemacht werden, damit der sich als Vehikel zur betrieblichen Arbeitsvorsorge gebrauchen lässt.
    Nicht nur deshalb hätte ich gerne einen weiteren Zusammenhang betrachtet. Der Arbeitnehmer muss die Kehrseite begreifen. Frau Nahles will ja gerade die Jüngeren ansprechen. Wenn die nicht wissen, dass sie sich bei Arbeitslosigkeit, Krankheiten u. ä. ins eigene Knie schießen, wenn sie die betriebliche Altersvorsorge im üblichen Sinne betreiben, müssen sie informiert werden. Wenigstens.


    Frdl. Grüße
    Christiane

    Einmal editiert, zuletzt von Meinungsbaum ()

  • .... Frau Nahles will ja gerade die Jüngeren ansprechen. Wenn die nicht wissen, dass sie sich bei Arbeitslosigkeit, Krankheiten u. ä. ins eigene Knie schießen, wenn sie die betriebliche Altersvorsorge im üblichen Sinne betreiben, müssen sie informiert werden. Wenigstens.


    Genau das mache ich. Der Vater eines meiner Mitarbeiter ist Versicherungskaufmann im Auftrag der Continentale und versucht mir das Teil unterzujubeln. Junior ist ein sehr treues Schaf, ein guter Handwerker, aber rezeptfrei uneingeschränkt gutgläubig. Das Angebot, das der Mann nun vorgelegt hat, hätte mich im Falle von Anwandlungen meines Vaters in dieser Richtung dazu veranlasst, meinen Vater mit einem Stück Kantholz in der Hand durch das Dorf zu treiben. Da wird man Zuschauer während ein Vater seinen Sohn nach Strich und Faden verarscht. Nicht lustig. Und wie schwer es Argumente gegen Emotionen haben, das muss ich wohl nicht weiter erläutern.
    Ich bin jedenfalls mit dem Vater in schriftlichen Kontakt übergegangen und hab dem erstmal sein Angebot verrissen mit der Bitte, meine Fragen bzgl seines Finanzproduktes zu beantworten.
    Weiterhin habe ich direkt an Frau Nahles geschrieben, an den Europaabgeordneten unseres Wahlbezirks Jens Geier und auch an die Gemeindefraktion vor Ort. Weiterhin habe ich die Möglichkeit, in einem regionalen Forum zu schreiben sowie gezielt Seiten auf Facebook anzusteuern.
    Außerdem sind noch Leserbriefe an die überregionale Presse möglich. Ich setze auf Streuung. Natürlich bezieht das auch die politischen Gegner ein, wie die Versicherer und Banken direkt anzusprechen, wobei da die Gefahr besteht, dass die mir permanent Call-Center-Agenten auf den Hals hetzen werden, um mir irgendwelche Beratungsgespräche aufzuschwatzen. Aber das muss ich wohl in Kauf nehmen.
    Die Antworten werde ich hier mitteilen.

  • Eine erste Reaktion von der Jugendorganisation der IG BAU liegt mir vor. Die Vertreterin konnte sich meine Bedenken nicht erklären. Daraufhin bin ich weiter ins Detail gegangen. Bin mal gespannt, ob dort meine Bedenken geteilt werden, immerhin hat die IG BAU bei der SOKA Bau die Finger mit drin.

  • Weil sie es wirklich nicht versteht?


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Ja, scheint so. Ich bin einigermaßen erstaunt, denn ich habe das noch ausführlicher dargestellt als oben im Eingangsbeitrag. Im Augenblick habe ich aber kaum Reaktionen erhalten, liegt aber auch daran, dass jetzt Urlaubszeit ist. Dauert wohl noch etwas.
    Aber bald lege ich nach.

  • ...Im Augenblick habe ich aber kaum Reaktionen erhalten, liegt aber auch daran, dass jetzt Urlaubszeit ist. Dauert wohl noch etwas.
    Aber bald lege ich nach.


    Hast Du mal überlegt es den Nachdenkseiten zu schicken ? Die Rente und die private Altersvorsorge ist doch eines von deren Hauptthemen und sie erreichen eine große Öffentlichkeit.

  • Hast Du mal überlegt es den Nachdenkseiten zu schicken ? Die Rente und die private Altersvorsorge ist doch eines von deren Hauptthemen und sie erreichen eine große Öffentlichkeit.


    Gute Idee. Das mach ich.

  • Wenn ich irgendwie helfen (auf irgendeine Art) kann, sprich mit mir. Ich mach insofern alles mit.


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Wenn ich irgendwie helfen (auf irgendeine Art) kann, sprich mit mir. Ich mach insofern alles mit.


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Die Sache scheint nicht das Anliegen zu sein, sondern die Aufmerksamkeit für das Anliegen. Scheint egal zu sein.
    Idee?

  • Die Sache scheint nicht das Anliegen zu sein, sondern die Aufmerksamkeit für das Anliegen. Scheint egal zu sein.
    Idee?


    Ich "mach" mich an unsere Betriebsräte und Hausgewerkschaften ran. Mal gucken, ob die ein bisschen über den jeweiligen Tellerrand schauen.


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Betriebsrente – Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte nicht die IG Metall, Andrea Nahles und die CDU



    http://www.nachdenkseiten.de/?p=34312
    So wird das nix. Wenn ich keine Rezepte habe, die den Menschen nutzen, stelle ich keine aus. Denke ich.
    Das, was die Gewerkschaften unterstützen, ist Verdummung. Sie geben ihren guten Namen dafür her, um die Arbeitnehmer zu veralbern und tun so, als liefe das System Betriebsrente neutral und zusätzlich zu der gesetzlichen Absicherung. Sie weisen den Arbeitnehmer nicht darauf hin, dass letztere geschwächt wird und dass sich die Folgen im Krankheitsfall zum Negativen ändern. Aber das hat Müllers Esel weiter oben schon geschrieben.
    Wir können wohl nur im privaten Umfeld dagegen „schießen“.


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Bei mir ist bislang keine einzige Reaktion mehr eingegangen. Ich mach das wie Wieben das mal vorgeschlagen hat. Bei der nächsten Wahl konfrontiere ich die Parteisoldaten an ihren Ständen damit.

  • Es ist echt ein schlechter Witz:
    Einer meiner Mitarbeiter, Vater arbeitet bei der Continentale, will das jetzt unbedingt machen. Es ist echt schwer, gegen Emotionen zu argumentieren.
    Der Junge (Dachdeckerhelfer) hatte im Juni ein Brutto von 2144,72€. Der Anteil an SV-Beiträgen beläuft sich auf 443,41€.
    Die Lohnkosten für mich belaufen sich also auf 2144,72€ + 443,41€ = 2588,13€


    Nun sollen 100,00€ Entgelt umgewandelt werden. Davon 75,00€ AN-Anteil und 25,00€ "AG-Anteil".
    Warum die Gänsefüßchen?
    Weil der AG-Anteil nur ausgewiesen wird, um ihn gewinnmindernd in der Steuererklärung geltend machen zu können. Für den AN ist das uninteressant. Das für ihn Interessante merkt der gar nicht. Denn die 100€ Entgeltumwandlung werden vor SV-Abzug von den 2144,72€ abgezogen und vermindern so den Basiswert für die Berechnung der SV-Beiträge.
    Aus den bekannten Zahlen ergibt sich ein SV-Anteil von 20,67%. Bezogen auf um 100€ verminderte 2044,72 ergibt sich daraus ein SV-Abzug in Höhe von 422,64€, auch beim AG-Anteil.
    Ich bezahle also künftig nicht mehr für einen solche Abrechnung 2144,72€ + 443,41€, sondern nur noch 2144,72€ + 422,64€, also 20,77€ weniger. Das macht eine jährliche Ersparnis von 249,24€ aus. Zusätzlich werden die als "AG-Anteil" deklarierten 25€ auf die Steuer gewinnmindernd angerechnet. Es stehen also bei 300€/Jahr also auch noch um die 60€ Steuerersparnis ins Haus.
    Ich werde das dem Mitarbeiter morgen noch einmal so vorrechnen, wenn ich damit keinen Erfolg habe, dann werde ich mich höflich bedanken für eine Lohnkosteneinsparung in Höhe von 310€/Jahr.
    Das Ding ist ein Erfolgsteil für jeden Unternehmer.
    Der Witz, der schlechte: Weder der AG noch die Versicherungsgesellschaft gehen irgendein Risiko ein. Der einzige, der riskiert, ist der AN. Und sowas unterstützt die SPD und die Gewerkschaften jubeln auch. Nicht zu fassen!


  • Der Artikel ist sehr gut durchdacht. Mir schwant aber nun auch, warum es so wenig Reaktionen auf meine E-Mails gibt.

  • So, jetzt habe ich an "Monitor" geschrieben. Irgendjemanden wird das schon interessieren.

  • Es tut sich etwas:
    Der Gemeinderatsvorsitzende der SPD an meinem Wohnort hat mir auf meine zweite Anfrage folgendes geantwortet:

    Zitat

    Sehr geehrter Herr XXXX
    Sie irren in der Annahme, an dem aufgeworfenen Thema sei mir nicht gelegen. Aber akzeptieren Sie bitte, dass ich hier XXXX als Kommunalpolitiker tätig bin und kein Bundespolitiker bin, Ihre Frage wäre daher sicher bei Frau Dr. Hendricks besser aufgehoben. Gleichwohl habe ich bereits begonnen, zu recherchieren und hoffe Ihnen zu gegebener Zeit eine angemessene Antwort geben zu können.



    Freundliche Grüße
    XXXX


    Den Namen von Frau Hendricks habe ich nicht geickst, weil sie für unseren Wahlkreis im Bundestag sitzt und als Bundestagsabgeordnete eine Person des öffentlichen Lebens ist, so wie bspw Frau Nahles, deren Name hier auch keiner unkenntlich machen würde. Dem Gemeindemann habe ich folgendes geantwortet:


    Die hier erwähnten Klarnamen betreffen ebenfalls Personen des öffentlichen Lebens (Europa- und Bundestagsabgeordnete) und sind deshalb nicht unkenntlich gemacht. Frau Dr. Hendricks hat jetzt auch Post.