Betriebliche Altersvorsorge - eine Mogelpackung

  • z. B. für uns, meine Frau und mich selbst. Für sehr viele Leute, die vorsorgen und sich nicht auf eine unsichere "Normal"-Rente verlassen wollen. ....


    Es geht mir persönlich darum, die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund ist die selektive Bevorzugung nicht zu akzeptieren.

  • Es geht mir persönlich darum, die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen zu hinterfragen. Vor diesem Hintergrund ist die selektive Bevorzugung nicht zu akzeptieren.



    Wie meinen Sie das, "selektive Bevorzugung"? Durch eine freiwillige Beteiligung und Einlagen in eine Betriebsrente? Millionen AN machen das. Ähnlich wie das Ansparen über einen Bausparvertrag oder auch Lebensversicherungen. Was daran wäre "selektive Bevorzugung"?

  • Wie meinen Sie das, "selektive Bevorzugung"? Durch eine freiwillige Beteiligung und Einlagen in eine Betriebsrente? Millionen AN machen das. Ähnlich wie das Ansparen über einen Bausparvertrag oder auch Lebensversicherungen. Was daran wäre "selektive Bevorzugung"?


    bav-Verträge schwächen die Einnahmeseite der staatlichen Sozialversicherung und betreffen damit auch jene, die von diesem Vorsorgekonzept ausgeschlossen sind. Zudem sind die unmittelbaren Verteilungsergebnisse solcher Verträge kritisch zu betrachten, vor allem hinsichtlich der Vorteile für Arbeitgeber.


  • Auch Rürupp und Betriebsrenten sind eine Krücke!


    Nein, die sind purer Beschiss des Versicherten zugunsten der Versicherungswirtschaft. Die einzige Person, die mit Riester- und Rürup-Verträgen Gewinn macht, ist der Versicherungsvertreter, der einem den Vertrag andreht! Der kriegt dafür nämlich eine fürstliche Provision!



    Die Folge: Viel zu wenige zahlen ausreichend in staatliche Rente, Riester, Rürupp ein - wir generieren ein Altersarmutsrisiko!


    Alle zahlen zu wenig in die gesetzliche Rente ein, das stimmt. Wer aber in Riester- oder Rürup-Verträge einzahlt, muss mindestens 90 werden, um seine eingezahlten Beiträge wieder raus zu haben. Um nur die Inflationsrate abzudecken, muss er schon Heesters mit Nachnamen heißen. Zudem werden die paar Euro, die monatlich bei Riester und Rürup rumkommen, vollständig auf Sozialleistungen angerechnet. Hätten die Betroffenen statt in Riester- oder Rürup-Verträge einen entsprechend höheren Rentenbeitrag gezahlt, würde sich dagegen bei sehr vielen die Frage nach Sozialleistungen im Alter nicht stellen.



    Und: Dennoch zahlen die Betriebe viel mehr als nur die staatlichen Renten - sie zahlen auch für private Renten und Betriebsrenten.


    Die Betriebe zahlen gar nichts für die Renten Ihrer Arbeitnehmer. Ein Unternehmen hat Kosten für jeden Arbeitsplatz, in denen auch sämtliche Kosten für den benötigten Arbeitnehmer enthalten sind. In wie viele Stückchen dieser Anteil gegenüber den Arbeitnehmer zerteilt wird, ist dabei völlig unerheblich. Wenn einige Gehaltsbestandteile durch gesetzliche Mogelpackungen größer werden, dann sinken halt andere Gehaltsbestandteile. Den Gehaltsbestandteil Betriebliche Altersrente Arbeitgeberzuschuss bezahlt der Arbeitnehmer genau allein wie die Gehaltsbestandteile Arbeitgeberanteil zu den Sozialversicherungen. Die Endsumme wird einfach nur anders aufgeilt, sonst passiert nix.



    Und: Die einzelnen Menschen zahlen auch mehr, als den Anteil für die gesetzliche Rente - auch der einzelne Arbeitnehmer zahlt zusätzlich für Riester und andere Formen wie denen der Betriebsrente.


    Die einzelnen Menschen zahlen sehr viel mehr als "ihren" Anteil für die gesetzliche Rente. Das fängt damit an, dass die einzelnen Menschen schon immer den gesamten Beitrag für die gesetzliche Rente allein bezahlt haben, siehe oben. Mit diversen Reformen wurde das Sozialsystem massiv verkompliziert, mit dem Ziel, den Gehaltsbestandteil Arbeitgeberanteil zu den Sozialversicherungen möglichst unauffällig ersatzlos zu streichen, was einer massiven Gehaltskürzung gleichkommt. Denn der Gehaltsbestandteil Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung fällt ja nicht nur ohne jede Kompensation für den Arbeitnehmer weg und verringert die Bezahlung jedes Einzelnen signifikant. Dazu kommt, dass der Einzelne von seinem massiv gekürzten Lohn oder Gehalt noch einmal die gleiche Summe aufbringen muss, um die Beiträge fortan selbst zu zahlen. Auch wenn wir uns derzeit noch im zeitlich langgezogenen Ãœbergang befinden, der in der Hoffnung so gestaltet wurde, dass der Einzelne sich langsam daran gewöhnt und nicht merkt, was eigentlich passiert. Also wie ein Frosch reagiert, der sich im Kochtopf freut, dass das Wasser immer wärmer wird und nicht merkt, dass er gekocht wird. Die Kosten für die Sozialversicherungen werden auf diese Weise für den Einzelnen also schon locker verdreifacht, nur eben nicht auf einen Schlag, damit es nicht so weh tut, dass all die Einzelnen sich zusammen tun und einen Aufstand proben.


    Darüber hinaus soll der Einzelne noch mit Beiträgen in Konstrukte wie Riester-, Rürup oder die gemeine Lebensversicherung etc. die Versicherungs- und Finanzbranche subventionieren. Wobei es bei Riester- und Rürup-Verträgen sicher ist, dass der Einzelne nichts davon hat, und auch die Zeiten längst vorbei sind, in denen sich eine gemeine Lebensversicherung lohnen konnte. Die einzige Altersabsicherung, die für den Einzelnen sinnvoll ist, nämlich die gesetzliche Rentenversicherung, will man gerade schrittweise abschaffen.



    Was wäre meine Konsequenz: weg mit Riester, weg mit Rürupp, und hin zu einem höheren Beitrag zur gesetzlichen Rente nach dem Umlagesystem - dafür aber auch wieder höhere Leistungen aus der Rente.
    Warum machen wir das nicht so?


    Weil die Versicherungs- und Finanzbranche eine starke Lobby hat und viele Frühstücksdirektoren-Posten für willfährige Politiker bereithält. Die auch von den Beiträgen der Versicherten bezahlt werden. Mit einer starken gesetzlichen Rentenversicherung können die Versicherungsunternehmen nicht genügend Altersvorsorgen jeder Art verkaufen, um weiterhin jedes Jahr Rekordgewinne einzufahren. Ok, in der "Krise" waren die Gewinne vielleicht mal etwas geringer, zur Kompensation sind aber die Vorschriften zur Entwicklung der Gewinnanteile etc. bis nahe an die Abschaffung verwässert worden. Daran wird auch kaum wieder etwas ändern, wenn die "Krise" vorbei ist. Wobei es im ureigenen Interesse von Versicherungs- und Finanzbranche ist, die "Krise" so lange wie irgend möglich aufrecht zu erhalten, und damit auch im Interesse vieler Politiker.


    Wer sich aber darauf verlassen kann, eine ausreichende gesetzliche Rente zu erhalten, um davon leben zu können, lässt sich nicht so leicht von den Versicherungsvertretern über den Tisch ziehen, sondern investiert sein Geld lieber in Anderes, sei es nun in andere Anlage oder in ein schöneres Leben.

    Einmal editiert, zuletzt von SPr ()

  • z. B. für uns, meine Frau und mich selbst. Für sehr viele Leute, die vorsorgen und sich nicht auf eine unsichere "Normal"-Rente verlassen wollen. Ich habe das vor vielen Jahren einmal durchgerechnet und mit anderen Modellen verglichen (Lebensversicherung, Bausparvertrag, etc.). Für die Betriebsvorsorge unsererseits ergaben sich die deutlich besten Ergebnisse. Wenn man natürlich am Ende dennoch auch von diesen verschaukelt werden könnte, mit welchem anderen Konzept aber erlangt man ein "mehr" an Sicherheit? Sagen Sie's mir.


    Ich weiß, dass Sie kein Freund dieser Modelle sind. Aber die sind auch nicht alle gleich konzipiert.


    Seit Ihren Berechnungen "vor vielen Jahren" haben sich die Begleitumstände signifikant verändert. Sie sollten unter Berücksichtigung dieser Veränderungen heute noch einmal neu rechnen. Aber Vorsicht, das Ergebnis könnte Ihr Weltbild zerstören.

  • bav-Verträge schwächen die Einnahmeseite der staatlichen Sozialversicherung und betreffen damit auch jene, die von diesem Vorsorgekonzept ausgeschlossen sind. Zudem sind die unmittelbaren Verteilungsergebnisse solcher Verträge kritisch zu betrachten, vor allem hinsichtlich der Vorteile für Arbeitgeber.


    Ich nehme einmal an, dass Sie Ihren kritischen Blick vornehmlich auf den zuerst erwähnten Aspekt gelegt haben. Den kann ich sozial betrachtet auch nachvollziehen. Aber was soll der einzelne Mensch heutzutage bei bestehenden Realitäten tun, wenn er alljährlich durch die automatisiert zugesendeten Renten-Prognosen als Renter absehbar zumindest in die vergleichsweise Rentenarmut gerät, gegen die der Einzelne ausschließlich selbst etwas unternehmen kann? Wollen Sie einzelne Alternativen etwa politisch verbieten und damit zugleich auch Millionen von AN, die diese Alternative meist aus guten Gründen aus individueller Sicht wählen und denen sie zugänglich sind, schaden, indem Sie aus rein politischen Gründen eine Einheitsform erzwingen wollen, die manchen möglicherweise hilft und anderen erheblich schadet?

  • Eine Mehrfachkassiererei wird nun am 25. d. M. im Bundestag besprochen. Die Betriebsrenten werden bei Auszahlung mit Krankenkassenbeiträgen (und zwar zur Gänze) belegt, obwohl man als Arbeitnehmer seinen Beitrag bei Einzahlung bereits geleistet hat.
    Wir dürfen gespannt sein auf die Argumentation, diesmal wieder nicht daran zu rühren. Die Flüchtlinge? Mal sehen, ob es auch so beim Namen genannt wird.
    Jedenfalls so wie es jetzt gehandhabt wird, ist es schwerlich zu vermitteln, dass die Arbeitnehmer zusätzlich vorsorgen sollen mit dem Einstieg in Betriebsrentenmodelle, ohne sich obendrein in puncto Pflichtkrankenkassensystem noch mehr vereimert vorzukommen, meine mit Herrn Schupelius
    https://www.bz-berlin.de/berli…erarbeiten-altersvorsorge
    auch ich.


    Frdl. Grüße
    Christiane


  • Jedenfalls so wie es jetzt gehandhabt wird, ist es schwerlich zu vermitteln, dass die Arbeitnehmer zusätzlich vorsorgen sollen mit dem Einstieg in Betriebsrentenmodelle, ohne sich obendrein in puncto Pflichtkrankenkassensystem noch mehr vereimert vorzukommen, meine mit Herrn Schupelius
    https://www.bz-berlin.de/berli…erarbeiten-altersvorsorge
    auch ich.


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Nun,
    angesichts der auch auf diesem Gebiet betriebenen Politik der letzten Jahrzehnte ( Unternehmen auf Teufel komm raus entlasten,diese Lasten aber einseitig auf die abhängig Beschäftigten abladen) wird da wohl nicht der Hauch einer Änderung dieser Pläne zu erwarten sein.
    Der kleine Arbeitnehmer hat's doch,oder:die Masse macht's.