Religion als Instrument

  • Und genau an diesem Punkt sind wir definitiv nicht einer Meinung.
    Wäre dem so, könnte ich jeden beliebigen Sinn einfach definieren - die Abwesenheit eines übergeordneten Sinns schließt mit ein, dass jeder lokale Sinn kaum mehr als jeder lokale Unsinn ist. Es ist und bleibt beliebig.


    Ist alles beliebig, kann ich alles rechtfertigen - sogar solche Dramen wie den Holocaust.

    Das ist natürlich Unsinn, denn es ist eben nicht alles beliebig. Du vergisst beiläufig, dass wir Menschen, wie biologisch-chemisch unsere Bestandteile auch sein mögen und wie wenig höherer Sinn uns innewohnt, eine Gesellschaft bilden, die nicht beliebig, sondern nach Regeln funktioniert (wie alle Tiere in ihrer Art) und sich nur durch diese Regeln zu dem entwickelt hat, was sie ist. Dazu gehört natürlich auch, dass Menschen, wie andere Tiere, ihre eigene Art schützen, und wenn sie es nicht tun, dann ist das eine Entartung.


    Man könnte darüber spekulieren, ob die Massenmorde der Moderne darauf hinweisen, dass wir inzwischen zu viele Menschen sind und die Morde eine Art Regulierung sind. Da aber Menschen sich schon zu Zeiten, als jede Gruppe noch viel Platz hatte, gegenseitig die Schädel eingeschlagen haben, muss irgendwas im Menschen eine Fehlentwicklung sein, die ihn als Art irgendwann völlig vernichtet, beispielsweise durch eine Atombombe.


    Erstaunlich, dass Du den Holocaust als Beleg für einen höheren Sinn anführst. Würden wir funktionieren, wie wir als Hominide angelegt sind, hätte es keinen Holocaust gegeben.

  • Das ist natürlich Unsinn, denn es ist eben nicht alles beliebig. Du vergisst beiläufig, dass wir Menschen, wie biologisch-chemisch unsere Bestandteile auch sein mögen und wie wenig höherer Sinn uns innewohnt, eine Gesellschaft bilden, die nicht beliebig, sondern nach Regeln funktioniert (wie alle Tiere in ihrer Art) und sich nur durch diese Regeln zu dem entwickelt hat, was sie ist. Dazu gehört natürlich auch, dass Menschen, wie andere Tiere, ihre eigene Art schützen, und wenn sie es nicht tun, dann ist das eine Entartung.


    Man könnte darüber spekulieren, ob die Massenmorde der Moderne darauf hinweisen, dass wir inzwischen zu viele Menschen sind und die Morde eine Art Regulierung sind. Da aber Menschen sich schon zu Zeiten, als jede Gruppe noch viel Platz hatte, gegenseitig die Schädel eingeschlagen haben, muss irgendwas im Menschen eine Fehlentwicklung sein, die ihn als Art irgendwann völlig vernichtet, beispielsweise durch eine Atombombe.


    Erstaunlich, dass Du den Holocaust als Beleg für einen höheren Sinn anführst. Würden wir funktionieren, wie wir als Hominide angelegt sind, hätte es keinen Holocaust gegeben.




    Du ignorierst in deiner Argumentation den Aspekt der Zeit und den Aspekt der anderen Dimensionen.


    Das Universum gibt es seit knapp 14 Mrd. Jahren. Leben auf der Erde gibt es knappe 4 Milliarden Jahre.
    Stimmen die Theorien, nach denen sich das Universum bis in alle Ewigkeit ausdehnt, ist der Zeitraum in dem ein Leben überhaupt möglich ist, gegenüber der Unendlichkeit ziemlich unbedeutend. Warum sollte es da wichtig sein, dass ein paar besondere Molekülketten auf einem zufälligen Planeten irgendwo im Nirgendwo die Fähigkeit entwickelt haben, sich selbst mit nur geringen Fehlern zu reproduzieren?


    Gleiches gilt für die anderen Dimensionen - wenn sich alles bis ins unendliche verteilt und immer weiter verteilt, ist räumlich einfach die meiste Zeit und die meiste Entfernung nichts.


    Man kann sich klarmachen: Entwickelt sich das Universum hingegen zurück zu einem weiteren Massepunkt, gilt auch wieder, dass - bezogen auf das Ganze - der kleine Tripp der Willkür mit sich selbst reproduzierenden Molekülen ziemlich irrelevant.



    Ein wichtiger Aspekt in dem Kontext ist noch, dass Sinn immer nach einem WOZU oder WOFÃœR verlangt. Man muss die Frage nach dem WARUM stellen können, und es muss darauf eine Antwort geben (auch wenn wir die nicht kennen müssen).


    Das Problem in deiner Argumentation ist nun, dass du bei einem zeitlich befristeten Sinn ausserhalb der zeitlichen Befristung gerade keinen Sinn mehr hinbekommst. Wenn es keine sich selbst reproduzierenden Molekülketten mehr gibt, wird es schwer, der kurzen Phase in der es diese Laune der Natur gab, mit einem Sinn zu behaften. Welcher sollte das sein, wenn das Universum insgesamt - so deine Aussage - ja sinnfrei bleiben soll.


    Was ich umgekehrt gerne zugestehe: Selbst wenn das Universum einen Sinn hat, muss das noch lange nicht bedeuten, dass die Menschheit was mit diesem Sinn zu tun hat.....die Menschheit könnte dennoch nur ein Abfallprodukt sein, was wenig relevant ist.....

  • Ach du lieber Marx; was habe ich denn hier losgetreten! :-0 Grundgütiger Marx! Und dann habe ich auch noch ein paar Absätze bzw. Zeilen übersehen und nicht richtig voneinander getrennt, und jetzt ist es zu spät. :-P Das sieht blöööd aus. Eines Redwings unwürdig. :-(


    Das ist gar nicht die Kernfrage! Die eigentliche Kernfrage ist, ob das alles - also das Leben, das Universum und der Ganze Rest - einen Sinn machen, oder nicht.
    Nehmen wir an, alles macht keinen Sinn - dann macht faktisch auch ihr Beitrag keinen Sinn. Und nicht nur der - alles was sie bisher jemals getan haben, ist sinnfrei. Sie sind dann ein Produkt des Zufalls - und das Verhalten des IS ist nicht richtiger oder falscher als ihr Verhalten. Alles ist sinnfrei - alles ist beliebig - alles können sie rechtfertigen.


    Aber, aber zum Sinn des Lebens hab ich doch längst AUCH noch was parat, und das sogar hier: http://www.politopia.de/thread…ebens?p=588369#post588369! ;-D


    Im Grunde ist tatsächlich alles sinnlos, und von daher ist der einzig sinnvolle Sinn, den man sich lassen oder geben kann, der, möglichst oft happy zu sein und sich nicht zu sehr zu stressen. ;-)


    Zitat

    Kein einziger ihrer Gründe spricht wirklich gegen die Existenz eines Gottes. Allenfalls sprechen die Punkte für die Begrenztheit ihrer Vorstellungskraft. Nur - denken sie allen Ernstes, dass ein Gott, der ein Universum erschaffen hat, von ihnen mit ihrem begrenzten Gehirn und ihren begrenzten denkerischen Möglichkeiten ganzheitlich erfasst werden kann?


    Ihr Versuch, Religion einfach wegzudiskutieren, ist mit diesem Satz schon seit Jahrzehnten bewiesenermaßen obsolet! Sie können nicht beweisen, dass es keinen Gott gibt! ...


    Nee, nee, nee, davon abgesehen, daß ich sehr wohl gute Punkte, die gegen die Existenz solch eines Ãœberwesens sprechen, angeführt habe, muß derjenige, der eine Behauptung/These aufstellt, für gewöhnlich die Beweise liefern und weniger der, der das anzweifelt. Und wo ist auch nur ein einziger wirklich fundierter Beweis für die Existenz eines Gottes? Ich meine, da kann ja jeder kommen und sich jeden Scheiß ausdenken und sagen, er/sie glaubt dran. Ja, bitte, wer's braucht, aber ob das dann so rational ist und im krassesten Falle sogar ganze Heerscharen in den Krieg treiben sollte, etc.... 8-) Und was schränken die Leute sich oft ein für ihre Religion, ey. Unglaublich - im wahrsten Sinne wohl. ;-D


    Zitat

    Sie können auch nicht beweisen, dass es keinen Sinn gibt. Sie können dies jeweils nur glauben - nur - egal ob sie glauben, dass es einen Gott gibt, oder ob sie glauben, dass es keinen gibt - inhaltlich sind sie auf derselben Ebene unterwegs! Machen sie sich das klar!


    Doch, ich beweise das in dem anderen Text - und was der einzige verbliebene Sinn als Konsequenz daraus ist. ;-) Wir brauchen quasi die realistische Religion des Lebens, wo sich keiner mehr vertrösten läßt.


    Und überhaupt schreist du hier ziemlich viel rum; du scheinst ein getroffener Gläubiger zu sein, der sich krampfhaft an ein Märchen klammert, ganz so, wie ich es im Text beschrieb. 8-) Denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf.


    Oh, und ich finde, GERADE wenn schlechte Zeiten herrschen - also der Normalzustand im Kapitalismus für die Massen -, sollte man die Existenz eines (guten bzw. einflußreichen) Gottes anzweifeln, denn wo ist er denn gewesen? Und wenn er sich nicht kümmert, warum sich dann um IHN scheren?


    Soll ich euch mal was verraten: Ich hab manchmal da draußen in der Natur schon, wenn ich wütend war und auf Krawall gebürstet, den Blick kühn und trotzig nach oben gewandt und aus Spaß "Gott" zum Duell herausgefordert. "Komm hier runter und stell dich mir im Mortal Kombat!", hab ich gerufen! ...Aber er hat sich nie getraut. 8-D


    Rotinquisitor over - der Unglaube ist ausgebrochen in Politopien; wenn das der Erdogan sieht! :-0

    2 Mal editiert, zuletzt von Redwing ()

  • Nee, nee, nee, davon abgesehen, daß ich sehr wohl gute Punkte, die gegen die Existenz solch eines Ãœberwesens sprechen, angeführt habe, muß derjenige, der eine Behauptung/These aufstellt, für gewöhnlich die Beweise liefern und weniger der, der das anzweifelt. Und wo ist auch nur ein einziger wirklich fundierter Beweis für die Existenz eines Gottes? 0


    Sehen Sie, auch Sie können weder beweisen noch das Gegenteil tun. Insofern stellt Ihre Erwiderung keine Ergänzung oder Bereicherung für die Diskussion darüber dar.
    Sie sind kein Pragmatiker, richtig? In erster Linie von Ihren „philosophischen Lichtgängen“ überzeugt und inspiriert, richtig?

  • So einfach ist das nicht. Wenn alle Menschen an Gott glauben und nach den Geboten, die sie ihm zusprechen, handeln, ist es so, als ob es ihn gäbe. Eine solche Als-Ob-Existenz muß man den diversen Göttern schon zusprechen, losgelöst von ihrer realen Nicht-Existenz.


    Religion ist eine legitime, aber möglicherweise historisch überholte Methode des Menschen, sich die Welt als menschliche anzuverwandeln. Und mit dem Problem dessen, was Novalis "mundane Kontingenz", also die erschreckende Erkenntnis, daß das Universum keinerlei Interesse am Menschen hat, genannt hat. Ein Gott nämlich kann keiner sein, wenn ihm nicht wenigstens ein rudimentäres Interesse an seinen Gläubigen, den Menschen, zugesprochen werden kann. Dieses zugesprochene Interesse macht den Menschen zum Auserwählten des Universums und Gottes und hebt ihn aus seiner möglicherweise völlig belanglsoen Existenz heraus.


    Aber Religion ist noch ein zweites. Sie gibt nämlich Regeln vor für das Zusammenleben der Menschen. Das Deuteronomium und die Bergpredigt sind solche Regelwerke, von deren Erfüllung man sich die Befriedung der Menschen erhofft. Aber leider hat die Befolgung der Zehn Gebote, der Bergpredigt und daß Gott seinen eigenen Sohn für die Menschen opferte, nie genügt, die Welt besser zu machen. Wie auch der Koran nicht. Sie sind nie verwirklicht worden und blieben immer das hohe Ideal in den Wolken.


    Das ist vielleicht die Tragik der Moderne. Es gibt keinen Gott - ich bin Atheist und davon überzeugt -, aber eigentlich brauchen wir ihn. Und wenn nur für die Seelenpein des Kirillows in Dostojewskis "Die Dämonen", der sagt, daß Gott auch nichts anderes sei als der Versuch des Menschen, zu leben, ohne sich eine Kugel durch den Kopf schießen zu müssen. Kirillow überlebt diesen Versuch nicht, er erschießt sich fünfzig Seiten später.


    Anouk, bitte ernsthaft antworten. Dein Gepflaume paßt hier nicht.

    Einmal editiert, zuletzt von Anakoluth ()

  • Für mich gibt es zwei Deutungen von "Gott" bzw. Religion:


    Zum einen "Gott" als Begriff für alle Einflüsse, die wir (noch) nicht verstehen. Und vielleicht wäre es auch nützlich, hier Alles als mit Allem verbunden zu begreifen. Denn alles, was wir tun, hat Folgen. Nicht gleich vielleicht und möglicherweise auch nicht direkt vor unserer Nase, aber irgendwo und irgendwann.


    Momentan stellt man z.B. fest, das man mit Gedanken physiologische Vorgänge beeinflussen kann. Die Anfänge dieses Phänomens war der Placeboeffekt. Mittlerweile gibt es viele Versuche zum Thema mit eindeutigen Ergebnissen. Erklären kanns aber bisher niemand. Offensichtlich gibt es also Energien mit handfesten Wirkungen, die man (noch) nicht messen kann.


    Davon zu unterscheiden ist die schon erwähnte Auffassung, dass die Religionen immer auch menschengemachte Regelwerke für das Zusammenleben waren und sind. Als solche aber natürlich auch anfällig für den "Zahn der Zeit", wenn sie sich nicht weiterentwickeln.


    Zweiteres ist mittlerweile in vielen Gesellschaften überholt, da hier der Staat passendere Modelle vorzuweisen hat. Ersteres, verbunden mit einer gewissen Demut dem Gegenüber, was wir noch nicht wissen und einer persönlichen Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln, aber auch Denken, das denke ich, würde uns allen guttun.


    Ob der Name dafür dann "Gott" ist - was spielt das für eine Rolle?


  • Zweiteres ist mittlerweile in vielen Gesellschaften überholt, da hier der Staat passendere Modelle vorzuweisen hat. Ersteres, verbunden mit einer gewissen Demut dem Gegenüber, was wir noch nicht wissen und einer persönlichen Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln, aber auch Denken, das denke ich, würde uns allen guttun.


    Ob der Name dafür dann "Gott" ist - was spielt das für eine Rolle?


    Der transzendentale Charakter, der ein Universal-Ãœberwesen/Gott als Erschaffer und Sinngeber allen Seins suggeriert, macht den Unterschied. Die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering, ausschließen kann ich eine solche Existenz allerdings auch nicht. Tendenziell aber finde ich zu weitgehend deckungsgleichen Schlüssen wie Anakoluth, denn es spricht mehr dagegen als dafür, dass es ein solches Ãœberwesen gibt.
    Und sämtliche Regelwerke, aus welcher Hand auch jeweils vorgegeben, sind zu Makulatur geworden und wurden nicht realisiert, immer war es nur eine Frage der Zeit.

  • Ein wichtiger Aspekt in dem Kontext ist noch, dass Sinn immer nach einem WOZU oder WOFÃœR verlangt. Man muss die Frage nach dem WARUM stellen können, und es muss darauf eine Antwort geben (auch wenn wir die nicht kennen müssen).

    Man muss die Frage nach dem WARUM nicht stellen, wenn man davon ausgeht, dass es kein WARUM gibt. Auch wenn Menschen meinen, es müsse einen Sinn und für alles eine Erklärung geben, dann heißt das nicht, dass dem tatsächlich so ist.


    Das macht unser Dasein aber nicht beliebig. Denn wir sind ja da (warum auch immer!) und sollten dieses Dasein zu allseitiger Zufriedenheit gestalten.


    Zitat

    Das Problem in deiner Argumentation ist nun, dass du bei einem zeitlich befristeten Sinn ausserhalb der zeitlichen Befristung gerade keinen Sinn mehr hinbekommst. Wenn es keine sich selbst reproduzierenden Molekülketten mehr gibt, wird es schwer, der kurzen Phase in der es diese Laune der Natur gab, mit einem Sinn zu behaften. Welcher sollte das sein, wenn das Universum insgesamt - so deine Aussage - ja sinnfrei bleiben soll.

    Kruzitürken, ich versuche doch dauernd diesen angeblichen und jeglichen Sinn zu verneinen.


    Zitat

    Was ich umgekehrt gerne zugestehe: Selbst wenn das Universum einen Sinn hat, muss das noch lange nicht bedeuten, dass die Menschheit was mit diesem Sinn zu tun hat.....die Menschheit könnte dennoch nur ein Abfallprodukt sein, was wenig relevant ist.....

    Das Universum ist entstanden, mancherorts gibt es Leben, mancherort nicht, es ist sinnlos, nach irgendeinem Sinn zu suchen. Es ist, wie es ist.(Ich würde gerne "verdammt nochmal" hinzufügen, bin aber dazu zu höflich :) )


  • Nee, nee, nee, davon abgesehen, daß ich sehr wohl gute Punkte, die gegen die Existenz solch eines Ãœberwesens sprechen, angeführt habe, muß derjenige, der eine Behauptung/These aufstellt, für gewöhnlich die Beweise liefern und weniger der, der das anzweifelt. Und wo ist auch nur ein einziger wirklich fundierter Beweis für die Existenz eines Gottes? Ich meine, da kann ja jeder kommen und sich jeden Scheiß ausdenken und sagen, er/sie glaubt dran. Ja, bitte, wer's braucht, aber ob das dann so rational ist und im krassesten Falle sogar ganze Heerscharen in den Krieg treiben sollte, etc.... 8-) Und was schränken die Leute sich oft ein für ihre Religion, ey. Unglaublich - im wahrsten Sinne wohl. ;-D


    Ob SINN gleichbedeutend mit Ãœberwesen ist.....würde ich zumindest nicht zwingend so sehen.


    Tatsächlich halte ich wenig davon, den Beweis antreten zu wollen, dass das Universum einen SINN hat, oder auch nicht. Meiner Ãœberzeugung nach ist die nicht Beweisbar - jedenfalls nicht innerhalb unseres Systems.
    Hier halte ich mich an den Mathematiker Gödel.....


    Mein "Kniff" ist ein anderer. Ich gehe davon aus, dass ich frei entscheiden kann, ob es einen SINN gibt, oder eben nicht. Es ist eine mathematische JA/NEIN-Entscheidung, denn etwas dazwischen gibt es nicht.


    Nun nehme ich an, es gibt keinen SINN - dann folgt daraus, dass alles beliebig ist, und jedes Tun oder Handeln aufgrund seiner Beliebigkeit gleichwertig ist. Drastisch gesprochen wäre der Holocoust (stellvertretend für eine abschäuliche Handlung von Menschen an Menschen) gleichwertig zu einem Orgasmus - die Welt in ihre Atome zu zerlegen nicht besser oder schlechter als seiner Mutter zum Muttertag einen wunderbaren Tag zu bereiten.


    Diese Option erscheint mir wenig attraktiv zu sein, weil ich mit diesen Konsequenzen nicht leben will.


    Doch ich habe ja eine Alternative - ebenfalls nicht beweisbar, aber deutlich attraktiver in den Konsequenzen - der Glaube an den SINN.


    Zitat

    Und überhaupt schreist du hier ziemlich viel rum; du scheinst ein getroffener Gläubiger zu sein, der sich krampfhaft an ein Märchen klammert, ganz so, wie ich es im Text beschrieb. 8-) Denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf.


    Nun - ich würde mich schon als Gläubigen bezeichnen - aber nicht unbedingt als Gläubigen, wie du ihn vielleicht erwartest.
    Meinen persönlichen Frieden mit dem Thema habe ich gemacht, als ich das Buch "Gott 9.0" gelesen habe, und dort feststellen konnte, dass ich mit meinen Gedanken nicht ganz alleine bin.....


    Zitat


    Oh, und ich finde, GERADE wenn schlechte Zeiten herrschen - also der Normalzustand im Kapitalismus für die Massen -, sollte man die Existenz eines (guten bzw. einflußreichen) Gottes anzweifeln, denn wo ist er denn gewesen? Und wenn er sich nicht kümmert, warum sich dann um IHN scheren?


    Soll ich euch mal was verraten: Ich hab manchmal da draußen in der Natur schon, wenn ich wütend war und auf Krawall gebürstet, den Blick kühn und trotzig nach oben gewandt und aus Spaß "Gott" zum Duell herausgefordert. "Komm hier runter und stell dich mir im Mortal Kombat!", hab ich gerufen! ...Aber er hat sich nie getraut. 8-D


    Rotinquisitor over - der Unglaube ist ausgebrochen in Politopien; wenn das der Erdogan sieht! :-0


    Das kommt darauf an, was genau man glaubt. Lange Jahrhunderte beispielsweise war es weit verbreitet, dass man an das Jenseits geglaubt hat, und das Diesseits eher als Fluch empfunden wurde, den man halt durchleben und durchleiden muss, damit man im Jenseits ein gutes ewiges Leben hat - ein Motiv, was man in pervertierter Form auch bei den Selbstmordattentätern des IS wiederfinden kann - inklusive Jungfrauen.


    In diesem Sinne ist deine Herausforderung an Gott in etwa so sinnvoll wie während einer theoretischen Fahrprüfung dem Prüfer zuzuschreien: "Du kennst die Lösungen auch nicht!"
    Der Prüfer wird darauf kaum reagieren - aber durchgefallen bist du trotzdem.....

  • Realität ist, dass sich jeder Mensch für sich selbst für eine Variante eines angebotenen „Glaubens“ entscheidet, wenn er diese Entscheidung auch im Verlauf seines Lebens mehrfach variiert. Ob er einem religiösen „Gottes“-Glauben folgt, oder gerade dem gänzlich abspricht wie der Atheist, spielt keine Rolle. Alle glauben an ein Bild der subjektiv als „wahrscheinlichste“ und „glaubwürdigste“ erscheinende Version der „Realität“, immer bewusst oder unbewusst im Hinterkopf, die eigene Endlichkeit und die damit immanent voraussetzende Existenzangst zu überwinden. Ohne, dass diese Komponente den meisten Menschen bewußt wäre. Würden die Menschen aber erkennen, dass sie endlich sind, würde diese Angst zerbrechen und es gäbe keinen Grund mehr, anderes zu erwarten und zu erhoffen als ein baldiges Ende ohne "Serien-Fortsetzung".


    Die Eitelkeit und die Selbstliebe der Menschen, der Narzissmus, sind die Wurzel, der Trieb und der Treibstoff von Religionen, von Esoterik, ebenso von Ideologien und von weiteren Spinnereien menschlicher Ausgeburt. Die Angst vor der eigenen Endlichkeit erzeugt die immerwährende Spannung zwischen der eitlen Unausgeglichenheit des Individuums.

    2 Mal editiert, zuletzt von A3103 ()


  • Die Eitelkeit und die Selbstliebe der Menschen, der Narzissmus, sind die Wurzel, der Trieb und der Treibstoff von Religionen, von Esoterik, ebenso von Ideologien und von weiteren Spinnereien menschlicher Ausgeburt. Die Angst vor der eigenen Endlichkeit erzeugt die immerwährende Spannung zwischen der eitlen Unausgeglichenheit des Individuums.


    Sehe ich definitiv anders. Nimmt man sog. "primitive" Völker, so leb(t)en entliche sehr entspannt und im Einklang bzw. in tiefer Verbundenheit mit der Natur, als deren Teil sie sich begriffen. Und genau diese Völker waren meist sehr friedlich und heiter und hatten kaum Angst, da sie sich aufgehoben fühlten.


    Regelwerke und ähnliches sind "zivilsierte" Erfindungen und menschengemacht - immer. Und als solche natürlich irgendwann überholt.

  • Der transzendentale Charakter, der ein Universal-Ãœberwesen/Gott als Erschaffer und Sinngeber allen Seins suggeriert, macht den Unterschied. Die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering, ausschließen kann ich eine solche Existenz allerdings auch nicht. Tendenziell aber finde ich zu weitgehend deckungsgleichen Schlüssen wie Anakoluth, denn es spricht mehr dagegen als dafür, dass es ein solches Ãœberwesen gibt.


    Wäre das nicht eine Frage dessen, wie man "Wesen" definiert? Und warum soll ein Leben ohne Sinn sein, wenn es keinen Gott gibt? Was ist der SInn des Lebens und wer definiert den? Was wäre, wenn der Sinn des Lebens einfach das Leben wäre?

  • Sehe ich definitiv anders. Nimmt man sog. "primitive" Völker, so leb(t)en entliche sehr entspannt und im Einklang bzw. in tiefer Verbundenheit mit der Natur, als deren Teil sie sich begriffen. Und genau diese Völker waren meist sehr friedlich und heiter und hatten kaum Angst, da sie sich aufgehoben fühlten.Regelwerke und ähnliches sind "zivilsierte" Erfindungen und menschengemacht - immer. Und als solche natürlich irgendwann überholt.


    Ich finde solche Romantisierungen immer etwas Zwiespältig. Es gibt im Gegnsatz reichlich indigene Völker die einer sehr strengen, teils überaus grausamen Mystik unterliegen die definitiv überaus unentspannt daherkommt.
    Und das mit Jahrhundert/Jahrtausend alten "Regelwerken"...

    Einmal editiert, zuletzt von Bicyclerepairmen ()

  • Ich finde solche Romantisierungen immer etwas Zwiespältig. Es gibt im Gegnsatz reichlich indigene Völker die einer sehr strengen, teils überaus grausamen Mystik unterliegen die definitiv überaus unentspannt daherkommt.
    Und das mit Jahrhundert/Jahrtausend alten "Regelwerken"...


    Nicht nur das - einige sehr große indigene Zivilisationen sind an einer ganz profanen Sache gescheitert. Der Ãœbernutzung der in der Umgebung vorhandenen Ressourcen. Wir haben das heute nur auf die gesamte Erde übertragen.

  • Nicht nur das - einige sehr große indigene Zivilisationen sind an einer ganz profanen Sache gescheitert. Der Ãœbernutzung der in der Umgebung vorhandenen Ressourcen. Wir haben das heute nur auf die gesamte Erde übertragen.




    Die spinnen die Polynesier...

  • Hm, ich hörte, hier ist so mancher Turkomanenhengst vertreten, und vielleicht betet sogar manch einer von euch den neuen Diktator an.

    ...


    Das Internet - unendliche "Weisheit". Wir schreiben das Jahr 2016. Dies ist der ultimate Anti-Gottesbeweis von Genosse Rotflügel, der mit seinem Sermon auf Politopia unterwegs ist um Meinungen zu veröffentlichen, mit denen er seit dem Urknall hausieren geht. Viele Lichtjahre von ehrlicher Gesprächsbereitschaft entfernt trifft Rotflügel dabei auf Spezies die nie einen klaren Gedanken zuvor gesehen haben... :p

  • Ich finde solche Romantisierungen immer etwas Zwiespältig. Es gibt im Gegnsatz reichlich indigene Völker die einer sehr strengen, teils überaus grausamen Mystik unterliegen die definitiv überaus unentspannt daherkommt.
    Und das mit Jahrhundert/Jahrtausend alten "Regelwerken"...


    Ich sagte ja "etliche", nicht "alle".


    Es gab schon zu allen Zeiten "solche und solche". Aber nur weil es die einen eben auch gab und gibt, heißt das ja nicht zwingend, dass das, was die anderen tun (oder nicht tun) damit ebenfalls entwertet ist.


    Ich tu mich ein wenig schwer damit, wenn so pauschalisiert wird.

  • Es gab schon zu allen Zeiten "solche und solche". Aber nur weil es die einen eben auch gab und gibt, heißt das ja nicht zwingend, dass das, was die anderen tun (oder nicht tun) damit ebenfalls entwertet ist.


    Ich tu mich ein wenig schwer damit, wenn so pauschalisiert wird.


    das könnte glatt in einer zitate-sammlung unter "pauschal" auftauchen....danke, mir war überhaupt nicht zum lachen :lol:

  • Ich tu mich ein wenig schwer damit, wenn so pauschalisiert wird.



    Richtig, aber eher wird doch umgekehrt ein Schuh draus. Im Normalfall wird in Sachen NATURvölker romantisiert das die Schwarte kracht. Da werden Traditionen wie der Todschlagen nach bösem Blick, angedichteter Hexerei ( einige Stämme, hier Papua Neuguinea hatten dadurch gemessen eine der höchsten Mordraten überhaupt ) groteskes Schamanentum in Bezug auf Krankheiten, oder auch nur die 1/2 Jährlich gepflegte Hackmesserattacke dezent wegfolklorisiert.