DM - Rossmann


  • Du erwartest, dass andere deine Probleme lösen - der Markt funktioniert aber nach Angebot und Nachfrage. Der Verbraucher hat es durchaus in der Hand. Er muss nur die passenden Mehrheiten organisieren.


    Die Verbraucher könnten bzw. sollten ihre Souveränität erkennen und nutzen.
    Aber das sollen sie nicht-drei mal darf man raten, warum das so ist.


    Die Verbraucher zeigen da eine Parallele zu dem Verhalten vieler Wähler:
    Auch die sollen nicht ihre Souveränität erkennen und nutzen,
    sondern sich erzählen bzw. vorschreiben lassen was man zu wählen bzw. zu kaufen hätte.


    Diese Problematik hat sich in einer schleichenden Entwicklung zusehends verschärft,
    ohne dass das dem davon betroffenen Klientel bewusst wird.
    Die Verbraucher wie die Wähler haben es somit nicht mehr wirklich in der Hand,
    weil sich viele von ihnen ihre Souveränität haben nehmen lassen
    und sich desse nicht bewusst sind/nicht bewusst werden sollen.


    Aus solch einer angepassten Herde passende Mehrheiten für
    ein kritisches Verbraucherverhalten organisieren zu können erscheint mir nur schwer möglich.

  • […] Die Verbraucher zeigen da eine Parallele zu dem Verhalten vieler Wähler […]

    Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es größere Ãœberschneidungen bei diesen beiden Gruppen gibt, ja, die Schnittmenge könnte annähernd 100% betragen.

  • Na dann organisiere mal Mehrheiten bei Verbrauchern, ich wüsste nicht wie !


    Dann arbeitest du nicht im Marketing! Die wissen schon, wie man so etwas macht.


    Marketing gibt es durchaus auch bei Greenpeace und anderen NGOs. Bei der Regierung auch. Und bei den Unternehmen. Und dann noch bei Vereinen und und und.....Marketing gibt es allüberall.


    Das Problem der Mehrheitensuche ist nur, dass dies so viele gleichzeitig tun - aber nicht unbedingt dieselbe Mehrheit gesucht wird.


    Unterm Strich sind wir damit wieder beim Thema, wie man bei großen Mengen an eigenverantwortlichen Individuen gute Entscheidungen trifft......

  • Du meinst sicher den Sicherheitsrasierer, der eine Erfindung der 1920er Jahre gewesen ist… in der Tat gibt's heute noch passende Klingen (was die genormten Abmessungen betrifft) dafür, aber die Qualität des verwendeten Stahls ist innerhalb der letzten 30 Jahre spürbar verschlechtert worden. Und die Rasierer, also Griff u. Klingenhalter, dieses Typs, die heute im Handel noch zu bekommen sind, sind purer Schrott.



    Nun - wenn du ein wenig im Internet recherchierst bekommst du durchaus auch heute noch hohe Qualität - und der "Systempreis" ist rekordverdächtig. Allein - der Anfangsaufwand, bis man die richtige Technik erlernt hat - und der moderat höhere Zeitaufwand bei der Rasur - es ist eine kleine wenn auch derzeit sogar wieder wachsende Gruppe, die dies anwendet. Schau mal nach, wie sich der Suchbegriff Rasierhobel bei google die letzten Jahre entwickelt hat.....


  • Gut erkannt!
    Die Konzentration bei den Herstellern ist aber auch mit ein Grund, warum es gut ist, wenn es eine ähnliche Konzentration auf Händlerseite gibt. Denn über die Marktmacht der Händler können so Monopole auf der Herstellerseite durchaus dafür genutzt werden, dass die Preise beständig günstiger werden


    Darüber hinaus sollte nicht unterschätzt werden, dass gerade die großen Händler auch relevante Eigenmarken mit am Start haben. dm hat hier einige Eigenmarken am Start, die inzwischen von den Verbrauchern als sehr starke Marken wahrgenommen werden - die anderen größeren Händler sind dm auf den Versen.


    "Bid is ugly" ist so eine Pauschalaussage...
    Was genau wäre denn gut? Was gesund?


    Big ist auch eine Folge davon, wie wir Menschen insgesamt so ticken. Wenn unser Star, unser Vorbild, oder einfach auch nur jemand an dem wir uns interessieren sich mit einem bestimmten Deo einparfümiert - dann wollen das viele haben.


    Wer hat nun das Recht, diesen Vielen klar zu machen, dass sie ihr Verhalten verändern müssen, damit es einfach mehr Anbieter gibt, mehr Vielfalt, mehr was auch immer?


    Wir haben eine hohe Konzentration bei den Herstellern von Drogerieartikeln, wir haben eine hohe Konzentration bei den Händlern im Markt - und wir haben niedrige Preise und trotzdem - da bleibe ich dabei - eine hohe Produktvielfalt.


    Wem genau hat hier die Konzentration bisher geschadet?
    Und komm jetzt nicht mit den Arbeitnehmern, die im Rahmen des Konzentrationsprozesses ihren Job verloren haben....das sind ein weiten Teilen die gleichen Arbeitnehmer, die davor in irgendwelchen noch schlechteren Jobs zu einem Minimalgeld beschäftigt waren, und die auch deshalb gerade auf der Suche nach möglichst billigen Drogerieartikeln waren.


    Die Arbeitsbedingungen bei den heutigen Großen Playern sind im Schnitt deutlich besser als die Arbeitsbedingungen, die es früher in den entsprechenden Fabriken, Lagern und Kleinsthändlern gab. Tarifverträge bei Tante Emma? Fehlanzeige!
    Es ist heute nicht alles gut! Aber vieles deutlich besser, als 1970.


    Es gehören schon alle Player zum Spiel dazu, wie es derzeit läuft. Wer nur an einer Komponente motzt, sollte sich klar machen, dass der falsche Eingriff ins System nur dazu führt, dass alles auseinanderfliegt. Vernünftige Veränderungen im System brauchen deshalb immer einen ganzheitlichen Ansatz.

  • Dafür ließe sich, jetzt, wo's angesprochen ist, ja eine politische Lösung finden… man könnte beispielsweise eine Art Kaufverpflichtung für dergleichen Ladenhüter gesetzlich beschließen, das sicherte Arbeitsplätze bei den sich verkalkulierenden Unternehmen, für die obendrein Rettungspakete dann entbehrlich wären…


    Es gäbe schon Möglichkeiten - beispielsweise könnte der Gesetzgeber alle Hersteller von Produkten dazu verpflichten, ein Mindesthaltbarkeitskriterium mit auf den Packungen zu veröffentlichen - inklusive einer absoluten Herstellergarantie. Die Mindestdauer könnte dabei je nach Sortiment oder auch Artikel passend festgelegt werden - beispielsweise sollte eine Waschmaschine doch wenigstens 10 Jahre halten, aber ein Mixer auch gerne mal 15 Jahre.
    Für Wegwerfartikel wie Rasierer könnte gesetzlich ein Pfandsystem eingeführt werden, inklusive eine Minimalrecyclingquote.
    Könnte man alles machen....nur mach dir klar: Das ist alles sinnvoll - aber auch teurer als das, was wir heute haben. Kein Wunder - heute leben wir auch auf Pump! Wenn wir das abstellen, wird es halt teurer. So einfach ist die Wahrheit. Wenn wir unsere Wirtschaft auf Nachhaltig umstellen, wird unser Lebensstandard deutlich sinken.


    Nur - bring das mal denen bei, deren Lebensstandard dann absinkt - und noch schlimmer: Bring das denen bei, die gerade dabei sind, sich Hoffnungen zu machen, den hohen Lebensstandard auch erreichen zu können......bring es deinen Kindern bei.....und deinen Enkeln.....dass sie die Generationen sind, denen es schlechter gehen wird, als ihren Eltern......und mach ihnen klar, dass ihre Eltern nicht bereit sind, früher mehr abzugeben......weil wir eine Generation an Egoisten haben, die beharrlich immer wieder auch politische Führung sucht, die dieses System erhält.


    Der Clou dabei: Wenn Einzelne sich entscheiden, da auszusteigen - dann ändert das so gut wie gar nichts. Erst eine kritische Masse an Aussteigern bringt Veränderungen - und Demokratie ist darin ziemlich zäh.

  • In der Tat musste die Nachfrage nach Drogerieartikeln, die doch hinsichtlich des Konsums bis in die 60er Jahre eher ein Schattendasein führten, forciert werden… in der damaligen Gesellschaft war's also die Vollzeithausfrau, die dort auf eher kleiner Verkaufsfläche Waschmittel, Bohnerwachs, Haushaltsreiniger, Seife und Toilettenpapier eingekauft hat… für's Färben und Tönen der Haare war noch der Friseur zuständig, Lippenstift und Nagellack waren auch noch nicht so verbreitet. Selbst die Verwendung von Deospray ist doch eigentlich erst ab den 70er Jahren populärer geworden, und dass, obwohl doch weit mehr Menschen wirklich noch körperliche Arbeit verrichteten… müsste man nicht Helen Barnett Diserens, der Erfinderin des Deorollers, ein Denkmal errichten? Welcher Konsument denkt eigentlich an die Pioniere jener Erzeugnisse, deren Gebrauch so alltäglich geworden ist.


    Die Nachfrage hat sich auch selbst forciert. Da ist vieles auch Selbstläufer. Schau nur mal auf Youtube - da gibt es Kiddies, die wöchentlich bei dm oder Rossmann einkaufen gehen, und danach ein Video dazu drehen und quasi stolz vermarkten, was sie alles so eingekauft haben und was man damit machen kann. Und dann schau dir die Zahlen an, wie viele Followers die Spitzenkiddies dort haben......


    Mit der Körpereinstellung von 1940 wären Läden wie Rossmann, dm und Co gar nicht denkbar. Ebenso nicht mit dem Reinlichkeitsempfinden. Und bei der Ernähung erleben wir das heute auch mehr und mehr. Es gibt immer mehr überzeugte individualistische Nischengruppen, die ihre ganz spezielle Nahrung zu sich nehmen.


    Wie war das noch 1950 - ok, mag sein, dass es schon ein paar Vegetarier gab.....Veganer wohl eher nicht. Heute zersplittert der Ernährungsmarkt unglaublich - spezielle Intoleranzen und Diäten für alles mögliche - gerne auch welche für Muskelpakete oder Fruktarier.....und jeder dieser Gruppen braucht sein eigenes Fast-Food, seine eigene Burgerkette, seine eigenen Modeartikel.......


    Der Individualismus ist die Triebkraft dahinter.
    Ist das gut oder schlecht?


  • Das Phänomen ist noch weitaus komplexer, als du es bisher verstanden hast. Einerseits wollen wir Menschen es so, dass wir zu einer erfolgreichen Gruppe gehören - andererseits wollen wir Individualismus und Trendsetter sein, und aus der Menge herausragen.....also nur, wenn wir damit Erfolg haben.


    Wir alle haben es immer selbst in der Hand - aber oft genug lassen wir uns treiben, weil es einfach unglaublich anstrengend ist, immer Eigenverantwortlich unterwegs zu sein.


    Niemand hat sich die Souveränität nehmen lassen - es ist immer die freie Entscheidung jedes Einzelnen, dass er oder sie sich einfach einem Trend oder einem Verhalten eines anderen anschließt. Diese Verhaltensweise ist auch durchaus wissenschaftlich begründbar - es ist von Vorteil, wenn man als Herdentier nicht jede Entscheidung der Herde kritisch hinterfrägt und damit wertvolle Zeit verliert, bis man vor der drohenden Gefahr flieht......


    Wir sind Menschen - und gleichzeitig evolutionär noch in vielem tierisch gebunden. Das ist kein Urteil - sondern erst mal eine wertfreie Feststellung. Es bringt uns Vorteil, wenn wir bei vielen Entscheidungen uns an anderen orientieren - und es ist wichtig und kann uns Vorteile bringen, wenn wir bei bestimmten Entscheidungen individualistisch handeln.


    Das führt beispielsweise dazu, dass Oma Krause in aller Regel knausert wo immer es geht.....aber wenn Oma Krause empathisch irrational über ihre Katze nachdenkt, dann kauft sie dem neuesten Trend folgend nur das Beste......


    Auch wenn es offensichtlivh für dich schwer zu akzeptieren ist - so sind wir Menschen nun mal. Es gehört zum Menschsein dazu!

  • Das Phänomen ist noch weitaus komplexer, als du es bisher verstanden hast.


    Halt mal den Ball flach. Das Phänomen mag komplex sein, aber das berechtigt dich noch lange nicht zu der in deinem Beitrag erkennbaren für dich typischen Atue-Klugscheißerei.


    Zitat

    Wir alle haben es immer selbst in der Hand - aber oft genug lassen wir uns treiben, weil es einfach unglaublich anstrengend ist, immer Eigenverantwortlich unterwegs zu sein.


    Für angepasste Spießer mag es "unglaublich anstrengend" sein Eigenverantwortung zu beweisen, so dass diese lieber ihre Souveränität abgeben und sich treiben lassen. Das ist ja auch so im System Merkel politisch gewollt - die Pastoren-Trulla gibt die Vorlage für diese gewollte spießige Anpassung und Arschkriecherei.


    Zitat

    Niemand hat sich die Souveränität nehmen lassen - es ist immer die freie Entscheidung jedes Einzelnen, dass er oder sie sich einfach einem Trend oder einem Verhalten eines anderen anschließt. Diese Verhaltensweise ist auch durchaus wissenschaftlich begründbar - es ist von Vorteil, wenn man als Herdentier nicht jede Entscheidung der Herde kritisch hinterfrägt und damit wertvolle Zeit verliert, bis man vor der drohenden Gefahr flieht.......


    Wie gut, dass wenigsten unser Politopia-KLugscheißerchen vom Dienst mit seinem messerscharfen Verstand da so überzeugend glasklar durchblickt - die Ereignisse in Deutschland in der Zeit zwischen 1933-45 bestätigen deine "wissenschaftliche" Begründung auf das trefflichste.

    4 Mal editiert, zuletzt von Kleinlok ()

  • […] die Ereignisse in Deutschland in der Zeit zwischen 1933-45 […]

    […] besitzen jetzt in welcher Weise Relevanz für Drogeriemarktketten? (Rossmann wurde 1972 gegründet, DM im Jahr darauf) Gut, vielleicht haben die Deutschen deswegen ein so stark ausgeprägtes Reinigungsbedürfnis… obwohl doch andererseits die Vergangenheitsverdrängung, die hierzulande lange Zeit gepflegt wurde, zeigt, dass die historische Last doch kaum jemanden gestört zu haben scheint.


    Aber um seine Hände in Unschuld zu waschen, ist die Wahl zwischen Nivea, Palmolive oder Fa gar nicht so leicht zu treffen - vielleicht sollte man doch nur Wasser und CD an seine empfindliche Haut lassen…

  • Die Nachfrage hat sich auch selbst forciert. […]

    ROFL. Klar, Millionen von Verbrauchern sind ganz von allein auf die Idee gekommen, dass sie für Körperpflege mehr Geld ausgeben könnten, indem sie statt des nach alter Väter Sitte üblichen Stücks Seife einen Füssigseifenspender, eine Flasche Duschgel, Badeperlen, drei Sorten Shampoo, Hautcreme, Sonnenöl, einen Labello-Stift, ein Döschen Hornhautbalsam, Haarfestiger, Gel usw. usf. griffbereit im Bad benötigen… schließlich sollen eventuelle Besucher was zu gucken haben!
    Dass, als in den 60er Jahren die Haare länger wurden, war ja noch "selbstverständlich", dass die Haarpflege irgendwie aufwendiger wurde. Die Youtube-Filmchen von heute (als virales Marketing der Produktbeurteilung aus Verbrauchersicht) ist doch zu mindestens 50% als Versuch, Nebeneinkünfte online zu erzielen, zu verstehen… im Vergleich dazu wirkt doch die Erfolgsgeschichte Dirk Roßmanns ehrlicher - eine Geschäftsidee aus Vor-Selfie-Zeiten.

  • Halt mal den Ball flach. Das Phänomen mag komplex sein, aber das berechtigt dich noch lange nicht zu der in deinem Beitrag erkennbaren für dich typischen Atue-Klugscheißerei.


    Wie wäre es mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung? Schon vergessen?


    Zitat


    Für angepasste Spießer mag es "unglaublich anstrengend" sein Eigenverantwortung zu beweisen, so dass diese lieber ihre Souveränität abgeben und sich treiben lassen. Das ist ja auch so im System Merkel politisch gewollt - die Pastoren-Trulla gibt die Vorlage für diese gewollte spießige Anpassung und Arschkriecherei.


    Eigenverantwortung ist ein schöner Begriff! Dir fällt es leicht, Eigen zu sein - mit Verantwortung hat das aber wenig zu tun. Das verwechselst du immer wieder mal. Wer vor allem auf sich selbst schaut, und allen anderen nur den Stinkefinger zeigt, ist von Eigenverantwortung so weit weg, wie die Stiefmutter von Schneewittchen, die schönste im Land zu sein.



    Verantwortung alleine aber reicht auch nicht - es muss schon die Eigenverantwortung insgesamt sein.



    Zitat


    Wie gut, dass wenigsten unser Politopia-KLugscheißerchen vom Dienst mit seinem messerscharfen Verstand da so überzeugend glasklar durchblickt - die Ereignisse in Deutschland in der Zeit zwischen 1933-45 bestätigen deine "wissenschaftliche" Begründung auf das trefflichste.


    Na ja, dass unsere Politopia Dumpfbacke das nicht auf die Reihe kriegt, ist ja klar. Und da du ja die Ereignisse von 1933-1945 live erlebt hast, zählen deine hervorragenden Interpretationen um so mehr.

  • ROFL. Klar, Millionen von Verbrauchern sind ganz von allein auf die Idee gekommen, dass sie für Körperpflege mehr Geld ausgeben könnten, indem sie statt des nach alter Väter Sitte üblichen Stücks Seife einen Füssigseifenspender, eine Flasche Duschgel, Badeperlen, drei Sorten Shampoo, Hautcreme, Sonnenöl, einen Labello-Stift, ein Döschen Hornhautbalsam, Haarfestiger, Gel usw. usf. griffbereit im Bad benötigen… schließlich sollen eventuelle Besucher was zu gucken haben!
    Dass, als in den 60er Jahren die Haare länger wurden, war ja noch "selbstverständlich", dass die Haarpflege irgendwie aufwendiger wurde. Die Youtube-Filmchen von heute (als virales Marketing der Produktbeurteilung aus Verbrauchersicht) ist doch zu mindestens 50% als Versuch, Nebeneinkünfte online zu erzielen, zu verstehen… im Vergleich dazu wirkt doch die Erfolgsgeschichte Dirk Roßmanns ehrlicher - eine Geschäftsidee aus Vor-Selfie-Zeiten.


    Nicht von alleine - wohl aber deshalb auch, weil es modern wurde. Dafür gab es viele Impulse - nicht nur einen.


    Geh heute mal auf einen Schulhof. Da kommt es immer wieder mal vor, dass sich ein neues Modewort durchsetzt, oder auch irgendetwas neues als cool empfunden wird. Es reicht da nicht, dass irgendwer auf dem Schulhof das mal nennt.....wenn aber einer der angesehenen Schüler das macht, und zusätzlich noch von einer anderen Schule oder einem Star berichtet wird, dass es dort auch gemacht wird - und wenn der angesehene Schüler dann eine gewisse hartnäckigkeit an den Tag legt, dass das cool ist.....dann finden sich Nachahmer. Und nicht nur ein paar - ist der Bann erst mal losgetreten, dann verstärkt sich der Trend selbst.


    Die Youtube-Filmchen gehören auch in diese Kategorie. Nimm mal als Beispiel Weight-Watchers oder den Thermomix - um mal aus der Enge der Drogerieartikel auf diese ganz allgemeinen Trends zu setzen.
    Der Erfolg dieses Abnehmprogramms basiert auch auf Mundpropaganda - und im Netz glaubt man diesen Filmchen sogar mehr, als dem Hersteller.
    Beim Thermomix ist es noch subtiler - da werden in den Filmchen eigentlich Rezepte vorgestellt - die kann man auch ohne Thermomix machen. Trotzdem ist der Umstand, dass es diese Rezepte-Community faktisch gibt, ein Verstärkereffekt für das Ausgangsprodukt - den Thermomix.


    Doch es gibt sogar sich gegenseitig verstärkende Trends. Wenn beispielsweise dann Filmchen entstehen, in denen Weight-Watchers Konsumenten davon berichten, wie wunderbar sich der Thermomix und Weight-Watchers ergänzen......weil man ja bei Weight-Watchers mit wenig Öl arbeitet, und das im Thermomix besonders gut klappt - oder weil mit viel Gemüse gearbeitet wird - und man Gemüse sehr leicht mit dem Thermomix kleinhacken kann.


    Es gibt weitere Seiteneffekte und sich verstärkende Trends aus der Thermomix-Community - beispielsweise in Richtung veganer Ernährung - weil man den Thermomix gut dafür einsetzen kann, die öfters mal ungewohnten Rohstoffe aus der veganen Küche gut und leicht zu bearbeiten.
    Und dann die Wechselwirkungen in Richtung biologisch korrekter Ernährung.....wenn man mit dem Thermomix auch sein Getreide selbst mahlen kann....und Butter selbst herstellen kann.....und Gemüsebrühen ohne Gluten......


    Die Anbieter des Thermomix wären gar nicht in der Lage, auch nur annähernd sich so viele Anwendungsmöglichkeiten einfallen zu lassen, und so gute Begründungslinien, warum man so ein Teil einfach haben muss, wie das eine überzeugte Community schafft. So entsteht ein Trend......und der ist weitaus mächtiger als die Marketingabteilung.



    Ist die Erfolgsgeschichte von Herrn Rossmann ehrlicher? In welchem Sinne?
    Hinter so manchem Youtube-Starter steht erst mal einer, der seine eigenen Fitnesstipps nur vermarktet. Dann hat er Erfolg, und kann erste kleine Gewinne damit machen. Dann weitet er sein Geschäft aus, nimmt Ernährungstipps noch mit hinzu...usw.....


    Auch vor Herrn Rossmann konnten die Menschen in Deutschland putzen, waschen, reinigen - und vieles mehr. Auch ich halte Herrn Rossmann für einen cleveren Unternehmer - aber die Faktenlage ist auch eindeutig - mit seinem Erfolg sind andere, die nicht so gut waren, schlicht und einfach auf der Strecke geblieben.


    Für eine Marktwirtschaft ist das normal - im Sinne Aller optimiert sich eine Marktwirtschaft so, dass sie möglichst wenig Arbeit und möglichst viel Output generiert. Dazu gehören dann auch Konzentrationsprozesse.


    Die soziale Marktwirtschaft hat zusätzlich noch die Aufgabe übernommen, dass sich der permanenten wirtschaftliche Optimierungsprozess nicht zu Lasten der Menschen auswirkt, die dann ihren Job verlieren, wenn eine Marktwirtschaft das tut, was sie besonders gut kann: Prozesse optimieren.


    Gerade in der Drogeriebranche kann man recht gut ablesen, wie Marktwirtschaft funktioniert. Gerade in dieser Branche sind nicht nur Rossmann und Werner angetreten, um durchaus auch soziale Verantwortung zu übernehmen. Es gelingt gar nicht so richtig, in ihnen die Bösewichter des kapitalismus zu sehen - auch wenn beide Milliardäre sind.


    Der Aufstieg ihrer Unternehmen hat dennoch dazu geführt, dass viele andere kleinere Unternehmen unrentabel wurden, und inzwischen nicht mehr am Markt sind. In Summe beschäftigen beide nicht mehr, sondern weniger Menschen je verkauften Artikel, als dies früher in einem zersplitterten Markt der Fall war. Dennoch sind die Bedingungen gesamtgesellschaftlich insofern besser geworden, dass die Sortimentsvielfalt ausgebaut wurde, und die Preise gesunken sind. Und so ganz richtig harte Ausbeuter sind weder Rossmann noch dm......


    Da kann einem schon mal das Feindbild fehlen.......


    Was genau wünschen sich die Sozialnostalgiker also zurück: Die Zeiten, in denen es weniger Produktvielfalt im Drogeriesegment gab, in denen sich weniger Menschen qualitativ hochwertige Drogerieprodukte leisten konnten, in denen mehr Menschen im Drogeriesegment beschäftig waren, aber die Beschäftigungsverhältnisse deutlich schlechter waren.....????


    "Die guten alten Zeiten" schmecken ziemlich bitter. Und doch gelten gleichzeitig die Fakten, dass die Konzentration sowohl bei den Herstellern von Drogerieartikeln, als auch bei den Händlern zugenommen haben.....


    Was also genau ist gut, was ist böse oder schlecht?


    Ist es schlecht, dass heute jeder Konsument seine eigene Duftversion bei den Duchgels bekommen kann? Zu einem äußerst günstigen Preis? In Läden, die hell, klar und aufgeräumt wirken? In denen die Mitarbeiter freundlich daher kommen, und wo man immer alles auch umtauschen kann, wenn man unzufrieden ist?


    Was passiert, wenn der Markt funktioniert, und die Beteiligten zufrieden sind? Also die Hersteller der Produkte, die Händler, die Mitarbeiter und die Kunden?


    Es ist eine Blöde Situation für die, die immer ein Haar in der Suppe suchen.....sie finden was - keine Frage! Auch ein Gesetz des Marktes......denn es gibt immer was zu optimieren.....nur sollten wir uns auch mal klar sein, wenn wir jammern nur noch auf höchstem Niveau betreiben.......


    Wenn ich über Mißstände in Deutschland nachdenke, fallen mir nicht als erstes dm und Rossmann ein! Und auch nicht der Drogerieartikelmarkt. Und auch nicht die Hersteller der Drogerieartikel......

  • aber die Faktenlage ist auch eindeutig - mit seinem Erfolg sind andere, die nicht so gut waren, schlicht und einfach auf der Strecke geblieben.Für eine Marktwirtschaft ist das normal - im Sinne Aller optimiert sich eine Marktwirtschaft so, dass sie möglichst wenig Arbeit und möglichst viel Output generiert. Dazu gehören dann auch Konzentrationsprozesse.Die soziale Marktwirtschaft hat zusätzlich noch die Aufgabe übernommen, dass sich der permanenten wirtschaftliche Optimierungsprozess nicht zu Lasten der Menschen auswirkt, die dann ihren Job verlieren, wenn eine Marktwirtschaft das tut, was sie besonders gut kann: Prozesse optimieren.


    Gerade in der Drogeriebranche kann man recht gut ablesen, wie Marktwirtschaft funktioniert. Gerade in dieser Branche sind nicht nur Rossmann und Werner angetreten, um durchaus auch soziale Verantwortung zu übernehmen. Es gelingt gar nicht so richtig, in ihnen die Bösewichter des kapitalismus zu sehen - auch wenn beide Milliardäre sind.
    Der Aufstieg ihrer Unternehmen hat dennoch dazu geführt, dass viele andere kleinere Unternehmen unrentabel wurden, und inzwischen nicht mehr am Markt sind. In Summe beschäftigen beide nicht mehr, sondern weniger Menschen je verkauften Artikel, als dies früher in einem zersplitterten Markt der Fall war. Dennoch sind die Bedingungen gesamtgesellschaftlich insofern besser geworden, dass die Sortimentsvielfalt ausgebaut wurde, und die Preise gesunken sind. Und so ganz richtig harte Ausbeuter sind weder Rossmann noch dm............


    Dank dieser Ketten, in HH sind das Rossmann, DM und Budnikowsky ist der hiesige, unabhängige Drogeriemarkt völlig zusammengebrochen. In einer Millionstadt wie eben Hamburg kann man die überlebenden, unabhängigen Drogerien die nicht auf Pseudoedel labeln an einer Hand abzählen.
    Aber der Verbraucher hat das durch Geiz bekommen was er verdient. Kaum fachkundige Beratung, keine Produktpalette, nur bei allen drei Marktmachern die - ich sage das mal - exakt die selbe Scheiße. Auf dem Punkt, ohne Ausnahme. Aber so ist's halt mit dem modernen Verbrauchern.
    Ich mache gerade Urlaub in Portugal, zum Glück ein Land wo diese Verdummungsschiene noch nicht so richtig gegriffen hat. Bis jetzt.... Mit eben Drogerien, die so extrem oldschool sind ( ich konnte mich sogar noch in einem Rasiermessertechnisch beraten lassen.. ) aber deren Betreiber, bzw. das Verkaufspersonal ihr Handwerk gelernt haben.
    D.h. man bekommt sogar z.B. noch Produkte selbst angemischt...und wird echt.. informiert. Also nicht nur ob das Produkt vom hamburger Schwarzkopp oder das vom französischen Multi besser riechen tut...

    Einmal editiert, zuletzt von Bicyclerepairmen ()

  • […] Geh heute mal auf einen Schulhof.! […]

    Gruppendynamische Prozesse, Nachahmungstrieb etc. hat es immer schon gegeben - und auch ohne Schulhofbesuche ist bekannt, welch starke Markenaffinität schon Teenager oftmals zeigen, was sich längst nicht nur auf Klamotten und Sneaker (Turnschuhe) beschränkt, sondern auch die Wahl des Smartphones, des Haargels und die sonstigen Kleinigkeiten, die einerseits betonen, dass man "dazugehört" und andererseits ausdrücken sollen, dass man sich "von der Masse abhebt"… Kiddies beeinflussen übrigens sogar die Kaufentscheidungen ihrer Eltern in beträchtlichem Maße, was das Marketing längst auszunutzen versteht…

    […] Nimm mal als Beispiel Weight-Watchers oder den Thermomix […] im Netz glaubt man diesen Filmchen sogar mehr, als dem Hersteller.! […]

    Wer wäre denn imstande, wirklich unterscheiden zu können, welche dieser Filmchen tatsächlich von begeisterten Nutzern der vorgestellten Geräte/Rezepte/Diätprogramme gedreht worden sind, welche als Clickbait produziert wurden, und welche im Auftrag bzw. auf Kosten des Herstellers? Die Grenzen sind fließend, die Machart der Filmchen, wenn's nicht völlig plump gemacht ist, keineswegs eindeutig zuzuordnen.

    […] Ist die Erfolgsgeschichte von Herrn Rossmann ehrlicher? In welchem Sinne?! […]

    Herr Roßmann (nur der Firmenname schreibt sich mit doppel-s, der Firmengründer mit "ß") ist Geschäftsmann, und er halt ein umfassendes Sortiment für die Bedürfnisse seiner Kundschaft zusammengestellt, dessen einzelne Produkte er erschwinglich anbietet - das ist doch ein recht ehrliches Geschäftsmodell.

    […] Wenn ich über Mißstände in Deutschland nachdenke, fallen mir nicht als erstes dm und Rossmann ein! […]

    Soweit ich mich erinnere ist dieser Thread auch nicht als erstes aller Diskussionsthemen hier in der Politopia aufgekommen, sondern aus aktuellem Anlass. (Im Startbeitrag ließe sich ja nachlesen, was den Ausschlag gegeben hat, diese Diskussion zu starten)

  • Dank dieser Ketten, in HH sind das Rossmann, DM und Budnikowsky ist der hiesige, unabhängige Drogeriemarkt völlig zusammengebrochen. […]

    Bevor "dm"-Märkte in Hamburg eröffnet wurden, war Schlecker an zahlreichen Standorten vertreten… in der Tat scheint "Molitor" verschwunden - und die Kette "Kloppenburg" gibt's auch nicht mehr. Das Drogerieartikel auch bei Vollsortimentern wie REWE oder Edeka geführt werden, muss es doch eher verwundern, welche Filialdichte von den drei Drogeriemarktketten angestrebt wird - und dass auch Premiumlagen wie am Gänsemarkt lohnend scheinen.