Weihnachten als Frace

  • Jedes Jahr im Westen das gleiche Trauerspiel:


    Jesus kommt in die Welt bzw. ist vor angeblich 2017 Jahren in die Welt gekommen und anlässlich dieser Geburt (die prekärerweise unter sehr ärmlichen Umständen stattfand) geben sich seit einigen Jahrzehnten bevorzugt Nationen in der westlich geprägten Welt jedes Jahr neu einer galaktischen Konsum- und Freßorgie hin, die den Inhalt des Weihnachtsbotschaft mit Füßen tritt und Weihnachten zur Farce werden lässt.


    Ein m.E. mutiger katholischer Pfarrer hat in 2016 eine Krippendarstellung gewagt, die sich deutlich von allgemein hier üblichen Idyll abhebt, Zitat aus einem am 4.Januar 2017 erschienen Artikel der Offenbach-Post:





    https://www.op-online.de/regio…nachtskrippe-7190856.html



    Am 06.Januar.2016 erscheint ebenfalls in der Offenbach-Post ein Leserbrief, in dem der Verfasser diese Krippengestaltung, welche provokativ die akltuellen Probleme von Flucht und Elend thematisiert, als einen für die Kirche unangemnessenen Protest wertet und dem dafür verantwortlichen Pfarrer eine politische Missionierung unterstellt, welche für die Kirchenaustritte der Jahre 2001-15 verantwortlich wäre.



    Ich habe da eine andere Meinung und deswegen ebenfalls einen Leserbrief verfasst:



    Zitat

    T
    Herr (...) wertet die von Herrn Pfarrer Elmar Jung in der Kriche St.Nazarius in Oberroden vorgenommene Krippengestaltung, welche provokativ die aktuellen Probleme von Flucht und Elend thematisiert, als einen für die Kirche unangemessenen Protest. Ich sehe das deutlich anders: Endlich beweist ein katholischer Geistlicher den Mut auf den eigentlichen Kern der Weihnachtsbotschaft zu weisen und setzt damit ein ehrbares Zeichen der mit Weihnachten verbundenen Hoffnung: Gott wird in der Weihnacht auf Grund seines Versöhnungswunsches mit den Menschen selber Mensch und das in einer für die damals beteiligten Menschen sehr schweren Lebenssituation, welche der Willkür der machthungrigen Elite jener Zeit geschuldet war. Die Parallelen zum heute aktuellen Elend von zig Millionen Flüchtlingen und hunderte Millionen armen Menschen weltweit sind da erschreckend deutlich, aber vielleicht ist genau dieser oft von uns verdrängte Schrecken der Grund dafür, das die besagte Krippe als anstößig erscheint?


    Dabei sollte m.E. nicht die Darstellungsweise dieser Krippe, sondern die von ihr dargestellte Thematik von Elend und brutalem Sterben als der eigentliche Anstoß empfunden werden. Davon kann ich leider nur in der Lebensweise, der politischen wie religiösen Praxis vieler selbsternannter Christen wenig feststellen. Obwohl geschätzt rund mind. 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind, werden die Ursachen dieses millionenfachen Elends von Politik und Öffentlichkeit immer noch zu wenig in den Blick genommen. Wir arbeiten uns bestenfalls an den Symptomen von Problemen ab, deren Ursachen aber in relevanten Teilen durch unsere Politik, unser Wirtschaftsgebahren sowie durch unseren von Konsum und vielfache Verschwendung gekennzeichneten Lebensstil mit verursacht werden. Einen Lebensstil, der gerade in der angeblich besinnlichen und friedvollen Weihnachtszeit seltsame Blüten treibt. Alle Jahre wieder entartet das Weihnachtsfest in unseren Breitengraden vielerorts zu einer Konsum- und Freßorgie, die herzlich wenig mit dem Versöhnungsgedanken der Weihnachtsbotschaft gemeinsam hat und zynischerweise auf Grund einer ungerechten Weltwirtschaft oft auf Kosten der Ärmsten dieser Welt geht. Weihnachten ist aus diesem Grund für mich persönlich zu einer schwer erträglichen Farce mit blasphemischen Zügen geworden, wo ich innerlich drei Kreuze mache, wenn das alljährliche Ritual erst einmal wieder der Vergangenheit angehört und die nadelnden am Straßenrand abgelegten Weihnachtsbäume die Vergänglichkeit unseres Umgangs mit Weihnachten markieren. Dieser Sinnentleerung der Weihnachtsbotschaft arbeiten die Kirchen in ihrem oft angepassten unpolitischen Opportunismus zu, denn wer unpolitisch zu dem von uns mit verursachten Elend der Welt schweigt, wird zum Mitläufer einer Entwicklung, die alles andere als friedlich, versöhnlich, nachhaltig und im Interesse eines die Menschen liebenden Gottes ist (sollte es diesen geben). Gerade Jesus Christus war alles andere als ein angepasster unpolitischer Zeitgenosse, er legte sich mit den Wechslern und Händlern im Jerusalemer Tempel an, sah eher ein Kamel durch´s Nadelöhr marschieren, als dass reiche profitsüchtige Menschen in das Himmelreich kämen und erklärte es als unmöglich gleichzeitig Gott und dem Mammon (als einem unredlich erworbenen Gewinn) zu dienen. Jesus war in seinem Leben bisweilen sehr unbequem, auch den damals Mächtigen gegenüber, ein Umstand der letztendlich für seinen qualvollen Tod am Kreuz verantwortlich zeichnet. Diese Radikalität taugt nicht für jeden, das muss auch nicht sein, aber die handzahme Sprachlosigkeit der Amtskirchen, welche die vielfache von Christen betriebene Inkonsequenz verleugnen, in Fürbitten ihre selbstverschuldete Hilflosigkeit proklamieren und in lauen Predigten meist nicht viel mehr zu sagen wissen, als was über das rein private Umfeld hinausgehen würde - all das war noch nie ein Zukunftsmodell. In Matthäus 5,13 spricht Jesus von den Christen als dem Salz der Erde, angesichts der oben benannten Defizite erscheinen mir nicht wenige Vertreter dieser Religion als fades geschmackloses Salz, das nicht mehr zum Salzen taugt und dem zur Folge weggeschüttet wird. Ein solch laues Christentum empfinde ich als Zumutung und Türöffner für den privaten Kirchenaustritt. Insofern glaube ich nicht, dass die von Herrn Bach Herrn Pfarrer Jung unterstellte politische Missionierung eine wesentliche Ursache für die fast 3 Millionen Kirchenaustritte in der Zeit von 2001-2015 wäre - vielleicht ist es eher die weich gespülte Praxis von Kirchen, die angesichts des Geistes von Weihnachten und der von Jesus Christus gelebten Ideale seit langem eher als Etikettenschwindel daher kommen?

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  • Jedes Jahr im Westen das gleiche Trauerspiel:


    Jesus kommt in die Welt bzw. ist vor angeblich 2017 Jahren in die Welt gekommen und anlässlich dieser Geburt (die prekärerweise unter sehr ärmlichen Umständen stattfand) geben sich seit einigen Jahrzehnten bevorzugt Nationen in der westlich geprägten Welt jedes Jahr neu einer galaktischen Konsum- und Freßorgie hin, die den Inhalt des Weihnachtsbotschaft mit Füßen tritt und Weihnachten zur Farce werden lässt.


    Ein weiterer Ausdruck für diese Farce, zu der ich das Weihnachtsfest verkommen sehe, war für mich der diesjährige Fernsehgottesdienst der ARD, der zufälligerweise in der Nachbarstadt meines Wohnortes stattfand und m.E. sämtliche in ihn gesetzten negativen Erwartungen erfüllt hat: Ich empfand dieses Event, dass scheinbar mit großem technischen Aufwand inszeniert wurde, als sterbenslangweilig, realitätsfremd, harmoniesüchtelnd und angesichts der Ansprüche, die da feierlich deklariert wurden, als sehr bigott - also für mich nur ein weiterer Türöffner zum Kirchenaustritt.


    Link zur Aufzeichnung in der ARD-Mediathek:


    http://www.ardmediathek.de/tv/…19278&documentId=39677580


    Ich habe heute (09.01.2016) meine Kritik auf den Seiten der EKHN Hessen Nassau hinterlassen.


    http://www.ekhn.de/glaube/kirc…otschaft-gegen-angst.html


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  • […] der diesjährige Fernsehgottesdienst der ARD, der zufälligerweise in der Nachbarstadt meines Wohnortes stattfand […]

    Hinsichtlich des Kirchenjahrs mag die Christvesper in der Langener Stadtkirche diesjährig gewesen sein, aber in unserer säkularisierten Welt hat eben doch zwischenzeitlich ein Jahreswechsel stattgefunden; übrigens fiel die Wahl durchaus nicht ganz zufällig auf die mitgliederstärkste Gemeinde der evangelischen Kirche in Hessen-Nassau. Die zufällige Namensgleichheit des Bild-Schlagzeilen-Krippenbauers mit dem Kirchenpräsidenten Dr.Dr.h.c. Volker Jung irritiert ein wenig - kulturhistorisch ist die Vielzahl jahreszeitlich aufgebauter Krippen immerhin ein interessantes Forschungsgebiet.