Vizeweltmeister bei den Abgaben

  • In der Shoutbox machte uns ein Forumskollege darauf aufmerksam, gerade eine gemütsbewegende Nachricht gelesen zu haben - und in der Tat hat due OECD eine Studie vorgelegt, nach der Deutschland hinsichtlich der Abzüge von Steuern und Abgaben nur von Belgien übertroffen würde. Der SPIEGEL berichtet, natürlich greift auch die TAGESSCHAU das Thema auf, und selbstverständlich wird diese Meldung auch die Leser der FAZ beschäftigen. Was wäre das Leben ohne die Unzufriedenheit über dessen Kosten!?

  • Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das zu ähnlichen Erkenntnissen führt - zudem wurde (wie überraschend!) festgestellt, dass sich diese Belastung bei den niedrigeren bis mittleren Einkommen (beispielsweise bis 30.000,- p.a.) stärker auswirkt, während Einkommen über 80.000,- p.a. demgegenüber prozentual schwächer belastet werden.

  • ...zudem wurde (wie überraschend!) festgestellt, dass sich diese Belastung bei den niedrigeren bis mittleren Einkommen (beispielsweise bis 30.000,- p.a.) stärker auswirkt, während Einkommen über 80.000,- p.a. demgegenüber prozentual schwächer belastet werden.


    Falls die Ãœberraschung echt ist, übersehen Sie vermutlich, dass oberhalb der Betragsbemessungsgrenzen die proportionalen Sozialabgaben wegfallen. Damit entwickelt sich ab diesen Bereichen die Abgabenlast degressiv, da der progressive Steueranstieg bis zum Spitzensteuersatz durch die gedeckelten Sozialabgaben überkompensiert wird.

  • Dafuer ist Deutschland spottbillig.


    Stimmt. Restaurants und wohnen sollte man sich vollkommen abschminken. Autofahren muss ja jetzt auch nicht unbedingt sein, schöne zähne sind nunmal luxus... Der rest ist preislich ganz OK...insbesondere das bier ist billig.

  • Stimmt. Restaurants und wohnen sollte man sich vollkommen abschminken. Autofahren muss ja jetzt auch nicht unbedingt sein, schöne zähne sind nunmal luxus... Der rest ist preislich ganz OK...insbesondere das bier ist billig.


    Willst du mir was ueber saftige Preise erzaehlen? :smilielol5:

  • Eine Anmerkung, die das Problem mit Betrachtungsausschnitten andeutet.
    Wer die Qualität der dem Thema zugrunde liegenden Aussage prüfen will, stellt schnell fest, dass die nominale Höhe oder Quote von Abgaben für sich betrachtet noch keine relevante undoder aussagefähige Kennziffern abbilden, wenn die determinierenden Umgebungsvariablen der Gesamtbetrachtung nicht mitgeliefert werden.

  • Willst du mir was ueber saftige Preise erzaehlen? :smilielol5:


    Im internationalen Vergleich ist Bier in D wirklich aussergewöhnlich billig und die qualität stimmt ja auch.

  • Ich kann ja nicht nur Steuern und Abgaben auf Einkommen rechnen. Dann, was bekomme ich dafuer?
    Man kann ja die Sozialabgaben streichen, natuerlich auch die Leistungen.

  • Ich kann ja nicht nur Steuern und Abgaben auf Einkommen rechnen. Dann, was bekomme ich dafuer?
    Man kann ja die Sozialabgaben streichen, natuerlich auch die Leistungen.


    Das ist aber nur die Hälfte der Betrachtung. Dazu gehört auch die Feststellung, dass steigende Sozialabgaben ja nicht automatisch zu höheren / besseren Leistungen geführt haben. Ganz im Gegenteil, die sind nicht ganz unerheblich gesunken.


    Steuer- und Abgabenbelastungen von über 50% erodieren auf Dauer die Mittelschicht. Erstrebenswert? Wohl eher nicht. Was ich mir wünschen würde, wäre eine universitäre Untersuchung an einer Stichprobe tatsächlicher Menschen. Verschiedene repräsentative Fallgruppen, 1 Jahr lang komplett durchleuchtet. Damit könnte man dann auch Schlussfolgerungen ziehen.

  • Ich kann ja nicht nur Steuern und Abgaben auf Einkommen rechnen. Dann, was bekomme ich dafuer?
    Man kann ja die Sozialabgaben streichen, natuerlich auch die Leistungen.


    Es ist aber dennoch eine entscheidende Frage, welche gesellschaftlich relevanten Gruppen wie belastet werden. Darüberhinaus ist zu untersuchen, wie die Institutionen und der Staat mit den eingenommenen Mitteln umgehen und haushalten. Ãœberbezahlte Wasserkopfbürokratien, Rüstungswahn, Kriegsbeteiligung und mangelnde Preiskontrolle bei z.B. staatlichen Unternehmen, Steuerbegünstigung von internationalen Konzernen etc. gehören eben nicht zu einem demokratisch geführten Staatswesen.

  • ... Darüberhinaus ist zu untersuchen, wie die Institutionen und der Staat mit den eingenommenen Mitteln umgehen und haushalten. Ãœberbezahlte Wasserkopfbürokratien, Rüstungswahn, Kriegsbeteiligung und mangelnde Preiskontrolle bei z.B. staatlichen Unternehmen, Steuerbegünstigung von internationalen Konzernen etc. gehören eben nicht zu einem demokratisch geführten Staatswesen.


    Ja, das kommt noch erschwerend hinzu. Das Gesamtsystem bedarf einer durchdachten Reformation. Nur scheint das in der politischen Klasse niemand zu wollen.

    Einmal editiert, zuletzt von Dieter59 ()

  • Ja, das kommt noch erschwerend hinzu. Das Gesamtsystem bedarf einer durchdachten Reformation. Nur scheint das in der politischen Klasse niemand zu wollen.


    Von Lobbiisten gekaufte Politiker und Leute, die bei einer Reform, die den Namen verdient, ihre hoch honorierten Posten verlieren würden, denen geht es, wie den Fröschen, die man fragt, ob man ihren Teich trockenlegen soll!

  • Das ist aber nur die Hälfte der Betrachtung. Dazu gehört auch die Feststellung, dass steigende Sozialabgaben ja nicht automatisch zu höheren / besseren Leistungen geführt haben.


    Gut, Sozialabgaben sind bei uns gering. Nur, pro Arztbesuch 20 - 30 Euro Eigenanteil. Ich war zuletzt bei Untersuchungen. Ein Ort, drei Stationen ( Roentgen, EKG, Lungenspezialist) Eigenanteil: 90 Euro. Das waren reine Routineuntersuchungen. Krank sein wird teurer. Zahnarzt, 100%.
    Also, so schlecht kann es mit sozialen Leistungen wohl nicht sein

  • Also, so schlecht kann es mit sozialen Leistungen wohl nicht sein


    Das stand ja auch so nicht als Frage. Es ging allein um die Tatsache, dass für immer weniger Leistungen immer mehr an Abgaben aufgerufen wird. Und um die Akzeptanz derselben.

  • Das stand ja auch so nicht als Frage. Es ging allein um die Tatsache, dass für immer weniger Leistungen immer mehr an Abgaben aufgerufen wird. Und um die Akzeptanz derselben.


    Das Problem sind die nicht Kv's in privaten Hand und die Verteilung der Finanzierung. Dazu kommt das kommerzielle Gesundheits und Pflegewesen. "Gewinnoptimierung" hat dort nichts zu suchen.

  • Das Problem sind die nicht Kv's in privaten Hand und die Verteilung der Finanzierung. Dazu kommt das kommerzielle Gesundheits und Pflegewesen. "Gewinnoptimierung" hat dort nichts zu suchen.


    Das Grundproblem, jedenfalls in DE, sind ganz offensichtlich sozialistische Anwandlungen. Gleiches Muster, gleiche Ergebnisse. Es gibt da ja wohl nichts, was nicht irgendwie staatlich vorgegeben ist. Hatte ich an anderer Stelle geschrieben. 600 Euro Krankentransport, 800 Euro ein paar Stunden Intensivstation, 800 Euro für irgendein Qualitätssicherungszentrum irgendwas. Hallo??!! Das kenne ich. Von früher.

  • Das Grundproblem ist, dass man aus Erfahrung nicht lernt. "Privat vor Staat" und alles wird billiger, weil dann ja Wettbewerb herrscht - Pustekuchen. Mich würde mal interessieren, welcher Bereich des verkauften und privatisierten Tafelsilbers heute für den Endabnehmer im Schnitt billiger ist als vorher. Und da sollte man ganz genau hinschauen, inkl. auch bei den durch den Abgaben- und Steuerzahler quersubventionierten Löhnen und Renten.

  • Das Grundproblem ist, dass man aus Erfahrung nicht lernt. "Privat vor Staat" und alles wird billiger, weil dann ja Wettbewerb herrscht - Pustekuchen. Mich würde mal interessieren, welcher Bereich des verkauften und privatisierten Tafelsilbers heute für den Endabnehmer im Schnitt billiger ist als vorher. Und da sollte man ganz genau hinschauen, inkl. auch bei den durch den Abgaben- und Steuerzahler quersubventionierten Löhnen und Renten.


    Nun, da fällt mir schon auch einiges ein! Wie wäre es mit der Telefonie? Oder nehmen wir mal das Thema Bus und Bahnverkehr......



    Allerdings ist die Pauschalität der Aussage "Privat vor Staat" genauso Quatsch wie die anarchistische Forderung mit libertärem Touch, dass der Staat sich aus allem raus halten soll. Tatsächlich kann der Staat vor allem eines gut: Regulieren!
    Und das kann der Staat weitaus besser als es die freie Wirtschaft kann! Man schaue nur mal auf die freiwilligen Selbstverspflichtungen der Wirtschaft - und das, was dann am Ende wirklich dabei raus kommt!


    Der Staat ist dafür da, zu regulieren - und das kann er auch! Wie gut er darin ist - das hängt auch davon ab, wie die Wahlen jeweils ausgehen.


    Gut ist ein Staat dann, wenn er die Märkte so reguliert, dass diese ihre volle Kraft wirklich entfalten können. Dabei kann man Märkte sehr unterschiedlich organisieren - als ein Beispiel kann man mal den Markt der Fernbuslinien in Deutschland anschauen. Schaut man sich nur diesen Markt an, ist Flixbus inzwischen fast ein Monopolist. Begreift man aber den Fernverkehr insgesamt als Markt, steht Flixbus in Konkurrenz zur Bahn und zu Fluggesellschaften - und die Preise in diesem Gesamtsektor sind in den letzten 30 Jahren dramatisch nach unten gegangen. Auch Dank eines mehr und mehr funktionierenden Marktes, der zuvor weitgehend überreguliert oder gar staatlich geprägt war.


    Die Idee, dass der Staat besonders gut im Bereich WIRTSCHAFT wäre, ist witzig - wenn es nicht so ernst wäre. Umgekehrt ist die Idee, dass die Wirtschaft gut darin wäre, etwas für die Menschen zu tun, ebenfalls nur was für Narren. Ohne passende Regulierung geht es bei Märkten vor allem um Gewinnoptimierung. Um was auch sonst. Wenn Gewinnoptimierung nicht durch passende Rahmenbedingungen so geleitet wird, dass diese zum Wohle der Menschen führt, ist die Wirtschaft keinen Deut besser, als der Staat, der versucht, die wirtschaftlichen Interessen seiner Bürger selbst zu organisieren......


    Freie Märkte und Staatliche Kontrolle gehören zu einer modernen Gesellschaft - so wie die Gewaltenteilung dazu gehört.

  • Nun, da fällt mir schon auch einiges ein! Wie wäre es mit der Telefonie? Oder nehmen wir mal das Thema Bus und Bahnverkehr......
    ...........Gut ist ein Staat dann, wenn er die Märkte so reguliert, dass diese ihre volle Kraft wirklich entfalten können. Dabei kann man Märkte sehr unterschiedlich organisieren - als ein Beispiel kann man mal den Markt der Fernbuslinien in Deutschland anschauen. Schaut man sich nur diesen Markt an, ist Flixbus inzwischen fast ein Monopolist.


    Nun, Flixbus ist auch eines derjenigen Unternehmen, dessen Busfahrer auf der untersten Stufe der nahrungskette dieser Branche stehen. Das liegt unter anderem daran, dass die meisten entweder durch Subunternehmer (Fernreiseunternehmen) ausgeliehen werden, als Scheinselbständige ihr Dasein fristen und kaum über Mindestlohn verdienen. Die hohe Arbeitsbelastung, unbezahlte Ãœberstunden für Reinigungsarbeiten etc., Termindruck und Verantwortung für 50-60 Passagiere werden mit einem besseren Taschengeld vergütet, kein Wunder dass die für 5€ Fernfahrten anbieten können.
    Genau das meinte ich damit, dass man bei "billig billig" auch die Kosten einrechnen muss, die am Ende dem Staat entstehen, wenn er den Fahrern absehbar Altersgrundsicherung bezahlen muss, weil die Rente nicht reicht.