Literatur-Zeit

  • Du musst nicht einmal bis Lucinges fahren. Redu liegt viel näher. […]

    Danke für den Tip - ich muss gestehen, trotz mehrerer Reisen nach bzw. Aufenthalte in Belgien Redu bislang nicht durchquert zu haben.

  • Das Städtchen Redu zu durchqueren, wäre auch für Dein Anliegen nicht sehr hilfreich gewesen. Aussteigen ist besser.

  • […] Aussteigen ist besser.

    Nun, um in Redu auszusteigen, hätte ich mich ja erst einmal innerhalb des Ortes befinden müssen… es gibt ja mehrere belgische Städte, die mir sehenswert genug erschienen, um die Fahrt zu unterbrechen. Und ja, auch in Belgien habe ich Buchhandlungen betreten - eine flämische Ãœbersetzung des Asterix-Bandes "Asterix bei den Belgiern" habe ich als Souvenir auch käuflich erworben. Die darin erwähnte Waterzooi habe ich allerdings zu probieren versäumt, obwohl die in mehreren Speiselokalen auf der Menükarte angeboten wurde.


    Belgien ist ja vor allem auch als Hochburg der Comiczeichner bekannt, aber Bruxelles ist, bei allem architektonischen Charme, verkehrstechnisch eine ziemliche Katastrophe, und ohne vorherige Reservierung ein preisgünstiges Quartier zu finden, gestaltet sich schwierig, so dass ich die Hauptstadt beide Male, als mein Weg durch sie hindurchführte, selbigentags wieder verlassen habe.

  • ...als mein Weg durch sie hindurchführte...

    Da fällt mir augenblicklich ein jiddischer Witz ein, in dem Mosche, der mit dem Zug nach Krakau fahren will, ein Abteil betritt und seinen Nachbarn in heftigstem Tun mit einer, nun ja, Dame sieht.
    Er schreit: "Yankel, was tust Du da??"
    "Ich fahre nach Krakau."
    "Mitten durch die Leut?!"

  • Das Buch wird auch eine große und glückliche Zukunft behalten und haben […]

    Die aktuellen Lesegewohnheiten sprechen leider dagegen - die Lektüre "angesagter" Titel mag ja zum Lifestyle dazugehören, aber ein zum modischen Accessoir verkümmertes Buch hat so viel Zukunftsbezug wie die Frühjahrskollektion der Bekleidungsbranche des vorletzten Jahres.

  • Wie albern, Lesekreise hat es immer gegeben, und angesagte Bücher können durchaus Klassiker werden. "Die Leiden des jungen Werther!" waren z. B. mal so ein angesagtes Buch. Nur weil die heutigen Bücher Dir wegen ihrer unverschnörkelten Sprache nicht gefallen (und Du immer erst das Urteil des Philosophen abwartest), heißt das nicht, dass sie ein modische Accessoire sind. In Wahrheit fehlt Dir jedes eigene Urteilsvermögen, deswegen verachtest Du vorsichtshalber mal dieses und jenes.

  • Bist Du aber fleißig heute! Es sind nicht die Schnörkel, die der aktuellen Buchproduktion fehlen, es sind die Inhalte, an denen es mangelt.

    Wie albern […]

    […] ist, was, den Zeitgeschmack bedienend und ausschließlich zu diesem Zweck produziert, die Schaufenster und die Regale des Buchhandels füllt! Zwar mag bis zu einem gewissen Grade verständlich sein, dass Verlage, Autoren und Handel sich der Notwendigkeit beugen, marktgängigen Plunder vorrätig zu halten, aber wenn von den zigtausenden lieferbarer Titel nicht einmal 1% mehr zu bieten hat, ist das Buch als Medium längst am Ende. "Witzigerweise" scheint ja sein stärkstes Konkurrenzmedium der letzten ca. 50 Jahre, das Fernsehen, ebenfalls in erschreckendem Maße an Bedeutung und an Zuschauern verloren zu haben. Und auch daran ist der "technische Fortschritt" hochgradig beteiligt.

  • Ja, ich bin heute wirklich fleißig, ich habe mir heute nach dem fast zufälligen Landen eines Coups eine Auszeit gegönnt und korrespondiere vorweihnachtlich mit aller Welt. Dazu brauch ich nicht lang.
    Weißt Du, ich frage mich, woher Du die Inhalte kennst und zu beurteilen vermagst. Liest Du die von Dir verachteten Neuproduktionen, diesen "Plunder", doch heimlich?


    Ich erinnere mich daran, dass Du es bei alten Büchern als einen Wert an sich betrachtest, dass sie alt sind. Dabei ist bei den alten Büchern auch entsetzlich Schlechtes zu beklagen, allerdings sind die edler aufgemacht als die Bücher heute. Sie machen sich von hinten gut in den Bücherschränken ;-) Wenn es aber um Inhalte geht: Jede Zeit hatte und hat ihren Plunder.


    Tja, und das Fernsehen... Es ist wirklich entsetzlich, wie alles dahingeht. Früher hatte man noch Pferde und schöne Kutschen, heute sind an ihrer Stelle Opel und Toyota! Wirklich furchtbar.

  • […] Ich erinnere mich daran, dass Du es bei alten Büchern als einen Wert an sich betrachtest, dass sie alt sind. […]

    Immerhin verrät der Plunder vergangener Zeiten etwas über den Zeitgeschmack jener Ära, in der das eine oder das andere alte und von der Nachwelt vergessene Buch gelesen wurde…
    In Anbetracht der Menge frisch aufgelegter Neuerscheinungen und deren baldiger Streichung aus den Verlagssortimenten, wird das Meiste, was heute geschrieben, verlegt und mitunter beworben wird, keine rechte Gelegenheit finden, die Nachwelt zu erreichen, , denn auch die ortsfesten Antiquariate sind größtenteils von der Bildfläche verschwunden, und selbst wenn in der Büchertauschkiste mal ein Exemplar eines solchen Buches auf einen neuen Abnehmer wartet, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass auch dieser das Buch nach der Lektüre wieder in einem Büchertausch zur gefälligen Mitnahme bereitstellen wird.
    Abgesehen davon ist, bei dem raschen Wandel der gesellschaftlichen Gepflogenheiten ist recht ungewiss, innerhalb welchen Zeithorizonts auch diese Büchertauschkisten wieder abmontiert sein werden - und so passen Verfasser, Lektoren, und Publizisten ihren literarischen Output und ihren sprachlichen Ausdruck an diese Kurzlebigkeit (der möglichen bzw. angestrebten) Nachfrage an.
    Einzig die Verfilmung einer Buchvorlage vermag noch die Aufmerksamkeitsspanne des Zielpublikums ein wenig verlängern.

    […] Es ist wirklich entsetzlich, wie alles dahingeht. Früher hatte man noch Pferde und schöne Kutschen, heute sind an ihrer Stelle Opel und Toyota! Wirklich furchtbar.

    Das Pferd ist in der landwirtschaftlich dominierten Gesellschaft eher durch den Traktor ersetzt worden - und die Nachfolger der Fuhrleute fahren heute eher einen Mercedes Sprinter oder vergleichbare Kleintransporter - das sind Marktsegmente, in denen Opel und Toyota nun wirklich kleine Lichter sind…

  • Es ist wirklich entsetzlich, wie alles dahingeht. Früher hatte man noch Pferde und schöne Kutschen, heute sind an ihrer Stelle Opel und Toyota! Wirklich furchtbar.


    Da muss ich dir beipflichten...es wäre wirklich entsetzlich, wenn die Stelle von Pferden und Kutschen (obwohl extrem umweltfreundlicher wie Autos) nur von Opel und Toyota eingenommen worden wäre...
    Ich stelle mir gerade vor, wie das wohl sein würde, wenn man eine Kreuzfahrt auf einem Wikingerschiff buchen würde...die Ruderei den ganzen Tag würde mir auch auf den Keks gehen...

  • […] In Wahrheit fehlt Dir jedes eigene Urteilsvermögen, deswegen verachtest Du vorsichtshalber mal dieses und jenes.

    Es mag ja sein, dass Du schon lang nicht mehr am Schaufenster einer Buchhandlung vorbeigekommen bist, so dass Du also nicht sehen konntest, welcherlei Bücher dort so angepriesen werden… das Schlimmste aber ist, dass auch, was innerhalb der Buchhandlung in die Regale eingereiht oder auf Aktionstischen platziert liegt, von derselben "Qualität" ist.
    Und schon die aufmerksame Zeitungslektüre verrät, welcherlei Wertes ist, was ganz zeittypisch auf den Markt gebracht wird.

  • Na ja, die alten Schinken, deren Wert Deiner Meinung nach zumindest in ihrem Alter liegt, waren zu ihrer Zeit ebenfalls zeittypisch, das allein ist überhaupt kein Kriterium. Sie sahen nur schöner aus.

  • […] das allein ist überhaupt kein Kriterium. Sie sahen nur schöner aus.

    Wenn Du ein Buch nur als dessen Umschlaggestaltung ansiehst, ist das bedauerlich. Ich kannte mal einen Buchbinder und Drucker, der ebenfalls an Büchern vor allem die Qualität von dessen äußerer Form zu schätzen wusste.

  • An anderer Stelle hat User ArgoNaut auf August von Platen hingewiesen, dessen Gedichte die ältere Generation der Einwohner Bayerns bis vor einigen Jahrzehnten wohl eifrig gelesen hat. Da mein geographischer Lebensmittelpunkt eher im norddeutschen Raum liegt, war mir dieser Zeitgenosse u.a. Heinrich Heines nicht so geläufig, so dass ich mich erst einmal vergewissern musste, weswegen er nach seiner einstigen Popularität derzeit eher als umstritten gilt: Erstens hielt er an einem strengen Formalismus fest, zweitens hatte er, zeittypische, eine militärische Laufbahn eingeschlagen und drittens dürfte sein Streit mit Heinrich Heine die Abstempelung als Antisemit so ca 130 Jahre nach seinem Tod eingebracht haben.

  • Wenn Du ein Buch nur als dessen Umschlaggestaltung ansiehst, ist das bedauerlich. Ich kannte mal einen Buchbinder und Drucker, der ebenfalls an Büchern vor allem die Qualität von dessen äußerer Form zu schätzen wusste.

    Verfälsche bitte keine Aussagen: Ich schrieb zu Deiner Kritik zeittypischer, heutiger Bücher

    Zitat

    Na ja, die alten Schinken, deren Wert Deiner Meinung nach zumindest in ihrem Alter liegt, waren zu ihrer Zeit ebenfalls zeittypisch, das allein ist überhaupt kein Kriterium. Sie sahen nur schöner aus.

    Wie kommst Du also auf "ein Buch nur als dessen Umschlaggestaltung"?


    Zitat

    An anderer Stelle hat User ArgoNaut auf August von Platen hingewiesen, dessen Gedichte die ältere Generation der Einwohner Bayerns bis vor einigen Jahrzehnten wohl eifrig gelesen hat. Da mein geographischer Lebensmittelpunkt eher im norddeutschen Raum liegt, war mir dieser Zeitgenosse u.a. Heinrich Heines nicht so geläufig, so dass ich mich erst einmal vergewissern musste, weswegen er nach seiner einstigen Popularität derzeit eher als umstritten gilt: Erstens hielt er an einem strengen Formalismus fest, zweitens hatte er, zeittypische, eine militärische Laufbahn eingeschlagen und drittens dürfte sein Streit mit Heinrich Heine die Abstempelung als Antisemit so ca 130 Jahre nach seinem Tod eingebracht haben.

    Ist das Dein Beitrag zu der Frage, ob es nur heute zeittypische "Werke" gibt, deren literarische Qualität umstritten ist, der ob es nicht auch früher Bücher gegeben hat, die heute kein Mensch mehr lesen mag. August Platen gehört zu denen, deren Stil heute befremdlich ist, Militär hin oder her, Streit mit Heine hin oder her - dafür könnte ich mir sogar literarische Gründe denken, die ihm das Lästermaul Heine an die gräfliche Uniform geschmiert hat.


    Aber :hut: das hast Du ja fleißig alles nachgelesen. Bei Google?

  • […] das hast Du ja fleißig alles nachgelesen. Bei Google?

    Das war ja nun kein großer Aufwand - abgesehen ist die Frühromantik eine literaturhistorisch hochinteressante Epoche. Zudem ist es ein Zeitabschnitt gewesen, in dem nicht nur viel gelesen wurde, sondern es sind zugleich etlicher Verlage gegründet worden, was die stilistische Vielfalt der Publikationen vergrößerte.
    Wie schade ist's also, wenn heutzutage, einer Ära, die stärker von Bildmedien (Illustrierten, Boulevardblättern, TV, Streamingdiensten und Selfies) geprägt wird, das sprachliche Ausdrucksvermögen willentlich immer stärker eingedämmt wird.

  • Tatsächlich bin ich auch der Meinung, dass das sprachliche Ausdrucksvermögen schwindet, allerdings sind nicht alle früher gebräuchlichen Wörter und Wurmsätze erhaltenwert, sondern wirken gekünstelt. Sprachlich kann man sich, finde ich, ein Beispiel an Heine nehmen, er sprach im Satz-Aufbau seiner Zeit gemäß, aber immer geradeaus und deutlich.

  • Gestern gab es Cyrano de Bergerac im TV.
    Köstlich, aber auch ermüdend.
    Müsste ich heute in diesen endlosen Sprachbildern kommunizieren, käme ich an manchen Tagen über die blumigen Begrüßungsformelbandwurmsätze mit allen Gesprächspartnern gar nicht mehr hinaus...