Literatur-Zeit

  • Der Versuch, das Marginale von Zeit zu Zeit zum Wesentlichen zu erklären, hat auch Anklänge von Ephemeratischem. :lol:;)

  • Das iat natürlich Unsinn, denn der Terminus ist auch im deutschsprachigen Verbreitungsgebiet bekannt, jedenfalls unter Philologen und Druckerzeugnissammlern,

    Das Weihnachtsfest hat bei mir anscheinend Verständnisprobleme hinterlassen: Was sind denn "Sammler von Druckerzeugnissen"? Unsere Frau Marga sammelt immer die letzten vier Ausgaben der Aldi-Prospekte. Alles, was älter ist, schmeißt sie weg, sie ist wohl eine Normalbürgerin.

  • Wenn Du Bierdeckel sammelst bist Du schon dabei.
    Sind bedruckt, gewöhnlich zum einmaligen Gebrauch gedacht - theoretisch, als die noch als Give away von den Brauereien gratis verteilt wurden - können als wichtige Botschaftsträger verwendet werden, als "Kneipen SMS", als Unterlage zur Steuererklärung, Notitzzettel, "Zettel", "Deckel" und als Medium ewiger Weisheiten und Werbesprüche...
    Alle erforderlichen Bestandteile enthalten - check. :big_bier:

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: t

  • Das Weihnachtsfest hat bei mir anscheinend Verständnisprobleme hinterlassen: Was sind denn "Sammler von Druckerzeugnissen"?


    Ich bin z.B. so einer...von Prof. Zamorra über John Sinclair, Der Landser, Mad, Die Sturmtruppen...überwiegend aus dem Bastei- oder Kelter Verlag...
    Ach, jetzt hab ich die Motorrundschau aus den Sechzigern vergessen....:sifone:

  • Ich bin z.B. so einer […]

    Romanheftserien und Comics galten früher mal als Schund bzw. als Trivialliteratur, und sicher sind auch solche Publikationen oftmals nach einmaliger Lektüre von ihren nicht aufbewahrt, sondern dem Altpapier überantwortet worden - insofern war PrometheusXLs Antwort, die von Brauereien oftmals mit wechselnden Motiven bedruckten Gebrauchs- und Werbeartikel (Bierdeckel, Flaschenetiketten, Skatkarten etc.) den Ephemera zuzurechnen immerhin faktisch richtig. Auch Plakate, die Teilnahmekarten zu Gewinnspielen etc. zählen zu diesem Sammelgebiet - in London residiert mittlerweile das Museum of Brands, dessen Gründer von Werbezetteln bis hin zum Waschmittelkarton allerlei dieser vergänglichen Dinge gesammelt, die aus unserem Alltag seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken sind, und somit den Zeitraum ihrer Alltäglichkeit signifikanter dokumentieren als dies die Jahresende im Fernsehen ausgestrahlten "Jahresrückblicke" tun.

  • […] Alles, was älter ist, schmeißt sie weg, sie ist wohl eine Normalbürgerin.

    Das ist sie bestimmt - aber auch hierzulande gibt es Enthusiasten, die sich für Erinnophilie und Deltiologie begeistern, naja, diese Begriffe werden Dir sicher ebenfalls nicht geläufig sein, (Zumal Literatur zu beidem hierzulande praktisch nicht vorhanden ist)
    Wie traurig es um den Buchmarkt mittlerweile bestellt ist, zeigt sich signifikant u.a. daran, dass aktuell gerade angekündigt wird, wer demnächst eine Literatursendung im dritten Fernsehprogramm des Bayrischen Rundfunks präsentieren wird…

  • Enthusiasten, die sich für Erinnophilie und Deltiologie begeistern,

    Öha, Ersteres hat evtl was mit Rache zu tun, Zweiteres dürfte Deine Erfindung sein, jedenfalls möchte ich wetten, dass Du lange suchen musstest, um so etwas Abwegiges zu finden


    Zitat

    naja, diese Begriffe werden Dir sicher ebenfalls nicht geläufig sein,

    mein grundlos blasierter Herr, Du irrst, was das Wörtchen "ebenfalls" betrifft. Waum liest Du die Beiträge nicht, auf die Du antwortest? Wegen Autismus?


    Zitat

    Wie traurig es um den Buchmarkt mittlerweile bestellt ist, zeigt sich signifikant u.a. daran, dass aktuell gerade angekündigt wird, wer demnächst eine Literatursendung im dritten Fernsehprogramm des Bayrischen Rundfunks präsentieren wird…

    Völlig klar, einer der bislang als Spaßmacher und Unterhalter sein sehr gutes Geld verdient hat, KANN einfach keine Literatursendung nach Deinem Herzen machen, in der evtl. auch Begriffe wie Deltiologie verstanden werden. Besser, Du hättest Dich beworben, dann hätte die Sendung zu jedermanns Nutzen außer der der Pharmaindustrie nach Mitternacht ausgestrahlt werden können.
    Ich sag Dir was, unser aller Thommy ist ein blitzgescheiter und gebildeter Mann, er hat sich nur irgendwann einmal entschieden, die Welt NICHT zu langweilen. Allerdings kann ich nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass er weiß, was Deltiologie ist.

  • Danke, Herr Prom, tatsächlich war ich mit dem Rachebegriff auf dem Holzweg, was aber überhaupt nicht schlimm ist, denn ich werde das Wort, beide Wörter, aus Achtung vor den Mitmenschen gewiss niemals benutzen...


    Googeln können ist wahrlich keine Kunst, die Kunst ist aber, dort eine Sparte "völlig unbekannte und nutzlose, aber existierende Wörter" zu finden.

  • Kunst kommt ja auch von Wissen, insofern stimmt hier schon die Verknüpfung nicht. :cornut:


    Googeln hört sich ja auch eher nach "gründeln" an. Da kommen wir der Sache auch schon näher.
    Man muss eine gewisse Leidenschaft entwickeln können, und die erforderlich Zeit investieren wollen, um diese kleine Höhen eher unergiebiger Gründel-Triumphe zu erklimmen.
    Was bleibt? Ein Beweis.
    Man muss nicht alles tun, was man könnte, aber man sollte alles können, was man tut.
    Und man muss letztlich mit dem leben, was man nicht mehr verbessern kann. :nerd:

  • […] Googeln können ist keine Hexerei, nicht wahr [?]

    Die Die zielführende Nutzung von Internetsuchmachinen verlangt das Wissen, wonach man sucht, und die Entscheidung, die bestmögliche Auswahl unter den angezeigten Suchergebnissen verlangt das nötige Wissen, wem und zu welchem Zwecke man jener Person eine brauchbare Informationsquelle kenntlich zu machen wünscht…
    Insofern ähnelt das Anforderungsprofil des Google-Nutzers schon sehr demjenigen des Lesers, der Buchempfehlungen ausspricht…

  • Deshalb hab ich ja gefragt, ob man explizit nach ungebräuchlichen Wörtern suchen kann.


    Was die von Dir genannten Wörter betrifft, heißt das wohl, dass ich Deiner Meinung nach eine geeignete Person bin, der man mit Erinnophilie und Deltiologie eine brauchbare Information zukommen lässt, wenn auch nicht deren Quelle? Brauchbar wofür? Soll ich Dir mal das Kursbuch empfehlen, so es so etwas überhaupt noch gibt?

  • […] Brauchbar wofür? Soll ich Dir mal das Kursbuch empfehlen, so es so etwas überhaupt noch gibt?

    Dass Druck und Vertrieb des in halbjährlichen Turnus erschienenen Kursbuchs der Deutschen Bahn vor etlichen Jahren eingestellt worden ist, wurde bundesweit via Presse bekanntgegeben. In unserer zunehmend papierlosen Zeit hat halt die Online-Fahrplanauskunft dessen Funktion übernommen - schlecht für den, der kein Tablet oder Smartphone besitzt… der muss sich mit dem stark verkürzten Ausdruck seiner Zugverbindung vom "Reisezentrum" (so heißen die Fahrkartenschalter heutzutage) begnügen - auch das Faltblatt "Ihr Zugbegleiter" dürfte seine Glanzzeit weit hinter sich gelassen haben.
    Und welch informative Lektüre hat er geboten!

  • Ein herrliches Beispiel für den von Dir bevorzugten Diskussionsstil, nämlich EIN Wort aufzugreifen und mit ihm auf Abwege zu enteilen.
    Fortan sollen wir über Kursbücher und Fahrkartenschalter, über Reisezentren und Zugverbindungen reden?
    Und sagt dann einer von uns "Platzreservierung", fällt Dir dazu der auf der "Eintrittskarte vermerkte Anspruch auf einen bestimmten Sitzplatz im Theater" ein, wonach wir alsbald wieder bei den hüstelnden und mit Bonbonpapier raschelnden Normalbürgern angekommen wären :)

  • […] Fortan sollen wir über Kursbücher und Fahrkartenschalter, über Reisezentren und Zugverbindungen reden? […]

    Das Kursbuch hattest Du in dieses Gespräch gebracht, obwohl dieser ehemalige Bestseller nie wegen literarischer Qualitäten gekauft worden ist - er war also Gebrauchsgegenstand eines bereits beendeten Zeitalters, womit sich seine Betrachtung ändert.
    Die Stichworte, die Du in Deiner vermeintlichen Antwort geliefert hast, sind ihrerseits aus dem Sprachgebrauch entschwunden, und sie zeigen mithin an, was der Gegenwartsliteratur somit nicht mehr zur Verfügung steht, um die szenische Darstelung einer Bahnfahrt detailliert auszuschmücken - mit anderen Worten: Das literarische Motiv des Reisens ist somit ebenfalls eine sterbende Gattung, weil außer Einstieg und (verspäteter) Ankunft am Zielbahnhof die Bahnfahrt keines Sterbenswörtchens mehr lohnt - es sei denn, der Zug wird als Schauplatz des Mordes eines Kriminalromans genutzt…

  • Es stimmt, dass ich das Wort Kursbuch benutzt habe, was Du für einen Ausflug zur Reiseliteratur genutzt hast. Allerdings hatte ich es nicht ins Gespräch gebracht, das ist tatsächlich der Irrtum, dem Du ständig unterliegst. Du hast nämlich erneut nicht verstanden, worum es eigentlich ging, nämlich um Wörter, die weithin unbekannt sind, weil sie nur von sehr wenigen Menschen benutzt werden, eins davon, wie Du selbst schreibst, im deutschsprachigen Raum gar nicht.


    Und ausgerechnet DU schreibst was von "vermeintlicher Antwort", Du, der Du niemals eine wirkliche Unterhaltung zu führen verstehst, weil Du permanent mit einem beliebigen Wort von dann ziehst und zwar über Hölzchen und Stöckchen. Jeder andere Mensch hätte verstanden, dass das Wort "Kursbuch" sehr leicht durch ein anderes Wort hätte ersetzt werden können, etwa Beipackzettel oder Speisekarte, ein Druckerzeugnis eben. Es war ein Beispiel für ein Druckerzeugnis. Wenn ich Dich bitten darf: Erläutere jetzt nicht die Geschichte der Speisekarte, wiewohl es sehr interessant sein mag, was in früheren Zeiten dort geschrieben stand...


    Zitat von ArgoNaut

    Was die von Dir genannten Wörter betrifft, heißt das wohl, dass ich Deiner Meinung nach eine geeignete Person bin, der man mit Erinnophilie und Deltiologie eine brauchbare Information zukommen lässt, wenn auch nicht deren Quelle?


    Was Du hättest antworten können, wäre eine Erläuterung gewesen, warum Du meintest, die Wörter Deltiologie und Erinnophilie seien von Interesse oder Brauchbarkeit für mich gewesen oder hätten was mit dem Thema zu tun. Und im Großen und Ganzen ging es auch darum nicht, sondern um Dein Vorurteil, ein erfolgreicher Samstagabend-Unterhalter könne nie und nimmer eine Literatursendung bestreiten, wobei Du vermutlich eine Literatursendung vor Augen hast, die ziemlich sicher nur einen winzigen Teil der Bevölkerung interessiert, besonders wenn Wörter wie Erinnophilie und Deltiologie darin vorkommen.

  • […] Erläutere jetzt nicht die Geschichte der Speisekarte, wiewohl es sehr interessant sein mag, was in früheren Zeiten dort geschrieben stand […]

    Die gedruckte Speisekarte wird es seit kaum mehr als 150 Jahren überhaupt geben - ihre Geschichte ist bislang gar nicht lückenlos nachgezeichnet… viel älter ist der Fahrplan übrigens auch nicht, seine Geburtsstunde ist in den 1830er zu suchen.

    […] Wobei Du vermutlich eine Literatursendung vor Augen hast, die ziemlich sicher nur einen winzigen Teil der Bevölkerung interessiert, besonders wenn Wörter wie Erinnophilie und Deltiologie darin vorkommen.

    Nun, in der englischsprachigen Welt ist das Wort "deltiology" geläufig, und bekanntlich erfreuen sich Anglizismen hierzulande einer eher rückläufigen Beliebtheit… und der Literatur kommt doch auch die Aufgabe zu, das im Alltag genutzte Vokabular der Leserschaft zu erweitern…

  • Zitat von ArgoNaut
    […] Erläutere jetzt nicht die Geschichte der Speisekarte, wiewohl es sehr interessant sein mag, was in früheren Zeiten dort geschrieben stand […]

    Die gedruckte Speisekarte wird es seit kaum mehr als 150 Jahren überhaupt geben - ihre Geschichte ist bislang gar nicht lückenlos nachgezeichnet… viel älter ist der Fahrplan übrigens auch nicht, seine Geburtsstunde ist in den 1830er zu suchen.

    Ahnte ich´s nicht?:hurray:


    Zitat

    Nun, in der englischsprachigen Welt ist das Wort "deltiology" geläufig, und bekanntlich erfreuen sich Anglizismen hierzulande einer eher rückläufigen Beliebtheit

    Wieso "und"? Ich kannte das Wort nicht, es wird nicht mal in meiner englischsprachigen Familie benutzt, aber ich werde es unter einem Vorwand demnächst mal verwenden. (Im Ãœbrign hast Du das Wort "Scheitelpunkt vergessen..). :haha:


    Zitat

    … und der Literatur kommt doch auch die Aufgabe zu, das im Alltag genutzte Vokabular der Leserschaft zu erweitern…

    Nein. Nie gehört, dass der Literatur die Aufgabe zukommt, den Wortschatz der Leser zu erweitern. Das wäre evtl. ein Kollateralnutzen.

    Einmal editiert, zuletzt von ArgoNaut ()

  • […] ein Ausflug zur Reiseliteratur […]

    […] wäre in einem Gespräch über Literatur insgesamt durchaus angebracht - schlhießlich sind Reisen traditionell ein wichtiges Motiv für literarische Arbeiten - man denke an Homers Versepos von den Schwierigkeiten Odysseus, vom Feldzug gegen die Trojaner heimzukehren…

    […] Dein Vorurteil, ein erfolgreicher Samstagabend-Unterhalter könne nie und nimmer eine Literatursendung bestreiten […]

    […] das hast Du wie gewöhnlich missverstanden - da sein Name "zieht", wird er auch mit jener Sendung erfolgreich sein, d.h. hohe Einschaltquoten erzielen. Allerdings werden das ihm auf den Leib geschneiderten Geplauder über aktuelle Bestseller, die wegen ihrer Platzierung im TV dann nochmals stärker nachgefragt werden, dem allgemeinen "Interesse" an Literatur keinerlei Wachstumsimpuls bewirken, sondern nur den ohnehin von den Verlagen bevorzugt ins Rampenlicht der Medien gestellten Autoren/Titeln, also den etwa zeitgleich in Zeitschriften und Magazinen bereits beworbenen Titeln, zu "zufällig" auch im Feuilleton der Tages- und Wochenzeitungen wohlwollend rezensiert werden, einen zusätzlichen "Channel" öffnen.

    […] wenn Wörter wie Erinnophilie und Deltiologie […]

    […] in einer derartigen Fernsehsendung vorkämen, könnte eventuell das langsam aussterbende Hobby der philatelistischen Sondergebiete und des Sammelns anderer als "altmodisch" angesehener Bildträger immerhin ein wenig Nachwuchs finden.