Nitrate aus Gülle im Trinkwasser. Der Bürger soll zahlen.

  • Um bis zu 45% könnten die Wasserpreise steigen, wenn das aus der Landwirtschaft stammende Nitrat aus dem Trinkwasser entfernt wird, bevor es in die Netze eingespeist wird. Die durchschnittlichen Mehrkosten pro Haushalt und Jahr werden aus 145 € veranschlagt.


    Nach wie vor gilt das Verursacherprinzip. Ich halte es daher für erwägenswert, die Subventionen für die Landwirtschaft zu reduzieren und in die Reinigung des Trinkwassers umzusteuern.


    Landwirtschaftsminister und Dauereinknicker vor der Bauernlobby und vor der Ernährungsindustrie Christian Schmidt ist erst einmal auf Tauchstation. Aber was ist von diesem Weichnacken zu erwarten? Sehr wahrscheinlich nichts Anderes als ein Appell an die Landwirtschaft, doch bitteschön freiwillig, wenn es nicht allzu mühsam ist, ...


    ... blablabla.


    Parallel dazu wird wahrscheinlich erwogen, die Grenzwerte für Nitrat hochzusetzen und gesetzlich festzuschreiben, damit wir den internationalen Durchschnitt bei der Nitratbelastung erreichen. Flüchtig gelesen, erscheint das sogar wie eine Verbesserung.


    Es ist ja wieder Bundestagswahlkampf, und ich überlege gerade, welche Partei sich ...


    ... oder werden NGOs und Bürger gleich aktiv und blockieren Gülletransport und -handel mit anderen EU-Ländern?

  • Ich empfehle hier wie an anderen Stellen grundsätzlich eine ganzheitliche Betrachtung.Die sehe ich in deiner Eröffnungsrede noch nicht.


    Es ist schnell daher geplappert, auf das Verursachungsprinzip zu verweisen. Inhaltlich ist es auch nicht falsch....
    Nur - übernehmen die Kosten die Bauern, dann werden deren Produkte teurer. Diese können sie dann weder am deutschen noch am Weltmarkt absetzen. Deutschland wird dann abhängiger von ausländischen Produkten. Deutsche bäuerliche Betriebe werden weniger. Und: Das Problem wird verlagert von Deutschland hin zu den Ländern, die sich nicht um den Trinkwasserschutz kümmern......


    Für das Dilemma habe ich keine umfassende Lösung im Angebot - ich weise aber im ersten Schritt mal darauf hin, dass es nicht so trivial ist, wie man es auf den ersten Blick meinen könnte.


  • Ich lebe in einer Region wo dieser Anstieg erheblich ist und verzichte mittlerweile komplett auf das Trinken von Wasser aus dem Hahn.Das war in meiner Jugend noch anders.Allerdings ist die Belastung durch erhöhte Nitratwerte nur ein Grund davon Abstand zu nehmen.Entscheidender ist für mich die Zunahme von Nano-Plastikteilchen und der nicht geklärten Langzeitwirkung im menschlichen Körper.
    Das eine Reduzierung eigentlich nur über die Verringerung von Schlacht- und Milchvieh funktionieren kann sollte jedem klar sein.Da aber nicht davon auszugehen ist, dass wir von unserem Fleischkonsum lassen und erhebliche Mengen auch in den Export gehen, muss wohl wieder die Technik ran.Das betrifft übrigens auch die Nano-Plastikteilchen, für die unsere momentanen Filter nicht ausreichend sind.Es werden somit auf jeden Fall erhebliche Summen für Modernisierungen unserer Kläranlagen fällig.


    Allerdings frage ich mich, ob es nicht besser wäre ein Verfahren zu entwickeln, welches vor Einbringung der Gülle auf die Felder, diese neutralisiert?Ich erinnere hier als Beispiel an das Haber-Bosch-Verfahren, welches die Welt zu seiner Zeit vor der Hungerkatastrohe bewahrte.Ich bin jetzt kein Chemiker, aber ist es nicht sinnvoller den "Abfall" (Gülle) in konzentriert angelegten Silos zu sammeln und mittels eines chemischen Verfahrens oder Pulverisierung umzuwandeln und nur die abgestimmte Menge auf sie Felder zu fahren?Da die gefährdetsten Gebiete in Norddeutschland liegen wäre der benötigte Energieverbrauch eventuell über Windkraft realisierbar.Das Endprodukt in transportabler und lagerbarer Form könnte als billiger Dünger und dosierbar in Regionen exportier werden wo ein Bedarf besteht.


    Richtiger wäre allerdings nur soviel an Fleisch und Milch zu produzieren wie unsere Böden (Nutzpflanzen) auch aufnehmen können und unbedenkliche Restmengen im Grundwasser hinterlassen.

    Einmal editiert, zuletzt von Schopenhauer ()

  • [...]


    Für das Dilemma habe ich keine umfassende Lösung im Angebot - ich weise aber im ersten Schritt mal darauf hin, dass es nicht so trivial ist, wie man es auf den ersten Blick meinen könnte.


    Es ist so trivial, wie es erscheint, sonst müssten Gesetze und Verordnungen zum Schutz von Mensch und Umwelt als obsolet erklärt werden, weil bei deren Wegfall die Wettbewerbsfähigkeit betroffener Branchen steigen würde.


    Ein Grundgedanke solcher Gesetze und Verordnungen ist, dass die Marktwirtschaft spätestens da ihre Grenzen hat, wo Gesundheit von Menschen und die Integrität der Umwelt wesentlich beeinträchtigt sind.


    Richtig herum entspräche es den Gesetzen der Marktwirtschaft, wenn die Kosten für eine nitratneutrale Landwirtschaft auf die Produkte aufgeschlagen würden. Damit regelt sich über Angebot und Nachfrage die mengenmäßige Herstellung von Produkten, die Nitrat generiert (siehe voriger Beitrag von Schopenhauer).

  • Grundsätzlich sollte folgende Regel in der EU gelten:


    Tierhaltung nur ohne Zukauf von Futter.

  • Richtig herum entspräche es den Gesetzen der Marktwirtschaft, wenn die Kosten für eine nitratneutrale Landwirtschaft auf die Produkte aufgeschlagen würden. Damit regelt sich über Angebot und Nachfrage die mengenmäßige Herstellung von Produkten, die Nitrat generiert (siehe voriger Beitrag von Schopenhauer).


    Richtig!


    ...und...


    Es zeigt das es einen Gesetzgeber (Staat) bedarf, um die aus dem Ruder laufenden Sachen immer wieder in Einklang zu bringen, denn der Libertarismus (der total freie Markt) kann niemals die Komplexität und Ganzheitlichkeit der Welt berücksichtigen, sondern konzentriert sich immer nur auf seine Teilbereiche und überläßt die möglichen Auswirkungen dem Schicksal.Der Mensch möchte sein Schicksal aber gestalten.


    In einer perversen Ãœberzeichnung würde das Fehlen von Gesetzen hinsichtlich der Gesundheit und Umwelt nämlich bedeuten, dass der Markt es mit seiner ureigenen Gestzmäßigkeit reguliert.Er vermindert über seine schädigenden Wirkungen die Anzahl der Konsumenten und kommt so zu einem verminderten Angebot und Nachfrage.

  • Richtig herum entspräche es den Gesetzen der Marktwirtschaft, wenn die Kosten für eine nitratneutrale Landwirtschaft auf die Produkte aufgeschlagen würden. Damit regelt sich über Angebot und Nachfrage die mengenmäßige Herstellung von Produkten, die Nitrat generiert (siehe voriger Beitrag von Schopenhauer).

    Aber wie wurde über den Veggie-Tag gehöhnt! Die Leute denken einfach nie in Zusammenhängen und das einzige, was sie haben, ist keine Ahnung.

  • ...
    Es zeigt das es einen Gesetzgeber (Staat) bedarf, um die aus dem Ruder laufenden Sachen immer wieder in Einklang zu bringen, denn der Libertarismus (der total freie Markt) kann niemals die Komplexität und Ganzheitlichkeit der Welt berücksichtigen, sondern konzentriert sich immer nur auf seine Teilbereiche und überläßt die möglichen Auswirkungen dem Schicksal...


    Die nachträglichen Kosten müssten die Verursacher auch nachträglich treffen können (dürfen). Ich habe keine Informationen wie lange die Ãœberdüngung von Feldern unser Trinkwasser vergiften kann (Langzeitwirkung) oder wie sich so etwas über unterirdische Wasseradern und Flüsse verbreitet. Ich habe selbst einen Brunnen auf dem Grundstück und die Gegend wo ich im Eigenheim wohne wird schon sehr lange nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Das hörte so gegen Ende der sechziger Jahre auf. Dem Brunnenwasser wird aber immer noch ein zu hoher Nitratanteil bescheinigt. Man kann die Pflanzen damit gießen und die Teichfische vertragen es auch recht gut, jedenfalls habe ich so gut wie keine Verluste, außer durch den Reiher...


    Aber trotzdem ist die Vergiftung des Bodens wohl eine Sache die Jahrzehnte überdauert.

  • Was halten unser Politiker eigendlich vom Verursacherprinzip, nicht wenn es entscheidente Wählerschichten betrifft . Für Bud mit einiger Erfahrung mit Brunnenwasser, was meinst du wie lange es braucht bis auch die Brunnen Nitatverseucht sind ?

  • ... Für Bud mit einiger Erfahrung mit Brunnenwasser, was meinst du wie lange es braucht bis auch die Brunnen Nitatverseucht sind ?



    Die Brunnen sind dort wo ich wohne alle nitratverseucht, alle. Naja, mehr oder weniger. Allerdings ist das auch das Mündungsgebiet des Main in den Rhein und der Grundwasserspiegel ist entsprechend hoch. Man stößt hier bei ca. 7 oder 8 Metern schon auf Wasser. Die Grundwasseradern werden durch die beiden großen Flüsse stark vernetzt sein. Es gibt in der weiteren Umgebung natürlich noch Landwirtschaft und Weinbau.

  • Aber wie wurde über den Veggie-Tag gehöhnt! Die Leute denken einfach nie in Zusammenhängen und das einzige, was sie haben, ist keine Ahnung.


    Nun gut, also darf ich jetzt weiter mein Gordon Blö essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?

  • Nun gut, also darf ich jetzt weiter mein Gordon Blö essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?


    Als Sachbeitrag ist wesentlich mehr willkommen als nur der schon sprichwörtliche durch die Zahnlücke eines Alfred E. Neumann gelispelte Einzeiler.

  • Es ist so trivial, wie es erscheint, sonst müssten Gesetze und Verordnungen zum Schutz von Mensch und Umwelt als obsolet erklärt werden, weil bei deren Wegfall die Wettbewerbsfähigkeit betroffener Branchen steigen würde.


    Ein Grundgedanke solcher Gesetze und Verordnungen ist, dass die Marktwirtschaft spätestens da ihre Grenzen hat, wo Gesundheit von Menschen und die Integrität der Umwelt wesentlich beeinträchtigt sind.


    Richtig herum entspräche es den Gesetzen der Marktwirtschaft, wenn die Kosten für eine nitratneutrale Landwirtschaft auf die Produkte aufgeschlagen würden. Damit regelt sich über Angebot und Nachfrage die mengenmäßige Herstellung von Produkten, die Nitrat generiert (siehe voriger Beitrag von Schopenhauer).


    Das eigentliche Dilemma hat was mit der Zeit zu tun!
    Solange ich die Marktgesetze auf ein konkretes Marktgeschehen anwende, welches in der Gegenwart bei bekannte Parametern stattfindet - solange kann ich einen vernünftigen Preis ermitteln.


    Allerdings werden in diesen Preis nicht die Interessen der zukünftigen Generationen einfließen - und wie man diese genau einfließen lassen sollte ist nicht trivial, weil wir ja nicht wissen können, welche Erfindungen der Zukunft den Marktwert wie beeinflussen werden.


    Nehmen wir mal als Beispiel das Mikroplastik - lange Zeit gab es das einfach nicht, dann wurde vor allem darauf geschaut, welche tollen neuen Möglichkeiten mit dieser Technik entstehen - und aktuell schaut man stark nach den Risiken, die durch diese Technik real sind.


    Als das Gülleproblem aufkam, gab es schon Gesetze dazu, wie sich die Landwirte verhalten müssen. Die Gesetze entsprechen aber nicht mehr der aktuellen Wissenslage - sie müssen angepasst werden. Berücksichtigit werden muss dabei, dass eingie investitionen, die aufgrund der Gesetzeslage getätigt wurden, nicht mehr zu dem passen, was ein zukünftiges Gesetz vorschreiben wird.....Betroffene haben eine Entschädigung verdient....obwohl sie nach neuesten Erkenntnissen Umweltsäue sind......


    Bei ausreichender Kenntnis der gesamten Sachlage ist das relativ klar....aber vermitteln sie das mal einem Wähler auf dem Marktplatz...........


    Wenn die Politik die Landwirte mehrere Jahre lang dazu drängt, bestimmte Investitionsentscheidungen zu treffen, dann haben die Landwirte auch ein Anrecht darauf, dass diese Investitionsentscheidungen staatlich noch gefördert werden, wenn sich die Erkenntnislage ändert......



    Leider ist unsere Poltiik häufig nicht sensibel genug....