Stell dir vor es ist Reformationsjahr und keiner geht hin

  • 1517 schlug der kirchliche Reformator Dr. Marin Luther seine 99 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg Anlass für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Jahr 2017 500 Jahre Reformation zu feiern.


    Das groß verkündete "Lutherjahr" könnte jedoch zum Flop werden, nachdem das Jahr 2017 zu mehr als der Hälfte durch ist, lässt sich bis dato wenig entdecken, was den Geist der Reformation auf lebendige Art gerecht werden könnte.


    „Luther ist die Pleite des Jahres“ titelt die FAZ angesichts der vielen leeren Reihen, welche die kirchlich organisierten Massenveranstaltungen oft begleiten.


    http://www.faz.net/aktuell/wir…esucher-weg-15097663.html


    Richtig Konsequent und hart geht der Publzist Erik Flügge mit dem Reformationsjubiläum ins Gericht:



    http://erikfluegge.de/luther-feiern-ohne-luther-zu-sein/


    Ich habe um folgenden Kommentar ergänzt:


    Zitat

    Luther hat sich mit der Kirche seiner Zeit angelegt und dabei enorme Risiken auf sich genommen. Er sah sich vom Geist beeinflusst und trat für seine Mission mit einer Vehemenz ein, die den heutigen Bodenpersonal der EKD völlig abgeht. Das kommt vom Dorfpfarrer bis Bedford-Strohm weichgespült und salbungsvoll daher, predigt und erzählt nett und nichtssagend und lockt damit nur wenige noch zu Angeboten der EKD, am allerwenigstens die Kirchenfernen.


    Das hätte klar sein sollen, aber die Kirche betreibt lieber ihre nichtssagende Professionalität und lässt sich diese noch teuer staatlich subventionieren als dass sie neue Wege wagen würde, so wie Luther das getan hat. So gesehen verdeutlicht dass Reformationsjahr folgendes Problem: Die EKD möchte sich auf Luther, dessen historische und geistige Funktion berufen, ist aber als verstaubte Amtskirche mehr zu dem geworden, was Luther in seiner Zeit entschieden angegriffen hat. Schon dumm, wenn man als Rechtsnachfolger die Ideen seines Gründers verraten hat, diesen und seine Ideen dann aber feiern will. Das trägt schon sehr bigotte und pharisäerhafte Züge, so dass es sicher spannend wäre mit zu bekommen, wie Jesus und Luther mit den Kirchen umgehen würden, kämen sie heut zu Tage mal auf die Erde nieder.


    Die EKD mag nach Luther suchen, steht sich dabei aber selber im Wege,
    denn selbst wenn sie ihn finden würde, würde ihr der Mut fehlen ihn abzuholen.


    http://erikfluegge.de/luther-f…er-zu-sein/#comment-47918

    3 Mal editiert, zuletzt von Kleinlok ()

  • Luther wird ja gefeiert, weil er zwar der Kirche widersprach, aber vor den Fürsten demütig auf die Knie ging, ganz im Gegensatz zu Thomas Müntzer.
    Der hatte erkannt, dass die Befreiung des Volkes nicht funktioniert, wenn man nur einem der Unterdrücker vor das Schienbein pinkelt.

  • Die evangelische Kirche hat sich immer als Gegenentwurf zum Katholizismus, zum Papsttum, begriffen und kommt deshalb karg und schwarz daher, ohne jeden Glamour. Auch ihre Kirchen sind streng und kühl, architektonisch oft großartig, aber zum Bewundern, nicht zum Lieben. Das eine oder andere Engelchen tät ihr gut.
    Die katholische Kirche hingegen versteht sich auf Inszenierungen, ihre Kirchentage und Hochämter sind attraktiv wie Queen Mums Begräbnis ;-) Was für´s Auge, was für die Sinne, was für´s Volk. Und wenn sie zur Hochform aufläuft, wie z. B. bei Mariä Schnee in Rom, kann man nur staunen über so viel Sinn für Werbung.


    Luther kann getrost gefeiert werden, er hat ein neues Denken angeregt, aber immerhin keine Toten hinterlassen wie Thomas Müntzer. Der hat blutige Aufstände unterstützt - und teilweise angezettelt - aber nichts erreicht. Gar nichts. Da war Luther geschickter.

  • Ich war neulich (aus beruflichen Gründen) in der Lutherstadt Wittenberg https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherstadt_Wittenberg und dachte, guck Dir die Stadt an, wenn nicht hier und in diesem Jahr entdeckst Du nie den Herrn Luther und habe außer Luthersocken, Lutherluftballons, Lutherstrohhalmen, Lutherbier natürlich, sehr wenig vom Nachschauen und Nachspüren der Pfade, die Herr Luther gegangen ist, mitbekommen. Und es war mitten in der Woche, also nicht so viel vorhandener Tourismus. Kommerz und sonst nichts weiter.
    Dafür bräuchte es ein ausgerufenes Lutherjahr nicht. Mich hat es ein wenig geärgert. Die Thesen muss man auch im Netz nachschauen, in echt sind sie nicht zu entziffern, eine englischssprachige Führung wäre greifbar gewesen, die hätte sie mir runtergeleiert. Kostenfrei, weil grad nichts los war.
    Immerhin hat Herr Luther uns einen bundesweit gültgen Reformations(feier)tag beschert.
    :thinking-020:
    Frdl. Grüße
    Christiane

  • .....Luther kann getrost gefeiert werden, er hat ein neues Denken angeregt, aber immerhin keine Toten hinterlassen wie Thomas Müntzer. Der hat blutige Aufstände unterstützt - und teilweise angezettelt - aber nichts erreicht. Gar nichts. Da war Luther geschickter.


    Geschickter? Er hat sich einfach den damaligen Fürsten gebeugt, die die einfache Bevölkerung bis aufs Blut auspressten.

  • Luther wird ja gefeiert, weil er zwar der Kirche widersprach, aber vor den Fürsten demütig auf die Knie ging, ganz im Gegensatz zu Thomas Müntzer. […]

    Es wird eigentlich nicht die Person Martin Luther gefeiert, sondern der 500. Jahrestag der durch seine Thesen ausgelösten Reformation. Da wir jedoch in einer recht säkular geprägten Zeit leben, was übrigens auch für den Alltag der meisten der Kirche noch angehörenden Mitbürger gilt, denen historische Jahrestage die Mühe, an irgendwelchen Veranstaltungen teilzunehmen eben nicht wert ist, ist es halt eine Fehlkalkulation, angenommen zu haben, dass Feierstunden, Vorträge, Gesprächsrunden etc.pp. auf stärkeres Besucherecho treffen würden… am 31. Oktober wird's in Wittenberg rappelvoll sein, und es steht eher zu befürchten, dass die Kirchentür von Souvenirjägern in kleine Stücke gesägt wird…

  • Die evangelische Kirche hat sich immer als Gegenentwurf zum Katholizismus, zum Papsttum, begriffen und kommt deshalb karg und schwarz daher, ohne jeden Glamour. Auch ihre Kirchen sind streng und kühl, architektonisch oft großartig, aber zum Bewundern, nicht zum Lieben. Das eine oder andere Engelchen tät ihr gut.
    Die katholische Kirche hingegen versteht sich auf Inszenierungen, ihre Kirchentage und Hochämter sind attraktiv wie Queen Mums Begräbnis ;-) Was für´s Auge, was für die Sinne, was für´s Volk. Und wenn sie zur Hochform aufläuft, wie z. B. bei Mariä Schnee in Rom, kann man nur staunen über so viel Sinn für Werbung.



    Zu viel Messwein getrunken? :angel:


    Beide Kirchen haben unter schlapper Nachfrage zu leiden,
    da kann auch das eine oder andere Engelchen mehr nichts mehr ausrichten.



    Zitat

    Luther kann getrost gefeiert werden, er hat ein neues Denken angeregt, aber immerhin keine Toten hinterlassen wie Thomas Müntzer. Der hat blutige Aufstände unterstützt - und teilweise angezettelt - aber nichts erreicht. Gar nichts. Da war Luther geschickter.


    Luther hat im Bauernkrieg eine mehr als unrühmliche Rolle gespielt, seine Schrift "Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren" versuchte die gewaltsame Niederwerfung der Bauern zu legitimeren, die dann auch unzählige Todesopfer forderte. Ohne Grund sind die damilgen Bauern nicht rebellisch geworden, aber Luther paktierte aus politischen bzw. kirchenpolitischen Gründen lieber mit den Landesfürsten. Er hat nicht geholfen das Elend zu vermeiden, das nicht Thomas Müntzer in die Schuhe geschoben werden darf.

  • Zu viel Messwein getrunken? :angel:


    Beide Kirchen haben unter schlapper Nachfrage zu leiden,
    da kann auch das eine oder andere Engelchen mehr nichts mehr ausrichten.

    Mir scheint, dass Du es bist, der was getrunken hat - denn immerhin stammt der threadtitel von Dir - vergessen? Wenn, wie Du selbst geschrieben hast, Herr Bedford-Strohm nicht von der Art ist, die die Massen bewegt, so dass eben keiner hingeht, so ist doch der jeweilige Pabst in weißem Gewande, heiligem Lächeln und Babykopfstreicheln noch allemal in der Lage gewesen, eine Inszenierung zu bieten, die sehr viele Leute sehen wollen.
    Um die Zahl der echten Kirchenmitglieder ging es in Deinem thread nicht. Oder doch?


  • Meinst du auf den Katholikentagen ist es besser,nein nur die Medein berichten mehr darüber.

  • Luther ist nunmal Teil unserer Geschichte. Ich habe von daher kein Problem mit dem Lutherjahr, auch wenn es für mich persönlich nicht von Interesse ist.
    PS: Netter Nebeneffekt - in Berlin gibt es in diesem Jahr einen Feiertag mehr. Na jut.

  • Kirchens scheinen ohnehin den Zenith ihrer Anziehungskraft überwunden zu haben.Liegt es möglicherweise auch daran,dass das,was in der Bibel steht etwas völlig anderes ist,als das,was die Kirchen so treiben??
    Armut predigen und Pomp treiben (bei Kirchen und anderen Bauten,beim persönlichen Lebensstil der kirchlichen Bonzenu.a.) passt nun tatsächlich nicht zusammen,zumal in anderen Teilen dieser Erde Menschen schlicht und simpel verrecken,weil sie verhungern,verdursten und wegen fehlende Hygiene zugrunde gehen.

  • Luther ist nunmal Teil unserer Geschichte. Ich habe von daher kein Problem mit dem Lutherjahr, auch wenn es für mich persönlich nicht von Interesse ist.
    PS: Netter Nebeneffekt - in Berlin gibt es in diesem Jahr einen Feiertag mehr. Na jut.


    Wie bitte? Ihr habt in Berlin frei am Reformationstag?


    Uns wurde er geklaut!

  • […] Ich hatte Zizou so verstanden, dass Berlin nun jedes Jahr am Reformationstag frei hat. […]

    Was genau ist an dieser Aussage:

    […] in Berlin gibt es in diesem Jahr einen Feiertag mehr. […]

    […] missverständlich? (farbliche Hervorhebung schien mir an dieser Stelle nötig)