Wahlkampfendrunde in ARD und ZDF

  • Ich habe mir diese Woche abends bei Verwandten eine längere Wahlkampfsendung angesehen, die parallel in ARD und ZDF lief. Ich meine, es war donnerstagabend.


    Eingeladen waren die Spitzenkandidaten der Parteien, die nach den letzten Umfragen den Einzug ins Parlament schaffen dürften. Was mir schon eine Weile auffällt, ist die Tatsache, dass man die AfD zu solchen Sendungen einlädt, obwohl sie noch nicht im Bundestag sitzt. Als die Grünen und später die PDS in den Bundestag einzogen, hatte man beide Parteien vorher im Fernsehen bei solchen Sendungen überwiegend ausgeschlossen, ja teilweise sogar für die Runde nach der Wahl. Den meisten scheint gar nicht bewusst zu sein, dass indirekt die AfD von unseren Medien sogar hofiert wird und plötzlich einen Sonderstatus bekommt, anders behandelt wird als einst die Grünen und die PDS. Die AfD wurde oft schon vor Landtagswahlen eingeladen, wenn sie noch gar nicht im Parlament war.


    Man sollte sich nichts vormachen. Diejenigen Bürger, für welche die AfD eine mögliche Option ist, fühlen sich durch die chronische Parteinahme der Moderatoren gegen die AfD Vertreter eher in ihrer Haltung bestätigt, dass wir im Land eine Systempresse haben. Moderation darf nicht parteiergreifend sein, auch nicht subtil. Journalismus ist kein qualifizierter Beruf mehr. Vor allem im öffentlich rechtlichen Fernsehen werden damit nur Geschlechterquoten übererfüllt. Wenn selbst in politischen Sendungen Kleidung, Frisur und Maske zu den entscheidenden Parametern der Vorbereitung werden, dann läuft etwas schief im Land.


    Die einzigen beiden Parteien, die nicht ihre Spitzenkandidaten schickten, waren interessanterweise die beiden größten, die CDU und die SPD. Da Frau Merkel keine Lust hatte, stellte sich auch Martin Schulz bockig und blieb der Sendung fern. Die CDU schickte die Ursula von der Leyen, die SPD Manuela Schwesig. Es war einer der inzwischen unzähligen Kardinalfehler von Herrn Schulz, sich hier kleinkindhaft bockig zu stellen und den Auftritt nicht zu nutzen, wenigstens, um die Abwesenheit von Frau Merkel zu thematisieren. Er ist halt nur politischer Beamter und kein Profi.


    Was auch auffiel, war die Tatsache, dass die Parteien, die traditionell eher dem linken Spektrum zugeordnet werden, nur von Frauen repräsentiert wurden, die Parteien des eher rechten Spektrums überwiegend Männer ins Rennen schickten, mit Ausnahme von Frau vdL. Frauen wählen stärker konservativ als links. Sie wollen Männer als Repräsentanten. Einzige Ausnahme sind die Wählerinnen der Grünen, die häufig mit der faministischen Plattform sympathisieren. Trotzdem eine Minderheit.


    In solchen Runden kurz vor der Wahl geht es nicht mehr so sehr darum, das eigene inhaltliche Profil deutlich zu machen, sondern primär um die subtile Wirkung des Auftritts der entsprechenden Person, die als Stellvertreter der eigenen Partei einen guten Eindruck hinterlassen soll. Denn unmittelbar vor der Wahl muss man nur noch die Unentschlossenen erreichen und da geht es eher um subjektive, psychologische Werbemechanismen. Wer sich schon für die Linke entschieden hat, der tat das überwiegend aus inhaltlich, ideologischen Gründen schon vorher und der braucht einen solchen Auftritt von Frau Wagenknecht kurz vor der Wahl als Entscheidungspush nicht mehr.


    Frau Wagenknecht hatte sicher keinen schlechten Auftritt, aber sie sprach damit primär diejenigen an, die sich ohnehin schon für die Linke entschieden hatten. Die gleiche Strategie hatte Frau Schwesig drauf. Sie sprach mit ihrer Art des Auftritts eigentlich nur jene an, die ihre Entscheidung für die SPD längst getroffen hatten. Frau Göring-Eckhardt hatte -wie fast immer- beinahe einen leichenblassen, blutleeren Auftritt. Sie ist nur eine Quotenfrau. Vielleicht war sie diesmal auch zusätzlich ein wenig übermüdet von den vielen Kasperlesveranstaltungen der letzten Wochen.


    Frau von der Leyen wirkte, wie immer, ziemlich gekünstelt, unglaubwürdig, als befinde sie sich am Laufsteg und müsse den Leuten ein X für ein U vormachen. Auf mich wirkt sie wie eine chronische Lügnerin, der es nicht um ihre Aufgabe, sondern nur um ihre persönliche Karriere geht. Den professionellsten, weil auch den unaufgeregtesten Eindruck machten seltsamerweise Gauland von der AfD und Herrmann von der CSU. Lindner hielt sich erstaunlich stark zurück, geriet aber dann, wenn er zu Wort kam, in das gleiche Schema der künstlich emotionalisierten Dampfplauderei wie die Damen des linken Spektrums und der CDU. Joachim Herrmann saß genau neben Gauland, schaffte es, dass es während der gesamten Sendung zu keinerlei emotionaler Zuspitzung zwischen den beiden kam, Hermann ignorierte Gauland erfolgreich, ohne dass das bewusst aufgefallen wäre. Die AfD wirbt ja vor allem auch um Stimmen des rechten Rands der Union.


    Interessant fand ich die Einheitsmeinung aller Parteien, wo es um den Ruf nach mehr Polizei ging. Denn trotz einiger Terroranschläge ist die Kriminalität mit den Flüchtlingen statistisch zurück gegangen. Das bestehende Volk ist also im Schnitt krimineller als die zuletzt hierher Gefllüchteten. Bei der numerischen Mehrzahl der Delikte von Flüchtlingen handelt es sich um Dinge wie Schwarzfahren oder ohne Pass unterwegs zu sein.

  • Hermann der Superbayer hat gestern auch in Bayern mit der CSU die Quittung dafür bekommen das er überall wo er auftrat immer nur das Super-Bayern anprieß und auf die Probleme welche die AfD machen wird unterdrückt.
    Nicht ARD und ZDF (auch wenn ihnen Mitschuld anzulasten ist ) sind am Wahlerfolg der AfD schuld , wie Hermann gestern versucht die Pleite auch in Bayern kleinzureden, er muss die Schuld schon bei der Union selbst suchen.

  • Man überschätze die Wähler nicht! Es gibt weit mehr Mitläufer, als man denkt, und wenn die Prognosen tagtäglich den Untergang dieser und den Zuwachs jener Partei herausposaunen, dann denken viele Leute, dass da was dran sein muss. Ich bin für Stop der Veröffentlichung jedweder Umfrageergebnisse zwei Monate vor der Wahl, denn wer liest schon die Times oder die Huffington Post?

  • Man überschätze die Wähler nicht! Es gibt weit mehr Mitläufer, als man denkt, und wenn die Prognosen tagtäglich den Untergang dieser und den Zuwachs jener Partei herausposaunen, dann denken viele Leute, dass da was dran sein muss. Ich bin für Stop der Veröffentlichung jedweder Umfrageergebnisse zwei Monate vor der Wahl, denn wer liest schon die Times oder die Huffington Post?


    Ich hoffe die tatsächlichen Ergebnisse (AfD und CDU) machen den Wähler aufmerksam das die Wahlprognosen auch nur gesteuert sind.
    Und die Medien spielen ab heute schon wieder mit, das beginnt der Beschimpfung der SPD das sie sich einer neuen Groko verweigert und nun schon Jamaika zu der selig machenden Lösung hoch lobt.