Wahlpflicht Fluch oder Segen?

  • Ich bin gegen die meisten dieser Pflichten, jedenfalls dann, wenn sie persönliches Erscheinen bzw. aktives Mitwirken beinhalten. ....
    Gesetze einzuhalten bedeutet in den meisten Fällen etwas nicht tun zu dürfen ... das ist etwas anderes als etwas tun zu müssen (insbesondere zu physischer Präsenz gezwungen zu werden). ....
    Gäbe es eine Wahlpflicht, müsste es außerdem meiner Meinung nach eine explizite Ankreuzmöglichkeit dafür geben, keine der zur Wahl stehenden Parteien zu befürworten, sonst könnte man dazu gewzungen sein, jemanden zu wählen, den man ablehnt.


    kann die argumente verstehen, aber evtl. entschärfen.
    1. klar muss möglichkeit zu enthaltung gegeben sein. sonst bleibt ja grundsätzlich ungültig zu wählen.
    2. persönliches erscheinen nicht zwingend

    Zitat

    , aber es wird wenigstens nicht von mir verlangt, irgendwo hinzugehen (genauso habe ich auch die Wehrpflicht stets abgelehnt). Warum sollte das jemand verlangen dürfen? :-)


    es gibt ja briefwahl. allerdings muss die qualitätssicherung strenger werden!! da dürfen dann keine fehler passieren.


    aktuell üble erfahrung gemacht mit meiner 1. briefwahl.
    unterlagen wurden nicht an gewünschte adresse geschickt, sondern an meine heimatadresse.
    war reines glück, dass ich noch nicht abgereist war (4.sept., also früh genug beantragt). sonst hätten die mir meine stimme geraubt.
    konsequenzen? KEINE.
    3. erfahrungen in australien scheinen gegen "fänomene" wie bei uns afd wohl zu funktionieren?
    aber...völker (mentalität) vergleichen ist allerdings kritisch und haut evtl. nicht ganz hin.


    zwänge gibt es immer und über all. auch viel schlimmere, als zu wählen.
    wie oft im leben hat man keine wahl.


    Zitat

    Ich weiß, dass ich hier vermutlich nicht auf große Unterstützung treffen werde, aber ich bin sogar der Meinung, mein Kind besser unterrichten zu können, als das die Schule vermag.

    anderes thema. aber jedem trau ich das nicht zu. auch an die soziale komponente (aschottung) muss man denken. kann man aber kompensieren durch zusammenschluss mehrerer eltern. eh besser, da mehr leute mehr wissen als einer. FR hat nur bildungspflicht, keine schulpflicht.



    Zitat

    (die Idee von Diogenes, nur noch Verbrauchssteuern zu erheben, fand ich interessant, ist aber ein anderes Thema)


    ist mir entgangen. problem bei verbrauchsteuern ist, dass es die niedriglöhner überproportional belastet. die brauchen alles geld für den lebensunterhalt. das kapital wird dadurch weiter geschont. die super reichen konsumieren vermutl. auch hauptsächlich im ausland.

  • Ich sehe es ähnlich wie Jaki. Gut geführte Staaten brauchen ihre Bürger nicht mittels Bußgeldern o.ä. zu etwas zwingen.


    Nunja, ich hätte dann gern mal eine Adresse eines "gutgeführten" Staates.


    Konkret: Wahlpflicht würde bedeuten (als Ossi weiß ich, wovon ich schreibe), dass die Wahlurne in Altenheimen, Krankenhäusern usw. usf. unterwegs sein müsste.
    Wer etwas zur Pflicht macht, muss auch das Recht darauf einkalkulieren.
    Dennoch: Ich bin für Wahlpflicht.

  • Ich sehe es ähnlich wie Jaki. Gut geführte Staaten brauchen ihre Bürger nicht mittels Bußgeldern o.ä. zu etwas zwingen.


    zumal das die wenigsten davon abhält. darum wurde das wohl auch in einigen wieder abgeschafft.


    die verweigerer wählen notfalls ungültig als statement.


    was sind gut geführte staaten?
    diejenigen mit wahlpflicht nicht?

    Einmal editiert, zuletzt von curcuma ()

  • Jetzt ist es schlicht eine Sache der Prioritätensetzung: Ist es mir wichtiger, meinem prinzipiellen Wunsch, wählen zu gehen nachzukommen, oder ist es mir wichtiger, mich dafür einzusetzen, in einem nicht bevormundenden Staat zu leben. :)


    ok, aber wie viel zwingt dir dieser staat indirekt auf? steuerverwendung und verschwndung, klientelpolitik, lobbyismus, nebenjobs, aufsichtsratposten der abgeordneten, ignorieren von verbraucherschutz, entscheidungen gegen mehrheitlichen volkeswillen (gentechnik, massentierhaltung erwiesen unerwünscht), .......


    macht des volkes. volk (vor allem verbraucher) ehmen sie nicht wahr. manche nur ihre pseudomacht alle 4 jahre.


    der staat sind wir alle. jeder einzelne.

    Einmal editiert, zuletzt von curcuma ()


  • ok, aber wie viel zwingt dir dieser staat indirekt auf?
    ...


    Ich habe einen Teil deiner Fragen schon in meiner Antwort auf Wieben Klas beantwortet.
    Dass es noch andere Regeln und Pflichten gibt, die ich zum Teil ja ebenfalls ablehne, heißt ja nicht, dass ich nicht auch die Wahlpflicht ablehnen können sollte.


    Und genauso darf ich versuchen, mich gegen einige von dir genannte Missstände, wie z. B. Lobbyismus zu wehren - sich gegen das eine zu wehren, heißt ja nicht, sich nicht auch gegen das andere zu wehren. :)

  • geb dir ja recht.
    zwang ist immer doof.
    mensch ist noch nicht so weit, ohne zwang vernünftig und sozial zu handeln.


  • zwänge gibt es immer und über all. auch viel schlimmere, als zu wählen.


    Das ist richtig, aber nur weil es Schlimmeres gibt, darf ich doch trotzdem auch gegen weniger Schlimmes sein, oder? :)



    ist mir entgangen. problem bei verbrauchsteuern ist, dass es die niedriglöhner überproportional belastet.


    Je Luxus das Gut desto hoch die Steuer? ;-)

  • .... problem bei verbrauchsteuern ist, dass es die niedriglöhner überproportional belastet. die brauchen alles geld für den lebensunterhalt. das kapital wird dadurch weiter geschont. die super reichen konsumieren vermutl. auch hauptsächlich im ausland.



    Antwort hier

  • ... Gäbe es eine Wahlpflicht, müsste es außerdem meiner Meinung nach eine explizite Ankreuzmöglichkeit dafür geben, keine der zur Wahl stehenden Parteien zu befürworten, sonst könnte man dazu gewzungen sein, jemanden zu wählen, den man ablehnt.


    Das und es lohnt sich, darüber nachzudenken (meine ich), die Parteienprogramme im Wesentlichen schon in den weiterführenden Schulen durchzugehen und zu besprechen. Oder tut man es? Ich bin lange raus, mein Kind auch und meine Enkel sind noch nicht soweit. Das wäre sowohl für den Wähler als auch für die zu Wählenden eine Art der Verantwortungsnahme.


    Frdl. Grüße
    Christiane


  • "Ich will nicht in einem Staat leben, der mir unnötige Vorschriften macht. Tut er es dennoch, werde ich durch Zuwiderhandlung meinen Standpunkt verdeutlichen."


    Jetzt ist es schlicht eine Sache der Prioritätensetzung: Ist es mir wichtiger, meinem prinzipiellen Wunsch, wählen zu gehen nachzukommen, oder ist es mir wichtiger, mich dafür einzusetzen, in einem nicht bevormundenden Staat zu leben. :)

    Dein Wunsch ist es, wählen zu gehen. Warum hältst Du es dennoch für wichtiger, Dich durch Nichtwählen "dafür einzusetzen, in einem nichtbevormundenden Staat zu leben", wenn Du doch zum einen eigentlich wählen willst und zum anderen genau weißt, dass dieser Dein "Einsatz" völlig verpufft und rein gar nichts bringt, ja, nicht einmal bemerkt oder gar als Demonstration erkannt wird. Das ist eine brotlose Kunst, die Du da auszuüben meinst.
    Ist es nicht doch einfach eine faule Ausrede?

  • […] Ist es mir wichtiger, meinem prinzipiellen Wunsch, wählen zu gehen nachzukommen, oder ist es mir wichtiger, mich dafür einzusetzen, in einem nicht bevormundenden Staat zu leben. :)

    Die Staaten, in denen die Beteiligung an Wahlen Bürgerpflicht ist, unterstreichen damit die Wichtigkeit dieses in schöner Regelmäßigkeit durchgeführten Vorgangs. Die Mühe für den Bürger ist ja nun keineswegs unangemessen, und diese Pflicht würde ich nun nicht als Bevormundung durch den Staat ansehen, sondern die Teilnahme an der Wahl als meinen individuellen Anteil am Funktionieren des Staates - ironischerweise war's doch gerade Belgien, wo schon mal nach der Wahl keine Regierung gebildet werden konnte - insofern wäre die Pflicht eher zu erweitern, nämlich auf die Gewählten, auch dem Wählerauftrag entsprechend zu handeln.