Kenia: Grundeinkommen, bedingungslos


  • Wer keine Lust hat sich das Video anzuschauen, hier die Kurzfassung:
    Die Organisation "Give directly" verteilt Geldbeträge an auserwählte arme Menschen in Kenia, um ihnen auf die Beine zu helfen. Ohne Bedingung, ohne das sie es zurückzahlen müssen.
    Mit einigem Erfolg: Die Menschen haben kleine Geschäfte gegründet, Vieh gekauft oder besseres Werkzeug um die Äcker zu bestellen. Es hat vielen Menschen die Existenz gesichert und anderen die Existenz vereinfacht.
    Gelernt hat man aus der Praxis der Mikrokredite, die teilweise dazu führte, das die Empfänger nicht mal die Mikrokredite zurückzahlen konnten - und reihenweise Selbstmord begingen. Siehe hier:
    Selbstmord einer großen Idee
    http://www.zeit.de/2010/47/Mikrokredite-Indien
    Was denkt ihr, ist das ein probates Mittel zur Armutsbekämpfung?
    Ich denke schon. Man muss genau hinschauen wer etwas bekommt, aber es ist viel effektiver als Sachspenden, wenn z.B. Dörfer in denen keine Fischerei betrieben wird eine Anlage zum Trocknen von Fischen bekommen oder Textilspenden die aufstrebende nigerianische Textilindustrie vernichten.
    Die Menschen wissen selber am besten was sie brauchen.
    Dies soll sich auch nicht auf die Idee des Grundeinkommens in Deutschland beziehen, da dies in meinen Augen eine andere Thematik ist.


    Wer mithelfen will, kann sich hier beteiligen:


    https://www.givedirectly.org/

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  • Ein gutes Projekt. Die Menschen organisieren um die Initialidee herum neue, eigene Projekte und werden kreativ. Das ist effizient.
    Es entstehen auch kaum Reibungsverluste und administrative Bremseffekte. Und wie man sieht, können die Menschen sich durch die überschaubaren Mittelzuflüsse schnell selbst weiter helfen, der Multiplikatoreffekt tritt ein.
    Mit wenig Geld viel erreichen scheint hier auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein.
    Hoffentlich wird die Konzeption noch weiter ausgebaut.

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 ()


  • Ich konnte da jetzt keinen Hinweis darauf finden, das sie nicht seriös sind.
    Eher im Gegenteil, sie sind recht transparent.


    https://en.wikipedia.org/wiki/GiveDirectly#Reception


    Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Was denkst du über den Ansatz, mal ganz abgesehen davon wie die Ãœberweisungsformalitäten von statten gehen?

    Einmal editiert, zuletzt von A0583 ()

  • Das sieht tatsächlich nach einer guten Idee aus, ist aber mit dem in Europa diskutierten bedingungslosen Grundeinkommen nicht zu vergleichen, weil es nicht nach dem Gießkannenprinzip ausgegeben wird. Die Leute, denen man Geld gibt, werden ausgewählt.

  • Nicht ganz. Auswahl ja, aber nur, weil es eine Projektstudie geben soll, das Ganze wissenschaftlich überwacht wird, was die Einverständniserklärung der Teilnehmer einerseits, und Begrenzung der Gruppe andererseits erfordert.


    Im Ãœbrigen hat niemand in diesem Stadium einen Vergleich anstellen oder eine Ergebnisbewertung vornehmen wollen. Im Gegenteil, Uncas hat bereits im Eingangsbeitrag ausdrücklich davon Abstand genommen.

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 ()

  • Das sieht tatsächlich nach einer guten Idee aus, ist aber mit dem in Europa diskutierten bedingungslosen Grundeinkommen nicht zu vergleichen, weil es nicht nach dem Gießkannenprinzip ausgegeben wird. Die Leute, denen man Geld gibt, werden ausgewählt.


    Genau aus dem Grund sagte ich auch, das ich es für ein anderes Thema halte...

  • Prinzipiell find ich die Idee gut. Transparenz is wichtig und ein einigermaßen neutrales Vergabesystem. Hand in Hand natürlich.


    So ist nämlich eine "eigene Entwicklung" garantiert und keine destruktive, wie erwähnte Sachspenden. Menschen auf ihrem Weg unterstützen ist eh viel konstruktiver, als ihnen "zu zeigen wie es geht"!


    ....ach und nur mal am Rand was zu Subbis "Einwand" ...Es gibt auch unter Milliardären recht vernünftige. Die bloße Tatsache, dass so ein Konstrukt in deren Händen ist, ist noch lang kein Beweis für eine nicht vorhandene Seriosität.


    Pauschalisierenderweis ist es eher den VTlern eigen, dass sie solches als "Argument" gelten lassen. :wink5:

  • Und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Was denkst du über den Ansatz, mal ganz abgesehen davon wie die Ãœberweisungsformalitäten von statten gehen?


    Ich halte es vom Prinzip her für keine schlechte Idee, wenn es auch die Probleme der 3. Welt nicht ansatzweise löst. Hat natürlich auch ein bisschen was für das gute Gewissen in reichen Ländern.

  • Ich halte es vom Prinzip her für keine schlechte Idee, wenn es auch die Probleme der 3. Welt nicht ansatzweise löst. Hat natürlich auch ein bisschen was für das gute Gewissen in reichen Ländern.


    Du meinst ohne Schuldgefühle würden die meisten Menschen nicht auf die Idee kommen zu helfen?

  • Was Menschen doch so alles zur Beruhigung des eigenen Gewissens treiben...


    Und...Reiche haben keine Schuldgefühle, sonst wären sie nicht reich geworden...
    Wir haben ja bald wieder Weihnachten...schauen wir mal, was da so bei den Spendenmarathonen so abgeht...und von wem die meiste Kohle gespendet wird...

  • Was Menschen doch so alles zur Beruhigung des eigenen Gewissens treiben...


    Und...Reiche haben keine Schuldgefühle, sonst wären sie nicht reich geworden...
    Wir haben ja bald wieder Weihnachten...schauen wir mal, was da so bei den Spendenmarathonen so abgeht...und von wem die meiste Kohle gespendet wird...


    Schenken ist grundsätzlich kein Akt der Selbstbefriedigung.


    Bei kollektiven Inszenierungen spielt das eher eine Rolle.


    Individuell kann das durchaus verschieden sein.

  • Was Menschen doch so alles zur Beruhigung des eigenen Gewissens treiben...


    Das habt ihr mir noch nicht so ganz zufriedenstellend erklärt. Ab wann handelt es sich bei Hilfe für andere um Beruhigung der eigenen Schuldgefühle (und warum sollte man Schuldgefühle haben?) und ab wann ist es ein Akt aus Empathie?
    Haben Bill Gates und George Soros Schuldgefühle, wenn sie sich verpflichten, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden?


    https://de.wikipedia.org/wiki/The_Giving_Pledge


    Derartige Vorhaben werden ja aus einer bestimmten Ecke immer ganz besonders gehasst.

  • Wenn Mittellose helfen, dann sind das "Gutmenschen", wenn reiche helfen, dann wollen die nur ihr schlechte Gewissen beruhigen..


    Wer so pauschal kategorisiert, der mag bestimmt nicht, wenn anderen geholfen wird. :wink5:

  • Die Vorgänge in der Welt, die Beweggründe von Menschen und überhaupt...
    Ein übersichtlich sortiertes Weltbild zu haben kann ganz einfach sein...


    :cornut::biggrin:

  • Das habt ihr mir noch nicht so ganz zufriedenstellend erklärt. Ab wann handelt es sich bei Hilfe für andere um Beruhigung der eigenen Schuldgefühle (und warum sollte man Schuldgefühle haben?) und ab wann ist es ein Akt aus Empathie?
    Haben Bill Gates und George Soros Schuldgefühle, wenn sie sich verpflichten, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden?


    https://de.wikipedia.org/wiki/The_Giving_Pledge


    Derartige Vorhaben werden ja aus einer bestimmten Ecke immer ganz besonders gehasst.


    Mich störte das Wort Schuldgefühle, weil es in diesem Zusammenhang nicht passt.
    Dass in Afrika Menschen verhungern oder die Massen kaum Perspektiven haben, dafür gibt es diverse Ursachen. Manche kennen wir, andere kennen wir nicht. Das einzelne Individuum im Westen entwickelt für diese Situation aber nur selten Schuldgefühle. Warum auch? Natürliche Schuldgefühle kann das Individuum nur dort entwickeln, wo es Akteur, Handelnder und damit konkret Verursacher des Schadens war.
    Auch wenn die Politik der reichen Länder und teilweise auch bestimmte Konzerne reicher Länder die angespannte Situation in der Dritten Welt teilweise fördern, fühlt sich das Individuum, Du oder ich, dafür nicht persönlich verantwortlich oder schuldig. Warum auch?
    Natürlich sollten wir uns hier gelegentlich vergegenwärtigen, dass wir einfach nur Glück gehabt haben, hier in Deutschland geboren zu sein und nicht in Äthiopien oder Kenia, dass der Ort unserer Geburt und die dort herrschenden Rahmenbedingungen nicht unsere spezielle Eigenleistung waren.
    Sehr reiche Menschen, die ihren Reichtum überwiegend eigener Leistungen oder Ideen zu verdanken haben, haben oft gleichzeitig ein sehr hohes Bewusstsein dafür, einen Teil ihres Reichtums wieder zurück zu geben, dort zu investieren, wo Not am Mann ist. Das ist ein völlig natürlicher, psychologischer Prozess.
    Geizig sind in solchen Fällen fast nur die Menschen, welche schon ihren Reichtum nicht durch Eigenleistung erhalten haben, sondern primär durch moralisch zweifelhafte Methoden. Auch das ist ein völlig natürlicher, psychologischer Prozess. Aus deren Mündern hört man auch eher mal Worte wie Bimbos, wenn es im Afrikaner geht.
    Trotzdem ist es aber so, dass solche Projekte, wie das hier genannte, in gewissem Maße eine Art Beruhigungs- oder moralisches Selbstbeweihräucherungsgefühl fördern. Hinzu kommt, dass in diesem Fall auch noch das beliebte linke Projekt BGE transportiert wird, obwohl es inhaltlich bei diesem Projekt eigentlich primär um etwas anderes geht. Trotzdem wirkt es auch auf der ideologischen Ebene, wird von den Initiatoren auch scheinbar gezielt so vermarktet, um indirekt Freunde des BGE im Westen als potentielle Spender anzusprechen.
    Ich persönlich sehe mich durchaus als ziemlich reich an, auch im Vergleich zu den meisten anderen im eigenen Land. An eine vergleichsweise anonyme Organisation, bei der ich von Einträgen im Internet oder anderen Infos aus dritter oder vierter Hand oder der Eigen-PR der Organisation abhängig bin, würde ich aber nie auch nur einen einzigen Cent spenden, was nicht bedeutet, dass all diese Organisation unseriös sein müssen.
    Ich spende aber durchaus sehr viel, zuletzt fünfstellig. Aber da weiß ich in jedem Einzelfall immer, dass es genau dort ankommt, wo ich es hin schenke und sehe auch konkret, was damit gemacht wird und dass es dem von mir gewünschten Zweck auch tatsächlich zu 100% dient.
    Aber das kann natürlich jeder halten wie er es richtig findet.


  • Also ein schlechtes Gewissen habe ich nicht, was solche Dinge angeht. Ich bin mir darüber bewusst, dass mein Einfluss auf die größeren Zusammenhänge in dieser Welt sehr gering ist.



    Trotzdem ist es aber so, dass solche Projekte, wie das hier genannte, in gewissem Maße eine Art Beruhigungs- oder moralisches Selbstbeweihräucherungsgefühl fördern. Hinzu kommt, dass in diesem Fall auch noch das beliebte linke Projekt BGE transportiert wird, obwohl es inhaltlich bei diesem Projekt eigentlich primär um etwas anderes geht. Trotzdem wirkt es auch auf der ideologischen Ebene, wird von den Initiatoren auch scheinbar gezielt so vermarktet, um indirekt Freunde des BGE im Westen als potentielle Spender anzusprechen.
    Ich persönlich sehe mich durchaus als ziemlich reich an, auch im Vergleich zu den meisten anderen im eigenen Land. An eine vergleichsweise anonyme Organisation, bei der ich von Einträgen im Internet oder anderen Infos aus dritter oder vierter Hand oder der Eigen-PR der Organisation abhängig bin, würde ich aber nie auch nur einen einzigen Cent spenden, was nicht bedeutet, dass all diese Organisation unseriös sein müssen.
    Ich spende aber durchaus sehr viel, zuletzt fünfstellig. Aber da weiß ich in jedem Einzelfall immer, dass es genau dort ankommt, wo ich es hin schenke und sehe auch konkret, was damit gemacht wird und dass es dem von mir gewünschten Zweck auch tatsächlich zu 100% dient.
    Aber das kann natürlich jeder halten wie er es richtig findet.


    Das sehe ich etwas anders. Wie gesagt, das BGE in Deutschland hat nur dem Namen nach etwas mit diesem Projekt zu tun und ich glaube nicht, dass sich die Harvard-Studenten, die hinter diesem Projekt stehen von den Befindlichkeiten irgendwelcher deutscher Linker haben leiten lassen.
    Es geht um die Effektivität. Man hat erkannt und gelernt, dass Entwicklungshilfe durch staatliche Institutionen oft entweder ineffizient ist oder in Korruption versandet.
    Gelder für 12 Schulen, von denen nur eine zum Vorzeigen für die Presse gebaut wurde und das restliche Geld in den Taschen korrupter Politiker verschwand (war glaube ich in Guatemala). Kleiderspenden die auf Märkten verkauft werden, anstatt verteilt zu werden, Spenden die an die völlig falschen Adressaten gelangten (Fischtrockner in einem Dorf ohne Fischerei), etc. pp.
    Ineffizient und korrupt und zudem zerstört es oftmals noch die lokale Wirtschaft. Wenn tonnenweise Mais gespendet, also geschenkt wird, dann kann jeder Bauer seine Hacke an die Wand hängen und mit dem betteln anfangen.
    Niemand kann preislich mit geschenkter Ware konkurrieren. Das alles hat den betroffenen Ländern mehr geschadet als geholfen. Manchmal kam es mir fast so vor als wäre das Absicht, um die Ökonomien dort zu zerstören, so offensichtlich war das.
    Nun hat man positive Erfahrungen mit Mikrokrediten in Bangladesch gemacht. Es wurden kleinere Beträge an Einzelpersonen oder Familien verliehen, mit denen sie Anschaffungen tätigen konnten, die sie wirklich brauchten.
    Einen Generator, eine Nähmaschine, ein paar Stück Vieh o.ä.
    Damit haben sich viele Menschen Existenzen gegründet, von denen sie schließlich leben konnten. Viele waren aber trotzdem auch nicht in der Lage dazu, die Kredite zurückzuzahlen und begingen deshalb Selbstmord.
    Also wurde dieser, im Grunde erfolgreiche Ansatz, weiter gedacht. Man leiht das Geld nicht, sondern schenkt es, an auserwählte, verantwortungsvolle Personen. Natürlich gibt es überall auf der Welt auch Säufer/Drogensüchtige, verantwortungslose oder inkompetente Menschen, aber um die geht es nicht.
    Es geht darum, dass Erfolgskonzept Hilfe zur Selbsthilfe zu verfeinern.
    Wenn wir schon ständig davon reden Fluchtgründe zu bekämpfen, dann sollten solche Projekte ganz oben auf unserer Agenda stehen und nicht die althergebrachte Entwicklungshilfe.

    Einmal editiert, zuletzt von A0583 ()


  • Das sehe ich etwas anders. Wie gesagt, das BGE in Deutschland hat nur dem Namen nach etwas mit diesem Projekt zu tun und ich glaube nicht, dass sich die Harvard-Studenten, die hinter diesem Projekt stehen von den Befindlichkeiten irgendwelcher deutscher Linker haben leiten lassen.


    Harvardstudenten???


    „Facebookmitgründer Chris Hughes und Jacqueline Fuller, Chefin von Google Giving, sind im Vorstand von GiveDirectly aktiv" Zitat wiki



    Wir verbinden hier in Deutschland das BGE sehr stark mit dem Chef einer Drogeriekette.


    Die dahinter stehende Idee ist nicht auf seinen Mist gewachsen.


    Solche Ideen gibt und gab es durchaus auch in anderen Ländern, in abgewandelter Form.


    Der Mann hatte halt viel Zeit zum Bücher lesen, weil er die Leitung seiner Kette im Alltag längst anderen übergeben konnte und verlagerte seine Energie zunehmend mehr auf das öffentliche Selbstmarketing um seine eigene Person.


    Seine Drogerie spürte das sehr deutlich am Umsatz, denn plötzlich kauften manche Leute sehr bewusst bei ihm ein, weil sie durch das BGE-Gedöns des DM-Chefs glaubten, sie würden damit indirekt etwas Soziales unterstützen. So sozial ist er aber auch wieder nicht, als dass seine Vorträge zum BGE kostenlos gewesen wären. Er langte da teilweise ganz schön zu.


    Die Idee des in diesem Thread thematisierten Projekts halte ich durchaus für kreativ.


    Ich glaube trotzdem, dass das nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein bleibt.


    Jede größere Organisation neigt irgendwann zu deutlich korruptiven Gesetzmäßigkeiten. Das würde auch dieser Organisation spätestens dann blühen, wenn man damit unzählige Millionen Spender und damit ein exorbitant hohes Budget erreichen würde. Wenn irgendwann innerhalb der Organisation berufliche Karrieren mit einem solchen Projekt generiert würden.


    Planstellen sozusagen. Dann verschiebt sich die Interessenlage zunehmend auf die persönlichen Interessen einiger Auserwählter der dort Beschäftigten und die eigentliche soziale Aufgabe wird in die Marketingabteilung als verlängerter Arm einer guten Öffentlichkeitsarbeit verlagert, eine Strategie, die aber nur bis zu den ersten öffentlichen Skandalen funktioniert.


    Am Ende zählt immer, was im Ergebnis hinten raus kommt. Das Konzept klingt sympathisch, wird aber nichts Essentielles erreichen können, ist bestenfalls ein guter gedanklicher Schritt.


    Die Frage, die sich bei diesem Threadthema für mich eher aufdrängt, ist, wie man das systemisch erreichen kann, was eigentlich bezweckt werden will.


    Mein Grundgedanke zielt dabei in eine andere Richtung, habe das in meiner letzten großen spenderischen Investition auch so gehandhabt.


    Ich würde den Menschen kein Geld geben und darauf zählen, dass sie selbst damit etwas Sinnvolles anfangen und sich eine Existenz aufbauen.


    Ich neige eher dazu, in die wichtigste Grundlage einer autarken, selbstbestimmten Existenz zu investieren. In die Bildung und Ausbildung der Menschen. Das ist auch das eigentliche Fundament einer eigenverantwortlichen Existenz, die man sich dadurch aufbauen kann. Die Idee des hier genannten Projekts fängt aber schon beim zweiten Schritt an und wird deshalb über kurz oder lang scheitern.

  • Zitat von Miriam

    Geizig sind in solchen Fällen fast nur die Menschen, welche schon ihren Reichtum nicht durch Eigenleistung erhalten haben, sondern primär durch moralisch zweifelhafte Methoden.

    Wer kennt denn schon mehr als ein paar Reiche, die ihren Reichtum selbst erarbeitet und dann viel gespendet haben, und wer kennt viele Reiche, die zu ihrem Reichtum durch moralisch zweifelhafte Methoden gekommen sind? Jeder hat doch nur ein paar Beispiele. Ich z. B. kenne einige Reiche, die ihren Reichtum geerbt haben - das kann man natürlich moralisch zweifelhaft nennen, wenn man will, und sich Gesetze wünschen, bei denen jeder Mensch bei Null anzufangen hat. Allerdings denke ich, dass jeder, der spendet, ob viel oder wenig, dafür zu loben ist, ob er es nun aus egoistischen oder altruistischen Gründen tut, dem Empfänger kann das nämlich wurscht sein. Einige Menschen spenden, weil sie der Boss sein wollen, der die Empfänger bestimmt, einige spenden aus familiärer Tradition, und sicher auch manche aus Schuldgefühlen. Wenn sie´s nicht ganz dumm anstellen, wird immer jemand, der es braucht, davon profitieren, und auch die auf den Märkten verkauften statt verschenkten Kleiderspenden machen nicht die heimische Industrie kaputt, sondern setzen eine nicht zu verachtende Erwerbskette in Gang, und zwar bei den Leuten, die in der heimischen Industrie keine Arbeit finden. Die Sachen werden im Riesenballen vom Schiff weg verkauft, gereinigt und oft umgearbeitet und dann für sehr kleines Geld auf dem Markt verkauft. Jeder Handgriff bringt jemandem was ein und die Klamotten landen dann bei Leuten, die ein Industrieprodukt nie kaufen könnten.

    Na und? Wenn was Gutes dabei herauskommt? Mir scheint das bei Dir auch eine Art von Neid zu sein.


    Zitat

    Seine Drogerie spürte das sehr deutlich am Umsatz, denn plötzlich kauften manche Leute sehr bewusst bei ihm ein, weil sie durch das BGE-Gedöns des DM-Chefs glaubten, sie würden damit indirekt etwas Soziales unterstützen. So sozial ist er aber auch wieder nicht, als dass seine Vorträge zum BGE kostenlos gewesen wären. Er langte da teilweise ganz schön zu.

    Ogottogott - da hat einer VERDIENT, böse, böse - wie viel ist "ganz schön"?


    Zitat

    Die Idee des in diesem Thread thematisierten Projekts halte ich durchaus für kreativ.


    Ich glaube trotzdem, dass das nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein bleibt.

    Immerhin. Es gibt nicht DIE allumfassend heilende Idee, aber viele Tröpfchen kühlen den Stein.


    Zitat

    Jede größere Organisation neigt irgendwann zu deutlich korruptiven Gesetzmäßigkeiten. Das würde auch dieser Organisation spätestens dann blühen, wenn man damit unzählige Millionen Spender und damit ein exorbitant hohes Budget erreichen würde. Wenn irgendwann innerhalb der Organisation berufliche Karrieren mit einem solchen Projekt generiert würden.

    Dennoch bliebt als Kern erhalten, was Du selbst sagst

    Zitat von Miriam

    Am Ende zählt immer, was im Ergebnis hinten raus kommt.


    Zitat

    Das Konzept klingt sympathisch, wird aber nichts Essentielles erreichen können, ist bestenfalls ein guter gedanklicher Schritt.

    Dann kann man gleich aufhören, irgendetwas zu ersinnen, wenn man von vornherein annimmt, dass es nichts Gutes bewirkt, sondern in Korruption endet. Auch die Mikrokredite sind ein Versuch gewesen, der teilweise mißlungen ist, das sagt aber nicht, dass man nicht Fehler erkennen und ausmerzen kann.


    Zitat

    Die Frage, die sich bei diesem Threadthema für mich eher aufdrängt, ist, wie man das systemisch erreichen kann, was eigentlich bezweckt werden will.

    Und? Hast Du eine Antwort? Und wie viele Generationen müssen auf eine solche - das System grundsätzlich verändernde - Idee warten? Wie vielen Menschen wäre derweil durch kleinere Schritte geholfen? Die Hilfe systemisch zu erreichen, kann man man ja trotzdem gleichzeitig versuchen.


    Zitat


    Ich würde den Menschen kein Geld geben und darauf zählen, dass sie selbst damit etwas Sinnvolles anfangen und sich eine Existenz aufbauen.

    Das glaube ich sofort.


    Zitat

    Ich neige eher dazu, in die wichtigste Grundlage einer autarken, selbstbestimmten Existenz zu investieren. In die Bildung und Ausbildung der Menschen. Das ist auch das eigentliche Fundament einer eigenverantwortlichen Existenz, die man sich dadurch aufbauen kann. Die Idee des hier genannten Projekts fängt aber schon beim zweiten Schritt an und wird deshalb über kurz oder lang scheitern.

    Keine Frage, das ist das Fundament. Von Deinen diesbezüglichen Investitionen profitieren alle, die jetzt jünger sind als 8 Jahre, für die man Schulen baut und Lehrer einstellt (solche Projekte gibt es zuhauf, eins davon unterstütze ich), aber was machst du mit der 40-Jährigen Brasilianerin, die nichts gelernt hat, aber sechs Kinder, und nie einen Job finden würde? Aber die lernt in einer von Deutschen aufgebauten Nähschule (die ich auch unterstütze), wie man einfache Kleider näht und die auf dem Markt verkauft. Das könnte sie, bekäme sie etwas Geld geschenkt, auch als Selbstständige tun, mit selbst gekauften Stoffen. Sie würde sich eine kleine Firma aufbauen.
    Nun könnte man sagen, ich solle mein Geld lieber einer solchen Frau geben, als die Schule zu unterstützen. Kann man, aber das wäre dann nur eine, statt jährlich etwa 20, die dort etwas lernen, was ihnen nie jemand vorher gezeigt hat.
    Die Sache mit dem Spenden ist nicht so einfach, und jeder muss tun, was ihm persönlich im Augenblick am effektivsten erscheint. Ich unterstütze gern private Initiativen, deren "kleine" Baussteine von Leuten aufgerichtet werden, die ich selbst kenne oder für deren Ehrlichkeit andere Freunde bürgen. Dass ich außerdem noch regelmäßig eine Reihe von Gutmenschenorganisationen bedenke, gibt mir das Gefühl, dass irgendwas von allem schon nützlich sein wird.


    Niemand kann alles durchschauen, es gibt aber eine Reihe von Menschen, die mit genau diesem Argument lieber gar nichts geben.