"Alternative Fakten" sind Unwort des Jahres 2017

  • Tatsächlich sind es offensichtlich UnWÖRTER, denn auch hier greift der Plural.
    Doch warum ausgerechnet hierbei pedantisch werden, angesichts des Umstandes, dass es um "alternative Fakten" geht.


    Die Wahl halte ich, angesichts des davon gezeichneten Jahres 2017, für selten gut passend getroffen.

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: r

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    Die Wahl halte ich, angesichts des davon gezeichneten Jahres 2017, für selten gut passend getroffen.


    Ich finde die Wahl schlecht, weil es eben zwei Wörter sind. Ich finde sie außerdem schlecht, weil "postfaktisch" in 2016 das Unwort war, was ich nicht schlecht fand. Wieso diese Wiederholung ? Ist das wieder eine Erziehungsmaßnahme durch die Brust ins Auge, vom feinfedrigen Qualitätsjournalismus ? Alternative Fakten müssen außerdem keine Lügen sein, es könnte ja auch sein dass sie einfach unter den Teppich gekehrt wurden, weil ordentliche Fakten besser zum Narrativ passen und die Verschwiegenen stören würden.

  • Ich halte diese Wahl seit Jahren für einen ziemlich abgestandenen Witz.
    Es ist nur eine Reflexion des Zeitgeistes, gewürzt mit ein bisschen Protest und Empörung, gepaart mit plakativ zelebrierter Intellektualität der Jury und einem niemals fehlen dürfenden impliziten Vorwurf, was alles zusammen zu einem Brei verrührt wird, aus dem dann am Ende die völlig uneigennützige Jury eine Entscheidungwurst in Form eines Wortes (oder, wie in diesem Fall, eines Wortpaares) presst.


    Diese wahnsinnig wichtige Entscheidung wird dann, dem Ereignis angemessen, in den "Nachrichten" verkündet, was regelmäßig im Moment des Vollzugs des Verkündungs- und Mitteilungsaktes einer bereits unangemessenen und aufgesetzt wirkenden "Bedeutung", eher lächerlich als bedeutsam wirkt.


    Ich vermute, dass es eine Menge Alternativen gab, aber womöglich kann diese Annahme auch unter "postfaktisch" verbucht werden. :erol:

    6 Mal editiert, zuletzt von A3243 ()

  • […] Die Wahl halte ich, angesichts des davon gezeichneten Jahres 2017, für selten gut passend getroffen.

    Als Unwörter stellen sich zumeist ganz harmlos scheinende Termini heraus, sobald sie in die Tat umgesetzt werden. Wörter wie "Handlungsbedarf" oder "Rechtmäßigkeit" wären viel eher geeignet, dem, der sie hört oder liest, einen Schauer über den Rücken zu jagen. In Köln soll ja den Bewohnern eines Seniorenheims ihr wöchentliches Bingospiel verboten worden sein, weil's unter den Glückspielstaatsvertrag fallen könnte.

  • das unwort des jahres ist: "unwort des jahres".
    jaja, köln. dort gibt man sich alle mühe, berlin als deutsche chaos-hauptstadt abzulösen.

  • das unwort des jahres ist: "unwort des jahres".
    jaja, köln. dort gibt man sich alle mühe, berlin als deutsche chaos-hauptstadt abzulösen.


    Wie kommst du jetzt auf Köln? ..klingt fast wie ein "...Sweden last night!" (D.T.) ...Argument.

  • Was heisst denn "unwort des jahres"? ist das ein gesetz? eine konvention? oder eher ein kurzer artikel in vermischtes in der sauren-gurken-zeit?


    Das Unwort des Jahres ist eine sprachkritische Aktion, die in Deutschland 1991 von dem Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser ins Leben gerufen wurde. Bis 1994 wurde das „Unwort des Jahres“ im Rahmen der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählt. Nach einem Konflikt mit dem Vorstand der GfdS machte sich die Jury als „Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres“ selbstständig.
    https://de.wikipedia.org/wiki/…_des_Jahres_(Deutschland)


    Also, ein beschluss eines privaten vereins von, immerhin, fachleuten. Erinnert mich in seiner politischen dimension an den "pfeifenraucher des jahres" oder den Orden "wider dem tierischen ernst".


    Will es denn mehr sein?


    Jüüüaaaah... schon irgendwie... ist aber auch ein bisschen was besseres. Tritt mit moralischem anspruch auf... aber, bestimmt nicht mit dem der absolutheit. Die Auswahl der jahre kann man sich im obigen wiki-artikel ja mal überfliegen.


    Also, ich hab nichts gegen eine unwortfeststellung und veröffentlichung. Zynismus und menschenverachtung gibts doch genug, warum soll man da nicht auch mal drauf zeigen?

  • Was heisst denn "unwort des jahres"? […]

    Sprachliche Ausdrücke werden dadurch zu Unwörtern, dass sie von Sprechern entweder gedankenlos oder mit kritikwürdigen Intentionen verwendet werden, und dies im öffentlichen Kontext (siehe die Kriterien der Aktion). Die Kritik an ihnen ist Ausdruck der Hoffnung auf mehr Verantwortung im sprachlichen Handeln. So definiert wenigstens der Initiator (Horst Dieter Schlosser ist längst im Ruhestand und gehört auch der aktuellen Jury nicht an) jene alljährliche Preisvergabe… begonnen hatte das alles mit dem bei einer Podiumsdiskussion geäußerten Vorschlag, man müsse analog zum von der Gesellschaft für deutsche Sprache gekürten "Wort des Jahres" auch dessen Gegenteil benennen.

  • Nicht ganz unwichtig ist, wenn man schon auf die „eigentümliche“ Entwicklung innerhalb der Sprache hinweisen will, dass man diese Sprache korrekt anwendet.
    Z. B. (ähnlich hat es der Threadersteller auch gefühlt), dass ein Unwort ein Wort ist und nicht zwei oder drei oder vier. „Alternative Fakten“ sind zwei Wörter, also Unwörter und nicht „… ist Unwort des Jahres“.
    Sonst heißt das Unwort des kommenden Jahres: „Das Jahr, in dem Deutschland keine ordentliche Regierung bekam, weil sich die Volksparteien so dermaßen gezankt haben, dass das Volk Verzicht übte und erzwungene Neuwahlen ganz und gar bestreikt hat.“ Fände ich ein tolles Unwort des n. J.:lol:



    Frdl. Grüße und ein schönes Wochenende


    Christiane

  • Nicht ganz unwichtig ist, wenn man schon auf die „eigentümliche“ Entwicklung innerhalb der Sprache hinweisen will, dass man diese Sprache korrekt anwendet.
    Z. B. (ähnlich hat es der Threadersteller auch gefühlt), dass ein Unwort ein Wort ist und nicht zwei oder drei oder vier. „Alternative Fakten“ sind zwei Wörter, also Unwörter und nicht „… ist Unwort des Jahres“.


    Auf so ne rechthaberei würde ich mich nicht einlassen. Hat nichts mit der sache zu tun und es gibt immer einen, der mehr drauf hat. Ein "Wort" kann natürlich aus mehreren "Wörtern" bestehen, nicht aber aus mehreren "Worten".


    Es gibt auch noch das "Sprichwort", das "sagwort", das "schlagwort"... und das "Unwort". All dies kann aus mehreren "Wörtern" bestehen. Kannst mir glauben. Ein Mann, ein Wort.

  • […] Ein "Wort" kann natürlich aus mehreren "Wörtern" bestehen […]

    Richtig - es geht ja um in die Alltagssprache (durch ihre mediale Präsenz) eingeführte Begriffe. Und innerhalb dieser nicht einmal drei Jahrzehnte, denen solch ein "Unwort" von einer Jury ausgewählt worden ist, sind nur in neun Jahren aus mehreren Wörtern zusammengesetzte und dennoch getrennt geschriebene Schlagworte als Jahressieger hervorgegangen. Von der ethnischen Säuberung übers sozialverträgliche Frühableben, den notleidenden Banken bis hin zur Ich-AG. Krönend mag die aus drei Wörtern zusammengesetzte National befreite Zone herausragen. Aber auch das Opfer-Abo stößt den Personengruppen, die mit diesem Wort angesprochen werden, sauer auf.

  • Auf so ne rechthaberei würde ich mich nicht einlassen. Hat nichts mit der sache zu tun und es gibt immer einen, der mehr drauf hat. Ein "Wort" kann natürlich aus mehreren "Wörtern" bestehen, nicht aber aus mehreren "Worten".


    Es gibt auch noch das "Sprichwort", das "sagwort", das "schlagwort"... und das "Unwort". All dies kann aus mehreren "Wörtern" bestehen. Kannst mir glauben. Ein Mann, ein Wort.


    Da sagst du was...


    Im Zweifelsfall erst nachschlagen und dann kloogschieten. ;)


    https://www.duden.de/rechtschreibung/Wort


    Zitat


    Der Plural »Worte« wird meist für Äußerung, Ausspruch, Beteuerung, Erklärung, Begriff, Zusammenhängendes oder bedeutsame einzelne Wörter gebraucht:

    • sie sprach einige Worte zur Begrüßung
    • dies waren seine [letzten] Worte
    • ich will nicht viel[e] Worte machen
    • geflügelte, goldene Worte
    • mit ander[e]n Worten (Abkürzung m. a. W.)
    • mit guten, mit wenigen Worten
    • drei Worte nenn ich euch, inhaltsschwer
  • Nicht ganz unwichtig ist, wenn man schon auf die „eigentümliche“ Entwicklung innerhalb der Sprache hinweisen will, dass man diese Sprache korrekt anwendet.
    Z. B. (ähnlich hat es der Threadersteller auch gefühlt), dass ein Unwort ein Wort ist und nicht zwei oder drei oder vier. „Alternative Fakten“ sind zwei Wörter, also Unwörter und nicht „… ist Unwort des Jahres“.

    Meines Erachtens ist die Sprache korrekt angewendet, wenn das Wort "Wort" ;) aus mehreren Wörtern besteht, sofern sie nicht die von Dir zitierte Menge aufweisen. Dafür gibt es einige Beispiele: Dein Wort in Gottes Ohr, das Wort zum Sonntag, Wortklauberei, Mann des Wortes, das Wort Gottes, Auf ein Wort, Herr Nachbar - und sicher viele mehr. In keinem Fall ist ein einziges Wort gemeint.


    Sehe gerade, dass Konrad bereits wunderbare Beispiele herausgesucht hat.

  • Dann müsste es aber heißen "Alternative Fakten ist Unwort des Jahres", statt "... sind Unwort ...", oder nicht?


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Dann müsste es aber heißen "Alternative Fakten ist Unwort des Jahres", statt "... sind Unwort ...", oder nicht?


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Beide schreibungen sind möglich. Hat damit zu tun, dass das wort im plural daherkommt.

  • Dann müsste es aber heißen "Alternative Fakten ist Unwort des Jahres", statt "... sind Unwort ...", oder nicht?

    Heißt es doch auch. Es heißt weder "sind Unwörter des Jahres" noch "ist Unwörter des Jahres" noch "sind Unwort des Jahres".
    Es heißt "Alternative Fakten ist Unwort des Jahres". Bei "sind" würde(n) nicht der Begriff als solcher gewertet, sondern die Beschaffenheit der Fakten.

  • Heißt es doch auch. Es heißt weder "sind Unwörter des Jahres" noch "ist Unwörter des Jahres" noch "sind Unwort des Jahres".
    Es heißt "Alternative Fakten ist Unwort des Jahres". Bei "sind" würde(n) nicht der Begriff als solcher gewertet, sondern die Beschaffenheit der Fakten.


    Es gibt beide schreibungen. Kannst ja danach googlen.


    "Fakten" gibts halt nicht richtig im singular in der hochsprache. Also, kann sich ein "die" am anfang des satzes einschleichen, vielleicht auch nur als gedanke. "die alternativen fakten..." und dann kann man nicht mehr mit "ist" weitermachen.


    Ausserdem wäre das nur eine kritik über die berichterstattung - nicht über das unwortvergabeereignis oder den vergabeverein.