Ist die amerikansche Vorherrschaft vorbei?


  • Auch die Steuereinschnitte werden langfristig zu einer massiven Erhöhung der Staatsverschuldung führen, die in den USA eh schon astronomisch ist. Früher oder später, wird der Schuldenberg die USA erdrücken.


    Die öffentlichen Haushalte sind überschuldet, was an sich nicht schlimm ist, denn spätestens wenn eine Währungskrise droht muss man zwangsweise die Steuern erhöhen und das Geld ist ja eigentlich da. Das Problem sind die Folgen für den Teil der Bevölkerung, der auf staatliche Versorgung angewiesen ist wie Krankenversicherung, Schulbildung oder handlungsfähige Polizisten und Feuerwehrleute. Diese chronische Unterversorgung von Millionen Wählern hat die Wahl Trumps ermöglicht und nach seinem Scheitern an dieser Situation wird der nächste Protestkandidat gewählt. An eine Rückkehr zur politischen "Normalität" glaube ich jedenfalls nicht so schnell. Dafür gibt es zu viele Verlierer und zu wenige Gewinner in der Wählerschaft.


    (...) Seht ihr das anders? Was wird das für Folgen haben?


    Eine Folge hat es ja bereits: Die USA werden nicht mehr ernst genommen. Es gab ja immer mal wieder US-Präsidenten, deren Äußerungen und Taten international belächelt oder verachtet wurden, allerdings stets in dem Glauben, dass er genau weiß was er anrichtet, weil er ein bestimmtes Ziel hat. Ob nun für seine persönliche Karriere, sein Portemoine oder (im Ausnahmefall) für sein Land. Bei Trump hingegen wird ernsthaft darüber nachgedacht, ob er psychisch krank oder dement sei.


    Sicherlich gäbe es auch andere Erklärungen aber es stellt sich schon die Frage ob Nordkorea sich getraut hätte seine nuklearen Muskeln spielen zu lassen oder Erdogan die syrischen Kurden angreifen würde, wenn die USA einen anderen Präsidenten hätte. Besonders kurios fand ich in dieser Hinsicht das Säbelrasseln inklusive Ultimatum der Saudis gegenüber Katar, das immerhin einen wichtigen US-Luftstützpunkt beherbergt. Ebenso merkwürdig, dass es kein klares öffentliches Statement dazu aus dem Weißen Haus gab. Auch wenn es bislang keinen Rückzug der US-"Schutztruppen" gab, die vielerorts auf der Welt stationiert sind: Der Schutz wird angezweifelt, sowohl auf Seiten der Partner als auch auf Seiten der verfeindeten Nachbarschaft.


    Ob die Welt dadurch friedlicher, fairer oder in einem anderen Sinne besser wird, darüber wird man erst in vielen Jahren diskutieren können.

    Einmal editiert, zuletzt von Zippo ()

  • Der harte Kern, die etwa 30% der Republikaner, die immer hinter Trump stehen würden, werden niemals eine Partei akzeptieren, die versucht ernsthaft Schwarze und Hispanics einzubinden. Das sind die weissen Nationalisten.
    Natürlich werden die Reps nicht verschwinden. Aber sie werden sich stark verändern und der rechte Rand wird militant und vielleicht auch terroristisch werden, weil sie keine Mehrheiten mehr bekommen.


    Naja, bei der letzten Wahl hatten die Republikaner 2 Latinos, einen Schwarzen und einen indisch-stämmigen Hindu als Kandidaten aufgeboten, die Demokraten hatten ausschließlich ältere Weiße. Besonders bei den eher katholisch-konservativen US-Amerikanern mit lateinamerikanischen Wurzeln sind die Republikaner recht erfolgreich. Selbst wenn der Kandidat von mexikanischen Vergewaltigern fabuliert, wegen denen man eine Mauer errichten müsse.


    Ich sehe eher ein Problem für die Demokraten, die lange Zeit von den mitgliederstarken Industrie-Gewerkschaften profitieren konnten. Alleine dadurch saßen sie in vielen kleinen und mittelgroßen Städten fest im Sattel. Auch Angestellte staatlicher sozialer Einrichtungen haben in der Regel demokratisch gewählt. Aber die großen Gewerkschaften gibt es vielerorts nicht mehr, weil die Fabriken längst dichtgemacht haben und dort wo neue gebaut wurden ist die Macht der Gewerkschaft gesetzlich arg eingeschränkt dank der Koch-Brüder und ihren Politmarionetten. Auch das andere Standbein, die staatlichen Einrichtungen, wird kaputtgespart.


    Die Republikaner hingegen haben immer noch die Kirchen und die großen Arbeitgeber als Anbindung an den Alltag des einfachen Mannes/ der einfachen Frau. Das macht sie momentan "volksnäher" und das zählt in Wahlkreisen abseits der Küstenmetropolen recht viel. Andererseits war Sanders mit seinem Angriff von links auch recht erfolgreich und wenn die Demokraten nächstes Mal schlauer sind, booten sie diesen Flügel nicht im Vorfeld aus. Vielleicht haben sie dann eine Chance und der US-Wähler ist nach den harten Lektionen weniger unlinks als erwartet.

  • Naja, bei der letzten Wahl hatten die Republikaner 2 Latinos, einen Schwarzen und einen indisch-stämmigen Hindu als Kandidaten aufgeboten, die Demokraten hatten ausschließlich ältere Weiße. Besonders bei den eher katholisch-konservativen US-Amerikanern mit lateinamerikanischen Wurzeln sind die Republikaner recht erfolgreich. Selbst wenn der Kandidat von mexikanischen Vergewaltigern fabuliert, wegen denen man eine Mauer errichten müsse.


    Ich sehe eher ein Problem für die Demokraten, die lange Zeit von den mitgliederstarken Industrie-Gewerkschaften profitieren konnten. Alleine dadurch saßen sie in vielen kleinen und mittelgroßen Städten fest im Sattel. Auch Angestellte staatlicher sozialer Einrichtungen haben in der Regel demokratisch gewählt. Aber die großen Gewerkschaften gibt es vielerorts nicht mehr, weil die Fabriken längst dichtgemacht haben und dort wo neue gebaut wurden ist die Macht der Gewerkschaft gesetzlich arg eingeschränkt dank der Koch-Brüder und ihren Politmarionetten. Auch das andere Standbein, die staatlichen Einrichtungen, wird kaputtgespart.


    Die Republikaner hingegen haben immer noch die Kirchen und die großen Arbeitgeber als Anbindung an den Alltag des einfachen Mannes/ der einfachen Frau. Das macht sie momentan "volksnäher" und das zählt in Wahlkreisen abseits der Küstenmetropolen recht viel. Andererseits war Sanders mit seinem Angriff von links auch recht erfolgreich und wenn die Demokraten nächstes Mal schlauer sind, booten sie diesen Flügel nicht im Vorfeld aus. Vielleicht haben sie dann eine Chance und der US-Wähler ist nach den harten Lektionen weniger unlinks als erwartet.



    Was die Schwarzen angeht, so hat sich seit Trump die Entwicklung ergeben, dass sie in größeren Zahlen als sonst zur Wahlurne gehen und stärker die Republikaner ablehnen, als je zuvor.
    In Alabama letzten Monat, wählten 97% der Schwarzen die Demokraten, wenn ich mich recht entsinne. Trump schnitt nicht allzuviel besser ab.
    Bei den Latinos ist es etwas komplizierter, das stimmt.
    Nichtsdestotrotz ist das Hauptproblem für die Republikaner, die junge Generation, zwischen 18 und 26.
    Die Reihenfolge der beliebtesten Politiker, ist bei denen wie folgt
    1. Bernie Sanders: 31%
    2. Obama: 18%
    3. Hillary Clinton: 11%
    4. Donald Trump: 9%
    etc. Hätte nur die junge Generation gwählt, wären fast alle Staaten an die Demokraten gegangen. (https://thumbs.mic.com/NmIxYWM…HBuaTNoZnI0am1mLmpwZw.jpg)
    Der durchschnittliche Fox-Zuschauer, die Hauptinformationsquelle für Republikaner, ist knapp über 70.
    Es gibt Mehrheiten für die Homo-Ehe, Dekriminalisierung der Drogen, eben für traditionell demokratische Programmatik unter sogar noch grösseren Teilen der Bevölkerung. (https://theintercept.com/2016/…are-terrifyingly-liberal/)
    Das die Minderheiten bald die Mehrheiten stellen, ist da nur ein Faktor unter mehreren. Den Republikanern stehen harte Zeiten und Reformen ins Haus.

    Einmal editiert, zuletzt von A0583 ()

  • ...
    Der durchschnittliche Fox-Zuschauer, die Hauptinformationsquelle für Republikaner, ist knapp über 70.
    ...
    Das die Minderheiten bald die Mehrheiten stellen, ist da nur ein Faktor unter mehreren. Den Republikanern stehen harte Zeiten und Reformen ins Haus.


    Unerträgliches Gequatsche ! Malen Sie den Teufel nicht an die Wand Sie Rothaut !! Wir werden ja noch sehen, wer die Kirchen voll bekommt !!! :sifone:

  • Unerträgliches Gequatsche ! Malen Sie den Teufel nicht an die Wand Sie Rothaut !! Wir werden ja noch sehen, wer die Kirchen voll bekommt !!! :sifone:


    :p


    Noch mehr davon:


    Data shows a downward demographic spiral for Republicans


    Zitat


    [FONT=&amp]The impact of this change has certainly been felt in recent elections. Local and state-level elections in regions with significant minority populations have consistently moved Democratic, and there is no real indication to believe this is changing anytime soon. It’s also been true at a national level. In this past November’s presidential election, Democrats benefited from [/FONT]89 percent and 66 percent[FONT=&amp] of African-American and Latino votes, respectively.[/FONT]


    https://techcrunch.com/2017/02…c-spiral-for-republicans/


    Alabama presented the demographic nightmare that’s been looming for the Republican Party
    https://www.washingtonpost.com…y/?utm_term=.28013e8a2d79




    Alabama hat demokratisch gewählt. ALABAMA. Das ist das tiefste republikanische Hinterland.


    Daher kommt Trump mit Einreisestopps und Forderungen nach Mauerbau so gut an. Die spüren das selber. Das sind Panikreaktionen.

  • :p
    Alabama hat demokratisch gewählt. ALABAMA. Das ist das tiefste republikanische Hinterland.


    Daher kommt Trump mit Einreisestopps und Forderungen nach Mauerbau so gut an. Die spüren das selber. Das sind Panikreaktionen.


    Um das nochmal aufzugreifen:


    Das ist m.E. kein taugliches Beispiel, weil der Gegenkandidat der GOP ein radikaler, rassistischer, homophober Hardcorechrist und Sklavereifan ist, der als Richter am Supreme Court bereits zwei Mal des Amtes enthoben wurde. Die Umfragen waren von Beginn an relativ knapp und als er dann auch noch des mehrfachen Missbrauchs Minderjähriger verdächtigt wurde war er sogar im stockkonservativen Alabama chancenlos.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Roy_Moore


    Selbst Trump ist zu dem auf Distanz gegangen.

  • Das bedeutet zumindest, das in sehr absehbarer Zeit republikanische Mehrheiten immer unwahrscheinlicher werden.
    Die militärische Vorherrschaft wird noch jahrzehnte andauern, nichtsdestotrotz wird China die USA bald wirtschaftlich überholen und auch das wird starke Auswirkungen auf das globale Machtgefüge haben.
    Da nützen alle Flugzeugträger nichts. Schon gar nicht, wenn man die mit einer einzigen Rakete versenken kann.


    Flugzeugträger versenkt man höchstens in der Theorie mit einer einzigen Rakete. In der Praxis fahren diese Pötte nämlich nicht umsonst mit einem Trägerverband in der Weltgeschichte umher, der sie jederzeit gegen solche Gefahren abschirmen soll. Da ist vom Lenkwaffenzerstörer bis zum Atom U-Boot alles vertreten, was die US-Navy aufzubieten hat. Der letzte Admiral, der bei einem NATO Manöver ein (deutsches) U-Boot zu dicht an die schwimmende Landebahn heranließ, wurde noch auf der Brücke seines Postens enthoben. In dieser Beziehung sind die Yankees völlig humorbefreit.


  • Früher hätte auch einer wie Moore ohne Probleme dort gewonnen. Aber dieses Wählersegment stellt in Zukunft keine Mehrheiten mehr.

  • Flugzeugträger versenkt man höchstens in der Theorie mit einer einzigen Rakete. In der Praxis fahren diese Pötte nämlich nicht umsonst mit einem Trägerverband in der Weltgeschichte umher, der sie jederzeit gegen solche Gefahren abschirmen soll. Da ist vom Lenkwaffenzerstörer bis zum Atom U-Boot alles vertreten, was die US-Navy aufzubieten hat. Der letzte Admiral, der bei einem NATO Manöver ein (deutsches) U-Boot zu dicht an die schwimmende Landebahn heranließ, wurde noch auf der Brücke seines Postens enthoben. In dieser Beziehung sind die Yankees völlig humorbefreit.


    Das sehen die Amerikaner scheinbar nicht so entspannt.


    Zitat

    A 2009 US Naval Institute report confirmed the formidable threat of the missile, noting that its warhead would be large enough to destroy a carrier in one hit and that in theory there was “currently no defense against it.â€


    http://nationalinterest.org/bl…ean-big-trouble-the-24284

  • Früher hätte auch einer wie Moore ohne Probleme dort gewonnen. Aber dieses Wählersegment stellt in Zukunft keine Mehrheiten mehr.


    Das denke ich auch. Klassisch erzkonservative Frömmler haben bei den Republikanern an Bedeutung verloren und räumen ihren Platz für neurechte Neoliberale wie Trump. Das konnte man bereits 2012 sehen, als sich mit Mitt Romney ein Kandidat durchsetzte, der zuvor Gewerkschaften bekämpfte und sich weigerte seine Steuerunterlagen zu veröffentlichen. Ihm fehlte bloß die politische Incorrectness um die Massen zu begeistern.


    Habe neulich auf arte eine Doku über die (ausschließlich weißen) Minenarbeiter in West Virginia gesehen (noch bis 08.04. in der Mediathek). In den 90ern haben in den Appalachen noch 80% Clinton gewählt, 20 Jahre später wählten 80% Trump. Es kommen relativ junge Kohlekumpels zu Wort, die täglich 10-11 Stunden unter Tage arbeiten, bereits mit 30 über erste Symptome einer Staublunge berichten, aber dennoch freiwillig auf Atemschutzmasken verzichten, weil sie so effektiver arbeiten können. Die Anzahl tödlicher Arbeitsunfälle ist unzeitgemäß hoch und daran gemessen sind die Gehälter eher mau.


    Ihre Ur-Grossväter haben noch unter sklavenähnlichen Bedingungen gearbeitet, in firmeneigenen Barracken gelebt und die Gehälter nur in einer firmeneigenen Company Währung ausgezahlt bekommen. Ihre Grossväter haben gestreikt und wurden deswegen von firmeneigenen Söldnern abgeknallt. Ihre Väter profitierten dann von dem einen oder anderen demokratischen Präsidenten, die die Rechte für Gewerkschaften ausbauten bis dann Obama mit neuen Umweltauflagen kam, die zur Schließung zahlreicher Minen und massiver Arbeitslosigkeit führten. Und dann kam Trump, dessen Absage an den Klimaschutz tatsächlich zur Neubelebung der Kohlewirtschaft führte, allerdings unter miesen Bedingungen für die Kumpels.


    Diese jungen Kerle denken aber gar nicht an Gewerkschaften, Streiks oder Umschulung, sondern sehen ihre einzige Perspektive in der Kohle. Obwohl sie wissen, dass sie in einer der einkommensschwächsten Region der USA leben mit einer absurd niedrigen durchschnittlichen Lebenserwartung für die "Erste Welt". Eigentlich sollten sie längst gemerkt haben, dass ihr Arbeitgeber seine Profite irgendwo anders verprasst und die Hillbillies in West Virginia (wenn überhaupt) nur mit dem Nötigsten abgespeist werden.


    Diesen Sozialmasochismus dem dort gefröhnt wird werden wahrscheinlich weder Du noch ich je verstehen. Aber solange er existiert werden es abseits der Küsten progressive Kräfte weiterhin schwer haben.

  • Diesen Sozialmasochismus dem dort gefröhnt wird werden wahrscheinlich weder Du noch ich je verstehen. Aber solange er existiert werden es abseits der Küsten progressive Kräfte weiterhin schwer haben.


    Solange sie den American Dream des vorletzten Jahrhunderts nicht hinterfragen, solange werden sie halt Staub fressen.Ich habe die exzellente Arte-Doku auch gesehen und kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.Wobei es in Amerika eine starke Arbeiterbewegung gab, die während der "Eisenbahkriege" (Tycoone) auch mal ganze Eisenbahnschuppen (+Züge) abfackelten.Es wurde wortwörtlich Arbeitskampf in den USA betrieben.Das endete erst, als die Mafia die Gewerkschaften kaperte und später diese zerschlagen wurden.Der Arbeiterfeind Nr.1 (J.E. Hoover) hatte auch maßgeblichen Anteil daran.

  • Die US-amerikanische Vorherrschaft wird erst enden, wenn die Europäer sich ihrer Macht und ihrer Fähigkeiten bewusst werden, sie begreifen, dass sie als Vasallen der USA nichts bewirken können und nur für deren Interessen mißbraucht werden, die keineswegs europäische Interessen darstellen. Die Einheit Europas als Bundesstaat ist die Voraussetzung, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Einfluß auf eine positive gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit insgesamt nehmen zu können. Der Zustand der EU derzeit resultiert aus der Austeritätspolitik und dem leider wieder erwachten völlig abwegigem Nationalismus, der schon im 20.Jahrhundert Europa in zwei Weltkriege geführt hat. Hier muss entschieden etwas geschehen.